Dienstag, 6. Mai 2008
selfish letters to yourself
ich bin immer noch die, die ende 2005 feststellte, dass sie nicht wirklich da ist.
sie ist eine projektion, ein produkt, eine maschine. sie fühlt diffus. sie fühlt, dass sie nichts fühlt. es ist ein vakuum.
sie freut sich nicht. sie hat kaum mut. sie fasst dennoch fremde hände, vertraut aber nicht, will sich losreißen, wenn es zu spät ist.
sie hat angst vor dem morgen. sie kommuniziert diese angst aber nicht. niemand würde die annehmen, teilen, verscheuchen.
sie hat keine illusionen, keine träume. sie brennt ohne zu wärmen. sie verbrennt und hinterlässt nichts.
sie glaubt nichts mehr.
sie hört auf zu lieben.

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Montag, 5. Mai 2008
schnalle
eine u-bahn-linie, gegen 17 uhr, berufspendler en masse. ich habe einen sitzplatz ergattert und strecke meine langen beine aus. die hose rutscht dabei hoch bis zum knöchel und offenbart meine plastik-riemchen-schluppen, die ich heiß und innig liebe.
schräg gegenüber ein mann, den zenit seines lebens knapp überschritten, der meinen entblößten riemchen-schuh-fuß fixiert und dann zu kichern beginnt. ich starre ihn böse an, dann bricht es aus ihm heraus:
"schnalle... hihi... sie hamm da ne schnalle..."
erst kapiere ich gar nichts, weil ich ein so verdammt gutmütiger mensch bin. dann sagt er nochmal, haltlos kichernd:
"schnalle... ne schnalle..."
was für eine bodenlose frechheit. ich stoppe den ersten impuls, meine beringte hand zur faust zu ballen und ihm sein kichern samt schneidezähnen in die speiseröhre zu schieben, bleibe cool, atme tief durch, strecke mein dekolltee heraus und sage todernst:
"glaub mir, ich bin viel zu teuer für dich."
ich fixiere seinen blick dabei und kann zusehen, wie sein schleimiges rückgrat den bogen macht, das kichern erstirbt, eine zarte röte über seine wangen huscht. dann dreht er den kopf und starrt betreten an die vertäfelung neben meiner schläfe.
dem hat die maisonne heute wohl ein wenig die grütze vertrocknet.

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Dienstag, 22. April 2008
amt für irrsinn, teil III
frisches aprilgrünes gras fällt duftend in kleinen häufchen neben die sensen der mähmaschine, die autobahnabfahrt steht voller löwenzahn. die lufttemperatur ist auf pipiwarme 18 grad gestiegen und die menschen werden wieder hässlicher, weil sie weniger an haben.
trotz akuter regenwarnung fahre ich mit dem fahrrad herum, weil fahrkarten inzwischen zum luxus geworden sind. außerdem macht radfahren ein wenig glücklich, wegen der sportlichen endorphine und der mutti-hüfthöcker-verkleinernden funktion.
ich bremse bei der agentur für irrsinn in meinem heimatkaff. heute habe ich ein beratungsgespräch mit einer frau, die auf arbeitslose akademiker spezialisiert ist.
"guten tag!" forsch betrete ich auf die minute pünktlich das kleine kabuff. eine frau, sicherlich noch einmal fünf zentimeter größer als ich und mit dringend nachzufärbenden haaransatz, gibt mir die hand. dann setze ich mich und beginne, stumm die zimmerpflanzen zu mustern. die frau begreift, dass sie hier das gespräch beginnen muss.
"so, was haben sie denn so für fragen?"
ich sehe sie entgeistert an.
"in meinem schreiben steht, sie wollen sie mit mir über meine berufliche situation" - ich halte kurz inne, um zu kichern, weil es ja gar keine berufliche situation gibt - "weil sie sich mit mir unterhalten wollen. steht in diesem schreiben." ich halte ihr das anschreiben von der agentur für arbeit vor die nase.
"ja, so, dann sehen wir mal nach." sie hackt meine kundennummer in den pc und wartet. dann sind meine daten offenbar geladen und sie wendet sich wieder mir zu:
"sie haben also an der fh studiert."
"falsch."
"aber hier steht..."
"das ist falsch. ich habe an der uni studiert."
"achja. hier steht es ja: sie haben grundschullehramt studiert."
"auch falsch. ich habe gymnasiallehramt studiert."
"ach so."
"das steht aber alles in meinen unterlagen."
"ich habe keine unterlagen von ihnen erhalten."
"ich habe mein arbeitspaket aber letzte woche zum vorgegebenen termin eingereicht."
sie wühlt in ihrem schreibtisch.
"ach, da ist es ja."
"und wer lesen und abschreiben kann, erkennt darin auch ganz deutlich, was und wo ich studiert habe."
"okay..." sie schaut verwirrt drein und beginnt so hektisch wie halbherzig zu blättern.
"dann ändern wir das also."
"ich bitte darum." leicht verärgert lehne ich mich in meinem stuhl zurück. das klingt ja schon wieder alles fabelhaft.
"sie haben keinen abschluss?"
"wiebitte?" jetzt bin ich erschrocken.
"sie haben ihr studium nicht abgeschlossen, oder?"
"ich habe ihnen doch meine zeugnisse alle beigelegt. da sind ist ein bescheid dabei, in dem steht, dass ich das erste staatsexamen bestanden habe. sehen sie doch bitte nach!"
wieder wühlt sie, hält dann den falschen zettel in der hand, nickt aber.
"dann müssen wir das auch ändern, in ihrem kundenprofil steht nämlich: studium ohne abschluss."
"na, ganz prima!"
sie beginnt, die falschangaben auszubessern. fast jedes feld, vom adresseintrag abgesehen, trägt irgendwelche fehler. dann ist sie fertig.
"sie wollen also nicht grundschul-, äh, gymnasiallehrerin werden."
"richtig."
"warum nicht, wenn ich fragen darf?"
"ich mag keine kinder. es ist mir gleich, ob eines von ihnen abitur macht oder nicht. ich stehe vor der klasse und langweile mich tödlich, weil ich nichts von dem, was ich kann oder was mich interessiert, niveauvoll anbringen kann."
"aha. und was wollen sie stattdessen werden?"
"wie unschwer aus meinen angaben zu erkennen ist: ich will in die pr-branche beziehungsweise in die redaktion."
"äh, ja. und haben sie irgendwelche fragen?"
"ja. wie kommen sie darauf, dass praktika grundsätzlich nicht sozialversicherungspflichtig sind und damit bewerbungskosten nicht erstattet werden?"
"äh, ähm... warum?"
"weil das hier so steht. in der realität sieht das aber ganz anders aus. und ich möchte wissen, ob die klausel mit dem faktum der sozialversicherungspflicht hinfällig wird oder ob ich das praktikum anders deklarieren muss, um meine bewerbungskosten erstattet zu bekommen."
"äh, ähm..." große wühlaktion im schreibtisch. nach mehreren minuten taucht die beraterin wieder auf und rückt ihre brille zurecht.
"sicherheitshalber würde ich dann nicht von prakitkum sprechen. sie haben dann bessere chancen, überhaupt etwas erstattet zu bekommen."
"ja, wie, kriege ich denn jetzt doch was nicht erstattet?"
"das liegt beim gutachter und was der ihnen beimisst."
"und an welchen kriterien bemisst der gutachter genau was?"
"das kann ich ihnen jetzt auch nicht so genau sagen."
"sehen sie, das ist der satz, den ich bisher am häufigsten auf dem arbeitsamt gehört habe."
sie lacht nervös. dann wühlt sie wieder und taucht diesmal mit einem weißen blatt wieder auf.
"hier stehen internetadressen drauf, wo sich akademiker bewerben können."
ich lese biochemie, maschinenbau und vieles andere, aber nichts, was mir weiterhelfen würde.
"da ist nichts für mich dabei."
"achja. naja, aber ich kenne da eine seite im internet..." sie tippt und schaut und tippt und wartet.
"da, sehen sie, das ist ein portal für stellenanzeigen im medienbereich... also jetzt eher regional."
"sie wissen schon, dass ich ab juni in hamburg wohne?"
"äh, ja, dann... da kann unter umständen auch schon was dabei sein, wenn das unternehmen vielleicht auch in hamburg eine niederlassung hat."
"ich sehe hier kein einziges angebot aus hamburg."
"ähm, ja stimmt." sie kichert nervös.
langsam bekomme ich das gefühl, bei einem casting für grundschullehrerinnen zu sein. wir behandeln gerade das thema 'einfach erklären mit vielen wiederholungen für intellektuell schwache schüler'.
ich sage: "ich habe bisher die meisten stellenanzeigen auf brancheninternen websites gefunden." ich nennen zwei, drei meiner meistbesuchten jobbörsen.
"ähm, ja, dann brauche ich ihnen ja hier nichts zu erzählen, was sie ohnehin schon wissen."
"genau."
und bevor sie zum nächsten stoiberschen "ähm" ansetzen kann, stehe ich schon, habe meine tasche über meine schulter geworfen und sage ironisch-artig: "vielen dank, sie haben mir sehr weitergeholfen."
"ja, äh, dann auf wiedersehen."

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Samstag, 19. April 2008
springen, unbezahlt oder umsonst?
ein lebensabschnitt geht für mich zu ende. ich habe mein studentisches lotterleben beendet und muss nun ab juni die praktika ableisten, die für meine weitere berufliche laufbahn, für die ich mich entschieden haben, vonnöten sind. ab dem nächsten monat falle ich in eine "soziale grauzone", wie der versicherungsfuzzi der aok es ausdrückte. kein anspruch auf hartzIV, kein chance, in die gesetzliche krankenkasse zu wechseln - ich war während meines studiums privat versichert und man muss zwei jahre pflichtversichert gewesen sein, um sich freiwillig gesetzlich versichern zu dürfen - weil ich keine sozialversicherungspflichtige arbeit habe.
eigentlich kann ich mir eine private kasse nicht leisten. im moment habe ich einen 400-euro-job, der hätte gerade für die gesetzliche kv und eine mietbeteiligung in hamburg gereicht. ich bat also zuhause um einen privatkredit, den ich nicht bekomme. ich solle lieber ins referendariat gehen, wenn ich geld brauche, so mein vater.
ich habe seit meinem fünften lebensjahr all mein mir irgendwie zufallendes geld gespart, mit dem untrüglichen instinkt, dass man es in schweren zeiten brauchen könnte. ich habe mit 18 meinen eltern kredit in höhe von mehreren tausend mark gegeben, weil sie sich zu ihrem haus noch eine eigentumswohnung kauften und ich diese entscheidung in ihrer situation - geldanlage fürs alter - sinnvoll fand. das geld liegt - mittlerweile in euro zurückgezahlt und verzinst - auf einem konto, das auf meinem namen angelegt ist. ein anlagekonto, das sich unter anderem hartzIV-verhindernd auswirkt.
sollte ich den sich im augenblick abzeichnenden weg einschlagen, werde ich mindestens fünf monate auf eigene kosten privat versichert sein müssen, weil praktika nichts oder zu wenig abwerfen und ich, auch wenn ich das ganze wochenende immer jobben gehe, wahrscheinlich die 400-euro-grenze nicht sprengen werde, die mich sozialversicherungspflichtig machen würde.
nachdem ich nun die ganze nacht mit mir gerungen habe, weil ich ein mensch bin, der eigentlich schon ein paar sicherheiten braucht, habe ich die folgenschwere entscheidung in erwägung gezogen, dass ich meine reserven - das anlagekonto - dazu verwenden könnte, mir die chance zu geben, diesen unsicheren und steinigen weg zu gehen.
es lockt ein leben zu zweit mit dem mann meiner träume, in der stadt meiner träume, in einem beruf, den ich wirklich ergreifen will. es warnt mich die endlosschleife schlecht oder gar nicht bezahlter praktika, meine merkwürdige soziale situation, mein selbstzweifel, meine schlechte körperliche verfassung. es warnt mich die tatsache, dass selbst menschen, die mich lieben müssten, weil sie mich geboren haben, kein vertrauen in mich aufbringen.
meine angst ist unendlich groß. eine völlig ungekannte angst, die nicht mit prüfungsängsten zu vergleichen ist. ich falle nicht mehr weich, es gibt keine zweiten chancen. es gibt nur springen und siegen oder springen und untergehen. nicht zu springen verbitte ich mir. ich will nicht in die knie gehen, nicht mehr vor mir, schon gar nicht vor anderen. nicht vor der angst, die dann bloß verzweiflung würde.

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Mittwoch, 16. April 2008
neue weisheiten (ohne binsen wegen steigender getreidepreise)
- heute nach einigen telefonaten mit krankenkassen erfahren, dass ich so wenig verdiene, dass ich mich nicht gesetzlich krankenversichern darf, wenn man es mit dem gesetz genau hält. zumal ich zuvor privat versichert war und nicht die vorgeschrieben zwei jahre pflichtversicherung mitgenommen habe. ich habe es schon immer geahnt: dieses staatliche system ist eine einzige stirb-schneller-methode. du bist jung, hochqualifiziert und arm? stell dich schon mal am friedhofstor an.

- ich bin kein sehr moralischer mensch. gewisse gefühle des anstands und der empathie gehen mir vollständig ab. manche nennen das "zynisch". manche nennen das "geil". man lebt sehr viel angenehmer so, stellte ich heute fest. haben meine eltern also doch nicht alles falsch gemacht mit meiner erziehung. referrer-anfragen wie "große titten in walsrode" kann ich daher zwar nicht positiv beantworten, aber auch nicht richtig schlimm finden."

- mein kamikaze-körper schafft es einfach nicht, sich selbst ornungsgemäß hinwegzuraffen. heute kam die nachricht, dass ich vermutlich doch nicht erblinden werde. meine exkavationen des sehnervs seien zwar beträchtlich, mein sehnerv selbst aber so groß und stark, dass wir im moment keinen grund zu befürchtungen haben. sogar kontaktlinsen darf ich weiterhin tragen. find ich ja schick.

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Sonntag, 13. April 2008
kallesruh is doad
heute ausnahmsweise fast einmal erleichert über eine absage gewesen. der job, der in karlsruhe gewesen wäre, wird nicht meiner. dafür ein paar neue hamburger interessenten. das heißt, ich bleibe hamburg erhalten bzw. der kater bleibt hamburg erhalten und ich bin dann ab mai/juni fest vor ort. das ist vom wohlfühlfaktor her für uns beide die beste lösung.

karlsruhe ist aber auch einfach zu hässlich. ich glaube, ich wäre da total eingegangen, obwohl ich ja aus meinem kleinen assokaff einiges gewohnt bin. aber wo provinzialität nicht asozial, sondern einfach nur borniert und spießbürgerlich daherkommt, kann sie dennoch ungeheuer anstrengend sein.
und dann die wohnungen. hamburger mietniveau (drei zimmer, 70qm, nicht unter 800 euro warm), aber ohne jegliches flair. man wähnt sich in einem schlecht sanierten dorf in ostdeutschland oder vergleichsweise am stadtrand vom erlangen.
keine u-bahn, aber straßenbahnen, die beim halten den kompletten verkehr lahmlegen.
lauter baustellen, grauer beton, berlin-ähnlich. die s-bahnen offenbar aus den 70er jahren, zumindest vom design her.

leben bedeutet mehr als arbeiten. leben, das bedeutet über der erde oder unter der erde. wir sind glücklich, wenigstens gefühlt endlich auf der richtigen rolltreppe zu stehen.
das glück vollkommen machen würde nun höchstens noch ein kleiner kater.

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völlig unpolitisch unkorrekt
ich spiele rot-grün, der cabkater schwarz-gelb. die rede ist von mensch-ärgere-dich-nicht, und wie jedesmal gewinnt der cabkater mit gelb. während ich mehr taktiere und auf schmeißen bedacht bin, weil mein niederträchtiger charakter das so verlangt, würfelt der kater einfach eine sechs nach der anderen, während er gelangweilt an einem bier nuckelt. "och nee, schon wieder, ich bräuchte jetzt aber auch mal eine eins", seufzt er genervt.
ich habe schon das zweite bier aufgemacht, den frust irgendwie runterspülen, weil auch das kurz-vorm-loch-schmeißen bei soviel glück nicht mehr wirklich genugtuung verschafft, weil ich gnadenlos die loserin bin.
"das ist fast wie beim bloggen", finde ich. "da schreibt man komplexe einträge und keinen interessierts, und irgendein namhafter blogger sülzt was übers wetter, so in einem ein-satz-beitrag, und kriegt 95 kommentare von irgendwelchen schleimern."
bei anderen glücksspielen bin ich dem cabkater aber dennoch überlegen. soviel glück in der liebe wäre ja auch unerträglich.

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Dienstag, 8. April 2008
des irrsinns zweiter teil
da ich früh aufgewacht und gleich in entsprechender laune (rumpelstilzchen mit einem hauch todesdramatik) war, rief ich beim "normalen" arbeitsamt an und wollte sehen, ob mir eine fünfte person eine vierte variante zum thema bewerbungskostenerstattung darstellen konnte. und siehe da - heute war ein junger herr an der leitung, der mir erklärte, es laufe zwar so wie mir die frau am vortag erklärt hatte, allerdings sei ich akademikerin und müsse nach dem persönlichen anmelden und vor dem versenden der entsprechenden unterlagen noch zu einem privaten gespräch mit einer anderen agentur in die nächste stadt fahren. ich sagte, soso, und dachte, mal sehen, was davon nun wieder stimmt. jetzt erstmal step one: anmelden.

meinem chef, der mich wie jeden dienstag um neun uhr im büro erwartete, hatte ich gesagt, ich käme eventuell eine viertelstunde später. man weiß ja nie, was den arbeitsämtlern alles einfällt.
ausweis, lebenslauf und sozialdingensbumens eingepackt und los ging es. da der bus nicht kam - wie immer, wenn irgendetwas wichtiges und uhrzeittechnisch prekäres bei mir ansteht - nahm ich die beine in die hand und joggte dahin. zum glück ist das arbeitsamt nur vier bushaltestellen von meinem kargen heim entfernt und ich hätte mir schon den fuß brechen müssen, um das nicht irgendwie zu schaffen.
ich stürmte die agentur für arbeit um kurz nach acht, das heißt, mir blieben etwas über 30 minuten, bis ich weiter musste.
an der voranmeldung standen schon zwei tussis, von denen jede fünf minuten verbrauchte, dann war ich an der reihe und sagte mein sprüchlein auf und zeigte meinen ausweis. gottseidank war die tante diesmal jung und nett und gratulierte mir sogar zum geburtstag, mit der anmerkung, sie habe am wochenende selber den ihren gehabt. just als ich zu einem fröhlichen lachen ansetzen wollte, gefroren die gesichtszüge der tante und sie begann zu murmeln, "gibts doch nicht, was ist das denn nun?" - dann, zu mir gewandt: "das programm ist abgestürzt!" ich hielt das nicht für weiter schlimm, prophezeite sie mir doch, es ginge in ein paar minuten weiter. ich solle mich solange setzen.
auch nach ein paar minuten erkannte ich an ihrem hektischen fummeln, dass es durchaus nicht so einfach weitergehen würde. "notfalls müssen sie morgen nochmal wiederkommen", sagte sie schulterzuckend. "das geht nicht, ich habe da keine zeit und ich bin die ganze woche dann nicht da. und nächste woche ist es wahrscheinlich schon zu spät..." zu spät würde ich auch gleich ins büro kommen, jedoch nahm ich mir vor, nicht von diesem ort zu weichen, bis ich mein anliegen hinter mich gebracht haben würde. <emo-mode>ich würde mich in ketten werfen, ich würde schreien und weinen, mit meinen tränen den rauhen teppich fluten, und mit meinem herzblut, das mir aus den ob meines bitteren schicksals aufbrechenden pulsadern dringen würde, einen tödlichen kurzschluss auslösen, der alle daten des heutigen tages ins off zu befördern vermochte.</emo-mode>

exakt zur minute null meiner verbleibenden zeit winkte mir dann die kollegin der voranmeldungstante. "kommen sie mal her", sagte die, die sehr tolle blaue augen hatte und überhaupt sehr hübsch und vollkommen gelassen in dem ganzen trubel blieb, "wir machen das jetzt anders." sie bat mich um meine unterlagen, die sie kopieren ging. "also, ich bestätige ihnen, dass sie persönlich hier waren. ich habe jetzt ihre unterlagen, und sobald es heute nachmittag weiter geht, hören sie telefonisch von mir." "und was ist mit dem anderen gespräch, das ich da mit der akademiker-agentur führen soll?" "hm, das sagt mir nichts. wir nehmen sie jetzt hiermit auf, und sobald sie ein bewerbungsgespräch haben, sagen sie uns rechtzeitig bescheid, telefonisch oder persönlich, dann geben wir ihnen die papiere mit, die der arbeitgeber unterzeichnen muss." ich hatte es ja schon fast geahnt, dass die merkwürdige zusatzinformation von der akademiker-agentur wieder ein irrenwitz war. ich nickte zufrieden, dann begab ich mich zum ausgang. dort wartete schon eine art bodyguard, um zuspätkommer abzuwimmeln. ich schlüpfte unter seinen massiven oberarmen ins freie und rannte zur u-bahn. vor der rolltreppe fiel ich dann auf die nase - der verspätete versuch des schicksals, mir doch noch den fuß zu brechen - jedoch ich triumpfierte und hob mein schmerzendes kinn von den stufen.
obwohl mir die u-bahn - es muss ja so sein - genau vor der nase wegfuhr, kam ich nur zehn minuten später als angegeben ins büro, rechtzeitig, um meinen chef noch vor einem fatalen fehler in sachen länderkunde zu bewahren, der uns 30 euro überflüssige versandspesen gekostet hätte.
so weit, so gut. die nächsten bewerbungsgespräche dürfen also nun kommen.

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Montag, 7. April 2008
agentur für arbeit irrsinn
ich war ja letzte woche mal bei der agentur für arbeit, beziehungsweise der ARGE, wie das bei uns heißt, weil ich meine bewerbungs- und fahrtkosten gerne erstattet hätte. die ARGE ist für meinen postleitzahlenbereich auf der homepage der agentur für arbeit kenntlich gemacht, also schlug ich da auf und stellte mich an die information. dort saß eine frau, der ich mein anliegen vortrug, und die meinte dann, ich müsse mich jetzt erstmal arbeitssuchend melden und arbeitslosengeld II beantragen und auch bewilligt kriegen, sonst gibt es auch keine bewerbungskosten erstattet. ich war verwundert, war mir diese prozedur nicht geläufig, dachte mir aber, naja, angemeldet sein kann nicht schaden. und am ende holen wir auch noch 2,50€ hartzIV dabei raus.
dann musste ich im wartezimmer sitzen, zwischen einem jungen fetten skinhead und einem russen, der immer wieder auf den flur rannte und über den pass lamentierte, den er nicht besaß.
es ging relativ schnell, dann wurde ich ins zimmer einer jungen blonden dame gerufen. ich erklärte ein zweites mal, was ich wolle, nämlich eigentlich gar kein hartzIV, sondern nur bewerbungskosten erstattet. sie war genauso hart wie die frau an der information, füllte einen langen antrag für mich aus und beauftragte mich, einen ganzen stapel nachweise für meine hartzIV-berechtigung zu bringen. etwas entmutigt fragte ich dann, ob sie meine, der aufwand würde sich überhaupt lohnen. ich solle mich in die bestimmungen einlesen, sagte sie, das würde ich dann schon sehen.
zuhause also die regeln gewälzt und als es um vermögen ging, wusste ich, dass ich scheitern würde. meine eltern hatten eine erbschaftssumme auf meinen namen fest angelegt, um steuern zu sparen. etwas mehr als die von hartzIV erlaubten 150€/lebensjahr. umschreiben geht nicht, weil das geld immer für ein jahr festhängt.

letztes wochenende traf ich dann einen freund, der beim arbeitsamt arbeitet. ich schilderte ihm mein leid, da meinte er:
"du warst bei der ARGE, stimmt´s?"
"ja."
"na dann ist ja alles klar. du meldest dich besser beim arbeitsamt bei uns. denn neun von zehn fälle, die von der ARGE bei uns landen, sind völlig falsch bearbeitet. die sind da an inkompetenz kaum zu übertreffen."
er erklärte mir, wie ich vorgehen solle: per telefon meine daten durchgeben, dann würde man mir antragspapiere zuschicken. die müsse halt der jeweilige arbeitgeber unterzeichnen, und fertig.

frohen mutes rief ich heute morgen dann beim arbeitsamt an. die frau erklärte sich durchaus bereit, meine bewerbungskosten zu übernehmen, allerdings nicht am telefon.
"sie müssen persönlich vorbeikommen. und bringen sie ihren personalausweis, ihre sozialversicherungsnummer und... [blablubber] mit."
"mein bekannter hat aber gesagt, ich könne einfach anrufen."
"sie sind aber doch in keinem beschäftigungsverhältnis!"
"na wäre ich in einem, würde ich mich ja jetzt kaum an sie wenden!"
"sie müssen auf jeden fall vorbeikommen."
"na gut. wann sind sie denn da?"
"montag bis freitag, neun bis zwölf uhr 30."
was für herrliche arbeitszeiten. ich glaube, ich weiß, was ich werden möchte: telefontante beim arbeitsamt.
und: kann mir mal bitte jemand erklären, wann man da hin soll, wenn man vielleicht wenigstens vormittags beschäftigt ist?
nach all der verwirrung bin ich jedenfalls zu einem ergebnis gekommen: hier weiß die linke hand offenbar nicht, was die rechte tut. bevor ich da am mittwoch hingehe, werde ich nochmal anrufen. vielleicht nennt mir dann ja ein fünfter eine vierte variante.
und den arbeitslosenzahlen vertraue ich ab sofort auch nicht mehr. bei soviel bürokratischem durcheinander fallen da sicher gleich tausende unter den tisch oder werden doppelt verrechnet. und der arbeitssuchende bäcker bekommt ein stellungsangebot als it-fachmann. und wenn er dann ablehnt, muss er ein-euro-jobber bei der müllabfuhr werden.
ganz sicher, so wird das sein. und man verlässt das gebäude der agentur mit dem gefühl, man sei ab sofort so vogelfrei wie herr k. in kafkas "prozeß".

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Sonntag, 6. April 2008
in auerbachs keller
"siehst du den? den langen spargel da in der raummitte? rotes t-shirt, ziemlich bleich, rötliches schütteres haar und bart? was der wohl so beruflich macht?"
"das ist bestimmt ein ganz später lehramt-typ, fünfzehntes semester, weil durchs staatsexamen gefallen. er wohnt mit seiner dicken blonden freundin und deren baby in einer achter-wg und fährt diesen mädchen-schlitten, nen grünen opel corsa."
"oder sozialpädagogik. und rosa fiat panda."
"ja, das passt natürlich auch gut. sogar noch besser, finde ich."
"und daneben, der schwammige typ mit der brille und gelben ringel-poloshirt?"
"der kater würde jetzt sicher wieder fragen, warum männer immer so ne kinderpullover tragen. das t-shirt ist bestimmt von k&l ruppert aus dem wühltisch. er muss billig kaufen, weil sonst gibt´s von seiner frau was auf die finger. das ist so ein typ, der muss zuhause die quittungen vorlegen. ich würde sagen, er ist mathelehrer, und seine frau ist auch mathe- oder physiklehrerin, so eine burschikos-dominante mit kleiner runder brille und energischer stimme, wie ich sie in der neunten klasse hatte."
"ja, ich glaube auch, der ist eher devot."
"und träumt heimlich von der vierzehnjährigen susi aus der letzten reihe, die immer die fünfen schreibt."
"nein, dazu ist er zu keusch. dazu besitzt er gar nicht das vorstellungsvermögen!"
"meinst du? na gut. nehmen wir einen anderen. siehst du den anzug-fuzzi? der so ein bisschen glatze schon hat?"
"nerd."
"nein, so ein quatsch. er trägt doch gar keinen braunen pullunder! und wenn er nicht pullunder trägt, müsste er wenigstens so einen fleece-pulli mit zipper tragen, in einer unvorteilhaften farbe wie azurblau und ocker."
"aber it-branche, würde ich tippen."
"ja, vielleicht arbeitet er bei der datev. vermutlich führende position, guck dir mal die schuhe an, gerantiert ledersohlen, so wie der rumrutscht."
"wahnsinn, guck mal, beim trinken spreizt er gleich ZWEI finger ab. was soll man als frau denn bitte da denken?"
"einen für vorn, einen für hinten."
"hä?"
"na, double penetration. wir können ja mal nachgucken gehen, ob er ränder unter den fingernägeln hat."
"bist du schweinisch."
"tut mir leid, du hast gefragt."
"oh gott, jetzt guckt der schon rüber. halt mal deine rechte hand hoch, damit ihn dein vorehelicher ehering blendet."
"schau dir lieber mal die blonde tussi da an. was würdest du tippen?"
"hm, corsage mit überlauf-dekolltee, nuttenfrisur, kurzer rock, und hohe schuhe - bestimmt ein büro-mäuschen, das sich freut, wenn es mal rauskommt. kaffeekochen und kopieren für die nächsten 40 jahre. die glaubt bestimmt, dass so jeder auf sie abfährt."
"wer eben auf einen gesichtsausdruck à la paris hilton steht."
"wenn du dich so anziehst, spekulierst du nicht drauf, dass dir noch einer ins gesicht schaut. geschweige denn, sich in dein gesicht verliebt."
"dann hätte die auch verloren."
"gott, sind wir gemein."
"der kater würde sagen, das ist schlecht fürs karma."
"dann konzentrieren wir uns lieber auf den dicken da drüben."
"der ist nicht ganz unintelligent, sicher ein computercrack bei siemens. er mag hot dogs, weil sein leben sonst ganz ohne würze und würstchen in spalten wäre. er fährt am wochenende zu mutti und hat irgendwo einen kontaktanzeige geschaltet, in der er sich als teddy-typ bezeichnet."
"ich mach gleich in die hose."
"du darfst jetzt nicht aufs klo gehen, der fingerspreizer fixiert mich."
"igitt!"
"ich muss hier weg. ich wink mal der bedienung."
"ist gut, ich finde hier sowieso keinen attraktiven mann."
"ich schlage vor, das nächste mal gehen wir in den tiergarten. ins affenhaus."

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