Samstag, 2. April 2011
bigger, better, bundesstraße
abendgestaltung des minikurzurlaubs in der heimat.

meine freundin t. und ich knüpften an good old times an und besuchten einen hiesigen dj auf seiner party. schließlich, meinte t., brauche ich abwechslung und vielleicht auch ein bier. die freude und das hallo waren zunächst groß, denn auch andere liebe menschen von früher waren da.

nachdem küsschen und umarmungen verteilt waren, standen wir zunächst noch eine weile beim dj herum, bevor wir dann die tanzfläche enterten.
"sag mal", meinte t., "also das hätte ich mich ja früher nicht getraut, so dermaßen unrhythmisch zur musik herumzuspacken!"
ich elektro-kind versuchte mich an meine letzten tanzversuche zu gitarren-schraddel-musik zu erinnern.
"keine ahnung, aber auf jeden fall bin ich nicht auf der tanzfläche HERUMGESTANDEN!" sagte ich und deutete mit den kinn auf eine gruppe menschen, deren füße stillstanden, während schultern und bierflaschen-haltende hände offbeat zuckten.
"und wir hatten nicht SOWAS dabei an", rügte t. den kleidungstil einer drallen 16-jährigen mit 80er-jahre-jeansminirock und einem oberteil, das aus ihrer beeindruckenden oberweite eine art presswurst mit zwei bergen machte.
"sind wir jetzt oberflächlich?" überlegte t.
"nein", sagte ich souverän. "wir haben geschmack."
ein oberstüfler beobachtete mich die ganze zeit mit dem ansatz eines schüchternen lächelns.
"was denkt der denn, dass ich pädophil bin oder was?!" fragte ich t.
"komm, lass uns abhauen", beschloss t.
"aber es ist doch erst zwei!" jammerte ich.
"ich hab ne idee" sagte t. und schob mich durch die überfüllten säle nach draußen.

zehn minuten später saßen wir im auto.
"lass uns zu burger king fahren", sagte t.
ich guckte doof.
"das haben wir früher immer gemacht", schwärmte t. und ich wusste, dass sie dabei an ihre eigenen wilden, chemisch ge-uplevelten zeiten dachte.
"ich war neulich mal mit s. unterwegs, der hat sich ja auch total verändert. da wollten wir auch zu burger king, aber er meinte dann, das wäre voll gesundheitsschädlich."
"nimmt der noch was?"
t. zuckte die schultern.
"irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass der nix mehr nimmt. ich kenn den aber auch nicht anders."
"aber wenn er sagte, dass burger krank machen, dann müsste er doch eine wahnsinnsangst vor allem, was nicht schrot und korn und handgepresster möhrensaft ist, haben?"
t. sah mich erstaunt an.
"der gedanke ist mir so noch gar nicht gekommen."
"naja, muss nicht sein, das objekt ist da auch ambivalent", nahm ich meine these zurück. "das kauft auch alles mögliche bio und studiert nährwertabellen und wertschöpfungsketten von lebensmitteln und schmeißt sich dann trotzdem jede menge scheiß rein, von dem es nicht weiß, was drin ist."
"na siehst du", sagt t. "so ist s. auch, denk ich."

irgendwo am ende der bundesstraße leuchtete uns das vertraute orangefarbene logo entgegen. t. fuhr einmal im kreis und parkte. dann stiegen wir aus.
"vorsicht", sagte ich und löste die schlaufe von t.s handtasche vom hebel der handbremse. "nicht, dass wir gleich davonrollen."
"das ist mir vor ein paar wochen erst passiert", seufzte t. genervt. "das war voll die scheiß geschichte."
"erzähl", sagte ich.
"naja, ich wollte ins büro, war spät dran, stell das auto ab, und naja, ähnliche szene, ich bleibe mit der tasche an der gangschaltung hängen. hab ich so aus versehen den gang rausgenommen, merk das aber nicht gleich. ich steige aus und nach ein paar meter rummst es hinter mir. ich dreh mich um, steht da ein auto schräg auf der straße und hängt so halb in einem anderen geparkten drin. guck ich noch mal, seh ich, scheiße, is mein auto."
ich lachte laut.
"das andere auto hatte dann so eine kleine schramme, also hab ich dem einen zettel drangehängt mit meiner nummer. dann bin ich in die arbeit gegangen, war ja eh spät."
"und kam ne dicke rechnung oder was?"
"nee. es war ja winter, also alles voller schneematsch, auch das auto, das ich angeschrammt hatte. und ich sitz so in der arbeit und überleg so und denk, eigentlich warste doof, die schramme sieht der eh erst, wenn der schnee schmilzt. also bin ich in der mittagspause noch mal runter und hab den zettel wieder weggemacht."
"boah, bist du fies", sagte ich.
"ja", kicherte t., "bin ich."

drinnen am tresen orderten wir gemüseburger, pommes, cola und kaffee. dann saßen wir da und ließen uns von mtv bedröhnen.
"ist fast wie inner disco", sagte ich zwischen zwei happen und t. nickte.
"nur müssen wir uns dabei nicht anschreien", sagte sie.
"ich glaub, wir sind richtig alt jetzt, oder?" fragte ich, aber t. zuckte stoisch die schultern.
als wir fertig waren, lehnte sich t. zurück und streckt sich.
"kopfschmerzen", murmelte sie.
"kenn ich", sagte ich.
"verspannt", sagte sie.
"energiestrom unterbrochen."
"wuuus?"
"naja, das hat was mit deinen chakren zu tun. da verlaufen die enegieströme im körper und wenn du verspannt bist, sind die unterbrochen und dann kriegst du probleme, körperliche und psychische. so ähnlich jedenfalls."
"so ein scheiß", fand t.
"doch, doch", sagte ich. "das ist traditionelle chinesische medizin. das objekt öffnet immer meine chakren, wenn ich down bin und dann geht es mir besser."
"du meinst, es stimuliert dein chakra da unten!" kicherte t. und deutete zwischen meine schenkel.
"du bist doof", musste ich lachen.
"das tut dir überhaupt nicht gut, mit so einem junkie rumzuhängen", fand t., "du kriegst da voll die meise."

der flatscreen tv über unseren köpfen zeigte ein video von rihanna.
"boah, guck dir mal die fiese friese an!" sagte t.
"guck dir mal künstlichen mörderfingernägel an!"
"igitt."
t. hielt inne und dachte nach, dann fragte sie:
"meinst du, meine kleine wird auch mal so? oder findet sowas gut?"
"nicht, wenn ihr sie weiterhin so konsequent im rockabilly-style erzieht", konnte ich t. beruhigen.
"dann ist ja gut", sagte t. "ich will nicht, dass die mal sowas als vorbild hat."
"naja, ein gutes hätte es ja", meinte ich. "stell sie auf die straße und sag den vorbeikommenden typen, 50 blasen, 100 ficken, und schluss is mit den finanziellen sorgen."
dann duckte ich mich, da mir papier und burgerreste entgegenflogen.

eine stunde später machten wir uns auf den heimweg. t. hatte rote augen.
"du bist müde", stellte ich fest.
"ich hab auch nicht viel geschlafen. das kind hält mich jede nacht wach und seit ich wieder arbeite... ich beneide meinen mann so, der ratzt einfach weiter, wenn die kleine wach ist und stundenlang brabbelt."
"fies", sagte ich. "mach dir doch ohrenstöpsel rein."
"geht nicht", erwiderte t., "dann hör ich die ganze zeit meinen scheiß-tinnitus."
"mannmann. aber das objekt lässt sich auch durch nichts aufwecken. wenn was ist, muss ich es immer heftigst schütteln und dabei ganz laut seinen namen rufen."
"wundert mich jetzt nicht, bei DEM konsum."
"dass es mich wundert, hab ich ja auch nicht gesagt."

vor der haustür meiner eltern umarmten wir uns.
"bis dann."
"bis bald."
"ja hoffentlich."
"das nächste mal dann bei mc doof?"