Samstag, 18. Dezember 2010
asylantenheim, klappe III
gestern abend, als ich mich nach einem painkiller-shot und einer unfreiwilligen alkoholisierungsaktion auf arbeit (weihnachten macht mich zur ethanolikerin) ins bett begeben wollte, ereilte mich eine sms. sie war vom objekt und dem dritten im bunde. zunächst glaubte ich, man(n)/männer wolle mich zu später stunde noch beglücken. no way, dachte ich. dann rief ich aber doch an und fragte nach. es stellte sich heraus, dass objekt und dritter mann am streiten waren, ob sie noch weggehen sollten oder nicht.
"kannst du nicht mit dem dritten ein bisschen ausgehen?" fragte mich das objekt.
"hmmm..." seufzte ich müde. "ich bin schon in schlafklamotten!"
"okay, wann kannst du hier sein?"
ich habe schon einmal erwähnt, dass meine neins selten gehört werden, oder?

also stellte ich mich unter die dusche, warf schnell ausgehkleidung über mich und schwor mir, um vier uhr morgens wieder zuhause zu sein. mit dem rad fuhr ich durch den tiefschnee bis zum objekt. dort öffnete mir der dritte. es roch nach indizierten kräutern.
"hier stinkts" sagte ich zur begrüßung.
"das war das objekt", sagte der dritte.
"wo isses denn hin?"
"das schläft jetzt schon."
"toll. mich einladen und sich dann schlafen legen."
"der kam vorhin von der arbeit, hat eine halbe flasche wodka auf ex getrunken und geraucht. der ist völlig hinüber."
das kam mir leider bekannt vor und ich fragte den dritten, der ja mehr zeit als ich mit dem objekt verbringt:
"hast du ihn mal drauf angesprochen?"
"ja, zweimal. ich denk schon, dass er weiß, dass er im grunde alkoholiker ist."
"leider nicht nur das. oh mann, wir sind schon ein verein. wie läuft dein abi?"
"super. nur einsen bisher."
"streber", grinste ich. "du bist der traum aller lehrerinnen."

wir saßen noch ein wenig da und diskutierten über das heruntergekommene objekt, die schule, expressionistische lyrik und tagespolitik (darin ist der dritte nämlich sehr gut), dann gab es einen kleinen wachmacher und wir zogen los.

auf der party war dann allerdings nicht viel geboten. kurz vor vier uhr sagte ich, mich tugedhaft am schlafittchen packend:
"ich fahr jetzt nach hause."
der dritte nickte.
"ist ja eh scheiße."
dann sah er mich nachdenklich an.
"kann ich vielleicht bei dir schlafen?"
"bei mir? ich dachte, du schläft beim objekt?"
"nee, sein lütter kommt morgen früh um acht. und der ist immer so anstrengend."
"axo. ja, na klar... dann kommst du eben mit."
"ist das weit?"
ich überlegte.
"wir nehmen jetzt einfach ein taxi. ist ja schließlich weihnachten."

bei mir bezog ich dem dritten die gästematratze, die in letzter zeit erstaunlich viele besucher erlebte, und holte ein frisches handtuch.
"danke", sagte der dritte.
"danke, mutti, heißt das", erwiderte ich.
dann zog mich der dritte an sich.
"was ist denn nun mit deiner freundin?"
der dritte hatte eine teilzeitfreundin, der er in den intervallen der festen beziehung auch treu war.
"wir sind schon noch zusammen."
"dann überleg mal, ob du das jetzt wirklich willst."
der dritte guckte verzweifelt:
"du bist eben eine ausnahme. du bist auch die einzige. bei dir kann ich nicht anders. sonst bin ich treu. also sag ihr bitte nichts, ja?"
"meine lippen sind versiegelt."

da der dritte im breitentechnischen vergleich mit dem objekt eine halbe portion ist, passte erstmals ein mann in mein überzeugtes-single-bett.
"ich muss um zehn aufstehen, ich hab fußballtraining", sagte der dritte gegen acht uhr morgens.
"na toll. das heißt, ich darf jetzt den wecker stellen?"
"äh, sorry..."
"solange ich dir keine brote schmieren muss."
"nein, nein, ich zieh mich schnell an und verschwinde dann einfach."
"gut."
ich pustete die kerze aus und ließ mich noch ein wenig in den schlaf streicheln.

um zehn klingelte mich der wecker aus einer totenstarre. der dritte hüpfte schon durchs zimmer und suchte seine sportklamotten zusammen, die er gestern in weiser voraussicht schon bei sich trug.
"du hast das alles geplant, oder?" fragte ich gerade heraus.
der dritte guckte unschuldig. ich schleuderte ihm seinen slip entgegen.
"da. nicht vergessen, sonst machst du den torwart heiß."
der dritte lachte, drückte mich -
und verschwand. ich blieb zurück in einem verwüsteten zimmer voller asche, leerer flaschen (nur wasser!) und zerwühlter bettwäsche. tja, mit aufräumen haben es schuljungs eben nicht so...

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Mittwoch, 15. Dezember 2010
urlaubsplanung
die urlaubsplanung verschiebt sich gerade von haus am see doch in eine richtung, die eher zu monsieur l´object et moi passt.
denn:
"endlose wiesen und dörfer hatte ich schon, als ich noch klein war", meint das objekt düster.
"und an deine kindheit willst du ja am besten nicht erinnert werden, hm?"
wie immer, wenn ich das böse k-wort in den mund nehme, schweigt das objekt.
"berlin", sagt das objekt da, "wie wärs denn mit berlin!"
sein letzter berlintrip hatte das objekt direkt in einen swingerclub geführt.
"das war dort echt fast wie in eyes wide shut."
ich dachte nach. meine aufregendsten berliner erfahrungen waren nun schon länger her.
"gibts das maria am ostbahnhof noch?" fragte ich das objekt.
"denk schon. aber deswegen will ich nicht nach berlin."
"willst du gar nicht auf ne party?"
"doch schon. aber mit dir kann ich mir auch was anderes vorstellen."
ich stellte die lauscher auf.
"naja, ich würde gern mal mit dir in ein museum gehen."
!!!
ich guckte groß. das objekt hatte definitiv eine interessante vorstellung von dem, was man mit mir am besten so im urlaub macht. also nicht, dass ich nicht kulturell begeisterungsfähig wäre. aber das dann doch eher so in richtung theater, literatur und konzerte. davon abgesehen konnte ich mir das eher aufmerksamkeitsschwache objekt nur schwer zwischen statuen und reliquien und ollen schinken vorstellen.
"germanisches nationalmuseum hatte ich schon meine ganze kindheit lang", maulte ich.
"ach, ist das in nürnberg?"
"ja."
"cool. warst du da drin?"
"nee", gab ich widerwillig zu.
"aber warum denn nicht?"
"mann, darum eben!" pöbelte ich. dann tat mir meine zickerei schon wieder leid. doch das objekt mit seiner ruhigen, coolen art war lediglich amüsiert.
"wenn, dann will ich aber was spannendes", sagte ich. "was mit tieren. oder was mit sternen. nicht nur so olle tonscherben und so."
"okay", war das objekt einverstanden.
"und sonst so?" fragte ich weiter, da ich nicht meinen gesamten urlaub in museen zubringen wollte, auch, wenn es dort vielleicht tote tiere oder meteoriten oder antikes sexspielzeug gab.
"wie wärs mit eyes wide shut?" grinste das objekt.
zumindest in einer urlaubstechnischen hinsicht scheinen wir ähnlich zu ticken: wir mögen es beide kontrastreich. es kann also nur spannend werden, trotz knappem budget oder vermutlich gerade deshalb. the same fucking low level schweißt irgendwo auch einfach zusammen.

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Dienstag, 14. Dezember 2010
schneeblindes date
obwohl ich nicht viel davon halte, ist das internet ja doch eine recht interessante möglichkeit für begegnungen zwischen männlein und weiblein. so kam es, dass ich heute morgen, als ich eigentlich mal einen schönen homeoffice-tag einlegen wollte und gerade die umzugskacke regelte, eine nachricht erhielt von einem unbekannten menschen. er machte mir ein recht direktes angebot in einem einzigen satz.

obwohl ich in solchen angelegenheiten gerne mal die verbale faust aus der tasche hole, antwortete ich in diesem fall in spontaner laune mit einem frechem "wenn du dich traust."
wir erörterten dann noch das wann und das wo, was sich als etwas kompliziert entpuppte, da wir keinerlei gemeinsamkeiten oder ähnliche vorlieben haben, was lokationen betrifft. endlich hatten wir uns auf ein cafe geeinigt, in dem wir uns treffen wollten zweck eines ersten unverbindlichen eindrucks.
hoffentlich finden wir uns in dem wilden schneetreiben, schrieb der mann noch zum abschied.

am nachmittag machte ich mich dann frisch geschniegelt und gebügelt auf den weg. in der u-bahn klingelte mein handy. es war der typ, der ankündigte, er käme zehn minuten später wegen des schnees. ich, die ich ohnehin mal wieder zwei minuten kurz vor knapp war, war darüber recht froh. ich musste ohnehin noch vorher zur sparkasse, da ich nur noch 40 cent in der tasche hatte.

als ich von der sparkasse zum verabredeten cafe schlitterte, klingelte wieder mein handy. überraschenderweise war es das objekt, das zoff mit der kindsmutter hatte und ein wenig zuspruch brauchte. ich versprach, es zurückzurufen und erwähnte in einem nebensatz das unmittelbar bevorstehende date. "pass aber bitte auf, ob du das dann auch wirklich willst", warnte das objekt. "und mach es nicht, wenn das ein arschloch ist, das dich nicht verdient hat." manchmal muss man das objekt einfach nur lieben für seine unkomplizierte, fürsorgliche art und sein großartiges bewusstsein für meine wunden punkte.

dann wartete ich vor dem cafe. schwarzer mantel und graue mütze, hatte der typ gesagt, und 1,85m groß. nach etwa zwei minuten kam ein mann auf mich zu, der etwa die besagte größe hatte und einen schwarzen kurzmantel und eine graue mütze trug. er sah etwas jünger und attraktiver aus als ich erwartet hatte. er stellte sich direkt neben mich und schaute sich suchend um. dann begegneten sich unsere blicke und er lächelte unsicher, schaute jedoch gleich wieder weg. niedlich, er ist schüchtern, dachte ich verzückt. ich wartete noch zwei minuten, dann wurde ich ungeduldig. warum macht der nicht den mund auf? ich beschloss, die sache in die hand zu nehmen.
"hallo, ich glaube, wir sind verabredet", schnurrte ich in flirtlaune und schaute ihm tief in die himmelblauen augen.
der typ allerdings glotzte völlig verschreckt zurück.
auweiha. fettnäpfchen, ahnte ich.
"ähem, nö", sagte er etwas gepresst.
"entschuldigung", stotterte ich, "das tut mir jetzt leid. ehrlich. das war keine plumpe anmache oder so."
"das muss ihnen nicht leid tun", sagte der mann dann, "es hätte mich sehr gefreut, mit ihnen eine verabredung zu haben." er grinste, nicht mehr ganz so schüchtern, sondern sehr amüsiert.
"so, finden sie", sagte ich schon wieder etwas flirty.
"also wenn ihre verabredung nicht kommen sollte, ich stehe ihnen gern zur verfügung."
aber hallo!
"ich komme gegebenenfalls drauf zurück", sagte ich.

dann drehte ich mich um. hinter mir stand ein großer, nicht weniger attraktiver mann im schwarzen mantel mit grauer mütze und grauen schläfen.
"hallo", sagte er. "ich dachte, wir sind verabredet."
"definitiv", säuselte ich und mein vaterkomplex jubilierte.
"ich hatte schon angst, ich störe", sagte meine verabredung mit blick auf graue wollmütze nummer zwei.
"ach, sie sind der glückliche", sagte die daraufhin zu meinem date. "dann wünsche ich ihnen einen zauberhaften abend."

mein date hielt mir die tür auf (gute manieren I), half mir aus dem mantel (gute manieren II) und bestellte für mich einen kaffee (gute manieren III, signal zur bereitschaft zur rechnungsübernahme). dann unterhielten wir uns eine stunde lang über die schönste sache der welt, während die restlichen cafebesucher lauschten und entweder pikiert das weite suchten oder süffisant grinsten.
mein date entpuppte sich in live als ebenso offenherzig und direkt wie virtuell. die faszination beruhte dabei auf gegenseitigkeit.
"wir könnten noch schick was essen gehen, dann eine flasche schampus aufmachen und es uns gut gehen lassen", schlug es vor.
"wenn du die weiberbrause weglässt, bin ich dabei", sagte ich.
just, als mein date die rechnung zahlen wollte (und ich den haken hinter gute manieren III machte), klingelte sein handy. es war sein chef. wie sich herausstellte, hatte sich mein date einfach verfrüht aus dem büro weggestohlen, um mich zu treffen. jetzt gab es ärger.
"entschuldige, aber ich muss noch einmal in die arbeit zurück und das klären", sagte mein date. "sehen wir uns trotzdem wieder?"
"von mir aus gern", sagte ich.
ich bekam ein küsschen links und eines rechts und dann einen zungenkuss.
"das", sagte mein date, "wollte ich schon seit einer stunde tun."

mit etwas wackligen knien stapfte ich über den inzwischen spiegelglatt angefrorenen schnee zurück in die u-bahn. von dort aus rief ich das objekt an.
"und, wie war es", wollte mein mann nummer eins wissen.
"wir haben nur cafe getrunken und uns unterhalten. aber es war recht angenehm."
"was ist das für ein typ?"
"ich kann ihn ja mal mitbringen", witzelte ich, "dann kannst du dich überzeugen oder ihn gleich verführen."
das objekt musste lachen.
"übernimm dich nicht", sagte es, "drei männer sind mehr, als manch eine erträgt."
"nee", sagte ich, "ich setz mich dann vor das bett in deinen sessel und schau euch zu."
"du hast den teufel auf der schulter, madame. außerdem ist das mein sessel. wenn, dann sitz ich da drin."
"dazu fallen mir jetzt eine million spannende dinge ein", schnurrte ich anzüglich.
"hör auf. ich bin auf arbeit. ich muss da gleich wieder raus und das geht nicht, wenn mir das blut in den schritt schießt."
"okay. dann denk an das gebiss deiner oma oder sowas."
das objekt lachte schon wieder.
"wir sollten öfter mal solche gespräche führen", sagte es. "du tust mir definitiv gut."
"du mir auch. in jeder hinsicht."
dann legte ich auf und dachte, was für ein wahnsinnstag.

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Sonntag, 12. Dezember 2010
stranger than friday
wenn man samstagvormittag noch berufsbedingt in einer fremden stadt unterwegs ist, dann 600 km retour fährt und erst am späten abend zuhause ist, kriegt das wochenende irgendwie eine leichte emotionale schieflage. man macht freitagstätigkeiten wie beispielsweise den wohnungsputz plötzlich 24 stunden zu spät. ganz komisches feeling.
auch lust und elan zum ausgehen liegen auf freitagsniveau oder sogar leicht darunter, weil man schließlich schon um sechs uhr morgens aufgestanden ist. aber was soll´s, wenn man die nacht nicht mehr nutzt, hat man tagsdrauf tanzdefizit. also die arschbacken zusammengekniffen, nichts wie rein ins partyoutfit und die hohen schuhe, und dann ab in die u-bahn.

im club als erstes das gehunfähige, da rotzbesoffene objekt aufgesammelt, das einen mit der frage: "wer bin ich? wer bin ich eigentlich?" in tiefschürfende praktisch-philosophische gedanken stürzt, die darauf hinauslaufen, dass das objekt einfach nur dringend nach hause und ins bett sollte (sofern es sich noch daran erinnert, wo es wohnt).
"aber wenn ich mich jetzt hinlege, muss ich kotzen."
das ist ein argument für weitertanzen und dem objekt ein stilles wasser kaufen.

später sitzen wir dann da, der schwere kopf des objekts auf meiner schulter ruhend, seine nase an meinen hals gedrückt, ich weiß, ich rieche sehr gut, und er auch, was für eine scheiße, denn wäre der kerl nicht so verdammt hackedicht, würde man ja fragen. bei dem pegel regt sich nur leidergottes erfahrungsgemäß gar nichts mehr im schritt.

dann spricht mich ein typ an, bestimmt schon mitte 40, bierbauch, ebenfalls angetrunken.
"hast du lust, dich mit mir zu unterhalten?"
"nein", sage ich wahrheitsgemäß.
woraufhin der typ anfängt, mich vollzulabern. meine "neins" scheinen immer irgendwie ungehört zu verhallen. ich sollte mir ein t-shirt drucken lassen mit einem fetten "nein" über der brust.
"darf ich dich mal anlächeln?" fragt der typ irgendwann, um mich dazu zu bewegen, ihm mein gesicht zuzuwenden. darauf habe ich noch viel weniger lust als auf das abgekaute ohr.
glücklicherweise sehe ich von weitem das objekt auf mich zukommen, das die situation richtig eingeschätzt hat und mir zur hilfe eilt. es schiebt den typen mit einem beeindruckenden unterarmmuskel-spiel (*sabber)auf die seite und nimmt mich schützend in den arm.
der typ stutzt. er überlegt einen moment, dann tippt er dem objekt auf die schulter. das finde ich sehr dreist. das objekt offenbar ebenfalls. es dreht sich um und sagt unwirsch:
"muss ich dich jetzt um erlaubnis bitten? ich glaube, nein!"
das objekt baut seine durchtrainierten 1,90m vor dem typ auf und guckt sehr sauer. der typ schrumpft wie eine erektion nach einem vorzeitigen samenerguss und verkrümelt sich.
das objekt drückt mich, lächelt siegessicher und sagt: "ich geh dann mal nach hause. ich muss den babysitter ablösen."
"willst du alleine schlafen", frage ich dann doch, da mich der objektduft schon wieder ungeheuer angeturnt hat.
"ja", sagt das objekt, "ich muss sowie um acht wieder aufstehen, weil da der lütte wach wird."
obwohl vernunft immer ein gegenspieler der leidenschaft ist, kann ich das objekt gut verstehen. drei stunden schlaf sind besser als drei stunden besinnungslos vögeln, zumindest, wenn man als verantwortungsvoller vater einen quietschen kleinen irrwisch unter kontrolle halten muss.

während das objekt in seinen hauch von einer jacke schlüpft, schleicht sich der typ wieder an mich heran.
"das ist aber ein schöner", sagt er und deutet auf das objekt.
"ja", sage ich und stelle mal wieder fest, dass mein geschmack nicht ganz subjektiv ist und dass mindestens genau so viele männer wie frauen das objekt anschmachten/beneiden.
"ist das deiner?" fragt der typ dann.
"also er ist nicht mein eigentum", sage ich kichernd. "wir teilen uns, gewissermaßen, auch wenn wir irgendwo schon zusammengehören."
der typ wiegt bedächtig den kopf und mustert erst mich, dann wieder das objekt:
"zwei so schöne menschen... war ja eigentlich klar."
(warum finden mich eigentlich gerade alle so verdammt schön? wurde ich heimlich schönheitsoperiert und alle merken es außer mir?)
dann geht der typ, ein wenig geknickt. fünf minuten später sitzt er neben einer kleinen dicken, die eigentlich sehr hübsch wäre, würde sie sich nicht wie ein presssack in ihre corsage einschnüren.
vielleicht ist schönheit ja auch relativ.

als es halb sechs uhr morgens ist und die letzten klassiker gespielt werden, hole ich meinen mantel und begebe mich nach draußen, wo bizarrerweise die vögel zwitschern. ich entscheide mich, den heimweg zu fuß zu gehen, es ist ohnehin eine der letzten gelegenheiten, die zentrumsnahe wohnlage auszukosten.
ich höre alec empire und freue mich tierisch darüber, am leben zu sein.

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Samstag, 11. Dezember 2010
frau m. in m.
was ich an meinem job mag, ist der abwechslungsreichtum. am einen tag bis mitternacht texte friemeln, am anderen mit der redaktion von bild schnacken und ein bisschen über miese gehälter und zickige chefs lästern, und dann wieder hunderte von kilometer durch die weltgeschichte jetten und ein kamerateam befehligen: "ich will blut sehen, leute, blut und tränen!"

schöner nebeneffekt des außendienstes: man begegnet bloggern, die man längst virtuell und skypophonisch kennt, endlich mal in fleisch und blut. und stellt fest: die sind verdammt authentisch. ja, frau gedankendelta, es war mir eine freude, nur leider viel zu kurz, wie ich finde. das nächste mal will ich außerdem mit dir ins getto in irgendeine wilde kneipe, obwohl wir im grunde glück hatten, dank meines fabulösen gespürs für raucherfreundliche gastronomie. ich sag nur: tomaten sind immer gut!! und: ey, unsere kerze ist leer!

zudem trifft man weitere interessante menschen und männer. angela merkels zweitbester freund findet mich sehr smart und schön und will unbedingt, dass ich ihm sein kommendes buch lektoriere. kann passieren, sagte ich, extremst geschmeichelt wenn auch nicht errötend, und schraubte schnell meinen stundensatz ein wenig nach oben. mal sehen, was passiert. mittlerweile weiß ich ja, dass die meisten menschen sich nur wichtig machen, dabei jede menge blech reden und ihre versprechen nicht mehr wert sind als ein politikerpups.

mannheim selbst ist übrigens gar nicht mal so schlimm. alles ist recht putzig und überschaubar. nett zu wohnen, hätte ich gesagt. nur der weihnachtsmarkt ist genauso fürchterlich wie sonst überall.

dennoch habe ich weihnachtsfeeling. in ein paar tagen bin ich dann mal wieder in nürnberg. nachdem ich seit juli nicht einen einzigen tag frei hatte, bin ich mehr als urlaubsreif. eine woche lang werde ich mich einkuscheln, hamburg hamburg, die arbeit arbeit und das objekt bedeutungslos sein lassen (hoffe ich). danach werde ich alle kräfte brauchen für renovierung der neuen butze und den umzug in das vertraute umfeld nordhamburgs. leicht wird es nicht, billig auch nicht. aber ich verlasse mich mal ganz auf mich selbst und meine organisatorischen fähigkeiten. immerhin mein achter umzug in acht jahren. man gönnt sich ja sonst nix.

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Sonntag, 28. November 2010
90 cm sind nicht genug
ich zähle zu den frauen, denen es tatsächlich auf die größe ankommt. dabei geht es natürlich eher um "passgenau" denn um "möglichst riesig".

relevanz besitzt die größe allerdings auch für die spielwiese. deshalb fiel anlässlich meines umzugs die entscheidung: es wird ein doppelbett. dann kann ich mich ausbreiten sowie auch künftigen subjekten und objekten einen schlafplatz bieten, anstatt sie in postkoitaler schläfrigkeit auf der straße auszusetzen.

sind das eigentlich schon erste anzeichen von nestbau-spießigkeit? oder liegt das einfach nur daran, dass ich dem objekt sei dank neuerdings auch nonsexuelle körperliche nähe wieder schätze?

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Mittwoch, 24. November 2010
bei uns uff arbeit wird och man jelacht
thema: winterschuhe vermarkten.
kollegin (schwärmerisch): "es gibt doch nichts schöneres als warme füße!"
icke (eingedenk des wochenendes und des letzten abends): "fast."
die kollegin guckt und guckt und grinst und fängt dann an zu lachen.
ich kichere mit. wir wissen schließlich beide, was ich gedacht habe, zumindest theoretisch, da ich ja privatleben im büro nur im sehr groben, nicht aber im detail ausbreite.

die kollegin lacht inzwischen tränen und versaut sich ihr ganzes make-up. dann fasst sie sich und schluchzt unter glucksern: "weißt du noch, als n. im september sagte, du sähst zur abwechselung mal richtig gut aus und nicht so krank wie sonst immer? und du dann sagtest, so derbe cool, jo, ich hatte ja auch eine gute nacht. da musste ich grad dran denken."
icke: "na so ungefähr verhält sich das ja auch."
kollegin, wieder haltlos wiehernd, während ihr der eisblaue kajal über die wangen läuft: "keine weiteren details, bitte!! ich werd neidisch."

solange die mich nicht feuern, werde ich da bleiben, hab ich heute beschlossen. diese stimmung tut mir definitiv gut.

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Mittwoch, 24. November 2010
die volle breitseite glück
vor einer stunde klingelte das telefon. es war schon wieder das objekt.
der grund der kontaktaufnahme war nicht besonders schmeichelhaft. das objekt schob kalten entzug:
"kann ich bittebitte dein schlaraffenland anzapfen?"
schon praktisch, wenn man als junkie eine schmerzpatientin kennt, deren hausapotheke aus sauberen und legalen produkten besteht - gekauft mit einem grundehrlichen rezept - für die sich andere auf dem schwarzmarkt die beine in den bauch stehen müssen.

20 minuten später klingelte es an meiner tür. das objekt, eigentlich der unpünktlichste mensch auf der welt, ist im wahrsten sinne des wortes immer sehr fix, wenn es darum geht, den affen auszubremsen.
ich gab ihm ein paar von meinen hammerpillen und wusste, es würde sich gleich auf dem absatz kehrt machen, eine ruhige ecke suchen und sich was einschmeißen. doch nein. es stand ganz ruhig in meiner wohnung und sah sich um.

"ich bin froh, wenn du hier raus bist."
"warum das denn? die wohnung ist okay. gut, die neue wird vergeichsweise genial, aber das hier war eben mein wartezimmer zum paradies."
"da sind überall böse geister, die dich runterziehen."
"ja, klar", lachte ich. das objekt war ein echter spökengucker und glaubte noch viel mehr als ich an zeichen des schicksals und bedeutungsvolle zufälle.
"hör auf", fauchte das objekt da, "ich weiß, dass es dir nicht wirklich gut geht."
"es ging mir schon schlechter."
das objekt sah mich zweifelnd an:
"versprichst du mir was?"
"was denn?"
"dass du dir für deine neue wohnung wenigstens eine blume kaufst. und vielleicht ein paar bilder."
"meine wände bleiben weiß."
"ja, gut, aber dann eine blume, bitte. du brauchst ein bisschen leben um dich."
"okay. was für eine?"
"eine, die zu dir passt."
"kaktus, wa?!"
das objekt packte meinen nacken und gab mir einen kuss auf die stirn.
"wenn dann ne königin der nacht."
soviel romantik war ich nicht gewohnt. aber was dann kam, haute mich schlichtweg aus den latschen.

das objekt kramte in seiner tasche und zog einen schein aus dem portemonnaie.
"ich nehm kein geld dafür. die scheißpillen zahlt mir die krankenkasse, wenn ich schon keine sinnvolle therapie kriege", sagte ich.
achtung, und jetzt kam es.
"gut", sagte das objekt und packte seine mäuse wieder ein. "dann lass uns die kohle anderweitig auf den kopf hauen. lass uns mal wegfahren. wir nehmen uns ein haus am see und machen uns eine schöne zeit zu zweit."

ich träume, dachte ich, gleich wache ich auf und bin traurig, weil das nicht wirklich ist. aber das objekt stand in seiner vollen pracht vor mir und löste sich auch beim heftigsten blinzeln nicht in luft auf. es lachte auch nicht, haha, scherz, ich weiß doch, du stehst gar nicht auf so nen romantischen scheiß und du willst ja auch keine beziehung. nein, es hatte es offenbar tatsächlich ernst gemeint. und das auch noch nüchtern.

ich musste unkontrolliert grinsen und kriegte wacklige knie und kein wort raus. wir hatten noch nie mehr als 12 stunden am stück miteinander verbracht und diese dann auch ziemlich ausschließlich besoffen und breit im club und anschließend im bett.

der november wird magisch, habe ich am 1. des monats forsch behauptet. doch vielleicht geht der traum noch weiter als der zauber wirkt?

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worte, worte, nichts als worte
und doch viel mehr.

gestern haben l´object et moi noch sehr lange über unsere seltsame liebe gesprochen. denn um nichts anderes handelt es sich wohl, darin gehen unsere ansichten nicht viel auseinander.
man kann nach diesem gespräch auch nicht von der hand weisen, dass wir beide ziemlich gestörte existenzen sind und niemals eine klassische partnerschaft führen werden. aber dadurch, dass wir uns dessen bewusst sind und weltanschauung sowie aktuelle gefühlslagen inzwischen auch dem jeweils anderen angstfrei und recht unmittelbar mitteilen können, hat unsere merkwürdige beziehung noch einmal neue qualität bekommen, um es mal mit den objektworten auszudrücken.

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Sonntag, 21. November 2010
mi casa es tu casa II
nein, nicht, was sie jetzt denken - mein nachbar hat die letzte nacht brav im eigenen bett verbracht.

vielmehr verweilte ich die nacht, respektive den morgen/den tag mal wieder beim objekt. schon im club war es ungewöhnlich touchy, hielt mich im arm und strahlte völlig stoned durch die gegend. da die konkurrenz nicht anwesend war, landete ich 100 punkte und wenig später in den roten laken. dort einigten wir uns auf einen quickie, weil das objekt heute arbeiten musste. nach der nummer kroch es auch gleich in meine arme und schlief eine minute später ein.

ich selbst lag noch eine weile wach und vergrub die nase im kupferfarbenen objekt-haarschopf, genoss duft, wärme und nähe. dann passierte etwas seltsames: das objekt begann leise zu schnorcheln, dann richtig zu schnarchen. das machte es normalerweise nie. ich drehte vorsichtig seinen kopf, damit es besser luft bekam. das half kurzfristig, danach wurde es wieder schlimmer. schließlich begann das objekt nach luft zu ringen, als stünde es kurz vorm ersticken. ich schubste es zweimal vorsichtig. keine reaktion. dann setzte die atmung ganz aus. ich packte das objekt an den schultern und schüttelte es. endlich atmete es aus, wachte aber nicht auf.
ich war stark beunruhigt. ich fragte mich, welche drogen das objekt wohl genommen haben könnte. im bad fand ich nichts verdächtiges. in der küche stand eine leere flasche wein und eine knapp halbvolle wodkaflasche. im club hatte sich das objekt zudem bestimmt noch mal sieben oder acht kurze und diverse biere hinter die binde gekippt. vielleicht reichte so viel alkohol für eine beeinträchtigung der herz-lungen-funktion?
ich ging wieder ins bett. da hatte das objekt mit dem nächsten erstickungsanfall zu kämpfen. ich schüttelte es wieder. das objekt begann zu murmeln und laut zu stöhnen. ich hielt seinen kopf und rief seinen namen. da endlich schlug es die augen auf. ich war erleichtert wie schon lange nicht mehr:
"sag mal, träumst du oder leidest du an schlaf-apnoe?"
"warum fragst du?"
"du bist eben fast erstickt."
"ich habe was komisches geträumt, ja, aber das war kein alptraum."
"was war es denn dann?"
"ich kann mich nicht mehr an alles erinnern. es endete aber damit, dass ich wieder klein war und meine mutter mich zum essen rief."
"das ist ja entsetzlich schrecklich", sagte ich sarkastisch.
"ja, das ist es. ich durfte bis zu meinem 18. lebenjahr kein fleisch essen."
"warum das denn?"
"meine eltern haben mich streng vegetarisch erzogen."
ich hatte keine ahnung, was ich dazu sagen sollte. schließlich kannte ich die objekt-eltern nicht und wusste nur, dass sich das objekt nicht mit seinem vater versteht.
"weißt du, worauf ich jetzt bock hätte?" kicherte das objekt.
"wodka?" riet ich.
"falsch."
"ficken?"
"nee, auch nich."
"was dann?"
"ich hätte jetzt gern ein riesiges schnitzel."
ich trat unter der decke nach dem objekt.
"nich hauen", murmelte das objekt, zog mich wieder an sich und vergrub den kopf an meinem hals. kurz darauf schlief es wieder ein, träumte offenbar weiter, redete im schlaf und schlug um sich, atmete aber wieder normal.

als mittags der wecker klingelte, hatten wir sagenhafte vier stunden geschlafen, inklusive der alarm-unterbrechung wegen erstickungsgefahr. das objekt schlug nach dem wecker, der unter das bett fiel, und schlief weiter. ich fischte den wecker wieder hervor und aktivierte die schlummerfunktion. beim zweiten klingeln erlangte das objekt dann anzeichen von bewusstsein. es drehte sich zu mir. wir wünschten einander nabelabwärts einen guten morgen. dann sank das objekt verschwitzt nieder.
"scheiße, ich glaub, ich bin immer noch stoned."
"was hast du denn genommen?"
"ich habe gestern abend mit meinem nachbarn gekifft."
"aber das ist doch jetzt nichts außergewöhnliches für dich."
"naja, ich hatte zuvor schon auf arbeit gekifft", kicherte das objekt. "und am freitagabend habe ich so viel getrunken, dass ich nicht mehr radfahren konnte."
"irgendwann schmeißen die dich raus", warnte ich.
"die haben gestern schon gesagt, wenn du heute abend wieder feiern gehst und morgen zu spät kommst, gibts ärger", grinste das objekt.
"dann steh mal besser auf."
"wie spät ist es denn?"
entsetzt starrten wir auf den wecker: es war 12.57 uhr.
"fuck", rief das objekt. "ich muss in drei minuten auf station sein!"
in windeseile sprang das objekt in die nächstbesten klamotten, die über dem sessel hingen.
"willst du SO gehen?" fragte ich. das objekt sah an sich hinunter. es trug die sexy schwarze hose mit den zwei reißverschlüssen an der entscheidenden stelle sowie sein einärmeliges, transparentes hemd vom vorabend. es sah aus wie die inkarnation eines feuchten traums.
das objekt hatte ein einsehen und kramte im klamottenhaufen. schließlich fand es einen pulli und zog ihn über.
"besser?"
"definitiv. sonst fallen die patienten am ende noch über dich her", grinste ich.
"jetzt muss ich aber los", sagte das objekt und gab mir einen kuss. "schlaf schön weiter!" dann rauschte es die treppen hinunter.

zwei minuten später stürmte es schon wieder in die wohnung.
"fuck", rief es. "ich hab total vergessen, dass in drei stunden meine ex mit meinem sohn vorbeikommt."
"was will die denn hier?"
"die liefert ihn bloß hier ab."
"ja und?"
das objekt sah mich flehentlich an.
"kannst du mir bitte helfen? die wohnung muss halbwegs ordentlich aussehen, sonst macht mir meine ex die hölle heiß. und der kleine soll sich ja auch ein bisschen wohlfühlen, wenn er schon auf mich warten muss."
"geht klar."
das objekt drückte mich und rannte wieder nach draußen.

"halbwegs ordentlich" ist eine vage zustandsbeschreibung, bei der das objekt und ich definitiv unsere differenzen haben. das objekt ist ein eifriger wäschewascher (trägt alle klamotten nur einmal) und ein sensationeller koch, kommt aber mit putzen und aufräumen weniger gut klar. ich selbst erfreue mich an imbissgerichten und kalter küche, lebe aber "total steril", wie es das objekt nennt. das heißt: bei mir wird einmal wöchentlich großreine gemacht und der große klamottenhaufen über dem stuhl auf einen winzig kleinen reduziert. als ich die objektküche betrat, merkte ich, dass sich unsere differzen perfekt ergänzten. der objekt-kühlschrank quoll förmlich über. der kleine würde niemals hungern müssen. neben dem herd standen benutzte schüsseln und töpfe. das objekt hatte, wie ich aus dem eingetrockneten inhalt sowie informationen aus der vergangenheit erschloss, in den letzten tagen quarkknödel mit apfelkompott sowie vanille-pfannkuchen gemacht. dafür geb es nun berge schmutzigen geschirrs. im regal stand kein einziges sauberes glas mehr. also zuerst geschirr spülen. dann fegte ich die küche (ein großer haufen asche plus frühstücksflocken plus fusseln) und machte das objektbett. danach war das piratenzimmer des lütten an der reihe. dort trockneten zwei ständer voller wäsche und nahmen jeglichen spielraum für den sohnemann ein. ich legte die wäsche zusammen und entfernte die wäscheständer. danach machte ich das kinderbett, legte die pixie-büchlein auf einen ordentlichen stapel und räumte zehn kilogramm bauklötze auf einen haufen.
nun war es noch wichtig, alkohol und drogen außer reichweite der kinderhände zu bringen. ich fand unter dem objekt-bett und in der küche insgesamt drei leere und eine halbvolle wodkaflasche, bacardi, jägermeister, korn, tequila sowie unzählige leere weinflaschen und bierdosen. die drogen lagerte ich im verschließbaren badezimmerschrank.
nach über einer stunde lag ich in den letzten zügen der aufräumaktion, wischte noch einmal die flächen, goss die (abgefackelte) topfpflanze und platzierte sie dekorativ in der mitte des küchentischs.
danach machte ich, dass ich nach hause kam. konversation mit der ex musste nicht sein, schon gar nicht mit augenringen bis nach meppen. ich wünschte dem sohnemann für mich viel spaß in der sturmfreien bude, dachte beruhigt an den vollen kühlschrank und mit liebe an das objekt und seinen herrlichen hang zum rettungslosen chaos.

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