Donnerstag, 11. November 2010
nachspiel (care-ful)
es muss gegen halb zehn gewesen sein, als das telefon klingelte. es zeigte keine rufnummer an, also dachte ich, es sei meine mutter. am anderen ende der leitung hörte ich erstmal nur straßenlärm. und dann die stimme des objekts.
"hey... ich hab gerade arbeit aus und dachte, ich ruf mal an."

ich war mehr als verblüfft. das objekt besitzt kein telefon, kein internet und ein maximal temporär funktionierendes handy, das zudem meist ausgeschaltet ist, weil das objekt im drei-schicht-dienst arbeitet und daher zu mehrmals wöchentlich wechselnden tag- und nachtzeiten schläft. wir schicken uns aus diesem grund lediglich hin und wieder sms und telefonieren nur in extremen ausnahmefällen und das auch nie länger als zwei minuten, weil dann einer von uns beiden entweder kein guthaben oder dank billiganbieter keine verbindung mehr hat.

ich war also stark verwundert und stellte gespannt die lauscher auf.
"wo bist du denn gerade?" fragte ich entsetzlich kreativ.
"an der klinik", nuschelte das objekt. dann wurde die verbindung unterbrochen.
drei minuten später klingelte das telefon erneut.
"hey, ich bins nochmal, ich hatte kein kleingeld mehr, ich bin in der telefonzelle, und son typ hat mir eben geld gewechselt, damit ich dich nochmal anrufen kann."
"soviel engagement bin ich ja gar nicht gewohnt", sagte ich sarkastisch.
"du bist gut drauf, hm", erwiderte das objekt.
"im moment schon", antwortete ich.
das objekt atmete tief ein. "aber am wochenende warste das nich, was", sagte es dann zögerlich.

jetzt war ich wirklich perplex. obwohl das objekt ein sehr liebevoller und zärtlich-leidenschaftlicher mensch ist, ist es doch eher unbekümmert und tendiert nicht dazu, sich um anderen erwachsene menschen allzu große sorgen zu machen. und falls doch, flutete garantiert der nächste shot drogen oder die nächste flasche wodka die unangenehmen gedanken weg.
nun aber erlebte ich eine mir bis dato völlig unbekannte objektseite.
"du brauchst jetzt auch gar nichts zu sagen. aber du sollst wissen, dass ich das mitbekommen hab, ich kenn das doch, ich weiß doch, was du gemacht hast." wie immer, wenn das objekt aufgeregt ist, weil es unsicher ist, wie das gesagte ankommt, beginnt es leicht zu stottern.
"warum hast du denn nichts gesagt", fuhr es dann fort. "ich hab das doch schon letzte woche gespürt, dass bei dir was nicht stimmt. und du kannst doch nicht einfach dein leben so aufs spiel setzen."
"jetzt übertreib mal nicht", erwiderte ich. "normalerweise bist ja wohl du derjenige, der sich zudröhnt."
"aber nicht mit sonem mist."
"das waren ja keine harten drogen."
"das sind sehr wohl harte drogen", donnerte das objekt. mein widerspruch blieb mir im hals stecken. so viel strenge hätte ich im anbetracht seines leichtfertigen eigenen drogenkonsums nicht erwartet.
stille. ich lauschte. war die verbindung wieder abgebrochen? nein, ich hörte das objekt atmen.
"entschuldige, ich hoffe, du bist mir jetzt nicht böse", sagte es dann.
"so ein quatsch, warum denn, du hast doch das recht, deine meinung zu sagen."
"nein... weißt du... ich wollte so gern am samstag mit dir sprechen..."
"du warst ja beschäftigt." (das objekt hatte am samstagabend mal wieder zwei tussen mit unterschichtenniveau abgeschleppt.)
das objekt seufzte: "ich weiß... aber du bist doch sonst diejenige von uns beiden, die die fahne hochhält. du hast so viel kraft. du bist die jeanne d´arc. und das am samstag hat mich einfach umgehauen." das objekt atmete schwer aus: "du, maus, ich mach mir sorgen."
das verschlug mir vollends die sprache. und es kam noch besser.
"ich hab mir was überlegt", sagte das objekt dann. "ich weiß, ich bin nicht immer erreichbar... aber ich werde jetzt mein handy erstmal immer anlassen, okay? dann kannst du immer anrufen, wenn was ist. und wenn ich es mal nicht hören sollte, weil ich schlafe, dann schreib mir... so lange und so viele nachrichten du willst. ich melde mich dann gleich, wenn ich sie lese."

das objekt war ein freund. ein wahrer freund. das schnallte ich in diesem moment. so verworren unsere lovestory auch immer war, das objekt hatte etwas wichtiges begriffen, ohne, dass ich es hätte erklären müssen: ich bin nicht gut darin, um hilfe zu bitten. weil ich ein verdammt schlechtes gespür für mich selbst habe und meistens schon untergegangen bin, bevor ich merke, hey, das und jenes ist aber gerade nicht gut für mich.

ich war gerührt.
"danke", stammelte ich.
"hör auf damit", sagte das objekt unwirsch. "ICH muss dir danken. du gibst mir so viel und ich hab das gar nicht verdient."
"doch", sagte ich, "du weißt gar nicht, wie sehr."
"vielleicht", antwortete das objekt sehr sanft. "du aber tu mir bitte einen gefallen und pass auf dich auf. und bitte mach das nie wieder."
"ja", schniefte ich.
"bis bald", sagte das objekt. "bis ganz, ganz bald."

... link


Samstag, 6. November 2010
sounds of silence
liebes blog,

gestern gab es (leider/glücklicherweise) keinen sound for november. ich habe nämlich mist gebaut und liege heute flach, seit nunmehr über 36 stunden wach, mit herzrasen, kreislaufkaputt, zehn liter mineralwasser im magen und in einer geistig nicht allzu guten verfassung. manche dinge sollte man also besser bleiben lassen. gut, dass ich endlich mal auf die schnauze gefallen bin.

gestern war ich ganz alleine mit subjekt II auf einer depeche mode party. war lustig, schätzungsweise 50 % der besucher kamen vom anderen ufer und der main-dj war selber mal gast (tanzte aber nicht, wie so viele djs). high und in ich-könnt-die-welt-umarmen-laune habe ich mir fleißig eingeredet, ich sei tatsächlich schwer verliebt in das subjekt II. haut aber nicht so ganz hin, habe ich heute wieder nüchtern für mich befunden. whatever. lass uns freunde bleiben. versuchsweise zumindest.

nach exakt null minuten schlaf war ich dann bei einem wohnungsbesichtigungstermin - in einem haus in der straße, wo ich einst mit dem cabman wohnte. es ist sogar dieselbe hausnummer. zufälle bzw. genossenschaftswohnungen gibts! wenn ich demnächst fleißig spare, wohne ich vielleicht ab nächsten jahr im dachgeschoss, in komfortablen zwei zimmern, auf 40 qm und duschklo mit fenster.
die anreise mit dem fahrrad entpuppte sich nach so wenig schlaf und mit restchemie im blut als gefährliches und gesundheitsgefährdendes unterfangen. die rückreise brachte ich dann in der u-bahn zu - mit schlingerndem magen und wackligem kreislauf. frau gönnt sich ja sonst nichts.

... link


Freitag, 29. Oktober 2010
sag "mama"
meine eltern sind in der stadt - für ein wochenende. ich bin von der arbeit nach hause gehetzt, um mich rasch frisch zu machen und ihnen den treffpunkt mitzuteilen. doch es wiederholt sich, was ich das letzte mal schon erlebte: sie sind jetzt - um halb acht uhr abends - schon zu müde, um sich noch mit mir zu beschäftigen.

gut, sie hatten eine anreise mit dem ice hinter sich. aber ich habe einen 10-stunden-tag hinter mir. und ich bin nicht wie sie um 9 uhr, sondern um sieben aufgestanden.

manchmal versteh ich das nicht. ist das noch liebe?

... link


Mittwoch, 27. Oktober 2010
besuch von der fernseh-stasi
vor rund einer stunde kam ich nassgeregnet, kalt und müde von der arbeit nachhause. kaum hatte ich die tür hinter mir geschlossen, klingelte es. nanu, dachte ich mir, da will mir wohl meine liebe nachbarin aus dem ersten stock wieder mal mein päckchen hinterher tragen? treudoof öffnete ich die tür - und blickte auf ein offiziell aussehendes kärtchen, auf dem "ndr" stand.

leider war ich viel zu verdattert, um sofort zu schnallen, dass es sich um die fernseh-stasi handelte. um diese uhrzeit, denken sie mal! aber vermutlich hat die fernseh-stasi inzwischen spione im schichtdienst.
bevor ich die tür also wieder zuknallen konnte, fragte mich der typ sehr freundlich aber bestimmt und wie aus der maschinenpistole geschossen, ob ich für meine rundfunk- und fernsehgebühren angemeldet sei, da ihm keine anmeldung vorläge. ich sagte dummerweise wahrheitsgemäß "nein". immerhin war ich seit neun jahren erfolgreich den krallen der gezler entkommen und noch nie von einem gebühreneintreiber persönlich belästigt worden.
"ich habe aber weder fernseher noch radio", sagte ich ehrlich. "wissen sie, ich mache nur ein unbezahltes praktikum, da kann man sich sowas nicht leisten." das war zwar gelogen, aber gut. ich machte meine großen augen noch größer und versuchte es mit der mitleidsmasche.
"aber sie haben einen pc!" triumpfierte der fernseh-stasi-spitzel.
ich wollte schon nein sagen, als ich gerade noch merkte, dass meine tür zum wohnzimmer offenstand und der bildschirm meines niegelnagelneuen (einkommenssteuersenkenden) laptops durch die dunkelheit des raumes strahlte.
"ähm, ja", wand ich mich.
der fernseh-stasi-spitzel hielt mir einen längeren vortrag darüber, warum ein pc gleich ein radio gleich ein fernseher ist sowie weshalb unbezahltes fernsehen oder auch schon die theoretische möglichkeit unbezahlten fernsehens eine ordnungswidrigkeit darstellten - während ich grübelte und grübelte, wie ich aus dieser nummer wieder herauskommen könnte.
"aber ich habe kein internet", log ich.
"aber ihr rechner ist internetfähig!" schlug der spitzel mein argument tot. "alle neuen rechner sind das!"
dann fing er an, meine daten aufzunehmen. ich fühlte mich so hilflos ausgeliefert wie damals, als ich das erste mal beim schwarzfahren in der s-bahn erwischt wurde.
"wie lange halten sie denn schon geräte zum empfang bereit", fragte mich der spitzel.
"ähm, ich bin gerade erst eingezogen", log ich.
"also seit september?"
"sagen wir mal oktober", grinste ich frech.
der typ zog die augenbrauen hoch. es war klar, dass er mir kein wort glaubte.
"können sie das nachweisen?"
"klar", sagte ich lässig. ich wusste nicht wie, aber der spitzel insistierte auch nicht weiter auf dem nachweis.
"wie lange wohnen sie denn schon genau hier", wollte mein ungebetener gast dann wissen.
das geht sie einen feuchten scheißdreck an, wollte ich gern sagen, entschloss mich dann aber, weiterhin dreist zu lügen.
"seit zwei wochen", sagte ich also.
"aha, wo haben sie denn vorher gewohnt?"
"bei meiner freundin", erwiderte ich. "die ist seit der trennung aber nicht mehr so gut auf mich zu sprechen."
der typ guckte groß, und ich musste achtgeben, nicht laut zu lachen.

"wollen sie von unserem bequemen bankeinzug profitieren", drängte mich der spitzel am ende dazu, meine kontodaten zu offenbaren.
"nein, ich bevorzuge rechnungen" erwiderte ich, "am monatsende bin ich sowieso immer pleite."
dann musste ich einen wisch unterzeichnen. ich tat es, mechanisch, denn was hätte ich sonst machen sollen?

"auf wiedersehen", sagte der spitzel, während ich innerlich grollte. was für eine unverfrorenheit, mir meinen feierabend so zu zerstören.
den durchschlag des zettels, den der spitzel mir aushändigte, knüllte ich zusammen und warf ihn in den müll. mit der rechnung würde ich das natürlich nicht machen. denn die wird zurückgehen - mit "empfänger verstorben" drauf.

... link


Samstag, 23. Oktober 2010
es schlägt 13
erwacht mit einem schädel, als hätte ich gesoffen, dabei war mein vergangener abend sehr nüchtern und zugleich sehr ernüchternd. gestern festgestellt, dass teenies vermehrt unter extremer fettleibigkeit leiden, sodass sie teils kaum mehr tanzen können, sowie dass ich hingegen kein teenie mehr bin und vermutlich trotz mutti-arsch nicht nur die älteste, sondern auch die dünnste frau des abends war, und, anyway, die verdammten 5 euro für eine halbe stunde bleiben eine verdammte geldverschwendung waren. wenigstens aber war ich noch einmal draußen, da ich ja außerhalb meiner arbeit kaum mehr ein gesicht in live zu sehen bekomme und die wärme aus umarmungen für ganze wochen rationieren muss.

über den kiez radeln macht natürlich nicht so viel spaß, wegen der glasscherben und vor allem wegen der inkarnierten, geballten grenzdebilität, die sich unter alkoholeinfluss dort so offenbart. in einer seitenstraße geriet ich in eine gruppe brutaler jugendlicher schläger, die wild auf mülleimer, fahrradständer und alles, was sich in bodenreichweite befand, eintraten. ich radelte vorbei, in der hoffnung, sie mögen mich nicht mit einem mülleimer in motion verwechseln, außerdem hatte ich meine guten strümpfe an. zum glück reichte die gehirnmasse des schlägertrupps nicht aus, um sich auch noch auf lebende objekte zu konzentrieren und so konnte ich unbehelligt passieren. und weil jugendliche scheinbar nichts anderes zu tun haben, ging die gewalt am zielort dann weiter. vor dem club, zwei zentimeter neben mir, prügelten sich zwei jungs. während ich noch überlegte, was angemessener wäre - sie zu bitten, sich einander woanders die fresse zu polieren oder selbst zwei schritte beiseite zu gehen - stolperte der eine und fiel mir auf den fuß. bevor ich den mund aufmachen konnte, hatte sich der gefallene jedoch schon wieder aufgerappelt, guckte mich betreten an und sagte: "entschuldigen sie bitte!" manchmal ist es doch sehr von vorteil, so eine natürliche lehrerinnen-autoritätsaura zu haben. ich bemühte mich, nicht lauthals zu lachen und weiter streng zu gucken. da trollten sich die beiden.

überhaupt das thema lehrinnendasein mal wieder ernstaft erwogen. der dritte im bunde, selbst noch schüler, wäre sehr begeistert, wenn ich doch ins lehramt ginge: "du rauchst, du trinkst, du nimmst drogen, du hängst in clubs rum und schleppst typen ab, du hast echt ahnung vom leben, was besseres könnten wir schüler uns doch nicht zur lehrerin wünschen!" nur, dass ich dann verstärkt darauf achten müsste, mit wem ich so im bett lande. der morgen danach wäre dann unangenehm:
"und, wie heißt du eigentlich?"
"max."
"und wie alt bist du?"
"20."
uuuups.
"was machst du so?"
"ich gehe noch zur schule."
doppel-uuuuups.
"WELCHE schule?"
"gymnasium xy."
"sssschhhh....schön. dann sehen wir uns am montag. und lese dir bitte gründlich die effi briest bis seite 120 durch, wir schreiben nämlich ein ex."
hahaha.

summasumarum landete ich dann gestern noch einer sehr anstrengenden woche mit schwerer schlaflosigkeit verhältnismäßig frühzeitig im bett und schlief wunderbare 13 stunden bis jetzt durch. hat auch mal was. zumal ich erst morgen wieder was arbeiten muss. sweet life!

... link


Sonntag, 17. Oktober 2010
romantik behind all the shit
es geht nicht gut in diesen tagen. ich bin erschöpft, ausgebrannt, frustriert und pleite. der zweifel hält die seele in aufruhr. er ist das, was mich und das objekt so sehr verbindet: das ra(s)tlose suchen, ohne dass wir wüssten, wonach.

ich bin gewarnt. ich weiß, wie kontraproduktiv unsere konstellation ist.

wenn sich zwei ertrinkende aneinander klammern, gehen sie gemeinsam unter.

aber weißt du was? ich gehe gern zusammen unter. denn unter wasser ist auch noch eine welt. wenn nicht hier, dann eben neverneverneverland, von zeit zu zeit. just let me in. lass uns unsere eigene welt sein.

deviantart/nuage-d30wy0b


gestern war ein guter abend. du warst bis auf eine halbe flasche wodka nüchtern, während ich ganz entspannt von einer winzigkeit mdma runterkam.

beim sturm auf die tanzfläche zu röyksopps "what else is there" ineinander gerannt und sehr gelacht (endlich wieder gelacht - weißt du, wie lange ich das nicht mehr getan habe?!).
"das ist mein lied", sagtest du, "ich habe es mir persönlich gewünscht!"
"das ist mein lied", beharrte ich, "ich habe es dir geschenkt."
"ich habe es mir gewünscht, weil du es mir geschenkt hast", sagtest du.

später, auf der couch, während ein freund einen joint drehte, kniest du vor mir und öffnest dich mir, wie du es manchmal überraschend tust. und ich bekomme das zweitschönste kompliment meines lebens:

ich habe übrigens noch nie eine sms von dir gelöscht. irgendwann, wenn mein sms-speicher voll ist, werde ich sie alle in mein notizbuch abschreiben, damit ich sie immer bei mir habe.

ich kann noch strahlen, bevor mir die tränen in die augen steigen.

verdammt.

weißt du, was mir das bedeutet?

später, gegen halb sieben uhr morgens, begleite ich dich ein stück nach hause. vor deiner haustür kriechen wir ineinander und halten einander fest wie lange nicht mehr. eine umarmung, die für mindestens eine ganze woche reicht - und reichen muss.

küss deinen sohn von mir.

... link


Freitag, 15. Oktober 2010
meine wahren fans
search request: "wie werden wir sehkrank!"

liebe unbekannte fans,

zunächst werdet ihr erstmal hier members. kostet auch nur 50 euro/monat mitgliedsgebühr.

danach dürft ihr mich verlinken. macht nochmal 50 euro/monat.

als nächstes könnt ihr meine autobiografie erwerben. einfach copy & paste hier so roundabout die letzten fünf jahre. kostet 1000 euro. einmalig! kinder, das ist ein spottpreis.

in letzter instanz lasse ich mich schließlich für euch klonen. ihr adoptiert den klon. macht summasumarum eine mio euro - und das für lebenslänglich sehkrank!

ja, nu, dann sage ich schon mal: dankeschön!

mit freundlichen grüßen

frau morphine

p.s.: ist ja überhaupt eine geile geschäftsidee. sollte ich mir patentieren lassen: "mit dem blog zur ersten eigenen million".

... link


Dienstag, 12. Oktober 2010
morning-low
in absolut suizidaler morgenstimmung.

wieder mal von zuhause geträumt. also da, wo mein zuhause nicht mehr ist. aufgewacht, hier, was irgendwie nicht zu meinem zuhause werden will.

im moment geht gar nichts.
der job im büro.
meine eigenen kunden.
die männerwelt.
der winzige freundeskreis, gefühlt out-of-reach.
meine eltern, glücklich, geborgen, ahnungslos von dem, wie es mir geht.

und ich kann immer noch nicht wieder heulen. obwohl ich gestern im supermarkt kurz davor war. aber das war dann peinlich, so an der kasse.

sorry fürs langweilige tagebuch-bloggen.

... link


Sonntag, 10. Oktober 2010
krise und frieden. eine erfolgreiche vermittlung
nach zwei langen wochen konnte ich gestern endlich notieren: object found. ich betrat gerade die geheiligten hallen, als ich es schon entdeckte: unter einem langen ledermantel verkrochen saß es vollkommen in sich gekehrt an der bar und war im begriff, sich mal wieder zuzuschütten. sein wahrnehmungsradius schien sich auf den einer ameise zu beschränken, denn es bemerkte weder mich noch irgendetwas um sich herum. da ich ohnehin sauer war/sein wollte, ging ich erst einmal zur garderobe, um meine 100 schichten herbstbekleidung abzulegen. dann sagte ich einem bekannten hallo. anschließend setze ich mich mit abstand zum objekt ebenfalls an die bar und bestellte ein bier.

da wir beide extreme geruchsmenschen sind, können wir unsere anwesenheit in einem gewissen umkreis riechen - also beispielsweise auch, wenn wir einander die rücken zukehren. so wartete ich, dass sich der wahrnehmungsradius pheromonbedingt langsam weiten würde. dies funktioniert, wie ich gleich feststellen sollte, auch unter starkem alkoholeinfluss. nach kurzer zeit zeigte das objekt anzeichen von frisch erwachtem bewusstsein, berappelte sich und schlurfte zu mir herüber. dann krabbelte es auf den barhocker neben mir.

toll. da saßen wir nun. mir fiel auf, dass ich nicht wusste, was ich sagen sollte. somit blieb ich stumm und verzichtete auch auf eine umarmung. das objekt lümmelte sich über den tresen und versank wieder in seiner welt.
das war mir zu doof. ich stupste energisch seine schulter:
"sag mal... alles in ordnung bei dir?"
das objekt zuckte die schultern und nickte und schüttelte den kopf in einer bewegung:
"ich bin nur kaputt."
"schlechte laune?"
"hmhmhmhpf. die können mich heute alle mal am arsch lecken."
klare ansage. ich rutschte vom hocker und ging.

zwei stunden später, nachdem ich dank eines hervorragenden dj-sets sehr lange sehr nett tanzen durfte, begegneten wir uns wieder im nebenraum. das objekt hing auf der couch. zunächst dachte ich, es schliefe, aber es hatte die augen geöffnet und wirkte irgendwie traurig. da ich immer noch sauer und auch traurig war und ich mich trotzdem oder deshalb fürchterlich nach einer liebenden geste sehnte, setzte ich mich daneben. ich erhaschte einen blick, dann wanderte die hand des objekts in richtung meines oberschenkels. es begann, mit dem finger das muster meiner strümpfe nachzuzeichnen. ich sagte nichts. das objekt blieb ebenfalls stumm. plötzlich aber sprang es auf und lief aus dem raum.

noch bevor ich mich von der merkwürdigkeit des augenblicks erholt hatte, kam ein gemeinsamer freund herein - unser dritter im bunde und manchmal auch im bette. nummer drei freute sich ganz offenherzig, mich zu sehen, pflanzte sich neben mich und umarmte mich.
"hast du schon das objekt gesehen?" fragte ich.
"ja, ich hab ihm gerade hallo gesagt."
"der ist heute aber echt scheiße drauf, oder."
der dritte im bunde war erstaunt:
"warum? zu mir war er ganz normal."
jetzt war ich erstaunt.
"vorhin, nachdem wir uns zwei wochen nicht gesehen hatte, sagte er zu mir, es könnten ihn heute alle mal am arsch lecken."
der dritte im bunde, der das objekt schon mehrere jahre kennt, war jetzt nicht nur erstaunt, sondern entsetzt:
"DAS hat er zu dir gesagt? das ist aber überhaupt nicht typisch für das objekt."
"ja, keine ahnung, vielleicht falle ich ihm ja auf die nerven."
"glaub ich nicht. der ist manchmal so. dann meldet er sich auch ewig nicht."
der dritte, der ein sehr gutes gespür für zwischenmenschlichkeiten hatte, nahm mich tröstend in den arm. so saßen wir da, als das objekt zurückkehrte.
"ich tanz noch ein lied, dann gehen wir, ist das okay für dich?", sagte es unwirsch zum dritten.
der dritte nickte. das objekt drehte sich auf dem absatz um und ging wieder.
der dritte sah mich fassungslos an:
"sag mal, was hast du denn verbrochen?"
"wie gesagt, ich bin ratlos. aber irgendwas stimmt nicht, fürchte ich."
"der ignoriert dich total! das ist unverschämt!"
soviel anteilnahme und fürsprache taten gut. ich sah den dritten mann flehentlich an. er verstand sofort:
"ich geh mal rüber und löchere ihn. aber glaub bloß nicht, dass ich dir dann alles erzähle!"
er grinste sein knabenhaftes grinsen und knuddelte mich noch einmal. ich musste lächeln. für sein 23 jungen jährchen war der dritte einfach unschlagbar sozial kompetent. jedenfalls cleverer und mutiger als ich und das objekt zusammen.

während der dritte als diplomat operierte, holte ich meine sachen beim garderobenmann. der garderobenmann verwickelte mich wie immer in einen charmanten smalltalk. ich wusste, dass er ein auge auf mich geworfen hatte. aber im moment interessierte mich nur eins: die ergebnisse des krisengesprächs. also begab ich mich wieder an den tresen, wo mich der dritte nach den krisenverhandlungen treffen wollte.
ich schlüpfte gerade in meine niegelnagelneue second-hand-nicki-jacke, als ich eine überraschung erlebte. statt des dritten kreuzte das objekt auf und postierte sich betont selbstbewusst vor mich. daraus konnte ich schließen, dass ihm etwas sehr unangenehm war.
das objekt suchte meinen blick und konstatierte:
"der dritte sagt, du sagst, ich sei komisch drauf."
"exakt. heute abend bist du mehr als komisch." soviel grimmigkeit hatte ich gar nicht in meine stimme legen wollen, aber sie war da und ließ sich nicht zurückhalten.
das objekt schlug die augen nieder. dann flüsterte es:
"tut mir leid. tut mir leid. manchmal bin ich so... aber ich hab dich lieb. ich hab dich so-so lieb."
das objekt breitete zögerlich die arme aus. ich überlegte einen moment. können wir das so gelten lassen? naja, okay. ich kroch in seine arme. das objekt hielt mich ganz lange ganz fest und vergrub sein gesicht an meinem hals. dann richtete es sich auf, streckte sich und gab mir einen kuss auf die stirn.
"bis bald."

ich hoffe doch. wenn du dich morgen noch an das erinnerst, was du heute im rausch gesagt hast.

... link


Freitag, 8. Oktober 2010
let your blood flow
die trauernde dumpfheit hat einen neuen impuls bekommen. es ist wut. wut ist allerdings aufwiegelnd. mein blut ist in wallung. ich leide unter schwerer schlaflosigkeit.

das objekt bleibt verschollen. es gibt zahlreiche mögliche unschöne gründe dafür:

- es fickt was anderes.
- es hat gerade sehr viele nachtschichten im job/sehr viele schichten im zweitjob.
- es hat mal wieder seine unsoziale phase, in der es nicht aus dem haus geht.
- es ist nach einer überdosis in der geschlossenen anstalt gelandet.
- oder - horror extreme - es hat sich verliebt.

ganz egal was es ist: ich bin jetzt sauer. so.
aufgrund der sauer-schlaflos-stimmung bin ich in kotziger laune. zu beruhigungszwecken habe ich 150 tacken in böse kräuter investiert. naja, andere leute trinken stattdessen ihr feierabendbier. allerdings muss ich nach zwei wochen dauerkonsum sagen: der scheiß macht blöd in der birne. und fett wird man auch, weil es appetitanregend ist. letztes jahr um diese zeit konnte ich in meinen klamotten zelten. jetzt muss ich langsam was dranstricken gehen.
also werde ich wieder aufhören. auch wenn ich jetzt super zigaretten drehen kann. denn am ende lande ich sonst noch in der geschlossenen. wo ich dann das objekt treffe und einen mord begehe. wär dumm. wo ich doch immer noch meinen ausbeuterjob kündigen und lehrerin werden könnte.


mehr böse musik für böse leute!

... link