Montag, 24. Januar 2011
in gottes namen
zum großen schrecken meiner eltern wollte ich um das 16. oder 17. lebensjahr herum künstlerin werden. ich begann, unsummen von geld für großflächiges papier, pinsel, lösungsmittel und diverse farben auszugeben. dann kaufte ich mir 16 kunstbücher und begann zu malen. außerdem bediente ich nach der schule im café, das zu einem miesen kleinen stundenhotel in der südstadt gehörte, um mir den samstäglichen bildhauereikurs bei einer lokal semiprominenten künstlerin und privatdozentin zu finanzieren.

es war eine zeit, in der sich die mienen meiner eltern zusehens verfinsterten, während meine kunstlehrerin entzückt jauchzte, ich müsse UNBEDINGT kunst-abitur machen und das ganze danach auch möglichst studieren. leider brach ich mir wenige monate später bei einem fahrradunfall den mittelhandknochen, was schon mal der bildhauerei sowie auch der pianistinnenkarriere ein spontanes und dauerhaftes ende setzte. ich machte eine zeitlang mit ton weiter, aber das war keine herausforderung, außerdem wusste ich irgendwann nicht mehr wohin mit all den totenschädeln, penissen und torsi. ich machte noch eine kleine weile weiter, um meine mutter zu ärgern, indem ich mit meinen ton-schauerlichkeiten den backofen blockierte. dann stellte ich das ganze ein, da ich keinen platz mehr hatte für meine irdene dildo-sammlung.

in dieser zeit versuchte ich mich, die ich eigentlich eher zu modernerer kunst (19. jahrhundert bis kompostmoderne) tendierte, an einem theologischen werk: die schöpfung von meister bertram. sie kennen das bild vielleicht, es zeigt jesus checker-artig gestikulierend in einem langen mantel mit jeder menge viecher und macht insgesamt einen merkwürdigen eindruck zwischen locus amoenus und sodomistenparty.
ich gab mir reichlich mühe und war im nachhinein verdammt stolz, zeigte das gemälde jedoch niemandem.

vor einigen jahren, als ich mit meier besten, kunstbeflissenen freundin den keller neu sortierte, fiel mir besagtes werk wieder in die hände.
"dein jesus sieht verdammt schwul aus", meinte meinte freundin, nachdem sie das werk eine zeitlang kritisch beäugt hatte.
"das ist eben ein metrosexueller style", entgegnete ich.
"du spinnst ja, jesus war doch nicht david beckham."
"jetzt sei doch nicht so unaufgeschlossen. seit gadamer müssen wir fröhlich die horizonte verschränken. und das ist eben meine interpretation, aus dem hochmittelalter heraus in die kompostmoderne transferiert!"
"der sieht aber trotzdem schwul aus. und überhaupt nennt man typen in langen kleidern nicht metrosexuell, sondern transvestiten."
es war zwecklos, wir kamen auf keinen grünen zweig. irgendwann ließen wir die debatte sein.

ich schenkte das bild am ende meiner oma, die sich sehr freute, entweder weil sie auf metrosexuelle typen stand oder weil sie aufgrund ihres grauen stars nicht mehr so viel sah. so hatten alle völker ihren frieden und ich tauschte pinsel und farbe endgültig gegen tinte und tastatur.

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Sonntag, 23. Januar 2011
spontanitäten
trotz neuer endlos-wegstrecke, miesem nieselregen und knochenschwerer müdigkeit noch im club gewesen.

zunächst spontan den bus verpasst. fahrradfahren ist ja nicht mehr. zu weit. (also nicht zu weit, um es körperlich zu schaffen, aber weit genug, um nachher wie ein idiot auszusehen.) daher spontan den nächsten bus genommen, anstatt zu überlegen und wieder nach hause zu fahren.

bei vollständiger nüchternheit (wann hatte ich das zuletzt? im november irgendwann mal?) war die laune hervorragend. zwei stunden lang getanzt, bis der schweiß floss. objekt getroffen, rotzbesoffen. zwei kurze vom freundlichen barkeeper, der uns für ein pärchen hält, spendiert bekommen. angestoßen, auf meine formidable direktheit, die dem objekt heute mal wieder so gut gefallen hat.

wir tranken auf ex, stellten die leeren gläser ab, dann sank das objekt zu boden. als es zwischen den stühlen wieder auftauchte, lachte ich und sagte, ich hätte nie gedacht, dass ich dich mal mit einem einzigen schnaps unter den tisch trinken würde. das objekt musste ebenfalls albern kichern. doch die spontane fröhlichkeit verging uns gleich. denn plötzlich war die objekt-freundin aufgetaucht. sie zerrte das objekt zwischen den stühlen hervor und schirmte es vor mir mit beiden armen und blicken wie abc-waffen ab.
oops.

mit spontan einsetzender müdigkeit gegen halb fünf uhr zurück zum bus geschlurft. merkwürdiges ziehen in der brust bemerkt. gerätselt, dann festgestellt: spontaner herzschmerz. irgendwas reagiert wohl doch, aller vordergründiger souveränität zum trotz. versucht, ein paar tränchen aus den augen zu quetschen. funktioniert immer noch nicht.

mit dumpfen kloß in der magengegend in den bus gestiegen. spontan keine fahrkarte gekauft. spontan vom busfahrer durchgewinkt worden. musik lauter gedreht. nach hinten gelaufen. dann, auf einmal, wie aus dem nichts: ein bekanntes gesicht: die werte lady grey. spontan hallo gesagt und ein bisschen über wohnungen und wohngegenden in hh philosophiert.

gegen fünf endlich zuhause angekommen bei der spontan aufgenommen brandneuen mitbewohnerin (mitbewo). mitbewo schläft wie ein stein und ist zu keinen untugenden wie über blonde objektfreundinnen lästern bereit. mitbewo-vertrag spontan verlängert. wer steht denn schließlich schon auf läster-tussen?

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Freitag, 21. Januar 2011
katzeklo
da ich ja nun nicht mehr nur auf großem fuß, sondern auch auf großem raum lebe, habe ich mir ein neues selbstverwirklichungsprojekt ausgedacht: wir schaffen uns ab ein haustier an!

gestern, als ich mit dem werten herrn gibson einen zwitschern war, sprach ich das thema katze an, das der herr gibson allerdings sofort mit "kotze" assoziierte und mir dringend abriet, wenn mein bett nicht irgendwann aussehen soll wie das eines inkontinenzlers.
"wie wärs denn mit einem kaninchen", überlegte ich laut. "als kind wollte ich schon immer eins."
"kaninchen sind super, die kötel kriegt man auch voll leicht weg", dachte herr gibson gleich wieder ganz praktisch.

heute auf arbeit bestand ein hauptteil meiner hochverantwortungsvollen tätigkeit darin, den kacken gewesenen, wild durch den garten rasenden hund meiner chefin wieder einzufangen. der süße kleine köter ist absolut hyperkinetisch und hat eine ziemliche klatsche, womit er allerdings auch super zu unserem büro und natürlich auch zu mir passt. madame morphine joggte also in strümpfen, riemchenschuhen und dem guten rock dem kleinen scheißer durch gras und gestrüpp hinterher, bis er dann doch irgendwann langsamer wurde, während ich bereits aus dem letzten loch meiner raucherlunge pfiff. irgendwie schaffte ich es dann, das irrwischige fellknäul zu erhaschen und an die brust zu nehmen. da mich der wauzi heiß und innig liebt und meinen schoß zum bevorzugten schlafplatz auserkoren hat, bekam ich auch sofort eine warme zunge und feuchten, schlecht riechenden hundeatem ins gesicht.
später, also ganz spät, stunden nach feierabend jedenfalls, als ich immer noch im büro war und dringende projekte wegarbeitete, setzte sich meine chefin zu mir und stellte mir ein glas wein hin (da wir einige wein- und spirituosenkunden haben, sind wir ab 17 uhr meist ziemlich heiter). während ich das letzte mail verschickte, blubberte ich ein bisschen belanglosen privatkram und erzählte auch meiner chefin vom tierischen tierwunsch.
"hol dir doch auch so einen kleinen hund, dann bringst du den immer mit und die beiden könnten zusammen spielen", schlug meine chefin vor.
"hm", sagte ich, "aber wenn der dann auch so viel kackt wie deiner... das ist mir dann zu anstrengend." (der hund meiner chefin muss alle zwei stunden und saut auch gern das parkett unter meinem tisch ein.)
"also eigentlich bist du ja auch eher ein katzentyp", fand meine chefin dann.
"ich muss mal ein paar katzen testen", sagte ich. "eigentlich bin ich nämlich allergisch. uneigentlich sag ich mir allerdings, scheiß drauf, dann desensibilisiere ich mich eben selbst."
"hol dir doch eine birma katze", schlug meine chefin vor. "oder auch eine siam, so wie meine."
"mal sehen", sagte ich, "birma ist natürlich schon schick."
"ein bekannter von mir hat eine norwegische waldkatze, die sind auch toll, aber so ne riesen viecher. und du musst bedenken, je größer, desto öfter musst du das klo sauber machen."
"also eine minikatze! am besten eine vegetarierin!" bestimmte ich.
"mach das mal. ich wäre gespannt, wie die sich dann mit dem verrückten köter hier verträgt."

so, liebe leser. und jetzt sind sie mal wieder dran, der interaktivität halber und damit ihnen bei eis und schnee nicht die finger untätig auf der tastatur festfrieren: welches haustier soll ich mir zulegen? ich bin gegen alles außer fische und reptilien allergisch, aber wie gesagt, drauf geschissen. ich bin selten zuhause, darf aber alle viecher ins büro mitbringen. ein wichtiges kriterium ist auch, dass sie nicht so viel kacken. der hund meiner chefin ist schon grenzwertig, obwohl er sehr niedlich und crazy und unendlich kuschlig ist.

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Freitag, 14. Januar 2011
lieblosleben im pendeltakt
morgens von e. nach w. zur arbeit. in der u-bahn ruft das objekt an. wenn der sohnemann anwesend ist, stehe ich immer hoch im kurs. ist sohnemann-frei, hängt es lieber mit der blonden ab.

heute haben wir wieder mal einfühlungskurs. das objekt weiß, dass ich über die maßen erschöpft bin, aber nicht, dass ich in diesem zustand nicht sehr auf gefühle und diskussionen darüber stehe. die frage danach, wie es mir gerade so geht, reizt meinen zorn. das objekt erschrickt angehörs meiner pampigen tonlage und schweigt dann, bis ich "sorry" sage.

"du bist zur zeit so verschlossen."
ja, was soll ich auch offen sein? ich weiß nicht mehr, wer ich für das objekt bin und im moment interessiert es mich auch herzlich wenig. die arbeit, der umzug, die schlachten mit dem finanzamt, das gezoffe mit dem arbeitsamt und last but not least zwei riesenprojekte, von denen das eine ein buch wird... meine welt dreht sich auf vollgas, mir schwindelt und ab und an muss ich ein bisschen kotzen. vielleicht bin ich ja schwanger und das objekt wird zweifachvati, haha.

im w. treffe ich dann das subjekt, das um die ecke arbeitet. wir fahren zusammen ein stück u-bahn richtung a. das sujekt ist easy, wenn ich gestresst bin. es ist höflich, zuvorkommend, charming und emotional immer so unterkühlt, dass ich keine angriffsfläche finde. es schaut mir tief in die augen und für einen augen-blick fühle ich wieder ein wenig frau im mir.
später stehen wir dann an der haspa, ich rauche noch eine, bis ein tropfen die glimmende spitze zischend löscht. das subjekt lacht, meint, geschieht dir recht, und wir verabschieden uns.

ich empfinde nichts. gar nichts. die liebe in mir ist tot. auch mal angenehm, so wunschlos unglücklich zu sein.

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Freitag, 7. Januar 2011
weißer tag
anstrich. ich habe den dritten im bunde bei mir in der neuen wohnung und gehe meinem pädagogischen auftrag nach. nein, nicht, was sie jetzt wieder denken. ich bringe ihm bei, weiße farbe an graue wände zu klatschen. schließlich will er mit der dritten-freundin auch bald eine eigene butze beziehen.

"das ist so schön hier", sagt der dritte mann zu mir und schaut versonnen durch die riesige küche.
"ja", sage ich und beobachte, wie das weiß quadratmeterweise das grau besiegt.
"du siehst auch schön aus", sagt der dritte dann.
ich muss lachen. ich trage farbverschmierte jeans, sneakers und ein hemd vom ex, und bin bis auf spuren von wimperntusche vom vortag gewissermaßen ungeschminkt.

dann klingelt das handy des dritten. es ist die dritte-freundin, die später ihren mann abholen kommt.
"du bist aber auch nie allein, oder", sage ich zum dritten.
"hm, ja, ich beneide ja ein wenig das objekt und dich, ihr seid so wunderbar frei."
"aber das objekt hat doch die objekt-freundin."
"ja stimmt, die macht ja auch stress. trotzdem hat das objekt dich. ich finde das gut."
"ich dachte, du hälst das inzwischen für unmoralisch."
"weil er nicht ehrlich zu seiner freundin ist. aber das betrifft ja dich jetzt nicht so. obwohl ich mich frage, wie du das so durchstehst."
"es gibt nichts, worum ich seine freundin beneide. ich möchte nicht bis über beide ohren verliebt sein, an heirat und kinder und zusammenziehen glauben und nicht ahnen, dass es da noch wen anders gibt, dem das objekt was von ewiger freiheit, polygamie und swingerclus erzählt."
"und wenn er treu wäre?"
"wenn wenn wenn. alle männer gehen irgendwann fremd."
"jaja, alle männer sind schweine", grinst der dritte und ich muss wieder lachen.

"wie machst du das denn nun eigentlich mit dem umzug", fragt der dritte etwas später.
"das objekt will mir helfen", sage ich. "es hat sich extra freundinfrei genommen."
"auweiha", sagt der dritte.
"was? meinst du, sie taucht hier auf und kratzt mir die augen aus?"
"nein", seufzt der dritte, "aber umziehen mit dem objekt bedeutet heilloses chaos."
"DAS kann ich mir allerdings vorstellen", gebe ich zu und stelle mir vor, wie das objekt fröhlich mit joint, schnapsflasche und meinen möbeln durch die gegend eiert und dreimal anruft, weil es die straße/die hausnummer/den nachnamen vergessen hat oder mal wieder von einem freundlichen ordnungshüter zurecht gewiesen wird.
der dritte mann erzählt mir zwischenzeitlich vom letzten umzug mit dem objekt.
"das ging um acht uhr morgens los und das objekt versprach, dass wir spätestens am nachmittag fertig sein würden. ich war dann allerdings erst um mitternacht zuhause, nachdem wir sechs oder sieben mal hin- und hergefahren waren, weil es mit dem geplanten alles-auf-einen-rutsch eben doch nicht so ganz geklappt hatte. es war der blanke horror und ich hatte derben muskelkater am tag danach."
"mach mir keine angst."
"naja, aber ich denke, du bist recht gut im organisieren."
"es ist ja nunmehr auch der achte umzug in den letzten zehn jahren."
"also vollprofi", grinst der dritte. "und da ich ja nett und kein schwein bin, werde ich mal schauen, wie das mit meinen prüfungen aussieht, dann komme ich vielleicht auch."
"du bist ein engel", sage ich spontan und als mich der dritte herausfordernd ansieht, "okay, oder auch ein satansbraten."

p.s.: männer sind übrigens tatsächlich nicht immer nur schweine, sondern auch halbgötter im blaumann. heute morgen hat einer von ihnen mein bett zerlegt. er benötigte lediglich eine zange und war in zehn minuten fertig. ab heute schlafe ich also wacklig und quietschend, aber von einer ehernen alp befreit.

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Sonntag, 2. Januar 2011
handwerker-frage
der teufel sitzt ja oftmals im detail. in meinem falle besteht er aus zwei durchgenudelten schrauben, die betonfest sitzen und das auseinanderbauen meines metall-bettes verhindern. mit inbusschlüssel und zange bin ich schon gescheitert. sprengstoff habe ich noch nicht in erwägung gezogen.

unauseinandergebaut kriegen wir das bett höchstwahrscheinlich nicht durch die wohnungstür. guter rat ist also teuer.

sagen sie doch mal.

verzweifelt,
frau morphine

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Samstag, 1. Januar 2011
in the year 2525 2011
liebe bloggers, ich hoffe, sie sind gut ins neue jahr gerutscht. ich lebe noch, das heißt, so schlimm war es dann wohl hier auch nicht.

gerade war es noch 2001, hab ich eben beim schreiben bemerkt. zehn jahre, nur einen tipper weit entfernt.

silvester 2000/2001 war ein unheimlich stressiges und zugleich eines meiner guten silvester. zuerst musste ich die gäste bei meinen eltern mit empfangen, höflichkeitsfloskeln austauschen und hochkalorische häppchen futtern. dann sprang ich in ausgehkleidung und fuhr zu meiner allerbesten freundin, die mit ihrer tochter, ihrer schwester und deren mann sowie einigen freunden silvester feierte. ein kreis, den ich heiß und innig liebte und dessen kroatisches blut mir so viel wärmer und herzlicher erschien als die blasse deutsche oberfächlichkeit.
um mitternacht war ich mit meinem damaligen freund und dessen kumpels am hauptmarkt verabredet. hauptmarkt bedeutete, u-bahn fahren zu müssen. an silvester eine tortur, weil spackige jugendliche in n. nichts lieber tun, als böller in u-bahn-stationen zu zünden. davor hatte ich tierische angst, zum einen wegen des unweigerlich entstehenden hörschadens, zum anderen, weil ich kindheitstraumatisiert immer glaubte, jemand könnte mit böllern auf mich werfen und mich um einige kleine, aber bedeutende körperteile wie beispielsweise eine nase oder ein auge ärmer machen. dennoch überwand ich meine angst und machte mich an die schier unmögliche aufgabe, meinen freund und seine kumpels zwischen den tausenden von menschen am hauptmarkt zu finden. es war wie bei einer globalisierungs-demo, nur dass statt bierflaschen und steinen eben böller und raketen flogen. aber weil das schicksal mir hold war, fanden wir uns eine minute nach mitternacht. drei stunden später nahm er mich dann mit zu sich nach hause, in die schlimmste kifferbude i´ve ever seen, wo wir dann sex hatten, oder vielmehr ich hatte sex mit einem großen, schönen schwanz, an dem ein recht lebloses stück restkörper hing, das diverse seufz- und grunzlaute von sich gab. der schock kam dann am morgen, als ich bemerkte, dass im selben zimmer noch zwei kumpels schliefen, die mich dann später beim frühstück vielsagend und lüstern angrinsten. vielleicht hätte ich schon damals mein erstes gruppensex-erlebnis haben können. nichtsdestoweniger ein schönes silvester, an dem ich mich sehr geborgen, gemocht und geliebt fühlte, vor allem, als mein freund irgendwann flüsterte: "so viel wie für dich habe ich schon ewig nicht mehr für eine frau empfunden." nun, es mag relativierend hinzuaddiert werden, dass der mann damals 22 war und vor mir erst eine feste freundin gehabt hatte, und dass dem gefühlvollen satz ein anderer folgte, nämlich "und du hast voll geile titten" - aber ich schwebte definitiv im siebten himmel. drei wochen später verliebte ich mich allerdings bereits in einen anderen und machte schluss.

jut, das war einmal. zurück in die gegenwart.

gestern war es jedenfalls doch weniger schrecklich, als ich befürchtet hatte. ich machte mich auf die suche nach frau arboretums filmtipp "drugstore cowboys", wurde fündig und hatte damit neben dem trübsalblasen schon mal eine gute ablenkung mit einem damals wirklich gut aussehenden matt dillon, der mich in seinem 80er/early 90er-look irritierenderweise an meine erste große liebe erinnerte. (herzlichen dank noch einmal an dieser stelle an die frau mit dem guten filmgeschmack!)

gegen 21 uhr wurde es dann turbulent, als mich eine nachricht der freundin des dritten im bunde ereilte. sie und der dritte waren auf dem weg zum objekt, das wohl eine kleine silvesterfeier gab. und ich solle auch kommen. da ich wusste, dass die ahnungslose blonde objekt-freundin, der das objekt monogamie und eine eidideiditrallala-beziehung vorgaukelte, anwesend war, verwunderte mich die einladung stark. ich schrieb der dritten-freundin zurück, dass ich das sehr lieb fände, aber im anbetracht der umstände (die dritte-freundin ist über das liebesleben des objekts bestens im bilde) könne ich mir nicht vorstellen, dass das objekt das wirklich ernst gemeint hatte. die dritte-freundin schrieb zurück, doch doch, es sei sogar die idee der objekt-freundin gewesen. das fand ich noch einmal viel seltsamer, denn auch wenn die blonde mir sehr sympathisch war, fiel unser verhältnis doch eher in die rubrik "sehr flüchtige begegnung". wir hatten uns noch nie wirklich unterhalten und es wunderte mich, dass sie sich überhaupt an meinen namen erinnerte.

also schickte ich dem objekt eine sms, berichtete von der merkwürdigen einladung und fragte, ob das ganze auf seinem mist gewachsen sei. die antwort kam fast postwendend. das objekt fand den gedanken, dass ich mitfeiern könnte, sehr schön, gab aber dann zu, dass das nicht seine idee gewesen sei, sondern vielmehr frauendynamik. er wisse auch nicht, was er tun solle, schrieb es weiterhin, ich solle mal meine meinung sagen. ich bat das objekt, es möge sich mal rausschleichen, damit wir das besprechen könnten.
eine viertelstunde später hatte ich einen sehr aufgeregten mann am apparat.
"ich weiß überhaupt nicht, was ich tun soll", flüsterte das objekt in den hörer. "die dritte-freundin und die meine, die nehmen mich hier richtig unter druck, dass ich dich anrufen und bitten soll, doch auch zu kommen."
"wie kommt überhaupt deine so genannte freundin auf die idee, mich einzuladen?! sie kennt mich überhaupt nicht und sie sollte auch nicht wissen, dass wir uns näher kennen."
"du, und genau das kommt mir auch ganz komisch vor: dass die so unbedingt wollen, dass du dabei bist."
das objekt hatte ganz offensichtlich die hosen voll.
ich musste lachen:
"du glaubst, das ist ein frauenkomplott und die beiden wollen uns heute abend überführen?"
"so ähnlich." die stimme des objekts zitterte ganz ungewohnt.
"jetzt sag doch bitte, was ich machen soll! ich brauche jetzt echt mal deine hilfe."
"du, das ist jetzt eigentlich echt nicht mein shit. ich hab dir immer gesagt, es ist das beste, wenn alle bescheid wissen und sich mit der situation arrangieren, wie auch immer."
das objekt schwieg, dann flüsterte es, offenbar in panik:
"du, ich muss schluss machen, da kommt wer."
einige minuten später, als der störenfried außer hörweite war, rief das objekt wieder an. ich hatte zwischenzeitlich widerwillig über eine objektfreundliche lösung nachgedacht.
"also, meines erachtens gibt es zwei möglichkeiten. die erste wäre, ich komme nicht, wobei ich da eine sehr gute, kurzfristige ausrede brauche, weil ich der dritten-freundin schon halb zugesagt habe. die zweite möglichkeit ist, wir spielen das mit und ziehen es durch bis zum gegebenenfalls bitteren ende. vielleicht entspannt sich die situation ja auch, wenn ich anwesend bin. ich bin ja nicht doof, ich weiß schon, was ich sagen darf und was nicht."
das objekt jammerte.
"ich hab das gefühl, die frauen hier ahnen irgendwas... ich wollte doch heute einfach nur in ruhe ein bisschen feiern, und jetzt ist alles so angespannt."
ich merkte, dass das objekt keine nerven für das große theaterspiel hatte.
"pass auf, dann bleibe ich weg. denn wenn du dich dann so verspannt mir gegenüber verhälst, wird sich der verdacht - sollte einer bestehen - nur erhärten. ich meine, ich könnte es trennen, aber ich habe gerade den eindruck, dir schwimmen im moment alle felle davon."
das objekt schien erleichtert, dass eine entscheidung getroffen wurde, verabschiedete sich knapp und legte dann auf.

so blieb ich alleine. gegen 23 uhr überfraute mich dann die große müdigkeit. ich legte mich ein wenig ab, bis mich zehn minuten vor mitternacht das lauter werdende geböller weckte. ich überlegte, ob ich auf die straße gehen und eine rauchen sollte. so eine art zigarette danach, das kann man doch auch dann machen, wenn die nummer, pardon, das jahr, nicht wirklich so durchgehend gut war. gesagt, getan, rasch ein wenig make-up aufgelegt, falls mir in der ersten minute des neuen jahres der mann meiner träume auf dem weißen pferd begegnen sollte, dann in einen halbwegs feierlichen rock und strümpfe gehopst und raus auf die straße.

draußen war niemand. die komplette häuserreihe lag in dunkelheit. offenbar hatte hier jeder eine familie oder einen funktionierenden freundeskreis, mit dem er feierte, oder wenigstens genug kohle, um silvester auf den bahamas zu verbringen. am ende der straße böllerte eine familie und ich überlegte, ob ich mich einfach in die nähe stellen sollte. dann rief jemand von oben: "frohes neues!" ich drehte mich um und blickte hoch. auf dem balkon im ersten stock stand meine nachbarin mit einigen freunden. wir kannten uns eigentlich nur vom sehen im treppenhaus. ihr hund mochte mich, das wusste ich, mehr nicht.
"sag mal, bist du ganz alleine?!" rief mir meine nachbarin dann zu.
"ähm, ja", sagte ich kleinlaut. meine offensichtliche einsamkeit war mir kurzzeitig peinlich, wollte ich doch weder wie ein schräger vogel dastehen, den keiner leiden kann, noch wünschte ich gesellschaft aus mitleid.
"los, komm hoch, dann kriegste ein glas sekt", brüllte meine nachbarin.
das klang so burschikos-herzlich, dass ich nicht nein sagen konnte.
zwei minuten später saß ich mit lauter fremden frauen in einem fremden wohnzimmer. abgesehen davon, dass es ein furchtbar fröhlicher, netter haufen war, hatten sie eines gemeinsam: sie waren alle lesben. die meisten von ihnen sahen aus, wie man sie sich aufgrund bekannter klischees vorstellt. nur die augenblickliche lebensgefährtin meiner nachbarin fiel da etwas heraus, sie erinnerte mich stark an meine zu pubertätszeiten beste weggeh-freundin a., die ich immer verdammt hübsch fand. jedenfalls kann ich schon mal sagen, dass meine nachbarin einen guten frauengeschmack hat.

nach einer lustigen, sektreichen stunde verabschiedete ich mich dann, da ich noch mit dem dritten und der dritten-freundin zum clubbing verabredet war. es war kurz nach eins, als ich mich aufs fahrrad schwingen wollte. prompt fing es an zu regnen. ich überlegte kurz: regen plus schneeschmelze = maximale schlittergefahr. neenee, wir sind vernünftig und nehmen den bus, zumal bei regen das fahrradlicht nicht funktioniert und anlässlich silvester garantiert jede menge bullen unterwegs sein werden.
doch dann begann ich zu rechnen: die strecke bis zur haltestelle, ungewisse minuten des wartens in der feuchten kälte, die fahrt und anschließend der nicht unbeträchtliche restweg... nein, wir werden lieber gleich laufen, sagte ich mir, so eine knappe stunde ist doch ein schöner neujahrspaziergang und auf zehn minuten kommt es dann auch nicht an. fröhlich marschierte ich los. allerdings sollte ich rasch bemerken: regen + tauwetter + highheels = verdammte scheiße. ich rutschte und schlitterte und kam nur im schneckentempo voran. das nächste taxi ist meines, das setz ich von der steuer ab, denn den dreckspissern vom finanzamt drück ich eh genug ab, dachte ich ergrimmt, doch hatte ich die silvesterbedingte nachfrage nicht einkalkuliert. ich bekam kein taxi und als ich nach einer stunde die augustenburger straße erreichte, wusste ich, es lohnte sich nicht mehr. irgendwann machte ich es dann wie die anderen fußgänger und benutzte einfach die straße, die gesalzen und deshalb frei war. die autos gurkten um uns herum und hupten, aber die bürgersteige eigneten sich nunmal definitiv nur noch zum selbstmord.

viel zu spät trudelte ich im club ein und stellte fest: bis auf millionen besoffener spacken war keiner da, den ich sehen wollte. ich stand und starrte mir die augen aus nach den beiden vertrauten gestalten en noir, während mir drei, vier typen auf die füße traten und in mein dekolltee sabberten. ich wartete zehn minuten, dann beschloss ich zu gehen. schade um den eintritt, grollte ich, erst recht nach der hochhackigen tor-tour über die schmelzenden gletscher hamburgs. doch als ich mich auf dem weg zur garderobe befand, stürmte jemand auf mich zu und umärmelte mich. es war die dritte-freundin, im schlepptau der dritte selbst.

zwei stunden lang ließen wir die spacken spacken sein und amüsierten uns auf den tanzfläche. dann war der dritte plötzlich verschwunden. die dritte-freundin, die etwas trinken wollte, suchte ihn, da ihr liebster den gemeinschaftsgeldbeutel bei sich trug.
"hoffentlich ist er nicht auf dem klo und kotzt", sorgte sich die dritte-freundin.
"hat er so viel getrunken? er wirkt eigentlich ganz nüchtern."
"naja, es ging. ist ja jetzt auch schon ein bisschen her."
nach einer halben stunde tauchte der dritte endlich wieder auf. er sah etwas derangiert aus. wie sich herausstellte, war er in eine prügelei geraten, hatte sich aber so erfolgreich gewehrt, dass er aus dem club geflogen war. da er die türsteher kannte, war er jedoch problemlos wieder hinein gekommen. die dritte-freundin tröstete den helden, doch der wollte dann lieber doch nach hause. so verabschiedeten wir uns gegen halb fünf uhr morgens herzlich, dann begab ich mich auf schlitterpartie back home. um sechs uhr lag ich endlich in meinem bett und dachte: wenn 2011 so chaotisch weitergeht, wird es ein genauso spannendes, aufregendes, frustrierendes und dennoch zeitweise einfach wunderbares jahr wie 2010.

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Freitag, 31. Dezember 2010
silvester-umfrage
da dies nun mein erstes silvester alone at home wird:
wie lenkt man sich am besten von eben dieser tatsache ab?
und: was knallt am schönsten (in der birne, nicht an der birne)?

folgende optionen fallen bislang nicht in die engere wahl:

- in den wald (vorher suchen, vermutlich irgendwo stadtrand) laufen und weinen
- auf das dach des radisson sas klettern und springen
- heroin kaufen und sich wegballern
- 112 rufen und solange in den hörer weinen, bis sie den psychiatrischen notdienst vorbeischicken
- beim mittsechziger-nachbarn im dritten stock klingeln und ihn zum sex zwingen
- sich auf die straße legen und warten, was schneller geht: erfrieren oder überfahren werden

kreative vorschläge dringend erwünscht. sie können ein leben retten (etwas, worauf sie mindestens die nächsten zehn bis 20 jahre stolz sein werden)! es gibt allerdings keinen finderlohn (für diejenigen, die mir auf das radisson-sach nachkraxeln oder mich von der vereisten straße zerren)! das projekt ist also eher etwas für selbstlose seelen...

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Sonntag, 26. Dezember 2010
jägerzaunidylle und lost im raucherparadies
süße, erdrückende langeweile. nicht, dass ich das bedürfnis hätte zu arbeiten. ich fühle mich schlecht und nutzlos, so ganz ohne. aber ich nehme es streng mit der selbstverordneten ruhe und sitze eben den ganzen tag in meinem mädchenzimmer und beobachte, wie sich der schnee immer höher schichtet.

die party, auf der ich gestern abend noch war, weil sie die einzige in den nächsten tagen war, brachte auch keine abwechslung. das dj-set erreichte die talsohle der uninspiriertheit gegen drei uhr morgens mit "sunglasses at night", ein alter schinken, der gewissermaßen schon am verwesen ist. auch sonst gab es keine musikalischen impulse, die mich hätten aufhorchen lassen oder aus dem sessel bewegen können. tanzen war also fehlanzeige. was mich beinahe zum hyperkinetischen ausrasten brachte.
zudem waren nur wenige leute da und diejenigen, die da waren, waren überwiegend männer, mit denen ich mal was hatte. sie starrten mich immer noch mit dem gleichen gesichtsausdruck verletzter füllen an, weil ich in der regel diejenige war, die schluss gemacht hatte. zu tode geglubscht verkroch ich mich dann in den hinterletzten winkel, da ich keine fragen wie "wohnst du immer noch in hamburg?" oder "na was macht die liebe" beantworten wollte. zum glück war meine beste freundin da. allerdings hatte sie ihren mann dabei - und der beschäftigte sich den abend über intensiv mit meinem letzten vor-ort-ex.

irgendwann jedoch gelang es mir, den mann meiner freundin zum rauchen weg in den garten zu locken, was ihm sehr entgegenkam, da er gerade halbfreiwillig nichtraucher werden soll. wir huschten durch den flur und hinaus in die eiseskälte, beide ohne jacke, da es ja nur eine kippenlänge eisschranktemperaturen zu ertragen galt. dachten wir.
doch kurz, nachdem wir im schneesturm unsere zigaretten entfacht hatten, passierte es: der wind schlug die tür zu.
wir guckten dumm. h. rüttelte am knauf.
"scheiße, die ist zu."
ich war noch ganz cool und meinte nur:
"egal, wir gehen einfach durch den garten und vorne raus und zum eingang wieder rein."
schlotternd, aber noch entspannt rauchten wir zu ende und trippelnden dann richtung gartenausgang.
was wir allerdings nicht wussten: die betreiber des clubs hatten in den letzten wochen einen etwa zwei meter hohen holzzaun um das grundstück gebaut. was bedeutete, dass unser fluchtweg abgeschnitten war.
"ach du kacke", sagte ich, als wir vor der nicht enden wollenden bretterwand standen.
"was machen wir denn jetzt?" fragte h.
ich holte mein handy aus der tasche.
"ich ruf deine frau an."
"das ist aber optimistisch. die hört dich doch nicht da drinnen."
"egal, vielleicht haben wir ja glück."
leider hatte h. den besseren realistätssinn von uns beiden. ich versuchte es dreimal ohne erfolg, dann gab ich auf.
inzwischen war uns jackenlosen sehr, sehr kalt. wir rannten zurück zur gartentür und begannen zu rufen und zu klopfen. doch keiner hörte uns.
"wie lange hält es ein mensch eigentlich aus, ohne jacke bei minusgraden und schneesturm?!" witzelte ich.
doch auch h. war inzwischen mulmig geworden.
dann hörten wir am anderen ende des garten plötzlich stimmen. klar, da war ja der parkplatz. h. rannte los und rief:
"hallo, hallo... könnt ihr uns helfen?"
er schilderte kurz unser anliegen. doch leider waren die passanten nur besoffene vollpfosten, die glaubten, wir nähmen sie auf den arm. sie lachten und verkrümelten sich.
mittlerweile waren wir richtiggehend verzweifelt. wir gingen langsam schweigend zum verschlossenen eingang zurück. schutzsuchend kauerte ich mich an die tür und hoffte, das holz würde mich wärmen. plötzlich jedoch gab die tür in meinem rücken nach. schemenhaft erkannte ich m.s irokesenkopf hervorlugen.
"was macht ihr zwei hübschen denn da?!" fragte m. erstaunt. "h., deine frau sucht dich schon!"
"mann, bin ich froh, dass du da bist", rief h. und nahm m. in den arm. der wunderte sich, bis h. ihm unsere unfreiwillige exkursion in die arktis schilderte.

das war aber leider auch schon der höhepunkt des abends. ich wollte mich nach dem schockfrosten erstmal aufwärmen und holte mir einen white russian an der bar. und ohne pauschalisieren oder unken zu wollen: barkeeper, die beim mixen in der karte nach den zutaten schauen müssen, machen mich nervös. das ist wie ein arzt, zu dem sie wegen einer erkältung kommen und der dann in seinen büchern nachgucken geht.
mein gefühl betrog mich nicht. der weißrusse war eine schale milchplörre mit unmengen von eiswürfeln.
danach hatte ich endgültig genug. ich packte meine siebensachen und verschwand frustiert.

zuhause bei meinen eltern schwor ich mir dann, dass mein nächster heimaturlaub garantiert nicht mehr in einer totenzeit wie weihnachten stattfinden wird. ab sofort wird urlaub nur noch nach partykalender gebucht. und merke: beim betreten von diskotheken immer fluchtwege checken!

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Donnerstag, 23. Dezember 2010
ausnahmsweihnachten
mein weihnachten ist schon vorbei, es war von gestern abend bis heute vormittag.

das objekt sorgte für zweiraum und arragierte uns ein sohnemann-frei für einen abend. als ich von der arbeit kam, gab es tischlein-deck-dich-artig ein selbstgekochtes, mehrgängiges traditionelles weihnachtsmahl mit upper-class-rotwein und omas silberbesteck. zum nachtisch dann hardstuff, böse kräuter sowie brot und spiele.

der dazugehörige einkaufsexzess wurde komplett vom neuerdings quasi gemeinsamen konto finanziert. das objekt ist nun mehr der erste mensch und der erste mann, dem ich meine kreditkarte anvertraue. leichtsinnigerweise.
doch mein vertrauen wurde nicht missbraucht. im gegenteil. die abrechung stimmte bis auf den letzten cent, obwohl ich darauf im anbetracht der exakt gleichen ärmlichen verhältnisse keinerlei wert lege.
und last but not least: sogar die wohnung war geputzt, obwohl das objekt putzen hasst wie die pest.
das nenne ich wertschätzung. vertrauen angemessen beantworten. dies schafft ein mensch, mit dem ich offiziell nicht einmal zusammen bin. das ist mehr, als ich jemals erwartet hätte, nach allem, was ich mit anderen erlebt hatte.
es ist achtung. "weil du jemand bist, der so clever ist, dass sie die welt so checkt, wie sie nun mal funktioniert." meint auch und vor allem: dass ich es handeln kann, dass ich nicht die einzige frau mit bedeutung im objekt-leben bin.

der spalt an offenheit weitet sich immer mehr. vielleicht wird es helfen, die zeiten zu überdauern. stärker zu sein. zu wachsen und herr zu werden über kleinlichkeiten, eifersucht und die zeitweise alles verschlingende sehnsucht. ich bete, dass ich die kraft dafür besitze, dass man(n) mir die kraft immer wieder aufs neue verleiht.

zum dank habe ich die arbeit aufgeschoben und bürotechnisch ein bisschen hellblau gemacht. das gemeinsame morgendliche kuscheln war einfach zu nett.

ich bin glücklich, für einen moment. ich bin satt. vielleicht ist das endlich ein hauch vom land of the fat nach sieben dürren jahren.

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