Samstag, 3. September 2011
don´t touch
als ich den berg talwärts radle, entdecke ich plötzlich das objekt an meiner seite.
"hey, lass uns doch zusammen fahren!"
das objekt strahlt mich aus blauen, moment mal, blauen? augen an.
ich zögere und sage dann:
"na gut."
nach ein paar metern verlieren sich unsere wege und ich stehe mit zwei tanzenden mädchen in pinkfarbenen gymnastikanzügen am straßenrand.

aufgewacht.

gestern noch bis spät auf party gewesen. das objekt war nicht da, aber der dritte und die drittefreundin.
während die drittefreudin ebenfalls nicht gut auf das objekt zu sprechen ist, macht sich der dritte sorgen. offenbar hat das objekt jeglichen kontakt zur außenwelt abgebrochen.
"ich kenn das ja, dass der mal für zwei oder drei wochen verschwindet... und dann muss ich wieder hinfahren und ihn aus dem loch ziehen. aber diesmal... er hat sich ja wirklich von ALLEN leuten zurückgezogen."
"der ist bestimmt mal wieder dauerstoned", meint die drittefreundin abschätzig.
"kann sein... ich habe den eindruck, dass da mehr ist..." der dritte legt die stirn in denkerfalten und blickt in die unbestimmte ferne.

an unserer seite steht die objektgespielin. sie leidet bereits seit drei monaten unter objekdistanz. das wusste ich nicht. sie tut mir ein bisschen leid. andererseits weiß ich genug von ihr, dass sie auch kein kind von traurigkeit ist und dem objektfrieden ohnehin immer misstraut hatte, zumindest, solange die objektexfreundin noch hin und wieder auf der bildfläche aufgetaucht war. damit war sie zumindest schon mal eine ecke schlauer als ich, und das kratzte an meinem ego. mit der objektexfreundin waren es also schon zwei deutlich jüngere frauen, die scheinbar über den dingen standen und mir was voraus hatten. verdammt, es wurde zeit, dass ich härter wurde.

natürlich wollen alle wissen, wie ich als allerbeste objektfreundin die situation empfinde.
"keine ahnung, es tut mir einfach weh..."
"klar, ihr hattet ja so viel zeit zusammen", meint die drittefreundin. "über ein jahr, oder?"
"anderthalb."
"aber ich denke mal, er wartet jetzt drauf, dass ich wieder den anfang mache. so nach dem motto: die doofe morphine ist ja so gutmütig und geduldig und so eine loyalitäts- und verbindlichkeitsverfechterin, die wird sich schon melden, spätestens, wenn sie einen fick braucht."
von der objektgespielin erfahren wir, dass sie das objekt zuletzt nur noch zum aufräumen, putzen und als babysitterin in die wohnung geholt hatte.
"ich mag ja den kleinen auch, aber irgendwo kommt man sich dann schon verarscht vor."
ich bekomme noch ein bisschen mehr mitleid und bin froh, dass ich zwar auch mal im haushalt geholfen, aber nie die rolle der dauerputzfrau und des kindermädchens übernommen hatte.

wir stehen betreten zusammen.
"komischer abend", sagt die drittefreundin. "total miese stimmung, und alles nur wegen dem blöden objekt. der arsch soll sich mal gehackt legen!"
"das kannst du so nicht sagen", widerspricht der dritte, und dann streiten der dritte und die drittefreundin kurz und heftig.
"also den beziehungsfrieden solltet ihr dem objekt jetzt nicht auch noch opfern", trenne ich die streithähne schließlich.

der wahre krieg bricht dann zwei zentimeter hinter meiner rechten schulter aus, als betrunkene asoziale beginnen, mit bierflaschen auf die türsteher einzudreschen. ruckzuck rückt die ganze security an und es gibt eine prügelei vom feinsten. der blutüberströmte, von der bierflasche getroffene security-mann geht richtig ab und tritt den am boden liegenden flaschenschmeißer mit seinen kampfstiefeln in bauch und rücken.

wir glotzen gebannt. der dritte hat seinen arme schützend um uns mädels gelegt, was sehr süß ist.
dann greift endlich die polizei ein, die heute schon einige festnahmen auf den transenstrich zu verzeichnen hatte, wie ich im vorbeilatschen mitbekommen hatte.
"ich will nach hause", sage ich. "außerdem hab ich angst um mein fahrrad."
"wo stehst du denn?"
"über der kreuzung, in dem wohngebiet da. ich bin ja nicht irre und stelle mein rad auf dem kiez ab!"
"gute idee", findet die drittefreundin.
"dann schlaf mal schön und mach dir nicht so viele gedanken."
auch der dritte und die objekt(ex)gespielin umarmen mich.

dann drehe ich der szene den rücken zu. vorne an der ecke schlägern sich die nächsten besoffenen, wieder rückt die bullerei ab - noch einmal fliegen flaschen und auch steine. ich versuche mich krampfhaft zu erinnern, ob wir mal ein flaschenverbot auf dem kiez hatten. falls ja, funktioniert das ja offenbar prima. im biernebel schließe ich mein rad auf - gottseidank ist es noch heil, nachdem man mir schon mehrfach die reifen zerstochen hatte - und fahre richtung norden.
hallo bett.

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Sonntag, 28. August 2011
kabale ohne liebe
mr. shyguy ist inzwischen einer meiner engsten freunde. nicht zuletzt, nachdem ich ihm neulich einen one-night-stand vermittelt habe, der wohl recht nett gewesen sein muss. zumindest befreite er mr. shyguy vorübergehend sogar von seiner krankhaften schüchternheit, was sonst nicht mal raue mengen alkohol und das gute/verruchte objektseitige zureden geschafft hatten.

mr. shyguy ist zugleich jedoch zweitbester objektfreund und mit dem objekt im gleichen dorf aufgewachsen. seit der objekt-ignore-krise hat sich mr. shyguy allerdings auf meine seite geschlagen und übermittelt mir insider-infos.

nach der gestrigen schlimmen nacht hatte ich mr. shyguy angerufen und ein bisschen mit dessen im hintergrund wuselnden, dringend pipi-müssenden hund um die wette gejault.
mr. shyguy schnappte sich die töle und nahm mich mit auf seinen spaziergang. ich berichtete von der objekt-eiszeit, die gestern neue tiefstwerte zwischenmenschlichen permafrostes erreicht hatte.
"ich versteh das nicht, warum der so arschig ist", meinte mr. shyguy am ende meines monologs.
"der hasst mich und das passt gut, weil ich hasse ihn jetzt endlich auch", erwiderte ich feuerspeiend.
"glaub mir, das ist nicht so." dann gestand mir mr. shyguy, dass das objekt ihn auf mich angesetzt hatte. mr. shyguy sollte den vermittler spielen.
ich staunte nicht schlecht.
"anderseits frag ich mich natürlich nun, was diese bitte soll, wenn er sich alles so versaut, indem er dich so behandelt."
"ich kann nicht mehr ausgehen, wenn das so weitergeht. ehrlich, jeder clubbesuch ist nur noch eine nervliche achterbahnfahrt."
"ach komm!"
"kannst du nicht...?"
ich musste den satz nicht zu ende sprechen, mr. shyguy hatte seinen auftrag schon verstanden.
"wenn das objekt heute abend da ist, red ich mal mit ihm. und du hübsch dich mal auf."
"aye, aye."

ich wählte mein bodenlanges spitzenkleid, entschärfte das sündige dekolleté ein wenig mittels bolero und wartete auf mr. shyguy, der mich abholen würde. gegen eins klingelte es an der haustür, dann stand mr. shyguy in meiner wohnung.
"na, immer noch in selbstmord-stimmung", begrüßte er mich.
"nee. ich freu mich inzwischen sogar ein bisschen auf den abend." neben mr. shyguy hatten sich noch ein, zwei andere nette bekannte angekündigt, sodass ich notfalls zumindest ausreichend gesprächspartner haben würde, die mich ablenken konnten.

als wir gerade vor dem club einparkten, rauschte ein sexy hinterteil auf einem fahrrad an uns vorbei. während wir ausstiegen, schwang sich das objekt mit raubtier-eleganz aus dem sattel und betrat vor uns den club. doof, wenn jemand, den man hasst, immer noch so überoptimale optische reize bietet.

drinnen begrüßte mr. shyguy zunächst das objekt, während ich sicherheitsabstand hielt und wartete, bis mr. shyguy mit der hallo-zeremonie fertig war. dann gingen wir ins nebenzimmer, erstmal was trinken und eine rauchen. als ich mich dort pflanzte, spürte ich einen blick von rechts - und da war der architekt!

ich freute mich von herzen und rutschte begeistert einige sessel weiter, bis ich den architekten in die arme nehmen konnte.
er strahlte mich an:
"ich freu mich so, dass du da bist."
"ich freu mich auch, dass du da bist. das ist ja ewig her."
der architekt guckte mich herzzerfetzend offenherzig an und nahm mich gleich nochmal in die arme.
"du siehst toll aus", fand er, und ich kicherte geschmeichelt.

als ich wieder aus der umarmung auftauchte, bemerkte ich, dass sich mr. shyguy und das objekt genau gegenüber niedergelassen hatten. das objekt warf seinem erzfeind einen vernichtenden blick zu. den architekten schien das nicht weiter zu stören und begann, sich ungeniert mit mir zu unterhalten. ich jubilierte heimlich. besser hätte es das schicksal gar nicht arrangieren können.

unterhaltungen mit dem architekten machen immer ungemein spaß. der architekt hat seltsame themen und kann den zuhörer unheimlich fordern. er springt von tagespolitik ins emotional-psychologische und zurück zu baurechtlichen fragestellungen. es sind gespräche, in denen man mitwachsen muss und darf und dabei ganz viel input und geistige impulse erhält. trotzdem hatte ich heute mein zweites ohr in den raum gerichtet und schnappte fetzen aus der unterhaltung zwischen dem objekt und mr. shyguy auf.

mr. shyguy bewies mut und herz und ging das objekt ziemlich aggressiv an, was ich der tonlage entnahm. dann hielt das objekt einen längeren monolog, von den ich nur einzelne worte wie "warten", "verzweifelt" und "liebe" aufschnappte. es geriet zeitweise stark ins stottern, was ich aus der vermehrten gestik ableiten konnte. zum schluss saß das objekt zusammengekauert da und verbarg das gesicht in den händen. mr. shyguy hatte die hand auf seiner schulter und redete immer noch leise und eindringlich auf es ein. das objekt schüttelte mehrmals den kopf, stand dann auf und ging wie ein angeschossener bär aus dem raum. was auch immer mr. shyguy gesagt hatte, ich applaudierte innerlich.

dann gab mir mr. shyguy einen wink, ihm nach draußen zu folgen. er lehnte sich an die tür und wirkte mitgenommen.
"du musst dir keine sorgen machen."
"wie meinst du das?"
"du hast dein ziel voll erreicht."
"mein ziel?"
"na, ihn fertigzumachen. der weiß ja gar nicht mehr, wohin er das ei legen soll."
"na hör mal. da ist er selber schuld, und das aktuelle verhalten trägt auch nichts zur besserung bei."
"das weiß er. er hat den eindruck, dass die sache vollkommen eskaliert und ihm aus den händen gleitet. es beschäftigt ihn ständig und es wird ihm immer unangenehmer."
"herrje. das ist aber jetzt kein gnadengesuch?"
"nein, er weiß schon, dass er an der reihe ist, wenn sich noch irgendwas zum guten bewegen soll."
"na gottseidank."
"es geht ihm aber wirklich schlecht dabei, das solltest du wissen."
"vielleicht tut er bloß so, weil er ahnt, dass du es mir erzählst und weil er drauf spekuliert, dass ich dann aus mitleid einknicke."
"das glaube ich nicht. ganz ehrlich nicht. das sag ich auch nicht, weil ich sein freund bin."
ich glaubte mr. shyguy, obwohl ich bisweilen argwöhnte, dass er das objekt zu sehr mochte, um sich nicht von dessen taktieren und manipulieren einlullen zu lassen.
ich umarmte mr. shyguy.
"danke für alles."
"dafür nicht. ist ja schließlich auch in meinem interesse, dass man irgendwann auch mal wieder was unbeschwert zusammen unternehmen kann."

ich ging zurück zum architekten und unterhielt mich weiter gut, bis ich müde wurde und die schmerzen mit unerwarteter heftigkeit durchbrachen. ich verabschiedete mich rasch vom architekten und suchte dann mr. shyguy, der meinen mantel im auto hatte.

mr. shyguy stand mit dem objekt da und unterhielt sich. ich musste also warten, bis das objekt weg war. ich drehte eine runde, dann entfernte sich das objekt richtung toilette. jetzt aber flott.
mr. shyguy war ein wenig traurig, dass ich nach hause wollte, verstand aber natürlich, dass man mit migräneartigen kopfschmerzen ungern im club herumsteht. er händigte mir den autoschlüssel aus. dann rauschte ich nach draußen.

vor dem eingang stieß ich mit jemandem zusammen. es war das objekt, das aus der herrentoilette gekommen war. oh nein.

ich bleib in schreckstarre stehen und auch das objekt hielt inne. unsere augen trafen sich. dem objekt wich die wenige farbe aus dem gesicht. es wurde aschfahl, während die augenringe scharf und dunkel hervortraten. der blick war grün und schön wie immer, so tief und traurig wie der ozean. die lippen öffneten sich und ich glaubte, die worte sehen zu können, die sich da in der kehle stauten, während außen alles stumm blieb.

drei, vier, vielleicht fünf sekunden währte der moment. dann riss ich mich los und rannte richtung parkplatz. nachdem ich meinen mantel hatte, rief ich mr. shyguy an.
"gibt´s probleme", fragte dieser überrascht.
"es klingt jetzt doof, aber: kannst du bitte deinen schlüssel holen kommen?"
mr. shyguy, der gute, fackelte nicht lange und kam nach draußen. ich streckte ihm den schlüssel hin.
"was ist denn los, du bist ja ganz grün um die nase", grinste mr. shyguy.
"ich hab gerade das objekt getroffen."
"und, hat es was gesagt?"
"nein. es hat nur geguckt."
"und?"
"und jetzt glaub ich dir."
"bist du deshalb nicht mehr rein gekommen?"
"ja."
mr. shyguy seufzte.
"im grunde ist die sache albern. ihr bedeutet einander so viel, und ihr seid euch so ähnlich... wie eine seele in zwei körpern... ihr gehört einfach zusammen."
"ich will aber nicht zusammengehören. außerdem bin ich jetzt mit jemand anderes zusammen."
"das ist doch nicht dein ernst."
"nein. aber ich versuche, es ernst zu meinen. es muss doch mal vorangehen."
"wenn du meinst."
"ich geh jetzt."
"pass auf dich auf."
"mach ich."
mr. shyguy umärmelte mich fest und ich spürte, dass ich in ihm einen echten freund hatte.

und dann ging ich, weil ich auf mich aufpassen und nicht zurücklaufen und dem objekt verzeihen wollte.

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Mittwoch, 10. August 2011
zuhause ist dort, wo meine milch steht
beim öffnen des elterlichen kühlschranks fällt mir die sojamilch auf. meine mama kauft sojamilch für mich? wow.
bei genauerer betrachtung entdecke ich allerdings: die ist schon auf.
"mama, trinkst du soja?"
"neinnein, das ist deine noch, vom letzten mal!"
"aber mama, das ist zwei monate her!"
"die ist noch gut."
"bitte?!"
"jaja, ich hab die neulich mal probiert. schmeckt ja ganz gut, etwas süß und ziemlich wässrig."
"trink doch nicht so ein altes zeug! schütt das weg, das ist doch unhygienisch."
und dann kommt es.
"aber das ist so schön, wenn die da steht, und wenn ich die sehe, weiß ich, die hattest du in der hand."
und mir schießen die tränen in die augen, als ich meine mutter umarme.
"du blöde kuh, meinst du, ich will, dass du dir mal aus lauter nostalgie ne lebenmittelvergiftung holst?!"

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Sonntag, 7. August 2011
schweigen im walde
die zweite ignore-night. und die war hart.

je kleiner der club, desto schwieriger das sich-verlaufen. ein gutes hat es ja: jetzt kann das objekt nicht mehr so tun, als schnalle es nicht, dass ich nicht mehr mit ihm spreche. heute war es dafür auch nüchtern genug.

die reaktion auf mein striktes schweigen und wegsehen war wie am vergangenen freitag schon konsequentes aus-dem-weg-gehen. so ein klärendes gespräch wäre ja auch feierlaune-beeinträchtigend. das will man(n) sich keinesfalls zumuten. nicht, wenn es nachher darum geht, bei der objektgespielin noch einen hochzukriegen.

ich geh jetzt noch ein bisschen weinen, dann kann ich vielleicht auch schlafen.

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Sonntag, 31. Juli 2011
run, baby, run
samstagabende mit multiplen ausgehoptionen bringen den vorteil mit sich, dass man einander aus dem weg gehen kann. so lautete die gestrige entscheidung: club1 oder club2? ich checkte vorsichtig bei der objektexwiederfreundin an, wie der ausgeh-fokus des abends stand, um dann scheunigst die entgegengesetzte richtung einzuschlagen.

die objektexwiederfreundin hatte einst den wunsch club2 geäußert, erinnerte ich mich, doch nun erfuhr ich, dass das objekt das club1-wohnzimmer bevorzugte - und was das objekt wünschte, war natürlich gesetz. hin und wieder hatten wir es entgegen seinen willen auf andere parties mitgeschleift, wo es dann jedesmal innerhalb einer stunde stillschweigend spurlos verschwand. in solchen fällen lief immer das gleiche: man suchte es stundenlang, dann begann man sich zu sorgen und einander vorwürfe zu machen, weil man ja nie wissen konnte, ob das objekt nicht gerade mit der nadel im arm in einer dreckigen toilette das zeitliche segnete. das objekt formte so ganze abende, ohne dass man sich dem widersetzen konnte.

"kommst du vorher noch bei uns vorbei?" fragte die objektexwiederfreundin.
ich redete mich raus: kopfschmerzen, arbeitssuche, schlechte laune und meldete mich auch gleichzeitig für den club ab.
ich merkte, dass die objektexwiederfreundin keinen bock auf den club1 hatte und dass die negative energie der diskussion darum noch im raum hinter dem telefonhörer stand.
"ja schade", fand die objektexwiederfreundin. "ich hätte irgendwie das bedürfnis gehabt, dich zu sehen."
mir wurde warm ums herz. aber ich wollte das objekt nicht sehen, schon gar nicht nach der letzten nacht des gegenseitigen ignorierens.

als ich unter der dusche stand und die painkiller langsam zu wirken begannen, klingelte erneut das handy. es war die drittefreundin.
"wir gehen doch in den club2", trällerte sie.
"wieso? ich dachte, der dritte ist krank?"
"ach, der. als ihm einfiel, dass heute club2 ist, hat er sich spontan für gesund erklärt und will jetzt unbedingt noch hin."
für eine 21-jährige klang die drittefreundin manchmal ungeheuer altklug und mütterlich.
"das heißt, ihr seid definitiv da?"
"ja, so etwa in einer halben stunde, also so gegen halb zwei."
"ich beeile mich, aber ich denk mal, bei mir wird das bestimmt zwei."

ich machte mich in windeseile fertig und schwang mich aufs rad. ich musste einmal quer durch die stadt, und das mit kaputter bandscheibe. aber besser alleine auf dem rad als in der u-bahn mit lauter besoffenen vollspacken, sagte ich mir.

als ich über die wackelige hängebrücke den club2 enterte, sah ich schon gleich die drittefreundin. sie winkte mir, dann fielen wir uns in die arme.
"schön, dich zu sehen", sagten wir wie aus einem mund und mussten lachen.
"du, ich muss dir was sagen", wisperte die drittefreundin.
"was denn?"
"die objektexwiederfreundin ist auch da."
ich staunte.
"aber ohne das objekt", raunte die drittefreundin.
ich machte tellergroße augen.
"klingt, als gäbe es jetzt gleich die üble geschichte dazu."
"du ahnst es."
"erzähl, du kannst es eh nicht für dich behalten."
"also: die objektexwiederfreundin wollte eigentlich ursprünglich hierher kommen."
"ich weiß."
"dachte ich mir. naja, dann wollte das objekt aber nicht, sondern wie immer in den club1. die objektexwiederfreundin hatte dann eingelenkt und wollte mit in den club1 kommen."
"weiß ich alles. und dann hat sie umentschieden?"
"genau. und du weißt, sie ist ja nicht aus hh und kennt sich hier überhaupt nicht aus. das objekt versprach ihr, dass er sie bis zur bahn bringt."
"die s-bahn liegt ja eh halb auf dem weg zum club1."
"eben."
dann, so die drittefreundin, sei die objektexwiederfreundin ausgehfertig in den schuhen gestanden, während das objekt sich den x-ten joint des abends drehte und meinte, er habe jetzt keinen bock, sie zur s-bahn zu bringen, sie könne ja auch den bus nehmen.
"und dann irrte die objektexwiederfreundin durch die gegend und suchte den bus, der ja eh nur alle 20 minuten fährt. es hat ewig gedauert, bis sie wenigstens endlich mal an der s-bahn war."
"das klingt ja nach ganz, ganz großer liebe", stellte ich trocken fest.
"das ist so ein mieses schwein", regte sich die drittefreundin auf.
"nunja", sagte ich. "wenn es sonst stimmt, würde ich mich jetzt an so einer situation nicht aufhängen. männer sind so. und kiffer sind gleich noch mal viel schlimmer. allerdings sind die doch jetzt erst seit zwei wochen wieder zusammen. da fehlt mir jetzt schon so ein bisschen die verliebtheit..."
"ich weiß echt nicht, was das für ein komisches verhältnis ist", schüttelte die drittefreundin den kopf.

dann ging sie an die bar, wo der dritte auf seine cola wartete und sich mit einem bekannten unterhielt.
"hallo!" sagte eine stimme.
ich fuhr herum.
da stand die objektexwiederfreundin und strahlte mich verwundert an.
"morphine, du hier?"
"ääähhhh.... ja", stammelte ich. mist. was sag ich ihr nur, nachdem ich vorhin alle aktivitäten abgeblasen hatte?
"gehts dir wieder besser?"
"ja, die schmerzen wurden ganz plötzlich besser... ich hatte mich noch mal hingelegt, manchmal drückt man dadurch ja wieder was in die richtige richtung..."
die objektexwiederfreundin guckte lieb, aber traurig. ich hatte den wunsch, ihr alles zu erklären, aber ich hielt die klappe. der rückzug hatte ja schließlich genau den sinn, dass die beziehung durch mich ungestört weiter funktionieren konnte.

"das objekt ist übrigens nicht da", informierte sie mich dann.
"ich habs schon gehört", erwiderte ich. "keine schöne geschichte. komische beziehung habt ihr da."
"beziehung", schnaubte die objektexwiederfreundin verächtlich.
"naja, oder wie das objekt sowas halt nennt. feste freundin, glaub ich, hat es mal über dich gesagt."
die objektexwiederfreundin sah mich an. dann lehnte sie erschöpft den kopf an meine schulter.
"ach du... ich weiß auch nicht. ich glaube, das ist eh alles irgendwie am ende."
ich sagte nichts.
"manchmal wäre ich am liebsten du", meinte die objektexwiederfreundin.
ich erschrak.
"warum das denn?"
"du bist seine engste vertraute, es sagt dir alles ... du kennst es... du verstehst es... du bist auch so..."
ich staunte bauklötze. was hatte die objektexwiederfreudin denn für ein verklärtes bild von mir?
"das halte ich für ein gerücht", sagte ich. "und vielleicht wird es ja wieder."
die objektexwiederfreundin starrte aufs wasser.
"da ist nichts mehr. gar nichts. er schläft nicht mal mehr mit mir."
ich dachte nach und erinnerte mich an meine eigene objekterfahrung.
"vielleicht hat er gerade nicht das bedürfnis. vielleicht möchte er die körperliche nähe, aber ohne sexualität. er sagt, manchmal fühle er sich vollkommen asexuell."
dass dies üblicherweise nach besonders fick- und drogenreichen wochen der fall war, unterschlug ich mal. dass ich wusste, dass das objekt den sex mit der objektexwiederfreundin grundsätzlich eher scheiße fand, erwähnte ich natürlich auch nicht.
"in meinen augen ist es vorbei."
ich sah die objektexwiederfreundin erstaunt an. so viel klarheit in einem einzigen satz verblüffte mich.
"ich werde auch heute nacht nicht mehr dort schlafen", fuhr die objektexwiederfreundin fort. "ich bleibe beim dritten und der drittenfreundin."
"mach das so", nickte ich.
wir saßen schulter an schulter vor dem club und sahen auf drei schlafende enten im wasser. ich wusste, es gab keine worte, die jetzt zu trösten vermochten, aber es war gut, hier zu sein.

später wurde der abend noch sehr fröhlich. die musik war exzellent und wir tanzten viel. die objektwiederexfreundin flirtete mit einem jungen hoschi. irgendwann verabschiedeten sich die drei. ich blieb noch, bis die sonne aufging.

als ich zum fahrrad wankte und den schlüssel suchte, fiel mein blick auf mein handy.
das objekt hatte vier mal angerufen.

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Samstag, 30. Juli 2011
ende einer ära
nachdem ich mich nun erfolgreich von job und gesundheit verabschiedet habe (das bisschen phantomschmerz kriegen wir auch noch in den griff, den opioiden sei dank), beginne ich nun, zwischenmenschliche beziehungen zu kappen. mit k. haben wir ja schon mal vorarbeit geleistet. gestern nun ging es ans eingemachte: ans objekt.

passend zur allgemein asozialen stimmung habe den abend über erfolgreich den ignore-modus gefahren. der erfolg beruhte sozusagen auf team-work, denn ich wurde ebenfalls ignoriert. vermutlich soll es so sein.

als sich die tränen nicht mehr zurückhalten ließen und ich mich entscheiden musste, meinem bekannten, der geduldig mit mir ausharrte, in die schulter zu heulen oder zu gehen, entschied ich mich für mein bett.
"du kannst auch bei mir schlafen", bot mir der bekannte an, dem meine stimmungslage nicht entgangen war.
"nein, lieber nicht..."
"du kannst aber doch gern auch im gästebett schlafen", hakte der bekannte nach.
"ich fahre besser nach hause."
"sicher, dass du allein sein kannst?"
ich guckte den bekannten an, der mir inzwischen zu sehr ans herz gewachsen war, als dass ich es mir durch sex mit ihm versauen wollte, und umarmte ihn fest.
er hatte ja keine ahnung, wie wichtig seine anwesenheit und sein arm um meine schultern an diesem abend für mich gewesen waren.

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Sonntag, 24. Juli 2011
wiedersehen
gestern abend, als sich der dauerschmerz kurz lichtete, plingte mein handy. ich hatte eine sms bekommen - von einer unbekannten nummer. jemand fragte mich, ob ich vor dem club vorbeikommen wolle. nett. theoretisch. bloß wer in aller welt war der absender?

also rief ich an. eine junge mädchenstimme ging ran.
"hey! wie geht´s dir denn? kommst du vorbei? kannst du? oder ist es immer noch so schlimm?"
die frau am anderen ende der leitung musste mich kennen. ich lauschte der stimme nach, konnte sie aber nicht identifizieren. ich fragte vorsichtig nach und entschuldigte mich zugleich für mein nichterkennen. die antwort katapultierte mich glatt vom stuhl: es war die objektexfreundin.

seit einer woche gab es erneute annäherungen zwischen dem objekt und der objektexfreundin. die objektexfreundin hatte sich kurzerhand während ihres urlaubs beim objekt einquartiert, was dieses sehr spannend fand. aus seiner sicht gab es allerdings wenig partnerschaftliche tendenzen. die objektexfreundin hingegen posaunte fröhlich in die welt, sie sei nun wieder mit dem objekt zusammen. nunja, da nährten sich unkonkrete äußerungen und wunschvorstellungen wohl gegenseitig. mir war das zunächst relativ egal gewesen, da ich mit mir und meiner welt beschäftigt war und ich es begrüßte, dass ich derzeit keinen objektkontakt hatte.

kurz darauf rief mr. shyguy an und fragte nach meinem zustand und den plänen für den abend. ich berichtet kurz vom geplanten sit-in. fünf minuten später war die sache geritzt und ich machte mich mit mr. shyguy im schlepptau auf zur wohnung des objekts. dort öffnete uns die objektexwiederfreudin. das objekt selbst war gerade beim nachbarschaftsdealer. das klang nicht gut.

während mr. shyguy den barkeeper machte und die objekt-alkoholvorräte mischte, unterhielt ich mich mit der objektexwiederfreundin über dies und jenes. ich stellte wieder fest, dass ich sie mochte, egal, wie sehr ich mich dagegen sträubte.
schließlich wankte das objekt in die wohnung und ließ sich in den sessel fallen. die augen glasig, die haare ungepflegt und wirr starrte es mich einige sekunden an, bevor es in meine arme sank und dann tiefer und tiefer, bis sein kopf in meinem schoß ruhte. ich guckte beunruhigt richtung objektexwiederfreundin. die objektexwiederfreundin sah beunruhigt auf das objekt. das objekt selbst grinste kurz ob der szenze und setzte sich dann aufrecht hin, um sich nach russenmanier korn in ein bierglas zu kippen und dieses dann auf ex zu leeren. nun guckten die objektexwiederfreundin und ich einander beunruhigt an.
"ich bin gerade so... i walk the line", nuschelte das objekt, was die situation sehr treffend auf den punkt brachte.
"du hast ja auch schon den ganzen tag geraucht", sagte die objektexwiederfreundin und ihre tonlage schwankte irgendwo zwischen besorgnis und bewunderung.

unter dem tisch steckten meine füße zwischen den objektfüßen. die szene war befremdlich. die objektexwiederfreundin lächelte mich an.
"danke für die einladung", sagte ich, und es kam von herzen.
"ich bin einfach so gespannt, was es damit auf sich hat, dass wir uns kennen lernen dürfen", sagte die objektexwiederfreundin. das klang so nett, dass es weh tat und bestärkte mich in meinem entschluss, die kontaktebene mit dem objekt zunächst mal platonisch zu halten.
das objekt war inzwischen wieder vollkommen weggetreten. die objektexwiederfreundin zupfte an seiner schulter:
"wollen wir dann mal los?"
"hm, ja."
das objekt schlüpfte in seinen mantel, ich in meine stiefel. die objektexwiederfreundin hopste zusammen mit mr. shyguy schon die treppe hinunter.
das objekt sah mich an.
"morphine", sagte es warm. dann zog es mich an sich und küsste erst meine wange, dann meinen hals. meine knie begannen zu zittern und das objekt hielt mich noch fester.
"wir müssen", drängelte ich.
"komm", sagte das objekt leise, umfasste meine taille und ging mit mir hinunter, wo die anderen beiden warteten.
die objektexwiederfreundin hüpfte auf einem bein über das pflaster und kicherte.
"diese jugend", sagte ich und schüttelte streng den kopf.
"ach du", lachte die objektexwiederfreundin und ärmelte mich unter.

ich versuchte, für den abend meine persönlichkeit zu spalten und zugleich zweisame objektsituationen zu vermeiden. das war recht einfach, da im club genügend personen anwesend waren, die sich mit mir unterhielten.

der wiedersehen nicht genug tauchte auch k. irgendwann auf. nachdem aus der heißen flamme zunächst laue glut, dann asche geworden war, hatten wir uns nicht mehr gesehen. wo k. stand, war dessen ex nicht weit und so hatten wir keine zwei minuten alleine. k. versuchte sich in smalltalk, was nicht besonders gut gelang, was hauptsächlich an meinen einsilbigen antworten lag. es gab offensichtlich nicht viel zu sagen, schon gar nichts belangloses. ich fühlte mein misstrauen und mein mich-nicht-hergeben-wollen für die nächste aussichtslose sache. ich wollte bei mir bleiben.

ich beobachtete das objekt eine weile. die objektexwiederfreundin verhielt sich vollkommen neutral ihm gegenüber. sie tanzte allein und ließ sich von zwei jungen hoschis anquatschen. das objekt registrierte das, griff aber nicht ein. das verhältnis der beiden war mir ein rätsel. vielleicht hatten sie sich aber auch abgesprochen. das objekt musste sich schließlich absichern für den fall, dass die objektgespielin auftauchte.

die schmerzen nahmen mir schließlich die entscheidung ab, noch länger zu bleiben und ein spiel zu spielen, bei dem im grunde nichts zu gewinnen war. außer land. und zwar schleunigst.

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Samstag, 23. Juli 2011
katatonie
seit über einer woche verschwindet meine welt in einem nebel von schmerzen und schmerzmitteln. ich glaube, ich besitze nun jeden erdenklichen verschreibungspflichtigen painkiller. von killer kann allerdings nicht die rede sein. der schlagbohrer zwischen schulter und schädel arbeitet tag und nacht.

der kopf ist plain. keine schönen ideen, keine schönen sätze, keine träume. vom schmerz wegträumen, das hat sonst immer funktioniert, dieses schwelgen, auf einer leichten wolke von morphiumderviaten. weil ich die aber nicht mehr vertrage, sondern mir nur noch die seele aus dem kotze, bekomme ich jetzt was anderes. das macht müde, aber hilft sonst nicht viel. trotz immenser müdigkeit kein schlaf, weil liegen nicht funktioniert und auch im sitzen falle ich nur in dämmerschlaf.

wir wissen jetzt übrigens, was es ist. wie vermutet die bandscheibe. allerdings vermutet der doc noch weiteres, deshalb gibt es jetzt noch ein ct. erst nüscht, dann alles. komisches system. krank sein darf man, aber geholfen wird erst, wenn jemand denkt, du könntest eventuell abkratzen.

ich bin so müde, dass ich nicht mal angst habe. mein opa ist an einem gehirntumor gestorben. das war nicht schön. man ist dann sehr verwirrt und die gesichtszüge beginnen sich irgendwann zu verkrampfen, wenn der tumor auf nerven drückt, die für die mimik verantwortlich sind. die sterbenden sind schrecklich entstellt. zum glück durfte ich damals nicht mehr in das zimmer, in dem mein opa lag.

gestern war ich mutig. obwohl mich die cortikoide in einen aufgeschwemmten zombie verwandelt haben, war ich aus. aber reden, lachen und tanzen ist nicht gut, so wenig wie sitzen, stehen, liegen oder gehen. nach einer stunde sozialleben wankte ich dann halbblind vor schmerzen nach hause. trotzdem war es irgendwie wichtig, da gewesen zu sein.

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Montag, 18. Juli 2011
verliebt, verlobt, verheiratet
weil der herr gibson und icke heute das thema hatten... ein nachtrag vom dezember 2009 zum thema dorfhoschi:

seit einigen wochen habe ich einen verehrer. er ist student, nerd, sehr unschuldig und wohnt in einem kleinen ort vor hh bei seiner mama.
die verehrung ist, wie man vielleicht ahnt, sehr einseitiger natur. da mein freundeskreis im norden aber eher unkonstant ist und das kerlchen einen ansatzweise netten musikgeschmack besitzt und darüber hinaus auch intellektuell einigermaßen auf der höhe ist, habe ich mich zu einer lockeren kontaktpflege entschieden und versuche ein große-schwester-kleiner-bruder-verhältnis aufzubauen.

gestern waren wir zum zweiten mal aus. wir saßen in einem kleinen, verranzten café, und das thema rekurrierte stunde um stunde unerbittlich auf das thema liebe, das dorfhoschi in meiner anwesenheit stets sehr beschäftigt. nachdem er wohl inzwischen bemerkt hat, dass ich ihn geschlechtlich eher neutral betrachte, testete er gestern auffällig-unauffällig, wie seine chancen nun genau stehen.

dorfhoschi (in die kerze blickend, sinnierend): "wie ist das eigentlich, wenn du dich verliebst? ich meine, wann weißt du denn, dass du es bist?"
ich: "ich sehe jemanden, der mir gefällt und bei mir knallen sämtliche sicherungen durch. das dauert ist eine frage vonsekunden. dann nehme ich kontakt auf, oder eben er, und wenn die eckdaten stimmen, spüre ich nach spätestens einer stunde, das ist jemand zum ernsthaft-verlieben oder das ist höchstens jemand für eine nacht oder auch mehrere nächte."
dorfhoschi (irritiert): "so schnell?"
ich: "klar. wenn es ein griff ins klo war, sogar noch schneller."
dorfhoschi: "aber wenn du jetzt jemanden schon ein paar mal getroffen hast, kann sich das doch noch entwickeln?"
ich: "hab ich so noch nicht erlebt. sexuelle spannung ja, vor allem, wenn ich betrunken bin. aber wenn ich jemanden schon länger kenne und das nicht nur in form einer flüchtigen bekanntschaft und es war nichts, dann wird sich da nichts entwickeln."
dorfhoschi: "aber dessen kannst du dir doch nicht so sicher sein..."
ich: "doch."
dorfhoschi guckte bedröppelt. ich wusste, was in seinem kopf vorging. ich hatte einst männer mit ähnlichen fragen gelöchert, weil ich nicht immer nur die kleine doofe fickmaus sein wollte.
dorfhoschi war noch nicht zufrieden: "aber wenn du an demjenigen jetzt seiten entdecken würdest, die du vorher nicht kanntest?"
ich: "die entdecke ich auch bei ganz normalen freunden. die entdecke ich sogar an meinem vater und meiner mutter, aber ich verliebe mich deshalb doch nicht."
dorfhoschi: "und wenn das aber was ganz besonderes wäre?"
ich: "ja was denn? dass er wunderheiler ist? oder einen 50-cm-penis besitzt?"
uff. das war zu hart. dorfhoschis bartlose wangen zierte eine flammende röte.
pause.
dann dorfhoschi zögerlich: "willst du denn mal heiraten?"
ich: "theoretisch schon. praktisch... ja praktisch..."
denkpause. dorfhoschis ohren wuchsen zwischenzeitlich auf dumbogröße.
ich: "praktisch sieht das natürlich schwieriger aus."
die spannungsblase stand immer noch ungeplatzt zwischen uns.
dorfhoschi: "du meinst, weil du lieber viele männer haben willst!"
jetzt guckte ich dumm aus der wäsche. die direkte ableitung beziehungsschwierigkeiten - vielmännerei schien mir rätselhaft.
ich: "wenn der eine von den 100 prozent, die ich eigentlich brauche, wenigstens 70 bis 80 erfüllen könnte, würde mich der allein vielleicht schon genügen."
dorfhoschi: "aber das könnte sich doch entwickeln, wenn du jemanden mal ganz in ruhe kennenlernst!"
ich: "nö."
dorfhoschi: "also ich verliebe mich immer erst, wenn ich jemanden besser kenne."
ich: "das gibt es. aber bei mir ist es nicht so."
dorfhoschi: "vielleicht musst du es mal ausprobieren."
ich (gereizt): "ich muss gar nix!" (außer schlafen, trinken, atmen und ficken.)

der kellner kam: "wünschen sie noch etwas?"
ich: "die rechnung."
kellner: "zusammen oder..."
ich fiel ihm ins wort: "getrennt."

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Freitag, 8. Juli 2011
all by myself
nach einem halben jahr ist die küche endlich fertig. wir haben heute:

- ein regal aufgebaut. dabei ist das eine längsteil zerbrochen. war wohl vom transport schon angeditscht, aber man sollte vielleicht beim zusammenschrauben den akkuschrauber auch nicht auf die höchste stufe stellen. das aufstellen hat aber trotzdem geklappt. statik funktioniert auch auf drei standbeinen.

- eine jalousie angebracht. die jalousie habe ich in winterhude während einem umzugs mitgehen lassen, weil gerade keiner guckte und das ding einfach die perfekte größe für mein fenster hat. nachteil: es ist eine holzjalousie. also so ein ding mit ordentlich gewicht. für jedes ende der jalousie braucht man vier schrauben und entsprechend dazu vier dübel. also insgesamt acht gleiche schrauben und acht dübel.
in meiner werkzeugkiste fand ich nur vier unterschiedliche, aber halbwegs passende schrauben sowie vier nicht dazu passende dübel. ich bohrte insgesamt sieben löcher in die decke (treffsicheres augenmaß muss ich noch üben, aber halten sie mal beim anzeichnen ein kiloschweres massivholzding in der einen hand, in der anderen einen bleifstift und strecken sie sich dabei leiterlos in acht-zentimeter-absatz-schuhen gen decke), wobei jede menge getrockneter kuhmist in meine wohnung rieselte. nichtsdestoweniger hält das dilettantische konstrukt bereits seit einigen stunden - powerknete sei dank.

was soll ich sagen? es sieht nett aus. professionell, wenn man nicht weiß, wie´s gemacht wurde.
i am the queen of the universe.

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