Sonntag, 3. Juli 2011
the lion´s speech
als ich die objektwohnung betrete, ist alles aufgeräumt und sauber. das objekt selbst stolz wie bolle, den inneren schweinehund überwunden zu haben. es steht noch in jeans und t-shirt da, ist gerade von der spätschicht nach hause gekommen.
"morphine", sagt es zur begrüßung und nimmt mich in die arme. dann greift es hinter sich in die große tasche und zieht eine flasche weißwein heraus.
"hell, so wie du es magst."
ich setze mich an den küchentisch, den rosen und kerzen zieren. das objekt entkorkt die flasche und reicht sie mir.
"ich hab mir gedanken gemacht", setzt es an.
"warum?" frage ich zurück.
das objekt beginnt leicht zu stottern, sammelt sich dann aber und sagt:
"ich habe festgestellt, dass es mir wichtig ist, wie es dir geht und dass ich ein schlechtes gewissen habe, wenn ich mich mal nicht melde oder ich den eindruck habe, dass ich mich wie ein arschloch verhalte, weil es gerade das ist, was ich will... und gleichzeitig weiß ich, dass du alles weißt und mich verstehst, auch wenn ich es nicht erklärt habe. und ich weiß nie... wie ist das für dich, wie nimmst du mich wahr?"
"naja, arschloch sein ist ja definitionssache. arschlochsein ist vielleicht einfach nur ichsein. also im grunde das beste, was du mir antun kannst, weil es bedeutet, dass du mir vertraust."
"fühlst du dich dann nicht verlassen oder nicht gewertschätzt?"
"in den phasen, in denen du wochenlang abwesend bist, mach ich natürlich schon sorgen."
"inwiefern sorgen?"
"zunächst mal darum, wie es dir geht. ich weiß ja, dass du genau wie ich diese einbrüche hast. nur, dass du verschwindest und dich ausschweigst, während ich schreie und blute, im übertragenen sinne gesprochen. aber ich weiß, der schmerz ist derselbe und ich weiß, wie weh du dir da tust, da in deiner ego-isohaft."
"und auf uns bezogen?"
"naja, das natürlich auch. ich habe viele menschen verloren, indem die einfach plötzlich was anderes gemacht haben, woanders neu angefangen haben oder wen kennengelernt haben. ich habe mal eine beste freundin an einen mann verloren, das hat mich monatelang beschäftigt, das war schlimmer als jedes beziehungsende."
"du befürchtest, dass es uns in diesen phasen dann nicht trägt? dass es schwankt und brechen könnte?"
ich zucke die achseln.
"ich fände es halt schade. du bist der mensch in dieser stadt, der mich am besten kennt und der am meisten von mir weiß."
ein stolzes und glückseliges lächeln erhellt die ernste objektmine.
"meinst du, weil du es mir erzählen kannst oder eher, weil du es mir nicht erzählen musst und dich trotzdem verstanden weißt?"
ich muss nicht lange überlegen.
"beides."
das objekt strahlt.
"dito, madame. genauso geht es mir mit dir. du bist... mutter erde für mich. da kann ich kraft draus ziehen und an müden tagen wieder wachsen. gleichzeitig..."
"was?"
"gleichzeitig hab ich den eindruck, dass du das intensivieren möchtest. und merkwürdigerweise will ich das auch... und ich muss mich so unheimlich zurückhalten, es nicht zu wollen."
"weil du dir nicht traust?"
"ja. ich habe in festen beziehungen so viel vermisst... und ich habe diese beiden jobs und meinen sohn und so entsetzlich wenig zeit... und ich merke, ich brauche auch zeit für mich... und ich genieße es so, dass ich auch mal was mit meinen jungs machen kann..."

noch bevor ich zu einer antwort ansetzen kann, klingelt es an der haustür. draußen steht ein fernseher auf zwei beinen.
"hey, wir wollen doch fußball gucken!"
es ist der objektnachbar, der seine flimmerkiste anschleppt, weil das objekt ja so fernsehlos ist wie ich. der nachbar hingegen hat gerade keine drogen mehr und deshalb beim objekt auf den busch geklopft.

das objekt guckt betreten, denn es hat seinen nachbarn und den gemeinsamen fussballabend ganz vergessen.
"wäre das irgendwie okay für dich, mit fußball zu gucken?" fragt es mich schuldbewusst.
"da hab ich überhaupt kein problem damit."
dem objekt fallen sichtbar zwei tonnen steine vom herzen.
der nachbar baut erst den fernseher auf, dann einen joint. ich lehne dankend ab, wohl eingedenk des partiellen kontrollverlustes vom vergangenen freitag, und halte mich an den wein.

nach ende der übertragung springt das objekt dann unter die dusche und macht sich ausgehfertig. mit einer halben flasche rum, zwei bieren, ein paar schlucken wein und drei, vier gemeinschaftsjoints im blut lässt es sich dann die autoschlüssel seines nachbarn aushändigen.
"es regnet, wir fahren."
"sicher, dass du noch fahren kannst?" wage ich einzuwenden.
"du meinst, ob ich schon fahren kann?" grinste das objekt zurück. dann küsst es mich. es schmeckt nach rum, sex und mehr.
"vertrau mich. ich bringe uns da sicher hin."

das objekt hält sein versprechen. es manövriert uns sogar in eine mikro-parklücke, ohne die anderen autos zu streifen. dann greift es sich den schirm zwischen meinen füßen, steigt aus, eilt zur beifahrertür und hält sie mir auf. erst, als wir den club betreten, verpufft die magie und alles ist wie immer: die objektgespielin ist da, die musik mittelprächtig und komische alte geier seibern in mein dekolleté.
ich gehe früh nach hause, mit dem gefühl, ein sehr wertvolles geschenk erhalten zu haben, das ich dennoch nicht behalten kann.

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Sonntag, 26. Juni 2011
den stecker ziehen
seelen-schnupfen. alles blut fließt vom kopf und vom herzen in richtung zirbeldrüse und füllt diese bis zum platzen mit kochendem pulsen.

gestern im club bei der ankunft noch jubiliert, denn k. war da. große freude. zunächst. weniger gut war, dass auch k.s ex, das objekt und die objektgespielin anwesend waren. die k.-ex und das objekt standen mit k. herum, ich mit der objektgespielin. nicht, dass ich die nicht mögen würde. aber die kreise erschienen mir merkwürdig abgezirkelt. dort drüben die eingeschworenen, hier die fickoptionen.

ich bekam das große alleinesein-bedürfnis. heute niemandem mehr vertrauen müssen. zuhause schlafen. ich verkroch mich beim dj. der merkte, dass ich nicht fröhlich war.
"wasn los mit dir?"
"ich steh so neben mir. also dort, wo eigentlich jemand anders stehen sollte. der, der sowas wie mein freund ist."
"liebeskummer? was passiert?"
"hattest du schon mal das gefühl, dass die menschen, die du eigentlich am besten kennst und denen du teilweise echt vertraust, im grunde ein ganz mieses spiel mit dir treiben? also nur ein gefühl, keinen konkreten verdacht."
der dj sah mich kritisch an und legte die stirn in denkerfalten:
"hast du was genommen?"
"nee. ich bin stocknüchtern. ich trinke gerade mein allererstes bier."
"hm", sagte der dj. da fiel ihm wohl nichts mehr drauf ein. er drückte mich:
"hast du einen wunsch? soll ich dir was spielen?"
ich schüttelte den kopf.
"aber danke", sagte ich und verkrümelte mich.

im nebenzimmer traf ich auf k. er saß alleine da. ich nutzte die gunst der stunde und pflanzte mich dazu.
"ich krieg mich heute nicht", jammerte ich. sätze, die ich ihrer kryptik sonst nur dem objekt zumutete, weil ich davon ausgehen konnte, dass ich verstanden wurde.
doch auch k. war offenbar hellsichtig genug und stellte keine rückfragen wie 'was meinste denn nun, versteh ich nicht'. er nickte nur und sagte:
"schade."
während ich noch überlegte, ob ich kuscheln wollte, tauschte k.s ex auf und ließ sich zwei sofas entfernt nieder. es dauerte keine zwei minuten und k. stand auf:
"ich bin mal tanzen."
was mein gefühl, dass etwas nicht stimmte, nicht unbedingt verkleinerte.

ganz ähnlich wie schon am abend zuvor wurde nun mein alter ego laut: das muss ich mir nicht geben. überhaupt. dieses ganze gruppengeficke. k. zwischen seiner ex und mir. das objekt zwischen der objektgespielin, mir und diversen anderen one-night-schlampen. ist ja alles ganz nett und spannend. but not tonight.

ich holte meine jacke. dann suchte ich k. der stand mit objekt, der ex und der objektgespielin an der bar. das objekt sah zu mir, dann steckte es mit k. die köpfe zusammen.
ich fuhr ihnen in die parade, indem ich mich einfach dazustellte. das objekt sah mich irritiert an und meinte dann grinsend:
"hey, wir sind hier gerade am was vorbereiten!"
den leeren schnapsgläsern nach zu urteilen ein kollektivbesäufnis.
"ich gehe", sagte ich kurz angebunden.
k. klappten die mundwinkel nach unten.
"warum das denn?"
"nicht mein abend."
"ja, aber schade."
ich bekam eine zurückhaltende umarmung einen kuss. das objekt knuddelte mich.
ich flüchtete.

draußen auf dem fahrrad versuchte ich, den beiden männern nachzufühlen. ich konnte keine präferenzen feststellen. alles, wonach mir war, war zurück zu mir. wo auch immer das sein mag.

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Samstag, 25. Juni 2011
klappe zu/auf, die -xte
den ganzen freitag nur darauf gewartet, dass der freitag vergeht. arbeiten, einkaufen, saubermachen.

dann endlich klingelte das telefon und das objekt war dran, wo ich doch eigentlich k. erwartet hätte.
das objekt war noch auf arbeit, müde, aber in the mood für einen gemeinsamen abend. wir verabredeten uns für in einer stunde beim objekt in a. eventuell sollte noch ein freund kommen.
"gehst du dann heute später noch weg?" fragte ich das objekt.
"kommt drauf an, wie viel kraft ich noch habe."
kommt drauf an, wie viele drogen noch in haus waren, übersetzte ich.
"und du?"
"ich weiß auch noch nicht", sagte ich und fühlte meiner stimmung nach, die wie ein zartes spinnennetz in einer ständig auf- und zuschwingenden tür unter einer art flexibler spannung stand. "auf jeden fall brauche ich eine kleine realitätsflucht."
"darf´s auch ein bisschen mehr sein? dann fahr ich noch zur tanke, nachhher."

gegen elf uhr abends kreuzte ich beim objekt auf. es stand noch in jeans und pulli im flur.
"ich bin gerade aus der klinik gekommen", seufzte es.
"überstunden?"
"notfall. einer unserer alkis hatte einen diabetischen schock und ich war ganz alleine mit dem und hatte keine ahnung von der ganzen krankenvorgeschichte. ich hab ihn dann zum glück stabil gekriegt, aber das war echt knapp."
"oh wow. ich glaube, ich wäre durchgedreht."
das objekt schüttelte nur den kopf und schob mich in die küche. feierlich hielt es mir die augen zu und holte etwas aus der tasche.
"und jetzt bitte schnuppern!"
zwischen küchendämpfen roch es zart nach frisch gemähtem heu.
"das ist das beste, was man kriegen kann. eine ganz leichte sorte, die auf unheimlich schöne art und weise die pforten zum unbewussten öffnet."
"also genau das, was ich heute brauchen werde, willst du mir damit sagen."
"genau. und jetzt würde ich zur tanke fahren und uns einen wein holen. was magst du haben?"
"keinen rotwein jedenfalls."
"mir wäre heute nach rose."
"in ordnung. bloß nichts rotes, das würde mir jetzt alles kaputtmachen."
als wir unser kleingeld zusammengeworfen und das objekt sämtliche hosen auf verstreckte groschen ausgeschüttelt hatte, kamen wir zusammen auf sage und schreibe mehr als 25 euro. der abend war gerettet.

während das objekt unterwegs war, schaute ich mich in der küche um, die mal wieder echten objektstyle hatte: unaufgeräumt mit bergen von dreckigem geschirr, das sich über herd und spüle stapelte. weingläser waren auch aus. ich durchwühlte die geschirrstapel nach zweien und wurde fündig. dann sah ich mich nach spüli um. keines da.
ich rief das objekt an.
"lass mal nen euro übrig und kauf noch spüli. du hast keines mehr."
"du spülst doch jetzt nicht etwa bei mir ab!"
"wir brauchen aber gläser."
"wir können auch aus der flasche trinken."
"faulpelz. los, bring spüli mit und nachher machen wir gemeinsam die küche klar schiff."
"aber es ist freitag nacht!"
"eben drum. morgen ist wochenende, dein lütter kommt und dann wollt ihr spielen und du wirst wieder nicht aufräumen und putzen."

zehn minuten später stand das objekt auf der matte mit einer flasche wein, einer flasche wodka und spüli. es reichte mir das spüli und drückte wein und wodka an seine breite brust.
"das ist deins, und das ist meins", grinste es frech.
ich zuckte cool mit den achseln und ließ wasser ins becken.
"hör sofort auf damit", sagte das objekt, "das ist mir jetzt wirklich peinlich. du bist mein gast und nicht meine putzfrau."
"jetzt hab ich schon angefangen."
das objekt schaute mir einige sekunden zu.
"allein, wie du das glas nimmst..."
"was ist damit?"
"du bist so... achtsam, so gründlich... so fein."
dann schob es mich von der spüle weg und nahm mir den lappen aus der hand.
"du machst da drüben weiter", befehligte es mich augenzwinkernd und deutete auf tabak und kräutersammlung. "ich erwarte einen schönen, kerzengeraden joint, der konisch zuläuft und der nicht krümelt."

eine halbe stunde später sah die küche halbwegs ordentlich aus. das objekt hatte sogar den herd geschrubbt, ohne dass ich motivierende worte gesprochen hatte.
"mission erfüllt", bilanzierte ich.
"ja, ich bin fertig", sagte das objekt stolz.
"nee", sagte ich, "ich habe meine mission erfüllt. ich hab den anfang gemacht, weißt du? der anfang, das ist das, was du nicht kannst. aber dann... sieh dir den blitzblanken herd an. du bist genauso gründlich und achtsam wie ich."
das objekt nickte bedächtlich.
"du bist ganz schön clever."
"ich kenn mich halt. und da du in vielerlei hinsicht genau so bist wie ich, muss ich nicht mal groß nachdenken."

dann saßen wir zusammen und rauchten und tranken.
"was ist nun mit party?" fragte mich das objekt.
"ich weiß nicht", sagte ich. "ich bin eigentlich eher für nicht-party." das dope hatte mir die socken ausgezogen, ich schwebte unter einer ich-käseglocke von erinnerungen und emotionen und fühlte mich unkommunikativ und unfeierlich.
"hm", sagte das objekt. "eigentlich spräche nichts dagegen, hier zu bleiben, sich die köpfe wegzuvögeln und nachher zusammen einzuschlafen."
"aber?"
"anderseits habe ich mich die ganze woche auf diese party gefreut."
"dann geh doch. wenn ich gleich keinen bock habe, kann ich doch auch einfach nach hause fahren."
so, und jetzt kam es.
das objekt sah mich fragend an:
"was ist das bloß für eine liebe, deine liebe?!"
ich guckte groß.
"du lässt mich einfach", fuhr das objekt fort. "und du lässt mich so, dass ich das annehmen kann, dass ich mich frei fühle. obwohl dir nach etwas ganz anderem ist, oder?"
es schaute mich durchdringend an. ich zuckte die achseln und guckte an die tapete:
"liebe ist nunmal so. liebe ist, wenn der andere einem mindestens so wichtig ist wie man sich selbst. entsagen, nennt man das, glaub ich."
"ich habe noch nie jemanden erlebt, der so liebt wie du."

über was sprechen wir hier eigentlich, fragte ich mich an dieser stelle. von der theorie des liebens, von mir als psychologischem sonderfall oder von dieser merkwürdigen freundschaft/beziehung?
das objekt schaute mich wieder ernst an:
"morphine, wonach ist dir wirklich?"
glücklicherweise war ich stoned und zugleich schlau genug, dass ich wusste, dass ich jetzt nur das falsche sagen konnte. also hielt ich die klappe, während mich das objekt abwartend ansah.
"weißt du, manchmal muss man auch mal stellung beziehen", sagte es.
was wollte das objekt bloß von mir? dass ich auf die knie falle und ihm einen heiratsantrag machte? oder meinte es das ganz allgemein und ich zermarterte mir gerade vollkommen sinnlos das gehirn?
also schwieg ich weiter und konzentrierte mich auf die strickmuster im objekt-pulli, während meine gedanken ins weltall flogen. das objekt schien immer noch auf eine antwort zu warten.
nach einigen minuten erhob es sich dann.
"ich geh mal ins bad."

kurz darauf tanzte das objekt halbnackt durch die wohnung und fragte mich, was es anziehen solle.
"und die haare? offen oder zusammen?"
"mir egal", sagte ich.
"hey! bezieh doch mal stellung", scherzte das objekt. "oder ist es dir egal, wie ich rumlaufe?"
"dann lass sie doch mal offen."
"sieht das nicht zu pennermäßig aus?"
das objekt hatte leichte naturlocken, die, ähnlich wie meine, sich bei feuchtem wetter zu einem wirren, welligen haufen ballten.
"dann nimm doch mal gummis mit und ich mach dir nachher gegebenenfalls einen pferdeschwanz."
problem gelöst, objekt glücklich.
endlich steckten wir in unseren jacken und waren abmarschbereit. nach einem kleinen wachmacher ging es los.

draußen merkten wir erst, wie stoned wir waren.
"oh", sagte ich, als ich auf dem fahrrad saß. auch das objekt schwankte heftig und hatte schon nach wenigen metern die erste unsanfte begegnung mit einem zaun. wir lachten, bis wir nicht mehr konnten.
"wie willst du fahren", nuschelte das objekt, als es wieder festen sattel unterm arsch hatte, "die romantische oder die schnelle strecke?"
"in diesem zustand die schnelle." ich merkte, dass ich lallte.
auf der max-brauer-allee fiel dem objekt ein, dass es dringend eine rauchen musste:
"aber ohne absteigen!"
es fuhr neben mich und suchte fahrend in meiner tasche nach zigaretten. die lenker kollidierten, das objekt rauschte nach rechts und fuhr in ein schaufenster. die scheibe blieb glücklicherweise heil, aber die alarmanlage ging an.
"sorry, wir klauen nix", rief das objekt ein paar verdutzt dreinschauenden passanten zu.
"da sind die bullen", sagte ich mit blick auf die kreuzung.
wir machten, dass wir weiterkamen.

als wir den club betraten und die treppe hinuntergingen, legte das objekt den arm um mich. so begegnete uns die aktuelle objektgespielin. an die hatte ich gar nicht mehr gedacht. zumindest war jetzt klar, wo ich heute nacht schlafen würde. jedenfalls nicht beim objekt.
die objektgespielin musterte mich keineswegs unfreundlich, aber mit einem gesichtsausdruck, als bestätige ihr unser gemeisames auftauchen eine lang gehegte befürchtung. kein guter start in den abend.

ich tanzte zwei, drei lieder. es war heiß und extrem laut. ich fühlte mich nicht gut. das objekt unterhielt sich mit verschiedenen freunden und bekannten. zweimal kam es auf mich zu und fragte mich, wie es mir gehe. ich blieb bei der wahrheit:
"ich mach´s heute nicht lange."

nach knapp zwei stunden verabschiedete ich mich von den anwesenden und schwang mich aufs rad, jenseits von bewusstsein, aber mit dem merkwürdigen satz im kopf: das muss ich mir jetzt nicht geben. was meinte mein alter ego bloß damit, fragte ich mich, während ich nordwärts fuhr. das kraut, das die pforten zum unbewussten öffnet, würde ich jedenfalls so rasch nicht wieder konsumieren. zumindest nicht in dieser hardcore-kombi.
und als ich die schlafzimmer tür schloss, die vorhänge zu- ud die bettdecke über den kopf zog, war mir klar: ich hatte die richtige entscheidung getroffen. für mich und mein bett. und zwar jetzt.

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Sonntag, 19. Juni 2011
k.rass hoch drei
mit der objektexfreundin auf einer privatparty gewesen und nachher gemeinsam in den club gefahren. bis zu schwesterlichen gefühlen dauert es vermutlich noch ein wenig, aber es wird, vor allem, je weniger sich das objekt für die objektexfreundin interessiert.

im club setzte sich plötzlich eine fremde frau zu mir und fragte:
"du bist doch die morphine, oder?"
ich nickte erstaunt.
dann stellte sie sich als k.s exfrau vor. ich bekam einen gewaltigen schreck und befürchtete, sie werde sich gleich mit mir auf dem mädelsklo prügeln gehen. doch sie kam in diplomatischer mission und wollte lediglich die grenzen abstecken.
"ein club kann für zwei frauen, die was mit demselben mann zu tun haben oder auch hatten, schon mal eng werden", meinte sie.
darin musste ich ihr ganz k.-unabhängig unbedingt beipflichten. wir verstanden uns dann aber recht gut und kamen ins gespräch.
"du bist ein toller mensch", sagte sie, als sie sich schließlich erhob, "ich wünsch euch alles gute. mach was draus."

als ich wieder aufblickte, war k., der zuvor noch im selben raum gestanden war, verschwunden. ich fand ihn erst eine gute stunde später wieder vor den toiletten. er schaute mich verletzt an.
"du bist so krass."
"warum?"
"das ist doch horror."
"was denn?"
"du hast dich mit meiner exfrau unterhalten."
"na und? wir haben uns gar nicht geprügelt", wagte ich zu scherzen.
"trotzdem."
die erste ehekrise zog am himmel auf, stellte ich für mich fest.
"dann erzähl doch mal, was daran jetzt so horror war."
"sieh das doch mal aus meiner perspektive."
ich tappte im dunkel und k. war zu breit, um den sachverhalt auf den punkt zu bringen.
dann kam das objekt mit der objektgespielin vorbei, um sich zu verabschieden.
"das beste zum schluss", sagte es und umärmelte mich fest, küsste mich und fasste mir an den arsch.
"viel spaß", erwiderte ich. "fick schön."
das wünschte ich den beiden nicht wirklich, aber ich war ja spezialistin in sachen ein mann und mehrere frauen.

am ende des abends saß ich mit dem dritten zusammen und wir sprachen über das objekt und k.
"k. findet dich unheimlich großartig", meinte der dritte.
"ich weiß nicht, wie ich ihm gegenüber die objektgeschichte thematisieren soll", jammerte ich.
"gar nicht", fand der dritte.
"meinst du?" hakte ich nach. "aber ich würde so gern ehrlich sein. ich weiß auch nicht, was er ohnehin schon ahnt oder weiß."
"ich denke, gar nichts", meinte der dritte. "und das würde ich auch so belassen."
"hm."
"ich weiß, du kannst schweigen", grinste der dritte.
ich grinste zurück.
"ich kann es ja gar nicht oft genug wiederholen", sagte der dritte, "aber das war immer wunderschön mit uns. ich meine, ich liebe meine freundin, aber... irgendwie konnte ich bei dir noch nicht nein sagen."
"ich fand das auch immer ausgesprochen nett - egal in welcher konstellation."
dann schwiegen wir, bis der dritte schließlich vorsichtig fragte:
"hast du nächste woche vielleicht mal zeit?"
"du willst mein leben noch komplizierter machen, hm?"
der dritte lächelte schüchtern:
"ob du es glaubst oder nicht: die frage hat mich eben mut gekostet."
"okay."
"war das jetzt ein ja?"
ich schaute mich um, dann gab ich dem dritten einen kuss auf die wange.
"ich schick dir eine nachricht, okay?"

dann erhob ich mich und suchte k., der sich zwischenzeitlich bei mehreren bieren und schnäpsen wieder beruhigt hatte. ich ließ mich knuddeln. dann nahm k. meine hand.
"wie spät ist es eigentlich?"
"gleich sechs."
"komm, lass uns gehen", lallte er und hakte sich bei mir unter.

während k. gleich betrunken einpennte, lag ich noch lange wach. das objekt drängte sich in meine gedanken und vermengte sich dort unerwünschterweise mit zärtlichen gefühlen, die sich so im dunkel nur schwer abstellen ließen. dann fiel mir der dritte wieder ein und ich gedachte, seinen rat zu befolgen, da der dritte in zwischenmenschlichkeiten meist recht hatte. k. und das objekt würden zwei welten bleiben ud möglichst wenig über einander erfahren. jetzt musste ich nur noch das objekt interviewen, was k. von ihm über unser verhältnis wusste.

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Dienstag, 14. Juni 2011
zeitloch II
... und noch mal wow.

kaum wieder gelandet bekam ich gestern eine sms vom objekt. es schickte lediglich eine spätnachts-busverbindung mit den worten "komm, wie du bist". freundlich, aber bestimmt.

also ließ ich meinen koffer stehen, rannte zur bushaltestelle und fuhr gen süden.
"ich bin, wie ich bin", sagte ich dem objekt, das mich schon an der wohnungstür niederknutschte. "sozusagen mit flughafendreck."
das objekt machte eine ausladende geste in richtung badezimmer und holte mir ein handtuch. einen vorteil hatte das multiple liebesleben des objekts ja - es war alles da: haarspangen, nagellack, tampons sowie diverse cremes und deodorant mit vanille-duft. kurzum: ein mädchentraum.
das sagte ich dem objekt auch zum wiederholten male, woraufhin es erwiderte, es sei ja auch ein 50%-mädchen.

danach saß ich in ein überdimensionales handtuch gewickelt in der küche und das objekt drehte einen joint. nach zwei zügen lüpfte es den zipfel meines handtuchs, hob mich hoch und trug mich in sein rotes reich, wo ich aufs bett drapiert und anschließend vom haaransatz bis zu den zehenspitzen mit zarten liebkosungen elektrisiert wurde.
"willkommen", sagte das objekt, als es mit dem berührungsprogramm zu ende war und alle meine nerven vibrierten.

anschließend gab es film, den wir aber nur ein paar minuten durchhielten, bevor wir dann entgültig über einander herfielen.
"ich will mit dir schlafen", sagte das objekt wild und sah mich an wie der löwe die antilope. "ich will das so sehr, dass es mich um den verstand bringt."
das sind exakt die sätze, die frauen hören wollen.
dann verschlang mich der löwe.

als wir das nächste mal auf die uhr sahen, war es halb vier.
"oh mein gott", sagte ich.
"scheiße", sagte das objekt.
ich verbarg das gesicht in den händen.
"meld dich doch krank", schlug das objekt vor. "du bist doch eh nicht gesund."
"das bringt doch nichts."
"ich kann das bezeugen", redete das objekt auf mich ein. "ich sag das auch deiner chefin."
"ich bereue nichts", linste ich zwischen meinen fingern hervor.
das objekt grinste.
"das war auch atemberaubend. du bist mein königlichster besuch."
"schleim nicht rum."
"doch, das ist mein voller ernst."
"dann glaub ich dir das mal."
"ja, das kannste auch. und noch was, es gibt auch was, was ich echt scheiße an dir finde."
ich hielt den atem an.
"was denn?"
"willst du das jetzt wirklich wissen?"
ich nickte.
"es ist aber was schlimmes", sagte das objekt.
ich versuchte cool zu bleiben, obwohl ich nervös wurde.
"ja, was denn?!"
das objekt zögerte und sagte schließlich todernst:
"dass ich mit dir nie meine filme zu ende gucken kann."
und es lachte schallend.

das objekt konnte bis halb neun ausschlafen. spontan beschloss ich, die arbeit nicht zu schwänzen, dafür aber ein bisschen zu spät zu kommen. wenigstens fünf stunden schlaf. das war vernünftig. bringt auch eine bessere arbeitsleistung, redete ich mir ein.

"schlaf auf mir ein", bat mich das objekt. "ich will dich spüren."
ich krabbelte auf den großen, warmen körper.
"du liegst nicht richtig entspannt", kritisierte das objekt meine haltung.
"du bist anstrengend", fand ich.
"du kannst nicht loslassen", stellte das objekt fest.
dann begann es, einige meiner wirbel zu drücken und bestimmte punkte an meinen rippen zu massieren. wenige minuten später merkte ich, wie alle meine muskeln erschlafften und ich eindöste.

dann drehte sich das objekt zur seite und mich mit. ich wachte wieder auf. das objekt löffelte mich und drückte seinen halbsteifen schwanz an meinen po. und schwupp, erwachte die begierde zu neuem leben. das objekt drängelte sich näher an, dann in mich. schließlich siegte aber doch die erschöpfung und wir schlummerten wieder ein.

während das objekt irgendwann richtig fest schlief, lag ich wach. ich war halb unter dem objekt begraben und es war heiß. ich knuffte das objekt. es murmelte im schlaf und drehte sich dann endlich um. juhu, ich war frei.
allerdings wurde es nun kalt. das objekt hatte im umdrehen die gemeinschaftsdecke plus die gästedecke wie einen gordischen knoten um sich geschlungen. ich zerrte an der großen gemeinschaftsdecke. keine chance. 92 kg köstlicher mensch ließen sich nicht verrücken. irgendwie ergatterte ich ein zipfelchen von der gästedecke und konnte wenigstens po und füße wärmen. und endlich, endlich kam der schlaf.

als ich das nächste mal erwachte, zwitscherten bereits die vögel. die sonne schien durch die vorhänge und es war angenehm warm. das objekt hatte sich wieder zu mir gedreht. seine hände schmiegten sich um meine brüste, seine lippen ruhten auf meiner schulter, sein langes haar lag offen und wirr auf dem kissen und duftete zart-vertraut nach kindershampoo. kein softporno-regisseur hätte es besser arrangieren können.

ich rutschte tiefer und fand, was ich suchte. das objekt hatte die augen geschlossen und nur das in den schwanz einströmende blut sagte mir, dass wenigstens der körper schon am erwachen war.
"oh mein gott", stöhnte das objekt irgendwann überraschend und schlug die augen auf. dann wirbelte es herum und wir rutschten vom bett auf das parkett.

die dielen begannen rhythmisch unter uns zu knarren. ich musste lachen. das objekt hielt inne.
"was denn?"
"die nachbarn denken sich jetzt auch ihren teil, oder? nach all dem, was sie die nacht über sicher schon mitgekriegt haben?"
da sprang das objekt auf und schlug die vorhänge zurück. dann riss es die großen fenster auf.
"so", sagte es und stürzte sich wieder auf mich, "von mir aus kann das die ganze welt mitkriegen und all die ungefickten existenzen sollen uns beneiden um das, was wir haben!"

später standen wir im badezimmer und schrubbten einträchtig die zähne.
"ich muss gleich zum bahnhof", nuschelte das objekt. "ich fahr heute zu meiner cousine."
"der bahnhof ist ja auch meine richtung", freute ich mich. "dann können wir zusammen fahren."

gegen halb zehn lümmelten wir in der s-bahn richtung hauptbahnhof und knutschen.
dann tippte uns jemand auf die schulter. fahrkartenkontrolle.
mit schrecken stellte ich fest, dass ich keinen fahrschein hatte. einfach vergessen. in panik starrte ich das objekt an. das objekt, schwarzfahrer aus prinzip, schaute mich an. zwei dumme, derselbe gedanke. und während sich der kontrolleur zu einer älteren dame herabbeugte und deren ticket inspizierte, nahm mich das objekt bei der hand und wir flüchteten durch die sich schließenden türen.

"kommt da wer hinterher", rief mir das objekt zu, während es mich eilig die rolltreppe hinunterzog.
"ich weiß nicht", sagte ich.
wir rannten die straße entlang, durch einen kleinen park, und dann in eine seitenstraße.
"ich glaube, es folgt uns niemand", keuchte das objekt.
"ich hätte beinahe meinen schuh verloren", seufzte ich.
"aschenputtel", lächelte mich das objekt liebevoll an.
"mit dir mach ich was mit", stellte ich fest.
"warum? wärst du sitzengeblieben und hättest dich von dem wichser aufschreiben lassen?"
"ja."
das objekt schüttelte den kopf. dann hob es den blick.
"da drüben ist ein café. sollen wir uns einen kakao kaufen? so anstatt fahrkarte?"

mit pappbechern in den händen schlenderten wir durch den park zurück. das objekt hatte den arm um meine schultern gelegt.
"du evozierst damit voll das pärchen-feeling", konstatierte ich.
"aber ich habe doch eine beziehung mit dir", sagte das objekt im brustton der überzeugung. "nur nicht so ganz im klassischen sinne eben."
ich hielt die luft an.
wir durchschritten einen kleinen pavillon im park. das objekt hielt mich noch immer im arm und intonierte scherzhaft-feierlich den hochzeitsmarsch:
"tamm, ta, tata... tamm, ta, tata..."
dann sah es mich an und grinste:
"fehlen nur der rote teppich und blumen, die geworfen werden."
ich sagte indes nichts. jedes wort wäre fehl am platze gewesen.

am bahnhof brachte ich das objekt noch zum zug. dort umarmte es mich.
"pass auf dich auf."
"dito. wie kommst du jetzt eigentlich ohne fahrschein zu deiner cousine?"
"das hier ist doch so ein doppelstöckiger zug. muss man halt ein bisschen gucken. und wenn der schaffer unten ist, oben sein."
"schlingel."
das objekt grinste jungenhaft-stupsnäsig und gab mir einen abschiedskuss auf die stirn.
"bis nächstes jahr."
ich zeigte ihm den stinkefinger. dann schlossen sich die türen hinter ihm und ich trottete richtung u-bahn.

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Samstag, 11. Juni 2011
i walk the line between good and evil
im süden.

die erkältung hat mich voll im griff. drei wochen lang ein up and down. seit der zugfahrt gestern ist wieder alles maumau. ja, das objekt hängt mir auch körperlich nach, ich verstehe schon, was mir der körper flüstert.

ich weiß mal wieder nicht, was ich treiben soll. heute nachmittag aus langeweile bei k. angerufen. wider erwarten war er zuhause, hatte aber gerade geschlafen, nach einer feuchtfröhlichen und langen nacht. heute abend gehen sie alle in den club und ich bin nicht dabei.

meine eltern sind ganz süß. meine mutter kuschelt mich trotz ansteckungsgefahr und genießt die tatsache, dass ich mich gerade wieder zaghaft verliebe, in einen mann, der vielleicht ein wenig erreichbarer ist. trotzdem bin ich mit meinen gedanken ganz weit im norden. der fehlt mir: meine nach altem holz duftende dachgeschosswohnung, der park, die seeterrassen an der alster.
warum auch immer. aber irgendwas fehlt immer. ich muss wohl mal akzeptieren, dass mein leben nie vollkommen sein wird.

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Donnerstag, 9. Juni 2011
k.ein abend
nach einigen drinks schlendern k. und ich schon etwas gehunsicher durch die schanze. und nein, ich kann nicht klagen. hab mich beim inflationären lächeln ertappt und dabei, wie der flügellahme schmetterling in meiner magengrube neugierig die eingestaubten fühler gen sonne streckte. hab mir die lippen wundgeküsst und im unterärmeln zweisamkeit geübt. hab mich vierfüßig für zwei schritte sicher gefühlt, und das als einzel-gängerin.

später, in der amethyst-schwarzen wohnung mit dem silbernen himmelbett, sitze ich auf der couch und zittere vor anspannung. auch, als wir schließlich zusammen im bett liegen und k. mich in den armen hält, ohne die hände wandern zu lassen. ich bin angetan von so viel achtung und zugleich zutiefst bestürzt. als k. einschläft, liege ich endlos wach und lausche stunden später dem zaghaften vogelgezwitscher, während das licht aus der nacht steigt und sich morgenmatt durch die lamellen der jalousien zwängt.

als der wecker ungehört klingelt, muss ich an das ebenso komatös schlafende objekt denken und innerlich schmunzeln, bevor ich k. erst anstupse und dann zu schütteln beginne.

während k. im bad steht, schlendere ich in die küche. kaffee gibt es nicht, genau wie beim objekt, obwohl das objekt immer cappucchino für mich kaufte. im kühlschrank steht in etwa das getränkeangebot, das auch das objekt aufzubieten hat: cola, wodka, red bull, wenn auch nur EINE flasche wodka statt zwei oder drei. k. trinkt gerne, aber nicht unmäßig, was mich beruhigt. er stammt aus einer alkoholikerfamilie, zu der er gesuden abstand wahrt. er ist auch kein kiffer, wie ich inzwischen weiß, lässt es aber gerne desöfteren mal schneien.

kurz nach acht uhr muss k. los und küsst mich zum abschied.
"du weißt, wie du zur s-bahn kommst?"
ich nicke, denn k. wohnt nur zwei straßen vom objekt entfernt.
"was frag ich eigentlich, du kennst ja den weg", sagt er dann zu meiner überraschung.
ich starre ihn an, weiß nicht, wie viel er weiß.
"warst du eigentlich in das objekt verliebt?" fragt er dann.
"nein", antworte ich ud k. umarmt mich noch einmal.

das war keine lüge, sage ich mir später auf dem weg zur s-bahn. denn in der vergangenheit sprechen darf ich noch längst nicht, dem positiven anfang mit k. zum trotz.

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Samstag, 4. Juni 2011
unfreiwillige wirklichkeiten
am gestrigen abend platzten ein paar illusionen.

die objektexfreundin war überraschend auf dem gestrigen großevent aufgetaucht und hatte das objekt mit der objektgespielin gesichtet. daraufhin musste das objekt farbe bekennen. in einem mehrminütigen gespräch, von dem ich nur überreichliches gestikulieren mitbekam, setzten sich die beiden mit den tatsachen auseinander. dass die objektexfreundin anschließend umgehend die lokation verließ, signalisierte mir, dass das objekt diesmal offenbar nicht gelogen hatte. zugleich war mein verdacht bestätigt, dass die erneute kontaktaufnahme der objektexfreundin nach dem beziehungsaus tatsächlich nur einen grund gehabt hatte, der mit postamouröser freundschaft nichts zu tun hatte.

anschließend diskutierte das objekt längere zeit mit der gespielin, da ihm nach dem abgang der objektexfreundin nicht nach einem gemeinsamen kuschelabend war. schließlich war die objektexfreundin so lange der totale burner gewesen. woraufhin die gespielin trotz altersunentsprechend großer souveränität etwas angefressen war.

eine stunde später nahm das objekt auch mich, die ich mich bis dato aus angst vor weiteren spontanen verwicklungen abseits gehalten hatte, wahr. es kroch betrunken neben mich auf einen barhocker und lallte:
"ich bin so viel und so viele, aber für alle immer zu wenig."
das spielte an auf etwas, was ich dem objekt mal geschrieben hatte: dass ich zu viel sei, zu viel emotion für eine einzelne person, und zugleich eine unheimliche leere, die auch viele gleichzeitig nicht zu füllen vermochten.
dem objekt ging es im grunde ähnlich, nur nahm es sich dabei aus einer anderen perspektive wahr und begriff den mangel nicht als überborderndes bedürfnis und überfluss, sondern als manko.
da ich wusste, wie schrecklich diese momente der persönlichen unzulänglichkeit sind, nahm ich das objekt spontan in den arm. es lehnte sich alkoholschlaff mit vollem gewicht an mich und meinte:
"ach morphine, jetzt fühle ich mich zum ersten mal an diesem abend sicher."

nachdem wir eine weile so da saßen, kamen der dritte und die drittefreundin.
"wir nehmen ihn mit, der ist ja völlig betrunken."
"ich bin aber mit dem rad da", wehrte sich das objekt, "ich muss fahren."
"neenee", sagte der dritte streng. "wir haben doch so was wie verantwortung."
"oooch, ihr seid so ne schatzis", nuschelte das objekt in meine schulter.
dann ärmelten wir das objekt unter.
"mutti links, vaddi rechts", kicherte ich und objekt und dritter lachten, während die drittefreundin schon wieder etwas verständnislos den kopf schüttelte. mit vereinten kräften verfrachteten wir das objekt an die frische luft.
draußen verabschiedete ich die drei.
"ich bleib noch", sagte ich.
"übertreib es nicht", meinte der dritte liebevoll.
"schließlich wollen wir morgen auch noch was machen", fügte die drittefreundin hinzu.

ich blieb nicht mehr lange, sondern beschloss, wachheit und nüchternheit zu nutzen für eine unbeschwerte radtour nach hause.

an der hudtwalckerstraße passierte ich wie immer den kleinen park. dort schläft jede nacht derselbe penner. tagsüber sitzt er immer vor der haspa. er scheint der einzige penner in winterhude zu sein. und irgendwie sieht er gar nicht aus wie ein penner. die haare ordentlich, der bart gestutzt, brille, teuere herrenlederschuhe. wenn er nicht immer da sitzen würde und diese schmutzige reisetasche bei sich hätte, man könnte ihn für einen etwas verwahrlosten lehrer oder abteilungsleiter oder so halten.
er läuft schwerfällig, scheint ein problem mit den knien zu haben. das gesicht ist rot und sonnenverbrannt und trägt einen intelligenten, feinen ausdruck, tagsüber wie auch nachts.

auch heute morgen war der penner wieder da, die mütze trotz der sommerlichen temperaturen tief ins gesicht gezogen. er war wie immer allein.
und ich fragte mich wie so oft, was machen solche menschen in verzweifelten momenten? mit wem sprechen sie über ihre sorgen?
wie immer hielt ich kurz an und sah ihn an, wünschte ihm in gedanken ein gutes aufwachen und versuchte, ihm positive energien rüber auf die parkbank zu schicken. wenn es einen gott gibt, dann möge er bitte gut auf diesen menschen aufpassen. und auf das objekt. und auf den dritten und seine freundin. und auf die objektexfreundin, die gestern sehr traurig gewesen sein muss... ja, und auf mich, wenn denn dann dafür noch zeit bleibt.

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Donnerstag, 2. Juni 2011
ein vadditag - wie er sein sollte
nach einigem hin und her haben wir es gestern nun doch mal wieder geschafft. morphine meets objekt im semiprivaten rahmen. es geschah dabei etwas, was wir noch nie getan hatten: wir gingen zusammen aus, im schlepptau mr. shyguy, ein schüchterner junger freund des objekts.

im vorfeld ein plausch in der objektküche. da monatsanfang war und wir alle drei knapp aber solide schwarze zahlen schrieben, gab es ein breites schmaus- und rauschangebot, bestehend aus sushi mit ente, martini, whiskey, wein, wodka sowie diversen wachmach-drogen. das objekt erläuterte während des gelages seine aktuelle frauenproblematik und seine befürchtung, dass sich die aktuelle gespielin und die objektexfreundin irgendwann über den weg laufen und dies zum super-gau führen könnte. gleichzeitig hatte es bedenken, dass die objektgespielin heute auf der party anwesend sein und davon ausgehen könnte, dass das objekt sie später mitnähme. nach der zweiten line meinte ich reichlich angesext und übermütig, ist doch egal, dann nehmen wir sie doch wirklich einfach mit - was das objekt natürlich begeisterte.

irgendwann stieg das objekt in seine ausgeh-hosen. beim hochziehen des reißverschlusses gab es allerdings einen lauten ratsch und der reißverschluss hing in fetzen. das objekt machte ein langes gesicht, da dies seine lieblingshose war und die andere ausgeh-hose gerade in der waschmaschine ihre feuchtfröhlichen runden drehte.
"gottseidank haste ja eine frau im haus", meinte mr. shyguy.
"ehrlich? kannst du nähen?" fragte mich das objekt.
"besser als kochen."
"aber du kannst doch gar nicht kochen, sagst du."
"eben. also ich kann ein bisschen nähen. socken stopfen und knöpfe annähen und so kram."
"klasse", fand das objekt und vertraute mir seine heilige beinbekleidung an.
"da kann ich auch nix machen", sagte ich, nachdem ich den zerfetzten reißverschluss sah. "du kannst den reißverschluss nur rausschneiden und einen neuen einsetzen lassen."
"aber ich muss die hose JETZT tragen können", jammerte das objekt.
wir überlegten alle drei.
"näh den hosenstall doch einfach ganz zu", schlug mr. shyguy vor.
"genau!" fand das objekt.
"und was machst du, wenn du auf klo musst?"
"das wird schon gehen", meinte das objekt. "pass auf, ich zieh die hose jetzt mal an und du nähst einfach immer höher, bis sie hält und ich trotzdem noch den schwanz rauskriege."
ich guckte skeptisch.
"und was, wenn du kacken musst?"
"ich muss jetzt aber nicht kacken", meinte das objekt.
"naja, ich meine ja nur. amphetamine können ja sehr verdauungsfördernd wirken, ab und an."
"das ist ein eins-a-stoff", kritisierte mich das objekt.
"ich wollte ja nur drauf hingewiesen haben. waschen werd ich dir die hose nachher jedenfalls nicht auch noch."
"zerbrich dir mal nicht deinen hübschen kopf", entgegnete das objekt.
entschlossen stand es auf und holte sein nähzeug.

dann begann die erste herausforderung: im leichten speed-tremor den faden durchs öhr zu kriegen. am ende fummelten wir zu dritt herum, bis es dann endlich losgehen konnte.
"pass bloß auf, wo du hinstichst", kicherte mr. shyguy.
"merk dir eins", sagte das objekt zu mr. shyguy. "dieser frau kann ich quasi alles anvertrauen."
dann begann ich, das objekt in seine hose zu nähen.
"so, test", sagte ich nach den ersten zentimetern.
"du kannst noch ein bisschen."
ich nähte noch zwei zentimeter weiter.
"warte mal", meinte das objekt und schob die hand in die hose. mit mühe erreichte es, was es suchte.
"näh noch einen zentimeter, bitte."
"ganz sicher??"
"zur sicherheit. ich will nicht entblößt auf der tanzfläche stehen."

endlich waren wir fertig und das objekt schlüpfte zufrieden in sein transparentes hemd.
"machst du mich noch hübsch, so zum vatertag", bettelte das objekt.
ich holte kajal und wimperntusche aus meiner tasche.
"oh toll", jubelte das objekt. "du machst das ja ganz dezent, man sieht kaum, dass ich geschminkt bin. bei mir werden das immer so fette dunkle balken."
"das sieht dann aber auch total schwuchtelig aus."
das objekt schubste mich. ich schubste zurück:
"willst du ärger, pussy?"
"wiebitte - pussy?! soll ich dich mal beißen?!"

gegen zwei uhr brachen wir endlich auf.
"es ist voll spät", sagte mr. shyguy.
"ich hab mich vorhin aber noch nicht nach ausgehen gefühlt", sagte das objekt, das eine erkältung ausbrütete. ich war derweil gespannt, ob die objektgespielin anwesend sein und wie ihr das objekt den geplanten dreier verklickern würde.

zu meiner enttäuschung war es dann zwar sehr voll, allerdings nur mit unbekannten leuten. auch der dritte und die drittefreundin fehlten. nachdem wir ein stündchen getanzt hatten und langsam aber sanft runterkamen, lümmelten wir sehr gechillt im raucherraum herum.
"ich will nach hause", sagte das objekt.
"ich auch", meinte ich.
"dann lasst uns doch aufbrechen", stimmte mr. shyguy zu.
"gut", sagte das objekt. "lasst mich aber mal noch eben auf klo."

das objekt verschwand hinter der silbernen tür. wir warteten. und warteten.
"sag mal, ist das objekt ins klo gefallen oder was", fragte ich irgendwann schon ein bisschen gereizt mr. shyguy.
"keine ahnung", erwiderte der. "vielleicht hat es ja nachgelegt und zu viel dabei erwischt."
"gehst du bitte mal nachsehen", bat ich mr. shyguy.
fünf minuten später kamen beide gemeinsam aus dem klo. das objekt wirkte zerknirscht.
"was ist denn?"
mr. shyguy prustete los: "die hose ist jetzt doch irgendwie zu eng geraten."
"oh nein, dann müssen wir jetzt hier wen um eine schere bitten und die hose aufschneiden."
"spinnst du", meinte das objekt. "ich kann doch nicht mit zerschnippelter hose rumlaufen. wir gehen jetzt nach hause und ich geh später da auf toilette."

mr. shyguy nahm sich ein taxi, das objekt und ich gingen zu fuß. als wir endlich die straße, in der das objekt wohnte, erreichten, waren wir ziemlich alle.
"ich bin müde", seufzte ich und strauchelte. das objekt fing mich auf.
"und ich habe hunger! du nicht?"
"doch, irgendwie schon."
"bestimmt bist du unterzuckert und dir ist deshalb schwindlig."
"ich hab eher zu wenig getrunken."
"dann komm! nichts wie rein", hielt mir das objekt die haustür auf.

zuhause angekommen holte das objekt töpfe und teller heraus.
"kochst du?" fragte ich ungläubig.
"klar."
"jetzt?! um halb sieben uhr morgens?"
"hey, nur was asiatisches. geht ganz schnell."
dann bekam ich einen halben liter apfelsaftschorle.
"austrinken!" befahl mir das objekt.

danach wechselten wir satt und zufrieden ins schlafzimmer über. das objekt zog das hemd aus.
"hilfst du mir mal mit der hose?"
ich holte eine schere und begann, das objekt aus seinen klamotten herauszuschneiden. schließlich stand der mann nackt und schön vor mir und strahlte mich an. allein der anblick bewirkte, dass mir das blut in den unterleib schoss.
"zum niederknien", fand ich.
"dann mach doch", grinste das objekt frech.
"okay, dann gibt es jetzt das vatertagsspecial", sagte ich, manövrierte das objekt richtung bett und verband ihm mit einem halstuch die augen.

später, in postkoitaler schläfrigkeit, zog es mich an sich und hielt mich fest.
"müde?" fragte ich.
"müde?! nein, das ist... das kann man nicht beschreiben. göttliche erschöpfung oder so. "
"dann muss ich ja gar nicht fragen, und schatz, wie war ich."
das objekt kicherte, dann gähnte es in löwenmanier.
"schlafen?" fragte ich.
das objekt sah mich mit grünen raubtieraugen an. dann schüttelte es den kopf.
"was dann?"
"ich will dich so gern noch mal in den arsch ficken."

als wir schließlich zur ruhe kamen, war es gegen neun uhr morgens. das objekt stellte den wecker.
"so gegen eins kommt der kleine."
"das heißt, ich sollte bis dahin was anhaben?"
"wär gut, ja."
"okay."
das objekt sah mich liebevoll an:
"ich glaube, es gibt keinen kerl auf dieser welt, der einen besseren vatertag hatte als ich heute. danke dafür."
"na hör mal, ich bin ja auch auf meine kosten gekommen. und du weißt ja: das wird alles eines tages gegen dich verwendet."
"ich bitte darum", schmunzelte das objekt.
dann schliefen wir ein und hatten tatsächlich eine stunde zeit, bis die kindsmutter anrief und terz machte. vaterfreuden eben.

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Mittwoch, 1. Juni 2011
erotischer kuhklau und kalte hummel
mittagspause ist zeitunglesen-zeit. auf stern online heute einen videolink gesichtet: "die erotischen spiele des ladendiebes".
gedacht: "wow!", und sofort geklickt.
gestutzt: da steht eine junge frau bei kühen. klaut die jetzt die kühe, fragte ich mich irritiert.
noch mal den videotitel gelesen. steht da doch: "die erotische seite des landlebens".
nunja. also doch kein diebstahl. das erklärt aber noch lange nicht die sache mit der erotik und den kühen, meine herren!

später draußen auf dem bürgersteig eine verwirrte hummel aufgelesen. für die kleinen ist es hier ja im schatten echt noch zu kalt. wechselblütersyndrom. hummel mit ins büro genommen und aufgewärmt, dann aus dem fenster fliegen lassen.
der azubi beobachtet mich mit einem grinsen wie es sonst nur junge leute aufsetzen, wenn sie debile senioren beim selbstgespräch begucken.
als ich ihm die dinge der natur erkläre und dass hummeln bei kälte erstarren, lacht er verblüfft: "das hab ich ja noch nie gehört: dass es kalte hummeln gibt!"

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