Sonntag, 26. April 2015
wiedersehen nach 14 jahren
als ich das erste mal nach hh kam, war ich 17. ich hatte im chat einen typen kennen gelernt, mit dem ich mich super verstand. er war laut eigener angaben mitte 30, rechtsanwalt und hatte gerade seine erste eigene kanzlei eröffnet. das imponierte mir und ich machte mich schnell ein jahr älter, damit ich wenigstens nicht mehr minderjährig schien. als unser chat immer mehr ins flirten überging, lud er mich irgendwann nach hamburg ein. mein damaliger freund protestierte und drohte mit schlussmachen, meine eltern gingen auf die barrikaden, aber ich war a) jung und naiv und b) nicht zu halten auf meinem rebellions- und selbsterfahrungstrip. ich ließ den anwalt zugtickets buchen und packte meine koffer.

ich fuhr damals eine etwas komplizierte strecke über celle. celle stieg ein typ in den zug, der sich zu mir setzte. er war zwei, drei jahre älter als ich und erzählte mir, dass er gerade seine eltern besucht habe, die, nachdem er sein medizinstudium geschmissen hatte, not amused waren. meine eine hatte damals noch nicht mal abi, also hörte ich zu und staunte. dann stellte sich heraus, dass der exmedizinstudent auch nach hh musste und dass er dieselbe musik mochte wie ich. kurz bevor wir am hauptbahnhof einfuhren, gab er mir seine nummer und seine e-mail-adresse.

am bahnhof holte mich der anwalt ab. die erste begegnung war ernüchternd: er sah aus wie mindestens 40 und hatte wenig ähnlichkeit mit dem smarten schwarzweiß-foto, dass er mir einst geschickt hatte. wir fuhren zu ihm. er wohnte in einer wahnsinnigen wohnung in uhlenhorst, wo er auch gleich nebenan seine kanzlei hatte. was dies betraf, hatte er nicht gelogen. was sein alter betraf, hingegen offensichtlich schon. ich selbst hatte in diesem kontext zwar auch ein wenig geflunkert, aber das raubte mir garantiert nicht so viel attraktivität.

ich duschte, zog mich um, dann holte der anwalt etwas zu essen.
"sollen wir heute abend ausgehen?"
genauso hatte ich mir meinen hh-aufenthalt vorgestellt.
wir gingen in den club, denselben, der später hier mein zweites zuhause und objekt-begegnungstätte wurde, der sich damals aber noch zwei straßen weiter entfernt befand. die veranstaltungsreihen waren damals schon ähnlich, das ganze neuartige cyber-teeniegeschrubbe kam natürlich erst später dazu. damals dominierten gitarrenklänge und düsterpop. kurzum, der abend wurde bombe. ich vergaß ganz, dass ich mit dem anwalt unterwegs war, trank, tanzte und ließ es mir gut gehen.

irgendwann gegen fünf saßen wir in des anwalts penisverlängerung und gurkten die alster entlang. zu diesem zeitpunkt begann der anwalt, mit mir zu flirten und mir komplimente zu machen. ich hatte jedoch definitiv kein interesse, ging nicht weiter drauf ein und legte mich schließlich - vollständig mit pulli und hose bekleidet - ins bett, nicht ohne dem anwalt vorher noch mal klarzumachen, dass jeder in seiner hälfte des bettes schlafen würde.

jedoch schien der anwalt es mit absprachen so wenig genau zu nehmen wie mit dem alter. mitten in der nacht - oder vielmehr am morgen - wachte ich auf, weil sich der anwalt auf mich gewälzt hatte und seine hände auf meinen brüsten waren. nach heftiger gegenwehr ließ er ab, versuchte es aber noch einmal, als ich wieder eingeschlafen war. wir stritten uns kurz, danach beschloss ich, lieber wachzubleiben und weitere übergriffe zu verhindern.

als wir gegen mittag aufstanden, hatte der anwalt seinen charme verschluckt. er knallte mir eisig ein frühstück hin und verschwand dann zu einer angeblichen kollegin in deren kanzlei. ich blieb allein. was nun? da erinnerte ich mich an die telefonnummer in meiner tasche und ich rief rasch den exmedizinstudenten an. ich hatte glück, er ging an den hörer - handys waren damals noch nicht so verbreitet - und hatte am abend sogar zeit für mich.

ich packte schnell meine sachen und fuhr erstmal in die stadt. da gefiel es mir sehr und mir kam erstmals der gedanke, dass ich vielleicht nicht in meiner heimat studieren sollte. neben hamburg dachte ich noch an berlin - hauptsache raus, hauptsache groß.

der exmedizinstudent hatte mir eine wegbeschreibung durchgegeben, die ich auf ein kaugummipapierchen gekritzelt hatte. gegen halb zehn uhr abends kam ich schließlich am ziel-s-bahnhof an. dort holte mich der exmediziner ab. ich erzählte ihm rasch die ereignisse der letzten nacht und drängte darauf, dass ich bei ihm schlafen konnte.

der exmediziner war kein mann der langen worte und gewährte mir sofort obdach. er wohnte damals mit acht weiteren jungs in einer wg, die meisten studenten. er hatte nur ein winziges zimmer und ein winziges bett, aber ich durfte es nach meiner letzten furchtbaren nacht ganz für mich haben. er selbst schlief im schlafsack auf dem boden. das war mir peinlich, aber ich war auch froh darüber, denn noch eine nacht mit ekel-fummelei hätte ich nicht überlebt.

wir hatten noch eine gute zeit zusammen und gingen unter anderem auf eine krasse technoparty, an die ich mich nur noch in bruchteilen erinnnern kann. sehr süß war, dass sich in der wg alle neun jungs spürbar mühe gaben, es dem weiblichen besuch so angenehm wie möglich zu machen. ein paar tage später fuhr ich dann nachhause - mit dem ticket, das noch der anwalt bezahlt hatte. das fand ich nur gerecht. ich schrieb dem anwalt noch eine einzige mail, in der ich mein wahres alter enthüllte und ihn darauf hinwies, dass er versucht hatte, eine minderjährige zu betatschen. daraufhin muss ihm ziemlich der arsch auf grundeis gegangen sein.

den exmedizinstudenten besuchte ich noch ein einziges mal drei jahre später. seither haben wir uns nicht mehr gesehen, obwohl wir inzwischen beide in hh wohnen und ich immer mal wieder an ihn gedacht hatte.

das wird sich nun morgen ändern.

und ich bin sehr gespannt.

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Freitag, 24. April 2015
feuchte wäsche
direkt neben meiner wohnung im haus befindet sich eine wäschekammer. dort steht gerümpel, das in den keller zu räumen ich zu faul war, und mein wäscheständer, meist mit wäsche, weil ich mich gern direkt einkleide, also ohne lange trockene wäsche zusammenzufalten und ordentlich in den schrank zu legen. man kann sagen, dass ich das zimmerlein als meinen zweitkeller sowie als ankleideraum okkupiert hatte, was aber auch gut ging, da bis dato nie einer meiner nachbarn diesen raum benutzte.

das hat sich nun geändert. vor ein paar wochen entdeckte ich erstmals handtücher und geschirrtücher, die definitiv nicht mir gehörten. das musste wäsche vom neuen nachbarn sein, den ich so richtig noch nicht wahrgenommen hatte. ein paar tage später hingen dann männerunterhosen und männer-shirts zum trocknen. nun war es eindeutig. fortan mied ich es, splitterfasernackt vor die tür zu gehen, um mich dann schnell in der wäschekammer anzuziehen, wie ich es morgens nach dem duschen bisweilen gern getan hatte.

ich sah den neuen nachbarn nie. aber er machte sich bemerkbar. eines tages hing eines meines höschen - zum glück eines der guten mit niedlichen polkadots und spitze - an meinem türknauf. offenbar hatte ich es beim abräumen übersehen oder es war auf den boden gefallen. ich musste grinsen und räumte es schnell in meine kommode.

heute wollte ich meine dunkle wäsche aufhängen. als die waschmaschine durch war, hatte ich gerade masturbiert und befand mich in höchst entspannter stimmung. also schlüpfte ich nur schnell in einen dünnen rock, den schlüpper konnte ich nicht finden, und warf mir ein t-shirt über. dann ging ich zur waschmaschine und holte die nasse wäsche raus.

als ich so vor die tür trat und nach rechts in meine wäschekammer ging, erschrak ich. da war nämlich wer. der neue nachbar.
"nicht erschrecken", sagte er.
"zu spät", erwiderte ich.
der nachbar lächelte.
"ich hab mich noch gar nicht richtig vorgestellt", sagte er dann etwas umständlich, aber sehr nett. er nahm meine hand, schüttelte sie förmlich und nannte seinen namen. ich tat es ihm gleich, dann standen wir da und waren verlegen. ich spürte meine noch nasse muschi unter dem rock. wenn er wüsste, dass er eben einer frau ohne höschen und mit sabbschiger muschi die hand gegeben hatte, kicherte ich in mich hinein.

"du hast n kleines mädel, hm", fragte ich schließlich, weil ich den nachbarn irgendwann mal mit einem kleinen blonden kind gesehen hatte, und um ein wenig artig konversation zu machen.
"ja", sagte der nachbar. "im moment bin ich halt vollzeit-papa."
"kenn ich von meinem ex."

wir quatschten dies und das und kruschten dann eine weile in unseren jeweiligen klamotten. der nachbar faltete, ich hängte wäsche auf.
"wir können ja mal ein bier zusammen trinken", meinte mein nachbar schließlich.
"klar", sagte ich, drehte mich herum und fühlte, wie in diesem moment eine falte meines glatten, dünnen rocks an meiner muschi festklebte und sich in die spalte zog. noch bevor ich mich fragen konnte, wie deutlich das von außen zu sehen war, oder wie ich etwas unauffällig dagegen tun konnte, bemerkte ich, wie der nachbar schockiert glotzte. direkt auf meine muschi.

"ich muss dann mal weiter", sagte ich schnell und packte ein bündel wäsche, um es mir vor den bauch zu halten. dann drehte ich mich weg und verschwand fix in meiner wohnung.

auf jeden fall habe ich mal wieder einen bleibenden ersten eindruck hinterlassen. bin gespannt, wie er schaut, wenn wir uns das nächste mal im treppenhaus begegnen. dann vorzugsweise mit unterwäsche.

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Samstag, 18. April 2015
in the dark
der kühlschrank zeigt mir gähnende leere. in schlechten phasen wie aktuell meide ich es, einkaufen zu gehen. jetzt allerdings führt kein weg dran vorbei. nach 22 uhr muss ich ein stück weit fahren, um einen noch geöffneten supermarkt zu finden. ich will mich erst aufs radl schwingen, doch es regnet leicht, also mache ich kehrt und nehme den schirm. dann wirds eben ein ausgedehnter spaziergang.

wie immer nehme ich die abkürzung, die an der klinik vorbeiführt. ich habe den kopf gesenkt und registriere erst recht spät, dass da zwei typen bei den motorrädern stehen und sich unterhalten. als ich mich nähere, verstummen die beiden und ich merke, wie ihre blicke in meine richtung gehen. es sind das objekt und ein kollege, den ich auch vom sehen kenne. das objekt steckt bereits in helm und jacke, ist offenbar nach einer spätschicht am aufbrechen.

mein puls beamt sich auf ein maximum. was nun? der blinde instinkt entscheidet schließlich und er entscheidet sich dafür, sich blind und taub und stumm zu stellen, einfach weiterzugehen, ohne den schritt zu beschleunigen.

als ich vorbei bin, spüre ich noch die blicke der beiden im rücken, der arme kollege fragt sich oder auch das objekt vielleicht, warum ich ihn nicht grüße, und das objekt wird einen spruch klopfen oder auch einfach nichts dazu sagen.

ich schaffe es bis zum supermarkt, wo die beine regelrecht nachgeben und ich mich erstmal ein weilchen gegen die käsetruhe lehnen muss, bis die übelkeit nachlässt und das herzrasen und der schwindel, und die beine ihren dienst wieder aufnehmen wollen.

es macht mir immer noch so verdammt viel aus.
verdammt.

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Mittwoch, 8. April 2015
überstunden-selbstverarsche
überstunden sind der regelfall für die meisten beschäftigten. ich selbst habe in agenturen oftmals 12- bis 14-stunden-tage geschoben. nicht nur, wenn es mal nötig war, sondern weil es zum guten ton gehörte. weil die anderen es auch taten und ich ein guter teamplayer sein wollte. weil ich ein guter arbeitnehmer sein und mein engagement beweisen wollte. und weil ich glaubte, so schneller an die vor meiner nase baumelnden karotte einer gehaltserhöhung oder beförderung zu kommen.

mit dem letzten jobwechsel habe ich allerdings umgedacht und andere seiten aufgezogen. wenn ich mehrfach überstunden ableiste, fordere ich einen freizeitausgleich. wenn ich am wochenende arbeite, will ich einen freien tag dafür. ich arbeite für wenig geld und möchte, dass sich input und ouput einigermaßen die waage halten. eigentlich selbstverständlich.

das ist nicht gerne gesehen. meine kollegen schieben alle überstunden und knirschen mit den zähnen. als sie mir einmal vorrechneten, wie viel zeit sie - im gegensatz zu mir - freiwillig mehr im büro verbringen, habe ich allen mut zusammengenommen und gesagt, dass das ihre entscheidung sei. dass es meiner meinung für den arbeitgeber den freifahrtschein zur ausbeute bedeute. und dass ich es auch als die gesellschaftliche verantwortung aller arbeitnehmer sehe, dem missstand regelmäßiger immenser mehrarbeit nicht länger nahrung zu geben.

ich habe mich frei gemacht von der angst des arbeitsplatzverlusts. auch emotional erpresserische argumente, dass die mehrarbeit dann an den anderen hängenbleibt, haben bei mir ihre wirkung verloren. ich verteidige meinen wert als humane ressource und meine grenzen als mensch. das ist nicht immer einfach, und ich bin dankbar, dass ich nicht in einem beruf arbeite, in dem ich beispielsweise verantwortung für das leben und die gesundheit anderer menschen trage. hier ist die entscheidung ich versus aufgaben-wucher weniger einfach und bedarf einer größeren solidarität.

trotzdem bin ich der meinung, dass in vielen fällen auch die falsch verstandene freiwilligkeit der arbeitnehmer zu den teils katastrophalen arbeitsbedingungen in vielen unternehmen beigetragen hat. selbstausbeute führt zu qualitätsverlust und reduziert langfristig die wirtschaftskraft. insbesondere qualifizierte und erfahrene arbeitnehmer, die in branchen mit fachkräfte- und nachwuchsproblemen arbeiten, sollten sich hier auf ihren wert besinnen.

die angst der kleinen nährt immer die macht der großen.

so be brave.

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Mittwoch, 8. April 2015
urlaub
drei tage hintereinander mit drei verschiedenen ehemännern geknutscht. nicht, weil ich es unbedingt gewollt hätte. einfach, weil ich es konnte. nur so für die statistik. für meine zeigefinger-statistik. um sagen zu können: erzähl du mir nix von familienglück, sowas glaub ich nur, wenn "ente" davor steht, und zwar auf der speisekarte vom chinesen.

in der u-bahn vom flughafen nachhause plappert mich ein kleines mädchen voll. ich bin müde und genervt.
"du bist ganz schön frech, kleines frollein", sage ich irgendwann und bin dann ein bisschen erschrocken, denn die mutter steht ja nebendran und eigentlich wäre es ihre aufgabe gewesen, darauf zu achten, dass ihr kind keine fremden leute belästigt.
das kleine mädchen ist nicht beeindruckt von meiner rüge. sie formt ein herz mit ihren fingern.
"guck mal, ich kann ein herz!"
"ich hab ein viel cooleres herz", sage ich und ziehe ein schokoherz aus meiner tasche. ich tue, als würde ich hineinbeißen, während mich das kleine mädchen schockiert beobachtet. dann reiche ich ihr das herz.
"geschenkt", sage ich.
"für miiiiihich" juchzt die kleine und wickelt das herz aus dem papier, um es andächtig zu begutachten:
"das ist aber ein schönes herz!"
dann kommt meine station und ich steige schnell aus, bevor ich mir weitere kinderergüsse anhören muss.

zuhause rufe ich meine fickfrau an. mein bett bleibt die nächsten tage und wochen erstmal schwanzfreie zone.

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Freitag, 3. April 2015
no candles for old ladies
und wieder ein jahr geschafft.

keine pointe.

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Mittwoch, 25. März 2015
hommage an horst
horst ist tot. gestorben im alter von nicht ganz 60 jahren. nach jahrzehntelanger drogen- und alkoholabhängigkeit und 12 jahren knast.

wir begegneten uns erstmals 1998 in der wohnung meiner damals besten freundin j.
"das ist horst", sagte j., als ich reinkam.
horst hockte zurückgelehnt auf der couch, glotzte auf meinen langen beine, pfiff durch die zähne und krakeelte:
"menschenskinder, MENSCHENSKINDER, mädel, das ist ja ein fahrgestell!"
"lass die kleine in ruhe", lachte j., "die ist noch nicht mal volljährig", und dann, zu mir gewandt:
"musst keine angst haben, der ist immer so."

ich setzte mich erstmal verschüchtert und guckte mir horst näher an. uralt schien der mir und ziemlich ungepflegt.
"hast du ne kippe", fragte mich horst.
"nee", sagte ich leise.
horst wandte sich an j.:
"lass uns mal kippen kaufen gehen!"
wir schlurften auf die andere seite der straße zum automaten. sechs mark kostete damals eine schachtel, sofern ich mich recht erinnere. der automat schien unser geld jedoch nicht zu wollen. j. schlug vor, wieder nach hause zu gehen, ihr freund würde gleich kommen und der hätte bestimmt tabak. horst weigerte sich. wenn der dämliche automat keine kippen ausspuckte, dann würden wir jetzt eben in die kneipe gehen.

die nächste kneipe war am ende der straße. eine der unzähligen vollkommen abgeranzten südstadt-kneipen. wir gingen hinein und ergatterten einen platz am fenster, während horst nach kippen fragte. er bekam eine schachtel und reichte sie an uns weiter. da saßen wir dann und schmökten.
"haste nen freund, kleine", wollte horst von mir wissen.
ich nickte.
"no boy no joy", krakeelte horst wieder.
"sie ist die freundin von meinem bescheuerten ex", sagte j.
"heidewitzka!" brüllte horst.
"aber die passen zueinander wie arsch auf eimer. wollen sogar heiraten", grinste j. und legte den arm um mich.
"hauptsache, du bescheißt nicht", sagte horst zu mir. "hörst du? niemals einen anderen bescheißen."

horst gehörte für die kommenden monate gewissermaßen zum inventar. wir trafen uns häufiger bei j. und verstanden uns, nachdem ich mich an seine unverblümte art gewöhnt hatte, sehr gut. er war der erste mann, der sich vor meinen augen einen schuss setzte. und dann großzügig fragte, ob ich auch wolle. ich hatte aber "wir kinder vom bahnhof zoo" gründlich gelesen und wollte nicht in wenigen monaten völlig druff irgendwelchen pennern am bahnhof den schwanz lutschen. die offenheit, mit der horst fixte, schockierte mich, gehörte aber irgendwann zu meinem ganz normalen horst-bild. er mochte es, wenn ich erzählte, während er in seiner dämmerwelt versank.

horst war interessanterweise verheiratet. mit einer frau, die nicht drogenabhängig war. sie war launisch und bösartig, sodass ich nicht verstand, warum horst sie liebte. ab und zu kippte sie sich einen hinter die binde, zog durch die kneipen und riss sich kerle auf. das konnte ich mir von einer frau in horsts alter irgendwie gar nicht vorstellen, schien aber zu stimmen. denn eines tages, als wir mal wieder in der kneipe kippen holten, saß da horsts frau. mit einem typen, der ein zwillingsbruder von horst hätte sein können: genauso schnauzbärtig, genauso ungepflegt, genauso laut. ich erwartete eine szene, aber horst drehte sich nur einfach um und ging hinaus. ich folgte ihm, legte ihm den arm um die schulter, doch er schüttelte ihn nur ab und verschwand im park nebenan.

danach sah ich horst lange nicht mehr. j. erzählte, er habe einen entzug gemacht und ihn vorzeitig abgebrochen. dann war horst plötzlich wieder da, saß auf dem sofa bei j. und rauchte zittrig. clean war er nicht, das sah man auf zehn meter. abgemagert wirkte er und noch schlunziger als sonst.
"er hat die letzten tage hier geschlafen", erzählte j., als wir kurz in der küche standen und kaffee kochten. "seine frau hat ihn rausgeworfen und ist jetzt mit diesem anderen typen zusammen. sag aber nichts zu horst, hörst du, das ist ein heikles thema. da rastet er sonst aus."

ich hätte mir nie vorstellen können, dass horst ausrasten oder jemandem etwas zuleide tun könnte. für mich war er ein verträumter spinner, traumatisiert von der zerrütteten ehe seiner eltern und häuslicher gewalt, der er als kind und jugendlicher ausgesetzt war. durch sein strafregister zogen sich neben drogenbesitz kleinere diebstähle und betrugsversuche, was aber alles schon jahre zurücklag. für mich war er ein liebenswerter gauner, gar nicht dumm, aber bestimmt nicht gewalttätig.

das war das letzte mal, dass ich horst in freiheit sah. alles, was ich dann erfuhr, stammt mehr oder minder aus hörensagenquellen. horst hatte sich eine knarre besorgt und seine frau und deren lover erschossen. das urteil fiel aufgrund der tatsache, dass horst im drogenrausch gehandelt hatte und sich anschließend selbst anzeigte, vergleichsweise milde aus: 12 jahre haft.

einmal besuchte ich ihn in der jva.
"man darf nicht bescheißen", mahnte mich horst wieder. "sonst geht alles kaputt. die ehe, die kinder. alles."
ich nickte. dann war meine zeit um und ich ging.
"komm nicht mehr", sagte horst zum abschied. "du gehörst nicht hierher."

horst hatte es gerüchten zufolge irgendwann tatsächlich geschafft, sich von der fixe wegzusaufen. als er 2011 entlassen wurde, begann er, sich langsam zu tode zu trinken. bis er nun starb.

horst war für mich merkwürdigerweise nie horst, der mörder. dass er zwei personen erschossen hatte, gehörte zu ihm wie ein warze oder eine brille oder eine glatze. nicht hübsch, aber es störte nicht, wenn man den ganzen menschen und seine geschichte kannte. ich hatte keine angst davor und auch keine angst um mich. ihn im knast zu sehen war nicht anderes, als ihn bei j. auf der couch anzutreffen. es erstaunte mich selbst. horst blieb horst. ein mensch, der einen schweren fehler begangen hatte. aber immer und zu jeder zeit ein mensch.

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Sonntag, 22. März 2015
eat your heart out
gestern meldet sich mein freund v., der nach rasanten vier wochen aufgewärmter beziehung mit einem arschloch-weib - ich predigte und predigte, doch er wollte ja nicht hören - erwarteterweise wieder single ist. am telefon mime ich rücksichtsvollerweise die überraschte, ringe mir ein knappes "och, das ist ja schade" ab - man will den armen menschen schließlich nicht vollkommen demoralisieren.
"ich muss mein gehirn heute mit wodka spülen", sagt v. dann.
"guter plan. ich hänge auch schon den ganzen tag so durch."

dann wird es schwierig, denn v. zieht gerne früh los und lässt mir keine möglichkeit, vorzuschlafen. nach langem hin und her einigen wir uns auf 22 uhr. dafür darf ich die kneipe bestimmen. da ich lust auf gin tonic habe, schlage ich eine bar auf st. pauli vor, die die vermutlich weltgrößte gin-auswahl hat.
"das wird dann so ein elite-saufen, was", sagt v.
"du sollst dich ja nicht nur wegkippen, sondern auch genießen. wenn schon abstürzen, dann mit stil."
"du meinst, wir sind zu alt für flatrate-saufen?"
"genau."

als ich das haus verlasse und richtung kiez fahre, ist es saukalt und nieselfieselig, sodass ich das rad an der u-bahn abstelle und beschließe, den komfortableren weg zu wählen. in der bahn fällt mir auf, dass ich vergessen habe, eine fahrkarte zu lösen. promt stehen an der station st. pauli auch fünf kontrolettis. ich passe einen günstigen moment ab, flitze dann die hintere treppe hoch, verschwinde im gewühle des dom, drehe eine schleife und komme schließlich wieder richtung reeperbahn raus.

natürlich bin ich zu spät. als ich die bar betrete, ist v. schon da.
"sorry, fahrkartenkontrolle", schnaufe ich und umärmle v. "musste flüchten."
"bist du schon wieder abgebrannt", will v. schmunzeld wissen.
"nee, habs einfach vergessen, ein ticket zu lösen", sage ich.
"dann hast du aber glück gehabt. das sind inzwischen ja ganz scharfe hunde."
"warum ist das auch so kalt?! sonst wäre ich ja mit dem rad gekommen."

in der bar bekommen wir den letzten sitzplatz und die freundlichste bedienung.
"ist nett hier", findet v.
"ja, ne?"
mein gin tonic kommt.
"wasn das für ein tonic?"
"thomas henry."
"nie gehört"
"probier mal, ist viel besser als schweppes."
v. nippt und ist dann ganz angetan:
"nicht so... kratzig."
"jupp.
"ich glaub, ich nehm auch so einen."

dann muss v. erstmal die unglückliche lovestory loswerden.
"es ist ja eigentlich nichts passiert, wir haben uns nicht gestritten oder so... aber sie meldet sich einfach nicht mehr. genau wie beim letzten mal."
"und was machst du jetzt?"
"ich warte mal ab."
"nicht dein ernst, oder?! vergiss die alte!"
"aber sie hat ja nicht schluss gemacht."
"also mal ehrlich... ich bin ja auch ne frau... wenn ich eine lovestory am laufen hatte und dann den kontakt abbreche, heißt das normalerweise nicht, bitte warte auf mich. sondern eher bitte verpiss dich."
"du machst dann gar nicht richtig schluss?"
"also wenn da eh nur ein laues, tendenziell abebbendes lüftchen wehte und nicht der sturm der liebe, und wenn es noch gar keine richtige beziehung war, dann kann das durchaus vorkommen. vor allem, wenn ich sauer bin oder den eindruck habe, ich tue dem anderen damit nur einen gefallen."
"ihr frauen seid so seltsam."
"wir sparen nur energie für das nächste arschloch, auf das wir dann reinfallen. und dann sitzen wir hier wie du und heulen, weil das arschloch nicht anruft."
jetzt muss v. doch lachen.

"apropos arschloch, was macht eigentlich dein ex-lover?" will v. dann wissen.
"das objekt? keine ahnung. ich hab es seit monaten nicht gesehen. ich könnte dir nicht mal sagen, ob es überhaupt noch in dieser stadt wohnt."
"und wie gehts dir damit?"
"wechselhaft. der schlimmste hass hat sich jetzt gelegt. manchmal denk ich nicht mehr dran, manchmal hab ich wieder sehnsucht."
"das dauert noch."
"vermutlich."

nach zwei drinks fragt v.:
"sollen wir noch einen nehmen oder woanders hingehen?"
"wir könnten noch rüber in die große freiheit. ein bisschen tanzen. weil sonst schlaf ich glaub ich gleich ein."
"ich muss gestehen, ich merk den alkohol auch voll! die tun ganz schön viel gin in den tonic, kann das sein?"
"du wirst doch nicht schwächeln? seit wann reichen dir zwei drinks, um das gehirn durchzuspülen?"
"ich wundere mich auch, sonst kann ich eine halbe flasche wodka über den abend verteilt eigentlich gut ab..."
"dann komm. lass uns zahlen. 10 minuten spazierengehen wird uns gut tun."

gegen eins kommen wir in einem club an, wo eine 80er- und indieparty auf dem programm steht. schon an der tür treffen wir leute aus dem alten club.
"das sieht ja vielversprechend aus", findet v. "lass uns da mal rein."
drinnen stürmen wir sofort die tanzfläche, denn der dj spielt "she lost control" von joy division und dann noch ein paar klassiker. anne clark, interpol, the normal. ich tanze in mich gekehrt, linse nur ab und an mal zu v. rüber, der mir zulächelt und nickt: gute wahl.

als ich an der bar stehe um nachzutanken, spricht mich ein typ an. er ist einen halben kopf kleiner als ich und besteht darauf, mir einen drink auszugeben. da die getränke in dem laden übelst teuer sind, sage ich nicht nein, sondern mache gute miene zum bösen spiel und lasse mir eine weile ein ohr abkauen. der typ ist auch selbstständig, stellt sich raus. als er erfährt, dass ich marketing kann, will er dies und jenes wissen und kann sich eine zusammenarbeit vorstellen. ich bin misstrauisch, der typ lacht künstlich und für meinen geschmack zu viel, außerdem weiß ich inzwischen, was ich auf versprechungen von hamburgern zu geben habe, nämlich meist nichts. unverbindliches volk.

trotzdem bin ich gut drauf, fachsimpeln macht mir immer spaß. dann will er mit mir auf brüderschaft trinken. noch ein bier, na gut.
und plötzlich habe ich seine zunge in meinem mund. igitt. ich schubse ihn weg, verschwinde in der menge, renne fast v. über den haufen.
"na, du aufgescheuchtes huhn", lacht er.
"ich bin auf der flucht", sage ich mit schwerer zunge.
"schon wieder? sind hier auch fahrkartenkontrolleure?"
v. kann so witzig sein.
"nee, aber ein ekliger kleiner gnom, der versucht hat, mir seine zunge in den mund zu stecken."
"dann lass uns doch mal rausgehen, eine rauchen."

der club hat einen kleinen garten, in dem die raucher stehen.
"das ist ja voll schön hier", finde ich.
"und das beste ist: hier gibts keine wohnhäuser drum herum!" sagt v. "nicht wie im alten club, wo überall schilder waren, dass man leise sein muss wegen der anwohner."
"im sommer könnte man hier sitzen... vielleicht sogar grillen oder so. oder noch eine area aufmachen... mit ambient-mukke...", komme ich ins fantasieren. "weißte, so wie an deck von unserem schiff."
"nur ohne hafenblick", sagt v.
"ohne hafenblick... aber dafür haste nur ein paar minuten bis zum fischmarkt."
"kauf den laden doch", witzelt v.
"nee", sage ich. "ich glaube, sowas ist anstrengend. sowas würde ich machen, wenn ich sonst ausgesorgt hätte und nicht zum geldverdienen da drauf angewiesen wäre."

nach wenigen minuten schlottern wir in der kälte.
"heute nacht sollen es minus zwei grad werden", sagt v.
"hammwa glaube ich schon."
"wenigstens bin ich jetzt wieder wach."
"ich auch, aber ich bin auch ein bisschen besoffen. der typ wollte mich richtiggehend abfüllen, hab ich den eindruck."
"der war doch gar nicht deine liga."
"ich gebe ja die hoffnung nicht auf, dass man sich einfach auch mal freundlich mit leuten unterhalten kann, ohne dass sie einem gleich an die titten grabschen."
"hat er das gemacht?"
"nee. sonst hätte er jetzt keine schneidezähne mehr", kichere ich.

wir tanzen noch eine runde.
am rand der tanzfläche steht ein typ lässig gegen die wand gelehnt, der mir eigentlich gefällt. ein daddy-typ. allerdings ähnelt er ein wenig dem mann mit hund, und immer, wenn ich an diesen denke, habe ich wieder den gestank seiner versifften wohnung in der nase. daher beschließe ich, unauffällig zu bleiben, um eine weitere bekanntschaft mit einem potenziellen messi zu vermeiden.
doch wie so oft scheinen die männer meine gedanken lesen zu können. irgendwann löst sich der mann von der wand und beginnt, neben mir zu tanzen und mich anzustarren.
mir wird das zu viel. ich gehe zu v. und frage:
"wollen wir gehen?"
v. nickt:
"können wir machen, ich bin ziemlich müde."
"prima. dann hole ich meine jacke."

als ich an der garderobe anstehe, schleicht sich der mann von der wand an mich heran.
"hallo."
"hallo", sage ich abweisend.
"ich... ich wollte dir nur sagen..."
ich schaue erwartungsvoll.
"du bist... wie gemalt. wie die mona lisa."
"danke", sage ich knapp und kalt, während die panik meine kehle hochsteigt und sie langsam abschnürt. dann kommt gottseidank v. und nimmt mir seine jacke aus der hand. der mann guckt verdutzt und verkrümelt sich.

"wer war das denn?"
"irgendn typ. hat mich total an den mann mit hund erinnert."
"hat er dich doof angemacht?"
"nein, gar nicht. ich hatte nur gerade voll das gestanks-flashback. hat sich ein bisschen angefühlt wie eine panikattacke."
v. lacht.
"das ist ja ein echtes trauma!"
"scheint mich jedenfalls nachträglich mitgenommen zu haben. aber es war auch echt richtig richtig eklig in dieser wohnung..."
v. lacht immer noch.
"komm. bus oder bahn?"
"bus", beschließe ich.

v. bringt mich noch zur haltestelle und verabschiedet mich. dann tuckere ich durch die nacht, auf einer sehr bekannten strecke, denn an einer bestimmten kreuzung wohnt das objekt. als der bus dort hält, bin ich vollkommen geflasht und habe das spontane bedürfnis, auszusteigen und zu klingeln oder, falls das objekt nicht öffnet, vor seiner wohnung zu kampieren, aller gespielinnen und potenziellen neuen loverinnen zum trotz.

'das ist nur, weil du was getrunken hast', flüstert mir dann mein altkluges alter ego, das in einigen wenigen momenten sehr in ordnung ist. 'mach dich jetzt bloß nicht vollkommen lächerlich.' also bleibe ich ruhig sitzen, während mein herz zu implodieren scheint und mir sehr schwindelig wird. ich atme und atme und irgendwann lässt die furchtbare sehnsucht ein wenig nach. dann bin ich zuhause und das alter ego befehligt mich subito ins bett, bevor ich noch auf blöde gedanken komme und dem objekt eine sms schreibe.

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Freitag, 13. März 2015
wir sind immer noch optimisten
mein kumpel beginnt seien dritten job neben dem job.
"was kompensierste eigentlich damit?" will ich wissen.
"das sagt die richtige!"
"bei mir ist das notwendig! du gibst ja nicht mal die kohle aus, die du verdienst."
der kumpel schaut in sein glas, in dem mal gin tonic war und jetzt nur noch eis, das langsam schmilzt, und sagt erstmal nix.
"hand aufs herz, wann hattest du das letzte mal sex?" frage ich frech.
"ich will doch nicht einfach nur sex!"
"das wollen wir doch alle. aber sex ist das verkaufsargument."
"vielleicht bei euch frauen. oder bei dir."
"nö. ich kenn durchaus auch männer, die mir, bevor sie ein wort über ihr alter oder ihre schulbildung verlieren, die maße ihres penis schicken."
"gott!"
"der hat damit glaub ich weniger was zu tun."

zwei drinks später hat sich die atmosphäre reichlich gelockert.
"wie würdessssn du auf spontane gessichts...besamung reagiern?"
ich kichere gläsern:
"dafüa müssdnwa abba aufs klo gehn!"
"naaaaaaiiiiin... abban freun von mia hat das neulich ma gemach. mitne frau, die er erssss grad kenn...gelern hat."
"unn? wassatse gesach?"
"nix. nua... ersch... erschroggn geguggt."
ich kann mich vor lachen kaum halten.
"unn... dein freun? hatta wenichsstens n hanntuch gehol?"
"weißichdochnich!"
"ich denk, du waaaas... dabei?"
"ne! ich vögel doch nich mit meim freun!"
"abba der scheinjan paa... connections mehr su habn alssss du!" kichere ich.
der kumpel schaut mich ernst an:
"warummm rennwia einglich imma üba sex?"
"manni... manifffessstiates wunsch... denkn."
"jezz tu ma nichso....aufffgeklärt!"
"ab!"
"hä?"
"ab... geklärt, meinsu."

der kellner, der offenbar angst hat, dass sich unser manifestiertes wunschdenken gleich ganz abgeklärt am tresen realisiert, schiebt uns ein wasser rüber.
"machsuuu... mir ma nochn büschen musik, du?" frage ich ihn.
macht er. ein hübsches liebeslied auf zarten elektronischen beats.
mein kumpel guckt horny.
"du guggs hoooorny!" sage ich.
mein kumpel guckt immer noch so.
"nä!" sage ich. "ich musss jezzz.. nachhause."
"du kanns doch.... nimma raadfahn."
"kannich... wohl!"
"kannsu nich!"
"wohl!"
"nich!"

ich stehe auf. wackelig. der raum dreht sich, und ich hoffe, dass ich die toilettentür noch treffe. als ich vom pinkeln wiederkomme, stelle ich fest, dass ich meine handschuhe verloren habe.
"facking bull.... schitt!"
"du kannsau bei mia auffer... couch penn!"
"nääää... ers... wenndu wieda nüchtan biss!"

dann stehen wir draußen auf der straße. die kalte nachtluft trifft mich wie ein schwere wand und ich brauche mehrere minuten, bis ich mich erinnern kann, wie mein fahrradschloss funkioniert.
"erfriermirmanich", sag mein kumpel zum abschied.
"imma... opimisstisch bleim!" sage ich mehr zu mir als zu ihm.
"sinnwa doch."
"nadenn."

ich brauche fast eine stunde nachhause. als ich endlich im bett liege, überlege ich, ob mein kumpel ernsthaftes interesse hat oder ob er einfach nur ein bisschen ausgehungert ist. und unter welcher voraussetzung ich wie reagieren würde. von bukkake und so mal ganz abgesehen. doch bevor der weisheit letzter schluss mich ereilt, fallen mir die augen zu.

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Montag, 9. März 2015
monday, monday
kliniktermin, der x.te. laberrhabarber, dann bekomme ich ein neues rezept, blutwerte sind auf den ersten blick auch okay, alles normal.

draußen steige ich schnell auf mein rad, nix wie weg, damit ich dem objekt nicht begegne. da merke ich: der reifen ist platt. also laufe ich zum nächsten mir bekannten fahrradladen.
"du liebe güte, was haben sie denn gemacht", ist der fahrradfuzzi schockiert.
"warum denn?"
"das wird ihnen jetzt nicht gefallen... aber da ist nicht nur der reifen, der gemacht werden mus... ihre bremsen sind verschlissen und die kette ist kurz vorm abreißen."
"ich fahre mit dem rad nur in die arbeit, ich mache keine tour de france damit."
"wie viel fahren sie denn pro woche?"
ich muss nachrechnen.
"so 120 kilometer? wenn ich abends unterwegs bin, vielleicht noch ein bisschen mehr."
"das ist nicht wenig. das sind weit über 5.000 kilometer pro jahr. das macht keine kette länger als ein jahr mit."

als ich wieder rauskomme, habe ich einen kostenvoranschlag über 200 euro in meiner tasche. und keinen plan, wie ich so viel kohle wieder zusammenkratzen soll, weil in einer woche auch noch die einkommenssteuervorauszahlung ansteht.

juhu.

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