Sonntag, 17. Februar 2008
diagnose zeit
"nur psychoprobleme", seufzt der cabman immer, "haben die leute eigentlich noch was anderes zu erzählen?"
"das kommt daher, weil immer weniger leute DINGE tun", mutmaße ich. "früher waren 90 prozent der bevölkerung von sonnenaufgang bis sonnenuntergang damit beschäftigt zu arbeiten, um nicht zu verhungern. heute geht man eine stunde window-shopping und nachher zu mc donalds. die restliche zeit haben die meisten zur freien verfügung für die fusseln im nabel. da puhlt man dann an sich rum und findet hier eine depression, dort eine essstörung und drüben ein neuröschen. und liebeskummer kriegt immer gleich diesen suizidalen anstrich in kreischend rot."
"ich glaube, wenn alle ausreichend sex hätten, gäbe es auch keine kriege."
"du hast nie zeit und deshalb auch keine probleme. und manchmal bist du sogar zu gestresst für sex. fühlst du dich da ausgeglichen?"
"ein bisschen aggressivität ist wichtig für das nächste meeting."
"ist auch bei sportlern so. wohldosierter sex führt zum erfolg."
"und sex macht schön."
"du bist jedenfalls mein lieblings-workout."

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Samstag, 16. Februar 2008
biss haben
...andere. solche. selbst auf dem klo. da besonders.


mehr klowandsprüche bitte! und weniger blogs!

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Donnerstag, 14. Februar 2008
rebellen mit herz
zwischen alten häusern voller graffiti "nazis raus" und "nieder mit dem kapital", an einer wand, die zur "milchbar" gehört - einer ehemaligen eisdiele, deren überreste sich direkt neben dem rochusfriedhof befinden, wo ich nach der beerdigung meines opas einmal vanille und einmal pistazie bekam - findet sich folgende linkskommunistische kunst:


was wäre jeglicher kampf ohne liebe?
was wäre jegliche liebe ohne kampf?

wenn ich mit menschen- und mit engelszungen redete und hätte die liebe nicht, so wäre ich ein tönendes erz oder eine klingende schelle. und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle geheimnisse und alle erkenntnis und hätte allen glauben, sodass ich berge versetzen könnte, und hätte die liebe nicht, so wäre ich nichts. und wenn ich alle meine habe den armen gäbe und ließe meinen leib verbrennen und hätte die liebe nicht, so wäre mir´s nicht nütze. 1. kor 13,1-3

wertschätzen, den oder die man hat. oder mit wachem blick durch die welt gehen und sich finden lassen, immer wieder von neuem. was auch immer, solange das herz dabei ist.
macht´s gut. ich eile nach düsseldorf. dem kater entgegen.

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Sonntag, 10. Februar 2008
wie man sich bettet
"wie kann man nur ein 90 zentimeter breites bett haben?"
"wieso nicht? mir reicht das. und ich bin überzeugte einzelschläferin."
"was machst du denn, wenn du einmal einen übernachtungsgast hast?"
"das kommt drauf an."
"wie jetzt?"
"naja, ich habe dieses bett schon mal geteilt. mit freundinnen zum beipiel. einmal sogar für drei nächte, das war warm und eng, aber es ging."
"mit freundinnen, soso. habt ihr euch dann auch gegenseitig die spalten geleckt und euch eure kleinen mädchenfinger reingesteckt?"
"du wirst es vielleicht nicht glauben, aber nein."
"und männer?"
"die schicke ich nach hause."
"hast du angst vor dicken schwänzen?"
"nee, aber ich habe angst vor dicken schnarchern."
"und was machst du, wenn ein mann explizit die nacht mit dir verbringen will?"
"das heißt ja nicht, dass wir dann nachts schlafen. also schlafen vielleicht schon, aber miteinander, damit folglich eher über- und nicht nebeneinander."
"das funktioniert aber nicht, wenn man eine beziehung hat."
"wer sagt denn, dass ich eine beziehung habe?"
"nicht??"
"ich bin überzeugte einzelgängerin."
"..."
"ja, mein freund, wie man sich bettet, so liebt man."

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leideslied
das große leiden haust in den tausend nichtssagenden leidern. botho strauß, in "paare, passanten"

der strauß macht mich schon wieder wahnsinnig mit seiner selbstverliebten emoscheiße. das erinnert mich so an mich, wie ich bin und wie ich mich mit mir selbst so furchtbar langweile. dieser satz relativiert die passage aber etwas in die richtung, die erträglicher ist, etwas weniger rosamunde pilcher für intellektuelle: das einzige, was wehtut, ist die tatsache, dass sich soviele einbilden, ihre unbedeutenden kleinen drecksgefühle seien irgendwelcher worte wert.

botho strauß sollte man aber dann vielleicht doch lesen. nur um sich so ein wenig vor sich selbst und den handgemachten platitüden zu ekeln.

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Donnerstag, 7. Februar 2008
schau mich an
sie steht vor dem spiegel im aufzug und zupft an den haaren. "gott, ich sehe aus..." ich schaue jetzt auch in den spiegel, sehe mein verlaufenes make-up und die prämenstruellen wasseransammlungen an den oberschenkeln. "na ich erst", murmle ich und mich schaudert.
"du, wieso du?!" sagt sie da, "du siehst doch gut aus."
"ich sehe aus wie eine leiche. und seit dem sommer werde ich fett. aber du, was hast du denn? wunderhübsch!"
"quatsch, du siehst aus wie immer. aber ich..."
"na dann sei mal froh, dass du mich nicht nackt kennst. ich bin sicher, ich wirke total antisexuell. ich weiß gar nicht mehr, was ich anziehen soll."
"du kannst anziehen, was du willst, und es ist auch egal, ob du make-up trägst, du bist immer so elegant! verstehst du, also ich meine nicht spießig, sondern wie du dich auch bewegst und so."
mir wird warm ums herz. "danke. dabei fühle ich mich immer so furchtbar teenager-plump und farblos. ich wäre auch gerne mal schrill und cool, so wie du."
"seh ich cool aus?!"
"klar. allein die schuhe heute mal wieder."
sie kichert geschmeichelt. "trotzdem möchte manchmal... zurückhaltender wirken."
"das kannst du gar nicht. dafür hast du zuviel geschmack."
sie grinst selig und fragt dann keck: "gehen wir noch zu mc doof? mir ist so nach fettig und salzig..."
"ich hoffe, nicht wegen mir."
"du doof sein." sie schubst mich und lacht.
wir machen uns auf den weg. sie sagt: "weißt du, was der m. mal über die s. gesagt hat? sie sei wie ne suppe ohne salz."
"tolles kompliment."
"was der wohl über mich sagen würde?"
"du bist das salz ohne suppe."
wir müssen schrecklich laut lachen.
"weißt du, was der für unterhosen trägt?" fragt sie da.
"nee. woher denn? ich nehme ja nicht alles mit aufs klo, was da besoffen rumläuft, so wie gewisse andere junge damen..." ich kichere anzüglich.
"feinripp-retro-unterhosen. ganz aus baumwolle. in babyblau. aber die müssen schon älter sein, die sitzen auch nicht richtig."
"na du musst es ja wissen. was sagt dein freund dazu?"
"gar nix. der trägt so komische glänzende unterhosen, in so einem grün, das... so einen senfgelben ton hat, weißt du, so siebzigerjahremäßig..." sie verzieht das gesicht.
"ocker?"
"nee, weniger braun."
"schlammgrün."
"ja, genau! schlammgrün, das trifft es. und deiner?"
"mein mann trägt kermit-grün. wahlweise knallrot. farben, die den blick fixieren."
"und wirkt das?"
"ich gucke gern. das ist wie mit der reichstagsverhüllung von christo. man starrt automatisch drauf. obwohl ich seinen reichstag so ganz in natura ja noch viel reizender finde."
endlich tauchen die magischen schriftzüge der kulinarischen glückseligkeit vor uns auf. wir decken uns bei einem indisch aussehenden menschen mit mehreren millionen kalorien ein und denken noch genüsslich kauend ein wenig an die allerwertesten unserer allerliebsten.

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Montag, 4. Februar 2008
politisch korrekt
bericht über einen wohnungsbrand: "... die meisten bewohner sind türken, die bemerken das feuer zu spät."

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Mittwoch, 30. Januar 2008
sparkassen-paranoia
"wollen sie mit karte bezahlen?" fragt die dicke kassiererin im supermarkt die kundin, die mir schon vorher aufgefallen war, wie sie - als dame fortgeschrittenen alters - ihren wasserstoffblonden dauerwellenkopf mit dem pink und blau bemalten gesicht vor sich hinbrabbelnd durch die gänge schob.
"nein, nein", krächzt die kundin mit ihrer rothändle-gorbatschow-stimme, "ich zahle immer bar, das würde ja sonst soviel extra kosten."
ein unausgesprochenes 'hä?' legt sich auf die lippen aller umstehenden kunden und angestellten. die kassiererin verdreht die augen.
"wieso? sie zahlen doch nicht mehr, wenn sie mit karte zahlen. IHNEN kostet das ÜBERHAUPT nichts. WIR zahlen da drauf, wenn wir diesen service zur verfügung stellen."
"jaja, das sagen SIE jetzt", meckert die kundin und schüttelt den weißblonden pudelkopf, "und nachher buchen mir die von der sparkasse wieder einfach was ab!"
die ersten anwesenden können sich ein grinsen nicht verkneifen. die alte ereifert sich jetzt erst richtig:
"das machen die einfach, das haben sie wohl noch gar nicht gemerkt. wenn ich jetzt mit karte zahle, wie soll ich das denn kontrollieren?!"
"mit ihrem kontoauszug?" wagt die kassiererin freundlich einzuwerfen.
"ja haben SIE eine ahnung!" die alte wird schrill, "da schreiben die doch nicht alles drauf, was die mir abbuchen! das machen die alles HEIMLICH!"
die kundin schmeißt ihre sachen hektisch in die mitgebrachte keine-extrakosten-tasche, blickt sich noch zweimal misstrauisch um und stapft hinaus.

ich glaube, wenn ich das nächste mal mit meinem sparkassenberater zu tun habe, muss ich ihm diese kleine anektdote erzählen. unbedingt.

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Sonntag, 27. Januar 2008
forever young
neulich eine kurzgeschichte gelesen, den autornamen schon wieder vergessen, weil dröge geschrieben und voller rechtschreibfehler, außerdem war´s ein no-name-produkt für eine renommierte hotelkette, das neben jedem derer betten als einschlafhilfe liegt, goldrichtig würde ich sagen, wirksamkeit bei hundert prozent. der hintergrund der abgedroschenen lovestory jedoch blieb mir noch eine weile im kopf: die handlung spielte in die zukunft, in der alle menschen ihre organe und auch sowas wie haut und haare durch austausch erneuern lassen können, sogar das gehirn inklusive der erinnerungen.
wenn man die sache mit dem gehirn mal vorsichtig weglässt, beschreibt die geschichte damit den zustand unserer gesellschaft, wie wir ihn sicherlich in ein paar jahren oder jahrzehnten erreicht haben werden. kürzlich wurde in den usa ein mensch geklont - mit hilfe von genen aus hautzellen, die in eine eizelle geschleust wurden. das kann man nun gruselig finden oder nicht, sobald die menschlichen produkte auf dem schwarzmarkt zu kriegen sind, wird niemand mehr sterben wollen, der es sich leisten kann. moralist ist man bekanntlich nur solange, bis man sich der eigenen sterblichkeit bewusst wird.
darum geht´s jetzt eigentlich gar nicht, aber ihr dürft mich trotzdem gerne wieder "nazi" nennen.

forever young ist das konzept hinter dem wohlbekannten gesundheits- und fitnesswahn, vielleicht auch hinter religionen, in denen es wiedergeburt gibt. unbedeutend, faltig und inkontinent abnibbeln und dann finis, das ist ja keine nette vorstellung, deshalb bemüht man sich um ein stück unsterblichkeit. aber bis zum tod warten heute die wenigsten damit.
die gängiste methode ist das versetzen von lebenszeit. man ist vielleicht 42, lebt aber noch wie 21. dabei macht es nichts, wenn man auch schon alt aussieht. man kann sich immer noch in jugendliche klamotten zwängen, in der disco peinlich auf der tanzfläche herumhopsen und die kommunikation mit 18jährigen suchen. der trend geht wieder richtung "junge mädchen - ältere herren", weil jungs sofort nach einsetzen des bartwuchses mit dem alterversetzen beginnen, so erstmal eine weile beim lifestyle von 13jährigen stehenbleiben und deshalb für gleichaltrige mädchen oft uninteressant wirken. frauen drehen erst ab etwa 25 jahren die zeit zurück, weil sie in der "brigitte" gelesen haben, dass frauen mitte zwanzig im besten paarungsalter sind.
krankheit dieses zeitalters ist: das zögern. mit 35 fühlt man sich noch nicht reif für eine ernsthafte beziehung, vor 45 denkt man auch lieber nicht an familienplanung. riesterrente steht ebenfalls auf der outliste, die tendenz geht dahin, für das alter lieber gar nicht mehr vorzusorgen, denn: man wird schließlich jung bleiben!
nägeln mit köpfen machen? langweilig. probleme, ja, davon haben wir sowieso genug, denn die sozialen problemlösungsmechanismen sind irgendwo in der pubertät steckengeblieben. so bleibt zum beispiel das aussprechen von emotionen bis zur lebensmitte ein ernsthaftes dilemma. trotzdem will man niemals alleine sein, also lügt man sich selber auch schon einmal emotionen vor, um sich jemanden in der hinterhand warmzuhalten. jaja, ich will dich doch, hauptsache, du willst mich. möchte man umgekehrt einen geliebten lebensabschnittspartner bei sich halten, greift man zum klassiker eifersucht, weil abgeschmackt und durchschaubar geht immer.
die illusion ist dein freund, und ist der mal klamm, helfen wir mit alkohol nach.
der erhoffte babyboom bleibt so natürlich aus, auch wenn eva herman oder ursula von der leyen sich alle mühe geben und wir inzwischen sogar per fernsehwerbung mit glücklich grinsenden du-bist-deutschland-babys zur fruchtbarkeit hinmanipuliert werden. was niemand mehr geben kann und was niemand mehr empfängt, weil alle sozialen bindungen sich bis zur bedeutungslosigkeit relativieren, ist das gefühl, jemand zu sein. von bedeutung, und zwar für den anderen, egal in welcher dimension. das kann nur der partner oder die eigene familie und in sehr seltenen fällen vielleicht der arbeitgeber.
also bleiben wir alle am leben, bleiben lieber für immer unbedeutend jung, als wär´s ein gut, ein gut, das niemandem wirklich gut tut.

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Donnerstag, 24. Januar 2008
karlsruhe
das klingt wie die urne von karl dem großen. die in karlruhe (karlsruhende?) lebenden haben keine u-bahn und eine uni, die hat so etwa puppenküchengröße, wie es auf der homepage scheint.
in karlsruhe waren wir noch nie, aber vielleicht sollten wir da hinziehen.

was meinen die geneigten leser dazu? kann man da wohnen? so als großstadtfetischisten?

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