Samstag, 24. Januar 2015
droge konsum
dass ich konsumwut und kapitalismus anprangere, scheint für viele hier das produkt von sozialneid zu sein: die dämliche alte lebt vom schreiben bzw. einem mies bezahlten bürojob und kann demnach froh sein, wenn sie überhaupt die miete jeden monat zusammenkriegt. natürlich ist so eine dumme kuh eifersüchtig auf alle, die sich kaufen können, was ihr herz begehrt.

dass konsum allerdings tatsächlich das belohnungszentrum im gehirn aktiviert und damit genauso wirkt wie drogen, alkohol, essen oder sonstige als suchtmittel bekannte substanzen, bestätigt jetzt auch die wissenschaftliche seite.

dieser kluge artikel erwähnt übrigens auch, dass konsumieren lediglich das kaschieren tiefer gehender bedürfnisse ist. damit bekommt der materialismus wie von mir bereits vermutet die bedeutung einer - leider allzu dürftigen - religion.

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Sonntag, 18. Januar 2015
islam und westlicher götzendienst
wir haben uns erfolgreich vom kirchlich-christlichen gott emanzipiert. der alte mann mit dem rauschebart, der für nächstenliebe und verzicht steht, ist out. das abnabeln von diesem etwas strengen und altbackenen gott bedeutet jedoch noch lange ist, dass wir auf unseren glauben verzichten können. denn ohne einen glauben sind die meisten menschen hilflos und nicht lebensfähig.

how come?

beim modernen glauben handelt es sich nicht um das anbeten einer gestalt, die für althergebrachte werte und eine etwas seltsame weltanschauung steht. angebetet werden stattdessen die götzen des kapitalismus.
anstatt in die kirche zu gehen, rennen die menschen samstags in die kaufhäuser und bedecken ihre schmächtigen, hässlichen seelen mit konsumgütern. wer früher durch tugendhaftigkeit und reinheit punkten konnte, muss heute mit markenklamotten und teuren autos protzen. anstatt dienste an armen und kranken zu tun, schuften die menschen im job bis zur selbstaufgabe, um ihre existenz durch das anheben des kontostands rechtfertigen zu können. wenn sie orientierung und erbauung suchen, hören sie sich an, was dieter bohlen, helene fischer und andere hohlbratzen von sich geben. und statt beim abendmahl oblaten zu mümmeln, gehen die leute zum plastischen chirurgen und lassen sich die falten wegspritzen und die nasen plätten, damit sie in die götzengemeinde der ewig jungen, schönen, reichen und leistungsbereiten passen und - um götzenwillen - bloß nicht irgendwie auffallen.

die menschen im westlichen kapitalismus leben damit in einer welt, die heute mehr denn je von angst und aberglauben regiert wird und lichtjahre von freiheit, aufgeklärtheit und gemeinsinn entfernt ist. obwohl jeder damit prahlt, keinen gott zu brauchen, sind alle versklavt und verkauft, ohne es zu merken.

in diesem kontext über eine religion wie den islam richten zu wollen, ist obszön. man kann dem islam ankreiden, dass er sich mangels exegese einer immanenten kritik verschließt. aber genau das tut auch die westliche welt, die sich den götzen des kapitalismus unterjocht.

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Donnerstag, 25. Dezember 2014
christmas-camp
ich tröste mich damit, dass in weniger als 48 der ganze scheinheilige zinnober wieder vorbei ist.
die verwandtschaft labt sich derweil an kalorienbomben und einem fernsehprogramm, das als verstoß gegen das betäubungsmittelgesetz durchgehen dürfte. ich versuche, stark zu bleiben und meine gehirnzellen durch lesen des feuilletons der schwarzbraunen tageszeitung am leben zu erhalten.

ich wünsch ihnen was. und immer dran denken: bald flachen konsumwut und verlogenheit für 363 tage wieder auf einen etwas erträglicheren pegel ab.

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Samstag, 20. Dezember 2014
wie mich vor eurer liebe gruselt
ich komme aus einer sogenannten intakten familie. das heißt, mami und papi leben einträchtig nebeneinander her und streiten sich so begrenzt, dass keiner von beiden jemals ernsthaft das verlangen nach einer scheidung verspürte. für mich war es daher selbstverständlich, später ebenfalls einmal teil eines paares zu werden. denn nur so hat das leben einen sinn, nur so erreicht man vollkommenheit. dachte ich.

bullshit.
den kopf kann man, vor allem in zeiten von proklamiertem liebesscheiß und hollywoodrosarotem konsum- und medienkitsch, eine gewisse zeitlang recht erfolgreich benebeln. ein bestimmtes gefühl in mir war jedoch immer dagegen. wenn ich dieses gefühl beschreiben sollte, träfe es wohl "grusel" am besten. ich erinnere mich an meine letzte lange beziehung und wie ich dem mann gerne morgens noch ein brot schmierte, bevor er zur arbeit aufbrach. ich tat, was mir meine mutter in der beziehung zu meinem vater vorgelebt hatte und ja, da war ein gefühl von nützlichkeit und dem-anderen-gefallen dabei, zumal die aktion durch meinen damaligen lebensabschnittsgefährten positiv bewertet wurde. aber ich erinnere mich sehr wohl, wie jedesmal eine stimme in mir sagte: "WAS ZUM TEUFEL MACHST DU DA EIGENTLICH? FUCKING HELL, IST DAS DEIN ERNST?"

handelte es sich um "liebe" oder wie man den gefühlswühltisch im hirn bezeichnen mag? es handelte sich auf alle fälle um gesellschaftliche konditionierung und die sehnsucht nach einem bestätigenden reiz, der für eine erfolgreiche rückkoppelung des gelernten sorgte. das traf, im nachhinein ganz kühl und nüchtern betrachtet, auf recht viele momente dieser und anderer beziehungen zu.

(ich habe nie wieder einem mann ein wurstbrot geschmiert, schon aus prinzip.)

die große "romantische liebe" in bislang ungekannter form überfraute mich beim objekt. die chemie setzte jahrelang erfolgreich mein denken außer kraft, oder zumindest entmachtete sie es bis zu dem punkt, an dem wollust und emotionen jedesmal siegen konnten. handelte es sich vielleicht hier um "liebe"? es handelte sich auf jeden fall um die rauschhaften folgen großer ausschüttungen von oxytocin und prolaktin. vermutlich hätte ich mir auch heroin spritzen können - mit denselben effekten von totaler hingabe und bitterer (sehn)sucht. dazu kam, dass ich mit dem objekt einen höchst cleveren verführer gewählt hatte, der wie auf knopfdruck empathie ein- und ausschalten und mich auf diese weise zwischen dem gefühl vollkommenen angenommenseins und kalter ablehnung hin- und herwerfen konnte. ich halte es sogar für wahrscheinlich, dass mein im rahmen der wechselhaften objektbeziehung stark schwankender hirnchemie-spiegel meine depression phasenweise enorm verstärkt und selbstzerstörendes verhalten getriggert hat.

abgekoppelt vom effekt des rausches überlege ich derzeit, was ich von "liebe" zu halten und zu erwarten habe. warum sollte ich mir einen partner suchen? weil ich alleine keine dübel in die wand bekomme? weil mit zwei einkommen das leben leichter zu bestreiten ist? weil ich angst davor habe, allein zu sterben?

ich bin alleine. es geht mir den umständen entsprechend gut. ich habe kein bedürfnis, neben jemandem einzuschlafen und aufzuwachen. mit jemanden hand in hand auf der straße zu gehen. den alltag zu teilen. es ist schön, so ab und an, immer mal wieder, so für ein paar wochen. aber dann ist es langweilig und beengened. es raubt mir die zeit, die ich lieber mit mir selbst verbringe. der sex, der schwanz ist immer dasselbe, und ich werde kribbelig und umtriebig.

der mann mit hund hat inzwischen auch verstanden, dass wir nicht heiraten werden. die begegnungen sind kühl, die anrufe bleiben aus. ich bin erleichtert, obwohl ich noch nicht das finale good-bye ausgesprochen habe. vielleicht ist es auch gar nicht mehr nötig.

ein weniger persönliches, aber doch sehr kluges licht auf das thema "liebe als (überbewertete) ersatzreligion" wirft übrigens markus günther hier: http://bit.ly/Zdz7Ms

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Montag, 17. November 2014
o2 can do (evil)
ich habe meinen festnetzanschluss bei o2 formerly known as alice. zum festnetzanschluss gehören eine telefonflat ins deutsche festnetz (wegen mama und papa) und eine dsl-6000-flat. der spaß kostet mich 29,90 € monatlich und ist monatlich kündbar. soweit, so gut.

vor wenigen wochen erhielt ich einen anruf von o2 - oder vielmehr einem callcenter, das von o2 beauftragt worden war, den neusten scheiß zu verkloppen. am hörer hatte ich einen fürchterlich gelangweilt und genervt klingenden jungen mann, der mir ohne luft zu holen in wenigen sekunden erklärte, dass ich ab sofort nur noch 21,90 € für meinen anschluss bezahlen müsse, wenn ich mit einer 24-monatigen vertragslaufzeit einverstanden sei.
"aber ich ziehe vielleicht bald weg", wagte ich einzuwerfen.
"sie können den anschluss doch mitnehmen", sagte der junge mann pampig.
"und wenn ich die nummer ändern will."
"das geht auch", erwiderte der callcentermensch im tonfall eines lehrers kurz vorm burnout.

"na gut", sagte ich, wenig überzeugt. "sie können mir ja mal informationen schicken, dann schau ich mir das mal an."
"ich schicke ihnen dann auch noch eine sim-karte für den mobilfunk mit, die ist kostenlos."
"brauche ich nicht, ich habe schon einen vertrag."
"aber damit können sie KOSTENLOS telefonieren und SMS schicken! und sie haben eine 1 gb flat fürs internet."
das klang interessant, hatte ich doch einen vertrag, der mich 10 euro monatlich kostet und der lediglich eine 250 mb-flat beinhaltete.
"hm" sagte ich.
"ist alles kostenlos für sie", wiederholte der junge atemlos und mechanisch wie ein roboter.
"also gut, ich fasse zusammen: meine monatlichen fixkosten für festnetz und internet reduzieren sich um acht euro auf 21,90 €, dafür akzeptiere ich eine 24-monatige vertragslaufzeit und bekomme zusätzlich eine sim-karte, mit der ich kostenlos telefonieren und smsen und 1 gb lang im netz surfen kann?"
"genau", sagte der junge mann genervt.
"das klingt ja fast zu gut um wahr zu sein. und wenn ich das dann doch nicht will?"
"sie haben die möglichkeit, die sim-karte innerhalb von zwei wochen zurückzuschicken und damit den vertrag zu widerrufen. tun sie nichts, aktiviert sich der vertrag automatisch nach zwei wochen."
"das heißt, ich habe mit diesem gespräch schon einen vertrag abgeschlossen, den ich dann nur noch widerrufen kann? ist das nicht illegal?!"
"wir machen nichts illegales", sagte der junge mann beleidigt und böse. vermutlich hätte er gern noch hinzugefügt "du dumme alte schlampe", aber dann hätte er sein ziel verfehlt.

ich überlegte. die 1 gb flat lockte mich. und wenn man den vertrag widerrufen konnte, war ja nichts schlimmes bei, fand ich.
"na gut", sagte ich überrumpelt. "dann schicken sie mal."
der junge mann leierte die vertragsbedingungen für eine gesprächsaufzeichnung herunter und verabschiedete sich dann so ruppig, wie er mich begrüßt hatte.

drei tage später kam die sim-card an. im beipackzettel stand, wenn ich diese durch eingabe des pin-codes aktivierte, würde der vertrag gültig. mir kam das komisch vor, denn warum sollte ich eine sim-card aktivieren, um einen bereits geschlossenen vertrag zu schließen? ich las mir die beiliegenden schreiben durch und versuchte herauszufinden, welchen vertrag ich nun eigentlich hatte. clever wie o2 war, stand das nirgendwo bei.

böses misstrauen befiel mich. also durchsuchte ich die homepage von o2 nach einem vertragspaket, das meinen bedingungen ähnelte. nach längerem suchen wurde ich fündig: kostenreduktion von 29,90 auf 21,90, 24 monate laufzeit - und eine für 12 monate kostenlose sim-card.

moment mal, dachte ich, bei 24 monaten laufzeit bedeutet 12 monate kostenlos doch, dass danach noch 12 kostenpflichtige monate folgen würden. ich war verwirrt und rief im schurkenstaat von o2 an.

der erste berater konnte mir meine frage, was ich denn nun eigentlich als vertrag hätte, nicht beantworten und wollte mich gerne abwürgen.
"hören sie mal, ICH WURDE VERMUTLICH VON IHREM MITARBEITER BETROGEN", wurde ich nun sauer.
"das sind irgendwelche callcenter, damit haben wir nichts zu tun", sagte der o2-mitarbeiter. "das kann schon sein, dass sie falsche informationen erhalten haben, die bekommen provisionen und tun folglich alles, um ein produkt zu verkaufen."
"das heißt, ich muss bei ihnen damit rechnen, dass ich jederzeit unter angabe falscher informationen zum kauf von nutzlosem, teuren mist überredet werde?" sagte ich stinksauer.
"äh, äh, ich verbinde sie mal weiter, ja", haspelte der mitarbeiter schnell und drückte mich weg.

mitarbeiter nummer zwei war ein freundlicher älterer herr mit bayrischem akzent.
"dann schaumermal, was wir für sie tun können", sagte er, als ich das problem schilderte.
"jaja, die callcenter... das ist so bei denen", bestätigte er mir, was ich schon von mitarbeiter nummer eins wusste.
"also, nach 12 monaten bezahlen sie für den moilfunkvertrag 26,90 €", klärte er mich weiter auf.
"na toll. das wurde mir verschwiegen!"
"das tut mir leid."
"soll ich ihnen dann die sim-card zurückschicken?" wollte ich wissen.
"ach, machen sie sich keine umstände. ich storniere ihnen das jetzt gleich online."
herrlich unkompliziert und nett.
"trotzdem muss ich noch mal sagen, das geht gar nicht, kunden so hinters licht zu führen", wiederholte ich. "ich hätte nicht übel lust, mir einen neuen telefonanbieter zu suchen. wenn ich nicht schon wüsste, dass die anderen auch nur scheiße zu gold machen, dann wäre das jetzt keine zweite überlegung wert."
der berater bedauerte dies erneut sehr und wünschte mir dann noch einen schönen abend.

ende dieses monats wird sich nun herausstellen, ob meine bemühungen zur stornierung des vertrages wirksam waren. wenn nicht, verkaufe ich meine story an die blöd-zeitung und schicke o2 einmal durch die hölle.

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Dienstag, 4. November 2014
weil ich der chef bin
ich habe einen chef, der das mit der mitarbeitermotivation total gut drauf hat: einfach aus dem leuten rauspressen, was geht. bei meinen kollegen hat er das super geschafft. die sind so eingeschüchtert, die rühren ihm sogar den kaffee um, wenn er die tasse hinhält.

heute hatte ich das arschloch am telefon und er funkte mir schon wieder in die pressearbeit. längerer diskurs, dann ausraster cheffe:
"lassen sie sich doch mal was von mir sagen, ich habe 30 jahre mehr berufserfahrung als sie!"
"aber ich habe sechs jahre mehr erfahrung in der pressearbeit", wagte ich einzuwenden. "wenn ich das so mache, hat das schon einen grund."
"sie machen das so, wie ich es sage, weil ich bin der chef!"

da fehlten mir die worte. also die widerworte. denn eigentlich hätte ich auch losbrüllen müssen: "sie können mich mal am arsch lecken, wenn das ihre argumente sind!"

nun überlege ich, ob ich ihm eine e-mail schreiben soll. zum thema mitarbeitermotivation. und ihn mal daran erinnere, dass ich eine als sekretärin bezahlte pr-beraterin bin. und ich auch dienst nach arbeitsvertrag machen kann, heißt ablage und buchhaltung. dann kann er sich wieder seine 7000-euro-pr-kraft einstellen, die er sich mit mir spart.

mein rückgrat sagt, ich muss, weil ich kein weiteren verkrümmungen und bandscheibenvorfälle mehr ertragen würde.

mein kalkül sagt, bringt nix, weil arschloch bleibt arschloch und dass ich da lieber weg sollte.

was würden sie tun? sagen sie doch mal. vielleicht haben sie ja auch schon ähnliche konkrete erfahrungen gemacht.

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Montag, 27. Oktober 2014
referrer-knaller
"große fik mit kleine frauen zverge"

ich bin groß und kann orthografie, ich bin nicht deine zielgruppe!

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Freitag, 17. Oktober 2014
stell dir vor
"das klappt bestimmt alles nicht", jammert meine tante ins telefon. sie ist 75 und zieht zum zweiten mal in ihrem leben um, zum ersten mal alleine, nachdem mein onkel im frühjahr gestorben ist.
"ich bin 33 und in meinem leben neunmal ummgezogen, achtmal davon allein", sage ich in beruhigendem singsang. "ich dachte auch immer, irgendwas geht bestimmt schief, aber es hat jedes mal geklappt."
meine tante seufzt tief ins telefon.
"ich weiß, es ist nicht einfach, im alter gewöhnt man sich nicht so schnell, deshalb gib dir zeit", fahre ich fort. "aber nur weil du es dir gerade nicht vorstellen kannst, heißt das nicht, dass es nicht sogar ganz wunderbar werden kann."

herrjeh. zwei jahre psychotherapie, man merkt es mir an. meine tante beruhigt sich und legt hörbar erleichtert auf. vermutlich könnte ich mit solchen sprüchen inzwischen geld verdienen und menschen glücklich machen.

aber es stimmt. unsere begrenzte vorstellungskraft macht dinge unmöglich, die per se nicht unmöglich sind. niemals hätte ich geglaubt, dass ich mich letztlich so leicht vom objekt trennen könnte. etwas in mir hat den u-turn geschafft. es gibt tage, an denen ich mich erschrecke, weil mir auffällt, dass ich nicht mehr dran denke. dass sein gesicht immer mehr wie ein unscharfes bild vor meinem geistigen auge verschwimmt. dass der scharfe schmerz genauso wie die wonnevolle erinnerung einfach abflacht wie eine welle.

die dinge sind im fluss. im grunde brauchen wir nichts außer der fähigkeit, uns anzupassen. die fähigkeit der anpassung korreliert eng mit der fähigkeit, sich zu gewöhnen. zugleich widerprechen sich beide skills, denn gewohnheit verhindert die aktive bewegung der anpassung.

nehmen wir mal die bahn. die bahn streikt, leute kommen nicht von a nach b. das große murren macht sich breit. dennoch: es handelt sich um ein lösbares problem. wir nehmen das auto, den flieger, finden uns zu mitfahrgelegenheiten zusammen oder buchen die fernbusse aus. gut, auf den straßen gibt es dann ein bisschen mehr stau. aber hey, wie oft hat die bahn verspätung oder sonstige probleme? kurzum: es gibt nichts, was wir vermissen müssten, da wir die fähigkeit zur anpassung haben. nur weil wir es gewohnt sind, dass ein zug von a nach b fährt, müssen wir ihn doch nicht nutzen. womit sich auch die streiks erledigt hätten.
denken sie doch mal weiter: was, wenn die bahnkunden streiken würden?

wir haben die erstaunliche fähigkeit, durch anpassung dinge und situationen und auch menschen zu ersetzen. denken sie an mitarbeiter in einem unternehmen. an den fortschritt der medizin. an patchwork-familien. evolution. alles ist letzten endes evolution.

evolution ist nur möglich, wenn wir uns etwas vorstellen können. aber vieles sprengt unser vorstellungsvermögen: aus der unliebsamen ehe auszubrechen, in eine andere stadt zu ziehen, eine revolution anzuzetteln, kurzum, unsere welt zu verändern. trotzdem muss das nicht vorstellbare nicht zum scheitern verurteilt sein, denn da sind der glaube, die fantasie, der mut und die dummheit. zusammengenommen können diese fähigkeiten die welt aus den angeln heben.

die entscheidende frage, die wir uns alle stellen sollten, lautet demnach: lebst du noch oder träumst du schon?

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Montag, 25. August 2014
let´s go criminal!
im briefkasten befindet sich ein umschlag mit post von der staatsanwaltschaft hamburg - und ich erleide den schock zum montag. jetzt ist es also soweit, schießt es mir durch den kopf, offenbar hat irgendwer mal deine kreditkarte unter die lupe genommen und deine kleinen importgeschäfte entdeckt oder deinen downloadtraffic genauer überprüft. verdammt.

ich überlege, ob ich den umschlag öffnen soll. ich könnte auch wieder "empfänger verstorben" draufschreiben wie bei der gez und das ganze zurückschicken, dann meine koffer packen und untertauchen. aber irgendwie will ich auch wissen, was man mir vorwirft. also fetze ich den umschlag auf und ziehe ein blatt papier heraus. darauf steht in fetten lettern: "diebstahl in besonders schwerem fall".

mein herzschlag setzt aus. ich habe doch gar nichts geklaut! ich bin in einen kafkaschen prozess geraten, jemand will mich für etwas drankriegen, was ich gar nicht getan habe!

dann lese ich weiter. und dann steht da "fahrrad". und mir wird klar, dass ich hier gar nicht die beschuldigte bin. sondern dass mir die bullerei lediglich mitteilt, dass das verfahren wegen meines geklauten rads eingestellt wird, weil der täter nicht ermittelt werden konnte.

uff.

dann aber ärgere ich mich. wollen die bullen mir etwa weißmachen, dass da jemals ernsthaft gesucht wurde? und das, wo fahrraddiebe in hamburg zu einem echten problem geworden sind? aber offenbar ist die koexistenz der bullerei und diebe in hamburg so friedlich wie die der bullerei und dealer in berlin. 10,3 prozent aufklärungsquote, sagt der adfc.

da fragt man sich: was treiben unsere freunde und helfer eigentlich so den lieben langen tag? die aufklärungsquote bei diebstahl allgemein liegt bei rund 20 prozent, bei einbrüchen nur bei 15 prozent. da bekommt man richtig lust, kriminell zu werden, denn das risiko erwischt zu werden ist marginal. wenn man sich da halbwegs clever anstellt, hat man ein schönes leben.

hat hier zufällig jemand ein cashflow-problem und lust auf organisierte kriminalität?

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Mittwoch, 25. Juni 2014
irre abendstimmung
wenn ich zur alster runtergehe, begegne ich manchmal meinem psychotherapeuten. er steht dann immer auf einem bein an den seeterrassen wie eine hypnotisierte ente und starrt entrückt lächelnd aufs wasser, als hätte er ordentlich einen gekifft.

und jedesmal frage ich mich, wer von uns beiden nun eigentlich nicht alle tassen im schrank hat.

überhaupt, all die irrenärzte.
das objekt erzählte mir einst von seiner stationsleitung, die, wenn sie nachtschicht hat, gerne rüber ins nebengebäude schleicht, in die fixierräume, wo sie dann fixier-sexspiele mit kollegen macht. (und fragen sie mich nun bitte nicht, woher das objekt das weiß, denn das möchte ICH nicht wissen.)

jedem das seine. aber man darf denen, die die offiziell-irre-stempel verteilen, nicht alles glauben. echt nicht.

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