Sonntag, 31. Mai 2015
sleep tight
meine schlafstörungen machen mich langsam, aber sicher nicht nur müde und irre, sondern auch krank. seit zwei wochen schleppe ich eine erkältung mit mir rum. die wird zwei tage lang besser, dann wieder schlechter. gestern abend habe ich plötzlich sogar fieber und muss der lederjacke absagen, die mich gerne mit auf swutsch genommen hätte. aber es ist auch logisch, dass sich das immunsystem nicht regenerieren kann, wenn schlaf fehlt.

der durchschnittliche mensch hat einen tiefschlaf-anteil von 15 bis 20 prozent, habe ich gelesen. je höher der tiefschlafanteil, desto weniger schlimm, wenn man nicht so lange schläft. heißt, wer den notwendigen tiefschlaf in sechs stunden schafft, muss nicht die obligatorischen acht stunden im bett verbringen. da ist jeder mensch unterschiedlich. soweit, so gut.

ich bin eine vielschläferin. lässt man mich, so schlafe ich auch ohne medikamente ab und an gerne mal 12 stunden. das ergebnis unterscheidet sich allerdings wenig von dem, wenn ich nur acht stunden schlafe. ich bin müde. immerzu.

da es inzwischen eine menge schlaf-apps auf dem markt gibt, habe ich beschlossen, so etwas nun mal auszuprobieren. das ergebnis war schockierend: mein durchschnittlicher tiefschlaf liegt bei drei bis sechs prozent pro nacht. auch mit exzessiv viel schlaf komme ich nicht auf den notwendigen anteil.

weil ich der technik nicht vertraute, habe ich mir weitere apps heruntergeladen und diese parallel benutzt. keine großen unterschiede. auch ein verändern der schlafumstände (anderes bett, anderes zimmer, mit und ohne benzos) änderte nicht viel. ein einziges mal brachte ich es auf zehn prozent tiefschlaf - nach einem abend, an dem ich tramal und alkohol zu mir genommen und dazu auch noch gekifft hatte.

viele depressive leiden an schlafstörungen. auch bei mir fing meine depression damit an. schon im winter 2011 konnte ich nicht mehr richtig schlafen. auch in dieser zeit war ich ungewöhnlich viel krank. im mai 2012 bin ich dann emotional zusammengeklappt. daher würde es mich brennend interessieren, ob gesunder schlaf depressionen positiv beeinflussen oder sogar heilen kann bzw. umgekehrt monatelanger schlafmangel zu einem serotonin-ungleichgewicht im hirn führen kann.

morgen werde ich meine psychiaterin dazu interviewen. denn warum sollte ich tabletten fressen, wenn es einfach nur mehr tiefschlaf braucht?

... link


Mittwoch, 15. April 2015
aufweichung der ärztlichen schweigepflicht
ich bin psychisch krank und stehe dazu. aber ich bin auch uneingeschränkt arbeitsfähig. ich arbeite gern, zahle braver als jeder konzernchef meine steuern und friste mein dasein in frieden, auch wenn ich horrorfilme gucke und mir manchmal vorstelle, wie ich gewisse unangenehme zeitgenossen lustvoll foltere.

diejenigen, die gerade meine steuern für polizeistaatliche geheimkonferenzen verpulvern, haben heute in lübeck über die konsequenzen aus dem germanwings-unglück diskutiert - über eine lockerung der ärztlichen schweigepflicht. natürlich nur, wenn leib und leben anderer gefährdet sind. aber wie schon sascha lobo bei spiegel online richtig feststellt*, stellt eine solche entscheidung eine gefährliche gratwanderung dar: einem polizisten beispielsweise wäre der dienst an der waffe unmöglich, ein it-experte dürfte keine software mehr für ein kraftwerk schreiben. aber es kann auch einen bäckereifachangestellten treffen, der möglicherweise aus hass auf die gesellschaft oder irgendwen anderes gift in seine brötchen mengen könnte.
kurzum, theoretisch bringt fast jeder beruf eine gefährdung anderer mit sich. das käme einem generellen berufsverbot für psychisch kranke gleich.

ähnlich spannend zu wissen wäre dann noch, wann genau die meldepflicht für psychische krankheiten beginnt. ich beispielsweise habe nicht einmal eine eindeutige diagnose. zum einen, weil die ärzte heutzutage gar nicht die zeit haben, sich wirklich mit einem patienten zu befassen. im klinikbetrieb muss alles rasch durchgeschleust werden, allein die fallpauschale zählt. zum anderen, weil psychische erkrankungen sehr vielschichtig sein können. ich kenne keinen einzigen patienten, der exakt dies oder jenes ist. wäre ich psychiaterin, könnte ich sehr leicht jemandem auch eine falsche oder teilweise falsche erkrankung attestieren. das geht besonders schnell, wenn ein patient nicht in der lage ist, sich verständlich auszudrücken - wie es manchmal bei ausländischen mitbürgern der fall ist. diese schildern bei seelischen beschwerden bisweilen nur körperliche symptome, da psychische erkrankungen nicht in jeder kultur bekannt sind.

kurzum, man kann vermutlich jedem - auch gesunden - menschen eine seelische erkrankung bescheinigen, wenn man möchte. wahrscheinlich würde das auch der ein oder andere karriere-nebenbuhler ausnutzen: cheffe, hammse schon gehört, der herr xyz hat dies und das, der sollte man zum psychiater! personalplanung nach attest. in den chefsesseln säßen dann nur noch denunzianten und psychopathen.

wenn ich mir unsere regierung mit ihrer affinität zur möglichst lückenlosen überwachung so ansehe, erkenne ich da auf jeden fall mindestens eine mittelschwere paranoia. dringend behandlungsbedürftig. und sehr, sehr gefährlich, was das wohlergehen der bevölkerung betrifft.

* zum artikel

... link


Samstag, 4. April 2015
spaß mit airberlin, II
ich flog bisher eigentlich ganz gern mit airberlin. es gibt kostenlose getränke an board und in etwa 50 prozent aller fälle geht auch alles glatt und man ist pünktlich.

was ich gestern erleben durfte, überstieg allerdings mein vorstellungsvermögen. nein, ich hatte keinen kamikaze-piloten an bord. vielmehr handelte es sich um eine grobe fehlkalkulation und grenzenlose schlamperei, die mir jetzt meinen kompletten urlaub versaut. daher sage ich: fuck airberlin, mit euch fliege ich nicht mehr, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt!

um 12 uhr sollte mein flieger richtung süden gehen. der flug war recht günstig, jedenfalls günstiger als eine bahnfahrt, vielleicht hätte mich das misstrauisch machen sollen.
however, das erste problem gab es beim quick check-in. meine buchung konnte nicht gefunden werden. also wackelte ich zum schalter, checkte dort ein und gab mein gepäck auf.
"sie haben im moment noch keinen sitzplatz", sagte die dame am check-in.
mir klappte die kinnlade nach unten. sollte ich jetzt im frachtraum mitfliegen?
"die maschine ist voll", erläuterte sie, als sie mein ungläubiges gesicht sah.
"sie meinen, die maschine ist überbucht?" zählte ich dann eins und eins zusammen.
"und was soll ich jetzt machen?"
"gehen sie zum gate zu den kollegen, die kümmern sich um alles", winkte sie mich weiter.

beunruhigt, aber noch nicht wirklich besorgt ging ich durch die sicherheitskontrolle und dann zum gate. da stand schon ein airberlin-mitarbeiter.
"hallo, es gibt ein problem, ich habe keinen sitzplatz", sagte ich.
"da sind sie nicht die einzige", murmelte der airberlin-mensch in seinen nicht vorhandenen bart.
"oh. aber ich muss da mitfliegen, meine familie wartet auf mich!" wagte ich einzuwerfen.
"soll ich ihnen etwa einen klappstuhl reinstellen?" fuhr mich der airberlin-mensch an.
"jetzt stellen sie sie gefälligst zu den anderen und warten!"

wir warteten und warteten. die meisten passagiere stiegen in die maschine, acht blieben zurück (wobei ich mich fragte, wie man eine so kleine maschine mit acht personen überbuchen kann?!). der airberlin-mensch telefonierte und schleuste schließlich noch sechs personen in den flieger. zu dem jungen mann und mir sagte er, nicht ohne häme:
"kein platz mehr für sie."
"und jetzt?" wollte ich wissen.
"buchen sie halt um."
ich bekam gänsehaut.
"kostet das was?"
"gehen sie zum service-schalter und fragen sie", sagte der airberlin-mensch genervt.
ich kochte innerlich hoch. über den würde ich mich bei airberlin beschweren, nahm ich mir vor.

am service-schalter nahm mich ein junger dunkelhäutiger typ in empfang und begann dann für mich zu telefonieren.
"sieht schlecht aus, wir haben heute nichts mehr frei."
"dann zahlen sie mir ein bahn-ticket, dann nehm ich jetzt die bahn", schlug ich kompromissbereit vor.
"das geht nicht."
der junge typ telefonierte weiter.
"wir können sie nach münchen fliegen", sagte er irgendwann.
"und was soll ich in münchen", fragte ich genervt.
"ich rufe jetzt mal bei lufthansa an", sagte der mann mit einer engelsgeduld. und siehe da, endlich ein erfolg:
"hören sie, in zehn minuten geht ein lufthansa-flug nach münchen und von dort aus können sie eine stunde später weiter nach nürnberg fliegen, wäre das was?"
"nehm ich", sagte ich erfreut.
"dann müssen sie sich jetzt beeilen. sie müssen zum lufthansa-schalter einchecken und dann schnellstmöglich zum gate. zehn minuten!"

ich rannte zum lufthansa-schalter. eine frau beäugte mich misstrauisch.
"und was ist mit ihrem gepäck?"
"äh, das weiß ich nicht, ich wurde noch nie umgebucht. was ist denn normalerweise mit dem gepäck in so einem fall?"
"wird schon schiefgehen", sagte sie vage und drückte mir zwei boardkarten in die hand.
ich schubste mich durch die sicherheitskontrolle und rannte zum gate. man wartete auf mich, wie nett.
dann fiel mir die sache mit dem gepäck wieder ein.
"wissen sie, was jetzt mit meinem gepäck passiert?" fragte ich den steward im flieger.
"ich kann das in münchen für sie nachsehen, jetzt aber nicht."

münchen, flughafen. ich suchte mein anschluss-gate und fand dort auch gleich einen mitarbeiter von lufthansa, den ich wegen des gepäcks fragen konnte.
"machen sie sich keine sorgen", sagte er. "ihr gepäck darf niemals ohne sie fliegen. das wird ganz normal in nürnberg ankommen."
"können sie nicht mal nachgucken, ob es auch wirklich in der maschine ist?"
"nein", sagte er. "aber ich mache eine notiz, da ist bestimmt alles in ordnung!"

dann wartete ich. ich hatte hunger und durst und merkte erste erschöpfung. überall roch es fantastisch nach essen, aber ich hatte kein geld. endlich ging es weiter, sogar halbswegs pünktlich, und gegen halb fünf - mit nur dreieinhalb stunden verspätung also - landete ich in nürnberg.

am gepäckband allerdings: kein koffer für mich.

ich wandte mich an einen typ, der rumstromerte und notizen machte.
"arbeiten sie hier?"
"ja."
"mein gepäck ist nicht angekommen, was muss ich jetzt tun?"
"gehen sie zur gepäck-ermittlung, hier raus und dann rechts."
die stewardess aus dem münchen-flieger stand plötzlich hinter mir.
"na, vermissen sie auch ihren koffer?" fragte sie freundlich.
"ja."
"dann kommen sie, ich muss auch zur gepäck-ermittlung."

die nette stewardess erzählte, sie habe in chicago eingecheckt. seither verliere sich die spur ihres koffers.
"na toll", sagte ich.
dann war ich auch schon an der reihe. eine dame gab meinen suchauftrag in den pc ein.
"und, ist mein koffer hier?" wollte ich wissen.
"im moment offenbar nicht", sagte sie.
in mir starb jede hoffnung.
"können sie nicht mal in münchen anrufen und fragen?"
"nein, das geht jetzt schon alles seine wege."
"und wie lange dauert das jetzt erfahrungsgemäß?"
"ein paar tage."
"ich muss aber am dienstag zurück in hamburg sein!"
die frau zuckte die achseln.
"vielleicht ist der koffer ja morgen schon da."

nun sitze ich in nürnberg. ohne kleidung, ohne zahnbürste, ohne kontaktlinsen, ohne ladekabel. mein geburtstag war wirklich super. danke, airberlin!

... link


Montag, 30. März 2015
mausefalle
"ach", sagte die maus, "die welt wird enger mit jedem tag. zuerst war sie so breit, dass ich angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, dass ich endlich rechts und links in der ferne mauern sah, aber diese langen mauern eilten so schnell aufeinander zu, dass ich schon im letzten zimmer bin, und dort im winkel steht die falle, in die ich laufe."

"du musst nur die laufrichtung ändern", sagte die katze - und fraß sie.

(franz kafka)

... link


Sonntag, 29. März 2015
stigma
"hast du manchmal auch so gedanken", will der dr.-ing wissen, als wir uns heute sehen und uns zunächst über das flugzeug-unglück unterhalten.
"das sind doch alles nur vermutungen", sage ich. "der absturz muss doch gar nichts mit der depression zu tun gehabt zu haben. wenn du mal einen schlechten tag hast, fährst du dann beispielsweise deswegen auf der autobahn amok?"

der dr.-ing schaut mich an und ich merke schon: die voreingenommenheit vernagelt sein hirn für alle rationalen argumente. wieder mal bestätigt sich mein eindruck, dass kognitiv hochintelligente menschen oft emotional vollkommen verblödet sind.

also entscheide ich mich zum frontal-angriff:
"na gut, also wenn du schon so direkt fragst: nein, ich verspüre nicht das leiseste bedürfnis, mich in einer fluguniform in ein cockpit zu mogeln und dann als kamikaze-fliegerin die elbphilharmonie oder so zu rammen. aber manchmal stelle ich mir vor, dass ich untreue ehemänner mit meiner nagelschere kastriere."
der dr.-ing versucht sich in einem lächeln, das jedoch etwas verunglückt. beim anschließenden vögeln ist er merklich nicht ganz bei der sache. gedanklich positioniere ich den dr.-ing auf meiner abschussrampe.

hinterher bin ich allerdings aufgewühlt und denke über das gespräch nach. plötzlich fällt mir ein, dass das flugzeug-unglück einen bleibenden effekt haben könnte: die weiterführende stigmatisierung psychisch kranker.

als offiziell irrer soll man ja immer hübsch zu seinen leiden stehen. psychische erkrankungen seien keine schande, heißt es, depression kann jeden treffen - sie kennen ja den belanglos-oberflächlichen blubb, den die pharmakonzerne überall abdrucken. trotzdem funktioniert das nicht. einen krebskranken würde man bedauern. psychisch kranken begegnet man mit misstrauen: ist der auch leistungsfähig? verhält der sich möglicherweise peinlich? sieht er nicht doch gaga aus? und jetzt, ganz neu: rastet der vielleicht aus und bringt sich und andere um?

als ich frisch meine diagnose hatte, war ich so naiv zu glauben, ich könne offen damit umgehen. weil ich ja ein intelligenter mensch bin und unter anderem auf arbeit schon jahrelang meine kompetenz bewiesen hatte. meine chefin hörte sich das alles an, bedauerte - und legte mir die kündigung auf den tisch. mein arzt, der mich in der klinik behandelte, sagte mir daraufhin, dass es klüger sei, im job niemandem davon zu erzählen. ich hielt dagegen: wenn man gegen stigmatisierung kämpfen wolle, müsse man doch offenheit beweisen. der arzt zuckte die schultern und meinte, ich sei nicht in der verfassung, meinen kopf hinzuhalten. wenn dann sollte ich lieber freunde und familie einweihen.

womit er natürlich recht hatte. und auch wieder nicht. denn die reaktionen meiner mitmenschen, die ich einweihte, erweckten in den kommenden tagen und wochen bei mir den eindruck, vollkommen alleine auf der welt zu sein. nach zwei jahren war das objekt der einzige mensch in der stadt, dem ich noch vertraute.

für mich selbst gäbe es theoretisch nur eine konsequenz: nie wieder irgendjemandem ein sterbenswörtchen erzählen. immer hübsch lachen und wenn man tränen in den augen hat, eine allergie vortäuschen. keinem menschen vertrauen. nie. unter keinen umständen. praktisch macht mich das allerdings aggressiv. ich bin ein offener mensch. ich habe keine lust, mich verstellen zu müssen. trotzdem tue ich es viel zu oft. selbstgewählte isolation, um keine gesellschaftliche isolation fürchten zu müssen. auf jeden fall aber isolation und damit den garantieschein auf einen fortschreitenden abwärtsstrudel. ganz einfach, weil isolation per se nicht happy macht und nichts mit mal-schön-seine-ruhe-haben zu tun hat.

gegen die symptome der erkrankung gibt es pillen. gegen das stigma nicht. eine gesellschaft kann man nicht therapieren, solange die mediale darstellung von psychischen erkrankungen dazu führt, dass man angst vor uns hat.

vielleicht ging es dem copiloten ja ähnlich und das stigma seiner erkrankung wuchs ihm über den kopf. wir wissen es nicht. und deshalb sollten wir auch nichts glauben, was einige medien in ihrem pseudopsychologischen leichenfledderei-wahn schreiben. die würde des menschen ist unantastbar. das gilt auch für psychisch kranke.

... link


Samstag, 28. März 2015
innere und äußere freiheit
ein krieger, der zur inneren freiheit gelangt ist, hat die vollständige freiheit nicht erreicht. dazu bedarf es auch einer freien mitmenschlichen gemeinschaft. sobald er erkennt, daß die freiheit der gemeinschait durch die ichhaftigkeit ihrer mitglieder beeinträchtigt wird, ist er von sich aus bestrebt, den anderen zur inneren freiheit zu verhelfen, um damit auch die äußere freiheit wachsen zu lassen.

ein krieger versucht also, über die innere evolution des bewußtseins seiner mitmenschen zur vollständigen freiheit zu gelangen, und nicht über die revolution innerlich und äußerlich unfreier massen, die, im gegensatz zu ihrem ziel, die unfreiheit nur vergrößert. ein krieger geht also nicht den weg des mönches in die einsamkeit, er lebt in zwei welten und weist seinen mitmenschen den weg zur inneren freiheit, den aber jeder allein gehen muß. aber wenn viele diesen weg gehen, entsteht eine konspiration (...), d.h. ein zusammenatmen der krieger, die zwar äußerlich getrennt, aber innerlich vereint, die freiheit einatmen.


(paul tholey)

... link


Dienstag, 10. März 2015
die geschichte von legolas "klofinger" und koka-h.
(inspiriert von frau mottentanz eine story aus meiner wilden jugend.)

ich muss etwa 15 oder 16 gewesen sein, ganz discoqueen, als ich legolas kennenlernte. er war ein dürres bürschchen und gar nicht mehr so jung, so um die ende 30 oder anfang 40. er schwirrte gerne um mich herum und machte mir das ein oder andere dezente kompliment. mehr nicht, denn ich war damals in festen händen.

nachdem sich das mit den festen händen zweieinhalb jahre später erledigt hatte, ich meine erste eigene wohnung bezog und im größeren stil mit drogen herumzuexperimentieren begann, lernte ich über eine damalige freundin koka-h. kennen. koka-h. hatte sein eigenes labor und versorgte sich und andere mit speed und mdma (nein, nicht koks, wie der name vermuten ließ). meine eine tauschte regelmäßig - damals noch legales - ephedrin gegen die weiterverarbeiteten substanzen.

zu koka-h. zählte eine ganze clique von goa- und techno-jüngern. recht gut kannte ich irgendwann auch hofmannstaler-s., der seinen namen ebenfalls nicht von ungefähr hatte. hofmannstaler-s. war weniger von der speed- oder mdma-fraktion, sondern stand neben den von albert hofmann erfundenen dingen sehr auf chrystal, was damals noch ein novum war. er war ansonsten ein sehr angenehmer zeitgenosse, höchst intelligent und nicht nicht so abgestumpft wie koka-h. wäre er einen kopf größer gewesen, hätte ich mich garantiert um ihn bemüht und wäre genauso unglücklich geworden wie drei meiner freundinnen, die damals etwa zeitgleich versuchten, bei ihm zu landen.

ich weiß nicht mehr wann es genau passierte, aber irgendwann gehörte auch legolas plötzlich zur koka-h.-clique. ich hatte mich gerade mit koka-h. nach dessen training (er benutzte die upper auch gerne als trainingsbooster) in der innenstadt verabredet, als koka-h. mit seiner damaligen wunderschönen freundin k. und legolas auftauchte. die beiden männer wollten noch schnell zu norma, ich begleitet k. indes zum schuhe-shoppen. eine halbe stunde später trafen wir uns wieder. legolas erzählte, dass er gerade aus der arbeit käme. er war it-ler. mir war das relativ egal, ich wollte nur, dass er verschwand, damit koka-h. und ich unser kleines geschäft abwickeln konnten. legolas verschwand jedoch keineswegs, sondern verlud koka-h., k. und mich in sein auto. er brachte zunächst k. zum kindergarten, wo sie ihre kleine tochter abholte, dann fuhren wir alle zusammen weiter in ein dorf nahe der stadt, wo koka-h. nun offenbar neuerdings wohnte.

"warum bist du denn in DIESES kaff gezogen", flüsterte ich koka-h. auf der rückbank zu.
"legolas wohnt da. er hat meine mutter geheiratet, und nun wohnen wir alle zusammen da", erklärte mir koka-h.
mir blieb der mund offenstehen.
"ist aber ganz in ordnung", sagte koka-h. "der ist gut drauf."
was nichts anderes hieß, als dass legolas koka-h.s geschäfte fröhlich förderte und sicherlich selbst davon auch profitierte.

wenige monate später kam ich wieder einmal zu koka-h. ins haus, auch auf ausdrückliche einladung von legolas. koka-h. hatte gerade eine schwere krise mit k. und wurde mir gegenüber sehr zutraulich. wir kuschelten ein wenig, dann kam legolas dazu und setzte sich zu uns. wir rauchten einen, dann begann legolas mit koka-h. zu knutschen.

ich erlitt den schock meines lebens und wäre ich nicht viel zu stoned gewesen, wäre ich aufgesprungen und weggelaufen, so absurd erschien mir die situation. da knutschen also gewissenmaßen vater und sohn, altertechnisch nicht mehr als 15 jahre auseinander, aber immerhin! ich war jedoch viel zu sehr außer gefecht, bekam daher auch den ein oder anderen kuss ab und merkte irgendwann legolas arm schwer auf meinen schultern ruhen und seine spinnenfinger richtung brüste wandern. ich schaffte es, kurz aufzustehen und das klo zu suchen. dort saß ich dann auf der schüssel, zu stoned zum pinkeln, und überlegte angestrengt, wie ich nach hause käme.

ich kann mich an nicht mehr viel erinnern, nur daran, dass legolas mich irgendwann wieder ins auto verlud und zurück in die stadt brachte.

legolas schien ab diesem zeitpunkt mehr auf mich als auf seine frisch angetraute ehefrau zu stehen. nachdem er nun leider wusste, wo ich wohnte, pflegte er hin und wieder nach der arbeit aufzutauchen, mich vollzulabern und um eine massage zu bitten. keine medizinische massage, wie sie sich vorstellen können. ich wand mich und bat ihn zu gehen, machte ihm klar, dass da nichts laufen würde. irgendwann gab er gottseidank auf.

mein verhältnis zu koka-h. hatte in dieser phase ein wenig gelitten, da ich, um legolas aus dem weg zu gehen, auch ihn mied. die versorgungssituation war nur noch teils gewährleistet, also sagte ich einem damaligen freund, der auch so etwas wie mein freund wurde, zu, nach amsterdam zu fahren. in amsterdam hatten wir jedoch keine tragfähigen connections, daher blieben wir mehr oder minder im hotel, vögelten uns die köpfe weg und machten so abgefahrene pärchen-like-dinge wie das anne-frank-haus besichtigen oder zwischen den grachten spazierenzugehen.

irgendwann eines schönen nachmittags kamen wir dann auf legolas zu sprechen.
"du bist doch mal ewig mit diesem ekligen typen rumgehangen", sagte mein freund.
"legolas?"
"legolas, wie auch immer, bei uns heißt der nur klofinger."
"hä?"
"weil der sich nach dem klo nie die hände wäscht!"
"iiiiiiiiiihhhhhhhh..."

ab sofort hatte ich also noch einen grund mehr, legolas klofinger zu meiden. ich erzählte meinen freund nach und nach meine sehr absurden erlebnisse mit legolas und machte ihm klar, dass die zuneigung eher sehr einseitig war. zum glück hatte ich mit meinem neuen freund einen mutigen gentleman an meiner seite, der sich daraufhin bereit erklärte, mich bei bedarf unter einsatz seiner fäuste gegen legolas klofinger zu verteidigen.

das war die geschichte über legolas klofinger und wie sie denn nun auch endete. es kam zu keinen weiteren annäherungen mehr und irgendwann hörte ich noch, dass die mutter von koka-h. die scheidung eingereicht hatte. mit sicherheit ein guter entschluss.

... link


Donnerstag, 26. Februar 2015
mach mal mathe
ich hab manchmal noch immer alpträume, in denen ich mein mathe-abi machen muss und erstaunt feststelle, dass ich schon seeeeeeeehhhhr lange aus der schule raus bin und von den dingen überhaupt keine ahnung mehr habe. wobei nicht gesagt sei, dass ich damals viel mehr ahnung gehabt hätte, denn ich hatte in mathe am ende nur noch klägliche drei punkte. ja, mies. und es kratzt mich noch heute, dass ich damals so den anschluss verloren habe, zugegeben auch, weil ich ihn rotzpubertär ganz bewusst verlieren wollte - frei nach dem motto mathe doof, lehrer doof, alles doof. zumal mathe echt spannend ist. das versteht man aber nur, wenn es einem jemand außerhalb der schule erklärt.

heute mache ich beruflich mal was ganz anderes, vertrete einen kollegen und lasse eine klausur schreiben. mit fiesen integralen und alles, wovor es mich als abiturientin so geschauert hat. es hat spaß gemacht, zusammenzusitzen und zu diskutieren, ob dies und jenes für unser publikum denn noch lösbar sei. dabei hab ich auch mal wieder mit dem stoff beschäftigt, der zwar uni-niveau hat, aber das ein oder andere ist in ansätzen wieder durchgeblitzt.

wenn ich ganz viel zeit hätte, würde ich das gerne alles noch mal richtig lernen wollen. so von der achten klasse aufwärts, sagen wir mal. denn mit mathe erklärt sich die welt.

... link


Mittwoch, 25. Februar 2015
sich als frau verdient machen
wir sitzen in einer kneipe und der soeben beförderte bekannte nennt mir stolz sein neues gehalt.
"so viel möchte ich auch mal verdienen!" sage ich anerkennend und neidisch zugleich.
"naja, du bist halt ne frau", erwidert der bekannte bedauernd, aber mit einer großen selbstverständlichkeit, und erläutert mir dann, dass frauen eben nicht so viel verdienen könnten. weil das in der gesellschaft nunmal so sei.

ah ja.

es ist also auch 2015 noch normal, dass frauen weniger verdienen als männer - ja, sogar gesellschaftsfähig. so wie man diabetes hat oder kurzsichtigkeit oder ein hinkebein: schade, pech gehabt. schlechte gene. von der natur benachteiligt. mit deinen titten und deiner muschi bist du leider (hihihi) aus dem club der besserverdienenden ausgeschlossen!

ich habe bisweilen den eindruck, man(n) immer noch denkt, dass frauen einen beruf zum spaß so nebenbei ausüben, neben dem herd oder hinter der wickelkommode, wo sie eigentlich zu sein hätten. so einen kleinen leichten job, damit sie ausgeglichen genug sind, um sich am bügeltisch nicht so schrecklich zu langweilen, und dass ihr einziges erfolgserlebnis nicht daran besteht, ihrem macker einen zu blasen und ihm nachher noch ein bier zu bringen. oder dass sie arbeiten gehen, um ihr hartz aufzustocken, wenn der geile alleinverdiener-hecht irgendwann den abgang macht.

ich bin keine feministin. aber als selbstständige begegne ich diesem vorurteil ebenfalls. dauernd. so denkt man(n) - und das bisweilen sogar laut - dass ich kunden nur deshalb akquiriere, weil ich einen partner suche. und dass ich es als gutaussehende frau doch sicherlich nicht allzu schwer habe. was ist nicht schwierig für mich, frage ich dann gerne nach, einen schwanz zum rumpoppen zu finden oder finanziell unabhängig zu überleben?! öh, öh, öhm, hüstel, das habe man(n) jetzt nicht so gemeint. aber ich verstünde doch wohl einen spaß, haha. ja, und du verstehst sicher auch, wenn meine faust gleich zwischen deinen zähnen steckt.

neulich hörte ich sogar in der bahn, die frauen seien maßgeblich an der arbeitslosigkeit schuld, wenn sie versuchten, sich auf dem arbeitsmarkt in jobs zu drängeln, in denen sie - so wörtlich - "nichts zu suchen zu haben".

liebe männer, die ihr so denkt und eure frauen in das spießbürgerliche 50er-jahre-familienmodell drängt, weil euer ego verkümmern würde, wenn ihr euch nicht wenigstens als versorger aufspielen könnt: vergesst niemals, dass wir euch theoretisch nicht mal zur reproduktion brauchen.

damit wäre eigentlich schon alles gesagt.

... link


Freitag, 20. Februar 2015
[kleiderknigge]
was zieht man denn so bei einem großen empfang mit politikern und anderen wichigtuern an?

alles, was ich habe, ist entweder billig oder zu punkig oder zu aufreizend. mein einziges abendkleid ist ein rockabilly-polkadot-kleid mit schwarzer schleife. das kann ich aber nicht tragen, das rutscht und ist vermutlich auch nicht angemessen.

ich bin aber auch nicht so typ für ein chanel-kostümchen.

... link