Sonntag, 6. November 2011
fightclub
ich hatte seit über einer woche nichts mehr vom architekten gehört und innerlich schon einen halben haken an die sache gesetzt. man will sich ja nicht zu lange mit unnützer hoffnung aufhalten. hope kills. ich hasse hoffnung. ich habe der hoffnung abgeschworen. klappt hervorragend, sofern sich die sehnsucht nicht dazwischen schiebt.

nach dem desaströsen freitag verbrachte ich den samstag in seelischer katatonie, sprich vor mich hinstarrend im bett. passiert mir ab und an. einmal stand ich auf und brachte wäsche zum waschsalon. ich saß 43 minuten lang neben einem papa mit kind auf der weißen bank und guckte in die routierende trommel. das kind hatte sich bei seinem papa im schoß zusammengerollt und guckte mich fragend an. kinder spüren, wenn man traurig ist. und ich war traurig und mental so schlaff und widerstandslos wie das bündel warmer feuchter wäsche, das ich irgendwann aus der maschine zog.

gegen abend versuchte ich meine stimmung noch einmal richtung vorfreude zu lenken. ich nahm mir zeit und wählte für den club eines meiner lieblingsoutfits, in dem ich, wie meine mama immer sagt, wie eine domina aussehe. streng, findet sie, elegant, sage ich.

im club war zunächst niemand meiner freunde. es war schon gleich zwei, die wahrscheinlichkeit, dass noch jemand nettes kommen würde, war gering.
ich traf einen meiner lästigsten verehrer, den ich schon grob unfreundlich behandle, der aber immer noch nicht locker lässt. im grunde tut er mir immer ein bisschen leid, aber die restliche zeit stehe ich immer kurz davor, meine zigarette in seinem gesicht auszudrücken.
auch diesmal pflanzte er sich ungefragt neben mich, stellte maximale körpernähe her und begann dann die musik zu kommentieren:
"oh, hör mal, geiles lied... was denkst du, wenn du so ne musik hörst? aaaaah, ich weiß schon, bestimmt hast du dabei wilde sexuelle fantasien... da wär ich ja gerne mal gast in deinem kopf!"
ich machte, dass ich wegkam.

auf der flucht nach vorne rannte ich dann auf einmal dem objekt in die arme. es war offenbar gerade angekommen und trug noch den dicken schwarzen mantel. es fing mich ab, zog mich an sich, hob mich hoch und bedeckte mein gesicht mit kleinen küssen.
"du bist aber gut drauf", wunderte ich mich.
das objekt strahlte mich an.
"komm", sagte es und dirigierte mich richtung sofa.
"du trägst ja die haare offen", bemerkte ich, als wir saßen.
"riech mal", sagte das objekt und hielt seine kupferrote mähne in mein gesicht.
es duftete nicht nach dem süßen apfelshampoo seines lütten wie sonst immer. vielmehr nach friseur.
"was ist das?"
ds objekt grinste:
"haarkur."
"du mädchen. warum nimmst du denn haarkur?"
"ich finde, das duftet enorm gut."
"du spinnst ja."
"findest du, dass das nicht gut riecht?"
das objekt schaute enttäuscht.
"jetzt sei nicht gleich muggsch. klar riecht das gut, aber halt anders als sonst. es unterdrückt so ein bisschen deine testosteronwolke, die dich sonst umgibt."
"heißt das, ich bin weniger männlich? weniger attraktiv für frauen?"
"ein bisschen."
das objekt puffte mich und sah mich aus zusammengekniffenen funkelnd grünen augen an. dann kuschelte es sich an meine schulter.

so saßen wir, bis ich auf einmal von weitem den architekten entdeckte.
"ich geh mal tanzen", floh ich vor dem objekt, bevor dieses die zusammenhänge begriff.
ich stolperte dem architekten hinterher, der mich nicht bemerkte, sondern eben freunde begrüßte. ich drehte zwei runden, dann positionierte ich mich in architektennähe, um in seinen aufmerksamkeitsradius zu geraten, ohne ihm auf die schulter tippen zu müssen.
irgendwann registierte er mich dann, freute sich offensichtlich und nahm mich in die arme.
"und?" fragte ich, wobei mit der frage alles gemeint war zwischen wie-geht-es-dir und was-macht-der-entscheidungsprozess-für-oder-wider-mich.
"darf ich offen sein?" fragte der architekt.
ich nickte und mir schwante übles.
der architekt hatte angst, stellte sich heraus, dass sich sein autismus nicht einer beziehung verträgt.
"ich mache komische dinge, ich ziehe mich immer mal wieder mehrere tage lang zurück, ich bin manchmal nicht gesellschaftsfähig, weil ich dann menschen nicht ertrage und wenn, dann nur mit viel alkohol... obwohl ich alkohol nicht mag..."
"ist mir schon klar", sagte ich. "ich bin auch sicherlich komisch, und leute sagen mir ständig eine borderline-störung nach, obwohl ich diese aus medizinischer sicht gesehen nicht habe... aber die frage lautet ja, bringen wir den mut auf, auf all das zu scheißen?"
"ich weiß nicht, was meinst du?"
himmel, schon wieder jemand, der einen piloten braucht, dachte ich.
"ich mag dich, ich will dich kennenlernen", versuchte ich stellung zu beziehen. "ich kann das aber nicht, indem wir uns zufällig hier über den weg laufen. ich will zeit mir dir verbringen, um zu sehen, ob es funktionieren könnte. und dann, denke ich, wird sich das alles finden. ich bin sprungbereit, aber ich springe nur, wenn du mitspringst."
so, klarer geht nicht, klopfte ich mir auf die schulter.
"wenn du noch mehr zeit brauchst zum nachdenken, dann nimm sie dir", schob ich hinterher. "ich bin selber total langsam mit meinen gefühlen, also don´t be shy."
der architekt fand das angebot großartig. er kam näher und lehnte seine wange an meine schulter - die schulter, auf der vorher das objekt seinen schweren kopf abgelegt hatte. kein wunder, dass ich verspannungen hatte.

die situation war nun nicht gerade geklärt, aber das eisen noch im feuer. gut so. doch während wir uns weiter über dies und jenes unterhielten, beschlich mich ein komisches gefühl. als ich kurz aufstand und zur bar ging, um ein neues bier zu holen, verstand ich warum: in der ecke saß das objekt und sah mir nach. als ich wieder saß, spürte ich seine blicke in meinem rücken. der architekt merkte nichts und redete weiter. ich beobachtete das objekt über die spiegelnde verkleidung an der bar. nach und nach schien mir immer deutlicher, dass das objekt stinkeeifersüchtig war.

schließlich kam es zu uns herüber und platzierte sich neben mich. da ich gerade dabei war, eine kleine runde zu schmeißen für den architekten und meinen bekannten, der geburtstag gehabt hatte, fragte ich das objekt, ob es einen tequila mittrinken wollte.
"nein", sagte es grimmig.
der architekt horchte auf, sagte hallo und streckte dem objekt die hand hin. das objekt ließ die rechte in der hosentasche zur faust geballt und sagte nur:
"wir kennen uns schon."
dann legte es seinen arm um mich.
"na, haste heute deine sensible phase", kommentierte ich die pose, bevor ich seine hand nahm und den arm von meinen schultern zerrte.
da verschwand das objekt auf die tanzfläche.

der architekt guckte irritiert.
"der findet dich gut, was."
der architekt war leider nicht blöde. ich rang um worte und gab dann ein entschiedenes "hm" zum besten.
"und findest du ihn auch gut?"
"naja, das ist so mein allerbester freund oder auch allerbeste freundin", versuchte ich die situation zu erklären. "deshalb ist das schon in ordnung, wenn er auch mal körperkontakt auf diese weise sucht."
"das ist der ex von meiner ex l., also seiner kindsmutter", sagte der architekt überflüssigerweise.
"ich weiß", erwiderte ich.
"die hat er ja damals grandios im stich gelassen."
ich sagte nichts.
"interessiert dich das nicht? wenn er dein bester freund ist?" hakte der architekt nach.
ich rückte ein stück ab.
"wenn es da was dazu sagen gibt, würde ich das wenn schon ganz gerne von ihm direkt erfahren und nicht über dritte."
autsch. jetzt guckte der architekt betroffen.
"also was ich meine, ist, dass dreckwäsche von jedem der beteiligten immer anders gewaschen wird und dass ich auf gerüchteküche keinen bock habe", setzte ich nach.
der architekt lächelte.
"du hast prinzipien, oder?"
"manchmal. ich will nicht behaupten, dass ich vor lästereien und anderen niederen instinkten gefeit wäre."
"find ich gut, deine weltanschauung."
"ich auch."

als ich aufstand und auf toilette ging, stand das objekt am ausgang und zog gerade den mantel an. ich haute ihm auf den arsch, und es fuhr herum.
"du wolltest gehen, ohne dich zu verabschieden."
"nein, niemals."
es nahm mich in die arme und drückte mich herzlich nach objektmanier.
"was quatscht du denn die ganze zeit mit dem architekten?"
"dies und jenes."
"auch über mich? gib zu, er hat das vorhin kommentiert."
"er hat nur kurz erwähnt, dass er mit deiner ex zusammen war."
das objekt schnaubte verächtlich.
"ha, zusammen, in seiner beschränkten weltsicht wahrscheinlich. l. hatte doch damals schon längst einen anderen stecher."
"das interessiert mich nicht. sowas kannst du dir bei mir echt sparen."
"tut mir leid."
"tut dir gar nicht leid."
"doch, wirklich, nun sei nicht sauer. ich sag nichts mehr."
es umarmte mich noch mal, dann ging ich zum architekten zurück.

es dauerte jedoch nicht lange, da stand das objekt wieder im raum und schaute sich suchend um.
"ich hab meinen geldbeutel verloren."
allzu viel wird da ja wohl nicht drin gewesen sein, wollte ich schon sagen, riss mich aber zusammen.
als dann die lichter angingen, saß das objekt in der ecke des raumes (wo es uns bestens im blick hatte) und rauchte.
"na, geldbeutel schon gefunden?" fragte ich.
"ja."
"mensch, und das ganz im dunklen", sagte ich. "hast du dein nachtsichtgerät dabei?"
"nein, aber mein handy." das objekt schaute säuerlich, da es meine ironie nicht überhört hatte.

da kam der barkeeper und kehrte uns aus dem club.
"ich bring dich nach hause", sagte der architekt.
"oh, du bist lieb", erwiderte ich.
da nahm der architekt meine hand und führte mich nach draußen. gefühlte zwei zentimeter hinter uns ging das objekt.
kurz bevor ich zum archtekten in den wagen steigen wollte, rief mich das objekt zurück.
"sehen wir uns nächste woche mal?"
nichts anderes hatte ich erwartet.
"du hast meine nummer, ruf mich einfach an", sagte ich.
dann ließ ich mich auf den beifahrersitz sinken und zog die tür zu.
der architekt guckte verwirrt, aber ich mochte nichts mehr erläutern und war froh, als wir endlich in meiner straße ankamen.

wenn das so weiter geht, kann ich nicht mehr in den club gehen.

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Samstag, 5. November 2011
wenn es bei vorfreude bleibt
alles wies zunächst darauf hin, dass der gestrige tag ein superangenehmer freitag werden würde.

auf arbeit gab es leichte freitgskost. einen flyer auf fehler überprüfen und mit einer gehässigen germanisten-klugscheißer-mail zurück an den absender schicken. ein interview mit einem geschäftsführer-typi führen, der mich scherzhaft mit einem mir bereits bekannten kosenamen betitulierte. last but not least die ehrenvolle aufgabe übertragen bekommen, ein neues tv-format für das unterschichtenfernsehen zu entwerfen. das freute mich, denn man wächst schließlich nur mit seinen herausforderungen (auch wenn das gehalt nicht mitwächst), und vielleicht konnte ich ja beiläufig ein wenig intellekt in die sendung einstreuen und so deutschland vor dem geistigen kollaps retten.

mittags machte ich meinen schreibtisch ordentlich, wischte den bildschirm meines macs sauber und stieg in den mantel. den unerledigten nervigen kleinscheiß delegierte ich fix an meine untergebenen (ich bin visionärin, ich kann nichts anders), dann winkte ich der chefin, die ich die nächsten wochen vertreten musste und wollte hinaushuschen. doch die chefin rief mich zurück. ich möge einen augenblick warten. gut, ich bin ja nicht so.

der augenblick begann sich hefekuchenartig auf eine halbe stunde aufzublähen. ich ärgerte mich. dann klopfte ich am zimmer meiner chefin, um darauf aufmerksam zu machen, dass ich noch da war. die chefin führte gerade unüberhörbar ein privatgespräch und verfluchte ihren gesprächparter mit deftigen kraftausdrücken. endlich wurde ich hereingerufen und hörte mir ein chaotisches briefing für eine angeblich superdringliche sache an, die ich am besten jetzt sofort beginnen sollte, obwohl ich nun eigentlich frei hatte.

"aber der ansprechpartner ist doch ohnehin erst am mittwoch da, wieso sollten wir jetzt so übereilt starten?" fragte ich zurück.
meine chefin sah mich perplex an:
"ja, da haste eigentlich recht. gut, dann gehste jetzt nach hause und hast ein schönes wochenende."
fast eine stunde lebenszeit verschwendet, toll.

die stimmung hatte leichte schieflage bekommen, aber zuhause kündigte ein paketschein an, dass mein neuer wollmantel angekommen war. ich hatte glück, die nachbarin, die das päckchen angenommen hatte, war zuhause. in der wohnung fetzte ich das paket auf und freute mich riesig: der mantel war wunderschön und passte von vorne betrachtet perfekt. bis ich mich dann seitlich drehte und feststellte, dass das gute stück so betrachtet absolut fürchterlich geschnitten war. ich sah aus wie im neunten monat schwanger.

es war inzwischen 17 uhr. also den mantel wieder fix eingepackt und ab zur post. je früher das ding zurück war, desto eher bekam ich mein geld wieder.

vor meiner postfiliale war gähnende leere. ich jubelte innerlich, denn normalerweise reichte die schlange um die uhrzeit bis zur tür. als sich die schiebetüren nicht öffnen wollte, schwante mir allerdings übles. ein schild bestätigte meine befürchtung: die filiale war wegen einer betriebsversammlung schon seit 13 uhr geschlossen. das schild wies mich freundlich darauf hin, dass ich eine andere filiale aufsuchen möge, gab allerdings nicht preis, wo sich die nächstgelegene befinden könnte.

ich fuhr nach hause, guckte im internet auf der seite der post nach einer filiale in der nähe und fuhr wieder los. als ich dann mein rad vor der alternativ-filiale parkte, sah ich, wie eine angestellte eben dabei war, die tür zu schließen.
ich sah auf die uhr. es war drei minuten vor 18 uhr. also fasste ich mir ein herz und klopfte. die angestellte machte eine handbewegung, als wolle sie eine lästige schmeißfliege vertreiben.
"hören sie, es ist noch nicht 18 uhr!" rief ich durch die scheibe. die angestellte hatte mich sicherlich gehört, zog aber nur rigide den vorhang vor. ich kochte vor wut und musste mich davon abhalten, nicht gegen die scheibe zu treten. doch es half alles nichts. ich musste unverrichteter dinge wieder nach hause fahren.

zuhause schrubbte ich miesgelaunt die wohnung. dann klingelte das telefon. ich hoffte, es möge eine freundin sein, die mich heute abend beim ausgehen begleiten wollte. doch es war ein kunde, der anmerkungen zu meiner arbeit hatte. fast eine stunde lang erklärte ich ihm mit einer affengeduld, warum dies und das so und nicht anders ginge. er war einsichtig, bat mich dann aber, ein "kleines unternehmensprofil" durchzusehen, das er eigentlich jetzt gleich verschicken wollte. so, wie es klang, rechnete ich mit einem zeitaufwand von zehn minuten und beschloss, dass ich die leistung nicht berechnen würde, da der klient ein recht guter und regelmäßiger kunde war. der kunde freute sich sehr über mein entgegenkommen und schrieb mir gleich eine e-mail.

fünf minuten später war das dokument in meinem postfach gelandet. als ich es öffnete, erwartete mich eine 36-seitige powerpoint-präsentation, in der es, wie ich sofort sah, vor fehlern nur so wimmelte. gut, vertrauen kann nicht hart genug bestraft werden. ich kalkulierte hart zwei minuten pro seite und schaffte es dann tatsächlich, die präsenation in einer guten stunde durchzukorrigieren.

inzwischen war es halb zehn. ich war hundemüde, hatte aber noch nicht eingekauft und nicht gegessen. also schnell noch zum supermarkt hetzen, convenience food ist so dankbar, dann wieder zurück, essen, abspülen aufräumen. anschließend war ich gefühlt tot.

also beschloss ich, mich für eine stunde aufs ohr zu hauen, bevor ich ins nachtleben startete. 'ich muss den wecker stellen', dachte ich noch, als mein kopf das kissen berührte, dann war ich bereits im land der träume. ich träumte wild von der objektgespielin, die mir böses wollte und wachte dann erschreckt auf. jetzt aber aufgestanden, dachte ich. schön duschen, anziehen, aufbrezeln und los.

ein blick auf die uhr belehrte mich jedoch eines besseren: es war bereits kurz nach drei. ich hatte schon fast vier stunden geschlafen. bis ich ausgehfertig sein konnte, würde es sicherlich vier sein. bis auf zwei, drei technoclus, die auf den drogenkonsum ihrer klientel zählten, machten die läden hier jedoch alle so gegen sechs dicht.

ich starrte angestrengt ins dunkel, spürte aufsteigende nackenschmerzen und beschloss dann, einfach weiterzuschlafen. wenigstens der nacken würde es mir danken.

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Donnerstag, 3. November 2011
aufgemerkelt
(vorsicht, politisch inkorrekter text, möglicherweise von mangelhafter qualität. klicken sie auf "ja", falls sie glauben, genügend humor respektive niedere instinkte zu besitzen.

ja

nein

bei "nein" verlassen sie bitte diese seite.)

da haben miss teflon und ihr französischer freund mit der singenden mutti aber ganz schön auf den putz gehauen. die fassade von papamännchen bröselt. nicht, dass ich ihm das gönnen würde. im gegenteil, ein teil in mir tippt energisch auf die linke herzkammer und gibt zu bedenken, dass politiker menschen sind, auf denen ein hoher druck lastet.
da geht es nicht um ein paar tausend oder millionen euro budgetverantwortung. da geht es um ein volk. um kinder. um die zukunft einer nation. um ganz europa!
also ganz schön uiuiui.

ich bewundere das. ich bewundere auch angie, seitdem sie ihr blaues jackett trägt und versucht, mit dem verschlafenen haufen der eu tacheles zu reden.

nix gegen die griechen. wirklich nicht. also prinzipiell so. mit einigen ausnahmen.

so eine hatte ich heute in form eines schlumpfigen südländisch aussehenden studenten vor mir. allerhöchstwahrscheinlich grieche. allerhöchstwahrscheinlich!
die internationale koexistenz währte eine mehrkilometrige fahrradstrecke lang. während des fahrens illustrierte der grieche (ich nenne ihn jetzt mal so, auch wenn er ebenso araber oder türke hätte sein können) die befindlichkeit des landes ausgesprochen lebendig und anschaulich durch schlingerndes trödeliges radeln ohne offensichtliches ziel. der drahtesel war schon ein älteres modell und schepperte wie ein altglascontainer, der gerade entleert wird. an der ampel dann stand er vor mir. die ampel wurde grün. das griechenhirn begann langsam mit der anstrengenden übersetzungsarbeit: grünes signal heißt noch mal was? achja. irgendwas mit los gehts. das hirn suchte über das rückenmark den fuß. die funkverbindung war schlecht, aber nach einer weile verstand der fuß, was da am anderen ende der nervenleitung gebrabbelt wurde. jetzt den fuß gaaaaaaanz vorsichtig auf die pedale platzieren. nicht abrutschen dabei, also langsam. dann noch einmal die fingernägel kontrollieren. kann man so über eine grüne ampel fahren? hm! man muss überlegen! und ein bisschen auf dem mitelfinger kauen. dann noch mal anschauen. gut so? juhu! es kann losgehen!
ich muss nicht sagen, dass die ampel inzwischen wieder rot war. aber das machte dem eifrigen studenten nichts. im gegenteil. kann man ja noch mal die fingernägel begutachten!

ehrlich: würden sie so jemandem die korrekte teilnahme an einer volksabstimmung zutrauen? naja, vielleicht. wir wollen ja keine vorurteile bilden, schließlich sind wir alle immer noch ein wenig 1945.

jaja, ich halte schon die klappe, bevor sich wieder jemand bemüßigt fühlt, sein verstecktes klugscheißer-gen an mir abzureagieren.

davon mal abgesehen: ich hätte da auch ein thema für eine volksabstimmung. und zwar zum thema radfahren und studieren. denn wer als student, sprich potenziell höher-iqiges wesen, so radfährt wie mein griechischer freund, gehört umgehend exmatrikuliert. die studiengebühren sollten solche heckenpenner besser an papamännchen spenden. der braucht das jetzt notwendiger. jeder ns-gauleiter hätte mir damals auf der stelle zugestimmt: lieber dem führer ein kind schenken!

nix für ungut.

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Montag, 31. Oktober 2011
der trip meines lebens
freitag, hamburg hauptbahnhof, 16 uhr, am bahnsteig richtung osten.

"morphine, morphine", kreischt eine kinderstimme durch den bahnhof. dann werden leute vor mir aus dem weg geschubst und das objekt im miniformat stürzt sich auf mich. hinterdrein schiebt sich der schwer bepackte papa, der den objektsohnemann zurückpfeift und schimpft.
"mein freund, das gibt jetzt die gelbe karte. und wenn dann noch eine dazu kommt, dann ist es eine rote, und dann bleibst du hier. auf diese lautstärke und diese umgangsformen hab ich nämlich keinen bock."

der nachmittag des reisetags beginnt also schon gleich mal mit dicker luft. der papa sieht abgehetzt und genervt aus und hat den lütten fest bei der kapuze gepackt. der kleine klammert sich wie besessen an mich und hüpft an mir hoch wie ein durchgeknallter welpe. erst als wir im abteil sitzen, beruhigt er sich ein wenig. dann beginnt er zu erzählen, was seit letztem wochenende alles vorgefallen ist, wobei jeder satz mit einem trommelfellzerfetzendem "weißt du WA-HAS!!" beginnt.

der papa guckt dem treiben noch zehn minuten genervt zu, dann rappelt es im karton. das objekt brüllt einmal kurz, dann ist der kleine still. das ganze abteil glotzt und ich gucke möglichst unbeteiligt. nach dem anschiss wechselt der sohnemann die seite der sitzbänke und krabbelt auf meinen schoß. eine ältere frau schmunzelt:
"na, bei der mama ist das doch immer wieder am schönsten!"
der sohnemann und ich grinsen uns an und schweigen, und ich bekomme zwei nasse jungsküsse auf den mund. das objekt beobachtet uns und kann sich trotz der miesen laune ein lächeln nicht verkneifen. ich möchte zu gern wissen, was es denkt, frage aber nicht nach.

nach zweimaligem umsteigen und unendlich vielen improvisierten spielen landen wir im niemandsland. unser gastgeber holt uns mit dem auto ab, denn im niemandsland gibt es nicht mal einen bus. es folgt die schlüssel- und hundeübergabe, dann fährt der gastgeber mit seiner frau in die flitterwochen.

ich mache nachtessen, während das objekt auspackt und der kleine sofort den riesigen fernseher anvisiert, denn weder mama noch papa haben solch ein wunderbar geisttötendes teil. dann gehen papa und sohnemann eine runde brutal killerspiele spielen, während ich den kleinen hund des gastgebers gassi führe. draußen ist längst stockfinster, und als ich nach einer weile wiederkomme, steht das objekt an der tür:
"mensch, ich hab mir sorgen gemacht, ich hab schon gedacht, es ist sonstwas passiert!"
"was soll mir denn passieren?!"
"keine ahnung, aber dein badewasser wird langsam kalt."
das objekt hat mir ein bad eingelassen und eine grüne blubbersprudelbrause-edel-badetablette der gastgeberin geklaut.
"da sind ätherische öle drin, das ist auch gut für deinen rücken!"
dann sitze ich in der wanne, um mich herum flackern drei dicke altarkerzen und das objekt streichelt zärtlich meinen nacken, bis der sohnemann ruft.

als ich frisch geschrubbt und duftend nach unten komme, ist es schon gleich elf. der sohnemann sitzt gähnend auf der couch. als ich mich daneben pflanze, umschlingt er mich nach papa-manier, während er seine füße beim objekt unter den pulli steckt. derart eingemummelt und bekuschelt schläft er kurz darauf ein. das objekt hebt ihn hoch und trägt ihn sanft und sachte wie einen kostbaren diamanten nach oben in das schlafzimmer. danach kommt es wieder - mit zwei gläsern wein und einem dicken joint. weil das objekt von der ungewohnten fernsehberieselung ebenfalls schon ganz kirre ist, schalten wir alle elektronischen geräte ab und trinken und rauchen und unterhalten uns. gegen halb drei schlummere ich dann zusammengerollt wie eine katze im objektschoß ein. maximale geborgenheit.

samstag, halb eins mittags, hightech-küche im niemandsland.

eine verschlafene morphine betritt die szene, die sich aus einem übermüdeten objekt und einem quietschfidelen sohnemann zusammensetzt - beide sind nämlich schon seit acht uhr morgens wach. das objekt sitzt mit angezogenen beinen auf dem sofa und kifft apathisch einen joint nach dem anderen. ich nehme den sohnemann mit in den garten und spiele sein komisches fantasy-spiel, bis ich keine lust mehr habe und mir der magen knurrt. der sohnemann zieht mich in die küche. ich muss mich hinsetzen, während er mir einen kakao kocht. der junge tritt exakt in die fußstapfen seines vaters.

da betritt das objekt mit glasigem blick die küche und fragt:
"hey, krieg ich auch einen?"
der sohnemann nickt, macht aber eins zur bedingung:
"aber nur, wenn du nicht rauchst, weil das stinkt!"
das objekt hat ein einsehen und stellt das kiffen für die nächsten stunden ein.

und dann haben wir eine richtig gute zeit. das objekt kommt runter von seinem film und geht mit uns an den see. dort sammelt es mit dem objektsohnemann holz, um nacher den kamin zu befeuern. dann jagen wir den hund herum und nehmen noch ein paar pilze fürs nachtessen mit.
zuhause plündern wir zwecks festlichem dinner die tiefkühltruhe des gastgebers und kochen alle zusammen unter der regie des objekts ein feudales menu. es gibt zur vorspeise kleine pizzen mit spinat, pilzen und ziegenkäse, danach fisch mit chilisauce, hähnchen mit maisflakes-kruste und dazu ofenkartoffel, und zum nachtisch waffeln. wir essen bis zum platzen, dem lütten ist von der chilisauce ein bisschen schlecht, und das objekt grinst glücklich und umärmelt mich:
"ich fühle mich gerade sehr wohl mit euch beiden. das ist so ein richtig goldener moment."

satt und zufrieden beseitigen wir das schlachtfeld. das objekt zeigt dem sohnemann, wie man ein ordentliches kaminfeuer macht. es wird bullig warm im wohnzimmer, und die schatten des niederbrennenden holzes flackern zärtlich über die grob verputzten wände. wir kuscheln uns zusammen und gucken film, dann ruft mich die badewanne und den objektsohnemann das bett. ich muss mit gute-nacht-sagen kommen, sonst gibt er keine ruhe. so sitzen wir dann als papa und ersatzmama am bett, lassen uns abwechselnd küssen, bis der sandmann kommt und den kleinen ins land der träume holt.

das objekt ist selbst schon ganz schläfrig geworden, will aber den film noch zu ende sehen. als wir in löffelchenstellung auf dem sofa liegen und weiter film gucken, fühle ich überrascht die objekterektion an meinem po. doch als ich mich dagegen drängele und bereits mein blut im unterleib pochen spüre, sagt es:
"ich könnte es jetzt erzwingen und meine lust abreagieren, aber das wäre so eine halbe sache, weil ich im kopf ganz woanders bin, weil ich gerade aufmache und eher bedürftig als fickrig bin."
also halten wir einander einfach fest und ich beobachte, wie dem objekt irgendwann die grasgrünen augen zufallen. im schlaf glätten sich die tiefen sorgenfalten und die kleinen lachfalten und das gesicht sieht plötzlich wieder ganz weich und jungenhaft aus. es ist ein schönes gesicht, finde ich, obwohl man die schönheit erst auf den zweiten blick erkennt, weil das objekt so abgeschaltet und traurig seinen sexappeal verliert.
und hastenichtgesehn bin ich selbst weg, träume etwas wirres und wache dann davon auf, dass mich das objekt unsanft von der couch schubst. das objekt redet im schlaf und greift nach mir, obwohl es nicht wach wird. also mache ich licht und wecke es, damit wir nach oben ins bett gehen können.

sonntag, elf uhr, morphine im tiefschlaf.

der objektsohnemann stürmt mein schlafzimmer.
"morphine, morphine, SCHLÄFST du noch, du MUSST aufwachen, SOFORT!!"
ich erschrecke zu tode, was ist wohl passiert, brennt das haus oder liegt das objekt mit nadel im arm tot im badezimmer?
der sohnemann schüttelt mir den schlaf aus den knochen:
"AUFWACHEN, AUFWACHEN, AUFWCHEN, komm SCHNELL, komm ganz schnell, BITTE!!"
"was zur hölle ist denn passiert?"
"wir wollen jetzt FRÜHSTÜCK MACHEN!!"
achso, klar.

der tisch im esszimmer ist feierlich gedeckt mit kerzen, blumen, ordentlich gefalteten servietten und zusammenpassendem geschirr.
"hab ich ganz alleine gemacht!" ist der sohnemann stolz wie bolle.
das objekt lächelt mir vom herd aus entgegen und streckt dann die arme aus, um mich an sich zu ziehen, obwohl es vor dem sohnemann allzu viel körperkontakt sonst eher vermeidet. als ich ihm in die augen sehe, fällt mir auf, dass es ganz klar ist.

während der kleine schnell mit essen fertig ist und draußen mit dem hund toben geht, sitzen das objekt und ich noch lange da und reden. das objekt packt sogar vorsichtig zwei bis drei details aus seiner jugend aus. ein bisschen schockiert erfahre ich, dass es sich früher nur schwer unter kontrolle hatte und schon mal jemanden krankenhausreif geschlagen hat.
"jetzt ist das aber ganz anders... so wie am freitag, als ich dem typ hat eine gelangt habe, weil er mich so derbest provoziert hat. da schlag ich einmal zu und es tut mir sofort so leid, dass ich es am liebsten ungeschehen machen möchte. ich seh das ja auch bei den kindern bei uns in der klinik... wie oft frage ich mich, wie die kleinen zu solchen blauen flecken kommen, ob da die eltern mit dem bügeleisen prügeln oder was... und dann erlebe ich immer wieder solche, die nie duschen, weil sie tödliche angst davor haben, sich auszuziehen... wo ich dann schon ahne, was passiert ist... wobei ich mich frage, wie man dieses leid übersehen kann - wie es aber so viele eltern tun... und du bist so machtlos, weil du weißt, wenn sie wieder draußen sind, geht das weiter, bis sie irgendwann die gewalt dann an andere weitergeben."
wie immer kommt das objekt im erzählfluss von einem thema ins nächste. ich höre nur zu und sage wenig, weil es bei ungestörten erzählen am meisten preis gibt. ich warte gespannt, ob das objekt auch seine kindheit mit misshandlung oder missbrauch verknüpfen würde - was ich mir übrigens durchaus vorstellen könnte - doch darüber schweigt es sich eisern aus. ich überlege, ob ich etwas fragen sollte, doch dann kommt schon der objektsohnemann hereingeschossen und will bespaßt werden.

die nächsten stunden versuche ich ein wenig zu arbeiten, doch das entpuppt sich als sinnloses unterfangen. alle zwei minuten sprintet der lütte heran und brüllt "GUCK MAL, GUCK MAL", weil er mir was gemalt, dem hund ein frisur gemacht, ein video in der gut aufgestellten videothek des hauses gefunden oder sonst irgendwelchen quatsch fabriziert hat. nachdem ich das irgendwann zu ignorieren beginne, wendet er sich dem papa zu, der gerade versucht, die zeitung zu lesen.

lesen oder schreiben sind beides echte herausforderungen für das objekt, das sich nah am analphabetismus bewegt - auch wenn es ganze rilke-gedichte, theodor storm und goethes faust zitieren kann. demnach erfordert zeitungslesen volle aufmerksamkeit und darf nicht gestört werden. ich kann die dicken schwarzen wolken schon am horizont heranziehen und sich über dem kopf des objekts sammeln sehen. kurz darauf kracht es zum zweiten mal an diesem wochenende, wobei der kleine sich diesmal tödlich beleidigt fühlt und sich heulend bei mir verkriecht. ich versuche ihm dann irgendwie nahezubringen, dass erwachsene auch manchmal was wollen und dass rücksichtnahme eine tolle sache sei. das perlt allerdings ziemlich ungehört am objektsohnemann ab, bis ich dann zum thema lautstärke komme und ihm erkläre, dass das menschliche so ohr so konzipiert sei, dass leise töne mit mehr aufmerksamkeit wahrgenommen werden als laute und somit das leise meist nicht nur besser ankommt, sondern auch mehr auffällt. obwohl ich zunächst glaube, dass das für kinder viel zu schwer zu begreifen sei, nickt der sohnemann plötzlich interessiert und kann das gesagte logisch mit eigenen worten wiedergeben. ich staune, zumal der lütte auf so einigen gebieten nicht gerade eine leuchte ist.

schließlich ist es kurz nach 17 uhr und wir müssen unsere sachen packen, um den vorletzten zug von der stadt nahe niemandsland zurück in die hektische metropole zu bekommen. wir leisten uns ein taxi, dann hasten wir zum zug. der ist sehr voll mit wochenendpendlern. wir sitzen ineinander geklemmt auf der treppe und spielen ich-sehe-was-was-du-nicht-siehst und ein buchstabenratespiel, bis wir dann endlich in hamburg am bahnhof stehen.

"musst du jetzt WIRKLICH gehen", fragt der lütte zum x-ten mal und klammert sich an meinem rock fest, während der papa stolz und genervt zugleich lächelt.
das objekt packt mich und küsst mich zum abschied.
"danke für die schöne zeit", sagt es.
"danke dir für die einladung", sage ich.
"danke, dass du so lieb bist!" krakeelt der kleine und umarmt uns beide.

dann drehe ich mich schnell weg und laufe zur u-bahn. muss ja keiner sehen, dass mir bei solch wunderbaren aussagen die augen feucht werden. denn niemand braucht urlaub in einem fünf-sterne-hotel, wenn er ein wochenende wie dieses geschenkt bekommt.

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Samstag, 29. Oktober 2011
when we were strange die x.te
gestern war ich mit der gemeinsamen fick-bekannten des objekts in einem café zwecks post-büroalltags-besäufnis verabredet. nachdem wir schon recht angeheitert waren, begaben wir uns zu besagter bekannter in die wohnung, um weiterzutrinken und uns bei bedarf einfach ablegen zu können. im flur begegnete uns dann auf einmal das objekt, das derzeit für einige tage wohnungslos ist und für diese nacht bei der fick-bekannten ein nest suchte.

den überrasschungsmoment können sie sich größer nicht vorstellen. da wir aber alle drei sehr offen und spontan sind, machten wir einen sit-in zu dritt bei der bekannten. anfangs war alles sehr nett und unverkrampft, bis die bekannte dann rausfand, dass ich mit dem objekt ins wochenende fahren sollte. nach einer eifersuchtszene flohen das objekt und ich dann weiter zu mir.

bevor wir schlafen gingen, fragte ich das objekt nach den konkreten wochenendplänen, da das objekt sehr spontan im absagen ist und frau noch weniger als man wissen konnte, was letztlich sache war.
"ich fahre morgen zusammen mit dem kleinen und würde mich tierisch freuen, wenn du auch mitkämst", meinte es.
da sich der architekt noch nicht wieder gemeldet hatte und ich immer nach dem motto "haben oder nicht haben" handle, sagte ich zu.
dann schlummerten wir ein.

am nächsten morgen rannten wir vor meiner arbeit noch zusammen in den supermarkt, um lebensnotwendige dinge - kaffee, schnaps, tabak, energy-drinks und schokopops - zu kaufen. an der kasse drängelte sich ein kleiner schmächtiger typ ziemlich ruppig an uns vorbei und warf seine drei sachen aufs band. während ich dies in meinem morgendlichen koma gar nicht registrierte, war das objekt sofort hellwach.
"hey! du hast dich eben vorgedrängelt!" machte es den typ auf sein verhalten aufmerksam. der typ murmelte etwas unnettes, was wir nicht verstanden.
das objekt fasste - wohlgemerkt augenzwinkernd - noch einmal nach:
"hey du, du hast damit meine frau beleidigt! raffst dus noch?!"
der typ reagierte allerdings gar nicht, sondern zahlte und verpisste sich.

doch als wir den laden verließen, wartete er draußen auf das objekt. noch bevor ich "papp" sagen konnte, stürzte er sich auf das objekt und packte es an den schultern. dann begann er, es zu beschimpfen, was das objekt zunächst amüsierte, dann aber doch verärgerte. als das wort "rassist" fiel, verlor es dann seine sozialistischen hemmungen und holte aus.

der schlag traf den typen ziemlich unvorbereitet und mit voller wucht im gesicht. er taumelte und stürzte dann rücklings eine treppe hinunter. ich schielte zwischen meinen fingern hervor und sah, dass der typ zwar wieder auf die beine gekommen war, aber ziemlich heftig aus nase und lippe blutete. zwei sekunden später waren dann auch schon die bullen vor ort. das objekt gab mir ein zeichen zu verschwinden:
"run, bonnie, run."

ich fuhr in die arbeit weiter und hakte das wochenend-event innerlich schon ab. doch pünktlich um 13 uhr klingelte mein handy und das objekt wollte wissen, wann ich startklar sein würde.
"was war denn nun heute morgen noch mit den bullen?" fragte ich.
"och, nichts weiter, die haben den sachverhalt ganz schnell kapiert und der typ war dann auch recht einsichtig und gab zu, dass er mich provoziert hatte. naja, nachdem sich dann alle einig waren, durften wir wieder gehen."

wie das objekt bei seinen gesetzesbrüchen immer wieder so glimpflich davonkam, war mir ein rätsel. wahrscheinlich hatte es sich erstmal gemütlich mit allen beteiligten auf der wache hingesetzt, einen joint gedreht, die lage entspannt, dann seinen charme spielen lassen und, falls der oberbulle knackig war, diesem einen geblasen. so oder ähnlich stellte ich mir das szenario vor, wollte dann aber auch keine details hören.

vor ein paar stunden brachen wir dann ins niemandsland auf. jetzt sitze ich in einem wildfremden ort, in einem sehr eleganten landhaus halb im wald direkt an einem see und tippe diesen text, während objekt und objektsohnemann bei kinderfreundlichen killerspielen versackt sind. ich habe vorhin ausnahmsweise gekocht, halloweengerecht kürbissuppe, der dekadenz halber mit frischen nordseekrabben. das objekt hat das kleine mahl tatsächlich nicht verschmäht, während es sonst meine gerichte mit theatralischem ekel an die äußerste kante des tisches schiebt. danach haben wir einen rundgang durch niemandsland gemacht, bei dem der kleine meine hand nahm und nicht mehr losließ, während er in einem fort plapperte.

ich fühle mich tiefenentspannt, wenn auch todmüde. kinder sind verdammt anstrengend. aber das kennen die meisten von ihnen ja. jetzt muss das objekt aber dringend in die wanne, und bevor es auf die idee kommt, mein netbook mitzunehmen ud im schaum zu versenken, schließe ich hiermit ganz fix.

thanks for listening.

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