Donnerstag, 27. Oktober 2011
aaaaaaaaaahhhhhh
the wahnsinn goes on.

kaum hab ich den architekten am wickel, was passiert?

das objekt fragt mich, ob ich übers wochenende mit ihm und dem sohnemann stadtflucht begehen will. familienurlaub auf dem lande.

außerdem habe ich gerade einen wasserschaden in meiner wohnung und das wasser katapultiert sich stoßweise und braun-bröckelig aus der leitung.
und warum können die handwerker morgen früh nicht rein? weil das objekt am montag noch mal meinen schlüssel bekommen hat, um post abzuholen, die mir für ihn zugestellt wurde. natürlich arbeitet es ausgerechnet heute in nachtschicht und kann den schlüssel erst morgen vormittag bringen.

ich geh gleich ins kloster. ehrlich. da gibts wenigstens konstant fließendes warmes und sauberes wasser.

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Dienstag, 25. Oktober 2011
herzgranatenwerfer
der architekt hat geschrieben, mir seine zuneigung gestanden und das große WAS NUN in den raum gestellt.

ich fühle mich verzaubert.
und handlungsunfähig.

denn gestern abend, einem familienabend, an dem der objektsohnemann sich erstmals explizit wünschte, dass ich mit ihm kuschle und ich sehen konnte, wie dem objekt dabei das herz aufgeht, nach diesem abend mit zeichentrickfilm und kinder-mahlzeit und kerzenschein, steige ich in stiefel und mantel. da gesteht mir das objekt, dass es mich vermisst, wenn ich gehe und dass es sich alleine fühlt ohne mich.

warum passieren eigentlich immer so viele dinge auf einmal?

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Sonntag, 23. Oktober 2011
sonnentag
als ich gegen acht uhr morgens endlich ins bettchen steige, klingelt mein handy. es ist eine gemeinsame bekannte mir und dem objekt.

"morphinchen! du schläfst doch nicht etwa?!"
"naja, fast..."
"poppst du gar nicht mit dem süßen? wer ist das denn nun eigentlich??"
ich fasse kurz die wichtigsten eckdaten zum architekten zusammen und frage dann nach dem grund des anrufs.
"ich muss dir was sagen."
die bekannte seufzt tief.
"was denn?"
"ich hab was mit dem objekt am laufen."
ich bin nicht überrascht.
"das wundert mich eigentlich nicht. ich meine, du bist eine frau, eine tolle noch dazu, und ich weiß, wie das objekt frisch gevögelt aussieht und ich weiß auch, wie frau guckt, wenn sie vom objekt frisch gevögelt wurde."
die bekannte lacht.
"du bist so cool. du bist so ne coole frau. aber weißt du, was krass ist?"
"was denn?"
"ich finde, du schmeckt verdammt gut!"
ich muss mein übermüdetes hirn anstrengen und überlegen, wie sie das meint, dann aber fällt der groschen und ich muss ebenfalls laut lachen. da ich aber schlafen möchte, biege ich weitere blow-job-analysen ab und lege kurz daraufhin auf.

gegen zwei klingelt das telefon erneut. diesmal ist es das objekt. es hat ein paar neue wohnungstheorien aufgestellt und will meine meinung hören. kurzerhand treffen wir uns in einem café auf halber strecke. aus dem wohnungsbla wird ein vierstündiges gespräch über alles mögliche und auch über das besondere objekt-verhältnis in den letzten tagen.

ich nehme stellung zu meinem abgang am freitag und das objekt macht mir vorwürfe:
"du musst alles verhindern, was schön werden könnte!"
"ich verhindere, dass es schön wird und es etwas wird, das ich vermissen könnte, wenn es nicht mehr da ist - womit ich bei jemanden wie dir jeden tag rechnen muss."
"schade, dass du so denkst", findet das objekt, "aber ich kann das natürlich verstehen."

dann berichte ich von der aktion mit dem architekten. das objekt knirscht mit den zähnen und spuckt mir ein "was interessiert mich der architekt" vor die füße, fragt aber dann doch neugierig nach, was ich am architekten mag.
"er ist wahnsinnig klug, wir können uns über sehr viele politische sachen und so unterhalten... und dann sind wir beide selbstständig und haben daher ähnliche sehnsüchte und nöte und so 1000 gemeinsame themen... und er zieht keinen kindergarten ab, sondern hält sich mit seiner meinung zurück... das schätze ich am meisten an ihm."

im gesicht des objekts arbeitet es und es kaut sichtlich an den informationen. dann beschließt es offenbar, sich zu rächen und erzählt von der objektgespielin. ich versuche cool zu bleiben, lasse mich dann aber doch zu der ein oder anderen taktisch weniger klugen bemerkung hinreißen. das objekt registriert sie, ordnet sie blitzschnell folgerichtig ein und meint abschließend wissend grinsend:
"du bist manchmal so wütend und verletzlich... und versuchst es auf biegen und brechen zu verbergen... das ist einfach süß."
"ich bin weder wütend noch verletzt", zische ich gereizt. "und auf deine psychospiele falle ich nicht rein!"
dann sehen wir uns in die augen und müssen lachen. das objekt knuddelt mich herzlich und legt dann den kopf auf meine schulter.
"lass uns was essen", sagt es dann. "ich habe hunger."

wir studieren die speisekarte im café, doch die gerichte sind alle teuer. mit trinkgeld sprengen die preise unser budget.
"ich hab noch drei euro und 40 cent", sage ich.
"ich habe noch so fünf", überlegt das objekt.
"komm", sagt es dann und zieht mich nach draußen.
wir gehen zum thai und essen eine suppe und drei schalen reis für je einen euro.
"ich hätt so gern mal wieder fleisch", stöhnt das objekt.
als ich grinse, knufft es mich.
"SO war das nicht gemeint."
"da weiß ich aber anderes", will ich sagen, verkneife es mir jedoch.

als wir den imbiss verlassen, ist es längst dunkel. als wir an den fahrrädern stehen, will ich mich verabschieden und dem objekt seine schlüssel zurückgeben:
"die brauche ich ja nicht mehr."
das objekt steckt den bund schweigend ein.
"was denkst du eigentlich so von mir?" fragt mich es mich da plötzlich.
"dass du ein schwein bist", platze ich heraus.

einen moment lang schweigen beide. das objekt starrt mich völlig entsetzt an.
"aua", sagt es dann. "das hat weh getan."
ich überlege, ob ich mich entschuldigen oder das gesagte zurücknehmen soll, entscheide mich dann aber dagegen. stattdessen sage ich:
"aber ich bin auch eines."
"jetzt reicht es aber mit den anklagen", findet das objekt und zieht mich an sich. dann küsst es mich auf mund und stirn und meint zum abschied:
"komm gut nach hause, du wunderbarstes, unmoralischstes wesen von allen!"
"schleimer", sage ich, dann schwinge ich mich in den sattel.
"tschüß", murmle ich.
"bis morgen!" ruft mir das objekt nach.

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alles oder nüscht
und heute nacht habe ich mir den architekten gefasst und sein herz geknutscht.

und bin nun todgespannt.

"unwirklich", sagte der architekt, "das ist irgendwie ganz unwirklich."

yes. it is.

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Samstag, 22. Oktober 2011
die woche im pärchenmodus
oder auch: die woche unter dem motto "zeichen und wunder"

"darf ich mir mal deinen laptop ausleihen?" fragt das objekt liebreizend am montagabend.
es darf.
wenig später sitzen das objekt, der objektsohnemann und icke im neuen übergangszimmer des objekts. der kleine schläft zwischen uns gekuschelt, während das objekt einen joint dreht. dann lässt es mir ein bad ein und holt ganz selbstverständlich die letzte gästezudecke aus seinen sachen. wir legen uns ab. über der brust des kleinen begegnen sich unsere hände, und wir sagen einander gute nacht.

am mittwoch treffe ich das objekt zum zweiten mal, weil es sich eine wohnung ansehen möchte und meine meinung dazu hören will. ich bin geschmeichelt, aber auch gestresst nach einen langen arbeitstag. wir versumpfen wieder beim objekt, kiffen zu viel und werfen meine ich-fahr-noch-nach-hause-pläne mit einem whiskey über den haufen. ich krieche zum todfertigen, schwer bekifften objekt in die federn und lasse den lieben gott einen guten mann sein.

am donnerstag stehe ich auf und begebe mich ins bad. als ich das wasser abdrehe, höre ich das objekt in der küche hantieren. es macht frühstück für mich. dann sitzen wir bei einer tasse cappucchino und reden über gott und die welt. ich hab viel zeit, bin eine halbe stunde zu früh dran.
"schön", findet das objekt und kramt dann nach seinen schlüsseln.
"da ist der für die haustür, und das da ist der für die wohnung. wenn du heute abend baden möchtest, komm einfach wieder zurück."
ich bin baff und stecke wortlos den schlüsselbund ein.

nach der arbeit telefoniere ich mit dem objekt. es kommt gerade aus der klinik und ist dabei, den lütten bei seinem schulfreund abholen.
"wann kommt ihr denn nach hause?"
"kann später werden. aber du kannst ja schon mal ein bad nehmen und dich entspannen. ich mache dann nachtessen."
gesagt, getan.
doch surprise, surprise, als das objekt ankommt, ist es alleine.
"ich hab den kleinen bei seinem freund für die nacht untergebracht", sagt es, "dann haben wir heute mehr platz."
noch eine überraschung hat das objekt für mich: es hat sushi gekauft.
wir nehmen die mahlzeit mit ins bad, das objekt stellt altarkerzen um die wanne herum auf, holt dann noch einen wein. anschließend tauchen wir in die fluten.
"hast du was genommen heute", frage ich das objekt, das sehr klar scheint.
es schüttelt den kopf.
"das war für diese woche schon wieder genug."

die nüchternheit bewirkt, dass das objekt insgesmt zwar deutlich melancholischer ist, dafür aber neben seiner an und für sich romantischen veranlagung auch die libido wieder durchkommt. ich schaffe es noch aus der wanne, aber nicht mehr bis ins schlafzimmer.
wie die tiere, schießt es mir durch den kopf. vollkommen willenlos.
"katze", sagt das objekt später und zieht mich auf sich. so schlafen wir ein.

heute morgen um sieben uhr klingelt der schornsteinfeger an der tür. das objekt öffnet splitterfasernackt die tür, während der schornsteinfeger pikiert zur seite blickt. ich kann mich im hintergrund vor lachen kaum beherrschen.
als wir bei tee und kakao wieder im bett liegen, fragt das objekt ganz selbstverständlich, wann ich aus der arbeit komme. ich sage es ihm.
"dann bist du also so zwischen vier und fünf hier?" fragt es.
"äh", sage ich. "ich wollte eigentlich mal einkaufen fahren."
"dann leih ich mir nochmal das auto, hol dich von der arbeit ab und dann fahren wir in die stadt", bestimmt das objekt.
ich bin verwirrt, aber noch immer angetan und nicke.

als ich arbeit aus habe, erwarte ich, dass das objekt vergisst, wann genau ich aus habe, in welcher straße ich arbeite oder überhaupt, dass es mich abholen wollte. doch dann kreuzt es pünktlich auf und sammelt mich ein.

ich gehe mit dem objekt einen pullover kaufen, den es scheiße findet.
stattdessen sucht es mir einen rock heraus, der mir dann tatsälich fabelhaft steht.
"wirst du jetzt mein stilberater", necke ich es.
"ich hätte nie gedacht, dass ich deinen geschmack treffe", erwidert es.

nachdem das objekt vor zwei tagen viel zu teueres und vor allem viel zu viel sushi gekauft hatte, lade ich es heute zum essen ein. wir gehen zum perser und entscheiden uns dann dafür, die sachen mitzunehmen und gemütlich beim objekt zu essen.
in der neuen alten übergangsbleibe sitzen wir am überdimensionalen küchentisch im kerzenschein und mümmeln unbekannte köstlichkeiten, während mich ein komisches gefühl beschleicht.

ich lausche und lausche in mich hinein und stelle fest: es ist das gefühl satter zufriedenheit. und alle glocken schrillen alarm.
"ich würde uns noch einen film holen", sagt das objekt gerade, als ich herausplatze:
"ich fahre nach hause."
das objekt guckt fragend und leicht ungläubig.
"du hättest gern hier schlafen können."
"nein, ich denke, du solltest auch besser mal wieder einen abend für dich haben."

und schwuppdiwupp bin ich draußen und renne durch die nacht. nach hause. wo ich mich gerade weniger zuhause fühle als anderswo.

das muss sich sofort wieder ändern. sofort.

und die schlüssel werde ich ihm auch zurückgeben. oder noch besser: in den briefkasten werfen.

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Sonntag, 16. Oktober 2011
besser hier als irgendwo
ich bin im club, neben mir steht eine burschikose junge frau und fragt mich, was ich trinken möchte, sie will mir einen ausgeben.
"warum?" frage ich.
"ich bin wieder single!" ruft sie und es klingt befreit und entsetzt zugleich.

wir trinken tequila und mexikaner, dann lächelt sie und hält ihre hand an meine wange. während ich mich noch angemacht fühle, innerlich zwischen will-ich-will-ich-nicht hin- und herstürze, merke ich, dass ich es genieße. nicht um der person, sondern um der sache wegen. es ist zärtlich. es ist warm. es ist das, was mir gerade fehlt.

fass mich nicht an. aber bitte berühre mich.

und ich lächle ebenfalls, angetrunken, mit weichen muskeln knochen haut, lächle und falle geradeaus schauend ins k.s blick.

die junge frau scheint k. ebenfalls zu kennen. sie stößt einen kleinen schrei aus und stürzt sich in k.s arme.
"mein lieber... herzlichen glückwunsch zum geburtstag!"
dass k. geburtstag hat, hätte ich beinahe vergessen. also schließe ich mich mit einer umarmung den glückwünschen an. k. hält mich eine sekunde länger als nötig fest und legt dann einen finger an die nasenflügel. ich überlege kurz, nicke dann und folge ihm.

wir gehen auf klo und k. legt eine kleine line. die verschwommenheit, die der alkohol hinterlassen hat, klart auf. das glücksgefühl, das sich in der letzten halben stunde bereits aufgebaut hatte, wird sachte, ganz sachte befeuert.
k. spottet ein wenig über meine "homöopathische dosierung", aber er weiß auch, dass ich kontrollverlust nicht schätze - was er wiederum an mir schätzt.
wir sehen uns an und finden einander schön, aber das ist nicht ungewöhnlich in diesem zustand, es hat nichts zu bedeuten.

das objekt ist auch da. nach vielen wochen der clubabstinenz hat es flaschenpfand eingelöst, auf diese weise drei euro zusammenkratzt und ist hergekommen. es sitzt blass und verloren in einer ecke, was wohl hauptsächlich der totalen nüchternheit geschuldet ist. als ich hingehe und es zur begrüßung in die arme nehme, drückt es mich, bis mir die luft wegbleibt.
"festhalten! einmal ganz fest halten, bitte!" seufzt es in mein ohr.
dann schaut es mir ins gesicht und legt sofort los:
"du hast was genommen! du hast ganz starre pupillen!"
"k. hat geburtstag", sage ich, als wenn das eine antwort wäre.
"das macht es auch nicht besser", tadelt das objekt, "komm her und lass dich liebhaben, aber mach dich nicht einfach weg!"

wie immer, wenn es nicht selber jenseits von gut und böse ist, ist das objekt streng und kritisch. eine stunde später verabschiedet es sich aber auch schon, denn ohne den richtigen pegel hat es keine lust, bis sechs uhr morgens durchzumachen. als es an der garderobe steht, stürmt die objektgespielin heran und will mit. ich sehe das objekt gestikulieren und diskutieren, dann gehen die beiden zusammen. ich werde nicht schlau aus diesem verhältnis, beschließe dann aber, dass es nicht mein shit ist.

anschließend sitze ich im nebenraum auf dem sofa zwischen k. und dem burschikosen mädchen, das h. heißt. wir sind breit, mit allen sinnen auf empfang und kuscheln uns wie küken aneinander. so findet uns k.s exfrau. die kenne ich zwischenzeitlich ebenfalls näher, da sie als betriebswirtin dem objekt derzeit mit den finanzen hilft.
"wie die heilige familie", spottet sie.
wir grinsen wie drei christkinder.
"wie spät ist es denn", fragt k. verschlafen.
"erst halb fünf", sagt die k.-ex.
"kommt, lasst uns noch auf den kiez weiterziehen", schlägt h. vor.

gesagt, getan. die k.-ex, die recht wohlhabend ist, spendiert uns ein taxi. dann entern wir eine schäbige kleine eckkneipe und trinken noch ein letztes bier.

und als schließlich schon die blasse oktobermorgensonne aufgeht, sitzen k. und ich allein zu zweit vor der kneipe auf einer bank, schulter an schulter, knie an knie. wir sagen nichts, müssen nur ab und an einmal lächeln. k.s haltung ist ein einziges großes fragezeichen, mir zugewandt, und ich lausche nach einer antwort in mir, die lungert irgendwo versteckt hinter einer herzklappe, sagt fang-mich-doch, aber ich bin müde, viel zu müde für ein wettrennen gegen meine angst, mein misstrauen, meine weigerung zu lieben, mich oder irgendjemand anders. ich sage: "ich fahr dann mal" und bleibe noch eine ganz weile sitzen, bis ich mich dann doch durchringe, auf das fahrrad zu steigen, eine letzte lange umarmung und das war es.

meine wohnung ist kalt, als ich sie betrete, riecht aber gut, vor allem die bettwäsche, in der das objekt geschlafen hat, und ich lege mich ab, komme sanft, sehr sanft runter und schlafe ein.

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