Sonntag, 10. Mai 2009
sonntagsimpressionen
an der u-bahn hatten sich drei jungs aus gutem hause eingefunden, wild entschlossen, im spießigen winterhude den getto-effekt zu proben. "guck mal, da drüben formiert sich der antiintellektuelle widerstand", witzelte ich. der hase schaukelte gefährlich auf seinen rad und kicherte. "das wäre ein cooler name für ein zweitblog."

wir nahmen die alsterdorfer straße nordwärts, um unser kleines französisches café zu besuchen und dort latte macchiato, ikea-haferkekse und französische hochglanzmagazine zu konsumieren. als ich den gehweg hochfuhr, schon einen fuß richtung pflaster gestreckt, um fünf meter weiter zu parken, raunzte mich ein alter sack an: "hier ist radfahren verboten!" leider fiel mir keine guter maulstopfer ein. was sagt man da? "solange ich deine rente bezahle, fahre ich rad, wo ich will"?
naja, egal.
nach einer runde schlabberkaffee und keks und zippe ging es schon viel besser. "wie spät?" "wir müssen nach hause, die katze soll nicht so lange alleine sein."

der katzenurlaub ist um eine ganze woche verlängert worden. was mich persönlich ja freut. wenn das kleine plüschmonster nur mal was fressen würde. nachdem sie ja kitekat und trockenfutter und auch leckerlis verschmäht, konnten wir sie gestern mit eiern und frischem hack begeistern. heute aber war wieder hungerstreik angesagt. vielleicht lag es auch daran, dass mieze seit gestern abend um 20 uhr nur gepennt hat - so recht appetit hat sie jedenfalls nicht. ihr frühstücksei von heute morgen hat sie, nachdem sie erst hunger-maumaus machte, nur kurz abgeschleckert. ungefähr 3/4 sind noch da. zwischendurch hatten wir bratnudeln und krabbensuppe vom china-imbiss geholt, da wäre sie uns fast auf den teller gesprungen. als ich sie dann zum näpfchen lockte, war sie plötzlich wieder nicht mehr hungrig.
morgen werde ich es dann mal mit thunfisch versuchen. irgendwas, was schön intensiv stinkt. vielleicht schmeckt sie nicht mehr gut. das problem haben ja auch viele unterernährte senioren.
gute tipps, katzenbesitzer-somebody?

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Mittwoch, 6. Mai 2009
flaumigflauschig-real
"immer dieses affektierte, gekünstelte getue", mault der kater, und es sträuben sich ihm die zarten nackenhärchen. "nichts ist real."

dabei ist die realität so bezaubernd. beispielsweise, wenn mama-hase und baby-hase draußen vor dem küchenfenster das abendtaubenetzte gras nibbeln und dabei die öhrchen vibrieren lassen, jedes geräusch in sich aufsaugend.
oder der rabe neulich an der alster, der zehn zentimeter neben mir das machte, was ich beim wellensittich meiner oma immer "vogelgymnastik" nannte: stecken, flügel ausbreiten, mit dem bein darunter entlang streichen und, weil die sonne doch schon recht warm schien, den schnabel etwas öffnen und dabei mit dem blitzblau schimmernden augenlid blinzeln.

überhaupt tiere. die sind mir manchmal lieber als die menschen.

deshalb freue ich mich auch so sehr, wenn wir morgen abend unseren flauschigen gast in empfange nehmen, der bis sonntag bei uns weilen soll. es ist eine mieze, und sie heißt sissy. sie ist alt und auf einem auge blind, was ihr ein bisschen verwegenheit verleiht und zugleich diesen weisen ausduck wie ihn sonst eulen haben.

dem cabkater wird das nicht so gefallen. denn dann muss er meine streicheleinheiten teilen. heute hat er ganz schnell sein sushi weggemümmelt "bevor die katze kommt und das wegfrisst". tja, kater und katzen haben es ja nicht so mit dem revier-teilen. obwohl ich sicher bin, dass ich ab morgen fast überflüssig sein werde, wenn kater und kätzchen einander haben. mal sehen. ich jedenfalls bin ich aufgeregt wie eine fünfjährige.

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Samstag, 2. Mai 2009
invasion der ameisen
vorgestern waren es zwei.

in der nacht zum 1.mai, als ich vom tanzen kam, waren es 200.
große tot-tret-aktion (karma dadurch ziemlich angeditscht) und verzweiflung.
nachts bis halb fünf die wohnung geputzt und ameisenleichen entfernt (man will die ja auch nicht an den nackten füßen, wenn man nachts zur toilette wankt).

freitag, 1.mai:
noch vereinzelte ameisen. die dann tot gemacht. gewagt, die wohnung nach einer halben stunde ameisenfreiheit zu verlassen und zu hoffen. vielleicht hatte ich ja nur was rumstehen, was die von draußen reingeholt hat.

samstag, 2.mai:
in weiser vorraussicht insektenspray gekauft.
bei betreten der wohnung nach 24 stunden dann etwa wieder 200 ameisen. invasion von bad und küche jetzt ins schlafzimmer.
gesamte wohnung kontaminiert. starker verdacht, dass das gift nicht wirklich wirkt.
gibts sowas? resistente ameisen?

ich flüster mal ganz laut: HHHHHHIIIIILLLFEEEEEEEEE!!

(und meine wohnung ist jetzt sowas wie bikini atoll, bloß strahlungsärmer).

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Mittwoch, 29. April 2009
fremde körperteile
der james sitzt vor mir am bildschirm, das kinn in die hand gestützt. ich greife von hinten seinen katerflauschenacken entlang, ergrabble einen finger der stützenden hand.
ich, ins romantische halbdukel flüsternd: "was fürn finger ist das denn?"
james, abwesend: "das kein finger."
???
james, erläuternd: "das ist der daumen!"

aha!

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Sonntag, 26. April 2009
geometrische betrachtungen
in mir ist ich, wie eine murmel, glasklar, hart, rund, keine einschlüsse. alle begegnungen sind geometrie, tangenten. sie huschen vorbei wie ein kometenschweif millionen kilometer entfernt, kein eintauchen in eine atmosphäre, so es eine gibt. ich ruhe in mir selbst, schwer und dunkel, wie in einem grab.

in mir bleibt kein platz zum atmen. ich bin keine leichte, luftige persönlichkeit, kein sommerhauch. meine tiefe ist die dichte einer geballten masse, nicht messbar. meine sehnsucht frisst alles auf, von zeit zu zeit, traurigkeit wie ein marianengraben, ein imperialistisches klaffen bis zum kern.

ich zolle meinen höchsten respekt dem, der es mit mir aufnimmt. der um mich herum eine welt baut, in der ich zu gast, vielleicht von zeit zu zeit auch zuhause sein darf. ein punkt in einem diagramm. immer geschlossen, mit losen linien nach außen, dürftig, verzweifelt ob meiner eigenen unzerbrechlichkeit, die kaum mehr mitteilbare maße angenommen hat. die stille in mir, für die es keine worte gibt, das schweigen, das mich in mir einschließt.

ich erwarte kein verständnis. ich will nur noch ein wenig diese hand halten dürfen, die so weich und gut und fest ist. die mich so fühlen macht, als sei ich nicht nur punkt, sondern sonne in einem kleinen universum.
und ich bete, dass ich nichts verbrennen möge.

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anstatt party
... und das konzert werde ich wohl eh auch nicht sehen.


ein alter, recht selten gespielter song von dm, der für mich damals 2003/04 mit einem unbeschreiblich schönen lebensgefühl verbunden war. das hier auf youtube scheint live zu sein, das original habe ich vom dj von schallplatte digital überspielt bekommen.

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