Freitag, 24. April 2009
abschaffung der kindheit
"warum unsere kinder tyrannen werden" lautet der vielversprechende titel eines buchs von michael winterhoff, das ich sofort mit den attributen "populärwissenschaftliche scheiße" und "trendgeschwafel" abgestempelt hätte.
jetzt muss ich es doch lesen. weil es genau die these aufzugreifen scheint, die mir mein ganzes studium lang im kopf herumgespukt ist: dass eltern ihre kinder nur dazu benutzen, geliebt zu werden und versuchen, ihr ich mit dem ihrer kinder zu verschmelzen. so ähnlich steht es im klappentext bei amazon. damit wäre dann gesagt, woran auch lehrer scheitern: an der unfähigkeit der eltern zu erziehen. denn liebe und erziehung haben nur bedingt miteinander zu tun - mein harscher befund und die essenz meiner eigenen kindheit und jugend.

hat´s schon wer gelesen?

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Mittwoch, 22. April 2009
verboten gut
ich glaube, es gibt nichts schöneres als dieses begehren, dieses nackte begehren im gesicht eines mannes, das mich meint, genau in diesem moment, in dem dieser mann selbst vor sich verblasst, weil er nur mich sieht. wenn ich ihm dann mit meinem blick, meinen berührungen sagen kann, ich dich auch.

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Mittwoch, 22. April 2009
mengenverhältnisse
heute gelesen, dass es inzwischen genauso viele übergewichtige menschen auf der welt gibt wie unterernährte. schuld am übergewicht sei laut neuer forschungsergebnisse der urinstinkt aus der frühgeschichte des menschen "friss, was du kannst, weil du nicht weißt, wann es wieder was gibt". komischweise hört dieser trieb nie auf, auch nicht, wenn man 200 kilo wiegt.
das interessante ist - ganz ohne jetzt diskrimieren zu wollen, denn es stand im focus - dass das übergewicht vieler menschen der umwelt schadet. denn diese menschen belasten durch vermehrte treibhausgasproduktion das klima! klingt wie ein absurder witz, ist es aber nicht.
ich erinnere mich, als kühe wegen ihrer methangasproduktion in der kritik standen. sie würden den treibhauseeffekt ankurbeln. verrückt.

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Montag, 20. April 2009
pharmamusikalisches
(achtung, eklig!)

als ich heute meine schlaftabletten bestellte - die guten rezeptfreien, die immer so reinhauen, weil sie unlogischerweise die doppelte dosis enthalten wie die rezeptpflichtigen - stöberte ich noch ein wenig in den damenhygieneartikeln. da nicht nur mann, sondern auch frau heutzutage allzeit bereit sein muss, und das auch noch, ohne spuren zu hinterlassen, überlegte ich angesichts der bloody roots, die ich so hinter mir herziehe, ob ich nicht besser mal wieder softtampons kaufen sollte. also die dinger, die beim sex drin bleiben und das laken sauber halten und die auch immer die damen aus dem horizontalen gewerbe benutzen, um nicht eine ganze woche pro monat einnahmeausfall zu haben. der hase, der kein fremdes blut an ureigenen körperteilen mag, würde es mir danken, dachte ich, und die umwelt auch, wenn wir nicht immer soviel vanish-ochsen-action verbrauchten.

wer den spaß haben will, muss allerdings auch tief in die tasche greifen. der stückpreis der schaumstoffbällchen liegt bei über einem euro. nicht unbedingt für den täglichen gebrauch geeignet. einmal menstruieren würde da etwa 15 bis 20 euro kosten, je nach überschwemmungsintensität. aber es sollte doch unlängst mal günstige alternativen geben, dachte ich entnervt. das ist ja schon diskriminierend, diese tampon-preise. sollte man mal versuchen, für eine packung schlabbriger spüllappen mit vier stück inhalt fünf euro zu verlangen! aber tampon-preise haben sicherlich männer gemacht. solche männer, die auch die schwarzafrikanischen baumwollpflücker und freundschaftsbändchenknüpfer schikanieren. trickreich sind die obendrein: dort, wo die tampons erfreulicherweise nur die hälfte kosteten, zahlt frau auch gleich mal 5,90 euro versandkosten. das haben doch die typen erfunden, die diese "warum haben frauen ein gen mehr als ein pferd - damit sie nicht aus dem putzeimer trinken, hahaha"-witze reißen.

ich war erzürnt. ich schäumte vor galle und wollte mich auf der stelle einer terrorzelle verhutzelter feministinnen anschließen. doch plötzlich musste ich meinen zorn zügeln: denn da waren sie endlich - neben gleitmitteln, analduschen und anderen frivolitäten von derselben marke. ein paar cent preiswerter als vom gängigen hersteller und mit einem namen, der himmlische musik in vieler menschen ohren sein muss: j*y d*vision.
ich überlegte reiflich, doch dann begann ich, mich komisch zu fühlen. das produkt vor augen und die musik im ohr wollten nicht recht passen. schließlich verwarf ich den kauf. die band und diese tampons, das ging einfach überhaupt nicht zusammen. ich fand das ganze irgendwie ein wenig geschmacklos. und selbst wenn es sehr nahe läge - man nennt ja auch kein hörgerät "beethoven" oder ein abführmittel "dieter bohlen". wo kämen wir denn da hin.

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Freitag, 17. April 2009
indifferent
zwei seelen wohnen, ach, in meiner brust. teufelchen und gretchen, das bin ich wohl. zwischen der, die ich war und der, die ich bin, liegen welten. aber wie tag und nacht mischen sich diese welten neuerdings wie in einem traum. beide sind inzwischen präsent. und die, die jeweils gerade nicht präsent sein darf, macht in form dieses brennenden gefühls in der brust, das man sehnsucht nennt, auf sich aufmerksam. ich bin zerrissen, wunden küsst mir allerdings keiner. wer sollte das auch können.
ähnlich fühlte sich der anfang meiner pubertät an. zum einen wollte ich gerne das liebe kleine mädchen sein und mich abends auf der couch bei meiner mutter ankuscheln. zum anderen wollte ich von zuhause weglaufen, drogen nehmen und mit damals nicht vorhandenen freunden wilde parties feiern. beides war nicht drin, nicht einmal eins von beiden. ich stand draußen, schaute mir beim leben zu und konnte nur den kopf über mich schütteln. hesses "demian" wurde damals zu einem sehr wichtigen buch für mich. bei allem, was ich tat, um halbwegs ich zu sein, das ich, von dem ich meinte, dass ich es sein müsste - bei all dem blieb stets ein gefühl: das gefühl des selbst verursachten unglücks. vielleicht tat ich nicht einmal das falsche, aber mein handeln und mein umfeld passten nicht zusammen.
bitter, dass man fast doppelt so alt wieder einmal an dieser weggabelung steht. und das schlimmste: man steht. weil man ja im alltag inzwischen nicht mehr zum nachdenken kommt. alles konzentriert sich darauf, dass man am ende des tages das nachdenken abschaltet, um schlafen zu können, um den nächsten tag, an dem man wieder und wieder seine rolle spielt, ertragen zu können.
einen unterschied zu meinem 13jährigen ich gibt es allerdings: damals war ich noch davon überzeugt, dass mein leben noch anfangen und dass dann alles gut werden würde. diese hoffnung habe ich heute nicht mehr.

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