Freitag, 15. Oktober 2010
meine wahren fans
search request: "wie werden wir sehkrank!"

liebe unbekannte fans,

zunächst werdet ihr erstmal hier members. kostet auch nur 50 euro/monat mitgliedsgebühr.

danach dürft ihr mich verlinken. macht nochmal 50 euro/monat.

als nächstes könnt ihr meine autobiografie erwerben. einfach copy & paste hier so roundabout die letzten fünf jahre. kostet 1000 euro. einmalig! kinder, das ist ein spottpreis.

in letzter instanz lasse ich mich schließlich für euch klonen. ihr adoptiert den klon. macht summasumarum eine mio euro - und das für lebenslänglich sehkrank!

ja, nu, dann sage ich schon mal: dankeschön!

mit freundlichen grüßen

frau morphine

p.s.: ist ja überhaupt eine geile geschäftsidee. sollte ich mir patentieren lassen: "mit dem blog zur ersten eigenen million".

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Dienstag, 12. Oktober 2010
morning-low
in absolut suizidaler morgenstimmung.

wieder mal von zuhause geträumt. also da, wo mein zuhause nicht mehr ist. aufgewacht, hier, was irgendwie nicht zu meinem zuhause werden will.

im moment geht gar nichts.
der job im büro.
meine eigenen kunden.
die männerwelt.
der winzige freundeskreis, gefühlt out-of-reach.
meine eltern, glücklich, geborgen, ahnungslos von dem, wie es mir geht.

und ich kann immer noch nicht wieder heulen. obwohl ich gestern im supermarkt kurz davor war. aber das war dann peinlich, so an der kasse.

sorry fürs langweilige tagebuch-bloggen.

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Sonntag, 10. Oktober 2010
krise und frieden. eine erfolgreiche vermittlung
nach zwei langen wochen konnte ich gestern endlich notieren: object found. ich betrat gerade die geheiligten hallen, als ich es schon entdeckte: unter einem langen ledermantel verkrochen saß es vollkommen in sich gekehrt an der bar und war im begriff, sich mal wieder zuzuschütten. sein wahrnehmungsradius schien sich auf den einer ameise zu beschränken, denn es bemerkte weder mich noch irgendetwas um sich herum. da ich ohnehin sauer war/sein wollte, ging ich erst einmal zur garderobe, um meine 100 schichten herbstbekleidung abzulegen. dann sagte ich einem bekannten hallo. anschließend setze ich mich mit abstand zum objekt ebenfalls an die bar und bestellte ein bier.

da wir beide extreme geruchsmenschen sind, können wir unsere anwesenheit in einem gewissen umkreis riechen - also beispielsweise auch, wenn wir einander die rücken zukehren. so wartete ich, dass sich der wahrnehmungsradius pheromonbedingt langsam weiten würde. dies funktioniert, wie ich gleich feststellen sollte, auch unter starkem alkoholeinfluss. nach kurzer zeit zeigte das objekt anzeichen von frisch erwachtem bewusstsein, berappelte sich und schlurfte zu mir herüber. dann krabbelte es auf den barhocker neben mir.

toll. da saßen wir nun. mir fiel auf, dass ich nicht wusste, was ich sagen sollte. somit blieb ich stumm und verzichtete auch auf eine umarmung. das objekt lümmelte sich über den tresen und versank wieder in seiner welt.
das war mir zu doof. ich stupste energisch seine schulter:
"sag mal... alles in ordnung bei dir?"
das objekt zuckte die schultern und nickte und schüttelte den kopf in einer bewegung:
"ich bin nur kaputt."
"schlechte laune?"
"hmhmhmhpf. die können mich heute alle mal am arsch lecken."
klare ansage. ich rutschte vom hocker und ging.

zwei stunden später, nachdem ich dank eines hervorragenden dj-sets sehr lange sehr nett tanzen durfte, begegneten wir uns wieder im nebenraum. das objekt hing auf der couch. zunächst dachte ich, es schliefe, aber es hatte die augen geöffnet und wirkte irgendwie traurig. da ich immer noch sauer und auch traurig war und ich mich trotzdem oder deshalb fürchterlich nach einer liebenden geste sehnte, setzte ich mich daneben. ich erhaschte einen blick, dann wanderte die hand des objekts in richtung meines oberschenkels. es begann, mit dem finger das muster meiner strümpfe nachzuzeichnen. ich sagte nichts. das objekt blieb ebenfalls stumm. plötzlich aber sprang es auf und lief aus dem raum.

noch bevor ich mich von der merkwürdigkeit des augenblicks erholt hatte, kam ein gemeinsamer freund herein - unser dritter im bunde und manchmal auch im bette. nummer drei freute sich ganz offenherzig, mich zu sehen, pflanzte sich neben mich und umarmte mich.
"hast du schon das objekt gesehen?" fragte ich.
"ja, ich hab ihm gerade hallo gesagt."
"der ist heute aber echt scheiße drauf, oder."
der dritte im bunde war erstaunt:
"warum? zu mir war er ganz normal."
jetzt war ich erstaunt.
"vorhin, nachdem wir uns zwei wochen nicht gesehen hatte, sagte er zu mir, es könnten ihn heute alle mal am arsch lecken."
der dritte im bunde, der das objekt schon mehrere jahre kennt, war jetzt nicht nur erstaunt, sondern entsetzt:
"DAS hat er zu dir gesagt? das ist aber überhaupt nicht typisch für das objekt."
"ja, keine ahnung, vielleicht falle ich ihm ja auf die nerven."
"glaub ich nicht. der ist manchmal so. dann meldet er sich auch ewig nicht."
der dritte, der ein sehr gutes gespür für zwischenmenschlichkeiten hatte, nahm mich tröstend in den arm. so saßen wir da, als das objekt zurückkehrte.
"ich tanz noch ein lied, dann gehen wir, ist das okay für dich?", sagte es unwirsch zum dritten.
der dritte nickte. das objekt drehte sich auf dem absatz um und ging wieder.
der dritte sah mich fassungslos an:
"sag mal, was hast du denn verbrochen?"
"wie gesagt, ich bin ratlos. aber irgendwas stimmt nicht, fürchte ich."
"der ignoriert dich total! das ist unverschämt!"
soviel anteilnahme und fürsprache taten gut. ich sah den dritten mann flehentlich an. er verstand sofort:
"ich geh mal rüber und löchere ihn. aber glaub bloß nicht, dass ich dir dann alles erzähle!"
er grinste sein knabenhaftes grinsen und knuddelte mich noch einmal. ich musste lächeln. für sein 23 jungen jährchen war der dritte einfach unschlagbar sozial kompetent. jedenfalls cleverer und mutiger als ich und das objekt zusammen.

während der dritte als diplomat operierte, holte ich meine sachen beim garderobenmann. der garderobenmann verwickelte mich wie immer in einen charmanten smalltalk. ich wusste, dass er ein auge auf mich geworfen hatte. aber im moment interessierte mich nur eins: die ergebnisse des krisengesprächs. also begab ich mich wieder an den tresen, wo mich der dritte nach den krisenverhandlungen treffen wollte.
ich schlüpfte gerade in meine niegelnagelneue second-hand-nicki-jacke, als ich eine überraschung erlebte. statt des dritten kreuzte das objekt auf und postierte sich betont selbstbewusst vor mich. daraus konnte ich schließen, dass ihm etwas sehr unangenehm war.
das objekt suchte meinen blick und konstatierte:
"der dritte sagt, du sagst, ich sei komisch drauf."
"exakt. heute abend bist du mehr als komisch." soviel grimmigkeit hatte ich gar nicht in meine stimme legen wollen, aber sie war da und ließ sich nicht zurückhalten.
das objekt schlug die augen nieder. dann flüsterte es:
"tut mir leid. tut mir leid. manchmal bin ich so... aber ich hab dich lieb. ich hab dich so-so lieb."
das objekt breitete zögerlich die arme aus. ich überlegte einen moment. können wir das so gelten lassen? naja, okay. ich kroch in seine arme. das objekt hielt mich ganz lange ganz fest und vergrub sein gesicht an meinem hals. dann richtete es sich auf, streckte sich und gab mir einen kuss auf die stirn.
"bis bald."

ich hoffe doch. wenn du dich morgen noch an das erinnerst, was du heute im rausch gesagt hast.

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Freitag, 8. Oktober 2010
let your blood flow
die trauernde dumpfheit hat einen neuen impuls bekommen. es ist wut. wut ist allerdings aufwiegelnd. mein blut ist in wallung. ich leide unter schwerer schlaflosigkeit.

das objekt bleibt verschollen. es gibt zahlreiche mögliche unschöne gründe dafür:

- es fickt was anderes.
- es hat gerade sehr viele nachtschichten im job/sehr viele schichten im zweitjob.
- es hat mal wieder seine unsoziale phase, in der es nicht aus dem haus geht.
- es ist nach einer überdosis in der geschlossenen anstalt gelandet.
- oder - horror extreme - es hat sich verliebt.

ganz egal was es ist: ich bin jetzt sauer. so.
aufgrund der sauer-schlaflos-stimmung bin ich in kotziger laune. zu beruhigungszwecken habe ich 150 tacken in böse kräuter investiert. naja, andere leute trinken stattdessen ihr feierabendbier. allerdings muss ich nach zwei wochen dauerkonsum sagen: der scheiß macht blöd in der birne. und fett wird man auch, weil es appetitanregend ist. letztes jahr um diese zeit konnte ich in meinen klamotten zelten. jetzt muss ich langsam was dranstricken gehen.
also werde ich wieder aufhören. auch wenn ich jetzt super zigaretten drehen kann. denn am ende lande ich sonst noch in der geschlossenen. wo ich dann das objekt treffe und einen mord begehe. wär dumm. wo ich doch immer noch meinen ausbeuterjob kündigen und lehrerin werden könnte.


mehr böse musik für böse leute!

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Mittwoch, 6. Oktober 2010
luft und emotion anhalten
eigentlich bin ich in ufernähe gebaut. ich weine nicht bei jeder gelegenheit, aber wenn mich etwas trifft, dann kann ich das gut rauslassen. wenn keiner guckt, versteht sich.

in den letzten tagen rechnete ich nach, wann ich das letzte mal richtig geweint habe. es muss irgendwann im letzten winter gewesen sein! seither kommen tränen nicht mehr. die traurigkeit ist ein dumpfer kloß, der nicht augenwärts wanderts, sondern ein stockwerk tiefer da in die region über den magen plumpst. dann werde ich ganz stumpf und müde, schleppe mich durch den tag/die tage/die wochen und irgendwann ist wieder gut. gesund kann das nicht sein.

also hab ich gestern mal mit aller gewalt versucht zu heulen. ging nicht. dafür hätte ich gerade so viele schöne gründe.

vielleicht brauche ich mal urlaub. ich hatte neun tage im juli und zwei an ostern. that´s all.

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Samstag, 2. Oktober 2010
haarspalterei oder ein bisschen schizo
dauerstress verändert die neurogenese im hippocampus, haben wir gelernt. gut. ich merk´s langsam. heute stellte ich fest: ich bin schizophren.

mein alter ego ist eine affektierte, oberflächliche luxuskuh, die zu frustshoppen neigt und dabei KEIN BISSCHEN an meinen knappen geldbeutel denkt. heute hat sie für 21 euro ein gottverfluchtes haarspray gekauft. sie nutzte eiskalt den moment, in dem ich beschäftigt war, neuste burn-out-statistiken für meine kleinen patientenverwirrenden content-beiträge zu recherchieren, und legte klammheimlich das produkt in den virtuellen einkaufswagen. dann schmuggelte sie meine kreditkarte an meinem alarm- und aufmerksamkeitszentrum vorbei und schwupps, war es schon zu spät. bestellung getätigt.

das schlimmste ist, dass das kleine flittchen noch nicht mal auf derbes ausschimpfen reagiert. es hat gestern unter abwesenheit des objekts die bekanntschaft mit der blonden objekt-schönheit gemacht, die auch von nahem verdammt jung, körper- und stilbewusst ist und elfenartigkeit und verruchtheit perfekt kombiniert. jetzt ist das alter ego in maximalem aufruhr: "wie willst DU dagegen anstinken?!"

ich habe der tusse jetzt erstmal stubenarrest erteilt. am ende bucht sie sonst noch eine schönheitsoperation.

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Donnerstag, 30. September 2010
schulterklopfer for myself
heute ein projekt abgelehnt, bei dem mich der kunde dahingehend verarschen wollte, dass ich dieselbe arbeit doppelt/einmal umsonst leiste, nur, weil er sein chaos nicht unter kontrolle hat und mir das falsche dokument zum lektorat geschickt hat. vermutlich habe ich jetzt einen klienten weniger, dafür aber meinen stolz und meine würde nicht ganz abgelegt.

es gibt ja nicht viel, was ich damals während meines ausbeuter-volontariats gelernt habe. außer demut habe ich mir aber den folgenden satz gemerkt: "ich mache nur arbeit für geld!"

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Sonntag, 26. September 2010
löchern
clubbing. es ist 5.20 Uhr morgens. ich befinde mich in mittelmäßiger laune, nuckle den letzten rest des letzten caipis aus dem glas, habe schon meinen mantel an und überlege, ob ich nach hause gehen soll. da fällt er mir auf. er ist ein freak, das sehe ich auf den ersten blick. volle gothic-montur und alberne dreadlocks, obwohl bestimmt schon mitte 30. vom typ her so eine ich-bin-junggeblieben-weil-ich-nie-verantwortung-tragen-musste-gestalt. spontaner eindruck: schrecklich. noch schrecklicher jedoch: er glotzt mich an, unverhohlen und wortlos, schon mehrere minuten lang.

manch einer fühlt sich in solch einer situation peinlich berührt, ein anderer, bei gefallen, übermäßig geschmeichelt. meine eine allerdings - mittelmäßig gelaunt, müde und irgendwie unangenehm angetrunken - wird jetzt richtig pissig und bekommt große lust, die verbale hand zur faust zu ballen und sie in richtung der vorderen zahnreihe des freakigen gegenübers zu schicken.

also stelle ich mich aufrecht hin, sodass ich den freak um eine halbe haupteslänge überrage, schiele über den rand meiner imaginären lehrerinnen-brille und sage mit größtmöglicher arroganz: "ja, bitte?", so, als würde ich einen unerwünschten anrufer am telefon abwimmeln wollen.
das unverhohlene glubschen verwandelt sich in ein leicht verschrecktes, der freak scheint verstört. also lege ich nach, in der hoffnung, noch mehr verlegenheit zu erzeugen und ihn so zum gehen zu bewegen: "kann ich dir helfen? suchst du was?"

mist. das war schon wieder zu nett. der freak sammelt sich. ich schließe eine kleine wette mit mir selbst ab: gleich kommt bestimmt ein "bist du öfter hier?". doch ich verliere die wette gegen mein alter ego, denn der freak fragt:
"willst du etwa schon gehen?"
aber hallo, das hat ja schon fast romeo-und-julia-format! ich überlege kurz, ob ich sagen soll: "es war die nachtigall und nicht die lerche", aber da ich besagte nachtigall bereits trappsen höre und ich dem freak zutraue, dass er mein sarkastisches zitat romantisch fehlinterpretieren könnte, beschließe ich, weiter die panzerglasharte arrogant-und-herzlos-taktik zu fahren. also sage ich einfach:
"ja."
klar und unmissverständlich, und wer in der lage ist, zwischen den nicht vorhandenen zeilen zu luschern, versteht: verpiss dich. der freak ist aber offenbar leider kein leser, sondern stellt mir schon die nächste frage:
"warum?"
"weil mir danach ist."
der freak miemt den erstaunten:
"aber warum denn?"
"ich habe den ganzen tag gearbeitet", seufze ich entnervt.
der freak verfällt kurzzeitig wieder in erstauntes starren, schiebt aber dann gleich nach:
"aber warum denn? warum arbeitest du an einem samstag?"
"weil ich selbstständig bin."
der freak runzelt die brauen:
"warum hast du dir das denn ausgesucht?"
ich rolle demonstrativ die augen, zucke mit den achseln und sage dann vornehm genäselt:
"ist so passiert."
dann schaue ich in eine andere richtung. ich halte das für ein deutliches signal "gespräch beendet". doch der freak schiebt sich vor mich, bringt sein gesicht ganz nah an das meine und versucht, mir in die augen zu starren.
das wird mir zu viel.
"ich geh tanzen", sage ich und bin weg.
leider nicht weit weg genug. ein lied später rollt auch der freak auf die tanzfläche und nähert sich mir. er versucht, meine hand zu greifen. ich ziehe sie weg. das zweite mal bin ich nicht schnell genug. er bekommt sie zu fassen und ich muss sie ihm gewaltsam entwinden.

dann gehe ich von der tanzfläche in den nebenraum. dort, weiß ich, sitzt das objekt. manchmal, wenn das objekt gute laune hat und merkt, dass ich doof angemacht werde, funkt es dazwischen, indem es mich an sich zieht und mich demonstrativ leidenschaftlich knutscht. diesmal allerdings habe ich schlechte karten. das objekt ist nämlich krank, hat sich heute nur mühsam mit legalen und illegalen substanzen gedopt in den club geschleppt und sitzt nun nach einigen bieren, schnäpsen und heimlichen joints schlafend am tresen, den kopf in die arme gebettet. ich lege ihm meine kalte hand in den nacken und streichle ihn ein wenig, doch alles, was ich bewirke, ist ein wohliges grunzen. der beschützerinstinkt ist offenbar bereits totgesoffen.

zu dumm. denn da steht schon wieder der freak vor mir und knüpft an unser berauschendes gespräch von vorhin an:
"was arbeitest du denn dann so samstags?"
"ich bin texterin."
der freak ist sichtlich beeindruckt:
"du hast vorhin aber auch eine coole performance hingelegt!"
jetzt muss ich irritiert glotzen:
"bitte was?!"
"naja, das merkt man, du kannst gut tanzen, du hast ein gutes körpergefühl..."
"was hat das denn bitte mit schreiben zu tun?!"
nun ist der freak wiederum verwirrt:
"ich denke, du bist tänzerin?"
"TEXTERIN!! ich bin TEXTERIN!"
hielt er mich etwa kurzfristig für ein leichtes luder, das sich nachts in zwielichtigen spelunken um die stange räkelt? das wird ja immer schöner.

mein krakelen hat jetzt auch das ohr des objekts erreicht. es hat den kopf in den armen in unsere richtung gedreht und blinzelt träge wie eine wildkatze auf barbituraten. einsatzfähig wird es heute ohnehin nicht mehr sein, also entscheide ich mich dafür, jetzt tatsächlich zu gehen.
"wie heißt..." setzt der freak gerade zur nächsten frage an, als ich seine hand nehme, sie förmlich schüttle und überschwänglich sage:
"nett, dich kennen gelernt zu haben, aber ich muss jetzt wirklich nach hause!"
"aber warum denn?"
"warumwarumwarum", stöhne ich jetzt ganz offen entnervt und will mich wegdrehen, als der freak schon wieder nach meiner hand greift. ich entreiße sie ihm heftig und schreie:
"es ist gut jetzt, kapiert!!"

und endlich, endlich habe ich erfolg. der freak verzieht sich. wutschnaubend knöpfe ich meinen mantel zu. dann gehe ich zum objekt, um mich zu verabschieden. das objekt hat die szene grinsend mitverfolgt hat und meint schläfrig zu mir:
"du ziehst immer die gleichen seltsamen typen an. magisch."
"aber echt. dich hab ich ja auch angezogen."
"ich bin nicht seltsam."
"du bist ein außerirdischer", sage ich liebevoll.
"ich bin kein marsmännchen, ich bin einfach nur peter pan", wehrt sich das objekt und vergräbt den kopf wieder in den armen.
ich knuffe seine blasse wange. sie fühlt sich heiß an.
"nich wachmachen, büddeee..." nuschelt peter pan.
"willst du nicht nach hause?"
das objekt schüttelt den kopf.
"aber du musst ins bett. du hast fieber."
"ich bleib für immer hier", beharrt das objekt.
"gut", erwidere ich, "ich jedenfalls gehe jetzt."

ich drehe mich um und will hinaus in den regen stiefeln, endlich nach hause nach diesem merkwürdigen abend. an tür legt sich mir plötzlich eine hand auf die schulter. ich wirble erschreckt herum, bereit, dem freak gepflegt die stirn zu bieten und ihm dabei die nase zu zertrümmern. doch dann halte ich inne, denn es ist bloß das objekt, das zerzaust vor mir steht:
"ich hab dich ja noch gar nicht richtig verabschiedet!"

zwei bärenhafte umarmungen später sitze ich eingemummelt auf dem fahrrad und radle durch den wolkenbruch. als ich im dämmerlicht zuhause ankomme, friere ich und muss niesen. die objekt-viren scheinen eine ähnliche anziehungskraft zu besitzen wie die objekt-pheromone: sofortige infizierung mit unmittelbar eintretendem sexualtrieb- respektive erkrankungsausbruch. was soll´s. ich putze zähne, anschließend zünde meine vanille-kerze an, kuschle mich ins bett auf meine nagelneue super-heizdecke und mache mir ein paar warme gedanken...

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Mittwoch, 22. September 2010
objektstolz
nach dem akt.
"was ist mir dir, du zitterst ja, ist dir kalt?"
das objekt, das sonst zwei minuten nach der ejaklation in katatonische starre verfällt und höchstens noch für nackenkraulen zu haben ist, befindet sich in liebevoll-besorgter aufregung und breitet unkoordiniert-hektisch alle vorhandenen decken über mich.
"mir ist nicht kalt, ganz im gegenteil", wehre ich mich gegen die schwarze, immer frisch gewaschen duftende flanell-flut, die das objekt über mich sinken lässt.
"was dann? bist du müde?"
die grünen objekt-augen fixieren mich prüfend. (sie sind ganz pupille, ganz glas, wunderschön jenseitige junkie-augen eben, bei denen ich mich oft frage, wie man so fern aller wirklichkeit noch so viel aufmerksamkeit für eine andere person aufbringen kann.)
"ich bin nicht müde", sage ich.
das objekt fasst mein handgelenk und fühlt mit routiniertem griff meinen technoid wummernden puls. es grinst:
"nein, müde bist du bestimmt nicht. sag mir, was ist los mit dir? wonach ist dir?"
ich muss lachen:
"hey, alles ist gut. das ist nur postkoitales beben."
"postkoitales beben", das objekt wiederholt bedächtig meine worte und grinst stolz wie ein löwe. "das hast du gut gesagt."
dann rollt sich der löwe in meinen armen zusammen wie ein kätzchen. fünf minuten später schläft er tief und fest. im schein der niederbrennenden kerzen spiegeln sich silbergraue fäden in der kupferroten mähne, die immer nach kindershampoo riecht und irgendwann auch mich süß in den schlaf duftet.

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Freitag, 10. September 2010
die hosen runterlassen
wir sind kränklich, aber nicht mehr krank genug, um nicht misslaunig zu werden ob der unfreiwilligen ruhe. 48 stunden, nachdem man/n mich als zusammengesunkenes, wirr fieberndes und völlig dehydriertes häuflein elend in die notaufnahme brachte, bin ich auf dem steilen weg der besserung. das merkte ich unter anderem daran, dass die 1/4 scheibe brot, die ich zuvor nur unter würgen und alleinig wegen der antibiotikum-bombe hinunterbrachte, heute in zwei happs gegessen war und ich anschließend dachte: jetzt wäre ein schöner großer latte mit karamell genau das richtige!

eigentlich spräche nichts dagegen, einmal nach nebenan zum liebenwerten portugiesen zu gehen und sich ein yummie-kaffegetränk hinter die binde zu gießen (schnauze, geldbeutel, du musst nicht immer das letzte wort haben!). doch der bauch wagt plötzlich einspruch. er gluckert kurz bedrohlich, dann muss ich rennen. damit nicht genug. kaum stehe ich auf nun doch wieder zittrigen beinen, muss ich nochmal rennen, diesmal mich übergeben. lovely.

ich fühlte mich an meine kindheit erinnert, als ich mindestens einmal jährlich mit antibiotikum-bedingt schlingerndem magen mit brecheimerchen vor den füßen auf der bettkante saß und zwei stunden lang vergeblich versuchte, mich selbst vom würgereiz abzulenken. später, so ab meinem 14. lebensjahr oder so hatte ich gottseidank kein antibiotikum mehr gebraucht. entweder war ich kerngesund oder tat so, weil ich es auf jeden fall vermeiden wollte, meine antibiotikum-überempfindlichkeit erneut auf den prüfstand zu setzen. aber ich sehe es ja kein, am mittwoch war rien-ne-va-plus oder wie die ärztin richtig anmerkte, das bakterium hätte ja auch meinen herzmuskel schädigen können.

das gute daran ist, jetzt muss ich aus dem haus und darf ganz legitim zur apotheke watscheln, um wieder neue medikamente zu kaufen, diesmal eben gegen die nebenwirkungen. aber es bedeutet, wenigstens eine halbe stunde eine sinnvolle beschäftigung zu haben. vorhin habe ich sogar schon im büro angerufen. nur, um zu hören, wie es ohne mich miss-unentbehrlich so läuft. wenn es mir heute abend gut geht, werde ich mir erlauben, einen teil der wohnung zu putzen. und morgen den anderen - damit ich auch ordentlich was davon habe. sowas muss man schließlich zelebrieren: das warme, duftende putzwasser, das satte platschen des bodenwischtuchs auf dem pseudoparkett, die hinterher blank spiegelnden flächen. ich gerate ins schwärmen.

wenn noch irgendjemand ein kleines projekt - die welt retten oder so - für mich hat, kann er sich gern an mich wenden. ich hab langeweile.

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