Mittwoch, 4. August 2010
interessant
.. wie schnell dritte eine situation beurteilen, an der zwei menschen beteiligt waren, von der sie aber nur die subjektive version des einen der beiden kennen. vermutlich ist es das gefühl von rechtschaffenem partei-ergreifen und ein-zeichen-setzen. tatsächlich ist einfach nur kleinbürgerlich und beschränkt.

... wenn man auf arbeit die volle verantwortung für einen zweiten kunden übertragen bekommt. soviel vertrauen bin ich nicht gewohnt. schon gar nicht als vorschuss. ich hoffe, es steckt nicht nur verzweifelt-blindes delegieren dahinter.

... wie man nach drei tagen schlaflosigkeit wieder langsam wacher wird.

... was passiert, wenn man in der u-bahn einpennt.

... wenn man einen geschäftsführer mit dem hundesitter verwechselt und sich dann mit ihm verabredet. ich wünsche mir ja ein wenig, dass er objekt-tauglich ist und vielleicht künftig alternativ meinen oxytocinspiegel nährt. rein optisch ist er jedenfalls ein alphamännchen.

... darüber nachzudenken, ob man einen asperger-autisten mit auf eine erotikparty nehmen kann. aber ich hätte ja noch ein paar opiate. für je nach dem, wem es dann langweiliger ist. oder für beide. oder so.

... dass ich muttergefühle entwickle. meine biologische uhr beginnt zu ticken.

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Sonntag, 1. August 2010
a question of trust
mein leben ist voller touristen. sie kommen, gaffen, vergnügen sich und reisen wieder ab. ich versuche, mit dieser flüchtigkeit zu leben, fühle mich selbst jeder verpflichtung entbunden, gaffe, vergnüge mich, fahre wieder weg. hin und wieder ein souvenir, das war es dann.

vertrauen hingegen ist rar. ich hab nicht viel davon. ich haushalte streng damit. die letzten jahre haben mich gelehrt: es lohnt sich meist nicht. vertrauen wird gern genommen und zum dank dafür gibt es ohnehin bloß schwache sprüche wie: "oooohhh, du bist so ein toller lieber mensch (ich hab dich gar nicht verdient)!"

es kostet mich inzwischen viel kraft und überwindung, jemandem zu vertrauen. aber hin und wieder tue ich es. ich hab schließlich menschenkenntnis, denk ich mir. doch ein zufall offenbart es dann wieder: lüge und betrug. inzwischen bin ich selbst lieber ein teil des spiels, indem ich zusammen mit anderen dritte betrüge. man ist aus erfahrung klug geworden: nie wieder opfer sein, immer täter. das ist fein, weil man außen vor bleibt, außerhalb der schusslinie, wahlweise am abzug. zero emotion, keine verwicklungen.

schwierig wird es allerdings, wenn man an menschen gerät, bei denen man als mitbetrüger selbst betrogen wird, indem sie einem vorgaukeln, es gäbe gar keinen betrug. anfangs ist man noch auf der hut, gesundes misstrauen. man spielt seine rolle und man meint, die rolle des anderen zu kennen. doch dann beginnt der mikrokosmos zu verschwimmen. das schleichende warme gefühl im bauch, weil jemand in der lage ist, die standardsprüche mal anders zu verpacken. weil dich dieser jemand in seine welt schauen lässt oder das, was er vorgibt, dass es seine welt sei. und plötzlich stellst du fest: du magst die oder den ja bzw. das, was sie oder er von sich zu erkennen gibt/vorspielt. und dann beginnt das große grübeln: würde es eventuell nicht schaden, in diesem fall besagtes kostbares vertrauen zu investieren? würde einem nicht etwas entgehen, wenn man es nicht täte? die tiefe, die substanz der dinge, authentizität? und überhaupt: was, wenn die oder der andere dir vertraut und dabei bemerkt, dass du es nicht tust? wäre sie oder er dann nicht zu recht enttäuscht?

sich fallen lassen. sich mal gut tun lassen. nicht strategisch denken, sondern einfach fühlen, mitgehen, mitmachen. irgendwo in dir poppt dieses merkwürdige bedürfnis auf wie ein werbefenster. und obwohl du weißt, dass bedürfnisse nicht gerade en vogue sind, denn man soll ja gefälligt selber tun und nichts fordern, wirst du irgendwann müde, es immer wegzuklicken. lässt dich stattdessen einlullen. und ehe du dich versiehst, hast du schon ein stück vertrauen verschenkt, das du nie wieder siehst. das ist weg für immer. der andere hat es konsumiert und weil du merkst, wie er sich freut, wie du ihm gut tust, gibst du gleich noch etwas hinterher. so beginnt der automatismus des verlustes. du siehst es noch schwinden, denkst dir, was für eine verschwendung, kannst aber nicht mehr zurück. drogenabhängigkeit funktioniert ähnlich.

bis dann unweigerlich der große moment der wahrheit kommt, in dem die illusion zerschellt. meist ist wieder mal zufall, der dinge ans licht bringt, ein betrunken dahergesagter satz, der unbefangene vierte. dann weinst du. du weinst nicht dem nach, was du nie bekommen hast, sondern dem, was du tatsächlich verloren hast: dein vertrauen. und dein vertrauen in das vertrauen.

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Sonntag, 25. Juli 2010
bube, dame und sonst niemand
pokern war fein. beide haben gegeneinander verloren. mein oxytocinspiegel jubiliert. seiner vermutlich auch.

sätze, die frauen hören wollen:
mann, jenseits der übermüdung: "ich kann nicht mehr, aber ich will noch mal!"

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Freitag, 23. Juli 2010
alles auf eine karte
nachdem meine pheromonrezeptoren im objekt der begierde ihren überoptimalen reiz gefunden haben, schlägt mein oxytocinspiegel seit einigen wochen wilde wellen. die gefühlslage wechselt zwischen schöner, purer geilheit und schmerzvoll-verwirrendem sehnen, das mir tags die worte hinter die zunge verbannt und nachts die zehen ins laken krampft. die emotionen sind in ihrer intensität drastisch, gemessen daran, dass der überoptimale reiz trotz allem ein recht unverbindlicher ist.

den oxytocinspiegel wieder zu senken ist eine schwierige angelegenheit. letztes wochenende fasste ich mir ein herz und einen mann, der mein parfum mochte und verbrachte die nacht in ottensen. während wir unsere sexuelle geladenheit aneinander abzureagieren versuchten, gingen meine gedanken immer wieder auf wanderschaft. irgendwann in den frühen morgenstunden schließlich begann der mann im fremden bett zu lachen und gestand mir, dass er eigentlich immer noch sehr verliebt in seine ex sei. ich prustete los und erzählte frank und frei, dass meine extase ebenfalls gerade ausgesprochen persongebunden sei und das experiment damit vermutlich gescheitert. auf diese art und weise endete die nacht sehr lustig und nett, aber nichtsdestoweniger blieb unser problem ungelöst.

ich strapazierte meine freundinnen und schilderte ihnen pro und contra am objekt und mögliche optionen für - ja wofür eigentlich? dabei stellte ich fest, dass frauen eben frauen sind. "red doch einfach mal mit ihm", rieten sie mir. "sag ihm doch, was du empfindest."
"ich weiß ja gar nicht, was das eigentlich ist", jammerte ich. "die meiste zeit über fühle ich mich wie eine nymphomanin auf sexentzug. mit der besonderheit, dass dieses verlangen sich diesmal mehr oder minder auf einen einzigen mann zu konzentrieren scheint. das macht mir sorgen. ich möchte eigentlich nicht mal mit dem ins kino gehen oder sonstige unschuldige aktivitäten unternehmen. kann verliebtheit so extrem unromantisch-körperlich verlaufen?"
spätestens an diesem punkt zuckten meine freundinnen die schultern und rollten die augen: herr, wirf ein antiaphrodisiakum vom himmel.

sogar meiner mutter fiel neulich auf, dass bei mir irgendetwas nicht stimmt. sie kannte die geschichte vom objekt in mutterfreundlichen auszügen und hatte sich bisher gefreut, dass ihr traum, endlich oma zu werden, so leicht in erfüllung zu gehen schien: ein mann mit kind ist schließlich schon mal eine halbe familie. wie sie unschwer erahnen mögen, ist meine mutter insgesamt eher eine überzeugte anhängerin der konservativen beziehungsform und hält nichts von blowjobs in dunklen ecken von parkhäusern und ähnlichen aufregenden dingen. ich erzählte vorsichtig von meinen momentanen gefühlen.
"das wird nichts richtiges", sagte sie, "trenn dich von dem depp."
"ich will den doch nicht heiraten", jaulte ich. "ich will doch nur was festes fürs bett."
"kind, mit der einstellung bekommst du keine familie", so meine mutter streng. ich legte auf, die sinnlosigkeit des gesprächs begreifend.

ich verstand, dass ich näher an das andere geschlecht heranrücken musste, um die sache zu durchdringen und herauszufinden, wie ich die angelegenheit in geregelten bahnen lenken konnte: sprich, entweder meinen oxytocinspiegel zu senken oder meiner begierde eine etwas regelmäßigere gelegenheit zum ausleben zu bieten. ich fand den geeigneten gesprächspartner in einem mann, der mit allen wassern gewaschen und hart geprüft ist, nichtsdestoweniger aber absolut glücklich und sexuell befriedigt lebt. "sag bloß nichts", riet er mir. "wenn du ihn jetzt mit gefühlen vollaberst, ergreift er sowieso die flucht."
"genau das war ja auch meine befürchtung", sagte ich.
"außerdem würdest du dir deine illusionen zerstören", fügte er hinzu. "und die machen das leben doch erst aufregend."
"meine illusionen machen mich krank", erwiderte ich. "er ist nicht da und ich kann ihn riechen. sein duft klebt an mir, obwohl ich frisch geduscht bin. und alles, woran ich denken kann, ist, hinzugehen und ihm die kleider vom leib zu fetzen."
"gut", sagte mein berater, "dann übe dich in askese."
"wie bitte?!"
"du darfst dich nicht erniedrigen. du musst die situation kontrollieren. er muss den eindruck haben, er müsse jetzt richtig was geben, um dich zu kriegen."
"das sollte er auch, verdammt."
"dann warte ab."
"und wenn er doch nicht zu potte kommt?"
"dann ist er ein arsch, der dich nicht verdient hat."
"hm. ich will aber nicht, dass er ein arsch ist", flüsterte ich.
"gott, mädchen, der kerl hat dich aber wirklich weichgespült. dich kann man ja so kaum auf die menschheit loslassen."
"ich weiß", heulte ich. "ich hab mich noch nie so schlecht und zugleich so unwiderstehlich gut zur selben zeit gefühlt."
"dann freu dich doch!"
ich freute mich. unerträglich.

jetzt kann ich es mir also aussuchen: reden, dumpen oder pokern. was hat wohl den besten effekt und richtet dabei den geringsten schaden an?

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Donnerstag, 1. Juli 2010
patenta/unte
patentante find ich irgendwie gut. klingt so nach familie.

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Mittwoch, 23. Juni 2010
positives erdbeerbeben
neue stelle, neues glück. oder vom regen in die traufe? keine ahnung. wir werden sehen.

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letzter tag beim alten brötchengeber. die erleichterung, die hackfresse meiner pissigen, ungefickten vorgesetzten nicht mehr sehen zu müssen, ist schöner als ein millionenteures abendkleid.

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netter abend mit lieber freundin in der schanze. public viewing mit so vielen anderen gutgelauten leuten. und dann besiegt argetinien die eu-schmarotzer griechenlands. rotzbesoffen applaudiert. schöner könnte das leben doch gar nicht sein.

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maradonna sieht mit den jahren immer besser aus. der bart steht ihm.

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oberwasser auch im liebesleben. der gedanke an das gesicht und den duft des o.d.b. macht mir bauchflattern. ich freue mich über das neu gewonnene vertrauen und die ungewohnte verbindlichkeit. ich bin wohl tatsächlich ein bisschen verliebt.

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Sonntag, 20. Juni 2010
father and son
im club treffe ich das aktuelle o.d.b. = mann nummer eins der beiden meinigen typen. und anstatt tanzen, trinken und feiern landen wir bei reden und rauchen auf der couch. wir ringen damit, was sich seit der letzten begegnung da zwischen uns anbahnt, kommen zu keinem schluss, entdecken aber bizarre parallelen im darüber-nachdenken. immerhin.

als die lichter angehen, bin ich müde und er putzmunter. ich tanze den last song, röyksopp, what else is there, und dann habe ich einen einzigen wunsch frei und löse ihn gleich ein. ich begleite ihn nach hause. bis vor die haustüre, anständigerweise, denn da oben schläft diesmal sein kleiner sohn und ahnt nichts von bösen frauen, die auf seinen teilzeit-papa scharf sind. als wir am treppenaufgang stehen, passiert das unerwartete: das o.d.b. packt mich und zieht mich ins haus. ich will einfach nicht, dass du jetzt gehst.

wir schleichen uns durch den flur am kinderzimmer vorbei in die küche wie teenies, die zu spät und betrunken nach hause gekommen sind und ihre eltern nicht wecken wollen. erstmal frühstück wie immer. das o.d.b. geht zwischendurch seinen vaterpflichten nach und guckt, ob der sohnemann auch gut schläft. dann ziehen wir weiter richtung schlafzimmer, rote vorhänge gucken. nicht ganz so unbefangen wie sonst. denn hey, was sagst ein vater seinem siebenjährigen kind, wenn da plötzlich eine fremde nackte frau im bett liegt? wir einigen uns darauf, dass ich gehe, bevor der kleine wach wird. besser ist besser, auch wenn er anscheinend ein cooles kind ist, das seinen vater mal eben in die disco schickt und alleine zuhause bleibt.

gegen halb acht uhr morgens ziehe ich mich an und will mich verabschieden. doch ich komme nicht weit, weil mich ein durchtrainierter 1,90m langer körper blitzschnell umschlingt. das o.d.b. hält mich fest und vergräbt das gesicht in meinem schoß. ich erlebe die zweite überraschung des morgens. ich will so noch einschlafen.

eine halbe stunde später, zur angekündigten kind-wird-gleich-wach-zeit, befreie ich mich sanft aus dem lianengriff, packe meine sachen und ziehe leise die tür hinter mir ins schloss. draußen auf der straße durchströmt mich ein großes glücksgefühl. weiter zu hoffen wage ich allerdings nicht.

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Samstag, 19. Juni 2010
beschissen
zum dritten mal in diesem so genannten sommer hat mir nun ein vogel auf den kopf gekackt. und damit meine ich keine blaumeise, sondern eher einen fischreiher oder ähnliches. aber scheiße soll ja glück bringen. mal sehen.

weiter mit musik. ich, dancing with myself.

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Donnerstag, 17. Juni 2010
kulinarische exkursionen
... oder wie man eben mal für eine mahlzeit 250 € aus dem fenster werfen kann. der kellner, eilfertig herumwedelnd, ein personal jesus. der wein, neuseeländer, in hiesigen gefilden nicht käuflich erwerbbar, sensationell, im wahrsten sinne des wortes: fruchtig, ölig, voll. ich werde weinkennerin. an der minze-bildung arbeiten wir noch.

morgen bin ich wieder zwei kilo schwerer. wir haben ja aufwärtstrend, nach einem ausgesprochen mageren winter mit waage auf tiefststand. jetzt jedoch krachen die nähte wieder unter mütterlichen formen, aber wenigstens einer oder zwei oder auch drei fahren voll drauf ab. trotzdem, ab morgen nulldiät. oder so nullkommairgendwas. und bitte nicht kiffen, denn kiffen macht auch fett.

achja.
ich sag mal einfach gute nacht.

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Dienstag, 1. Juni 2010
nichts geht mehr
montagmorgen. ich stehe im bad und beobachte den morgenauswurf, wie er richtung ausguss wandert. am liebsten wäre ich gar nicht aufgestanden. das fieber ist auch wieder zurückgekommen. aber den berg arbeit kann mir schließlich keiner abnehmen.

im büro habe ich ein großprojekt abgeschlossen. keine rückmeldung. das muss bedeuten, es war gut. sonst hätte man mich sicherlich schon wieder mehrere köpfe kürzer gemacht. zum glück leide ich inzwischen unter rückgraterweichung.

an den u-bahn später geht gar nichts mehr. betriebsstörung, bitte beachten sie die lautsprecherdurchsagen. nach geschlagenen zehn minuten erfahren wir von einem feuerwehreinsatz. taxis und busse stünden als ersatzverkehr bereit. das freut mich für die taxifahrer, wann machen die denn schon mal so ein massengeschäft?
neben mir am völlig überlaufenen taxistand wartet eine alte schrulle mit blauem lidschatten und rosa lippenstift. "komm mama, lass uns doch zu fuß gehen", sagt ihre - vermutlich - tocher. "es ist doch nur eine einzige station." doch die alte klunkerbehangene pissnelke, die wahrscheinlich bloß shopping gehen oder rechtzeitig zum champagnerfrühstück kommen will, erwidert: "kommt überhaupt nicht infrage! jetzt habe ich schon einen euro dreißig für die fahrkarte ausgegeben!" das lehrte mich wieder einmal, warum reiche immer reich bleiben: sie bleiben so lange und so rücksichtslos auf ihrem geld sitzen, bis sie alles elend um sie herum überdauert haben. ich selbst stehe da, habe einen dringenden termin und von meinen paar groschen eine fahrkarte für zwei euro fünfundsiebzig gekauft. ich drehe mich um und nehme das fahrrad, obwohl es regnet und ich todkrank bin. 'wenn ich morgen tot bin, ist die drecksschlampe schuld', denke ich bei mir und wünsche ihr ein qualvolles dahinsiechen in einem altersheim.

nach dem wochenende habe ich akute entzugserscheinungen. sex ist so eine idealdosis nähe & zärtlichkeit. habe gelesen, dass der mensch pro tag vier umarmungen braucht, um sich glücklich zu fühlen. ich hoffe, ich habe am samstag genug davon getankt, um über die runden zu kommen. ich fürchte, ich habe den narren an dieser bizarren situation gefressen.

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