Donnerstag, 21. April 2011
heute bitte daumen drücken
es geht noch mal hart in die verhandlungen um meinen dumping-lohn!!

gott (oder wer auch immer sonst da oben rumhängt, um es mal mit thomas d. zu sagen) möge mir die kraft geben, ggf. nein zu sagen und zu gehen.

rückgrat gerade, schultern gestrafft, kinn in kampfposition.

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Mittwoch, 20. April 2011
ferien für depressive
"bring den doch einfach mit", schlug meine mutter am telefon vor, als ich neulich in einem offenen moment vom objekt, der seelenrettung meiner niedergeschlagenen wenigkeit und den objekt-suchtproblemen erzählte. "den kriegen wir schon wieder hin."

in sachen optimismus kennt meine mutter kaum grenzen und ist immer wieder aufs neue enttäuscht, wenn das elterliche fallnetz nicht greift, weil ganz woanders gesprungen wurde. gut meint sie es. aber das objekt würde sich nicht zu meinen eltern aufs sofa setzen, da bin ich mir sicher. außerdem hätte mein vater sicherlich etwas dagegen, wenn in seinem haus gefickt wird - und das auch noch in der lautstärke und intensität, in der das objekt und ich zu vögeln pflegen, wenn wir denn mal dazu kommen, weil beide gerade das richtige level zwischen nüchtern und out-of-space haben.

im moment ist das objekt ohnehin offline. das heißt, es ertränkt sich vermutlich in alkohol und schiebt merkwürdige seelenzustände. so, wie ich in solchen momenten das bedürfnis habe, mich mitzuteilen und leerzuweinen, verschanzt sich das objekt, verschließt sich komplett und schaltet das handy ab. dass unsere verzweifelung so unterschiedliche ausprägungen hat, obwohl wir uns so ähnlich sind, erstaunt mich immer wieder. während ich wie eine reife pflaume mit melodramatik und pathos vom hochhausdach zu fallen drohe, kappt das objekt einfach alle vernetzungen zur außenwelt und verschwindet in einer flasche. einmal, so erzählte mir der dritte im bunde, habe das objekt diese soziale sperre über mehr als eine woche durchgezogen. der dritte hatte ihn dann gefunden, indem er in die objektwohnung gekommen war (der dritte hat den zweitschlüssel). das objekt sei am küchentisch gesessen und habe ins leere gestarrt. es war in dieser zeit nicht auf arbeit gewesen, nicht draußen, war einfach nur dagesessen und hatte nichts gemacht.
"ich habe einen mann gesehen, der am ende war", so der dritte wörtlich, und noch immer spiegelt sich das entsetzen auf seinem jungen gesicht, wenn er von diesem moment erzählt.

am ende, am anfang. morgen um diese zeit beginnt mein urlaub. ich bin zu müde, um freude zu empfinden. dabei sei freude die gesundheit der seele, sagt aristoteles. ich hänge an schlauen sprüchen, habe mir sogar margot käßmanns "sehnsucht nach leben" gekauft und in einer woche schon fast das vorwort geschafft, oho. dass sehnsucht nicht nur motor, sondern auch sucht sein kann, habe ich zuvor noch nirgendwo gehört, aber ich kann es unterschreiben, zu 100 prozent. anders kann ich meine neigung, immer wieder hinzuwerfen und neu zu starten, nicht erklären. sehn-sucht macht frei, weil es bedeutet, nie irgendwo anzukommen, nirgendwo zuhause zu sein. aber sie macht auch rastlos und einsam. eines der beiden parameter überwiegt je nach lebensumfeld und aktuellem selbstbewusstsein, scheint mir.

kann man diese sucht heilen? diese sucht, die vielleicht auch für die anderen süchte verantwortlich ist?
wer kennt das rezept, wer verrät es?
ach bitte.
es könnte zwei leben retten.



(subheim - no land called home)

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Sonntag, 17. April 2011
wochenendnotizen
bilanz zweier physisch bewegender nächte.

freitag

todmüde, nach vier stunden schlaf, durch die allgemeine bürohölle geschleppt mit fokus auf den lichtblick des abends. eine neue lokation auf dem kiez feierte eröffnung, da wollte ich gerne einen blick reinwerfen. lange gehadert, da die knie vor erschöpfung wacklig und der kreislauf ganz eckig wurde. dann doch in den bus gestiegen und schon mal gleich auf der hinfahrt eingenickt.
nach dem zurücklaufen (zwei statioonen verpennt) durch die kühle nacht war ich dann etwas wacher. den laden erkannte ich schon von weiten, da sich eine große truppe düsterer gestalten davor versammelt hatte. drinnen war es klein, eng und laut. auf unbehagen folgte die umarmung eines ziemlich betrunkenen bekannten, über dessen anwesenheit ich dann ziemlich froh war. sonst war niemand da, den ich kannte. kein objekt, keine objektboygroup. aber die musik war nicht schlecht. getanzt und noch mehr getanzt.
auf den dritten blick dann fand ich den ort sympathisch, ansatzweise gemütlich, bis mich die müdigkeit wieder in ihren bann zog und jeder widerstand zwecklos wurde. den bus verpasst, drei stationen gelaufen trotz versagenden kreislaufs. nachhause gefahren und neun stunden sehr gesund geschlafen.

samstag

nach einem arbeitsreichen nachmittag und abend den allwöchentlichen exkurs in die stamm-lokation geplant. aufreizende kleidung anprobiert, falls wir den k. aus der objektboygroup treffen sollten. das lieblingsparfum aufgelegt, falls das objekt alleine da sein sollte, um die körpereigene pheromonattraktion noch einmal zu erhöhen.
diesmal keine senioren auf sexraubzug getroffen. die hinfahrt war trotzdem beschwerlich, denn trotz langen nachtschlafs packte mich die müdigkeit von neuem. überlegt, chemisch dagegen vorzugehen. idee wieder verworfen, wohlwissend um den kater am morgen danach.
im club kein objekt. auch keine objektboygroup. k. abwesend. ich grollte und stellte mir das objekt fröhlich betrunken mit der objektboygroup und der neuen potenziellen objektfreundin woanders feiernd vor, bis ich die neue kandidatin auf der tanzfläche traf. sie erkannte mich gleich und kam energiegeladen auf mich zugestürmt. die neue kandidatin ist, wie ich zugeben muss, aus einem ganz anderen holz wie die exobjektfreundin. natürlich und vor allem: nicht eifersüchtig. ich überlegte, ob ich das thema objekt ansprechen sollte. idee wieder verworfen, stattdessen nett und unkompliziert unterhalten.
stranges musikprogramm, aber extrem viel getanzt. sehr spät nach hause gefahren. katerstimmung kam trotz nüchternheit bereits im bus. ausgestiegen und den rest des weges gelaufen. füße autsch. knie autsch. der rücken sendet inzwischen nur noch taubheitsgefühle.
die nacht dann endete mit tränen im bett. ich schob es auf den objektentzug auf die tatsache, dass die neue kandidatin keine arrogante kleine kuh, sondern eine hoffnungsträgerin ist. also nicht für mich.

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disziplin, wenn ich bitten darf
wenn das muttitier da unten im treppenhaus ihre kleine drecksblage noch länger kreischen lässt, muss ich eine bombe schmeißen. leute, es ist sonntag, ich muss arbeiten.

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Samstag, 9. April 2011
elektrofucking
nein, nicht, was sie jetzt denken, nix elektroparties und o.n.s., denn nach dieser mörderwoche bin ich gestern ganz brav zuhause geblieben. vielmehr geht es noch mal um meine waschmaschine, das unbekannte wesen.
nachdem sich die gute per kurzschluss aus meinem haushaltsleben verabschiedet und dabei gleich die heiztherme mit ins off genommen hatte (kalt duschen im april geht übrigens GAR nicht), wollte ich nicht glauben, dass ich jetzt, nach überstandenem umzug, mir solch einen koloss von haushaltsgerät neu anschaffen musste. also überlegte ich, ob das teil noch zu retten war. reparieren konnte ich elektroidiotin es nicht, der blick auf den kabelwust im inneren verursachte sofort panische angst vor tödlichen stromschlägen. also beschloss ich, einfach so zu tun, als wäre nichts gewesen, das ding wieder ans stromnetz zu nehmen und einzuschalten.

der testlauf war von unerwartetem erfolg gekrönt: die maschine schaltete sich an, pumpte wasser und begann, die trommel zu drehen. juhu, dachte ich, drehte das rädchen vor bis auf "abpumpen", ließ das wasser wieder raus und freute mich. es galt also doch, was ich gemeinhin immer befürchtet hatte und was auch meine chefs immer wieder so tapfer am eigenen beispiel verifizieren: den dummen gehört die welt. ich drückte den off-schalter und alles war gut.

der triumpf währte etwa zehn minuten. während ich mich der technik obsiegend wähnte, machte es plötzlich klack und die lichter gingen aus - genau wie damals, als die waschmaschine zu ihrem letzten schleudergang ansetzte. allerdings war die maschine zum augenblicklichen zeitpunkt ja gar nicht in betrieb. was ein ärger. da dachte ich, ich hätte die technik überlistet, jetzt aber verarschte sie mich so richtig, indem sie den kurzschluss waschmaschinenbetriebsunabhängig auslöste.

ich tappte im doppelten sinne des wortes im dunkeln, bis ich ein feuerzeug ertasten und die sicherung wieder reinmachen konnte. fiat lux, sprach ich, und es wurde licht.

so schnell gebe ich allerdings nicht klein bei. ich fragte meinen vater um rat.
"kind, lass bloß die finger davon, das kann einen gefährlichen kabelbrand geben!" rief mein vater beunruhigt ins telefon. "kauf dir was neues, und nicht so ein billiges ding, sondern was gutes, was mit garantie und so."
"aber papa, das ist auch eine siemens-maschine und trotzdem ist sie anscheinend hin."
"naja, mach, wie du meinst, aber sei da vorsichtig."
die kabelbrandgeschichte machte mir angst. in meiner ehemaligen heimat in der straße bei mir um die ecke gab es mal einen, da musste ein ganzes haus evakuiert werden.

nachdem ich nun einige tage überlegt hatte, beschloss ich heute, alle warnungen in den wind schlagend, das experiment zu wagen. wäsche rein, waschpulver und spüler rein, angesteckt, eingeschaltet und los ging es. nach fünf minuten der erste kurzschluss. ich drückte die sicherung wieder rein. nach etwa 20 der zweite. noch einmal das ganze. danach passierte nichts mehr.

im moment befindet sich die waschladung wenige minuten vor der härteprüfung: dem finalen schleudergang. es macht mir ein wenig angst. vorsichtshalber habe ich die heiztherme ausgeschaltet, nicht, dass ich dann wieder kein warmwasser mehr habe.

drücken sie mir die daumen.

achja, und gute ratschläge sind natürlich immer willkommen.

nachtrag: wir sind bis schleudern und abpumpen gekommen. erst in den moment, als sich die maschine abschalten und die verriegelung öffnen sollte, machte es wieder klack.

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Mittwoch, 6. April 2011
die ddr in hh
ich wohne in einer genossenschaftswohnung. diese haben nicht nur den vorteil, dass sie vergleichsweise günstig sind, sondern auch, dass die hausgemeinschaft recht gut ist. das trifft ebenso auf die meine zu. einmal abgesehen von den leuten im erdgeschoss, die ich noch nie gesehen habe (ich mutmaße, dass der eine dicke mann, den ich manchmal im keller antreffe, unten links wohnt), sind alle sehr freundlich und nehmen regelmäßig päckchen für mich an.

auch sonst kümmern sich die genossenschaftler sehr umeinander. im treppenhaus hängen neuerdings zettel für gemeinsame spielenachmittage oder kaffee & klönen. wären die nicht immer um 15 oder 16 uhr und damit nur für hausfrauen, kinder und senioren interessant, ich hätte mal vorbeigeschaut, wenigstens in einer philanthropen phase. für den sommer ist ein großes blockfest geplant. so stelle ich mir ein bisschen das leben in der ddr vor.

heute habe ich die freundlichkeit in diesem haus einfach mal schamlos ausgenutzt und dabei fast ein potentielles objekt II kennen gelernt. nachdem meine waschmaschine kaputt ist (der mordskurzschluss hat übrigens auch die heiztherme gekillt, sodass ich eine weile ohne warmwasser war) und ich aufgrund der allgemeinen überlastung keinen nerv mehr hatte, mein zeug auf einem 20 minütigen fußweg zum waschsalon zu schleifen (fahrrad ist ebenfalls funktionsunfähig, nachdem die luftpumpe kaputt ging und neuerdings nur noch luft aus den reifen saugt anstatt sie reinzupumpen - ergebnis: zwei platte), klingelte ich gegenüber.

gegenüber wohnt ein junger herr, den ich bislang nur durchs treppenhaus rennen sah, wenn ich in die arbeit hetzte. im vorübergehen schien er immer recht schnuffig, wirkte aber sehr jung und etwas kleiner als ich.
nun gut. ich klingelte und es öffnete mir mein retter in der not. großgewachsen, blauäugig (nicht grün, verdammt, aber blau ist auch noch akzeptabel), in sportkleidung. ich musste einige nanosekunden starren, vor allem, als ich bemerkte, dass das haupthaar kupferfarben schimmerte, wenn auch etwas heller als das des objekts, dessen schopf ein besonders tiefes und schönes rot hat.
"hi", stammelte ich, während er nur erstmal sehr überrascht dreinschaute.
dann fasste ich mir ein herz.
"entschuldige, aber hast du eine waschmaschine?"
er zog die augenbrauen nach oben und ich erwartete schon ein "nein, wozu, ich hab doch meine mama", aber dann grinste er amüsiert und meinte:
"na klar hab ich ne waschmaschine."
"dürfte ich die vielleicht ausnahmsweise mal benutzen?"
ich erklärte hastig und etwas durcheinander die gesamtmisere waschmaschine-heizung-kaltwasser-fahrrad-fahrradluftpumpe, bis er wieder vollends verwirrt dreinschaute und dann einfach nickte.
"super", rief ich, rannte in meine wohnung zurück, holte meinen schmutzwäschekorb, waschpulver, hygienespüler und enterte die fremde küche.

während ich eilig höschen, strümpfe, bhs, t-shirts und einen rock in die hightech-maschine stopfte, stand mein nachbar immer noch sichtlich überrumpelt im hintergrund.
"ähm, du, aber ich muss jetzt gleich zum sport", meinte er, als ich an der einstellung schraubte.
"kein thema. wenn die maschine durch ist, klingelst du einfach kurz, dann hol ich die sachen."
"aber das kann schon zwei stunden dauern. nicht, dass du die sachen dann nicht mehr bis morgen früh trocken kriegst."
die blauen augen unter dem roten schopf schauten mich sehr freundlich und ein bisschen besorgt an. beim zweiten hinsehen bemerkte ich, dass der nachbar auch noch die gleichen lachfältchen und grübchen hatte wie das objekt.
"kann das sein, dass du ein bisschen sehr gestresst bist?"
ich spürte fürsorge und bekam ein klammes herz. wenn du jetzt noch anfängst zu kochen und hinterher mein stirnchakra zu massieren, taufe ich dich wirklich objekt II, dachte ich bei mir. nun aber wollen wir mal nicht zu viel bedürftigkeit signalisieren, das wirkt sonst abschreckend.
"ja, klar, immer, aber so bin ich halt", entgegnete ich also cool. dann richtete ich mich auf, nahm den leeren korb und den restlichen kram und stolzierte nach nebenan in meine eigene wohnung. unter der tür stand mein nachbar und guckte immer noch mit dieser mischung aus verwunderung und nettigkeit, die mich ganz wuschig machte.
"tschüß und danke und bis später dann", rief ich ihm noch zu.
"ja, äh, ich klingel dann also einfach, wenn das okay ist."
"ja natürlich!"

vor einigen minuten bekam ich dann meine sauber duftende wäsche zurück. auch mein nachbar roch gut und hatte noch rote wangen vom sport.
"dann schlaf mal schön", sagte ich, als kannten wir uns schon 100 jahre.
"äh, ja, dann tschüß dann", stammelte der nachbar.
danach fielen die türen ins schloss.

morgen früh im bad wird er mich dann wieder mit radio hamburg beschallen. obwohl ich dann jedesmal kotzen könnte, hat es etwas vertrautes. ein stück geborgenheit. vielleicht eben ein bisschen ddr. und überhaupt ist ja auch das objekt ein ossi, wen wunderts.

nächste woche geh ich mir dann eine luftpumpe beim nachbarn borgen.

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Samstag, 2. April 2011
bigger, better, bundesstraße
abendgestaltung des minikurzurlaubs in der heimat.

meine freundin t. und ich knüpften an good old times an und besuchten einen hiesigen dj auf seiner party. schließlich, meinte t., brauche ich abwechslung und vielleicht auch ein bier. die freude und das hallo waren zunächst groß, denn auch andere liebe menschen von früher waren da.

nachdem küsschen und umarmungen verteilt waren, standen wir zunächst noch eine weile beim dj herum, bevor wir dann die tanzfläche enterten.
"sag mal", meinte t., "also das hätte ich mich ja früher nicht getraut, so dermaßen unrhythmisch zur musik herumzuspacken!"
ich elektro-kind versuchte mich an meine letzten tanzversuche zu gitarren-schraddel-musik zu erinnern.
"keine ahnung, aber auf jeden fall bin ich nicht auf der tanzfläche HERUMGESTANDEN!" sagte ich und deutete mit den kinn auf eine gruppe menschen, deren füße stillstanden, während schultern und bierflaschen-haltende hände offbeat zuckten.
"und wir hatten nicht SOWAS dabei an", rügte t. den kleidungstil einer drallen 16-jährigen mit 80er-jahre-jeansminirock und einem oberteil, das aus ihrer beeindruckenden oberweite eine art presswurst mit zwei bergen machte.
"sind wir jetzt oberflächlich?" überlegte t.
"nein", sagte ich souverän. "wir haben geschmack."
ein oberstüfler beobachtete mich die ganze zeit mit dem ansatz eines schüchternen lächelns.
"was denkt der denn, dass ich pädophil bin oder was?!" fragte ich t.
"komm, lass uns abhauen", beschloss t.
"aber es ist doch erst zwei!" jammerte ich.
"ich hab ne idee" sagte t. und schob mich durch die überfüllten säle nach draußen.

zehn minuten später saßen wir im auto.
"lass uns zu burger king fahren", sagte t.
ich guckte doof.
"das haben wir früher immer gemacht", schwärmte t. und ich wusste, dass sie dabei an ihre eigenen wilden, chemisch ge-uplevelten zeiten dachte.
"ich war neulich mal mit s. unterwegs, der hat sich ja auch total verändert. da wollten wir auch zu burger king, aber er meinte dann, das wäre voll gesundheitsschädlich."
"nimmt der noch was?"
t. zuckte die schultern.
"irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass der nix mehr nimmt. ich kenn den aber auch nicht anders."
"aber wenn er sagte, dass burger krank machen, dann müsste er doch eine wahnsinnsangst vor allem, was nicht schrot und korn und handgepresster möhrensaft ist, haben?"
t. sah mich erstaunt an.
"der gedanke ist mir so noch gar nicht gekommen."
"naja, muss nicht sein, das objekt ist da auch ambivalent", nahm ich meine these zurück. "das kauft auch alles mögliche bio und studiert nährwertabellen und wertschöpfungsketten von lebensmitteln und schmeißt sich dann trotzdem jede menge scheiß rein, von dem es nicht weiß, was drin ist."
"na siehst du", sagt t. "so ist s. auch, denk ich."

irgendwo am ende der bundesstraße leuchtete uns das vertraute orangefarbene logo entgegen. t. fuhr einmal im kreis und parkte. dann stiegen wir aus.
"vorsicht", sagte ich und löste die schlaufe von t.s handtasche vom hebel der handbremse. "nicht, dass wir gleich davonrollen."
"das ist mir vor ein paar wochen erst passiert", seufzte t. genervt. "das war voll die scheiß geschichte."
"erzähl", sagte ich.
"naja, ich wollte ins büro, war spät dran, stell das auto ab, und naja, ähnliche szene, ich bleibe mit der tasche an der gangschaltung hängen. hab ich so aus versehen den gang rausgenommen, merk das aber nicht gleich. ich steige aus und nach ein paar meter rummst es hinter mir. ich dreh mich um, steht da ein auto schräg auf der straße und hängt so halb in einem anderen geparkten drin. guck ich noch mal, seh ich, scheiße, is mein auto."
ich lachte laut.
"das andere auto hatte dann so eine kleine schramme, also hab ich dem einen zettel drangehängt mit meiner nummer. dann bin ich in die arbeit gegangen, war ja eh spät."
"und kam ne dicke rechnung oder was?"
"nee. es war ja winter, also alles voller schneematsch, auch das auto, das ich angeschrammt hatte. und ich sitz so in der arbeit und überleg so und denk, eigentlich warste doof, die schramme sieht der eh erst, wenn der schnee schmilzt. also bin ich in der mittagspause noch mal runter und hab den zettel wieder weggemacht."
"boah, bist du fies", sagte ich.
"ja", kicherte t., "bin ich."

drinnen am tresen orderten wir gemüseburger, pommes, cola und kaffee. dann saßen wir da und ließen uns von mtv bedröhnen.
"ist fast wie inner disco", sagte ich zwischen zwei happen und t. nickte.
"nur müssen wir uns dabei nicht anschreien", sagte sie.
"ich glaub, wir sind richtig alt jetzt, oder?" fragte ich, aber t. zuckte stoisch die schultern.
als wir fertig waren, lehnte sich t. zurück und streckt sich.
"kopfschmerzen", murmelte sie.
"kenn ich", sagte ich.
"verspannt", sagte sie.
"energiestrom unterbrochen."
"wuuus?"
"naja, das hat was mit deinen chakren zu tun. da verlaufen die enegieströme im körper und wenn du verspannt bist, sind die unterbrochen und dann kriegst du probleme, körperliche und psychische. so ähnlich jedenfalls."
"so ein scheiß", fand t.
"doch, doch", sagte ich. "das ist traditionelle chinesische medizin. das objekt öffnet immer meine chakren, wenn ich down bin und dann geht es mir besser."
"du meinst, es stimuliert dein chakra da unten!" kicherte t. und deutete zwischen meine schenkel.
"du bist doof", musste ich lachen.
"das tut dir überhaupt nicht gut, mit so einem junkie rumzuhängen", fand t., "du kriegst da voll die meise."

der flatscreen tv über unseren köpfen zeigte ein video von rihanna.
"boah, guck dir mal die fiese friese an!" sagte t.
"guck dir mal künstlichen mörderfingernägel an!"
"igitt."
t. hielt inne und dachte nach, dann fragte sie:
"meinst du, meine kleine wird auch mal so? oder findet sowas gut?"
"nicht, wenn ihr sie weiterhin so konsequent im rockabilly-style erzieht", konnte ich t. beruhigen.
"dann ist ja gut", sagte t. "ich will nicht, dass die mal sowas als vorbild hat."
"naja, ein gutes hätte es ja", meinte ich. "stell sie auf die straße und sag den vorbeikommenden typen, 50 blasen, 100 ficken, und schluss is mit den finanziellen sorgen."
dann duckte ich mich, da mir papier und burgerreste entgegenflogen.

eine stunde später machten wir uns auf den heimweg. t. hatte rote augen.
"du bist müde", stellte ich fest.
"ich hab auch nicht viel geschlafen. das kind hält mich jede nacht wach und seit ich wieder arbeite... ich beneide meinen mann so, der ratzt einfach weiter, wenn die kleine wach ist und stundenlang brabbelt."
"fies", sagte ich. "mach dir doch ohrenstöpsel rein."
"geht nicht", erwiderte t., "dann hör ich die ganze zeit meinen scheiß-tinnitus."
"mannmann. aber das objekt lässt sich auch durch nichts aufwecken. wenn was ist, muss ich es immer heftigst schütteln und dabei ganz laut seinen namen rufen."
"wundert mich jetzt nicht, bei DEM konsum."
"dass es mich wundert, hab ich ja auch nicht gesagt."

vor der haustür meiner eltern umarmten wir uns.
"bis dann."
"bis bald."
"ja hoffentlich."
"das nächste mal dann bei mc doof?"

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Dienstag, 29. März 2011
there you are
es war einer dieser sonntage, einer dieser montage, einer dieser tage, die sich so unerträglich anfühlen, dass ich nicht weiß, wohin mit mir.

you were the one. du hast das s.o.s. zwischen den zeilen verstanden und mich aus dieser wohnung geholt, die immer noch halb uneingerichtet ist und mir das gefühl, ständig auf gepackten koffern zu sitzen, nicht nehmen kann. du sagtest, pack deine sachen und komm vorbei, ich koche was.

also habe ich meine tasche gepackt, zwei, drei sachen und bin in die s-bahn gestiegen mit dem eindruck, eine vollkommene zumutung zu sein, hab zwischendurch angerufen und dir gesagt, dass du nichts erwarten kannst, gar nichts, und dass ich umkehren möchte, ohne zu wissen wohin. du hast mich mit dem handy am ohr durch die stadt begleitet und mir dinge erzählt, um mich von meinem weg abzulenken und vom gedanken, dass ich unsagbar unzulänglich bin und lieber gleich in die alster springen sollte - solange, bis ich dann vor deiner tür stand.

dein kleiner stürmte mir schon im treppenhaus entgegen und zauberte das erste lächeln seit tagen auf mein gesicht. er nahm mich bei der hand und schleppte mich in die küche, wo du standest und hühnchen nach dem rezept deiner oma zubereitetest. ich hatte angst vor einer umarmung, denn dann hätte ich vermutlich geweint, was mir peinlich gewesen wäre vor den großen fragenden kinderaugen, die jede meiner bewegungen bewachten. danach saßen wir am tisch, spät, viel zu spät, und ich fragte den lütten, musst du nicht längst im bett sein, und du rolltest die augen und meintest, er wollte dich nicht verpassen und mit uns zusammen essen.

dann, als du den kleinen zum zähneputzen schicktest, fragtest du mich vorsichtig, ob ich mich umarmen lassen möchte. ich nickte und du strecktest die arme aus, fuhrst mit den händen über meine schultern und seufztest, du bist wahnsinnig angespannt und siehst gleichzeitig vollkommen fertig aus. ich sagte nichts und du verstandest wie immer und beruhigtest mich, du musst nichts sagen oder erklären, das ist schon okay.

dann hobst du mich hoch wie ein krankes kind, zogst mir die schuhe und die kleider aus und brachtest mich zu bett, kletterst dann selbst hinterher, sagtest, komm, komm an, komm nach hause, komm kuscheln. ich legte den kopf auf deiner breiten brust ab und du hieltest mich fest und begannst ganz vorsichtig, mein gesicht zu streicheln, nase, stirn, wangen, in lauter kleinen, zärtlichen kreisen, während meine tränen in deinen pullover sickerten und du so tatest, als bemerktest du es nicht, weil du spürtest, wie unangenehm es mir war, schwach, kindisch, trostlos zu sein.

irgendwann berührtest du meine schläfen und meintest sehr zufrieden, endlich schlägt dein herz langsamer, endlich entspannst du dich. dann fragtest du mich, ob es mich störe, wenn du noch einen film schaust, weil du noch nicht schlafen könntest. soviel rücksicht machte mich vollends verlegen, sodass ich mich aufraffte und mich bereit erklärte, einen film mit dir zu sehen. du brachtest daraufhin eine halbe videothek nach hause, damit ich wählen konnte, wonach mir war und so guckten wir eine schrille komödie, während du mich immer noch festhieltest und sanft streicheltest. wir kamen mit dem film fast zu ende, bevor ich deine erektion spürte, aber du sagtest nein, nicht heute, du wolltest mir nicht weh tun, niemals, ohne dabei das körperliche zu meinen.

und als wir uns schließlich schlafen legten und du mich mit armen und beinen umschlangst, wie du es gerne tust, musste ich wie wahnsinnig an mich halten, um dir nicht zu sagen, dass ich dich liebe.

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Sonntag, 27. März 2011
this is why i don´t like sundays
de nächte werden kürzer. das liegt weniger an netten sozialen aktivitäten als an der allgemeinen anspannung.

- von donnerstag auf freitag: 5,5 h
- freitag auf samstag: 4 h
- samstag auf sonntag: 3,5 h

nicht gut. ich bin völlig verschwurbelt. bis eben durch die straßen slalom zwischen kinderwägen und radfahrern gelaufen und versucht, einen angenehmen gedanken zu erjagen.

die aussicht auf die kommende woche: zum graue-mäuse-kriegen. ich werde auf arbeit mal wieder die einzige sein, die den durchblick hat. und deshalb alles machen muss. und daher auch die schuld für alles bekommt.

kommenden sonntag dann den eigenen runden geburtstag begehen müssen. noch bin ich unschlüssig, ob ich schlichtweg durcharbeiten oder aus der stadt flüchten werde. ein tag am meer, das könnte schön werden, oder aber schrecklich, je nach serotonin-spiegel. derzeit haben äußere einflüsse wenig macht über meine verfassung. die laune schießt nach oben oder stürzt in elende abgründe. zwischendrin die nackte angst, dass alles so bleiben könnte, wie es ist. weil man irgendwann zu alt, zu bequem oder zu resigniert für den ständigen richtungswechsel und neuanfang auf allen ebenen wird.

ich bin müde, körperlich und geistig. es werden immer mehr dinge, die es mitzutragen gilt. die baustellen häufen sich endlos. ich habe nicht genügend hände, alles aufzufangen. die erste sorge gilt meinem herzkranken vater. seit gestern hab ich die vollmacht für alle entscheidungen, falls auch meine mutter nicht mehr einspringen kann. meine eltern werden im zeitraffer alt. mitte 60, aber im kopf locker 75. sturheit und nichtbegreifen, meine verhandlungsbasis schrumpft. aber über köpfe hinweg entscheiden tut weh.

gleichzeitig ihre sorge um mich. immer wieder dieselben gespräche: kind, du musst doch mal geld verdienen! kind, warum hast du nur keinen mann? wenn du kinder willst, musst du dich jetzt beeilen!
als wenn die dinge vom himmel fallen. und wenn einmal etwas fällt, kann ich sicher sein, es ist entweder nichts gutes oder nichts von nachhaltigkeit.

"machen sie doch mal was richtig schönes!" sagte meine neuer physiotherapeut, der sich des hoffnungslosen zustands meiner schultern und meines nackens angenommen hat. das war die hausaufgabe für dieses wochenende. hab ich auch getan. mal nicht auf party gewesen, sondern im kino pina gesehen. war toll. aber es bleibt irgendwie nichts positives an mir haften.

so ist das zur zeit. so ist das seit dezember/januar.

sorry fürs jaulen. musste mal wieder sein, japan, wahlkampf und allen weltbewegenden katastrophen zum trotz.

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Montag, 21. März 2011
animalisches
"frühlingspralle knospen" - was wohl kunden von einem denken, wenn einem so etwas während eines mittaglichen uferspaziergangs herausrutscht...

***

"ich steh ja total auf dogma-style", sagte ich heute im büro zum thema kino.
"du meinst doggy-style", entgegnete unser azubi.
zur strafe hab ich ihm das todesvideo von knut geschickt. der junge kann keine sterbenden viecher sehen, das hatte ich mir gleich gedacht.

***

später, kurz vor sechs. der azubi soll eine redakteurin anrufen.
"ich weiß gar nicht, was ich der sagen soll."
ich: "sag irgendwas, ist egal, die drucken die scheißstory eh nicht."
"er: "hmhmhm..."
ich: "was denn jetzt? ran an den hörer!"
er: "aber es ist ja schon so spät."
ich: "ach quatsch."
er: "was die wohl denkt, wenn ich die so spät anrufe?"
ich: "dass du sie flachlegen willst?"
er kichert.
ich: "wenn du jetzt nicht gleich anrufst, ruf ich die an. und dann sag ich der, wenn die unsere geschichten druckt, schicken wir dich als willenloses sexobjekt vorbei."
er: "okayokay, ich ruf ja schon an..."

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