Donnerstag, 12. Mai 2011
chaos, delight and chaos again
die objektgeschichte ist wie ein galoppierendes pferd, das unerwartet wild ausschlägt und mich dabei immer empfindlich in die magengrube trifft. pferdefußreich eben.

gestern nachmittag, nachdem keine objektseitige absage kam, machte ich mich radelnderweise auf den weg nach a. ich war eine halbe stunde zu spät, doch als ich ankam, war noch keine spur vom objekt zu sehen. ich wusste, es war draußen unterwegs. ich ärgerte mich kurz, dann rief ich an und erwartete die mailbox. aber das objekt schien das handy gerade zwischen den fingern zu halten. zwischen lauten atemzügen erfuhr ich, dass es gerade an der araltankstelle war, weil es keine milch mehr hatte. es war 17 uhr, alle läden hatten geöffnet, aber das überschuldete objekt kaufte an der tanke ein. nun gut. ich bekam magenkrämpfe und betete, es möge keine schlange an der kasse sein, damit das objekt nicht in versuchung geriet, den spirituosenstand genauer zu betrachten.

da die haustür offenstand, setzte ich mich ins kühle treppenhaus und wartete. bei betrachtung meiner umgebung fiel mir auf, dass das ganze haus objektcharm hatte: alt, verschnörkelt, stilbruchreich und ziemlich verkommen. im hausflur lag müll und baustellenschutt, die fenster waren fast undurchsichtig schmutzig und die fliesen sprangen von den wänden. ich mochte es hier, weil es passte. im grunde durfte das objekt gar nirgendwo anders wohnen.

drei minuten hatte das objekt gesagt. die araltanke war am anderen ende der straße, ich rechnete daher eher mit fünf minuten, auch wenn das objekt ja sportlich unterwegs war.
fünf minuten vergingen. dann zehn. ich bekam einen kalten arsch auf den stufen. verdammt, wo blieb das objekt?
nebenan öffnete sich eine tür und eine verwirrt dreinschauende alte frau starrte mich an. die dachte sich wahrscheinlich auch ihren teil, falls sie die mädelsfluktuation hier mitbekam. mich beäugte sie ganz unverhohlen neugierig, als wolle sie mich in den objektharem einordnen. ich grüßte freundlich. dann sprach sie mich an:
"ist der junge herr noch nicht wieder da?"
"nein, warum?"
"der wollte mir doch medikamente vorbeibringen."
meine alarmglocken schrillten. aber das objekt war sicherlich nur eben für die alte dame in der apotheke gewesen, redete ich mir ein. vielleicht dauerte es deshalb alles so lange.

nach fast 20 minuten schepperte endlich die haustür und ich erkannte die eiligen, festen schritte des objekts. dann stand es vor mir, gesicht und hände schwarz, die kleidung zerrissen, aber der ganze mensch darunter strahlte mir entgegen.
"oh, wie schön, ich hab besuch... ich war schon den ganzen tag richtig aufgeregt."
ich zeigte dem objekt gleich mehrere vögel. dann versuchte ich, einen blick in seine augen zu erhaschen, um den pegel festzustellen. spannend: das objekt schien nüchtern zu sein.
"was hast du denn angestellt?" fragte ich und deutete mit dem kinn auf dreck und löcher.
"ich hab mein fahrrad repariert. ich war vorhin in dem kleinen laden... und ich hab dir was mitgebracht!"
es hielt mir eine packung bremsklötze vor die nase.
"du hattest doch mal gesagt, deine seien runter?"
ich staunte. das waren ja mal wieder objektsonnenseiten. naja, nicht einlullen lassen, dachte ich mir.
zehn minuten später kniete ich neben meinem rad wie ein schulkind und wurde frauengerecht und geduldig technisch aufgeklärt. danach konnte mein rad wieder bremsen und ich war happy.

anschließend erklommen das objekt und ich schulter an schulter die treppen und betraten die objektwohnung. im flur hielt mir das objekt die augen zu:
"liebe, liebe morphine, du darfst dich jetzt nicht erschrecken. aber meine wohnung sieht wild aus, ich habe ganz lange nicht mehr geputzt."
"ach was", sagte ich cool, "bei mir ist auch grad nicht so aufgeräumt."
"aber du bist so ein reiner und ordentlicher mensch, glaub mir, deine wohnung KÖNNTE gar nie so aussehen."
vorsichtig nahm das objekt seine hände aus meinem gesicht. ich blinzelte wie eine eule und sah mich dann um.
nunja, das objekt hatte nicht untertrieben. wild war ein mildes attribut für den zustand der wohnküche. völlig verwahrlost hätte es besser getroffen. dicke wollmäuse in allen ecken, der boden voller müll und tabak, ebenso der tisch. nur der herd war wie immer auf hochglanz gewienert. klar, kochen war ja auch des objekts heiligstes hobby.
"ich muss ganz dringend duschen, süße", sagte das objekt. "ich stinke. setz dich doch solange. hier, dreh dir doch eben eine zigarette... es ist auch noch apfelsaft da... und kaffee... und jetzt auch wieder milch, wenn du welche möchtest."
das objekt zog sich aus und rannte dann nackt durch die zimmer der fast vorhanglosen wohnung, um ein frisches handtuch und ein sauberes hemd zu finden. zwischendurch befüllte es die waschmaschine. ich starrte derweil angestrengt auf die tischplatte und ihre reichliche mülldeko. erst, als das wasser rauschte, wagte ich wieder aufzublicken.

als das objekt wieder aus dem badezimmer kam, trug es höflichkeitshalber wenigstens eine hose. dann kam es an den tisch und fragte:
"sooo... wonach ist dir? hast du appetit?"
"du bist und bleibst ein ferkel", sagte ich, die zweideutigkeit der frage durchschauend.
"manchmal finde ich es ja schade, dass man dir nichts vormachen kann", erwiderte das objekt, ertappt lächelnd.

als wir gemeinsam den kühlschrank inspizierten und das objekt menuvorschläge machte, rumpelte es in der wohnung nebenan.
"ist das deine nachbarin?"
"oh gott, ja."
"die hat mich vorhin nach medikamenten gefragt."
"ja, das kann sein. die ist epileptikerin. heute geht es ihr gar nicht gut... sie hat wahnsinnige angst, dass sie heute einen anfall bekommt."
das objekt zögerte, dann richtete es sich auf.
"ich geh mal rüber und schau nach ihr."

das objekt verschwand für eine weile, dann kam es wieder herein und ließ die tür offen.
"sie hat ihre auch auf gelassen, damit ich im notfall schnell drin bin."
"und wie geht es jetzt weiter? sollen wir einen arzt rufen?"
"nee", sagte das objekt. "wichtig ist jetzt erstmal, dass sie sich beruhigt und sich nicht alleine fühlt. vielleicht können wir den anfall ja so abwenden."
"wann kann man denn abschätzen, ob so ein anfall eintritt?"
das objekt schaute auf die uhr und überlegte:
"in diesem zustand... in 45 minuten, würde ich sagen. vielleicht auch 60."
das objekt war ganz in seinem element. wenn man es so erlebte, ahnte man nicht, dass hinter dieser schale von ruhiger souveränität, fachlicher selbstsicherheit und liebevoller fürsorge abgründe von verwirrung und haltlosigkeit tobten. die einzigen anzeichen, an denen man festmachen konnte, dass sich das objekt ernsthaft sorgte, waren die ungeheure innere gesammeltheit und der blick, der zwischen tür, uhr und fachbücherregal hin- und herschweifte.

ich fühlte mich dumm und plump und kam mir unwichtig vor.
"sollen wir sie vielleicht einfach hier rüberholen", schlug ich verzweifelt vor. "damit sie nicht allein ist."
das objekt sah mich verblüfft an.
"das würdest du tun wollen?"
"naja, wenn´s denn hilft?! und wenn was passiert, dann ist sie eh da und wir können gleich den notarzt oder so rufen."
"du bist so großartig", sagte das objekt. "du bist mein besuch, du sitzt hier rum und musst auf mich warten, ich bin gar nicht richtig für dich da und dann sagst du sowas."
ich zuckte die achseln. das würde ja wohl jeder so machen.
"dann geh doch mal rüber und sprich mit ihr. ich denke nicht, dass sie rüberkommen will, dazu kenne ich sie zu gut. vielleicht möchte sie aber, dass du bei ihr bleibst."
jetzt rutschte mir das herz in die hose.
"ähm... aber ich habe keine ahnung von epilepsie! ich kenn das nur aus dem fernsehen, ich würde bestimmt das falsche im falschen moment tun und alles schlimmer machen."
"hm", meinte das objekt. "ich würde dich nicht fragen, wenn ich´s dir nicht zutrauen würde. aber du musst es dir in erster linie natürlich selber zutrauen."
"aber die kennt mich gar nicht! wenn ich kurz vor einem anfall stehen würde, wäre eine fremde person in meiner wohnung das letzte, was ich wollen würde."
das objekt sah mich an:
"du, das war kein muss oder so. nur eine chance, dich vielleicht selber auch besser kennenzulernen."
mir war allerdings nicht nach neuer selbsterfahrung, ich war ohnehin schon angespannt genug, weil ich mich gegen die objektpheromone wehren musste.

drückende 45 minunten verstrichen, in denen das objekt mehrmals nach nebenan schaute. einmal kam es hereingerannt und begann, in seiner drogenkiste zu kramen.
"was machst du denn da?" rief ich mit blick auf die tabletten in seiner hand
"das ist ein angstlöser", erklärte das objekt.
"hast du das aus der klinik geklaut", mutmaßte ich.
"mann! das ist eine notfallration für einen meiner patienten! und das muss ich morgen natürlich auch melden!"
das objekt stürmte wieder aus der wohnung und nach nebenan.

ich konnte mich derweil meiner neugier nicht erwehren und öffnete den deckel der geheimnisvollen kiste. obenauf lag ein sehr süßes foto vom objektsohnemann. darunter fand ich etwas graues tablettenförmiges, vermutlich mdma. daneben lag etwas, das in ein taschentuch gewickelt war. ich guckte, ob die luft rein war, dann faltete ich das tuch vorsichtig auseinander. drinnen befand sich ein tütchen mit bräunlichen krümeln. wegen der farbe und der konsistenz dachte ich sofort an heroin. ich bekam wacklige knie und mir wurde schlecht. ich hatte es ja insgeheim vermutet. aber vielleicht war auch kein heroin, sondern nur ein anderes amphetamin oder crack. andererseits sagte das objekt immer von sich, dass es ein totaler downer-typ sei. warum also sollte es solche mengen partydrogen bunkern?

fragen über fragen über fragen. dann hörte ich geräusche auf dem flur. das objekt redete beruhigend auf jemanden ein. dann kam es in die wohnung zurück.
"so, ich glaube, jetzt passiert nichts mehr", verkündete es freudig.
ich lächelte verkrampft.
dann stellte sich das objekt an den herd. es gab spargel und zum nachtisch selbstgebackene waffeln.
anschließend tranken wir wein. vorsichtig sondierte ich den ist-seelenzustand des objekts. der schien gut. es lachte viel und erzählte viel aus seiner kindheit. dann kamen wir auf das thema frauen. ich kam auf die letzten wochen und den wilden wechselhaften wildwechsel zu sprechen, anschließend auf sehnsucht und sucht. dem thema drogen wich das objekt allerdings konstant aus. keine chance, es darauf festzunageln oder direkte fragen zu stellen. ich erfuhr stattdessen, dass die aktuelle gespielin dem objekt auf die nerven fiel. stattdessen vermisste es dann und wann die objektexfreundin, mit der aber definitiv schluss sei. dann tat das objekt etwas ungewöhnliches und las mir alte post vor, die aus der zeit mit der objektsohnemann-kindsmutter stammte.
irgendwann hielt es inne und meinte:
"das ist so ein komisches gefühl, dir das alles zu erzählen."
"kann ich mir vorstellen."
dann sah mich das objekt liebevoll an:
"es ist schön, dass du da bist. danke."
"de nada."

es wurde zeit schlafen zu gehen. als ich im bad stand und zähne putzte, fiel mir auf, dass das objekt nicht bekifft war. normalerweise war es nüchtern nicht mal ins bett zu bringen. den beunruhigenden fund im hinterkopf wusste ich nicht, ob das ein gutes zeichen war oder nicht.

im bett war dann alles anders als sonst. anstatt sich sofort in die horizontale zu begeben, saß das objekt kerzengerade in den kissen. wir unterhielten uns weiter über film und musik. damit hatte ich das objekt ja reichlich beschenkt und begeistert.
"alles, was ich von dir habe, sind dinge, die ich immer wieder hören und sehen will. da ist ein strahlen drin, das ist was besonderes."
"naja, es ist halt nicht so 0815. dj ötzi kannste von mir nicht erwarten."
das objekt lachte schon wieder.
"du musst dir aber auch mal hin und wieder leichte kost gönnen."
"wie meinst du das?"
"das, was du magst, hat alles soviel tiefe und bedeutung, das ist alles so wie du eben auch bist. du musst aber vielleicht auch hin und wieder mal ausbrechen, du erdrückst dich sonst irgendwann."
"kannst du mit recht haben."

dann rutschte das objekt tiefer.
"magst du in den arm kommen?"
ich mochte.
das objekt umschlang mich und vergrub sein gesicht in meinem nacken, wo es zu schnuppern begann.
"hm...hmmm.... hmmmmmm!"
dann suchte es meine hand und nahm sie in seine beiden.
"du bist heute aber extrem kuschlig", stellte ich fest.
"ja", sagte das objekt. es hielt ganz still und schupperte weiter, während es sachte mein handgelenk streichelte.
"deine haare riechen so gut."
"haarspray", murmelte ich schlaftrunken.
"ich will, dass du zuerst einschläfst", sagte das objekt dann. "ich finde das enorm beruhigend."
"kann ich nicht versprechen. du bist normalerweise schneller."
das lag unter anderem daran, dass das objekt nur bei licht und musik einschlafen konnte, während in meinem fall beides sichere mittel waren, um mich garantiert von der nachtruhe abzuhalten. für mich hängte das objekt immer schwarze tücher über die lampe, um das licht zu dimmen und stellte die musik auf eine ganz niedrige lautstärke, aber ich brauchte es stockfinster und totenstill.

so lagen wir da und belauerten uns, wer zuerst einschlafen würde. doch irgendwann saßen wir beide kerzengerade im bett und sahen einander an.
"ich kann nicht schlafen, ich bin total wach", sagte ich.
"ich auch", erwiderte das objekt. "wie spät ist es denn?"
ich linste auf mein handy.
"kurz nach drei."
"oh mein gott."
"wann musst du eigentlich raus?"
"halb sechs."
"oh mein gott."
dann mussten wir lachen.

und irgendwann schlief ich dann doch ein, während mich das objekt im arm hielt und mir zusah. ich träumte wild und wirr, bis ein wecker klingelte und das objekt laut aufstöhnte. nach dreimaliger aktivierung der schlummerfunktion und meiner drohung, den wecker und das handy zusammen aus dem fenster zu schmeißen, hatte das objekt ein einsehen und rappelte sich auf.
nachdem es zähne geputzt hatte, saß es angezogen auf der bettkante und stupste mich an. ich zog es an mich und hielt es fest, während es seine wange auf meine legte und mir dann einen kuss gab.
"das war sehr schön", flüsterte es. "das sollten wir öfter machen."
"dann vergiss mich nicht immer", sagte ich.
"ich weiß."
"kifferlangzeitschaden", rutschte mir heraus.
"hab ich mir auch schon gedacht", erwiderte das objekt zu meiner überraschung ganz ruhig.
"und sonst so?"
"was und sonst so?"
"naja, was begeistert dich sonst gerade so? gestern hast du ja nicht mal gekifft."
"achso, nichts weiter."
lüge, schoss mir durch den kopf. aber meine vorlage war auch nicht besonders brilliant gewesen. klar war, dass ich es anders angehen musste. und ich wusste auch schon wie. aber das musste ich ganz genau planen.

das objekt drückte und küsste mich noch einmal, dann erhob es sich schwerfällig.
"schlummer doch noch ein bisschen."
dann ging es aus dem zimmer. und ich war allein mit meinen gedanken.

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Mittwoch, 11. Mai 2011
today is the day
hyperventilationsalarm.

beruflich.
aber auch privat.

das objekt hat tatsächlich angerufen. in vier stunden haben wir ein date. dafür lagert es sogar den lütten zur kindsmutter aus, was es bislang noch nie gemacht hat.
gerade hat es sogar noch mal angerufen. um mir zu sagen, dass es sich auf mich freut.

oh mann. 180-grad-schwenk.

ich glaub das aber alles erst, wenn ich heute abend in a. bin. beim objekt weiß ich ja leider, dass es je nach persölichem pegel auch in letzter minute noch alles kippen kann.

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haustierchenpläsierchen
ich bin ein wahnsinnig tierlieber mensch, dachte ich immer. ich habe ein faible für katzen und enten. ich kann sogar spinnen gut ab. aber meinem neuen haustier trachte ich nach dem leben.

es ist hässlich.
es ist laut.
es ist eine stubenfliege.

und ICH KANN SO NICHT ARBEITEN.

licht aus. es surrt.
licht an. es surrt.
dabei imitiert die fliege tonlagentechnisch eine wespe, weshalb ich zunächst einen heidenrespekt hatte, das zimmer, aus dem jeweils der krach kam, zu betreten. unverschämt, mich so hinters licht zu führen.

seit nunmehr 48 stunden okkupiert das monster meine wohnung. ich hatte zunächst gehofft, das erledige sich von selbst, vonwegen eintagsfliege und so. mitnichten!
entweder das mit der eintagsfliege ist so ein scheißmärchen wie das vom eisen im spinat, von dem poppey seine muskeln kriegt, oder die fliege reinkarniert. ich vermute fast, mein kühlschrank, das bevorzugtes anschwirrobjekt (licht + lecker gammelgemüse), ist eine art zeitmaschine für stubenfliegen. anti-aging per kühlung oder so. ötzi hat es einst vorgemacht und lebt jetzt unter dem namen dr. werner mang weiter.

jedenfalls ist der stubenfliege nicht beizukommen. ich wollte sie zunächst friedlich ins exil schicken, doch sie kennt alle tricks illegaler einwanderer, bei denen die grenzbeamte blöd schauen. dann war meine diplomatische phase vorbei und ich versuchte das vieh zu erschlagen. doch es ist verdammt schnell. so schnell, dass man es nicht mal schwirren sieht. vermute, es hat an meinen geheimen doping-vorräten genascht. also lauerte ich es mit meiner haarspraydose in der hand auf. nachdem das haarpray versagte, nahm ich dann haarlack. aber ich hätte wohl auch sekundenkleber sprühen können und es hätte nichts genutzt. das tier hat einen überlebenswillen, der nicht von dieser welt ist.

kurzum: ich habe es nun jehova getauft.
vielleicht kommt wer zum steinigen vorbei.

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Sonntag, 8. Mai 2011
jojo-effekte
gestern mit dem architekten im club verabredet gewesen. wir trafen uns an der bar. er begrüßte mich sehr herzlich, dann orderte ich uns ein bier.
ich fragte nach meinen schwiegereltern in spe. der architekt war nämlich bei mama ud papa gewesen, hatte sich dort ein festliches mittagessen gegönnt und ein wenig familienleben genossen.
"die sind so nett, die freuen sich immer so, wenn ich mal da bin, dass sie sich ganz große mühe mit allem geben."
"das kenne ich von meinen", erwiderte ich. "die sind auch immer ganz süß und alle meine marotten werden beinahe kommentarlos toleriert."

leider war der architekt an diesem abend völlig übermüdet. er sprach irgendwann kaum mehr ein wort. wenn autisten müde oder gestresst sind, erfuhr ich, werden soziale herausforderungen wie ganz normale gespräche zur extrembelastung. ich sagte, hey, dann lass uns zusammen schweigen. der architekt fand das ganz bezaubernd.
"normalerweise muss ich mich in solchen situationen immer endlos erklären, das nervt mich total."
"ich bin da ganz easy. außerdem heiraten wir bald, da kann ich doch nicht schon jetzt zicken machen."
der architekt schmunzelte und sah mich herzzerfetzend freundlich an.

das objekt hatte ich gar nicht bemerkt. ich registrierte es erst, als ich mich, einen aschenbecher suchend, auf dem barhocker umdrehte. es war offenbar die ganze zeit schon dagesessen und hatte mir in den rücken gestarrt.
ich erschrak mich richtiggehend. das lag jedoch nicht nur am überraschungsmoment, sondern auch daran, wie das objekt aussah: dünn, tiefe dunkle augenringe im blassen gesicht, wirres haar, nachlässig zu einem pferdeschwanz gebunden, sehr ernst, geradezu traurig der gesichtsausdruck.
ich stammelte "hi", dann drehte ich mich schnell wieder um und war sehr froh, dass ich nicht alleine da saß. solange der architekt um mich herum war, würde das objekt auch nichts zu mir sagen, da war ich sicher. schließlich brauchte ich jetzt erstmal bedenkzeit.

dummerweise wollte der architekt aber schon gleich gehen:
"ich bin ja mit dem auto da, ich fahr nicht so gerne, wenn ich so extrem müde bin."
ich hatte ein einsehen und brachte den architekten zum ausgang.
dann überlegte ich, ob ich zurück in den barraum gehen sollte. aber ich musste, weil mein bier noch da stand und ich vermeiden wollte, dass die manchmal etwas übereifrige crew das gleich wegräumte.

als ich mein bier holte, stand das objekt zusammen mit k. da. ich bekam sofort einen doppelten adrenalinstoß. von der verkrachten objektsituation mal abgesehen war es ja nun auch schon wieder todspannend, wie k. reagieren würde.
ich schnappte mir meine flasche und lehnte mich lässig an eine wand, wo ich die beiden gut im blick hatte. während k. redete, nickte das objekt zerstreut und schaute immer wieder zu mir herüber. schließlich löste es sich aus sich der gesprächssituation und kam tatsächlich auf mich zu.
dann standen wir voreinander, ich defensiv, die arme vor der brust verschränkt, das objekt unsicher und verhalten, bis es dann den schritt auf mich zumachte, mich in den arm nahm und meinen namen in mein ohr sagte.

ich konnte die umarmung nicht erwidern, dazu war zu viel in mir passiert. das objekt merkte das sofort und ließ mich los.
dann sagte es:
"ich hab die botschaft schon richtig verstanden."
"und?"
in der erwartung erneuter distanz und entgültiger vernichtung zog ich den kopf ein.
doch dann sagte das objekt:
"lass uns nächste woche treffen."
ich blinzelte misstrauisch.
"ich ruf dich auch an, wirklich", schob das objekt nach.
"soso", sagte ich ungläubig, wenn auch positiv überrascht, dass es überhaupt noch eine objektseitige bereitschaft gab, den kontakt zu reanimieren.

dann tauchte k. hinter dem objekt auf und schielte ihm über die schulter. unsere blicke trafen sich und - jetzt halten sie sich fest - k. kann lächeln! und zwar so richtig, also nicht nur so ein zucken der mundwinkel!
das objekt schnallte sofort, was los war, grinste amüsiert zwischen k. und mir hin und her und verdrückte sich. k. stand noch zwei millisekunden bei mir, dann dackelte er dem objekt hinterher. naja. man kann nicht alles haben. klar.

nach einigen minuten entschloss ich mich, ebenfalls mal den raum zu wechseln und tanzen zu gehen. neben der tanzfläche standen k. und das objekt. sie guckten zu mir und unterhielten sich ganz offensichtlich über mich. dann bewegte sich k. wieder in meiner nähe und mein adrenalinspiegel stieg von neuem an. verschrobene menschen sind aber auch einfach zu spannend!

k. begann, hinter mir zu tanzen. das ging zwei, drei lieder gut, bis ich mich dann mutig umdrehte. k. guckte ertappt und erschrocken und trippelte vondannen.
mist. da war ich mal wieder zu schnell gewesen, obwohl langsamer in meinen augen schon gar nicht mehr ging.

als ich mich umsah, bemerkte ich, dass sich das objekt noch immer auf seinem beobachtungsposten befand. dann kam es auf mich zu, grinste kopfschüttelnd und umarmte mich. "fast", sagte es in mein ohr.
das objekt als kuppler, das hätte ich mir ja auch nie träumen lassen. irgendwie verdammt niedlich. als ich die umarmung erwiderte, wanderte die objekthand unter meinen rock, und da ich aufgrund der wärme keine strumpfhosen trug, noch ein stück weiter. leider wusste das objekt immer noch sehr gut, wie es mich mit einem einzigen griff zum hyperventilieren brachte.
nach einem kleinen, aber heftigen kampf gegen sehnsucht und verlangen wand ich mich aus der umklammerung und brachte wieder respektvollen abstand zwischen uns. schließlich befanden wir uns mitten in der öffentlichkeit. außerdem war die aktuelle objektgespielin im anmarsch und es roch nach ärger, der sich dann kurz darauf gewitterartig über dem objekt entlud. das arme mädchen.

k. und ich umschlichen uns im laufe der nacht noch mehrmals und das lächeln funktionierte immer besser. vielleicht schaffen wir es dann nächste woche doch mal zu einem hallo.
bis dahin warten noch schwierige herausforderugen auf mich, wie beispielsweise meine ungeduld zu zügeln, während ich auf den objektanruf wartete, und dann nicht umzukippen, falls das objekt tatsächlich vorbeikam und mir die hand ins höschen zu stecken versuchte.

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Sonntag, 1. Mai 2011
die nacht der ungefragten wahrheiten
gestern mit der drittefreundin in den mai getanzt. ich wiederhole mich ja nur ungern, aber mit 20-jährigen kann man als alte kuh mehr spaß haben als man denkt. ich sollte auf jeden fall lehrerin werden, ich könnte dann nämlich immer mit meinen abiturienten feiern gehen und mich gut unterhalten.

auf der hinfahrt erhielt ich von der drittefreundin ungefragterweise weitere objektnews. unter anderem erfuhr ich, warum mit der objektexfreundin schluss ist. ich selbst hatte ja ganz naiv vermutet, das objekt sei mit seinem notorischen fremdficken und lügen aufgeflogen oder ihr mit seinem ewigen drogenkonsum auf die nerven gefallen.

"neinnein", belehrte mich die drittefreundin eines besseren. "die objektexfreundin hat sich mit einem freund unterhalten und da hat das objekt total durchgedreht."
"moment mal", blinzelte ich irritiert. "das objekt vögelt vier oder fünf frauen gleichzeitig und lügt, dass sich die balken biegen - und die objektexfreundin darf sich nicht mit einem freund unterhalten?!"
dann erinnerte ich mich an meine gespräche mit dem objekterzfeind, dem architekten, und wie mich das objekt danach auch mit dem arsch nicht mehr anschaute. das objekt war durchaus zur eifersucht fähig, musste ich mir eingestehen.
jedenfalls, so die drittefreundin, sei das objekt nach dieser bösen angeblich-fremdflirt-aktion und einem wochenende, an dem die objektexfreundin berufsbedingt keine zeit hatte, losgefahren, habe der objektexfreundin ihre sachen vor die füße geworfen und schluss gemacht. neben dem fremdflirten lautete der zweite trennungsgrund, dass die objektfreundin unloyal sei, weil sie an dem wochenende keine zeit gehabt hatte. das dritte argument war zu meinem großen überraschen schlechter sex.

ich musste erstmal hyperventilieren. dass das objekt nicht alle tassen im schrank hatte, war ja nichts neues. ich war mir auch immer dessen bewusst gewesen, dass das objekt mir gegenüber, die ich im vergleich zu seinen anderen frauen mit sehr viel respekt behandelt wurde, nur die lightversion seiner gesammelten verrücktheit outete. dass es aber ein derartiges arschloch sein konnte, verblüffte mich.

"und was macht die objektexfreundin jetzt so? ich hab sie nie wieder gesehen. hat sie wenigstens rausgefunden, wie mies das objekt so ist?" fragte ich, unfreiwillig gespannt dem klatsch verfallen.
"nein", sagte die drittefreundin. "sie glaubt immer noch, das objekt sei eine liebe, treue seele und der fehler liege allein bei ihr. immer, wenn wir telefonieren, weint sie ganz schrecklich deswegen. ich hätte ihr ja zu gerne reinen wein eingeschenkt, aber dann hätte ich dich da auch noch mit reingezogen."
ich staunte immer noch mit offenem mund aus dem fenster der s-bahn.

im club schütteten wir uns erstmal einen caipi hinter die binde. der barkeeper spendierte uns noch zwei üble schnäpse. dann begann sich die welt zu drehen und ich stolperte nach links, direkt in die arme des architekten. wir unterhielten uns eine weile über ethische tapferkeit und den sinn des lebens, bevor ich die tanzfläche eroberte. das objekt war an diesem abend abwesend. allerdings waren gewisse mitglieder der objektboygroup inklusive k. anwesend.

auf der tanzfläche gesellte sich dann k. auch gleich wieder in meine nähe und guckte. ich guckte zurück und versuchte, dies sehr freundlich, sanft und unaufdringlich zu tun. es klappte. wir tanzten fünf oder sechs lieder und k. rückte immer näher. ich spürte meine nackenhaare vibrieren und dachte, jetzt jetzt jetzt, gleich sagt er was...

doch dann kam die drittefreundin mit dem dritten im schlepptau auf mich zu und k. entfernte sich schleunigst. ich sagte dem dritten hallo. der dritte als sturm-und-drängler war noch mit seinen kumpanen von der schwarzen front unterwegs gewesen und hatte ordentlich prügel bezogen.

nach kurzer ereignisschilderung rekurrierte das thema wieder auf das objekt. auch der dritte hatte in letzter zeit unschöne episoden mit dem objekt durchlebt. so hatte das objekt dem dritten zu ostern versprochen, mit ihm und der drittenfreundin zwei, drei tage wegzufahren. dritter und drittefreundin saßen daraufhin am karfreitag auf gepackten koffern, alles war vorbereitet - nur das objekt tauchte nicht auf und war auch telefonisch nicht erreichbar.
"am abend hab ich es dann mit seiner neuen tusse im club getroffen, total dicht. es konnte sich an nichts mehr erinnern", erzählte der dritte.
der dritte, nicht konfliktscheu, forcierte eine aussprache. das objekt war zerknirscht und entschuldigte sich.
doch damit nicht genug. wenige tage später musste das objekt frühschicht arbeiten und hatte glatt verpennt, dass der objektsohnemann bei ihm sein würde. also fragte er den dritten und die drittefreundin, ob sie an einem samstagmorgen um sieben bei ihm auf den lütten aufpassen würden. dritter und drittefreundin verzichteten also am freitag auf party, um ausgeschlafen beim objekt aufkreuzen zu können. kurz vor sieben klingelten sie an der tür und eine nackte frau öffnete ihnen. das objekt selbst schlief noch. während der dritte das objekt weckte, machte die drittefreundin die küche klar schiff.
"der ganze küchentisch war voller drogen und schnapsflaschen", berichtete sie noch immer entsetzt. "die haben die ganze nacht gekokst und gesoffen und gevögelt, während der kleine nebenan schlief."
wieder stand ich mit offenem mund da und konnte es nicht fassen.
"red doch du mal mit dem objekt", bettelte die drittefreundin. "auf deine meinung hört es doch! dich nimmt es wenigstens ernst!"
ich spürte ein nervöses flattern in der magengrube. sollte ich die ganze geschichte noch einmal aufrollen? jetzt, wo ich mich für die kontaktsperre entschieden hatte?
anderseits: kann man so viel fehlverhalten unkommentiert lassen? wenn ich die konfrontation wagte, musste ich allerdings die fronten wechseln. das objekt würde mir in diesem fall vermutlich genau dieselbe illoyalität vorwerfen wie der objektexfreundin.
"hm", sagte ich, "themawechsel bitte."

dritter und drittefreundin verabschiedeten sich kurze zeit später, da der dritte von den straßenkämpfen reichlich lädiert war und ins bett musste. schließlich sollte tagsdrauf wieder weitergefightet werden.
ich wünschte ihnen viel spaß und dem dritten viel glück und riet ihm, sich vor den tränengas-bewaffneten in acht zu nehmen. der dritte versprach, auf sich aufzupassen, dann zogen die beiden vondannen.

ich selbst blieb noch, bis die lichter angingen und tauschte weitere blicke mit k.
zum ende des abends versumpfte ich schließlich mit einem jungen musikus an der bar.
als ich den club verließ, war es halb sechs uhr morgens. ich schlurfte kraftlos und immer noch etwas angetrunken zum bus. im bus suchte ich mir ein ruhiges plätzchen ganz hinten.

zwei stationen später tippte mir jemand auf die schulter. es war das objekt, das auf dem weg zur frühschicht war. es guckte waschbärartig-restbekifft drein, pflanzte sich neben mich und kuschelte sich ungefragterweise an. als ich wegrutschen wollte, zog es mich an sich und hielt mich fest. soviel zum thema kontaktsperre.
"ich bin sooooo fertig", jammerte es.
"gekifft?"
"nein..."
klar.
"gefickt?"
"nein!"
naja. wer´s glaubt.
"du musst dein leben ändern", rutschte mir da heraus.
das objekt guckte mich mit einem male sehr wach an.
"wie meinste denn das jetzt?"
"naja, alles eben. du gehst gerade so richtig kaputt."
das objekt sah mich nachdenklich an.
"du erwischst immer meinen wunden punkt."
ich nahm meinen mut zusammen.
"ich finde, wir sollten da mal drüber reden."
"aber warum denn? ich mag meinen job."
das objekt merkte nicht, was ich meinte. nunja, vielleicht ein vorteil.
"ach, lass uns doch einfach mal treffen. du hast mir geholfen, jetzt kann ich dir vielleicht helfen. funktioniert allerdings nur, wenn du willst."
"ja, ich würde schon wollen..."
"gut."

dann hielt der bus vor der klinik. das objekt löste sich zögerlich aus meiner umarmung und gab mir einen kuss auf die wange.
"erinnere mich daran!" sagte es und meinte unser anstehendes gespräch.
ich seufzte. jetzt lagen wieder viele wochen der koordinierungsarbeit vor mir, um einen objektsohnemannfreien abend zu erwischen, an dem das objekt nicht allzu hackedicht war - was schon beinahe ein ding der unmöglichkeit war, besonders in letzter zeit. doch eine letzte chance würde ich der sache geben: dem objekt zuliebe, dem dritten und der drittefreudin zuliebe, mir selbst zuliebe und vielleicht auch ein wenig in namen der objektexfreundin.

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Samstag, 30. April 2011
364 objektive tage und (k)ein ende in sicht
das objekt war das produkt einer wilden tanz-in-den-mai-nacht und teil eines positivtrends in meinem leben im letzten jahr.

nach der langen schweigephase seinerseits habe ich gestern auf der rückfahrt in meine nördliche exilheimat festgestellt, dass das ewige auf und ab nicht spurlos an mir vorüberging. vor allem das "ab", welches da nun schon wieder vier wochen dauert. funkstille, bekifftes desinteresse. mit leichtem erstaunen bemerkte ich, dass ich geradezu stinksauer war.

schon am frühen abend überlegte ich, was ich tun sollte, wenn ich das objekt auf der anstehenden party treffe. große emotionale gesten im tonus von "du bist mir so wichtig und ich habe dich vermisst, geht´s dir denn auch gut?!" oder doch lieber smalltalk?
im grunde, bemerkte ich, war mir nach nichts von beiden. denn wenn ich ehrlich war, hatte ich weder ein positives gefühl noch lust auf blabla. egal, ich wollte tanzen, ich wollte spaß haben, ich wollte auf diese party fahren und mir nicht den kopf zerbrechen. vielleicht hatte ich ja auch glück und das objekt war immer noch in der sozialen versenkung.

natürlich hatte ich kein glück. das objekt war einer der ersten menschen, das ich vorne an der bar sichtete. ich nahm erstmal den anderen weg um das hintere ende der tanzfläche herum, wo ich dem dritten und der drittenfreundin in die arme lief. die beide waren schon lange nicht mehr unterwegs gewesen, weil sie um- und zusammengezogen waren, wie ich erfahren sollte. ich merkte, wie ehrlich ich mich freute, die beiden zu sehen. die drittefreundin fragte mich, ob ich mit ihr eine rauchen gehen wolle und ich schnallte, dass es offenbar redebedarf gab.

kaum dass wir saßen und ich der dritttenfreundin feuer gegeben hatte, legte sie auch schon los:
"sag mal... hast du heute schon mit dem objekt geredet?"
"nein", erwiderte ich. "vorhin war es im gespräch. außerdem haben wir gerade eh keinen kontakt."
"wie, ihr habt keinen kontakt? von ihm aus oder von dir aus?"
"er hat sich nicht mehr gemeldet, da war es mir irgendwann zu doof, noch nachzufragen."
"kann ich verstehen. mit uns hat es das auch gemacht. der dritte war jetzt auch eine zeitlang echt nicht gut auf das objekt zu sprechen. und neuerdings ist es ja auch noch immer mit dieser gräßlichen person unterwegs."
sie meinte die neue objektgespielin. die drittefreundin zog die nase kraus und schüttelte sich.
"hm", meinte ich, "ich kenne sie jetzt nicht wirklich. wir haben uns zweimal kurz unterhalten und das war recht nett."
"du WEIßT es noch gar nicht, oder??"
"nö, was soll ich denn wissen?"
"das objekt hatte schon letztes jahr was mit der! im winter, als er damals noch offiziell mit der objektfreundin zusammen war! und natürlich auch mit dir!"
"nunja, das wusste ich nicht, aber ich bin mir schon im klaren darüber, dass das objekt alles fickt, was ihm über den weg läuft."
"aber das ist ja längst nicht alles!"
und so erfuhr ich, dass die neue objektgespielin nicht ganz unschuldig am ende der großen liebe mit der objektfreundin war.
"das kleine miststück hat nämlich dem besten freund der objektfreundin gesteckt, dass sie was mit dem objekt am laufen hat. das ist so eine intrigante person... nimm dich bloß in acht vor der, die erzählt sonst auch irgendwelchen mist über dich!"

ich versuchte, die ungefragten informationen irgendwie zu ordnen und dabei das wegzulassen, was dem hang zu dramatischem klatsch und der mangelnden lebenserfahrung einer 20-jährigen geschuldet war. auch nach der informationsanalyse musste ich zugeben, dass mich das ergebnis nicht gerade begeisterte.

in diesem moment betrat das objekt zusammen mit dem dritten den raum. ich erstarrte auf meinem stuhl. nein, ich hatte kein bedürfnis, aufzuspringen und mich umarmen und knuddeln zu lassen.

das objekt starrte mich an und schien meine verhaltenheit zu spüren. es bedurfte eines ellenbogenstoßes des dritten, dass es sich auf mich zubewegte. ich blieb wie festgenagelt sitzen und bewegte mich nicht, während das objekt einen arm um mich schlang und meinen hals küsste. ich versuchte, nicht in wohlgeruch und der auf mich zuströmenden pheromonflut zu ertrinken und macht den rücken gerade, wodurch ich mich ein stück weit aus der umarmung wand.
das objekt stutzte, zog sich überrascht zurück und schaute mich verunsichert an. ich guckte verletzt - ich hoffte, nein, bitte nicht verletzt, aber für grimmig reichte es gerade nicht - zurück und drehte ihm dann den rücken zu. aus den augenwinkeln bemerkte ich, dass das objekt den raum verließ. der dritte kam auf mich zu, guckte wissend und nahm mich in den arm.
"ich werd ihn auch nie verstehen", flüsterte er mir ins ohr.
mit der drittenfreundin rechts und dem dritten links saß ich da und spürte unendliche dankbarkeit, dass diese beiden jungen menschen jetzt hier waren, menschen, die das objekt kannten und sich ebenfalls an ihm schon die zähne ausgebissen hatten.
"das objekt ist ja lieb und nett und alles, aber sonst ist es nicht weit mit ihm her", bilanzierte die drittefreundin altklug im o-ton einer großen schwester und ich musste ein wenig lachen.
"und die alte hab ich ja sowas von gefressen", grollte der dritte und meinte damit die neue objektgespielin. "echt, wie kann man nur so nen schlechten geschmack haben! nach all dem, was die mit der objektfreundin abgezogen hat!"
"aber es ist seine entscheidung", warf ich ein. "wenn das objekt ehrlich und aufrichtig wäre, hätten wir die ganzen probleme nicht."

wir beschlossen, eine runde tanzen zu gehen. als ich danach kurz alleine am rand der tanzfläche stand, kam das objekt wieder auf mich zu.
es sah mich ernst und nachdenklich an, setzte mehrmals zum sprechen an und sagte dann doch nichts. ich hielt die arme verschränkt, stemmte die beine in den boden und schaute stur geradeaus.
"ich frage mich..."
"was?!" blaffte ich zurück.
"... warum wir beide heute abend hier sind."
ich zuckte die achseln.
"ich weiß es auch nicht", sagte das objekt nach einer pause leise.
saublöde sprüche, lag mir auf zunge zu sagen, aber dann drehte mich um und ging.

im laufe des abends schlich das objekt noch einige mal fragend dreinschauend an mir vorbei. doch ich hielt eisern an mich ud switche zwischen dj-pult und dem jeweiligen standort des dritten und der drittenfreundin.
gegen fünf uhr morgens war ich müde und holte meine jacke. als das objekt meinen weg kreuzte, schaute ich nicht auf, sondern peilte geradewegs den ausgang an. am ausgang, wo man mich nicht mehr sehen konnte, wagte ich einen blick zurück. das objekt stand noch immer verdattert auf der treppe, doch es kam mir nicht nach.

draußen schwang ich mich auf mein fahrrad und versuchte mir einzureden, dass alles so ganz ausgezeichnet sei. ich hatte klare signale gesetzt und mich maximal denk-würdig verhalten. wenn dem objekt auch nur ein klein wenig an mir lag, musste es jetzt in die puschen kommen.
kurz, bevor ich zuhause ankam, plingte mein handy. es war die drittefreundin. sie fragte, ob wir morgen zusammen in den club gehen wollten. ich ahnte, dass sie fragte, weil sie wusste, wie hart die objektsituation gerade für mich war. ich antwortete ihr postwendend - und zum ersten mal, seitdem ich in hamburg lebte, hatte ich eine echte verabredung zum feiern. damit gibt es also doch einen grund, sich auf heute zu freuen.

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Samstag, 30. April 2011
a nice day for a white wedding
ich saß im zug und hab nichts mitbekommen. glück gehabt.

ich halte ja nix von ja-sagern.

aber gleichzeitig lasse ich mich unheimlich gern von meinen prinzipien abbringen. nicht von jedem. und auch nicht um jeden preis. aber grundsätzlich... ja.

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Donnerstag, 28. April 2011
sieben stunden zeitverschwendung oder vom versuch, sich zu verlieben
ich bin schrecklich schlecht im mich-verlieben. seit mich das objekt infiziert hat, sind alle beziehungsversuche nach spätestens einem monat gescheitert. dennoch bin ich eine naive volltrottelin, die die hoffnung nicht aufgibt. nachdem der mann vom bodensee nun täglich anrief und mehrfach um ein wiedersehen bat, solange ich noch in der nähe war, buchte ich kurzerhand einen teuren zug noch weiter richtung süden. der mann vom bodensee war begeistert und nahm sich gleich einen tag frei. er wünschte sich natürlich, dass ich uhrzeittechnisch möglichst früh käme, damit wir was vom tag haben würden. ich sträubte mich innerlich, schluckte aber das sträuben hinunter. na gut, wenn er sich schon extra frei nahm meinetwegen, wollen wir freundlicherweise auf den gesunden nachtschlaf verzichten und damit gleich die kompromissfähigkeit unter beweis stellen.
"ich ruf dich morgen früh dann noch mal an."
"wozu", fragte ich.
"damit du nicht verschläfst", meinte der bodenseeler mit schalk in der stimme.
als echter eulenmensch fand ich das keinen besonders gelungenen scherz, simulierte aber nichtsdestotrotz ein kichern. naja, humortechnisch mussten wir uns eben noch annähern.
"ich hol dich dann am bahnhof ab", sagte der mann vom bodensee.
"okay", meinte ich.

"und, meinst du, du verliebst dich", fragte mein papa am abend zuvor.
"ehrliche antwort? nein", meinte ich.
"aber warum denn nicht, lern den doch erstmal kennen!"
"er ist total sympathisch und sieht auch gut aus, hat nette ansichten, aber er lebt und denkt ganz anders als ich. und wenn ich mich recht erinnere, besitzt er nun mal leidergottes keine pheromone, die mich dazu bringen, in seiner gegenwart nur noch in schwänzen und muschis zu denken."
das war harter tobak für meinen papa:
"aber das ist es doch nicht, worauf es ankommt! es geht doch nicht nur um sex!"
"das sage ich ja auch nicht und ich muss es ja auch erstmal noch überprüfen. aber es sollte sich auch nicht so anfühlen wie der große bruder, verstehst du?"
verstand er nicht, aber die diskussion war damit vorerst beendet.

gestern ging es dann los. punkt neun klingelte mein handy. ich stand gerade unter der dusche.
"hallo, ich bin schon wach, ich dusche gerade", rief ich in den hörer, in der hoffnung, er möge auflegen und mich weiterduschen lassen.
aber nein. es gab den blubb zum morgen und dann auch noch den vom vorabend, weil wir da ja nicht telefoniert hatten. ich duschte dann trotzdem einfach weiter mit handy am ohr. endlich legte er auf und ich sprang in meine klamotten.

anschließend rannte ich zur s-bahn, dann fuhr ich weiter mit der regionalbahn. die stunden verstrichen langsam und mir war fad. zum glück war das wetter regenerisch, sodass die menschen stark verhüllt reisten und mich nicht mit ihrem gestank belästigten - so wie kürzlich ein junger mann in der u-bahn, dessen körpergeruchsintensität meine optische gestanksvorstellung, die ich aus seinem fettigen haar und dem versifften uralt-jogginganzug abzuleiten vermochte, noch mal um ein vielfaches sprengte.

ich tuckerte und tuckerte dahin, erwartungsfrei fröhlich, bis mein handy klingelte. es war der mann vom bodensee. ich dachte, oh, wahrscheinlich steht er im stau und will mir sagen, dass er sich verspätet.
"nein nein", dementierte er meine befürchtung, "ich wollte nur wissen, ob bei dir alles gut ist!"
ich überlegte, ob es einen anlass für einen ersten ehekrach gab, dann merkte ich, dass er wahrscheinlich nur wissen wollte, ob ich auch wirklich schon im zug sitze.
"alles gut", antwortete ich. "ich werde vermutlich ganz pünktlich ankommen."
"das wollte ich nur hören!"
mannmannmann, dachte ich. bin ich fünf jahre alt und schaffe es nicht, alleine zug zu fahren?

damit aber nicht genug. kurz, bevor ich am zielort ankam, rief er schon wieder an.
"was denn?" sagte ich etwas ungehalten.
"ich wollte nur wissen, ob du schon da bist."
"ja klar, ich habe meine tarnkappe aufgesetzt, stehe direkt hinter dir und beobachte dich, wie du dich suchend umschaust."
der mann vom bodensee fand meinen scherz nicht lustig. entweder hatte er nie das nibelungenlied und die aberwitzige szene der hochzeitsnacht mit brünhild, dem dicken versager-gunther und dem unsichtbaren siegfried erlebt, oder er mochte meinen zynisch-kritischen humor nicht.

egal, nun war ich schon da. ich stieg aus dem zug. mein verehrer trabte mir am bahnsteig entgegen und umarmte mich. vermutlich lag es an meinen halbhohen stiefeln, aber während der umarmung bemerkte ich, dass der mann vom bodensee eher etwas klein geraten war. da ich in der letzten zeit nur mehr oder minder breitschultrige 1,90m-typen um mich und in mir hatte, war das ein unangenehmer überraschungsmoment. hätte ich mal lieber flache schuhe angezogen, dachte ich, dann wären wir vielleicht gleich groß. dann fiel mir ein, dass das objekt immer sagte, dass große frauen in hohen schuhen das tollste auf der welt seien, weil das elegant und feminin aussieht. ich versuchte mich also elegant und feminin zu fühlen, mochte dabei aber irgendwie nicht an sex denken.

die zeichen standen denkbar schlecht. noch leicht genervt von den ständigen anrufen stiefelte ich an der seite meines kleingewachsenen verehrers durch die gassen. da es mittag war, wollte der mann essen gehen. ich, die ich wenn dann abends esse, beschloss, mich einfach mal anzupassen. am ort des geschehens gab es dann allerdings rotes curry, dass so scharf und lecker war, dass es meinen groll weitgehend betäubte. wir unterhielten uns eine weile ganz gut und ich musste schon wieder an das objekt denken, das, wenn es mich fütterte, immer sagte, dass es wichtig sei, den körper mit essen zu beschäftigen, damit sich der unruhegeist währenddessen ausruhen kann.

nachdem wir aufgegessen hatten, spazierten wir ein wenig herum. der ort war idyllisch, das gespräch wieder seicht und mir wurde langweilig. ich begann, bemerkungen über die kleinstadt, ihre sehenswürdigkeiten und die begrenzten kulturellen angebote zu machen, um zu signalisieren, dass ich gerne etwas erleben würde. wenigstens in ein museum gehen. oder eine kirche von innen angucken. mein verehrer war da allerdings weniger aufgeschlossen. kurze zeit später stellte sich dann auch noch heraus, dass er elektronische musik nicht mochte, so, wie er auch kein clubgänger oder freund von lesungen war. die möglichkeiten der gegenseitigen inspiration beschränkten sich immer weiter.

gegen fünf uhr, als wir wieder in einem café saßen, hatte ich das dringende bedürfnis zu verschwinden. ich brachte das schleppende gespräch vorsichtig auf das thema zeit und zugfahren. wir guckten nach einer verbindung. noch anderthalb stunden sollte ich warten müssen. ich wurde nervös. ich hetzte mit dem mann an meiner seite durch die wenigen straßen des ortes, um meine aggressionen abzubauen. insgeheim tat er mir ein wenig leid, aber aus mitleid würde ich mich schon dreimal nicht verlieben.

der abschied fiel entsprechend kühl aus. zum glück versuchte er nicht, mich zu küssen, sondern hatte wohl schon gespürt, dass hier nichts laufen würde. ich war unheimlich dankbar und flüchtete in das abteil meines zuges. ich war mir sehr sicher, dass wir uns nie wieder sehen würden. mehr als sieben stunden lebenszeitverschwendung wollte ich mir keinesfalls zumuten.

mein papa war enttäuscht. der mann vom bodensee hat nämlich einen guten job und ein auto. deshalb wäre er ein erwünschter schwiegersohn gewesen:
"und du meinst nicht, dass sich da noch was bei dir tut?"
"du meinst, dass ich noch mehr mörderische aggressionen entwickle?!"
da sah auch mein papa ein, dass es nichts bringen würde, mich weiter auf konfrontation mit dem unerträglichen zu schicken. als mörderin konnte ich mich schließlich nicht mehr fürs lehramt bewerben. womit dann auch die letzten hoffnungen, dass einmal etwas anständiges aus mir werden könnte, begraben werden müssten.

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Dienstag, 26. April 2011
des terrors älteste gesichter
wer mich ein wenig kennt und geschnallt hat, dass ich vier freie tage habe, wundert sich vermutlich, dass ich jetzt, für meine verhältnisse zu nachtschlafender zeit, blogge. aber seit zwei stunden hat der terror einzug gehalten - der älteste terror der welt. er raubt mir den schlaf und bringt den nachbarhund zum jaulen. vergessen sie mal getrost die al kaida. die al-kaida-bombenschmeißer könnten mich nicht beunruhigen, denn da wüsste ich: wenn´s rummst, bin ich wech. hier rummst es seit um sieben uhr morgens und ich bin voll da weil wach und ärgere mir die pest an den hals.

die terroristen, von denen ich spreche, wohnen nebenan, sind knapp 70 und brechen gerade aus nicht religiösen gründen eine oder mehrere wände durch. motiv: nicht nachvollziehbare platzbedürfnisse. die terroristen sind weder rollstuhlfahrer - in diesem fall hätte ich gesagt, gut, muss man eben alles ein wenig hindernisfreier gestalten - noch bekommen sie gerade fünflinge (aus biologischen gründen nicht mehr möglich) und benötigen großflächigere zimmer, damit sich pipi, kacka, rotz und breiflecken übersichtlicher verteilen können. die gründe für den durchbruch sind rein egoistisch-nestbaulicher natur und rufen daher meinen groll auf den plan. wäre ich osama tochter laden, würde ich ich my personal selbstmordattentäter bestellen und ihn nach nebenan schicken. dann hätten sich gleich zwei probleme mit einer einzigen zündschnur erledigt: die wandgeschichte plus der verspätete nestbautrieb. so billig und schnell kommt man sonst nicht zu mehr platz und ruhe. aber gut, gibt auch unschöne flecken, wie mein papa sagen würde, und nachher ist keiner mehr da, der sie wegputzt.

auf der straße tuscheln die anderen nachbarn. die haben nicht mein problem, dass sie ausgeschlafen sein müssen, weil sie gleich wieder kreative ideen scheißen sollen. die müssen nur tratschen und den klatsch verbreiten. trotzdem erhält man so wertvolle informationen. unter anderem, dass es ärger im heimwerker-paradies gibt weil die wände ein wenig dicker seien als angenommen, da der bauherr einst da nicht so recht den überblick behalten hatte. jedenfalls seien die baupläne wohl falsch und die durchbruchsberechnungen daher auch.

meine mama, besorgt, dass ich meine drohung wahrmachen und frühzeitig abreisen könnte:
"hörst du, das liegt nur an den dicken wänden, dass das so laut ist!"
"das interessiert mich nicht, alles, was ich wissen will, ist, dass das vorzugsweise noch heute wieder aufhört."
meine mama dackelt verzweifelt auf und ab und ich muss ein bisschen lachen, obwohl ich stinkewütend bin. meine mama schiebt mir ein stück kuchen hin, zucker wirkt bei kindern ja bekanntlich beruhigend, aber ich bin so müde, dass mir übel ist.

seit zehn minuten herrscht nun allerdings totenstille. die kleinstadtnachbarschaft hat es auch schon bemerkt. probleme beim bau, sagt der alte herr s., von dem alle wissen, dass er gerne heimlich pornos guckt, in denen sich blutjunge blondinen riesige analdildos in den hintern schieben. dass "das alte schwein", wie meine mama den herrn s. gerne nennt, trotz seiner sexuellen vorlieben recht hat, bestätigt sich nun: die eben entfernte wand hat sich unerwarteterweise als eine tragende erwiesen. nun bröckelt die decke herunter und es herrscht große verzweiflung, sodom und gomorrha.

rache ist blutwurst. gott war auf meiner seite - die früchte eines theologiestudiums. zum glück hab ich mit dem al-kaida-bomber noch gewartet.

p.s.: wahrscheinlich liest wegen des auffälligen al-kaida-contents inzwischen das lka mit - aber leute, bleibt mal locker: ich bin für nachhaltigkeit und will meine staatszersetzenden kräfte dann doch lieber etwas pädagogischer anbringen.

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Freitag, 22. April 2011
now playing: vögelgezwitscher
nachdem ich gestern einen höllentag im büro mit abschließenden harten, aber erfolgreichen gehalts- und arbeitszeitverhandlungen hinter mich gebracht, mein ehemals plattes fahrrad nunmehr unplattbar vom fahrradfuzzi abgeholt, die wohnung geschrubbt, koffer gepackt und noch ein wenig getippt hatte, überfiel mich das unwiderstehliche verlangen nach feiern. ich fand, das hatte ich mir nach diesem donnerstag auch redlich verdient.

es gab auch gleich zwei potenziell gute parties zur auswahl. vielleicht würde ich auf einer das verschollene objekt oder mitglieder der objektboygroup treffen, hoffte ich. also warf ich mich in schale und fuhr los.

party nummer eins war recht wenig party für recht wenig geld mit recht wenigen gästen. ich traf meinen netten bekannten vom letzten wochenende wieder, der als einziges vertrautes gesicht die zwanzig-mann-party angenehm ergänzte.
"ist ja öde hier", fand ich.
"ja, ich würde ja theoretisch auch noch weiterziehen..."
"lass uns doch auf den kiez gehen. da ist noch ne andere party!"
"weiß nicht, ich hab nur noch zehn euro, die müssen bis montag reichen."
ich stutzte. dann erfuhr ich vom nicht zahlen wollenden kunden, der meinem bekannten das osterwochenende versaute.
"drecksack", meinte ich.
da ich aber ein deutliches interesse am weiterfeiern, vorzugsweise nicht alleine, hatte, erklärte ich mich bereit, den weiteren gemeinsamen abend zu finanzieren. mein bekannter fand das natürlich klasse, trank sein letztes bier aus und holte seine jacke.

eine gute halbe stunde später befanden wir uns auf der reeperbahn und eilten zur mir vorschwebenden lokation.
"ich hoffe mal, das ist nicht so eine kiddie-rock-party", meinte mein bekannter, der den veranstaltungsort von früher kannte und fürchtete.
"neenee, erwiderte ich, "das soll schon elektronisch sein, wenn auch nicht ohne gitarren und so."
an der tür schallte uns joy division entgegen. wir sahen uns an und nickten, dann enterten wir die hallen.

als wir den eingangsbereich passiert hatten, stellten wir fest, dass der große saal geschlossen war.
"ist DAS jetzt die party?!" entsetzte sich mein bekannter.
"sieht so aus", nuschelte ich.
eine eingangsbereichparty also. na gut. die 20 anwesenden gäste hätten sich im großen saal vermutlich auch verloren.
"was ist heute eigentlich los?!" fragte ich. "wo sind die denn alle? was machen die leute bitte an so einem verfickten gründonnerstag?"
"keine ahnung, vielleicht dsds oder die heidi-klum-show gucken", meinte mein bekannter.
"na toll", fand ich. mein bekannter und ich waren uns sehr einig: fernsehen macht nicht nur dumm, sondern auch noch tanzfaul, fett und hässlich.

das dj-set war nichtsdestoweniger exzellent, ja sogar ausgefallen. mein bekannter tanzte ausgelassen, während ich an meinem bier nippte und mich unbefriedigt fühlte. klar. zweimal eine zwanzig-mann-party für einen haufen rausgeschmissener kohle waren trotz anwesenheit des netten bekannten nur schwer erträglich.

gegen halb fünf uhr morgens meldete ich den wunsch zu gehen an.
"ich hab ja noch so weit", argumentierte ich, "und in dreieinhalb stunden muss ich schon im zug sitzen."
"du kannst doch auch bei mir schlafen", meinte der bekannte, der in ottensen zuhause war und daher nicht weit hatte.
"neenee!" legte ich veto ein. das letzte mal, als ich das getan hatte, endete die nacht in vögelei, nach der sich alle beide etwas seltsam fühlten. manche bekannte müssen einfach bekannte bleiben.
"schade", fand mein bekannter. dann nahm er mich bei der hand und wie ein altes ehepaar wankten wir die straße bis zu meiner bushaltestelle entlang. dort angekommen stellte ich fest, dass der bus eben abgefahren war. in 20 minuten kam erst der nächste.
"ich lauf dann noch ein stück", sagte ich.
"ich muss aber in die andere richtung", meinte der bekannte.
"ist doch kein thema", fand ich.
"aber das hier ist kiez, willst du da alleine lang?!"
"hab ich bisher immer unbeschadet geschafft."
"na gut."
mein bekannter verabschiedete mich herzlich, dann zogen wir in entgegengesetzte richtungen von dannen.

nach einer weile des einsamen spazierengehens bemerkte ich schritte hinter mir. es kam mir vor, als folgten sie mir dezidiert. ich schalt mich eine blöde hysterische kuh und stöpselte meinen mp3-player ein.
kurze zeit später dann bemerkte ich meinen verfolger knapp hinter mir. ein rascher schulterblick sagte mir türke, jung, sehr klein und schmächtig. falls er kein messer bei sich trägt, bin ich die körperlich überlegene, beschwichtigte ich das unangenehme gefühl in mir.
tatsächlich ging mein verfolger kurze zeit später auf tuchfühlung.
"was? wiebitte?" fragte ich und schaltete den mp3-player ab.
mein verfolger lächelte sehr nett und ein wenig schüchtern.
"entschuldigen sie bitte, ich wollte nur wissen, ob sie zufällig lust auf sex haben", sagte er höflich und in einwandfreiem deutsch.
in anbetracht von so viel offenherzigkeit musste ich schallend lachen.
"entschuldigung, ich wollte nicht unhöflich sein", stotterte mein verfolger.
"neinnein", beruhigte ich ihn. "kann man doch mal fragen, ist doch nichts bei."
"es ist nur so, ich finde, sie sind eine sehr attraktive frau."
na das hört frau doch immer gerne.
"danke", sagte ich.
"könnten sie sich vorstellen, dass wir mal einen kaffee zusammen trinken?"
"wenn du nicht davon ausgehst, dass das dann bei sex endet."
"schade", fand der kleine türke. "aber ich würde das auch so machen."
da notierte er mir seine telefonnummer.
"tschüß", sagte ich und bestieg den bus, der endlich angekommen war.
das mit dem kaffeetrinken werde ich mir allerdings noch einmal ganz genau überlegen.

zuhause angekommen legte ich mich für ein stündchen aufs ohr, bevor ich mich auf den weg zum bahnhof machte, um richtung heimat zu fahren. schon die u-bahn schien vor menschen mit koffern zu bersten und war ein unheilvoller vorgeschmack auf das, was mich im zug erwarten sollte.

am hauptbahnhof war mein abfahrtsgleis brechend voll. wie sollen all diese menschen in einen zug passen, fragte ich. das erfuhr ich zwei minuten später. es wurde gequetscht und gedrängelt, die hälfte der fahrgäste hatte keinen sitzplatz, und dazwischen meckerten entnervte muttis, die mir mit ihren riesenkinderwägen über die zehen rollten und alle naselang ihre kreischenden blagen aus den augen verloren.

ich hatte noch nie angenommen, dass die deutsche bahn so etwas wie vorausschauende planende fähigkeiten besitzt. aber dieses desaster übertraf vieles, was ich bislang erlebt hatte. hier versuchte ein unternehmen, profit um jeden preis zu machen, indem es für unangebracht hohe summen so viele menschen wie möglich auf so kleinem raum wie möglich zusammenzupferchen versuchte. ich fühlte mich wie eine anarchistin auf der deportation in ein neuzeitliches kz. ich verbrachte fast fünf stunden in einer nische zwischen zwei koffern, halb an, halb unter einen sitz gekauert. irgendwann aber erinnerte ich mich daran, dass ich ja schmerzpatientin war und holte meine opiate aus der tasche. wenn schon eingequetscht und unkomfortabel reisen, dann wenigstens ordentlich gechillt.

bei fulda, als ich schon eine ganze weile fröhlich vor mich hingrinste und mich überhaupt nicht mehr für das chaos um mich herum interessierte, fiel mir ein mittelalter typ auf. schicke kleidung, schicke brille, laptopköfferchen. ich spürte seine blicke, während ich plenzdorfs "die neuen leiden des jungen w." las, dann wagte ich es, zurückzuschauen. einen moment smilten wir einander an, bevor wir über ein dickes kleines mädchen lächelten, das zwischen den beinen der fahrgäste herumwuselte und einen heidenspaß an der extremen überfüllung hatte.

hinter würzburg folgte ich dem attraktiven mann dann auffällig-unauffällig ins bordbistro, wo er mich ansprach. er entpuppte sich als unverheirateter, recht unspektakulär lebenden bodenseeler mit einem sehr hohen sexappeal und dem dringenden wunsch nach luftveränderung. er hatte sich die woche über wohnungen in der hafencity angesehen und zukunftspläne geschmiedet. spontan bot ich mich als blindenhund an, sofern er mal wieder nach hamburg kommen sollte.
"das wäre unheimlich nett", strahlte er mich an.
er drückte mir seine nummer aufs auge und ich ihm die meine. dann musste ich aussteigen. schon im auto neben meinem vater meldete das handy den eingang einer sms. es war der mann vom bodensee, der sich noch einmal für meine entzückende begleitung bedankte.

zuhause bei meinen eltern legte ich mich dann entspannt auf der terrasse ab und schlief zu vogelgezwitscher ein.
liebes schicksal, ich sage danke für diese beiden tage mit ihren kleinen, feinen lichtblicken. ich bin bereit für den aufschwung auf allen eben - egal ob hamburg, bayern oder bodensee.

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