Montag, 31. Oktober 2011
der trip meines lebens
freitag, hamburg hauptbahnhof, 16 uhr, am bahnsteig richtung osten.

"morphine, morphine", kreischt eine kinderstimme durch den bahnhof. dann werden leute vor mir aus dem weg geschubst und das objekt im miniformat stürzt sich auf mich. hinterdrein schiebt sich der schwer bepackte papa, der den objektsohnemann zurückpfeift und schimpft.
"mein freund, das gibt jetzt die gelbe karte. und wenn dann noch eine dazu kommt, dann ist es eine rote, und dann bleibst du hier. auf diese lautstärke und diese umgangsformen hab ich nämlich keinen bock."

der nachmittag des reisetags beginnt also schon gleich mal mit dicker luft. der papa sieht abgehetzt und genervt aus und hat den lütten fest bei der kapuze gepackt. der kleine klammert sich wie besessen an mich und hüpft an mir hoch wie ein durchgeknallter welpe. erst als wir im abteil sitzen, beruhigt er sich ein wenig. dann beginnt er zu erzählen, was seit letztem wochenende alles vorgefallen ist, wobei jeder satz mit einem trommelfellzerfetzendem "weißt du WA-HAS!!" beginnt.

der papa guckt dem treiben noch zehn minuten genervt zu, dann rappelt es im karton. das objekt brüllt einmal kurz, dann ist der kleine still. das ganze abteil glotzt und ich gucke möglichst unbeteiligt. nach dem anschiss wechselt der sohnemann die seite der sitzbänke und krabbelt auf meinen schoß. eine ältere frau schmunzelt:
"na, bei der mama ist das doch immer wieder am schönsten!"
der sohnemann und ich grinsen uns an und schweigen, und ich bekomme zwei nasse jungsküsse auf den mund. das objekt beobachtet uns und kann sich trotz der miesen laune ein lächeln nicht verkneifen. ich möchte zu gern wissen, was es denkt, frage aber nicht nach.

nach zweimaligem umsteigen und unendlich vielen improvisierten spielen landen wir im niemandsland. unser gastgeber holt uns mit dem auto ab, denn im niemandsland gibt es nicht mal einen bus. es folgt die schlüssel- und hundeübergabe, dann fährt der gastgeber mit seiner frau in die flitterwochen.

ich mache nachtessen, während das objekt auspackt und der kleine sofort den riesigen fernseher anvisiert, denn weder mama noch papa haben solch ein wunderbar geisttötendes teil. dann gehen papa und sohnemann eine runde brutal killerspiele spielen, während ich den kleinen hund des gastgebers gassi führe. draußen ist längst stockfinster, und als ich nach einer weile wiederkomme, steht das objekt an der tür:
"mensch, ich hab mir sorgen gemacht, ich hab schon gedacht, es ist sonstwas passiert!"
"was soll mir denn passieren?!"
"keine ahnung, aber dein badewasser wird langsam kalt."
das objekt hat mir ein bad eingelassen und eine grüne blubbersprudelbrause-edel-badetablette der gastgeberin geklaut.
"da sind ätherische öle drin, das ist auch gut für deinen rücken!"
dann sitze ich in der wanne, um mich herum flackern drei dicke altarkerzen und das objekt streichelt zärtlich meinen nacken, bis der sohnemann ruft.

als ich frisch geschrubbt und duftend nach unten komme, ist es schon gleich elf. der sohnemann sitzt gähnend auf der couch. als ich mich daneben pflanze, umschlingt er mich nach papa-manier, während er seine füße beim objekt unter den pulli steckt. derart eingemummelt und bekuschelt schläft er kurz darauf ein. das objekt hebt ihn hoch und trägt ihn sanft und sachte wie einen kostbaren diamanten nach oben in das schlafzimmer. danach kommt es wieder - mit zwei gläsern wein und einem dicken joint. weil das objekt von der ungewohnten fernsehberieselung ebenfalls schon ganz kirre ist, schalten wir alle elektronischen geräte ab und trinken und rauchen und unterhalten uns. gegen halb drei schlummere ich dann zusammengerollt wie eine katze im objektschoß ein. maximale geborgenheit.

samstag, halb eins mittags, hightech-küche im niemandsland.

eine verschlafene morphine betritt die szene, die sich aus einem übermüdeten objekt und einem quietschfidelen sohnemann zusammensetzt - beide sind nämlich schon seit acht uhr morgens wach. das objekt sitzt mit angezogenen beinen auf dem sofa und kifft apathisch einen joint nach dem anderen. ich nehme den sohnemann mit in den garten und spiele sein komisches fantasy-spiel, bis ich keine lust mehr habe und mir der magen knurrt. der sohnemann zieht mich in die küche. ich muss mich hinsetzen, während er mir einen kakao kocht. der junge tritt exakt in die fußstapfen seines vaters.

da betritt das objekt mit glasigem blick die küche und fragt:
"hey, krieg ich auch einen?"
der sohnemann nickt, macht aber eins zur bedingung:
"aber nur, wenn du nicht rauchst, weil das stinkt!"
das objekt hat ein einsehen und stellt das kiffen für die nächsten stunden ein.

und dann haben wir eine richtig gute zeit. das objekt kommt runter von seinem film und geht mit uns an den see. dort sammelt es mit dem objektsohnemann holz, um nacher den kamin zu befeuern. dann jagen wir den hund herum und nehmen noch ein paar pilze fürs nachtessen mit.
zuhause plündern wir zwecks festlichem dinner die tiefkühltruhe des gastgebers und kochen alle zusammen unter der regie des objekts ein feudales menu. es gibt zur vorspeise kleine pizzen mit spinat, pilzen und ziegenkäse, danach fisch mit chilisauce, hähnchen mit maisflakes-kruste und dazu ofenkartoffel, und zum nachtisch waffeln. wir essen bis zum platzen, dem lütten ist von der chilisauce ein bisschen schlecht, und das objekt grinst glücklich und umärmelt mich:
"ich fühle mich gerade sehr wohl mit euch beiden. das ist so ein richtig goldener moment."

satt und zufrieden beseitigen wir das schlachtfeld. das objekt zeigt dem sohnemann, wie man ein ordentliches kaminfeuer macht. es wird bullig warm im wohnzimmer, und die schatten des niederbrennenden holzes flackern zärtlich über die grob verputzten wände. wir kuscheln uns zusammen und gucken film, dann ruft mich die badewanne und den objektsohnemann das bett. ich muss mit gute-nacht-sagen kommen, sonst gibt er keine ruhe. so sitzen wir dann als papa und ersatzmama am bett, lassen uns abwechselnd küssen, bis der sandmann kommt und den kleinen ins land der träume holt.

das objekt ist selbst schon ganz schläfrig geworden, will aber den film noch zu ende sehen. als wir in löffelchenstellung auf dem sofa liegen und weiter film gucken, fühle ich überrascht die objekterektion an meinem po. doch als ich mich dagegen drängele und bereits mein blut im unterleib pochen spüre, sagt es:
"ich könnte es jetzt erzwingen und meine lust abreagieren, aber das wäre so eine halbe sache, weil ich im kopf ganz woanders bin, weil ich gerade aufmache und eher bedürftig als fickrig bin."
also halten wir einander einfach fest und ich beobachte, wie dem objekt irgendwann die grasgrünen augen zufallen. im schlaf glätten sich die tiefen sorgenfalten und die kleinen lachfalten und das gesicht sieht plötzlich wieder ganz weich und jungenhaft aus. es ist ein schönes gesicht, finde ich, obwohl man die schönheit erst auf den zweiten blick erkennt, weil das objekt so abgeschaltet und traurig seinen sexappeal verliert.
und hastenichtgesehn bin ich selbst weg, träume etwas wirres und wache dann davon auf, dass mich das objekt unsanft von der couch schubst. das objekt redet im schlaf und greift nach mir, obwohl es nicht wach wird. also mache ich licht und wecke es, damit wir nach oben ins bett gehen können.

sonntag, elf uhr, morphine im tiefschlaf.

der objektsohnemann stürmt mein schlafzimmer.
"morphine, morphine, SCHLÄFST du noch, du MUSST aufwachen, SOFORT!!"
ich erschrecke zu tode, was ist wohl passiert, brennt das haus oder liegt das objekt mit nadel im arm tot im badezimmer?
der sohnemann schüttelt mir den schlaf aus den knochen:
"AUFWACHEN, AUFWACHEN, AUFWCHEN, komm SCHNELL, komm ganz schnell, BITTE!!"
"was zur hölle ist denn passiert?"
"wir wollen jetzt FRÜHSTÜCK MACHEN!!"
achso, klar.

der tisch im esszimmer ist feierlich gedeckt mit kerzen, blumen, ordentlich gefalteten servietten und zusammenpassendem geschirr.
"hab ich ganz alleine gemacht!" ist der sohnemann stolz wie bolle.
das objekt lächelt mir vom herd aus entgegen und streckt dann die arme aus, um mich an sich zu ziehen, obwohl es vor dem sohnemann allzu viel körperkontakt sonst eher vermeidet. als ich ihm in die augen sehe, fällt mir auf, dass es ganz klar ist.

während der kleine schnell mit essen fertig ist und draußen mit dem hund toben geht, sitzen das objekt und ich noch lange da und reden. das objekt packt sogar vorsichtig zwei bis drei details aus seiner jugend aus. ein bisschen schockiert erfahre ich, dass es sich früher nur schwer unter kontrolle hatte und schon mal jemanden krankenhausreif geschlagen hat.
"jetzt ist das aber ganz anders... so wie am freitag, als ich dem typ hat eine gelangt habe, weil er mich so derbest provoziert hat. da schlag ich einmal zu und es tut mir sofort so leid, dass ich es am liebsten ungeschehen machen möchte. ich seh das ja auch bei den kindern bei uns in der klinik... wie oft frage ich mich, wie die kleinen zu solchen blauen flecken kommen, ob da die eltern mit dem bügeleisen prügeln oder was... und dann erlebe ich immer wieder solche, die nie duschen, weil sie tödliche angst davor haben, sich auszuziehen... wo ich dann schon ahne, was passiert ist... wobei ich mich frage, wie man dieses leid übersehen kann - wie es aber so viele eltern tun... und du bist so machtlos, weil du weißt, wenn sie wieder draußen sind, geht das weiter, bis sie irgendwann die gewalt dann an andere weitergeben."
wie immer kommt das objekt im erzählfluss von einem thema ins nächste. ich höre nur zu und sage wenig, weil es bei ungestörten erzählen am meisten preis gibt. ich warte gespannt, ob das objekt auch seine kindheit mit misshandlung oder missbrauch verknüpfen würde - was ich mir übrigens durchaus vorstellen könnte - doch darüber schweigt es sich eisern aus. ich überlege, ob ich etwas fragen sollte, doch dann kommt schon der objektsohnemann hereingeschossen und will bespaßt werden.

die nächsten stunden versuche ich ein wenig zu arbeiten, doch das entpuppt sich als sinnloses unterfangen. alle zwei minuten sprintet der lütte heran und brüllt "GUCK MAL, GUCK MAL", weil er mir was gemalt, dem hund ein frisur gemacht, ein video in der gut aufgestellten videothek des hauses gefunden oder sonst irgendwelchen quatsch fabriziert hat. nachdem ich das irgendwann zu ignorieren beginne, wendet er sich dem papa zu, der gerade versucht, die zeitung zu lesen.

lesen oder schreiben sind beides echte herausforderungen für das objekt, das sich nah am analphabetismus bewegt - auch wenn es ganze rilke-gedichte, theodor storm und goethes faust zitieren kann. demnach erfordert zeitungslesen volle aufmerksamkeit und darf nicht gestört werden. ich kann die dicken schwarzen wolken schon am horizont heranziehen und sich über dem kopf des objekts sammeln sehen. kurz darauf kracht es zum zweiten mal an diesem wochenende, wobei der kleine sich diesmal tödlich beleidigt fühlt und sich heulend bei mir verkriecht. ich versuche ihm dann irgendwie nahezubringen, dass erwachsene auch manchmal was wollen und dass rücksichtnahme eine tolle sache sei. das perlt allerdings ziemlich ungehört am objektsohnemann ab, bis ich dann zum thema lautstärke komme und ihm erkläre, dass das menschliche so ohr so konzipiert sei, dass leise töne mit mehr aufmerksamkeit wahrgenommen werden als laute und somit das leise meist nicht nur besser ankommt, sondern auch mehr auffällt. obwohl ich zunächst glaube, dass das für kinder viel zu schwer zu begreifen sei, nickt der sohnemann plötzlich interessiert und kann das gesagte logisch mit eigenen worten wiedergeben. ich staune, zumal der lütte auf so einigen gebieten nicht gerade eine leuchte ist.

schließlich ist es kurz nach 17 uhr und wir müssen unsere sachen packen, um den vorletzten zug von der stadt nahe niemandsland zurück in die hektische metropole zu bekommen. wir leisten uns ein taxi, dann hasten wir zum zug. der ist sehr voll mit wochenendpendlern. wir sitzen ineinander geklemmt auf der treppe und spielen ich-sehe-was-was-du-nicht-siehst und ein buchstabenratespiel, bis wir dann endlich in hamburg am bahnhof stehen.

"musst du jetzt WIRKLICH gehen", fragt der lütte zum x-ten mal und klammert sich an meinem rock fest, während der papa stolz und genervt zugleich lächelt.
das objekt packt mich und küsst mich zum abschied.
"danke für die schöne zeit", sagt es.
"danke dir für die einladung", sage ich.
"danke, dass du so lieb bist!" krakeelt der kleine und umarmt uns beide.

dann drehe ich mich schnell weg und laufe zur u-bahn. muss ja keiner sehen, dass mir bei solch wunderbaren aussagen die augen feucht werden. denn niemand braucht urlaub in einem fünf-sterne-hotel, wenn er ein wochenende wie dieses geschenkt bekommt.

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Samstag, 29. Oktober 2011
when we were strange die x.te
gestern war ich mit der gemeinsamen fick-bekannten des objekts in einem café zwecks post-büroalltags-besäufnis verabredet. nachdem wir schon recht angeheitert waren, begaben wir uns zu besagter bekannter in die wohnung, um weiterzutrinken und uns bei bedarf einfach ablegen zu können. im flur begegnete uns dann auf einmal das objekt, das derzeit für einige tage wohnungslos ist und für diese nacht bei der fick-bekannten ein nest suchte.

den überrasschungsmoment können sie sich größer nicht vorstellen. da wir aber alle drei sehr offen und spontan sind, machten wir einen sit-in zu dritt bei der bekannten. anfangs war alles sehr nett und unverkrampft, bis die bekannte dann rausfand, dass ich mit dem objekt ins wochenende fahren sollte. nach einer eifersuchtszene flohen das objekt und ich dann weiter zu mir.

bevor wir schlafen gingen, fragte ich das objekt nach den konkreten wochenendplänen, da das objekt sehr spontan im absagen ist und frau noch weniger als man wissen konnte, was letztlich sache war.
"ich fahre morgen zusammen mit dem kleinen und würde mich tierisch freuen, wenn du auch mitkämst", meinte es.
da sich der architekt noch nicht wieder gemeldet hatte und ich immer nach dem motto "haben oder nicht haben" handle, sagte ich zu.
dann schlummerten wir ein.

am nächsten morgen rannten wir vor meiner arbeit noch zusammen in den supermarkt, um lebensnotwendige dinge - kaffee, schnaps, tabak, energy-drinks und schokopops - zu kaufen. an der kasse drängelte sich ein kleiner schmächtiger typ ziemlich ruppig an uns vorbei und warf seine drei sachen aufs band. während ich dies in meinem morgendlichen koma gar nicht registrierte, war das objekt sofort hellwach.
"hey! du hast dich eben vorgedrängelt!" machte es den typ auf sein verhalten aufmerksam. der typ murmelte etwas unnettes, was wir nicht verstanden.
das objekt fasste - wohlgemerkt augenzwinkernd - noch einmal nach:
"hey du, du hast damit meine frau beleidigt! raffst dus noch?!"
der typ reagierte allerdings gar nicht, sondern zahlte und verpisste sich.

doch als wir den laden verließen, wartete er draußen auf das objekt. noch bevor ich "papp" sagen konnte, stürzte er sich auf das objekt und packte es an den schultern. dann begann er, es zu beschimpfen, was das objekt zunächst amüsierte, dann aber doch verärgerte. als das wort "rassist" fiel, verlor es dann seine sozialistischen hemmungen und holte aus.

der schlag traf den typen ziemlich unvorbereitet und mit voller wucht im gesicht. er taumelte und stürzte dann rücklings eine treppe hinunter. ich schielte zwischen meinen fingern hervor und sah, dass der typ zwar wieder auf die beine gekommen war, aber ziemlich heftig aus nase und lippe blutete. zwei sekunden später waren dann auch schon die bullen vor ort. das objekt gab mir ein zeichen zu verschwinden:
"run, bonnie, run."

ich fuhr in die arbeit weiter und hakte das wochenend-event innerlich schon ab. doch pünktlich um 13 uhr klingelte mein handy und das objekt wollte wissen, wann ich startklar sein würde.
"was war denn nun heute morgen noch mit den bullen?" fragte ich.
"och, nichts weiter, die haben den sachverhalt ganz schnell kapiert und der typ war dann auch recht einsichtig und gab zu, dass er mich provoziert hatte. naja, nachdem sich dann alle einig waren, durften wir wieder gehen."

wie das objekt bei seinen gesetzesbrüchen immer wieder so glimpflich davonkam, war mir ein rätsel. wahrscheinlich hatte es sich erstmal gemütlich mit allen beteiligten auf der wache hingesetzt, einen joint gedreht, die lage entspannt, dann seinen charme spielen lassen und, falls der oberbulle knackig war, diesem einen geblasen. so oder ähnlich stellte ich mir das szenario vor, wollte dann aber auch keine details hören.

vor ein paar stunden brachen wir dann ins niemandsland auf. jetzt sitze ich in einem wildfremden ort, in einem sehr eleganten landhaus halb im wald direkt an einem see und tippe diesen text, während objekt und objektsohnemann bei kinderfreundlichen killerspielen versackt sind. ich habe vorhin ausnahmsweise gekocht, halloweengerecht kürbissuppe, der dekadenz halber mit frischen nordseekrabben. das objekt hat das kleine mahl tatsächlich nicht verschmäht, während es sonst meine gerichte mit theatralischem ekel an die äußerste kante des tisches schiebt. danach haben wir einen rundgang durch niemandsland gemacht, bei dem der kleine meine hand nahm und nicht mehr losließ, während er in einem fort plapperte.

ich fühle mich tiefenentspannt, wenn auch todmüde. kinder sind verdammt anstrengend. aber das kennen die meisten von ihnen ja. jetzt muss das objekt aber dringend in die wanne, und bevor es auf die idee kommt, mein netbook mitzunehmen ud im schaum zu versenken, schließe ich hiermit ganz fix.

thanks for listening.

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Donnerstag, 27. Oktober 2011
aaaaaaaaaahhhhhh
the wahnsinn goes on.

kaum hab ich den architekten am wickel, was passiert?

das objekt fragt mich, ob ich übers wochenende mit ihm und dem sohnemann stadtflucht begehen will. familienurlaub auf dem lande.

außerdem habe ich gerade einen wasserschaden in meiner wohnung und das wasser katapultiert sich stoßweise und braun-bröckelig aus der leitung.
und warum können die handwerker morgen früh nicht rein? weil das objekt am montag noch mal meinen schlüssel bekommen hat, um post abzuholen, die mir für ihn zugestellt wurde. natürlich arbeitet es ausgerechnet heute in nachtschicht und kann den schlüssel erst morgen vormittag bringen.

ich geh gleich ins kloster. ehrlich. da gibts wenigstens konstant fließendes warmes und sauberes wasser.

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Dienstag, 25. Oktober 2011
herzgranatenwerfer
der architekt hat geschrieben, mir seine zuneigung gestanden und das große WAS NUN in den raum gestellt.

ich fühle mich verzaubert.
und handlungsunfähig.

denn gestern abend, einem familienabend, an dem der objektsohnemann sich erstmals explizit wünschte, dass ich mit ihm kuschle und ich sehen konnte, wie dem objekt dabei das herz aufgeht, nach diesem abend mit zeichentrickfilm und kinder-mahlzeit und kerzenschein, steige ich in stiefel und mantel. da gesteht mir das objekt, dass es mich vermisst, wenn ich gehe und dass es sich alleine fühlt ohne mich.

warum passieren eigentlich immer so viele dinge auf einmal?

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Sonntag, 23. Oktober 2011
sonnentag
als ich gegen acht uhr morgens endlich ins bettchen steige, klingelt mein handy. es ist eine gemeinsame bekannte mir und dem objekt.

"morphinchen! du schläfst doch nicht etwa?!"
"naja, fast..."
"poppst du gar nicht mit dem süßen? wer ist das denn nun eigentlich??"
ich fasse kurz die wichtigsten eckdaten zum architekten zusammen und frage dann nach dem grund des anrufs.
"ich muss dir was sagen."
die bekannte seufzt tief.
"was denn?"
"ich hab was mit dem objekt am laufen."
ich bin nicht überrascht.
"das wundert mich eigentlich nicht. ich meine, du bist eine frau, eine tolle noch dazu, und ich weiß, wie das objekt frisch gevögelt aussieht und ich weiß auch, wie frau guckt, wenn sie vom objekt frisch gevögelt wurde."
die bekannte lacht.
"du bist so cool. du bist so ne coole frau. aber weißt du, was krass ist?"
"was denn?"
"ich finde, du schmeckt verdammt gut!"
ich muss mein übermüdetes hirn anstrengen und überlegen, wie sie das meint, dann aber fällt der groschen und ich muss ebenfalls laut lachen. da ich aber schlafen möchte, biege ich weitere blow-job-analysen ab und lege kurz daraufhin auf.

gegen zwei klingelt das telefon erneut. diesmal ist es das objekt. es hat ein paar neue wohnungstheorien aufgestellt und will meine meinung hören. kurzerhand treffen wir uns in einem café auf halber strecke. aus dem wohnungsbla wird ein vierstündiges gespräch über alles mögliche und auch über das besondere objekt-verhältnis in den letzten tagen.

ich nehme stellung zu meinem abgang am freitag und das objekt macht mir vorwürfe:
"du musst alles verhindern, was schön werden könnte!"
"ich verhindere, dass es schön wird und es etwas wird, das ich vermissen könnte, wenn es nicht mehr da ist - womit ich bei jemanden wie dir jeden tag rechnen muss."
"schade, dass du so denkst", findet das objekt, "aber ich kann das natürlich verstehen."

dann berichte ich von der aktion mit dem architekten. das objekt knirscht mit den zähnen und spuckt mir ein "was interessiert mich der architekt" vor die füße, fragt aber dann doch neugierig nach, was ich am architekten mag.
"er ist wahnsinnig klug, wir können uns über sehr viele politische sachen und so unterhalten... und dann sind wir beide selbstständig und haben daher ähnliche sehnsüchte und nöte und so 1000 gemeinsame themen... und er zieht keinen kindergarten ab, sondern hält sich mit seiner meinung zurück... das schätze ich am meisten an ihm."

im gesicht des objekts arbeitet es und es kaut sichtlich an den informationen. dann beschließt es offenbar, sich zu rächen und erzählt von der objektgespielin. ich versuche cool zu bleiben, lasse mich dann aber doch zu der ein oder anderen taktisch weniger klugen bemerkung hinreißen. das objekt registriert sie, ordnet sie blitzschnell folgerichtig ein und meint abschließend wissend grinsend:
"du bist manchmal so wütend und verletzlich... und versuchst es auf biegen und brechen zu verbergen... das ist einfach süß."
"ich bin weder wütend noch verletzt", zische ich gereizt. "und auf deine psychospiele falle ich nicht rein!"
dann sehen wir uns in die augen und müssen lachen. das objekt knuddelt mich herzlich und legt dann den kopf auf meine schulter.
"lass uns was essen", sagt es dann. "ich habe hunger."

wir studieren die speisekarte im café, doch die gerichte sind alle teuer. mit trinkgeld sprengen die preise unser budget.
"ich hab noch drei euro und 40 cent", sage ich.
"ich habe noch so fünf", überlegt das objekt.
"komm", sagt es dann und zieht mich nach draußen.
wir gehen zum thai und essen eine suppe und drei schalen reis für je einen euro.
"ich hätt so gern mal wieder fleisch", stöhnt das objekt.
als ich grinse, knufft es mich.
"SO war das nicht gemeint."
"da weiß ich aber anderes", will ich sagen, verkneife es mir jedoch.

als wir den imbiss verlassen, ist es längst dunkel. als wir an den fahrrädern stehen, will ich mich verabschieden und dem objekt seine schlüssel zurückgeben:
"die brauche ich ja nicht mehr."
das objekt steckt den bund schweigend ein.
"was denkst du eigentlich so von mir?" fragt mich es mich da plötzlich.
"dass du ein schwein bist", platze ich heraus.

einen moment lang schweigen beide. das objekt starrt mich völlig entsetzt an.
"aua", sagt es dann. "das hat weh getan."
ich überlege, ob ich mich entschuldigen oder das gesagte zurücknehmen soll, entscheide mich dann aber dagegen. stattdessen sage ich:
"aber ich bin auch eines."
"jetzt reicht es aber mit den anklagen", findet das objekt und zieht mich an sich. dann küsst es mich auf mund und stirn und meint zum abschied:
"komm gut nach hause, du wunderbarstes, unmoralischstes wesen von allen!"
"schleimer", sage ich, dann schwinge ich mich in den sattel.
"tschüß", murmle ich.
"bis morgen!" ruft mir das objekt nach.

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alles oder nüscht
und heute nacht habe ich mir den architekten gefasst und sein herz geknutscht.

und bin nun todgespannt.

"unwirklich", sagte der architekt, "das ist irgendwie ganz unwirklich."

yes. it is.

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Samstag, 22. Oktober 2011
die woche im pärchenmodus
oder auch: die woche unter dem motto "zeichen und wunder"

"darf ich mir mal deinen laptop ausleihen?" fragt das objekt liebreizend am montagabend.
es darf.
wenig später sitzen das objekt, der objektsohnemann und icke im neuen übergangszimmer des objekts. der kleine schläft zwischen uns gekuschelt, während das objekt einen joint dreht. dann lässt es mir ein bad ein und holt ganz selbstverständlich die letzte gästezudecke aus seinen sachen. wir legen uns ab. über der brust des kleinen begegnen sich unsere hände, und wir sagen einander gute nacht.

am mittwoch treffe ich das objekt zum zweiten mal, weil es sich eine wohnung ansehen möchte und meine meinung dazu hören will. ich bin geschmeichelt, aber auch gestresst nach einen langen arbeitstag. wir versumpfen wieder beim objekt, kiffen zu viel und werfen meine ich-fahr-noch-nach-hause-pläne mit einem whiskey über den haufen. ich krieche zum todfertigen, schwer bekifften objekt in die federn und lasse den lieben gott einen guten mann sein.

am donnerstag stehe ich auf und begebe mich ins bad. als ich das wasser abdrehe, höre ich das objekt in der küche hantieren. es macht frühstück für mich. dann sitzen wir bei einer tasse cappucchino und reden über gott und die welt. ich hab viel zeit, bin eine halbe stunde zu früh dran.
"schön", findet das objekt und kramt dann nach seinen schlüsseln.
"da ist der für die haustür, und das da ist der für die wohnung. wenn du heute abend baden möchtest, komm einfach wieder zurück."
ich bin baff und stecke wortlos den schlüsselbund ein.

nach der arbeit telefoniere ich mit dem objekt. es kommt gerade aus der klinik und ist dabei, den lütten bei seinem schulfreund abholen.
"wann kommt ihr denn nach hause?"
"kann später werden. aber du kannst ja schon mal ein bad nehmen und dich entspannen. ich mache dann nachtessen."
gesagt, getan.
doch surprise, surprise, als das objekt ankommt, ist es alleine.
"ich hab den kleinen bei seinem freund für die nacht untergebracht", sagt es, "dann haben wir heute mehr platz."
noch eine überraschung hat das objekt für mich: es hat sushi gekauft.
wir nehmen die mahlzeit mit ins bad, das objekt stellt altarkerzen um die wanne herum auf, holt dann noch einen wein. anschließend tauchen wir in die fluten.
"hast du was genommen heute", frage ich das objekt, das sehr klar scheint.
es schüttelt den kopf.
"das war für diese woche schon wieder genug."

die nüchternheit bewirkt, dass das objekt insgesmt zwar deutlich melancholischer ist, dafür aber neben seiner an und für sich romantischen veranlagung auch die libido wieder durchkommt. ich schaffe es noch aus der wanne, aber nicht mehr bis ins schlafzimmer.
wie die tiere, schießt es mir durch den kopf. vollkommen willenlos.
"katze", sagt das objekt später und zieht mich auf sich. so schlafen wir ein.

heute morgen um sieben uhr klingelt der schornsteinfeger an der tür. das objekt öffnet splitterfasernackt die tür, während der schornsteinfeger pikiert zur seite blickt. ich kann mich im hintergrund vor lachen kaum beherrschen.
als wir bei tee und kakao wieder im bett liegen, fragt das objekt ganz selbstverständlich, wann ich aus der arbeit komme. ich sage es ihm.
"dann bist du also so zwischen vier und fünf hier?" fragt es.
"äh", sage ich. "ich wollte eigentlich mal einkaufen fahren."
"dann leih ich mir nochmal das auto, hol dich von der arbeit ab und dann fahren wir in die stadt", bestimmt das objekt.
ich bin verwirrt, aber noch immer angetan und nicke.

als ich arbeit aus habe, erwarte ich, dass das objekt vergisst, wann genau ich aus habe, in welcher straße ich arbeite oder überhaupt, dass es mich abholen wollte. doch dann kreuzt es pünktlich auf und sammelt mich ein.

ich gehe mit dem objekt einen pullover kaufen, den es scheiße findet.
stattdessen sucht es mir einen rock heraus, der mir dann tatsälich fabelhaft steht.
"wirst du jetzt mein stilberater", necke ich es.
"ich hätte nie gedacht, dass ich deinen geschmack treffe", erwidert es.

nachdem das objekt vor zwei tagen viel zu teueres und vor allem viel zu viel sushi gekauft hatte, lade ich es heute zum essen ein. wir gehen zum perser und entscheiden uns dann dafür, die sachen mitzunehmen und gemütlich beim objekt zu essen.
in der neuen alten übergangsbleibe sitzen wir am überdimensionalen küchentisch im kerzenschein und mümmeln unbekannte köstlichkeiten, während mich ein komisches gefühl beschleicht.

ich lausche und lausche in mich hinein und stelle fest: es ist das gefühl satter zufriedenheit. und alle glocken schrillen alarm.
"ich würde uns noch einen film holen", sagt das objekt gerade, als ich herausplatze:
"ich fahre nach hause."
das objekt guckt fragend und leicht ungläubig.
"du hättest gern hier schlafen können."
"nein, ich denke, du solltest auch besser mal wieder einen abend für dich haben."

und schwuppdiwupp bin ich draußen und renne durch die nacht. nach hause. wo ich mich gerade weniger zuhause fühle als anderswo.

das muss sich sofort wieder ändern. sofort.

und die schlüssel werde ich ihm auch zurückgeben. oder noch besser: in den briefkasten werfen.

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Sonntag, 16. Oktober 2011
besser hier als irgendwo
ich bin im club, neben mir steht eine burschikose junge frau und fragt mich, was ich trinken möchte, sie will mir einen ausgeben.
"warum?" frage ich.
"ich bin wieder single!" ruft sie und es klingt befreit und entsetzt zugleich.

wir trinken tequila und mexikaner, dann lächelt sie und hält ihre hand an meine wange. während ich mich noch angemacht fühle, innerlich zwischen will-ich-will-ich-nicht hin- und herstürze, merke ich, dass ich es genieße. nicht um der person, sondern um der sache wegen. es ist zärtlich. es ist warm. es ist das, was mir gerade fehlt.

fass mich nicht an. aber bitte berühre mich.

und ich lächle ebenfalls, angetrunken, mit weichen muskeln knochen haut, lächle und falle geradeaus schauend ins k.s blick.

die junge frau scheint k. ebenfalls zu kennen. sie stößt einen kleinen schrei aus und stürzt sich in k.s arme.
"mein lieber... herzlichen glückwunsch zum geburtstag!"
dass k. geburtstag hat, hätte ich beinahe vergessen. also schließe ich mich mit einer umarmung den glückwünschen an. k. hält mich eine sekunde länger als nötig fest und legt dann einen finger an die nasenflügel. ich überlege kurz, nicke dann und folge ihm.

wir gehen auf klo und k. legt eine kleine line. die verschwommenheit, die der alkohol hinterlassen hat, klart auf. das glücksgefühl, das sich in der letzten halben stunde bereits aufgebaut hatte, wird sachte, ganz sachte befeuert.
k. spottet ein wenig über meine "homöopathische dosierung", aber er weiß auch, dass ich kontrollverlust nicht schätze - was er wiederum an mir schätzt.
wir sehen uns an und finden einander schön, aber das ist nicht ungewöhnlich in diesem zustand, es hat nichts zu bedeuten.

das objekt ist auch da. nach vielen wochen der clubabstinenz hat es flaschenpfand eingelöst, auf diese weise drei euro zusammenkratzt und ist hergekommen. es sitzt blass und verloren in einer ecke, was wohl hauptsächlich der totalen nüchternheit geschuldet ist. als ich hingehe und es zur begrüßung in die arme nehme, drückt es mich, bis mir die luft wegbleibt.
"festhalten! einmal ganz fest halten, bitte!" seufzt es in mein ohr.
dann schaut es mir ins gesicht und legt sofort los:
"du hast was genommen! du hast ganz starre pupillen!"
"k. hat geburtstag", sage ich, als wenn das eine antwort wäre.
"das macht es auch nicht besser", tadelt das objekt, "komm her und lass dich liebhaben, aber mach dich nicht einfach weg!"

wie immer, wenn es nicht selber jenseits von gut und böse ist, ist das objekt streng und kritisch. eine stunde später verabschiedet es sich aber auch schon, denn ohne den richtigen pegel hat es keine lust, bis sechs uhr morgens durchzumachen. als es an der garderobe steht, stürmt die objektgespielin heran und will mit. ich sehe das objekt gestikulieren und diskutieren, dann gehen die beiden zusammen. ich werde nicht schlau aus diesem verhältnis, beschließe dann aber, dass es nicht mein shit ist.

anschließend sitze ich im nebenraum auf dem sofa zwischen k. und dem burschikosen mädchen, das h. heißt. wir sind breit, mit allen sinnen auf empfang und kuscheln uns wie küken aneinander. so findet uns k.s exfrau. die kenne ich zwischenzeitlich ebenfalls näher, da sie als betriebswirtin dem objekt derzeit mit den finanzen hilft.
"wie die heilige familie", spottet sie.
wir grinsen wie drei christkinder.
"wie spät ist es denn", fragt k. verschlafen.
"erst halb fünf", sagt die k.-ex.
"kommt, lasst uns noch auf den kiez weiterziehen", schlägt h. vor.

gesagt, getan. die k.-ex, die recht wohlhabend ist, spendiert uns ein taxi. dann entern wir eine schäbige kleine eckkneipe und trinken noch ein letztes bier.

und als schließlich schon die blasse oktobermorgensonne aufgeht, sitzen k. und ich allein zu zweit vor der kneipe auf einer bank, schulter an schulter, knie an knie. wir sagen nichts, müssen nur ab und an einmal lächeln. k.s haltung ist ein einziges großes fragezeichen, mir zugewandt, und ich lausche nach einer antwort in mir, die lungert irgendwo versteckt hinter einer herzklappe, sagt fang-mich-doch, aber ich bin müde, viel zu müde für ein wettrennen gegen meine angst, mein misstrauen, meine weigerung zu lieben, mich oder irgendjemand anders. ich sage: "ich fahr dann mal" und bleibe noch eine ganz weile sitzen, bis ich mich dann doch durchringe, auf das fahrrad zu steigen, eine letzte lange umarmung und das war es.

meine wohnung ist kalt, als ich sie betrete, riecht aber gut, vor allem die bettwäsche, in der das objekt geschlafen hat, und ich lege mich ab, komme sanft, sehr sanft runter und schlafe ein.

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Mittwoch, 12. Oktober 2011
nicht leise treten
manchmal überrascht mich das leben vorübergehend positiv, bevor es mich dann besonders fest in den arsch tritt.

die wohnungsabrissparty war zunächst netter als geplant. das lag unter anderem daran, dass die objektgespielin krank war und abgesagt hatte.

spät, ganz spät, als alle anderen gegangen waren, saßen ich, ein objekt-freund und das objekt alleine am küchentisch, rauchten die letzten reste weg, kippten noch einen jd und zockten ein killerspiel auf dem hyper-notebook des objekt-freundes.

plötzlich klingelte es an der tür. wir erschraken alle und dachten, jemand habe die polizei geholt, da es vorhin etwas laut war. doch dann stand die objektgespielin unter der tür. ich starrte entsetzt zur tür. die gespielin starrte entsetzt in richtung küchentisch. es war sofort klar: hier war eine frau zu viel im raum.

das objekt flüchtete hinter den bildschirm und knallte weiter virtuelle menschen ab. ich wandte mich dem netten objekt-freund zu und begann ein gespräch, an dessen inhalt ich mich nicht mehr erinnere. die gespielin saß derweil auf einem stuhl und fixierte beleidigt das objekt. die intention war klar: kümmere dich um mich und schmeiß die olle da raus.

das objekt zeigte sich zunächst erstaunlich resistent. es knallte virtuelle menschen ab und ignorierte die situation. ich stieg betont lässig in die badewanne nebenan. der objekt-freund machte eine flasche wein auf und brachte mir ein glas, als ich im schaum lag. die gespielin saß derweil da und hypnotisierte weiter das objekt. zwischendurch stand sie auf und frequentierte die toilette, um ihre magen-darm-viren der kanalisation anzuvertrauen.
"lecker", sagte ich und der objekt-freund, der am badewannenrand saß und mich unterhielt, rollte die augen.

eine halbe stunde später, als ich duftend aus der wanne stieg, begab ich mich zum mir zugewiesenen schlafplatz - im schlafzimmer, im doppelbett. natürlich hätte ich meine sache packen und nach hause fahren können. aber dazu fühlte ich mich zu breit und zu müde. die gespielin sah inzwischen angefressen aus, verharrte aber immer noch in abwartender haltung auf ihrem stuhl respektive in intervallen auf der kloschüssel. die stimmung war zum zerreißen gespannt.

das objekt begann, mit der gespielin zu diskutieren.
"die morphine schläft heute bei mir. das ist versprochen."
die gespielin starrte böse vor sich hin wie ein kleinkind, das im supermarkt die ansage bekommt, dass es jetzt doch kein überraschungs-ei gibt.
"ist das okay für dich?" bohrte das objekt nach, wohl in der annahme, die gespielin würde widerwillig, aber doch einsichtig nachgeben.
die gespielin allerdings schüttelte stur den kopf. ich hielt den atem an.

die gespielin stand auf und zog das objekt in eine ecke des raumes, wo sie pampig auf es einflüsterte. ich überlegte noch mal, ob ich gemäß dem motto "die klügere gibt nach" nach hause fahren sollte. dann beschloss ich, dass ich nicht das objekt-problem lösen müsse. ich löste schon genug andere probleme derzeit für diesen mann, während die gespielin gar nichts tat außer ansprüche stellen.

ich war müde und legte mich ab, genervt von den diskussionen. als ich schon am einschlafen war, schlüpfte das objekt zu mir hinein.
"ey, sorry für das ganze hü ud hott. ich pack jetzt meine sachen und fahre noch mit zu ihr. die muss sich jetzt erstmal beruhigen."
"viel spaß", sagte ich sarkastisch.
das objekt hielt inne und sah auf mich herab.
"wird kalt werden, so alleine", sagte es sanft. es schlüpfte aus seinem pullover und zog ihn mir über.
"sorry", sagte es noch mal.
"hau schon ab", sagte ich. "wir sind ja nicht verheiratet."
"wenigstens eine, die das so sieht", flüsterte das objekt in mein ohr und legte dann seine wange an meine.

in diesem moment flutet licht den raum. die objektgespielin knipste den schalter an und aus und wieder an und meinte dann patzig:
"kommst du endlich?"
das objekt erhob sich von der bettkante.
"tschüß."

kaum hatten objekt und gespielin die wohnung verlassen, klopfte der objekt-freund, der ebenfalls hier schlief, an die schlafzimmertür.
"was zum teufel war das denn?"
ich zuckte im dunkeln die achseln.
"eifersucht?"
der objekt-freund nickte bedächtlich.
"dass du so ruhig geblieben bist, hat mich erstaunt."
"warum sollte ich ausflippen?"
der objekt-freund guckte nachdenklich und meinte dann vorsichtig:
"aber da ist doch was zwischen euch, oder?"
"war."
"hm."
"hm", murmelte ich zurück.
der objekt-freund seufzte und machte dann den höflichen rückzug:
"ich möchte da nichts dazu sagen. ich wünsche dir eine gute nacht."
er legte sich auf das feldbett in der küche und begann nach zwei minuten herzhaft zu schnarchen.

ich kroch wieder unter die laken im eisigen schlafzimmer. unter den geschlossenen lidern war ich hellwach. ich fror und zitterte, bis mit der morgendämmerung endlich die erlösende erschöpfung kam.

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Samstag, 8. Oktober 2011
asylum unter hochspannung
am donnerstag flüchtet das objekt aus seiner halb leeren, verwüsteten wohnung zu mir, bevor es dann an diesem wochenende für die nächsten wochen zu einem freund zieht.

"es mag ja krank klingen... natürlich bin ich traurig und fertig mit den nerven, aber irgendwas in mir ist gerade auch einfach nur fasziniert von dieser entwicklung."
das objekt steht im raum mit nichts als einem handtuch, das es um die hüften geschlungen trägt. die dusche war die erste anlaufstation, nachdem es gestanden hatte, dass es sei drei tagen im eigenen dreck lebt, weil es keinen bock mehr auf fließend kaltwasser hatte. das objekt ist ein eben ein echter warmduscher, das hatte ich schon immer gewusst und sage es ihm nun auch auf den kopf zu, was zu einer kleinen rangelei führt, bei der ich schließlich auf dem boden lande, das objekt über mir.

wir bleiben für einige sekunden einfach liegen, körper auf körper, und das objekt lässt seinen kopf neben meinen sinken. dann spanne ich alle muskeln an und nutze den überraschungsmoment, um mich aufzurichten.
das objekt steht auf und schlüpft schweigend in hose und t-shirt und fragt dann, ob es mal mein internet benutzen dürfe, weil es e-mails checken wolle.
"ich muss post bekommen haben von zwei freunden von mir... wir haben mal fotos gemacht."

wie sich herausstellt, hat sich das objekt vor ein paar jahren als aktmodell verdingt. im anhang des e-mails finden sich dann tatsächlich auch eine unzahl gezippter fotos.
"komm mal, guck mal..." das objekt zieht mich zu sich heran.
neben einigen diabolisch-schönen portraitaufnahmen
gibt es zahlreiche künstlerische aktaufnahmen, die meisten gesichtslos, verfremdet und stark bearbeitet. es handelt sich nicht direkt um pornografie, wie ich zunächst vermutet hatte, auch wenn einige der bilder auf masturbation anspielen. andere bilder zeigen das objekt geschminkt, halb verhüllt und mit großen weißen flügeln an den schultern.
"wow, die sind schön", finde ich.
"die wurden auch ausgestellt und teils sogar verkauft."
"und, hast du geld bekommen?"
das objekt schüttelt den kopf.
"da hab ich auch gar nicht nach gefragt, ehrlich gesagt."
"wie kamst du zu der ehre?"
"ich hab die beiden künstler auf einer schwulen-party kennen gelernt."
ich frage absichtlich nicht nach, wie sich dieses kennenlernen konkret abgespielt hat, vermute aber, dass reichlich alkohol, poppers und andere hilfreichen accessoires im spiel waren.

"welche findest du am besten?"
ich deute auf zwei der bilder, auf denen das objekt als engel verkleidet ist sowie auf ein portrait, auf dem es seinen unverkennbar postkoitalen gesichtsausdruck hat.
"willst du die haben?"
die frage erschreckt mich und verwundert mich.
"nein", sage ich dann, "das zeigt nicht den menschen, den ich kenne."
das objekt versteckt die nase in meine achselhöhle:
"oh mann... du bist immer so..."
"wie?"
"geradeheraus."
"so bin ich."

schlafenszeit. ich biete dem objekt die chance auf ein einzelschlafzimmer in meinem arbeitszimmer, doch erwartungsgemäß lehnt es dankend ab. da ich es genieße, mal nicht alleine in meiner wohnung zu sein, fackle ich nicht lange und wir bauen aus meinen einzelmatratzen ein doppelbett.
dann liegen wir nebeneinander und sind hellwach.
"ich kann nicht schlafen", spricht das objekt als erstes aus, was uns beide bewegt.
"warum?"
"ich mach mir so viele gedanken."
"wir haben doch schon alles durchgesprochen. alles wird gut, hab geduld."
"und ich hab so schmerzen."
"was für schmerzen?"
"kopfschmerzen. und nackenschmerzen."
"du bist angespannt. dreh dich mal."
ich taste mich am hals vorwärts und spüre die verspannungen wie glasmurmeln am seitlichen nacken. das objekt zuckt, als ich zudrücke.
"wenn dir schwindelig wird, musste du es bitte sagen, mein physiotherapeut sagt immer, das kann passieren, dass man am hals auch mal ein blutgefäß erwischt."
"nein, es hat nur weh getan."

ich löse vier, fünf knochenharte verspannungen und das objekt ist ganz angetan.
"du bist ja richtig begabt."
"jetzt kann ich aber nicht mehr, meine hände tun weh."
das objekt zieht mich zu sich heran und umschließt meine hände mit seinen fingern. es küsst meine stirn und sagt:
"schlaf jetzt."
dann schlummern wir hand in hand ein.

am nächsten morgen muss ich zur arbeit, während das objekt noch ausschlafen kann. es ist also zum ersten mal alleine in meiner wohnung. ich frage mich, ob ich ihm vertrauen kann, staple ein paar sachen übereinander und versuche mir zu merken, wie sie lagen. dann verlasse ich das haus.

als ich am nachmittag wieder komme, ist das matratzenlager abgebaut und alles wieder ordentlich an seinem platz. meine künstlich drapierten stapel scheinen unangetastet. das objekt ist also kein schnüffler. stattdessen hat es mein bett gebaut und ringums kissen platziert. in der mitte liegt meine rote wolledecke, die so gefaltet ist, dass ein einzelnes schwarzes herz nach oben zeigt. ich muss lächeln und merke, dass ich mich ein bisschen zu sehr freue. vor allem, als ich kurze zeit später bemerke, dass mein zweitschlüssel nicht mehr an seinem platz neben der tür baumelt. zur entschuldigung und erklärung gibt es einen brief dazu, die situation, blabla und die erinnerung an mein angebot vom letzten winter, als ich dem objekt aus eigener motivation meinen schlüssel anvertraute und meinte, theoretisch sei es ja auch nicht verkehrt, wenn jemand den schlüssel zu meiner aktuellen wohnung hat, da ich ihn hier keinem der nachbarn geben wollte.

trotz der harmonie und nähe, die wir infolge der wohnungsmisere haben, gibt es also mal wieder ein echtes objekt-hühnchen zu rupfen. am montag werde ich das messer wetzen. mal sehen, wie es sich dann wieder aus der affaire zieht.

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