Montag, 5. März 2012
warme hände
vorgestern die kunstausstellung eines bekannten besucht und dort brandredenartig über soziale ungerechtigkeiten in der medienbranche diskutiert. mit gehaltsoffenbarungen entsetzen gestiftet, allen jungen leute von einem studium der kommunikationswissenschaften abgeraten und so wenigstens einmal meine bildungsmission erfüllt. später dann noch in den club gehoppelt. dort war dann plötzlich nichts mehr okay.

mit k. abgehangen. k. spürte, dass es mir nicht gut ging und kaufte mir einen wodka redbull. das objekt kam vorbei, guckte sehr stoned und erzählte munter wirres zeug über masturbation und finger-in-den-po-stecken. ich nippte an meinem drink und gab mich einsilbig. k. guckte abwechselnd das objekt und mich an und zog kommentarlos die augenbrauen hoch. dann kam ein typ vorbei, der das objekt heftig anflirtete und arm in arm mit ihm verschwand.

k. sah den beiden nach und sagte trocken: "was für ein merkwürdiger abend... und was für total durchgeknallte typen."
ich musste lächeln und spürte gleichzeitig tränen aus der brust nach oben steigen. k. legte den arm um mich und hielt mich fest.
"soll ich dir asyl geben?" fragte er mich.
ich zögerte. k. verstand:
"also nur kuscheln und schlafen, meinte ich."
ich nickte. k.s anwesenheit würde mir guttun. ein mensch, der keine dummen fragen stellte und keine dämlichen sprüche klopfte. safer sleeping, safer dreaming, so in der art.

dann kam die k.-ex in den raum. ich spürte ihren blick. sie fing den meinen auf, kam herüber und gab k. und mir je einen kuss. k. stand daraufhin auf und verließ den raum.
die k.-ex sah ihm traurig nach.
"er kommt einfach nicht klar damit", sagte die k.-ex.
"womit?"
"na, mit dir und mir und dieser situation."
"es gibt doch gar keine situation."
die k.-ex seufzte.
"ehrlich, morphine... es gäbe niemanden, mit dem ich k. lieber zusammmen sehe als mit dir. trotzdem tut es manchmal einfach verdammt weh und ich frage mich, ob die trennung damals der richtige schritt war."
in diesem moment bestätigte sich das, was ich schon lange ahnte. und kam mir entsetzlich fehl am platze vor.

ich stand auf und suchte k.
"ich werde heute doch nicht bei dir schlafen", sagte ich geradeheraus.
k. guckte erstaunt und verletzt.
"warum denn?"
"ich hab es mir eben anders überlegt."
"das ist doch blödsinn. willst du jetzt wirklich den weiten weg nach hause... und dann da allein...?"
"ist besser so, glaub mir einfach."
da waren die tränen wieder ganz heiß hinter den augen. ich ging auf toilette. dort kauerte ich mich in die hocke und lehnte den kopf an die kabinentür. alles ist gut, versuchte ich mir einzureden, fahr einfach jetzt nach hause, kuschel dich in dein warmes bett und schlaf dich aus.

ich holte mein handy aus der tasche. die uhr zeigte 5:22. da plötzlich klingelte es.
"hallo?" sagte ich mit frosch im hals.
an anderen ende der leitung war mein herbergsvati vom letzten wochenende.
"hey... sag mal, wie klingst du denn, bist du schon wieder krank?!"
"nein", sagte ich und meine stimme wackelte, weil seine frage so ehrlich besorgt und davon abgesehen so warm und sanft und tröstlich klang.
"ich wollte eigentlich nur wissen, ob du auf deiner party da bist und ob du vielleicht lust hast, noch vorbeizukommen?"
mein herz begann zu flattern. das war doch wohl die beste überraschung dieses wochenendes.
"ja", sagte ich. "gerne."
"wann darf ich mit dir rechnen?"
"gib mir zehn minuten."

ich holte meinen mantel vom garderobenmann und ging einfach ohne jemanden tschüß zu sagen. dann radelte ich durch die nacht.

der mensch stand schon unter der tür und wartete auf mich.
"das hat aber länger als zehn minuten gedauert", tadelte er mich scherzend.
ich zog eine tüte brötchen aus meiner tasche.
"ich war noch eben beim bäcker an der holstenstraße."
"du bist toll", fand der mensch und drückte mich. "das ist doch jetzt genau das richtige. ich mach uns kaffee, ja?"

ich setze mich, während der mensch in der küche hantierte. seine bewegungen hatten etwas schlafwandlerisches und ich erinnerte mich, dass der mensch fast blind war. trotzdem lebte er erstaunlich normal.

"was ist eigentlich los?" fragte er unvermittelt, während er mit routinierten bewegung heißes wasser in eine kanne goss.
"was soll sein", erwiderte ich.
"du bist traurig."
"wie hast du das gemerkt?"
"du hast etwas dunkles an dir."
ich musste kurz nachdenken, bis ich verstand, dass der mensch nicht unbedingt von einem sichtbaren dunkel sprach. und schon waren da wieder die ungebetenen tränen hinter den augen. nein, du heulst jetzt nicht rum, befahl ich mir. der kennt dich nicht, was soll der denn von dir halten.

bis eine hand mein gesicht berührte, eine warme, weiche hand, die meine wange sachte berührte und die finger in meinem nacken wandern ließ. es war wie nachhause kommen. und ich schloss die augen und spürte, wie sich die tränen ihren weg bahnten, kleine salzige lawinen der traurigkeit, unaufhaltsam auf der suche nach innerem frieden und trost, auf der suche nach etwas, woran ich den glauben verloren hatte.
der mensch sagte nichts, blieb einfach nur stehen und hielt meinen kopf. dennoch begann seine anwesenheit meine leere zu füllen, fest und stark und schön.

eine gefühlte ewigkeit lang saßen wir so da, während der kaffee kalt wurde und draußen die sonne aufging.
"was denkst du jetzt bloß von mir", sagte ich.
"nicht schlechtes. überhaupt nicht." der mensch schmunzelte, amüsiert über meine sorge.
"es tut mir so leid, ich bin eine echte zumutung. ich sollte nach hause gehen", setzte ich nach.
"schhh."
der mensch lächelte noch immer, legte den zeigefinger auf die lippen und nahm mich bei der hand. er zog mich ins schlafzimmer und packte mich in sein bett.
"schlaf jetzt. du musst nun erstmal neue kraft sammeln. wenn was ist, ich bin nebenan und arbeite."
der mensch küsste meine stirn und verließ leise den raum.

es dauerte lange, bis ich eingeschlafen war, aber als es soweit war, ruhte ich tief in mir, mit dem bewusstsein, dass ein seltener zauber meine seele gestreift hatte. falls es einen gott gab, dann musste sich seine liebe genau so anfühlen.

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Samstag, 3. März 2012
pas un rendez-vous
gestern abend todmüde aus der arbeit gestolpert und sofort ins bett gefallen, zwei minuten später tief und fest geschlafen.
dann plingte das handy. eine sms. schlaftrunken hangelte ich nach dem kleinen eckigen ding und stellte mit enormem erstaunen fest, dass das objekt mir geschrieben hatte. es hatte offenbar einen lyrisch-philosophisch-alkoholisierten moment gehabt und mir einen ellenlangen text getippt. ich brauchte mehrere minuten, um ihn zu lesen. komplexe gedankensprünge, befeuert von freund rachmaninoff, mutmaßte ich. ich versuchte erfolglos, einen bezug zu unseren letzten gesprächen zu finden. also schrieb ich zurück: falsche adresse - fragezeichen fragezeichen fragezeichen?

ich warf einen blick auf die uhr. es war kurz nach eins. dann plingte das handy noch einmal. es war die drittefreundin. sie und der dritte waren auf einer party. ob ich denn auch noch käme. da sprang ich aus den federn und unter die dusche.
als ich geschniegelt und gebügelt war, sah ich noch einmal auf das handy. keine antwort vom objekt - vermutlich lag ich also richtig mit der falschen adresse. dann schwang ich mich auf das fahrrad.

an einer roten ampel rief ich bei meinem herbergsvati vom letzten wochenende an.
"brauchst du wieder ein auffanglager?" fragte er lachend.
"vielleicht. aber viel lieber würde ich deine umstände vom letzten wochenende wiedergutmachen."
"ich bin aber gerade auf einem schachturnier. das kann spät oder vielmehr früh werden."
"das heißt, ich kann vor sechs uhr morgens ohnehin nicht mit dir rechnen?"
"kann auch sieben werden."
"schlecht."
"naja, also wenn du willst... du kannst gerne bei mir auf mich warten."
"ja klar, ich setze mich eine stunde lang vor deine haustür - das würde dir gefallen!"
"ich wollte es nur angeboten haben. wir könnten frühstücken. ich würde mich freuen."
"ich hab eine bessere idee. ich ruf dich an, wenn sie uns rauskehren, und falls du dann millionär und zuhause bist, komm ich noch vorbei."
"gut", meinte der mensch an anderen ende der leitung. "ich geb mir mühe. bis dann."

auf dem kiez wurde ich erstmal kontrolliert und durfte schon wieder meine tasche ausleeren. dann, in gnaden wieder entlassen, begab ich mich endlich in den kleinen souterrain-club.
bevor ich überhaupt meine jacke ausziehen konnte, traf ich das objekt. nach der letzten strangen begegnung - umarmung, tränen, weglaufen - war unser verhältnis nicht unbedingt entspannt, aber zumindest theoretisch der kontakt wiederhergestellt. noch während ich rätselte, ob und wie mich das objekt wahrnehmen würde, wurde ich schon mit einer stürmischen umarmung begrüßt und vollkommen high angestrahlt.
"morphine! was willst du trinken!"
"ähm..."
das objekt wartete nicht auf meine antwort und stürzte zur bar. dann kam es mit zwei kurzen, bier und einem wein für mich wieder.
"ich weiß doch noch, was du gerne magst."
"du solltest dich nicht in umkosten stürzen."
"ach was!"
wir exten die kurzen, dann kroch das objekt ganz nahe an mich heran.
"du duftest wie der frühling... wie ein engel!"
ich musste grinsen. das war endlich mal wieder das objekt wie es leibte und lebte. dann fiel mir die sms wieder ein.
"du hast mir heute eine sms geschickt, war die für mich?"
das objekt starrte mich entgeistert an:
"warum sollte die nicht für dich gewesen sein?!"
"ich weiß nicht, sie hatte jetzt nicht so den konkreten bezug auf irgendwas, was bei uns gerade aktuell wäre."
"morphine, ich habe mir eine flasche rum reingeknallt und dann fast eine stunde lang an dieser sms gesessen. natürlich war die für dich. solche smsen schicke ich keinen anderen frauen. die würden doch gar nicht verstehen, was ich meine."
ich zog die augenbrauen hoch. eines stand fest: das objekt war heute in höchstform, was trinken, drogen und charming betraf. unter garantie würde es heute auch noch jemanden abschleppen. im idealfall nicht mich.
"na dann ist ja gut", zeigte ich mich versöhnlich. "dann freu ich mich darüber."
das objekt schmunzelte:
"ich hab eine idee... ich werde künftig immer noch den satz anfügen: liebe morphine, die sms ist wirklich für dich, bitte jetzt freuen!"
ich boxte das objekt in die seite, woraufhin es sich gespielt krümmte und schmerzenslaute von sich gab.

da kamen der dritte und die drittefreundin auf uns zu.
"dass wir vier mal wieder hier zusammenstehen", sagte der dritte mit rührung in der stimmme.
nicht nur zwischen dem objekt und mir, sondern auch zwischen dem dritten und dem objekt hatte es im vergangenen jahr heftig gekracht.
wir umarmten einander. der dritte guckte mich zweideutig an und nahm unauffällig meine hand. nur das objekt registrierte die kleine geste und lächelte. ich wusste, dass es an die nächte zu dritt dachte, die es nicht mehr gab.

kurz nach fünf gingen die lichter an. das war sehr frühzeitig und für mich und meine pläne absolut ungünstig.
"wie bist du da", fragte mich das objekt, als wir schulter an schulter am ausgang standen.
"mit dem rad", antwortete ich.
"du bist knallhart."
"ich hab ja vielleicht nicht weit", sagte ich unbedacht.
das ließ das objekt aufhorchen.
"soso, was hast du denn noch vor?"
"ich hab mich unverbindlich versprochen, wenn man das so sagen kann. aber ich weiß noch nicht, ob wir uns sehen."
"wer ist es denn?"
"kennt man nicht."
"und in welchem verhältnis steht ihr?"
"ich kenn den kaum."
"fickt ihr?"
"nein. es könnte irgendwann passieren. aber es steht für mich nicht an erster stelle."
das objekt sah mich scharf an:
"du magst ihn."
"vielleicht."
das objekt sah mich noch einmal an und lächelte.
"okay, ich mag ihn", gab ich zu.
"dann sag doch nicht vielleicht, mann."
das objekt betrachtete mich amüsiert und schüttelte den kopf:
"bloß keine gefühle zeigen! am besten gar keine gefühle entwickeln! am besten überhaupt nicht mehr treffen, bevor es gefährlich wird! das sind deine gedanken, ich kenn dich doch. du hast angst davor, dass es gut werden könnte."

wie so manches mal traf das objekt exakt ins schwarze. das merkte es und nahm mich in die arme.
"du bist so verdammt verletzlich... und ich würde dich so gerne beschützen und dir ein freund sein, aber ich schaffs ja nicht mal für mich selber."
"ich habs gemerkt", sagte ich mit etwas mehr bitterkeit als gewollt.
das objekt nahm mein gesicht in seine hände:
"du brauchst auch mal jemanden, der für dich da ist. du hast das verdient. und vielleicht ist das ja ein guter."
jetzt wurde es mir doch zu viel.
"misch dich da nicht ein", wand ich mich aus dem festen griff des objekts.

das objekt ließ von mir ab und machte einen schritt zurück. ich streckte ihm eine zigarette hin.
"komm, lass uns noch eine rauchen."
schweigend gingen wir die große freiheit entlang und qualmten. das objekt schwankte unkontrolliert und hakte sich irgendwann unter.
"wo steht dein rad?" fragte mich das objekt.
"drüben, in der siedlung."
"achja. du hast ja angst vor dieben."
"nein, aber ich habe angst vor besoffenen assis, die mir aus jux auf den sattel kotzen."
"so ne assis wie ich, hm?"
"exakt."
das objekt knuffte mich und drückte mir einen kuss auf die wange.
"komm, ich bring dich noch."

nachdem wir uns verabschiedet hatten, rief ich meinen herbergsvati an. keiner ging ran. also sprach ihm auf die mailbox, dass ich müde sei und nicht mehr kommen werde. dann fuhr ich schnurstracks nach hause.
rendez-vous erfolgreich verhindert.

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Donnerstag, 23. Februar 2012
piesacken
gestern habe ich aus jux und laune das objekt angerufen. ohne erfolg. ich hatte es bildlich vor mir, wie das handy schrillte, der blick panisch über das display schwebte und der zittrige daumen mich daraufhin wegdrückte. anschließend schaltete das objekt das handy ganz aus, um sich nicht mehr konfrontieren zu müssen.
also schickte ich eine sms hinterher: "alter, isch wais, wo du wohns!" vermutlich wartet das objekt seither angsterfüllt darauf, dass es an der haustür klingelt. die vorstellung davon rettet meine restwoche.

die k.-ex, die derzeit die objektive post annimmt, hat mir heute am telefon berichtet, dass schon wieder mahnungen für das objekt eingetrudelt seien. offenbar hat es eine strom- und eine klamottenrechnung nicht bezahlt.
"ich seh da schon wieder gelbe briefe kommen", meinte die k.-ex sorgenvoll.
"vielleicht stecken sie ihn dann wieder in den knast", erwiderte ich schadenfroh.
"ich helf ihm nicht", sagte die k.-ex. "von mir kriegt er kein geld."
"von mir auch nicht."
"trotzdem versteh ich das nicht, wie kann er bloß, er hat doch auch den kleinen!"
"zehn joints und der tag ist dein freund - weißte doch."
"und noch mehr, was wir gar nicht wissen."
"gott bewahre."

vermutlich werden das objekt und ich morgen im rahmen einer party aufeinandertreffen. ohne die k.-ex, die ja derzeit die diplomatische instanz zwischen uns ist. ich rüste mich innerlich schon mal dafür.

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Montag, 13. Februar 2012
i´ve always loved you in my way
"du bist ein unglaublich großzügiger mensch", findet die k.-ex am telefon.
"ich bin mir nicht sicher, ob ich manchmal nicht einfach nur ein unglaublich blödes schaf bin", erwidere ich.

ich habe wieder kontakt zum objekt aufgenommen. nachdem mir mehrfach aufgefallen war, dass mir die situation im club - gegenseitiges angestrengtes ignorieren und heimliches hinterherstarren - im grunde meines herzens schrecklich schwerfällt und konsequenter hass einfach nicht meinem naturell entspricht, habe ich eine nicht allzu freundliche, sehr deutliche und bestimmte sms verfasst. ich sei die situation leid, es gehe mir längst nicht mehr um die geschichte gewordene freundschaft, aber um einen normalen umgang im falle von ortsüberschneidungen. in diesem kontext wäre ich ihm für eine zeitnahe lösung sehr verbunden. mit freundlichen grüßen, imaginärer stempel, imaginäre krakelige unterschrift. rosenkrieg light, sozusagen.

"er hat mir davon erzählt", berichtet die k.-ex.
"er SPRICHT über mich?" ich bin ganz perplex.
"doch doch. und das war auch nicht das erste mal. das ist nicht irgendwie abgefrühstückt für ihn, ganz im gegenteil."
"mann, dann kann er doch wohl mal das maul aufmachen."
"ich versteh das auch nicht. ich hab ihm mehr als einmal gesagt, geh hin und rede mit ihr, erklär ihr das, was es zu erklären gibt."
"er sagt keinen ton zu mir."
die k.-ex ist erstaunt.
"aber er hat dir doch geschrieben."
"wiebitte? nein."
die k.-ex stutzt:
"aber er hat mir doch gestern gesagt, er habe dir auf diese sms geantwortet."

wir schweigen beide für einige sekunden.
"dann hat er dich angelogen", sage ich.
die k.-ex schnaubt entrüstet in den hörer:
"mann, warum musste das wieder sein! was hat er denn davon, dass er mir so einen mist erzählt? es kann mir doch echt egal sein, dass er seinen arsch nicht hochkriegt! das ist doch für mich total uninteressant."
"tja."

wieder schweigen wir beide.
"eigentlich weiß ich jetzt doch nicht mehr, warum ich die situation eigentlich verändern wollen sollte", überlege ich. "dieser mensch würde doch sogar lügen, wenn man ihn nach seiner lieblingsfarbe fragt!"
"aber du magst ihn", sagt die k.-ex. "weil du seine guten seiten kennengelernt hast. die kenne ich ja auch, und ich sage dir, die findet man so an sich selten bei einem mann. und ich weiß, er hat dich auch wirklich gern, auf seine art." die k.-ex holt tief luft. "was natürlich nichts daran ändert, dass er verlogen und berechnend ist. das kreide ich ihm auch an."

ich überlege:
"ich akzeptiere das nicht mehr."
"wart doch mal ab."
"ich fahr hin und hau ihm aufs maul."
"ach komm."
"doch, doch. ich mach das am valentinstag. das wird mein valentinstagsgeschenk. so ein veilchen statt rote rosen, ganz kostenlos und seeeehr lange haltbar."
die k.-ex lacht und ich muss ebenfalls ein bisschen grinsen.
"du riskierst ja echt was für den mann", meinte die k.-ex.
"du weißt doch, ich mag ihn - auf meine weise eben", antworte ich.

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Montag, 6. Februar 2012
technik vs. murmel-murphy
2:31 uhr. der wecker wird planmäßig auf 9:00 uhr gestellt, da ab dem genannten zeitpunkt theoretisch kunden anrufen können und ich dann zumindest so tun muss, als sei ich wach. darüber hinaus sollten zwischen 10:00 und 12:00 uhr die handwerker kommen, um meine kaputte klingel zu richten.

in sachen kaputte klingel hatte ich mir ohnehin schon massiv sorgen gemacht.
"sie wissen aber schon, dass ich das nicht höre, wenn ihre techniker klingeln", hatte ich die sekretärin des elektrikerservices scherzend gewarnt.
"wir haben schon ein bisschen erfahren mit sowas", sagte die dame und ich war beruhigt. vielleicht konnten sie die klingel ja auch direkt von außen reparieren und mussten gar nicht an meiner gegensprechanlage in der wohnung rumfummeln.

8:30 uhr: ich bin wach. aber es ist so kalt und ungemütlich, dass ich spontan beschließe, noch ein halbes stündchen zu mullern.

xx:xx uhr: ich werde wieder wach. ich fühle mich, als hätte ich noch einmal richtig lange geschlafen. mir kommt ein schlimmer verdacht und ich angle nach dem wecker, der noch nicht geklingelt hatte. er zeigt mir still und stumm 11:14 uhr an.

und auch wenn der hahn schon dreimal gekräht hat, so hast du mir doch nicht verraten, dass ich längst aufgestanden sein muss!

11:15 uhr: ich habe sehr flüchtig zähne geputzt, haare gekämmt und bin angezogen, damit ich, falls es noch nicht zu spät sein sollte, sofort zur tür springen und öffnen konnte. dann warte ich angespannt.

12:00 uhr: die techniker sind entweder nicht gekommen, oder sie waren da, als ich noch schlief. was sag ich nur meiner genossenschaft? dass ich den technikerservice durchaus gewarnt hatte, dass ich sie nicht hören würde und sie diese warnung offenbar nicht ernst genommen hatten? was, wenn sie mir nicht glauben und ich den termin nun selber bezahlen musste? was kostet wohl eine verpasste klingelreparatur?

13:00 uhr: surprise, surprise, es klingelt! vor meiner tür steht der techniker.
"oh, sie haben die klingel doch schon repariert!" sage ich erfreut.
der techniker ist verwirrt.
"na, sie haben doch eben geklingelt und ich habe geöffnet", erkläre ich. "ergo funktioniert die klingel, sonst hätte ich sie doch gar nicht bemerkt."
der techniker guckt noch ein bisschen verwirrter und fragt dann:
"und wo liegt das problem?"
"meine klingel ist defekt. und meine gegensprechanlage. jetzt eben hat die klingel aber funktioniert", stifte ich weiter verwirrung.
"vorführeffekt!", erkennt der techniker da endlich und grinst. ich lächle erleichtert mit. offensichtlich ging er - anders als befürchtet - nicht davon aus, dass ich ihn verarschen will.

der techniker verpasst mir dennoch eine niegelnagelneue gegensprechanlage und checkt vorsichtshalber noch mal die klingel. alles funktioniert. dann testen wir den summer.
"der geht ein bisschen schwer, da mach ich noch was", sagt der techniker.

14:00 uhr. murphy offenbar überwältigt. note to myself: doch immer auch den handy-wecker stellen und sich NICHT auf den aldi-funkwecker verlassen. und: im zweifelfall den technikern noch ein stündchen mehr zeit geben und sich dann erst sorgen machen.

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Samstag, 4. Februar 2012
freiheit, baby
"die leute brechen reihenweise zusammen, weil sie total fremdbestimmt sein. ich will nie wieder festangestellt wo arbeiten müssen, das ist wie gefängnis!" der geschäftspartner, der mich eben mal freundlich nach berlin eingeladen hat, ist morgens um 11 uhr am telefon schon philosophisch. er hatte auch schon kaffee, im gegensatz zu mir, die ich eine stunde zuvor von der lederjacke aus dem bett geklingelt wurde.

während der geschäftspartner sich um das arbeitsbedingte gesellschaftliche unwohlergehen sorgt und dabei mit mir auf einer linie fährt (besser frei als reich), hatte die lederjacke ganz andere probleme:
"du musst mir helfen, ich hab einen strafbefehl erhalten!"

in einem ersten reflex musste ich kurz lachen, weil ich sofort an den haftbefehl dachte, der vor ziemlich genau einem jahr gegen das objekt lief. die lederjacke war irritiert, also wurde ich gleich wieder ernst:
"warum denn das?!"

es stellte sich heraus, dass sich die lederjacke mittelschwer angeheitert mit der bullerei an der davidswache angelegt hatte. neben ein paar unfreundlichen worten aus dem bereich der fäkalsprache war es demnach wohl auch zu leichten handgreiflichkeiten gekommen, als die lederjacke nach der ausweiskontrolle einen falschen ausweis zurückbekam und das beanstanden wollte.
"jetzt wollen die fast tausend euro von mir! stell dir das mal vor!"
die lederjacke war ganz außer sich.
"und die hast du nicht, oder?"
"naja, es wird schon gehen, man kann das in raten abbezahlen. aber es ist trotzdem voll viel geld! nur, weil ich meinen richtigen ausweis zurückhaben wollte! das ist doch ungerecht!"
"hast du mal einen anwalt gefragt?"
"ja, ein freund von mir ist anwalt, der sagte, ich hätte da gleich am nächsten tag ankriechen und mich entschuldigen sollen."
"dafür ist es jetzt zu spät, hm."
"außerdem entschuldige ich mich doch nicht, nur weil die zu blöd sind, um ihre ausweiskontrollen ordentlich durchzuführen!"

"nunja, es gibt noch eine alternative", sagte ich dann und gedachte dem objekt-fall.
"was denn?"
"lass das zahlungsziel vorübergehen."
"und dann? soll ich hoffen, dass die das vergessen?"
"nee, dann wird der strafbefehl in einen haftbefehl umgewandelt und du kannst die strafe absitzen."
"bist du komplett irre?!"
"naja, ich dachte ja nur. wenn es dir nicht drauf ankommt und du das geld sparen willst... und so lange würden die dich wegen so ner pillepalle-geschichte ja nicht einbuchten."

die lederjacke war von meinem vorschlag nicht begeistert, wollte sich dann aber doch erkundigen, wie lange die haftstrafe in seinem fall dauern würde.
"aber ich will nicht im knast vergewaltigt werden oder so!" gab sie zu bedenken.
"ein freund von mir saß mal in u-haft, der hat das auch überlebt."
"du hast mir vielleicht freunde! was hatte der denn gemacht?"
"überschuldung und drogen."
"drogenhandel?"
"wollten sie ihm anhängen, hat aber nicht funktioniert."
"klingt hart."
"war es auch."

"würdest du mich besuchen, im knast?" fragte die lederjacke dann.
"na klar. ich back dir sogar nen kuchen, ganz klassisch mit feile drin. und dann versuchst du dich in der legendären flucht aus alcatraz. ich schreib anschließend die reportage darüber und verkaufe das groß an die blöd."
"du denkst ja nur an dich!"
"klar. normal."
"irgendwie finde ich das ja befreiend. ich glaube, du bist so eine frau, die kommt besser klar, wenn nicht ständig jemand den großen beschützer spielt, oder?"
"sagen wir mal so: es gab noch nie jemanden, der meinen beschützerischen fähigkeiten das wasser reichen konnte. und inzwischen bin ich zu alt, als dass ich noch darauf warten würde."
"große worte gelassen ausgesprochen, nenn ich das", meinte die lederjacke. "das ist wirklich sehr befreiend. sowohl für dich als auch für andere."
"dann überleg dir das mit dem knast besser doch noch mal, wenn du so auf freiheit stehst."
"okay."
"auf bald."
"auf ganz bald."

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Dienstag, 31. Januar 2012
sick and more feelings
into the great wide void, könnte das motto derzeit lauten.

die lederjacken-geschichte langweilt. es formt sich nichts.

die k.-geschichte langweilt. leute, die nicht wissen, was sie wollen, zwischen begeisterung und ignore-modus schwanken, nein danke. so eine bin ich schon selber bisweilen, das brauche ich nicht.

neuerdings dann doch lieber frau. spannend, weil in dieser form neuland. mal sehen wie lange noch.

heute wieder kopfschmerzen. der sturz hat nachwehen. die volontärin versucht zeitgleich, mich mit ihrer erkältung zu infizieren. ich fürchte, sie wird erfolg haben.

hätte ich eine badewanne, ginge es mir besser. aber das wird wohl alles noch ein weilchen so bleiben.


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Sonntag, 29. Januar 2012
eiskalt erwischt
der plötzliche, heftige wintereinbruch (mittelstrenger frost und zwei zentimeter schnee) macht körper, seele und dem öffentlichen nahverkehr schwer zu schaffen.

am freitag wäre ich gerne um neun im büro gewesen. doch der bus hatte 18 minuten verspätung. die verspätung gab mir, die ich nur noch 2,15 € kleingeld mit mir führte, die gelegenheit, zur sparkasse zu watscheln. doch selbst breitbeiniger schlittergang war hochgefährlich, da die haspa sich offenbar kein streugut leisten kann. während sich draußen die kunden an tür und mauer entlanghangelten, saßen die mitarbeiter drinnen hinter der scheibe im warmen und glotzten borniert bis belustigt. am liebsten hätte ich einen auf 1. mai gemacht und einen pflasterstein geworfen, aber ich brauchte ja noch geld. stattdessen beschloss ich, ein deftiges beschwerdeschreiben abzuschicken. denn selbst der kleine verhutzelte zigarettenladen-besitzer hatte sich mit schaufel und besen bewaffnet und es geschafft, eine schneise in die enorme gletscherlandschaft vor seiner tür zu fräsen.

im büro angekommen stellte ich fest, dass das räum- und streupflichtbewusstsein meiner untergebenen ebenfalls nicht besonders ausgeprägt war.
"aber wir haben doch nen winterdienst", meinte der azubi verschlafen.
"der ist aber offenbar nicht da gewesen", analysierte ich messerscharf.
"aber ich weiß nicht, wo die schaufel ist", sagte die volontärin.
"dann denkt man mal logisch nach, wo normalerweise dinge gelagert werden, die man nur einmal im jahr braucht. da wir keine schuppen oder garage haben, ist das ja nicht allzu schwierig."
"im keller?" fragte die volontärin hellwach und ich nickte wild.
"aber wir könnten auch auf den winterdienst warten", warf der azubi ein.
"bis dahin haben sich hier aber fünf leute das bein gebrochen", erwiderte ich. "weißt du, was uns das kosten kann? soviel verdienst du nicht mal pro jahr!"
die volontärin, die auch sonst ganz quietsch war, hatte inzwischen schaufel, besen und streugut geholt. dann machten wir uns mit vereinten kräften an die arbeit.
"und der winterdienst?" fragte der azubi noch einmal vorsichtig, als wir uns später rotwangig und verschwitzt aus den jacken schälten.
"den ruf ich gleich an und mach den zur sau", versprach ich.

später am abend hatte ich ein date in einer bar. ich war spät dran und beschloss spontan, das fahrrad zu nehmen. inzwischen war die verkehrslage teilweise unter kontrolle, und gegen mittag war sogar mal ein winterdienst durch die große straße neben unserer kleinen straße gefahren. ich machte mich auf den weg.
es ging ganz gut, bis ich dann durch den stadtpark musste.
der stadtpark mutiert im winter zu ort des vergessens. nicht nur, dass selbstverständlich nichts geräumt oder gestreut war. auch die laternen waren zu einem nicht unbeträchtlichen teil kaputt. so blieb nur alle 30 bis 50 meter ein müde funzelndes grünes licht. nachdem ich zweimal ins trudeln gekommen war, stieg ich ab und schob den rest des weges. ich kam zum zweiten mal an diesem tag gnadenlos zu spät. mein date war durchgefroren und etwas sauer, aber der abend wurde dann trotzdem ganz nett.

als ich mich auf den heimweg machte, hatten die temperaturen noch einmal angezogen. nach fünf minuten durch-den-park-schieben waren meine hände taub. außerdem war es schon spät und ich wollte noch tanzen gehen. also schwang ich mich todesmutig in den sattel. ich überlebte die tortour durch den park tatsächlich und erreichte irgendwann die große straße, die gesalzen war. kurz darauf war ich dann auch schon an der abzweigung, die zu meinem häuserblock führt. ich nahm die kurve, sah die große eisscholle nicht - und fand mich nanosekunden später halb unter meinem rad begraben auf der straße liegend wieder.

ich konnte zum glück gleich wieder aufstehen. der schnee war - anders als bei meinem fahrradunfall im letzten winter - nicht mit meinem blut getränkt. daraus schloss ich, dass ich nur marginale verwundungen davongetragen hatte. nichtsdestoweniger taten linker fuß, bein und allerwertester ziemlich weh. meine tanzwut war mir spontan vergangen und so endete ich verhältnismäßig frühzeitig im bett.

am samstag dann begab ich mich auf große tour in einen stadtteil, in dem ich mich sonst nie aufhalte. es handelt sich um die nachbarregion zu einem sozialen brennpunkt hamburgs, was man sofort spürt, wenn die u-bahn die station hauptbahnhof verlässt und sich dann haltestelle für haltestelle dem assi-zielbahnhof nähert.

die hinfahrt war noch ganz okay. dank der idiotensicheren wegbeschreibung meines gastgebers (den ich hier nicht outen werde, da outing ohnehin immer so ein merkwürdiges phänomen ist, wie wir gestern feststellten) fand ich auch gleich die adresse. dort gab es exquisiten plausch, leckeres essen und rotwein (mann, ich hatte einen schädel!!) sowie famosen film.
gegen mitternacht jedoch klingelte mein handy und k. war dran. er fragte, wo ich denn bliebe, da man auf dem weg in den club war.

obwohl ich satt-schläfrig war und mich theoretisch auf der gastgeber-couch hätte einkringeln und schlafen können, machte ich mich also wieder auf den weg. inzwischen hatte es wieder geschneit, die temperaturen fühlten sich arktisch an. ich war froh, als die u-bahn kam. dann saß ich mit leuten, deren iq ich nicht mehr in den menschlichen bereich zählen möchte, im abteil und fuhr einmal quer durch die stadt. zwei zwielichtige gestalten, die ich pauschal als stricher und zuhälter einordnete, glotzten mich an. ich fühlte mich unwohl.

in der s-bahn wurde mir schwindelig und übel, der kopf dröhnte. ich fühlte mich wie auf einem schlechten trip. ich schleppte mich in den club, wo die anderen schon auf mich warteten.
dann stand ich am tresen und trank cola. der rest der crew hatte bier, wodka und whiskey. ich wollte keinen alkohol.
tanzen ging gar nicht. und irgendwann ging auch stehen nicht mehr. ich kroch auf einen barhocker und klammerte mich am tresen fest. der raum routierte, mein magen passte sich an.
"was ist los?", fragte meine freundin h.
"ich glaub, ich werd krank", sagte ich.
"willst du nachhause?"
"hmhmhm."
"dann ruf ich dir ein taxi, ja?" h. war besorgt.
"lass mal, ich hab nur noch 10 euro, das reicht nicht."
"du kannst doch so nicht bus fahren."
h. holte k.
"kann sie nicht bei dir schlafen? sie braucht ein bett, es geht ihr nicht gut."
k. zögerte.
"meine ex schläft heute da."
too much information. mir wurde gleich noch schlechter.
h. übernahm das ruder.
"pass auf, ich will auch mit dem taxi fahren... dann nehme ich dich ein stück mit und leihe dir das geld, das du noch brauchst. ist das okay für dich?"
ich nickte dankbar.
"das ist wahnsinnig lieb von dir."

h. regelte alles weitere und schleppte mich hinaus in die eiseskälte. dann winkte sie ein taxi. ich kroch auf die rückbank und döste ein. ich bekam noch mit, dass mich h. umarmte und verabschiedete und dem taxifahrer sagte, wo er hinfahren sollte. doch ich wachte erst richtig auf, als wir vor meinem haus hielten und mich der taxifahrer antippte.
gottseidank dachte ich noch daran, mir eine quittung ausstellen zu lassen. dann fiel ich ins bett und beschloss, nie wieder aufzustehen. höchstens zum bloggen.

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Dienstag, 24. Januar 2012
echoes in my mind
positiv. schön. friedvoll und doch spannungsreich. das fasst mein leben und auch den letzten abend zusammen. (den rest muss ich leider zensieren.)

die nacht allerdings war voller merkwürdiger träume. zuerst befand ich in der agentur, wo die decke einsturzgefährdet war und ich erfuhr, bereits sehr lange zeit unter lebensbedrohlichen bedingungen gearbeitet zu haben. es wurde gerade dilettantisch saniert und ich hatte meine zweifel, dass das halten würde.

dann rannte ich über eine brücke. schwarze wolken folgten mir. ich wusste aber, dass ich mich vor dem unwetter retten können würde. ich erreichte mein zuhause, eine sehr große halle mit immensen fenstern. im grunde bestand die hälfte des hauses aus fenstern. man konnte direkt in den himmel blicken, wo das gewitter nunmehr apokalyptische formationen erreicht hatte. ich wusste aber, ich war in sicherheit, und falls nicht, konnte ich ja aus dem haus rennen und mich so retten (letzterer gedanke scheint frei von logik, aber im traum war ich überzeugt, dass es funktioniert).

erneuter szenenwechsel. ich saß mit freunden an einem tisch. das objekt und der objektsohnemann waren auch da. wir verstanden uns wieder gut. das objekt scherzte über die eiszeit, die wir hinter uns hatten. dann servierte es eine suppe mit hähnchen und sojasprossen und hieß mich essen. der geschmack war über die maßen köstlich. im traum merkte ich, wie mau die zeit ohne das objekt war und wie sehr ich es vermisst hatte.

ich wachte auf, hatte noch die erinnerung an den geschmack der suppe auf der zunge und war einen moment lang glücklich, weil ich glaubte, wieder mit dem objekt versöhnt zu sein. die ernüchterung erwischte mich hart und ließ mich den heutigen tag über ziemlich am rad drehen.

was mach ich bloß?

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Sonntag, 22. Januar 2012
k.einen bock geschossen
k. war schlichtweg nicht zu überreden, mit in den club zu kommen. ältere herren brauchen auch mal einen ruhigen abend - ich verstand das.

also männerfreier abend, beschloss ich. einfach nur tanzen und mit dem dj quatschen, um ein paar neue songs im ohr mitzunehmen.

denkste. schon an der tür traf ich den ersten bekannten, der mich jedesmal zu einem date zu überreden versucht. ich kam eine viertelstunde lang nicht dazu, die jacke auszuziehen. irgendwann gab ich mich geschlagen und rückte meine telefonnummer heraus, damit er glaubte, den monolog ein andermal fortsetzen zu können. natürlich würde das nie geschehen.

kaum betrat ich den nebenraum, stand der drogenberaterbulle vor mir. er knutschte mich gleich und hatte ratzfatz die finger unter meinem oberteil.
"alter, du hast ne frau zuhause sitzen!" rief ich und hielt seine hände fest.
er guckte und guckte und meinte dann betreten:
"aber die liebe ich doch nicht mehr."
"das klang neulich aber anders."
achtung, jetzt kam es:
"aber das war, bevor ich dich getroffen habe."
mir fehlten kurzzeitig die worte. der drogenberaterbulle hatte sich ernsthaft in mich verliebt. von einmal knutschen.
"aber du kennst mich doch gar nicht!" rief ich verzweifelt.
"doch, du bist super", beharrte der drogenberaterbulle.
"ich bin nicht super, ich bin ein wrack", erwiderte ich.
der drogenberaterbulle guckte bedröppelt.
"ich dachte, wir machen uns heute nacht auf und davon."
"was meinst du damit konkret? eher so in richtung vögeln oder in richtung heiraten?"
"naja, auf und davon eben. wir fangen ein neues leben an. zu zweit."
der typ hatte definitiv eine meise und einen schweren realitätsknick, obwohl ich die idee sehr süß und romantisch fand. hört frau ja nicht alle tage. die meisten sagen nur, geile titten, baby, lass uns ficken.
"tut mir leid, ich bin in meinem kosmos ganz glücklich", nahm ich ihm den letzten wind aus den segeln.
der drogenberaterbulle seufzte und fragte dann:
"aber einen kuss krieg ich noch?"
naja, wollen wir ja mal nicht so sein, dachte ich.

und schwupp, hatte ich des drogenberaterbullen zunge am zäpfchen und seine hände schon wieder an meinen brüsten.
exakt in dieser sekunde kam das objekt vorbei. es blieb stehen und guckte. dann schüttelte es den kopf, als müsse es eine halluzination verscheuchen und glotzte dann noch einmal. auf seinem gesicht stand ein großes fragezeichen und deutliches entsetzen. nunja, es kannte mich ja sonst auch nicht mit mittelalten biederen herren in bluejeans, sportschuhen und funktionsjacke.

dann endlich ließ der drogenberaterbulle von mir ab.
"war das dein exfreund?"
ich guckte verwirrt.
"der typ mit den langen roten haaren."
"äh, wieso das denn?"
"der guckte eben, als hätte er mir gern auf die fresse gehauen."
"nein, nein, der ist ganz harmlos und auch nicht mein ex", sagte ich schnell und dachte dabei an die szene damals vor dem supermarkt, wie das objekt den penner vermöbelt hatte.
"na gottseidank, denn der scheint ja ein ganz schweres drogenproblem zu haben."
"äh, kann sein."
"doch, das ist so, der nimmt barbiturate oder opiate oder sowas, das seh ich sofort."
"ich muss mal zur toilette", sagte ich, weil ich das ganz dringende bedürfnis zu verschwinden hatte.

in meiner verzweiflung rannte ich tatsächlich erstmal auf klo. in einer kabine setzte ich mich und seufzte laut. da hatte ich wem das herz gebrochen. und die chancen, dass ich je wieder mit dem objekt sprechen würde, hatten sich dadurch auch nicht unbedingt vergrößert. das objekt teilte genau in freund und feind ein, und zugeknöpfte drogenberaterbullen gehörten sicherlich zu den erzfeinden.
ich seufzte nochmal.
"hallo." jemand klopfte an meiner tür.
ich öffnete.

draußen stand eine frau, ungefähr mitte oder ende 30, rockerbraut, mit riesigen möpsen. sie lächelte freundlich.
"dachte ich es mir doch, dass du das bist."
ich guckte verwirrt.
"sie müssen mich mit jemandem verwechseln."
"nein, nein, sicherlich nicht", sagte die frau. "wir haben uns vor drei jahren in einem anderen club kennengelernt... du warst damals sehr traurig, weil dich gerade dein freund verlassen hatte, und ich hab dir einen tequila ausgegeben."
ich überlegte. die zeit und die umstände waren plausibel. aber ich konnte mich beim besten willen nicht an diese frau erinnern. das sagte ich ihr auch.
"naja, das ist doch aber nicht schlimm", fand die frau. "gehst du auch heute noch einen tequila mit mir trinken?"
sie zwinkerte mir lustig zu und ich schnallte: lesbenalarm.
trotzdem war die gute ja sehr nett und ich dachte, warum sollte ich nicht einen kurzen mit ihr trinken? besser als mit dem drogenberaterbullen rumstehen und dessen grabschhände im auge zu behalten.

aus dem einen tequila wurden dann allerdings rasch zwei und dann drei. ich fühlte mich angetüddert und saß auf dem barhocker, während die frau neben mir stand und den arm um mich gelegt hatte. meine nase befand sich direkt vor ihrem enormen dekollete.
und halleluja, wie sollte es anders sein, kam das objekt mit einer leeren bierflasche, die es an der bar abzugeben gedachte, auf uns zu. es guckte wieder verdutzt, starrte mit offenem mund und schüttelte erneut den kopf. vermutlich dachte es, ich hätte mir die olle zur abschreckung des drogenberaterbullen zugelegt.

"ich muss dann mal wieder", stotterte ich irgendwann.
"wohin denn?" fragte die frau und ließ mich nicht los.
"zu meinem freund."
"ach scheiß doch auf die männer."
den satz hätte ich zu einem anderen zeitpunkt ausgesprochen gerne unterschrieben, eine million mal vervielfältigt und flugblattartig in den straßen hamburgs verteilt. aber heute eher nicht.
"war nett, dich kennengelernt zu haben", sagte ich artig und verdrückte mich.

ich versteckte mich beim dj. hinter den turntables tippte ich eine nachricht an k.:
"komm doch noch vorbei. du musst doch bloß einmal um die ecke latschen. und die party ist total spitze und es sind lauter tolle leute hier."
für einen guten zweck durfte man auch ein bisschen schwindeln, fand ich.

k. antwortete jedoch nicht. das war okay, fand ich, da es bereits vier uhr morgens war und k. sicherlich schlief. mein verständnis löste jedoch meine probleme nicht. so verbrachte ich den rest des abends auf der flucht vor dem drogenberaterbullen und der merkwürdigen frau.

das objekt schlich noch mehrmals an mir vorbei und betrachtete mich aus trauriger distanz. früher war ich einfach hingegangen und hatte mich knuddeln und knutschen lassen. und das objekt hatte mit seinen starken armen, ein paar sprüchen und deutlichen reviermarkierungen alle lästigen sabberer vertrieben.
es machte mir also immer noch etwas aus. die erkenntnis war niederschmetternd. ich registrierte die blicke des objekts und wusste, dass es auch ihm noch wehtat. aber ich würde daran nichts ändern. wenn, dann musste es zu mir kommen und sich entschuldigen und dann könnten wir ja vielleicht lustige smalltalk-bekannte werden, wenn auch nie wieder freunde.

irgendwann, es war schon spät, nahm ich meine jacke und ging einfach los. ich lief durch den regen, bis meine füße wehtaten und der kopf müde war. erst dann suchte ich eine bushaltestelle und nahm den nächstbesten bus richtung zuhause.

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