Sonntag, 11. November 2012
wild night II
clubbing mit objekt, k. und k-ex (jetzt wieder ohne stecher).

am ende des abends geht die k.-ex mit dem objekt an der hand nach hause, während ich mit k. untergeärmelt davonziehe.

an der tür drückt mich das objekt sehr liebevoll.
"parallelvögeln, wie witzig", sage ich.
das objekt grinst.
"auf wiederficken, madame."
es zieht den imaginären hut und torkelt nach draußen, wo schon die k.-ex wartet.

ich frage mich, wann ich mal wieder in MEINEM bett schlafen werde.

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Samstag, 10. November 2012
wild night
"hast du heute abend schon was vor?" fragt mich gestern nachmittag das objekt.
hab ich nicht und weil ich mich sowieso nur alleine gelangweilt hätte, kommt mir die objekt-anfrage ganz recht.
"puh, da bin ich aber froh", sagt das objekt, "ich hab mich innerlich schon irgendwie auf deinen besuch eingerichtet."
dreistigkeit ist dem objekt nicht fremd.
"wollen wir nicht lieber ausgehen?" frage ich zurück, da ich das objekt lieber auf neutralem boden treffen würde.
"och nööööö", sagt das objekt, "dann können wir nichts rauchen und außerdem hab ich heute spätschicht und bin dann bestimmt müde."
"na gut, alter mann", sage ich und das objekt schnaubt entrüstet am anderen ende der leitung.

um 22 Uhr klingelt mein telefon erneut.
"ich bin schon zuhause", flötet das objekt ins telefon. "du kannst jetzt vorbeikommen, wenn du willst."
ich putze gerade die wohnung und habe nicht vor, vor 23 uhr das haus zu verlassen.
"so in einer stunde", erwidere ich.
"lass es doch nicht so spät werden", nörgelt das objekt. "sonst haben wir so wenig zeit füreinander."
"heißt das, ich soll mich für die nacht einrichten?"
"naja, ich dachte, wir rauchen schön was zusammen... trinken noch was... dann film... naja, und dann... ich sag mal, einschlafen erlaubt."
da klingt so charming, dass ich debil ins telefon grinsen muss und mich schon wieder tierisch vorfreue.

um halb zwölf mache ich mich auf den weg, nehme bei der tanke noch bier mit und bin so doch erst 10 minuten vor hexenstunde am objektiven lebkuchenhaus.
das objekt holt mich im flur ab und flitzt dann zwischen küche, wo tagliatelle mit pilzen vor sich hinköcheln, und seinem zimmerchen, wo es gerade dabei ist, eines seiner berühmten gedichte niederzuschreiben, hin und her.
"leg dich ab, machs dir bequem... rauch eine zigarette... und hier hast du wein... essen ist gleich fertig."
wie gewohnt überschlägt sich das objekt vor lauter gastfreundschaft.

dann sitzen wir im bett und schmausen. das objekt hat seine riesenportion in drei haps verschlungen, dreht schon den ersten joint und quasselt mich voll. es ist warm, ich bin pappsatt und bekifft und das objekt riecht so objektiv, dass ich mich plötzlich ultra entspannt fühle, mich behaglich in der objekt-achselhöhle zurechtrücke und der kommenden dinge harre. das objekt sitzt neben mir, streichelt zart mit einem finger meine schläfen und drückt geheimnisvolle punkte an meiner stirn. ich werde müde und nicke fast ein.

dann aber krabbelt das objekt aus dem bett, geht ins bad und lässt auf dem weg beiläufig sämtliche bekleidung fallen. ich versuche, den kopf nicht zu bewegen, starre allerdings aus den augenwinkeln und muss ins laken beißen, um nicht zu sabbern. das objekt kommt zurück, schwingt sich lässig mit latte auf halbmast wieder zurück zu mir ins bett, schaut mich an und fragt sehr sanft:
"na, wie geht dir da in deiner kleinen morphine-welt? wie fühlst du dich?"
"super", flüstere ich.
da plötzlich blickt mich das tier aus den objektaugen an und sagt:
"dann raus aus den klamotten."

soviel zum thema objektive monogamie. wir hören auf zu denken und überlassen unseren körpern die weitere abendgestaltung. hände und münder gehen auf wanderschaft, tasten, schmecken, berühren, elektrisieren und lieben jede erdenkliche körperstelle. als das objekt kommt, hält es meine hand und ruft laut "oh mein gott, oh mein gott". danach kriecht es in meine arme und umklammert mich.
"oh mein gott", sagt es noch mal und die postkoitalen zuckungen schütteln es erneut. "ich hatte sex."
ich muss lachen. "du hast ständig sex."
"nee", erwidert das objekt, "genau so muss sich sex anfühlen und das hatte ich schon sehr lange nicht mehr."
ich sage nichts, also fragt das objekt nach:
"und du? geht es dir gut?"
"ich habe mich schon deutlich mehr gelangweilt", sage ich sarkastisch. das objekt bricht in lachen aus und meint:
"den spruch muss ich mir unbedingt merken!"

das objekt steht erneut auf, löscht die lichter und bittet mich dann, meinen handywecker zu stellen. die uhr zeigt mir 5:21 uhr.
"scheiße, ist das spät!" sage ich.
"egal", sagt das objekt, "das hat sich gelohnt."
"definitiv."
wir lächeln uns frisch gevögelt an, dann krieche ich in die objekt-arme.
"bitte bitte einmal ganz doll kuscheln", sage ich, und das objekt umschlingt mich auf objektmanier mit armen und beinen, dreht mich auf den bauch und bedeckt mich mit seinem körper. es ist ein bisschen anstrengend zu atmen, aber eben nur ein bisschen, und genau so muss sich geborgenheit anfühlen. das objekt nimmt meine hand in seine und streichelt zärtlich die innenseite meines handgelenks. so schlafe ich ein.

um 12 klingelt mein handy. schlaftrunken krabble ich über das komatöse objekt hinweg und stelle den wecker aus. im zimmer riecht es schlimm nach kiffe. ich mache das fenster auf und gehe zähneputzen. danach kuschle ich mich wieder ins bett. das objekt stöhnt und murmelt etwas unverständliches. es dreht sich zu mir und drückt mir seine morgenlatte in den bauch. das spiel beginnt erneut.

erst als der kirchturm nebenan 13 uhr schlägt, erschrickt das objekt.
"oh nein, meine schicht hat ja schon angefangen."
in windeseile springt es in seine klamotten.
"du kannst gerne noch hierbleiben", sagt es zu mir. "mach dir nen film rein und rauch noch was."
"och nö", finde ich. "ich will nicht den ganzen tag verdaddeln."
"na gut, dann komm. ich bin schon zu spät."
gemeinsamm rennen wir aus dem haus und in richtung klinik. vor dem eingang drückt und küsst mich das objekt noch mal:
"danke für diesen abend und diese nacht."
mit diesen worten drückt es mir ein päckchen in die hand. achja, das hätten wir im rausch der sinne beinahe vergessen.
"danke", sage ich und schwinge mich auf das rad.
"ich habe zu danken", meint das objekt förmlich.
"alter ficker", schmunzle ich und das objekt pufft mich in die seite.
"bis bald", sagt es und fügt hinzu: "und das meine ich auch so."

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Donnerstag, 8. November 2012
der grasflüsterer
"papi war in der apotheke", schnurrt die tiefe objektstimme aus dem telefon.
"oh", sage ich erstaunt. "ich rauche derzeit aber nur unter aufsicht."
"ich pass gerne auf dich auf", erwidert das objekt verheißungsvoll.

und noch bevor ich uiuiui denken kann, rausche ich in die objektive geborgenheitsfalle. das macht sich bemerkbar, indem ich mich kindisch freue und mich sehr wohl fühle.

"dann komm doch vorbei die tage", sagt das objekt ganz sanft.
"mal sehen."
"ich weiß auch ganz genau, wo das zeug herkommt. das ist mit liebe und viel sonne gezogen, mit den pflanzen wurde jeden tag gesprochen."
"haha."
"doch, doch!"
"okay, aber nur so für nen zwanni, ja? ich muss vorsichtig sein."
"du kannst auch in naturalien zahlen."
"untersteh dich."
"ich meinte natürlich in bier."
"du unschuldslämmchen."
"du maus."
"haha, schlag mich, kratz mich, beiß mich, gib mir tiernamen."
"wir ziehen das offenbar gerade von hinten auf."
"du magst es doch von hinten."
"sag mal, bist du juckig?"
"nö, ich bin bloß promiskuitiv, sagt mein therapeut."
"schade, sonst hättest du es dir ja jetzt selber machen können."
"sollte ich das? na gut, ich überleg es mir. du zählst ja sowieso zu meinen lieblings-wichsvorlagen."

dann lege ich schnell auf, bevor die sache eskaliert.

jetzt habe ich wohl ein date. eines mit nebenwirkungen. und garantiert auch mit nachwirkungen.

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Dienstag, 6. November 2012
träumen
als wäre nichts gewesen, nimmt das objekt die alte betreuerrolle wieder ein, schenkt mir zeit, aufmerksamkeit und analysiert die dinge mit großer geduld. ich schreibe es dem dritten, der erstaunt ist und beruhigt:
"ich finde das gut, dass ihr euch wieder versteht. das ist mir wichtig, wenn ich nicht mehr da bin."

ich habe eine gute phase. ich habe endgültig entschieden, meinen job zu kündigen. das objekt bremst mich, es sofort zu tun.
"lass dir zeit, du brauchst erstmal sicherheit!"
da es seine patienten auch in der übergangsphase betreut und unter anderen für deren lebensplanung zuständig ist, überredet es mich, mit ihm und seiner gruppe zum arbeitsamt zu gehen.
"ich wüsste gern mal, für was du alles so der typ bist. wir stöbern einfach mal, okay? ich könnte mir dich für vieles vorstellen... du wärst sicher eine tolle chefsekretärin... oder könntest was mit tieren machen, du bist doch so tierlieb... du könntest fast alles machen, denke ich, wichtig ist nur, dass du dich entfalten kannst mit deinen tausend ideen und deiner speziellen art, den dingen bis zum letzten auf den grund zu gehen."

das objekt denkt selbst darüber nach, sich beruflich zu verändern. im gegensatz zu mir hat es leider keine chancen, sich großartig weiterzuentwickeln. der neuste plan lautet, eine umschulung zu machen und kranführer am hafen zu werden.
"toll, container stapeln", sage ich mit maximaler begeisterung in der stimme.
"du, das ist ein echt verantwortungsvoller job", hält das objekt dagegen. "und besser bezahlt als mein jetziger."
"jaja, und dann sitzt du da in deinem kran, in der einen hand freund smirnoff, in der andere hand ne tüte, und dann erschlägst du mit deinem container fünf arme hafenarbeiter."
"meinst du, die machen drogentests", fragt das objekt.
"könnte ich mir schon vorstellen."
"das muss ich dringend rausfinden", meint das objekt, während ich einen lachanfall bekomme.

manchmal ist das objekt ein kleiner träumer. da nehmen wir einander nichts. aber träume machen stark.

meine machen mich so stark, dass ich meine psychopharmaka abgesetzt habe. ich erhalte warnungen von allen seiten. auch das objekt ist dagegen und erklärt mir mit einer engelsgeduld, warum es völlig unbedenklich ist, das zeug ein jahr oder auch länger zu nehmen.
"jetzt hast du noch den spiegel, aber in zwei wochen gehst du krachen."
ganz unrecht wird es mit der prophezeihung nicht haben. ich habe eine schlaflose nacht nach der anderen. am nächsten tag fühle ich mich hyperaktiv und explodiere bei jeder kleinigkeit. dem azubi gefällt das, weil ich auch der chefetage ständig ungefragt meine meinung an den kopf knalle. das hat konsequenzen. man nimmt mich plötzlich ernst, offeriert mir mein lieblingssushi und eventuelle neue perspektiven. ich finde die kurzfristig gut, weiß aber, dass mich mein weg unweigerlich aus den agenturen wegführen wird und muss.

ich bin klar. ich fühle mich zum ersten mal seit langem wieder wie ein freier, selbstbestimmter mensch und kann meinen job wieder das sehen, was er ist: ein job. kein schicksal. kein lebensglück. nichts essenzielles. sondern etwas vollkommen austauschbares.

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Sonntag, 4. November 2012
like the old days
clubbing. der dritte und ich trinken uns einen an und kuscheln. allen, die fragen, "ist das deine freundin", nickt der dritte freundlich zu und herzt mich dabei.

das objekt ist auch da, ohne objektgespielin, und nutzt den freiraum zum baggern. es ist stark angetrunken.
"noch ein kurzer, und ich dreh frei", seufzt es und lässt sich neben uns in die sessel fallen. es beobachtet mich und den dritten, grinst den dritten zweideutig an und nimmt dann mein lackbestiefeltes bein, zieht es in seinen schoß und streichelt es.
"sollen wir das objekt heute abschleppen?" flüstere ich dem dritten zu.
"ich glaub, der ist heute schon an einer dran", erwidert der dritte.

und tatsächlich kommt kurz darauf ein mädchen und schwallert das objekt voll. dann sitzen sie ganz einträchtig da, das objekt führt abschlepp-frauenversteher-gespräche und das mädchen hat ihre hand auf der objektschulter.

am ende des abends ist das mädchen noch immer am objekt dran. ich bin derweil mit dem dritten auf dem klo, weil dem dritten schlecht ist. als es ihm etwas besser geht, kackt mir der kreislauf ab. so findet uns das objekt, das aufs klo kommt, um eine kurze schwallerpause zu bekommen und sich einen joint anzuzünden. das objekt nimmt uns in die starken arme, dritter links, ich rechts, und eskortiert uns an die frische luft. dann kauft es uns schokolade und füttert uns.
"los, ihr braucht zucker", sagt es ein ums andere mal.
"mir wäre jetzt eher nach salz", sage ich matt, "erdnüsse oder sowas, was den kreislauf in schwung bringt."
aber ich bekomme erdnussverbot, weil das objekt angst hat, dass ich mich übergeben muss und erdnüsse dann sehr unangenehm weil scharfkantig werden können.

"und, schleppst du die olle ab?" frage ich das objekt, als ich wieder munterer werde.
"weiß noch nicht."
"wie würde denn ein guter ausgang des abends für dich aussehen?"
"hm, also mein ziel ist es, dass ich es noch bis zu mc doof um die ecke schaffe. oder wenigstens bis zum döner."
"na dann. sei realistisch und fordere das unmögliche."
das objekt grinst und zuppelt an meinem dekolleté.
"kannst du was dazu beitragen, dass der dritte heute gut nach hause kommt?"
"klar. mutti macht das."
"aber nicht mitnehmen, ja? der muss zu seiner freundin."
"jaja."
der dritte, der unser gespräch mitverfolgt hat, breitet die arme aus.
"los, kommt gruppenkuscheln."
und wir klammern uns einander und stecken die köpfe zusammen. es fühlt sich für einen moment an wie früher, obwohl so viel passiert ist.

dann sagen wir dem objekt tschüß und laufen zum bahnhof.
"neulich hab ich dem objekt ja mal eine wichtige frage gestellt", berichtet der dritte, der derzeit einen guten draht zum objekt hat.
"und zwar hab ich es gefragt, was es denn sagen würde, wenn ihn die gespielin mal betrügt. weil er sie ja auch so oft bescheißt."
"mir gegenüber behauptet er, die objektgespielin sei sooooo nett und normal und er versuche sich in monogamie."
der dritte winkt ab.
"der hat erst letztes wochenende die k.-ex geknallt, weil die stress mit ihrem tollen neuen lover hatte."
"aha. und was hat das objekt nun auf deine frage geantwortet?"
"es meinte, es würde ihm nichts ausmachen. weil es die objektgespielin ja nicht liebe."
ich muss hyperventilieren. auch wenn ich mich inzwischen mit dem wir-sind-gute-bekannte-aber-keine-freunde-status abgefunden habe, verspüre ich einen funken genugtuung.

"nächstes wochenende bin ich zum letzten mal da", wechselt der dritte das thema.
als antwort nehme ich ihn nur fest in die arme.
es tut mir heute schon weh. mehr als das verquere objektverhältnis. mehr als vieles andere. zwischen dem dritten und mir herrscht nämlich etwas besonderes, das alle objekt-querelen überlebt hat. denn den dritten habe ich von herzen gern.

dann fahre ich der aufgehenden sonne entgegen, dieses lied im ohr:

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Sonntag, 28. Oktober 2012
married, with children
und wieder einmal endet ein abend so wie schon so einige.

er war mir schon im foyer aufgefallen. groß, schlank, extrem gutaussehend, overdressed und teuer gekleidet. alleine.

wir kommen schnell ins gespräch. er ist 39, verheiratet, zwei kinder. erfolgreicher schiffbauer, steinreich, gelangweilt. da kommt eine abgebrannte depri-tante wie ich natürlich genau recht.

erst macht er mir komplimente, dann will er mich nach hause fahren, gentleman, jaja, ganz ohne hintergedanken. die hintergedanken hat mir allerdings schon seine rechte schulter geflüstert, die im gespräch immer näher rückte. und die unzähligen kleinen gesten, die nähe herzustellen versuchten.

wir vögeln auf der rückbank im auto. er findet das irre und fühlt sich wie 17. ich finde das ganz nett und muss die ganze zeit dran denken, dass ich wieder im alten schema gelandet bin. sogar fahrzeugklassentechnisch: mercedes c-klasse, ledersitze. aber ein schwanz ist ein schwanz ist ein schwanz.

am ende erklärt er lang und breit, dass das alles keine absicht war und er sich nie hätte vorstellen können, dass ihm sowas passiert. ich winke ab und meine, das sagen sie alle. er fragt mich, ob ich ihn für unmoralisch halte. ich erwidere, dass die frage nach der moral nichts anderes als eine saublöde manifestation des schlechten gewissens ist. und dass, bevor man von moralisch oder unmoralisch redet, vielleicht erstmal für sich wissen sollte, was moral ist und ob man sie braucht.

er ist ein bisschen verstört, findet mich krass und klug und fragt dann, ob wir uns wiedersehen.
ich lache und steige aus.
soweit kommts noch.

ihr seid alle keine prinzen. und die märchenstunde ist längst vorbei.

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Montag, 22. Oktober 2012
radwege in hamburg
radwege in hamburg werden von folgenden gruppen für folgende zwecke genutzt:

von autofahrern:

... als parkplatz*
... als auslade-ablagefläche nach samstagseinkäufen*
... als werkstatt-zone für den reifenwechsel*

von lastwagenfahrern:

... als zusätzliche fahrbahn, wenn man in der kurve den umfang / den ausscher-winkel des eigenen fahrzeugs falsch einschätzt***
... als stellplatz bei umzügen*

von fußgängern:

... als roter faden für hormongesteuerte muttis mit kinderwagen**
... als behinderten-humpel-zone**
... als zweidimensionale ausnüchterungszelle bzw. -strecke**
... für ein kaffeekränzchen*
... als geeigneter ort, um dem kind die jacke zuzumachen oder die schuhe zu schnüren**
... um mülltonnen abzustellen*

von bäumen:

... als idealer ort, um wurzeln zu schlagen***
... um nachts straßenlaternen abzudunkeln und unfälle zu provozieren***

von radfahrern:

... um andere radfahrer durch langsam-fahren zu ärgern*
... um kinder in entsprechenden fahrradaufsätzen als airbag / fleshbag zu missbrauchen**
... als ausweichzone, wenn man weder auf der straße noch auf dem fußweg fahren kann

legende:
* um radfahrer ganz doll zu ärgern
** um sich selbst oder dritte (oftmals kinder, i.d. regel die eigenen)zu töten, radfahrer dient dabei als waffe / knautschzone
*** direkte mordabsicht am radfahrer

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Freitag, 19. Oktober 2012
krankenlager
die lederjacke ist krank. sportunfall beim boxen, vermutlich bandscheibenvorfall. zwei zuckersüße wochen krankschreibung.

ich begleite die humpelnde lederjacke in die apotheke.
"morphine, kannst du mir erkären, was mir mein arzt da verschrieben hat?" hält mir die lederjacke zwei rezepte vor die nase.
"schmerzmittel. das eine wirkt einfach nur als painkiller, das da ist ein muskelrelaxer und das, na, das kennst du, ibu eben, das ist auch ein bisschen entzündungshemmend."
"oh nee, von ibu wird mir immer schlecht."
"na, ibu ist im vergleich zu den beiden anderen harmlos. das da sind benzos, damit wäre ich vorsichtig. das macht schummrig und wacklig und müde."
"nimmst du sowas auch?"
"naja, nicht offiziell. ich kriege das von jemandem, der in einer klinik arbeitet und mir das bei bedarf klaut."
"praktisch, praktisch."

als wir an der apotheke stehen, ist die lederjacke ganz fahl vor lauter anstrengung und schmerzen.
"danke, dass du mitgekommen bist", sagt sie.
"na hör mal. du hast mich auch schon an schlimm-depressiven tagen erlebt. und wenn ich was kenne, dann sind das rückenschmerzen."
"bleibt das so, wenn das ein bandscheibenvorfall ist?"
"ich habe eigentlich immer schmerzen. meist leichte, die merke ich nur, wenn ich länger sitze oder stehe. manchmal aber ist es auch schlimmer und ich komme morgens nicht aus dem bett oder ich habe wochenlang kopfschmerzen."
"oh gott, oh gott", stöhnt die lederjacke.
"jetzt mach dir mal keinen kopf", sage ich. "lass erstmal das mrt machen."
"da hab ich ja überhaupt keinen bock drauf."
"dann lebst du halt weiter in ungewissheit."
"du bist ganz schön schroff", findet die lederjacke.
"ist es mein körper oder deiner?" frage ich zurück.
"naja, hast ja recht. danke fürs schubsen. machst du ja auch schon bei meiner promotion."

dann wackeln wir mit einem sack pillen wieder zurück in die wg. die lederjacke ist dankbar, als ich sie ins bett dirigiere und dann die erstdosierung der medikamente übernehme.
"du weißt so viel über arneimittel", meint die lederjacke mit staunen in der stimme.
"ja, meine mom hat früher in einer apotheke gearbeitet."
"ich meine das jetzt nicht als kompliment, du."
ich puffe die lederjacke leicht in die seite, aber schon krümmt sie sich zusammen.
"aua, du bist ja brutal."
"sorry. war doch gar nicht so doll."

nachdem die painkiller wirken, meint die lederjacke selig:
"jetzt würd ich mir gern einen brennen."
"untersteh dich", warne ich.
die lederjacke sieht mich bedauernd an.
"es tut mir so leid, dass ich so langweilig bin."
"macht nichts. bei passender gelegenheit schluchze ich wieder in dein hemd oder halte dich mit meinem alptraum-gezappel nachts wach."
"okay, deal", findet die lederjacke.

dann schlummert die lederjacke ein, ich küsse sie sachte auf die wange, nehme meine jacke und mache mich leise auf den weg nach hause.

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Samstag, 13. Oktober 2012
beckenbodenplastik
beruflich betrachtet verticke ich alles, was gesund, schön und schlank macht, und damit indirekt reich, mächtig und glücklich. auch beckenbodenplastiken (gut für ausgeleierte muttis nach geburten, die ihr sexleben noch nicht an den nagel hängen wollen und gleichzeitig was gegen inkontinenz brauchen) gehören ins leistungsspektrum.

nach einem skurrilen kundengespräch mit einem schon recht betagten gynäkologen träumte ich dann einen sehr strangen traum: eine unheimlich fette alte frau lag im op-saal und bekam eine beckenbodenplastik. dafür versenkte der gynäkologe erstmal ein riesenspekulum in ihrer möse. theoretisch hätte das ding wieder aus ihrem hals rauskommen müssen, tat es aber nicht. dann schnippelte der arzt eine weile, bevor er die möse stück für stück einfach zunähte. ich guckte wohl so, wie ich auch im nichttraum gucken würde, denn der arzt lachte und meinte, das würde natürlich nicht alles komplett zugenäht. da müsse ja auch noch was reinpassen. mir schwante übles, dann zog er auch schon seinen schwanz aus der op-hose und ging zur "anprobe" über.

als ich aufwachte, war mir immer noch ein bisschen schlecht. und als wäre das noch nicht genug, gähnte mich miss kittin mit schwerem hühnchen-lachs-mundgeruch an.

wenn ich dem kunden wieder begegne, werde ich immer an das riesenspekulum und den schwanztest denken müssen.

leute, so kann ich nicht arbeiten.

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Sonntag, 7. Oktober 2012
betrunkene und andere wahrheiten
zeichen und wunder, klappe II

ich habe beschlossen, dass es ein teurer abend wird. zunächst das covenant-konzert. ein bisschen kultur muss ja sein. wenn die halbe welt verreist und auf festivals weilt, muss man wenigstens den heimvorteil nutzen und mitnehmen, was geht.

ich komme erwartungsfrei zum konzert und bin in neutraler laune. covenant spielen vorwiegend neu aufgemotzte ältere sachen. der sound ist anfangs schlecht eingestellt, zu viele höhen, ich kriege zunächst kein feeling, aber irgendwann springt der funke über. eskil wirkt hyperaktiv wie immer, kommt dann aber runter und beginnt nach vielen vielen "can you feel it" den faden zur konzertmission zu spinnen. wovon träumst du? wer bist du? wohin gehst du? wo möchtest du jetzt gerade sein?
meine eine ist froh, hier am platz zu sein, auch wenn die überbordernde sehnsucht durch solche fragen neuen treibstoff bekommt. neben mir steht ein schöner mann, der mich anguckt, ich gucke zurück. dann entdecke ich den ehering. neuerdings schreckt mich das. ich will raus aus den alten mustern, auch wenn die verheirateten-nummer immer noch hervorragend easy klappt.

später treffe ich ein paar bekannte im foyer. eigentlich bin ich müde und krank, lasse mich dann aber noch breitschlagen, auf die aftershow-party zu gehen. eskil wolle auch noch kommen, wissen die insider, das lockt mich zusätzlich. vielleicht würde ich mich ein wenig unterhalten können und herausfinden, ob covenant ein neues album planen. dann könnte ich darüber schreiben. networking ist ja das a und o in meinem job. also gehen wir zusammen zur s-bahn und fahren nach altona. zwischendurch ruft mr. shyguy an.
"wir fahren noch in den club", informiere ich ihn.
"och nööö... wir sind auf dem kiez. im club ist doch heute sonst keiner."
"was meinst du damit?"
"naja, k. wollte mit kollegen losziehen, t. hat nachtschicht und das objekt ist pleite und muss auch arbeiten, soweit ich weiß."
"das ist doch ganz hervorragend", finde ich. "das heißt, ich kann entspannt feiern."
mr. shyguys missbilligung ist unüberhörbar, aber meine eine ist happy. kein objekt, das bedeutet kein geglotze und keine seelischen zwiespalte.

doch als wir den eingang passieren, steht da wider erwarten das objekt-fahrrad. drinnen, drei meter hinter dem eingang, kommt mir gleich der dritte entgegengestürmt und umärmelt mich wild.
"na, schöne frau, wieder mal alleine da?"
ich nicke.
"macht nichts, ich auch!"
der dritte nimmt mich mit nach hinten, um eine zu rauchen. wir kuscheln ein wenig. das objekt steht schräg gegenüber an der bar und unterhält sich, aber ich merke, dass es uns beobachtet.
"du wirst mir verdammt fehlen", sage ich zum dritten, der zusammen mit der drittefreundin wegziehen wird.
"vorher will ich aber noch, dass du wieder mit dem objekt redest."
"ich will keine freundschaft mehr, das übersteigt meine kräfte."
"aber reden könnt ihr doch trotzdem miteinander. das objekt braucht dich. du bist die einzige, die den mumm hat, ihm konter zu geben, und der er das vor allem auch verzeiht."
"hör auf mir zu schmeicheln."
der dritte nimmt mich in den arm. ich fühle seine wärme und rieche seinen duft. er war mein jüngster lover, verdammt, und bald ist er weg.

wir trinken zusammen ein paar kurze, dann wanken wir auf die tanzfläche. kurz darauf findet sich auch das objekt ein. wir ignorieren einander angestrengt und eisern. der dritte muss darüber schmunzeln und stupst abwechselnd mich und das objekt an. doch wir bleiben beherrscht und wagen keinen blick.
"ihr seid voll der kindergarten", lacht uns der dritte aus. "in sachen sturheit nehmt ihr euch absolut nichts."

dann werde ich abgelenkt, als mich eine junge frau anlächelt und kurz darauf auch anspricht. wir gehen zusammen rauchen und trinken einen caipi. inzwischen bin ich reichlich angeschickert.
"sag mal... rauchst du eigentlich nur zigaretten?"
ich muss einen augenblick nachdenken, was sie meint.
"nein, ich rauche auch ständig crack und heroin."
die frau lacht.
"naja, weißt du, wir könnten doch mal kurz rausgehen. ich hab was dabei."

draußen nieselt es.
"pfui", sage ich. meine neue bekanntschaft nimmt mich daraufhin in den arm und rückt ganz nah an mich heran. sie riecht gut, also lasse ich sie gewähren.
sie dreht einen joint und reicht ihn mir dann.
"bitteschön. du darfst anrauchen."
"ich hab aber keine ahnung, wie sich das mit meinen psychopharmaka verträgt."
"was nimmst du denn?"
ich nenne ihr meine medikamente.
"witzig, das eine nehme ich auch."
"wie, hast du auch depressionen?"
dann erzählt sie mir ihre geschichte. mit 18 schwanger geworden, inzwischen drei kinder, zwischendurch die ausbildung zu ende gemacht, wegen der kinder aber keinen job bekommen, immer abgebrannt, weil zwei von drei kindsvätern nicht zahlen und der dritte versucht, ihr das sorgerecht wegzunehmen.
"da kann man schon mal durchdrehen", finde ich.
"ja, aber dann schau ich mir meine kinder an, und dann sag ich mir, kinder sind das licht der welt... ich bin so stolz auf die drei und auch auf mich, dass ich es trotzdem immer irgendwie schaffe."
"solange du dir kein viertes kind von irgendeinen idioten andrehen lässt."
"nein, im moment will ich keinen mann mehr."
aha. nachtigall, ick hör dir trapsen.

wir sitzen eine dreiviertelstunde im nieselregen, dann stelle ich fest, dass ich total ausgefroren bin. ich will wieder rein. der joint hat einen angenehmen nebel um mich gepackt. als ich aufstehe, kann ich mich kaum auf den beinen halten.
"war das zu viel", fragt die frau besorgt.
"geht schon", antworte ich.

drinnen wird die frau schon von ihren freunden gesucht, die langsam aufbrechen wollen. die frau verabschiedet sich, nicht ohne mir ihre telefonnummer aufs auge zu drücken und mir das versprechen abzunehmen, dass wir uns wiedersehen.
"ansonsten könnte ich natürlich noch bleiben, aber dann komme ich nicht mehr nachhause", sagt sie.
das geht mir jetzt doch ein bisschen schnell. eine fremde durchgeknallte mutti mit vermutlich sexuellen absichten in meiner wohnung zu beherbergen übersteigt meinen aktuellen spontanitätsgrad. ich gehe nicht weiter drauf ein, und die frau deutet mein schweigen richtig.

als die frau weg ist, merke ich, wie unheimlich breit ich bin. ich kann nicht mehr richtig tanzen, alles dreht sich.
als ich um die ecke schwanke, wird mir schummrig und ich klammere mich am nächsten mir entgegenkommenden menschen fest. der riecht gut und vertraut. da funkt die erkenntnis in mein schwindendes bewusstsein: ich halte das objekt im arm.
das objekt lächelt mich nicht weniger betrunken an und sagt dann verschmitzt "hallo".
"oh, scheiße, also ich mein, du bist ja auch besoffen", sage ich sehr clever und will das objekt loslassen. doch es zieht mich fest an sich und drückt mich, bis mir die luft wegbleibt.
"morphine", sagt es in mein haar und für einen moment fühle ich mich geborgen wie in abrahams schoß.
dann beginnt sich das objekt aus der umarmung zu winden und stottert:
"ich kann das nicht... ich darf das nicht... ich meine, ich weiß, dass ich das nicht verdient habe. ich hab dich einfach nicht verdient."
in seinem blick spiegeln sich panik, schuld und abwehr, und ich frage mich, warum ich die einzige von uns beiden bin, die einen amtlich bestätigten dachschaden hat. ich halte das objekt fest und zwinge es, mir in die augen zu sehen.
"es ist alles gut... hörst du?!"
das objekt nickt, aber die angst in seinen augen bleibt.
"ich muss gehen", sagt es und flüchtet richtung tanzfläche.

ungefähr eine stunde später, als die lichter angehen, treffen wir zum zweiten mal aufeinander. ich komme gerade nach draußen in den hof, als das objekt sein fahrrad aufschließt.
"morphine", ruft es mir zu und kommt dann ganz nah. es ist noch betrunkener als vorhin, und auch mein alkoholpegel hat sich noch nicht wirklich gelichtet.
"na, wen hassu heute abgeschleppt?" fragt mich das objekt wie einen alten kumpel.
"gaakain. die frau wollte mit, aber ich wollt die nich in meiner wohnnng."
"die habch gesehn. die war abba sssehr... anhänglich."
"diess nett! aber die willwasss... von mir."
das objekt findet das süß und kichert wie schulmädchen und gibt anschließend seine story des abends zum besten:
"hassu die gaaanz dicke frau da vorhin gesehnnn? die fragte mich, obch heute ssu dritt nach hause will."
ich lache laut. "wer waaann der dritte? warse schwanger? oda zwilling?"
"nee, dasss waaa... ihre freundin. die waa ganz hübsch, aba die wollt dann nich. aba ich wollt ja aunich. aba die dicke wollt ebn, alleine. und ich dacht so, scheiße, wie werd ichn die wieda los?"
"unndann!"
"dannnn... habch gesagt, ich bin voll, ichglaubch krieg heut kein mehr hoch. aba das hat sie üüüübahaup nich abgeschreckt!"
"unndann!"
"sie so, ich mach dassss... ich krieg den bei allen typn hoch, du kannsss allss von mir habn wassu willz..."
"neeeiiinn, echdez?!"
"dannn habchh gedach, so, dann bisse mal n arschloch."
"jaja, dasss kannsuu ja besonders gut."
"ja, passauf... allso sachich, okay, dann willch n ordentlichn tittenfick. aba dazu mussu echt titten habm, die voll in ordnung sinn, also vonner konsistenzzz."
ich kann mich inzwischen vor lachen nicht mehr auf den beinen halten und lehne an einer hauswand.
"unndann!"
"unnndann habch noch gesagt, aba ich will dabei fernsehn könn... also mussu den tittenfick so machn, dass das nich stört, mitm kopf zwischen den bein und so... das daaaf dann nichim bild sein und so...", kichert das objekt haltlos.
"unndann!"
"das hati alles üüüübahaup nich abgeschreckt. sie hat mia dann ihre telfffonnumma gegebn."
"isnichwaa!"
"unndann isse mir den gaaaaanzen ammmd hinterher... unnu beim gehn hattse mich gefragt, hassu meine numma noch? und alzich dann meinte, nee, habich weggeschmissen, daaaaaaaaann warse aba gepisst."

wir lehnen inzwischen beide an der hauswand und lachen, bis uns die tränen kommen, obwohl die story nüchtern betrachtet nicht mal so sehr komisch, sondern einfach nur arschlochmäßig ist.
"morphine", sagt das objekt wieder und nimmt mich in den arm.
"wo schläfstu heute?"
"suuhause. bei meiner katze."
"ach."
"ich muss... nachhause, die katze hat hunger."
"jaja... sachma, gehtn das? du torkelss mir zu sehr."
"muss."
"wievilll geld hassn noch?"
"weißnich... drei, vier euro?"
"weißu was, ich geb dir geld unnn du fährss bessa mitm taxi."
"das geht nich. daassu teuer."
"wie vielll issn das?"
"fünnunffzwannzich euro odda so."
das objekt kramt in seinem portemonnaie.
"nein, du, ich will dasnich. du hass doch aunix, unndu hass n kind."
aber das objekt steht schon auf der straße und wirft sich vor ein ankommendes taxi, das daraufhin eine vollbremsung machen muss.
"brinngsie die junge dame sicher nachhause", befiehlt das objekt dem taxifahrer. "bisss... voa die hausstür, ja?!"
es steckt dem taxifahrer 30 euro in die weste und schubst mich in den wagen.
"keine widerrede, madame."

das objekt schwingt sich auf das fahrrad und schwankt damit über die fahrbahn. der taxifahrer schüttelt den kopf. ich denke mir meinen teil. und bin doch ganz happy. welcome back, absolute madness. morgen muss ich das unbedingt dem dritten erzählen...

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