Montag, 22. April 2013
letzter sonnentag
letzter urlaubstag. ein tag nur für mich alleine, irgendwo zwischen entspannung und innerer unruhe.

neue passion für hüttenkäse entdeckt. und für frische sojabohnen mit meersalz. das popcorn der japaner.

die übergabeaktion gestern ist leider gescheitert. ich wollte das objekt an der klinik überfallen und ihm seine klamotten entgegenschmeißen. leider hatte es nicht wie angenommen spät- sondern nachtschicht und ich stand mir in der kälte die beine in den bauch. ich vermute, das war der göttliche hinweis, dass ich das ganze doch lieber etwas weniger krawallig finalisieren sollte.

nachts wild geträumt. mit der u-bahn von wittenberge nach berlin gefahren. überhaupt ging in wittenberge die post ab. die hatten da ein wahnsinnsschwimmbad mit integrierter diskothek. feinster elektro. an den wänden die irrsten lichtspiele. durch den u-bahn-anschluss, erfuhr ich, sei wittenberge jetzt wieder total in. vielleicht sollte ich mir eine wohnung in wittenberge kaufen. billig muss es ja sein, in so einer schrumpfenden kleinstadt. und vielleicht kommt ja eines tages der u-bahn-anschluss nach berlin.

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Sonntag, 21. April 2013
inbetween feelings
das erste komplette wochenende seit langem mal wieder in hh. fühlt sich ganz fremd an. morgens, wenn ich aufwache, weiß ich nie, wo ich bin. in meinem alten kinderzimmer? beim kleinen punk? in einem hotel? oder doch zuhause? es fühlt sich verwirrend an, aber verwirrung ist gut gegen depressionen, stelle ich fest. man muss sich nur kräftig genug aus der bahn kicken. vielleicht schafft man dann den richtungswechsel.

ich habe dem kleinen punk versprochen, dass er mich bald mal besuchen darf, meinen eltern, dass ich auf mich aufpasse und erfolgreich sein werde und mir selbst, dass ich weiterhin möglichst nahe an der richtigen spur bleibe. das heißt, zwei wichtige, anstrengende projekte durchzuziehen, die mir ein zweites finanzielles standbein bescheren könnten, weiterhin streng bei der auswahl meiner freunde zu sein und dabei die sache mit dem objekt friedlich, aber bestimmt zu ende zu bringen.

letzteres bereitet mir bauchschmerzen. noch steht die finale übergabe der letzten sachen an. ich hatte dem objekt eine freundliche, aber deutliche nachricht geschickt, dass ich meine sachen in kürze zurückhaben möchte und dass es doch bitte wählen soll, ob es mir die eben per post schickt oder ob wir uns nochmal treffen. keine antwort. am liebsten würde ich ihm seine klamotten in nem müllsack vor die tür schmeißen.

mach ich vielleicht auch.
am besten noch heute.

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Mittwoch, 17. April 2013
burg und bett
als ich sonntag lande, schreibt mir auch schon der kleine punk. er hat herausgefunden, wo ich wohne und will sich mit mir treffen. ich bin geschmeichelt über so viel engagement, vertröste ihn aber auf den nächsten tag.

am montag verabreden wir uns zum kneipenbesuch. ich hole den kleinen punk mit dem fahrrad ab. zum ersten mal sehen wir uns nüchtern. er ist ein langes, dürres elend mit einem jungenhaften, hübschen gesicht. hübscher als ich es in erinnerung hatte. ich starre ein bisschen zu lange, er lächelt entschuldigend und verschmitzt zugleich:
"bist du jetzt enttäuscht?"
"nein, du bist einfach sehr jung", sage ich. "ich fühle mich gerade wie ne alte frau neben dir."
er lächelt ein lächeln, das ich nicht deuten kann, also machen wir uns einfach auf den weg.

nach einer knappen halben stunde kommen wir am ziel an. die kneipe ist voll, alle leute sitzen auf der straße. ich hole uns bier, weil der kleine chaot nur zwei euro in der tasche hat und total pleite ist. ihm ist das unangenehm, doch er freut sich.
"das ist der vorteil an alten damen, die können sich schon selber versorgen", sage ich.

wir sitzen nebeneinander auf dem pflaster im dreck, trinken, grinsen verlegen und gestehen einander dann ein, dass man jetzt gerne was zu rauchen hätte. das bricht das eis und die unterhaltung kommt ins fließen. der kleine punk beobachtet mich dabei sehr vorsichtig wie ein seltenes tier unter dem mikroskop. ich fühle mich blank, bin mir meiner falten und augenringe überdeutlich bewusst.

dann werden wir vom bürgersteig gekehrt, weil es 23 uhr ist und die anwohner sonst wegen der lärmbelästigung auf die barrikaden gehen.
"wohin?" frage ich.
"lass uns doch zur burg hinaufgehen", schlägt der kleine punk vor.
einträchtig schieben wir die räder nebeneinander her und sagen nichts.
"du sagst gar nichts", stellt der kleine punk irgendwann fest.
"gemeinsames schweigen kann von enormer zwischenmenschlicher qualität sein", konstatiere ich.
der kleine punk schaut mich bewundernd an:
"du sagst immer so schöne, kluge sachen."

oben angekommen stehen wir an der burgmauer und schauen auf die stadt. ich merke, wie unsere körper sich näherkommen, wie sich erst unsere ellenbogen, dann die schultern berühren. die nacht ist lauschig und ich kann seinen duft schnuppern. kein parfum. kein rasierwasser. einfach nur dieser jungsgeruch. schlicht und schön.

auf dem rückweg tut der kleine punk, als würde er stolpern, fängt sich an mir auf, nimmt mich dann kurz in den arm und lässt mich gleich wieder los. seine augen blitzen, dann schaut er verlegen zur seite. ich muss an den dritten mann denken, der zwei jahre jünger als der kleine punk ist. auch er ist ein meister dieser kurzen blicke, dieser augenblitze.

weil der kleine punk am nächsten morgen früh uni hat, radeln wir kurz darauf wieder gen grüne vorstadt. ich setze den kleinen punk zuhause ab.
er nimmt mich zum abschied kurz in den arm und sagt dann schüchtern:
"möchtest du mich mal besuchen?"
ich muss grinsen und nicke.
der kleine punk strahlt zurück und gibt mir einen kleinen kuss, weicht dann aber respektvoll zurück.
"wann?" fragt er.
"hm, donnerstag?" sage ich.
"hm", guckt er betrübt. "wie wär´s mit morgen?"
ich muss lachen.
"von mir aus."
"aber nicht so früh", rudert der kleine punk zurück, "ich muss erst noch aufräumen."
ich haue ihm auf den hintern und ziehe vondannen.

am abend darauf schlage ich bei dem kleinen punk zuhause auf. offenbar hat er aufgeräumt, für mich nicht erkennbar, aber er steht in seiner butze und sagt schwärmerisch:
"so schön leer hier jetzt."
er zeigt mir seine reptiliensammlung, dann macht er tee und kocht für mich.
"wow", sage ich, "du legst dich aber ins zeug."
"du hast doch mal gesagt, du magst gutes benehmen."
"du erinnerst dich an viel, was ich mal so gesagt habe."

wir essen auf dem balkon, dann sitzen wir rum und starren in die kerze, die der kleine punk angezündet hat. irgendwann rutscht der kleine punk etwas näher und gibt mir einen kuss. und noch einen. dann schaut er wieder unsicher, bis ich frage:
"willst du dich ankuscheln kommen?"
der kleine punk nickt ernst. ich breite meine arme aus und er kuschelt sich an meine brust. als ich ihm über das wirre haare streiche, schließt er die augen und klammert sich an. ich streichle sanft sein gesicht und seinen nacken, während er ein glückliches lächeln lächelt.

dann greift er meine hand und nimmt sie in seine, lässt die finger über mein handgelenk und dann den arm hinauf wandern. ich kriege erst gänsehaut und dann das große kribbeln. ziemlich unvermittelt steht eine große sexuelle spannung im raum, die sich unmittelbar darauf ziemlich heftig entlädt. der kleine punk zieht mich nach drinnen, wo wir uns die klamotten vom leib fetzen und auf der couch niedersinken. der kleine punk kommt nach ungefähr zwei minuten, während mir plötzlich auffällt, dass er mich in der gleichen stellung fickt wie zuletzt das objekt. schwupp, ist mein kopf woanders und ebenso schwuppdiwupp bin ich entlarvt.

"woran denkst du", löchert mich der kleine punk.
"nichts weiter."
"doch, du denkst an was und wenn ich richtig liege, war das nichts gutes."
ich schweige.
"also du musst es nicht sagen", schiebt der kleine punk nach. "aber ich frage mich natürlich schon, was deine obsessionen und auch deine narben auf der seele sind."
"okay, wenn du es so dringend wissen willst: ich hatte vor ein paar wochen sex mit jemandem, der eigentlich mein bester freund war und dem ich die freundschaft jetzt aufgekündigt habe, weil ich das so nicht wollte, obwohl ich den sehr gerne hatte."
"ist immer doof, so ne situation", sagt der kleine punk gelassen. "meine exfreundin war auch immer eifersüchtig auf meine weiblichen freunde... klar liegt da immer ne spannung in der luft und ich glaube, das ist auch der grund, warum ich so gerne frauen als freunde habe."
"ich habe mehr männer als freunde. wobei viele davon exficker sind."
der kleine punk grinst:
"ist bei mir ähnlich."

"find ich cool, dass du so entspannt bist. ich mag keine eifersüchtigen männer. sowas erdrückt mich", erkläre ich.
"wir sind ja in keiner beziehung", führt der kleine punk aus. "also wenn ich mich dann mal dafür entscheide, dann will ich auch treu sein. sonst kann man das ja gleich lassen."
"klingt, als glaubtest du noch an die große liebe."
"ja, klar. du nicht?"
"nee, nicht mehr."
der kleine punk schaut ein bisschen entsetzt, also schiebe ich nach:
"aber ich finde das total schön, dass du das noch kannst. aber ich hab zu viel erlebt und ich merke das daran, dass ich mich auch nicht mehr verlieben kann."

da nimmt mich der kleine punk einfach in die arme und hält mich ganz fest, bis ich mich entspannt habe und schläfrig werde.
"wollen wir ins bett?" fragt er.
"ich bleibe nicht bei dir, ich fahre nach hause."
der kleine punk ist ein bisschen enttäuscht, aber ich halte an meinen vorsätzen fest, nicht zu viel nähe, bloß nicht wieder so eine objektgeschichte.

auf dem fahrrad atme ich tief durch, fülle meine lungen mit dieser duftenden frühsommernacht und halte dieses unglaublich schöne gefühl fest, das da langsam pulsierend aus meiner brust richtung kopf steigt.

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Sonntag, 14. April 2013
objektlos
nachdem ich das objekt vor drei wochen per böser sms die freundschaft gekündigt habe, stand gestern das erste clubbedingte aufeinandertreffen an.

das ganze gestaltete sich recht einfach, da einige freunde anwesend waren, der dj schlechte musik auflegte und ich in nullkommanix betrunken war, nachdem mir der barmann einen kurzen nach dem anderen aufdrängte. der kleine punk schrieb mir zwischendurch eine sms, dass er ebenfalls auf einer miesen party sei, nüchtern noch dazu, da er mit dem motorrad unterwegs war. ich schrieb zurück und mr. shyguy wollte wissen, wem ich da schreibe und ob der angeschriebene etwas mit meinem ausgeglichenen und gesunden äußeren zu tun habe.
"auch", sagte ich und dachte an den freund.
"hast du schon gehört, das objekt will jetzt vielleicht doch mit der objektgespielin zusammenziehen."
ich lachte in mich hinein, dachte, opportunistenschwein, und meinte:
"soll er doch."
"das macht dir gar nichts aus?" fragte mr. shyguy zurück.
"er will raus aus dem wohnheim und ne richtige wohnung. das anliegen besteht, seitdem er gemerkt hat, dass so ein zimmerlein zusammen mit kind schwierig ist. nachdem mein angebot jetzt gestrichen ist, greift er nach dem nächstliegenden strohhalm. so ist das objekt nunmal gestrickt."
mr. shyguy bemerkte, dass ihn meine ruhe beeindrucke, und ich fügte hinzu, mich auch. dann lächelten wir uns an und schauten in die kleine runde.

irgendwann beschloss ich, dass das alles zeitverschwendung sei, holte meine jacke und radelte weit vor ende der veranstaltung nach hause.

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Samstag, 13. April 2013
without herzklopfen
ich verliebe mich ja nicht mehr. und ist ein mann erst einmal mein, verliere ich in der regel das interesse. herzklopfen und dann aus.

das ändert sich offenbar auch nicht mehr. gestern, beim fünf-sterne-essen mit dem freund, überfielen mich leichte fluchttendenzen. ich merkte: ich bin schon wieder nicht verliebt. aber der freund tut trotzdem gut. meine seele ist derzeit so intakt, dass ich endlich wieder mit 8 stunden schlaf auskomme anstatt wie sonst 12 oder 13. ich habe also die konsequenzen gezogen und mich für die vernunft entschieden. ich bleibe. auch ohne schmetterlinge im bauch. vielleicht ist das ja die nachhaltigere art der liebe.

das einzige, was mir derzeit wildes herzklopfen verursacht, ist autofahren. das bekommt mir überhaupt nicht mehr. mir wird sofort schrecklich und anhaltend schlecht. das wird schwierig, da wir ende des monats einen großen journalisten-event haben, den ich leiten muss. 500 km autofahren. das heißt, mindestens fünf stunden übelkeit. und darauf dann champagner und häppchen. ich hoffe, ich kotze keinem der gutangezogenen schnöselmeiers aufs jackett.

vorher aber noch mal schnell in den süden der repulik, meinen eltern das lieb kind machen und vielleicht einen exzess mit dem kleinen punk (der ex-ons) einlegen.

monogam bin ich ja immer noch nicht. egal ob herzklopfen oder nicht. das ändert sich dann erst nach einem herzstillstand.

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Dienstag, 9. April 2013
event-crashing
berlin. acht konzerte, eine party, dreieinhalb freunde, und das alles in 48 stunden. neuruppin forever nicht als film, sondern in form von stau erlebt. nunja. man kann nicht alles so schnell haben wie die geschwindigkeit der zeit, die nur so verfliegt, wenn man glücklich ist.

der freund wird mehr. immer mehr. ich schwanke in meinen emotionen, schwelge zwischen geborgenheit und latenter platzangst. gleichzeitig hat sich ein ex-ons wiedergemeldet, der sich nun doch von seiner freundin getrennt hat. auch mit ihm werden die gespräche länger, die abende später, der schlaf weniger. das wirkt sich negativ auf den serotoninspiegel aus, aber positiv auf das beendete objektverhältnis.

insgesamt ist alles anders. aber ich bin noch immer ich. mit denselben ängsten, nöten und träumen. und ich hoffe, dass ich damit niemandem das herz brechen werde.

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Freitag, 5. April 2013
freunde bleiben
"ich denk an dich", gesteht mir der freund. und: "ich fand das wochenende mit dir sehr schön."
dito, muss ich zugeben.

es wird schwer, freunde zu bleiben. denn da war ein kuss. oder zwei. und das, obwohl wir uns seit sechs jahren kennen.

wir spinnen rum und träumen. das können wir beide gut. obwohl der freund so ein manager-macker ist, die mir in den letzten jahren suspekt geworden sind. obwohl ich so gestört bin und weiß, der sichere hafen ist für mich nur ein goldener käfig.

zusammen essen gehen, nächste woche. weil ich sushi möchte.
zusammen in urlaub fahren. weil es der freund sich wünscht.
zusammen alt werden. wenn gott will.

sicher ist nur eines:
ich hab so ein verdammt schönes kribbeln im bauch, wenn ich dich im kopf habe.

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Montag, 1. April 2013
einfach nur schön
am donnerstag bin ich schon morgens in der arbeit fast am heulen und überlege die ganze zeit, ob ich wieder in die psychiatrie gehen soll. aber mich mit pillen vollstopfen lassen ist nicht das, was mir vorschwebt, also lasse ich es. irgendwie überlebe ich bis samstag, dann setze ich mich in den zug und fahre einfach weg. zu einem freund.

der freund holt mich am bahnhof ab. er findet, dass ich gut aussehe und so, als hätte ich keine probleme. ich lächle angestrengt, bis wir zuhause sind und gegessen haben.
"dann erzähl mal", sagt der freund.
und ich fange an zu blubbern. von den zwischenmenschlichen katastrophen der letzten wochen. von der großen erschöpfung und meinem ständigen kreiseln um weiterleben oder lieber nicht weiterleben wollen sowie dem unerklärlich überzeugendem gefühl, bald sterben zu werden.

der freund hört zu und schaut mich dann ein bisschen erschüttert an.
"du bist ziemlich am ende, hm?"
ich nicke und mir steigen die tränen in den augen.
"und du klingst so, als ob dir der gedanke an den tod überhaupt nichts ausmacht. das würde auch erklären, dass du dein leben und deine gesundheit so aufs spiel setzt."
ich nicke wieder und die erste träne tropft aus meinem linken auge. ich wische sie energisch weg.
"weißt du, was dein problem ist?" fragt er. "du hast lauter menschen um dich herum, die dir deine energie wegfressen."
die tränen beginnen, mir über die wangen zu laufen.
"nicht heulen, bitte, ich kann doch keine frauen weinen sehen", schmunzelt der freund. da muss ich lachen und dann doch leider weinen, und der freund lässt mich einfach, streichelt meine haare und gibt mir irgendwann ein taschentuch und einen aufmunternden blick, der mir sagt, putz dir die nase und schau auf die schöne seite des lebens.

der freund ist in der glücklichen situation, glücklich zu sein. er hat seine frau und seinen alten dunstkreis verlassen und hat sich eigene, neue freunde gefunden. er hat mit sport angefangen und überhaupt sein ganzes leben neu aufgestellt.

wir gehen aus und ich lerne seine clique kennen. ich lerne seine kinder kennen, zwei wunderbare menschen, die nur ein paar jahre jünger sind als ich. der freund kocht mir mein lieblingsessen und lässt mich in seinem bett schlafen und in seinem pool baden. bei allem, was er tut, strahlt er so viel ruhe und zuversicht aus, dass mir ganz warm ums herz wird.

als ich am zweiten abend auf dem sofa lümmle und den kopf auf seine brust lege, weiß ich, dass der freund ein freund ist. und dass es mir vielleicht irgendwann auch wieder gut gehen wird. so wie ihm.

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Montag, 25. März 2013
unentspannt chillen
nach einem kurzen, aber heftigen streit mit dem objekt (standardthema absolut mangelhafte zuverlässigkeit seinerseits) habe ich von allem die schnauze voll, packe meine sachen und fahre schwimmen in meine lieblingstherme, in die keine kinder reindürfen und die sonntagspäterabends auch meist angenehm leer ist.

am ziel angekommen trocke ich die letzten wuttränen, pfeffere meine sachen in ein schließfach und springe in die fluten. als ich wieder auftauche, traue ich meinen augen kaum: um mich herum nur kleine, dicke, bärtig-haarige männer - soweit das auge blickt. macht da eine moschee gerade erlebniswochen mit äußerer reinigung? ich bin neben einem uralten verhutzelten opa tatsächlich die einzige hellhäutige person im bad, und vor allem: die allereinzige frau. das habe ich bislang noch nie erlebt.

das schwimmen gestaltet sich ungemütlich, muss ich kurz daraufhin feststellen. denn sämtliche der bärtigen typen blockieren den beckenrand. immer, wenn ich das ende einer bahn erreiche, werde anzüglich angestarrt, angegrinst oder mit mir unverständlichen wortfetzen empfangen, die zusammen mit dem anzüglichen grinsen und dem unverhohlenen anstarren maximales unbehagen auslösen. das würdet ihr nicht machen, wenn eure aische dabei wäre, denke ich mir, da hängt euer schwanz nämlich ganz klein in den viel zu großen bermudas.

einer von ihnen ist richtig unangenehm. er ist identisch klein, dick und behaart wie alle anderen, scheint sich aber für schön zu halten. ich taufe ihn den pfau. der pfau schwimmt neben mir, vor mir, wartet am beckenrand auf mich oder taucht unter mir durch. wenn er dich berührt, haust du ihm eine rein, beschwöre ich mich selbst.

der zweite nervende mitschwimmer ist ein koloss von einem kerl, der eine wasserumwälzanlage ersetzen könnte. jedesmal, wenn wir aneinander vorbeischwimmen, gehe ich in einer art tsumaniwelle unter. irgendwann quatscht er mich an und will wissen, ob ich trainiere, weil ich so ausdauernd schwimme. ich verneine. seinem akzent nach ordne ich ihn in richtung russland ein und habe prompt recht. aus minsk kommt er. dafür, dass er wie ein rücksichtsloses walross schwimmt, ist er ganz nett. vor allem aber hält sich der pfau fern, solange er um mich herum ist. trotzdem hätte ich gerne mal meine ruhe. als mich das walross fragt, ob es mir ein getränk ausgeben darf, erwidere ich, dass ich einen sehr eifersüchtigen ehemann habe, der schon ein paar mal jemanden krankenhausreif geschlagen hat. iwan den schrecklichen beeindruckt das wenig: er lässt seine muckis unter den tätowierungen spielen und versichert mir, er könne sich sehr gut zur wehr setzen. als er mal kurz pipi muss, wittere ich meine chance und flüchte ins aromabad.

dort bin ich einen herrlichen augenblick lange alleine. stille um mich herum, nebel und gedämpftes blaues licht. wunderbar. doch dann wird die tür aufgerissen und herein kommt ein kleiner, dicker mann. im unterschied zum rest im becken da draußen ist er sehr hellhäutig. er lässt sich auf den sitz plumpsen. dann fällt ihm ein, dass man den ja vielleicht erstmal abbrausen sollte. also steht er wieder auf und spritzt mit kaltem wasser um sich, sodass auch ich eine ladung abbekomme. er entschuldigt sich wenigstens. dann lässt er sich wieder auf den arsch plumpsen.

es folgen zehn sekunden ruhe, in denen ich staunend die enormen männerbrüste meines bleichen gegenübers begutachte. ab sekunde elf beginnt der typ mit den füßen zu scharren. dann räuspert er sich mehrmals. es folgt erneutes füßescharren, beine übereinanderschlagen, beine wieder entwirren, füßescharren. mein puls springt auf 150. dann beginnt der typ zu husten. und zwar so richtig - bis der bronchialschleim rasselt. igitt.

ich stehe auf und gehe nach nebenan. da ist ja noch ein dampfbad. dort ist es ein wenig kühler und es riecht auch nicht so gut, aber besser so als weiter mit dem huster da rumzusitzen und nächste woche selber krank zu sein. leider dauert es kein minute, dann wird die tür erneut aufgerissen und der huster tappt herein. ich bin kurz vorm rumpelstilzchenartigen explodieren.

ich würde gerne die tropendusche benutzen, allerdings wird diese von einem pärchen okkupiert, das offenbar gerade angekommen ist (kreischendes lachen = mangelnde entspanntheit). ich ziehe mich auf meine liege zurück. iwan der schreckliche hängt am beckenwand und schickt mir lange blicke aus traurigen augen. eigentlich sind die schön, denke ich mir, huskyblaue augen, aber der ganze kerl ist mir ein bisschen suspekt.

der pfau dreht derweil seine runden und schlägt sein nichtvorhandenes rad. ich schließe die augen und versuche, das widerliche bild vom teigig-bleichen huster aus meinem kopf zu verbannen. weil die liegen so unglaublich bequem sind und ich mich direkt neben einer heizung befinde, falle ich irgendwann in eine art halbschlaf. endlich entspannung!

"hallo? hallo?"
und schon wieder muss mich jemand stören. ich komme mühsam wieder zu mir, richte die imaginäre schrotflinte auf den fragenden und öffne die augen. vor mir steht ein großer, braungebrannter adonis mit waschbrettbauch und blonden strubbelhaaren. schätzungsweise 20. schätzungsweise unterwäschemodel. was willerwillerwillerdenn von mir? gespannt richte ich mich auf.
"kannst du mir sagen, wo hier die toiletten sind?"
okay, vermutlich hat er gedacht, er fragt man besser die mutti am rande des nervenzusammenbruchs als iwan den schrecklichen oder mohammed den pfau. die kann sicher deutsch und haut ihm auch nicht gleich auf die fresse.

allerdings finde ich es verdammt unhöflich, mich aufzuwecken, nur weil er zu faul ist, seine chlorwasserblauen äugleins aufzusperren und nach dem schild "wc" zu gucken. oder alternativ den bademeister zu fragen. dann habe ich eine idee. ich lächle lieblich und sage:
"hier gibt es leider keine klos. du musst rüber in die sauna gehen. dafür musst du aber saunaeintritt bezahlt haben. hast du das schon gemacht?"
"äh, nee", sagt der adonis verunsichert.
"dann geh mal an die kasse und kauf dir ein saunaticket. kostet 15,90 €. und dann gehst du rüber in die sauna und fragst da noch mal."
"danke", sagt der adonis und zieht vondannen. ich lache mich innerlich scheckig. wenn man schon sonst keine freude hat, dann wenigstens schadenfreude, finde ich.

weil schon fast sperrstunde ist, hüpfe ich schnell unter die dusche. dort stelle ich fest, dass ich mein duschgel vergessen habe. zum glück kommt nach einer weile eine frau herein (und es gibt sie doch!), die duschgel dabei hat.
"entschuldigung, darf ich mir ein bisschen duschgel von ihnen schnorren?" frage ich.
die frau schaut mich erschrocken an, gerade so, als hätte ich sie gefragt, ob ich ihr mal die muschi lecken darf. dann streckt sie mir vorsichtig die flasche mit dem duschgel entgegen. ich sage höflich danke und beginne mich einzuseifen. die frau starrt mich an. ich wundere und wundere mich, bis ich bemerke, dass sie mir zwischen die beine starrt. dort befindet sich - im gegensatz zu ihrer muschi - eben nun mal kein busch, in dem sich theoretisch ein reh verstecken könnte. was für mich einfach ein wir-leben-eben-nicht-mehr-in-der-steinzeit-lifestyle-dingens ist, ist für sie offensichtlich der sichere hinweis, dass ihr die inkarnierte sünde gegenüber steht.

ich bin froh, als ich trocken und warm in meinen kleidern stecke und nur noch föhnen muss. an den haartrockern treffe ich iwan den schrecklichen wieder, der mich mit einem letzten traurigen husky-blick bedenkt und dann vondannen zieht.
ich selber schleppe mich durch den arktischen sturm richtung bushaltestelle. im bus bin ich richtig geladen und schreibe dem objekt noch eine bitterböse sms. dann fühle ich mich deutlich entspannter, fast so, als hätte ich gerade wunderbar gevögelt.

note to myself: jeden tag eine schlechte tat. mindestens. es gibt nichts besseres gegen richtig miese laune.

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Montag, 18. März 2013
fsk 18-schwimmen
justamente, als ich ein bisschen zittrig die wohnungstür aufschließe - ein bisschen zittrig weil lange gefeiert und dann bei k. geschlafen, der entsetzlich schnarchte - klingelt das telefon: das objekt ist aus der versenkung zurückgekehrt.

"ich will schwimmen gehen und dachte, vielleicht magst du mitkommen?" fragt das objekt.
"wahnsinn, und das, nachdem wir erst seit fast drei jahren planen, mal gemeinsam schwimmen zu gehen", sage ich sarkastisch, "wie in aller welt kommst du da ausgerechnet jetzt drauf?"
"naja... ich wollte erst einfach nur so schwimmen gehen, und dann bist du mir eingefallen... und plötzlich merk ich, dass mich der gedanke, mit dir schwimmen und dann vielleicht noch schön in die gemischte sauna zu gehen, unheimlich anmacht", berichtet das objekt frank und frei.
"wenn du ficken willst, musst das von mir aus nicht mit einem event verknüpfen", sage ich trocken.
"es geht aber nichts ums ficken. ich will den event. mit dir", betont das objekt.
"hm, ich weiß nicht. eigentlich bin ich müde", lasse ich mir zeit.
das objekt-hirn rattert im hintergrund und ich warte, was es als nächstes in den jackpot werfen wird.
"okay, also pass auf... wenn du richtig richtig schlimm müde bist, machen wir das nicht. aber wenn du nur so ein bisschen müde bist... dann lass ich dir ein taxi vorbeikommen, das dich dahin bringt und dann treffen wir uns dort... und du bist den ganzen abend lang eingeladen."

mein erster gedanke ist, dem objekt seine maßlosigkeit und mittellosigkeit an den kopf zu knallen und das event damit abzubiegen. anderseits, wenn es sich so sehr dafür ins zeug legen möchte - bitte, gerne. hat frau ja nicht alle tage, schon gar nicht beim objekt.
"okay", sage ich.
"dann kommst du aber auch mit in die sauna", beharrt das objekt.
"da krieg ich kreislauf."
"quatsch, du gehst doch auch ins dampfbad."
"da krieg ich auch manchmal kreislauf."
"mann. das mit der sauna ist meine einzige bedingung. du musst auch nicht lange. du kannst da doch jederzeit wieder raus."
"na gut", lasse ich mich breitschlagen.
"wann bist du fertig? dann bestelle ich dir das taxi."
"halbe stunde."
das objekt sagt, dass es sich wahnsinnig freut und endlich, endlich flackert auch ein bisschen vorfreude in mir auf, vorfreude, von der ich weiß, dass sie mich in kürze komplett entflammen wird.

um kurz nach sieben steht das taxi vor meiner haustür. das objekt sitzt auch schon drin.
"madame", sagt es augenzwinkernd, nimmt dann meine hand, küsst sie und zieht mich auf den sitz neben ihm. dann geht es los.
während der fahrt strahlt das objekt und plappert in einem fort.
"du hast aber ordentlich was geraucht, oder", stelle ich fest.
"oh ja", sagt das objekt. "aber ich musste mich ja ein bisschen beruhigen. ich kann da ja nicht dauernd mit gehisster flagge rumlaufen", grinst es und zeigt in den schritt.
"das ehrt mich ja", erwidere ich.
das objekt lächelt weiter und nimmt wieder meine hand, um sie zart zu streicheln.
"das ist aber nicht alles, wirklich nicht. ich finde es einfach toll, dass wir das jetzt zusammen machen... dass du so spontan und offen bist."

als wir ankommen, löhnt das objekt tatsächlich eine horrende summe für das taxi und zahlt dann ohne mit der wimper zu zucken einen doppelten eintritt.
"ich habe ja ein bisschen ein schlechtes gewissen", sage ich.
"hör auf", mahnt mich das objekt. "keine politik. du sollst das annehmen und genießen."

dann geht es los.
"erst schwimmen", bitte ich.
"da oder da oder da", fragt das objekt und zeigt auf mehrere becken.
"nicht so ein planschbecken! ich will jetzt gleich erstmal eine halbe stunde durchziehen."
das objekt schaut mich amüsiert an:
"du kannst nie was machen, ohne erstmal zu arbeiten, oder?"
bevor ich mich empören kann, packt es mich und schmeißt mich in die fluten. ein paar badegäste flüchten.
"fein, jetzt haben wir mehr platz", sagt das objekt dreist und beginnt zu kraulen. flink, elegant und ohne spritzer zieht es seine bahnen.
irgendwann bemerkt es, dass ich ihm zugucke.
"was ist?"
"du schwimmst echt toll."
"das ist mein zuhause."
"sieht man."
"aber für einen profi bin ich viel zu inkonsequent. ich probiere so gerne dinge aus..."
es zeigt mir ein paar schwimmstile, die es erfunden hat. danach macht es unterwasser-salti und anderen quatsch.
irgendwann hat es genug und zieht mich aus dem wasser.
"jetzt aber mal raus aus den klamotten und rein ins warme!"

in der sauna sitzen noch fünf oder sechs andere männer.
"schwanzvergleich!" flüstert mir das objekt fröhlich zu und sucht uns ein plätzchen, von dem aus man die anderen gut im blick hat.
"und, welcher gefällt dir am besten?"
"das kann man doch so nicht sagen, wenn die alle schrumpelig in ihrer pelle hängen!"
dann kommt ein wahnsinnig fetter alter mann herein und setzt sich uns gegenüber. ich gucke ein bisschen zu auffällig, einfach, weil ich so viel bauchfett noch nie gesehen habe. der fette scheint das als kompliment aufzufassen und starrt mir lüstern zwischen die beine.
ich tippe das objekt an:
"der glotzt mir auf die muschi!"
"lass ihn doch", wispert das objekt zurück. "hast eben ne schicke muschi."
dann beugt es sich zu mir und küsst mich einmal so tief, dass sämtliche zugehörigkeiten geklärt sind.

nach einer weile reicht es mir mit der wärme und ich sehne mich nach wasser und abkühlung.
"komm, wir gehen raus!" zieht mich das objekt in richtung dachterrasse.
während ich noch unter der tür stehe und bibbere, rennt das objekt schon splitterfasernackt durch den schnee.
"los, komm!"
ich mache vorsichtig zwei schritte auf dem eis, ein wenig glatt ist es und so kalt, dass die füße sofort taub werden. die anderen saunagäste sitzen unter der veranda, haben bademäntel und schlappen an.
"einmal bis ans ende da!" zeigt das objekt auf den weg, der bis zur anderen tür führt, wo es wieder nach drinnen geht. also hopsen wir durch den schnee, während das objekt versucht, mit schneebällen meine brüste zu treffen.
"und noch mal zurück", ruft es, als wir die tür erreicht haben.

anschließend gibt es eine whirlpool-session, ebenfalls unter freiem himmel.
"ich glaube, ich war noch nie nackt in nem whirlpool", sage ich zum objekt und gucke nach oben in die sterne.
das objekt lächelt nur und zieht mich dann in seinen schoß.
"wir kriegen das wasser hier schon noch zum kochen", sagt es mit rauer sexy stimme.
"wir dürfen es bloß nicht übertreiben, weil sonst komm ich hier die nächste halbe stunde nicht mehr raus."
"das wäre mir total egal, außerdem sind wir ganz alleine hier draußen."
wir halten uns umschlungen und küssen uns, bis ein anderes pärchen den whirlpool betritt.
"schade", sagt das objekt.
"magst du keine öffentlichkeit?"
"bedingt. heute nicht. heute bin ich mit dir."
das pärchen beginnt sehr einladend und offenherzig zu knutschen. wir gucken eine weile zu, dann packe ich den sexy objekthintern und ziehe ihn zu mir heran.
"oooooh, das gibt es böses ende, ich warne dich", raunt das objekt.
"du solltest keiner frau drohen, die deinen schwanz in der hand hat."
"weißt du, was ich mit frechen fräuleins im schwimmbad mache?" kontert das objekt und greift mich spielerisch am hals. "die dürfen mir mal beweisen, wie lange sie unter wasser die luft anhalten können. ich zähle von 100 rückwärts... und ich zähle sehr langsam!"

ich spüre, wie mir das blut zwischen den beinen pocht. ich muss schleunigst an was anderes denken und vor allem was anderes machen.
"lass uns noch rüber ins dampfbad gehen", dränge ich das objekt.
mit latte auf halbmast steigt das objekt aus dem wasser und tippelt dann hinter mir her. wir haben glück: im dampfbad ist nur eine alte frau, die entspannt auf den kacheln liegt und die augen geschlossen hat.
das objekt hält mich zärtlich umschlungen und zeichnet mit den fingern die wege der tropfen nach, die über meine haut rinnen.
"ich glaube, ich hab dich noch nie so entspannt gesehen", flüstert mir das objekt ins ohr.
"ich BIN auch entspannt... ultra entspannt und gleichzeitig ultra geil."
"oh gott, ich auch. mein ganzer körper ist schwer, aber im grunde genommen möchte ich dich auf der stelle ficken."
ich muss lächeln.
"sollen wir gehen?"
"lass uns doch noch ein bisschen abwarten."
"du möchtest gern, dass ich noch ein bisschen in meinem eigenen saft sitze?"
"ohja."

nach dem dampfbad gehen wir noch mal eine runde schwimmen, bis ich nur noch die muskeln in meinen armen vibrieren fühle, dann packen wir unsere handtücher und steuern auf die duschen zu.
"lass dir zeit", sagt das objekt. "aber nicht zu viel. ich warte am ausgang auf dich."
ich küsse es noch einmal, dann verabschiede ich mich für ein weilchen.

als ich frisch geduscht und angezogen richtung ausgang gehe, kommt das objekt zeitgleich von der männerseite.
"du bist echt schnell für eine frau", wundert es sich.
"naja, ich muss mich ja nicht für den club aufbrezeln gehen, oder?"
"och menno. ich dachte, du würdest dich für mich aufbrezeln."
"hab ich doch. ich hab mein bestes höschen unter der jeans."

untergeärmelt gehen wir die straße lang.
"da ist eine bushaltestelle", sage ich, aber das objekt schüttelt den kopf und winkt ein taxi heran.
"du hast echt ne meise", wende ich ein.
das objekt schüttelt wieder den kopf und und meint:
"ich will nicht ewig warten, bis ich dich endlich aus deiner jeans habe."
"was hast du denn gegen meine jeans?"
"da kriegt man so schlecht die hand rein", grinst das objekt.

kaum, dass ich das objektzimmerlein betreten habe, werden mir auch schon tasche und handtücher abgenommen und zum trocknen ausgebreitet. dann schält mich das objekt aus den klamotten und beginnt, mich von kopf bis fuß zu liebkosen. ich fühle mich durchsichtig bis ins innerste und habe den eindruck, gleich zerspringen zu müssen wie glas unter enormer hitze.
"wow, dein puls", flüstert das objekt und legt die lippen auf meine halsschlagader.
dann dringt es in mich, millimeter für millimeter, unter schwerem lüsternen keuchen. wir krallen die finger ineinander und halten uns fest, während wir uns ununterbrochen in die augen schauen. ich weide an mich an diesem objektiven gesichtsausdruck der lust, den geöffneten weichen, vollen lippen, den halb geschlossenen lidern, unter denen mich diese unglaublich grünen augen anfunkeln und fixieren, während sich die nasenlöcher aggressiv blähen und die offenen haare wild fliegen. für einen augenblick gibt es nur noch einen willen in unserer welt: ich will dich und du willst mich.
der orgasmus zerlegt uns in unsere atome, dann finden wir uns wieder, nass, verschwitzt, atemlos und am ende unserer kräfte.
"wow", flüstert das objekt.
ich sage nichts und drücke mein gesicht ins kissen, um nicht debil grinsen zu müssen.
"you have the license to fuck, baby", spricht das objekt das wort zum sonntag.

nachdem sich unser herzschlag etwas beruhigt hat, stolpere ich ins bad, zähne putzen. als ich wiederkomme, liegt das objekt schon auf seiner schlafseite. doch als ich mich ankuscheln will, sehe ich, dass seine augen noch offen sind und mich fragend ansehen.
"was ist?"
das objekt denkt nach und sagt dann:
"ich dachte immer, es gibt so eine situation, in der kann man einfach nicht mehr, obwohl man noch mal möchte. also der punkt, an dem der körper dem willen einen strich durch die rechnung macht. nachdem ich ja nun ruhiger lebe als noch vor ein paar jahren, stehe ich nicht mehr so oft vor dieser problematik."
"na und?"
"heute aber schon."
"ich nehme das jetzt mal als kompliment."
"kannst du, aber nicht nur, bitte."
das objekt sieht mich glücklich-erschöpft an und fragt dann:
"wie steht es um deine kräfte? meinst du, du kriegst den noch mal hoch?"

beim zweiten mal sind wir ruhiger, konzentierter, weniger tiere. nachdem wir gekommen sind, schlafen wir auf der stelle ein, schräg übereinander liegend. mein körper brennt noch immer von innen durch die haut, während die glückshormone ein feuerwerk in den synapsen veranstalten. meine nase in der wirren, duftenden objektmähne vergraben, schlummere ich ein, wie immer mit dem gefühl, dass dieses geschenk eine schuhnummer zu groß für mein emotionales fassungsvermögen ist.

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