Freitag, 24. Mai 2013
kittencontent
man meint ja, es könne ihn kein wässerchen trüben.




aber das täuscht. ganz gewaltig.

lieblingsbeschäftigungen dieser woche:

- auf der tastatur spazieren gehen, wenn ich gerade eine wichtige geschätliche e-mail tippe. so hat er heute eine mail mit "ffffföööööp" an einen vorstandswichtigwichser geschickt. zum glück gemerkt, fettes sorry hinterhergeschickt.

- im hinterhalt lauern und mich dann anspringen, weil man an strumpfhosen so schön laufmaschen mit den krallen ziehen kann.

- auf meine schulter klettern und meine haare anfressen

- dabei gerne auch fangen mit meinen ohrringen spielen (bis dass das blut fließt)

- hingebungsvoll meine flauschejacke lecken (potenzieller artgenosse). flauschejacke riecht jetzt nach katzenmundgeruch.

- mein telefonkabel durchnagen

tja. aber was soll man sagen außer: "hach, ist der süß!"?

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Mittwoch, 22. Mai 2013
dritter streich - against the shitstorm of life
nachdem ich den pfingstsonntag in mittellosigkeit verbracht habe, klingelt das telefon und die lederjacke ist dran. da ich deprimiert klinge, fragt sie nach, was sich seit samstagnacht so ereignet hat. ich erzähle zunächst die objektgeschichte in lederjackenfreundlichen auszügen und komme dann bei meiner finanzmisere an.
"wie viel brauchst du denn?" will die lederjacke wissen.
"naja... ich muss irgendwie durch die woche kommen..."
"sag einfach eine summe und ich leih sie dir."

die lederjacke hat mein loyalitätsprinzip verstanden: in der not sind freunde einander unbedingt verpflichtet.
"n fuffi?", frage ich zaghaft.
"das ist doch lächerlich", findet die lederjacke. "ich geb dir 100, okay?"
"hast du denn dann noch genug für den monat?"
"ich hab jetzt ziemlich genau noch... warte mal..." die lederjacke macht kassensturz, um dann bedröppelt zu sagen:
"öhem, 200 euro."
"dann kannst du mir unmöglich die hälfte davon leihen!"
"hör mal, du hast mir auch geholfen. sehr sogar."
"nee, nee. also wir machen das wenn dann jetzt so: du gibst mir jetzt deine kontoverbindung und ich überweise dir was, was du mir dann auszahlst."
die lederjacke lässt es sich nicht anmerken, aber ich kann die erleichterung spüren, die durch den hörer tropft.
"ja, das ist prima!"

wir machen rasch die transaktion, dann fragt die lederjacke:
"magst du gleich vorbeikommen?"
"klar. es regnet zwar, aber ich brauche ja meine kohle."
"ich mach nen tee, okay?"
"auja. hast du noch kippen?"
"tabak."
"magst du mir eine drehen, bis ich da bin?"
"klar doch", sagt der gentleman.
ich merke, dass ich mich wahnsinnig freue.
"bis gleich dann... und dank dir!"
"jetzt hör aber auf!" kontert die lederjacke.

ich radle durch den regen und komme klatschnass an. als ich unter der tür stehe, beäugt mich die lederjacke misstrauisch und guckt dann sehr erleichtert, weil ich schuhe und jacke schon im flur ausziehe. ich grinse verständnisvoll. in sachen sauberkeit sind die lederjacke und ich uns unglaublich ähnlich.
"du siehst lustig aus", findet die lederjacke.
"ich knutsch dich gleich, dann siehst du auch lustig aus", erwidere ich.

die lederjacke lacht und schubst mich dann mit tee und wolldecke in den händen in die gute stube.
ich setze mich und schaue der lederjacke ins gesicht.
"jetzt erzähl mal, wie war der umzug gestern?"
"umzug war okay. nur dann hab ich was getrunken und mich total mit meinem bruder gestritten."
"oha."
"ja, ich war total assig zu dem, und dabei hat der doch liebeskummer!"
"naja, aber der muss ja auch sehen, was du fürn stress hast. der anstrengende behördenjob, die schulden wegen deinem bafög und dem studienkredit und dann der umzug! du hast da auch ein päckchen zu tragen..."
"das sieht der nicht, der ist ja auch erst 24."
"naja, gut, er ist halt noch jung... aber ich finde, man merkt es dir total an, unter was für ner spannung du stehst."
"du schon. der nicht."
"aber du machst dir jetzt trotzdem vorwürfe, was? so als der älteste bruder vom ganzen clan?"
"klar."
"unklar. hast du mal drüber nachgedacht, was du dir damit für ne rolle auflastest?"
die lederjacke ist ganz still geworden.
"vielleicht hat das ja auch was mit deinen schlafproblemen zu tun."
"ich hab keine schlafprobleme! also nicht immer", wehrt die lederjacke ab.
"wenn du mal nicht besoffen bist, dann haste immer welche", analysiere ich messerscharf.
"naja, hast ja recht", gibt die lederjacke zu, um dann gleich einen plan zu machen:
"aber jetzt bist du ja da und dann trinken wir nur tee und sonst höchstens ein bier. du bist ne super suchtprävention."
"jaja, aber nur, weil du meine drogen nicht magst!" lache ich.

nachdem wir eine weile herumgesessen sind, steht die lederjacke auf, kramt in den kisten und holt dann drei antike bilder hervor.
"die wollte ich noch aufhängen, hilfst du mir?"
"klar doch. was soll ich machen?"
"halt die mal an die wand da! aber gerade!"
"aye-aye."

während ich mich mit bild an der wand langmache, steht die lederjacke unter der tür und guckt.
"bisschen runter... ja... nee, auch mit der linken kante... nee, jetzt biste rechts zu weit oben!" dirigiert sie mich, bis es dann endlich passt und die lederjacke sich mit hammer und nagel bewaffnet ans werk macht. dann hängen die drei bilder, die, wie ich erfahre, der lederjacken-großvater alle selbst gemacht hat, mit linolschnitt und anderem kladderadatsch.

"manchmal hätte ich gern damals gelebt", träumt die lederjacke vor sich hin.
"im krieg?"
"naja, weniger, aber so die zeit danach... wie geil muss das sein, wenn du in einer zeit großwirst, in der es immer nur bergauf geht!"
"hm."
die lederjacke schaut mich aufmerksam an:
"du magst dein leben doch auch nicht. das ist doch die totale kacke, in der wir leben!"
"hm", sage ich wieder.
"warum machen wir das dann?" fragt die lederjacke.
"weil wir uns schuldig fühlen?" mutmaße ich. "weil wir unsere eltern nicht enttäuschen wollen? weil uns jemand dieses haus-garten-kind-schema eingetrichtert hat?"
"na, wenigstens haben wir kein beschissenes haus und keine kinder!" schmunzelt die lederjacke und lehnt sich lächelnd gegen den fensterrahmen.
was für ein hübscher mann, denke ich, und dann sage ich es einfach, und die lederjacke grinst geschmeichelt.

danach fahren wir mit dem aufzug in den 13. stock und entern die dachterrasse. oben hängt alles voller nebel, aber wir schnappen uns dennoch zwei klappstühle, drehen zigaretten, rauchen kette und diskutieren bis spät, warum alles vielleicht doch nicht ganz so kacke ist wie es sich oftmals anfühlt.

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Sonntag, 19. Mai 2013
zweiter streich oder an evening with desaster
ich fahre noch mal zur lederjacke, weil wir die wohnung noch putzen wollen. als ich ankomme, ist auch einer der fünf brüder der lederjacke da. der lederjackenbruder ist klein und rund, hat weiche gesichtszüge und guckt sehr lieb. ich bin überrascht.
"krass, ihr habt null ähnlichkeit", sage ich und schaue immer wieder vom lederjackenbruder zur lederjacke.
"ach... wennde erst mal alle von uns kennst... da sind schon überschneidungen", sagt die lederjacke.

während die lederjacke alles desinfiziert, was jemals fremde hände erreicht haben könnten, feudle ich mit dem lederjackenbruder die wohnung. wir verstehen uns auf anhieb bombe und landen nach beendigung der wischaktion bei einem bier in der küche, wo die lederjacke zu uns stößt.
"pass auf, du aschst alles voll", weise ich die lederjacke hin.
"oh sorry", sagt die lederjacke, um dann zu fragen:
"was machstn heute noch?"
ich zucke die achseln:
"vielleicht clubbing."
"schade, dass ich morgen umziehe... sonst wären wir ja mitgekommen."
"ich seh schon, ich muss bald mal wiederkommen", sagt der lederjackenbruder.

gegen halb eins trennen wir uns an der u-bahn.
"ich muss in die richtung, ich muss noch mal nach hause, duschen und mich aufbrezeln", sage ich.
"ja dann... bis bald", sagt die lederjacke und drückt mich.
"ich ruf dich morgen mal an, okay?!"
"okay", rufe ich und steige in die einfahrende bahn.

zuhause spüre ich die müdigkeit, die mir in den knochen steckt. außerdem habe ich nur noch round about zehn euro und müsste dringend geld holen. draußen schifft es comme vache qui pisse. nach einer heißen dusche fühle mich jedoch wieder munterer und schmeiße mich in ausgehklamotten.
eigentlich will ich gleich noch zur spaßkasse, aber ich bin zu spät dran. als ich um die ecke radle, kommt schon mein bus um die kurve. also nix wie rein. in altona gibt es ja auch sparkassen.

trotz starkregens nehme ich am ziel den umweg zur bank meines misstrauens. dort dann die große überraschung: man lässt mich nicht ein. offenbar ist das kartenlesegerät am eingang defekt und meine karte wird nicht erkannt.
ich fluche, zähle mein geld, neun euro und 60 cent, das ist keine gute grundlage, aber es reicht für den eintritt und die fahrkarte zurück. getränketechnisch würde ich mich einfach frech durchschnorren.

vor dem club steht das arschlochfahrrad. sofort sinkt meine restgutelaune in den keller. verdammt, ich wollte mich ja gewitzt rächen und keine konfrontation mehr.

erstmal rein und aufs klo. dort treffe ich die neue flamme von mr. shyguy, die mich zum rauchen überredet. wir gehen noch mal kurz vor die tür und ziehen einen durch. da ich aufgeregt und schon wieder wütend bin, wirkt das dope nicht beruhigend wie sonst, sondern verursacht mir einen megaherzschlag, von dem mir schlecht wird.
"alles gut?" fragt mich die neue mrs. shyguy und guckt besorgt.
"jaja", sage ich, denn mrs. shyguy kennt die unselige objektstory ja nicht.

im club gibt es mal wieder mittelprächtige musik und mittelmäßige menschen. ich sage mr. shyguy und einem bekannten hallo. dann hänge ich mit dem bekannten an der bar. der bekannte guckt deprimiert, weil er ein laufendes gerichtsverfahren an der backe und ein gesperrtes konto hat.
"und dabei war ich mal unternehmer und hatte 20 angestellte", seufzt der bekannte frustriert. "manchmal möchte ich einfach nur hoch zur bahn gehen und den kopf auf die gleise legen." der bekannte hat sein unternehmen in die insolvenz gefahren, weil er sehr lange sehr krank war und vom krankenhaus aus zu wenig kontrolle über seinen betrieb hatte. als die auftraglage einbrach, hat er den schweren fehler begangen, seine angestellten fairerweise weiterzubezahlen und so ratzfatz schulden im sechsstelligen bereich angehäuft.
"du musst ein schwein sein in dieser welt..." intoniere ich und der bekannte lacht wieder ein bisschen.

dann betritt das arschloch den raum. es sieht mich und macht stante pede kehrt. in mir steigt ein 10000 grad heißer zorn auf.
"warte mal", sage ich zu meinem bekannten.
an der bar erwische ich das objekt. es kehrt mit den rücken zu wie ein kind, das nach dem motto "wenn ich dich nicht sehe, kannst du mich auch nicht sehen" handelt.
ich muss mich stark zusammenreißen, nicht gleich zuzuschlagen, sondern tippe ihm nur sehr energisch auf die schulter. es dreht sich um und glotzt.
"hallo", sage ich.
das arschloch guckt nur stumm.
"wir haben ein hühnchen zu rupfen, mein freund", grolle ich. "kommst du mal bitte mit."
"nicht jetzt", wehrt sich das objekt.
"es geht nicht immer nur um deine bedürfnisse!" werde ich laut.
da lässt sich objekt widerstandslos mitzerren.
"also", setze ich wieder an, als wir in einer ruhigen ecke stehen. "keine sorge, ich will nichts von dir. mit dir bin ich durch. ich will nur wissen, wann ich mit meinen sachen rechnen kann!"
offenbar hat sich das objekt doch die mühe gemacht, sich eine lösung zu überlegen.
"ich könnte sie dir schicken."
"ja, das ist gut", bin ich einverstanden. "schicken ist sehr gut. ansonsten bring sie mir vorbei, wenn ich nicht da bin. weißt ja, wann ich arbeite. kannst sie mir einfach vor die tür schmeißen, in meinem haus wird nicht geklaut."
"wenn du deswegen ausgaben hast, ersetz ich dir die natürlich", sagt das objekt zu meiner überraschung. sieh mal an, da schimmert ja ein rest anstand und charakter durch.
"nein", sage ich, "ich will kein geld von dir."
"ich will aber nicht diskutieren", fährt das objekt fort. "nicht heute. ich bin heute nicht konfliktfähig."
ich schnaube verachtungsvoll.
"wann warst du das je?!"
da dreht sich das objekt um und geht.

das wars, denke ich, und spüre die endgültigkeit als gewissheit vom herzen in richtung tränendrüsen steigen. ich reiße mich zusammen, hole meine sachen von der gardarobenfrau und sage mr. und mrs. shyguy tschüß.
mr. shyguy guckt traurig:
"es ist wirklich unfassbar, wie das mit dem objekt und dir so eskalieren konnte. ich dachte immer, er und du, das ist für die ewigkeit."
ich ringe mit den tränen.
"ist nicht alles seine schuld, glaub mir, auch wenn er in den letzten wochen einfach ein totaler arsch war. ich weiß nur, ich kann nicht mehr und ich will nicht mehr."

dann gehe ich nach draußen, schleppe mich zur haltestelle und heule ein bisschen, bis mir mein geldproblem wieder einfällt. zum glück ist da an der ecke eine haspa-filiale. doch als ich meine karte ins lesegerät halte, wiederholt sich das spiel von vorhin: karte ungültig. spitze. und das vor den beknackten feiertagen. ich kann mein pech nicht fassen, finde aber, dass die geschichte mit der karte super zum rest des beschissenen abends passt.

als ich zuhause endlich ins bett falle, fühle ich mich müde und ausgetrocknet vom weinen, todtraurig und dennoch ein kleines bisschen befreit. du bist auch nicht einsamer als zuvor, sage ich mir, bevor ich die augen schließe und einschlafe.

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Samstag, 18. Mai 2013
der erste streich
die lederjacke hat sich eine wohnung ergeiert. zum ersten mal im leben eine eigene, keine wg.
"hilfst du mir streichen?" bettelt die lederjacke, und da ich gerne rumschmiere, sage ich zu.

als ich gegen acht vor der hochhausfront stehe, bin ich zunächst enttäuscht. aber wie so oft: außen pfui, innen hui - die lederjacke hat eine wunderschön geschnittene, helle kleine wohnung und eine unfassbar geile dachterrasse.

"hier kannst du ja ferien machen", finde ich und lehne mich gegen die verglaste absperrung.
"wenn nicht gerade ein gewitter dazwischenkommt", erwidert die lederjacke und zeigt auf eine beachtliche dunkle wolkenfront, die vom hafen heraufzieht.
"wie viele stockwerke hat das haus denn?"
"wir sind jetzt über dem 13.", antwortet die lederjacke.
"hui, dann sollten wir jetzt machen, dass wir reinkommen, sonst trifft uns der blitz!"
"das ist hier schon gut möglich, hier kommt ganz schön was runter", zeigt die lederjacke auf die blitzableiter neben uns.

während draußen ein unwetter niedergeht, legen wir drinnen die folien aus, kleben die lichtschalter und steckdosen ab und fangen im großen zimmer an.
gegen mitternacht machen wir eine pause, rauchen eine und trinken ein bier.
"wir sind richtig weit gekommen", bin ich stolz.
"hast du noch kraft?"
"klar. ich will auf jeden fall weitermachen."
"hey, was meinst du, schaffen wir heute nacht die ganze wohnung?"
"gucken wir mal."

und während wir so auf dem fensterbrett sitzen, die beine baumeln lassen und uns verschwitzt anstrahlen, ertönt plötzlich ein lauter knall.
"was war das?!"
die lederjacke ist beunruhigt aufgesprungen:
"das kam aus der küche!"
zusammen rennen wir in die küche - und mitten in ein splitterfeld.
"was zum teufel ist das?!" ruft die lederjacke entsetzt.
"da, der ofen!"
ich zeige auf den ofen, dessen front fehlt.
"alles voller glas!"
die gesamte glasfront des ofens war herausgesprungen und in tausend stücke zerbrochen.
die lederjacke kniet sich ungläubig nieder und inspiziert den schaden.
"nicht anfassen!" mahne ich, "machen wir erst die sicherung raus, am ende war da spannung drauf."
die lederjacke tappt in den flur und hantiert am sicherungskasten.
"geh du bitte in den flur, du bist barfuß", ermahnt sie mich, dann holt sie schaufel und besen und beseitigt die scherben.
"kannst du dir das erklären", ruft die lederjacke in den flur.
"nicht wirklich", sage ich. "das ist echt ungewöhnlich. das glas ist ja auch total dick, das geht doch nicht mal kaputt, wenn man da dagegen rennt. also das einzige, was mir einfällt, ist, dass da irgendwie spannung drauf war."

die lederjacke kommt in den flur.
"also ich finde das unheimlich."
in diesem moment beginnt die deckenlampe zu flackern.
"ein poltergeist", lache ich. "du hast nen poltergeist. das ist die erklärung."
"du glaubst nicht ernsthaft an so nen scheiß", sagt die lederjacke.
"na, es liegt doch total nahe", kichere ich.
"hör auf mit so einem mist."
"ich hatte mal einen exfreund, der glaubte, wenn man dinge ausspricht, dann treten sie auch ein."
"du warst auch nur mit psychos zusammen, kein wunder, dass du depressiv geworden bist!" findet die lederjacke.

dann streichen wir weiter - ich im bad, die lederjacke im flur. plötzlich höre ich gesang.
ich hole die lederjacke ins bad.
"herzlichen glückwunsch, du hast auch singende nachbarn."
gemeinsam lauschen wir.
"aber wer singt denn bitte nachts um halb zwei?"
"wer streicht denn bitte nachts um halb zwei?"
"okay, eins zu null für dich", meint die lederjacke.
wir lauschen noch mal.
"klingt irgendwie so... religiös."
"wie bei meinen nachbarn."
die lederjacke beäugt mich misstrauisch:
"also erst schleppst du deinen poltergeist hier an, jetzt hab ich auch noch singende satanisten in der butze!"
"kannst ja wieder ausziehen."
die lederjacke schubst mich und knuddelt mich dann.
"machen wir weiter?" frage ich.
"wird dir das nicht zu viel?" hakt die lederjacke nach.
ich wische ihr als antwort mit dem pinsel durch gesicht und flüchte mich dann kichernd zurück ins bad.

um halb fünf uhr morgens haben wir es geschafft.
"wahnsinn", sagt die lederjacke. "das sieht echt professionell aus."
"tja. ich habe ja gesagt, vertrauen sie auf meine kompetenzen, mein herr."
"aber mein rücken ist jetzt ganz schön kaputt."
"bei mir isses gerade nur die schulter und der arm, aber du hast ja auch die decken gemacht."

dann sitzen wir noch ein bisschen auf der dachterrasse und schauen in den sonnenaufgang.
"da kommt die nächste front", sagt die lederjacke irgendwann.
"dann fahre ich mal schnell nach hause, bevor mich der regen erwischt."
"wie lange hast du?"
"ach, 20 minuten oder so."
"ich finde es ja schön, dass wir jetzt wieder näher bei einander wohnen."
ich schaue die lederjacke zärtlich an.
"ich auch."

die lederjacke bringt mich zum aufzug und gibt mir einen kuss.
"vielen dank für deine großartige hilfe."
"nichts zu danken. hat spaß gemacht."
"dann schlaf mal schön."
"grüß den poltergeist von mir!"
die lederjacke lacht und verschwindet in ihrer wohnung, während ich auf mein rad steige und durch den einsetzenden nieselregen fahre.

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Mittwoch, 15. Mai 2013
ein pfand, ein pfand in meiner hand
inzwischen hab ich dem objekt seine sachen in einer anonymen nacht-und-nebel-aktion zurückgegeben, aber meine nicht bekommen. seither stellt es sich blind, taub, stumm und unsichtbar. ich fand das erst lustig. dann fiel mir auf, dass ich die sachen, die es einbehalten hatte, eigentlich dringend brauche und dass ein neukauf ziemlich teuer würde.

tagelang habe ich darüber nachgedacht, was ihn dazu bewegen könnte, das zeug rauszurücken. mit freundlichkeit und geduld kam ich nicht weiter, merkte ich.

und dann kam die idee. die ist zwar ein bisschen sehr fies, aber da er jetzt auch nicht gerade den nobelpreis für fairness verdient hat, durchaus in ordnung.

jetzt muss ich nur noch die passende gelegenheit abwarten. bericht folgt.

nun aber erstmal wieder dröge dumpinglohnarbeit.

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Sonntag, 12. Mai 2013
bis zum horizont
und kein stück weiter.



feat. falkensteiner strand

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Donnerstag, 9. Mai 2013
tiefenentspannt

er sowieso.

ich aber auch. spätestens, wenn er sich als nackenwärmer verdingt.

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Dienstag, 7. Mai 2013
im regen stehen
da steh ich im regen, ach was regen, wolkenbruch und überlege, weiterrennen und pitschnass werden oder stehenbleiben und pitschnass werden, und just als mir die unsinnigkeit meiner gedanken bewusst wird, stülpt jemand ein rotes regendach über mich.

jemand ist eine frau um die vierzig, die mich locker anstrahlt und dann fragt:
"möchten sie den schirm haben? ich hab mir vorhin einen neuen gekauft, ich brauche den nicht."
ich gucke belämmert, im kopf rattert sofort die zahlmaschine los, was gebe ich der jetzt, mist, ich hab kein bargeld mehr, also frage ich verzweifelt:
"was möchten sie denn dafür haben?"
"nichts", lächelt die frau entspannt.
"wohnen sie in der nähe, ich kann ihnen den schirm doch wiederbringen", hasple ich.
"nee, behalten sie den doch. ist ein geschenk", lacht die frau. "ich brauche den nicht mehr."
"danke..." stottere ich.

dann schauen wir uns verlegen an.
"sagen sie mal, sie klingen, als ob sie aus süddeutschland kommen?" frage ich vorsichtig.
"ja, aus münchen", sagt die frau.
"nein! ich komme aus nürnberg", erwidere ich.
"was für ein zufall", strahlt die frau. "ich wohne erst seit ein paar monaten hier."
"ich seit fünf jahren."
die frau beäugt mich neugierig.
"finden sie es auch so schwer, hier menschen kennenzulernen? also nicht das kennenlernen an sich..."
"... aber menschen, die bleiben", vollende ich den satz.
wir müssen wieder lachen.
"ich finde das schade", sage ich, "dass die großstadt so unverbindlich und oberflächlich ud äußerlichkeitengeil macht."
"ich auch, und münchen ist ja auch nicht gerade klein, aber doch anders."

dann stehen wir dumm herum, bis ich sage
"ja dann..."
"dann lassen sie uns doch mal einen kaffee trinken gehen", schlägt die frau vor.
"oh ja, unbedingt", finde ich.
wir tauschen handynummern und müssen dauerlächeln, bis sich die frau verabschiedet.
"ich hab jetzt nur noch zehn meter."
"ich hab noch zehn minuten", sage ich.

seltsam berührt und trocken gehe ich weiter mit dem knallroten schirm, bis ich zuhause bin.

man sollte doch öfter einfach mal im regen stehen.


p.s.: knaller des tages, referreranfrage:
"fette nackte frau schläft ein auf einen mann mann kann nicht aufstehen"

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Montag, 6. Mai 2013
gala-leben
ein abend mit der lederjacke.

als ich ankomme, sitzt die lederjacke schon sturzbetrunken am küchentisch und hat eine halbleere flasche brandy vor sich stehen.
"na, burned out und besoffen?" sage ich zur begrüßung, bevor ich mich sehr fest in die arme nehmen lasse.
"ich bin schon hellblau", gibt die lederjacke zu. "aber anders kann man den scheiß ja nicht aushalten."
"deine arbeit?"
"ey, das ist einfach nur scheißanstrengend. ich komme zu gar nichts mehr. feierabend bin ich fix und alle. ich liege um neun uhr abends im bett. zum training war ich auch schon ewig nicht mehr."
ich schaue die lederjacke genauer an und tatsächlich wirkt der sonst so scharf definierte körper weicher. ich finde das schön, vor allem im gesicht und sage das der lederjacke.
sie lächelt geschmeichelt und lehnt sich lässig mit der zigarette zwischen den fingern zurück.

"und bei dir? du siehst total krank aus", haut die lederjacke ehrlich wie immer raus.
"ist auch bei uns alles gerade anstrengend. wir haben jetzt alle bis herbst keinen urlaub mehr."
"wiebitte?!" empört sich die lederjacke. "na jetzt ist aber polen offen! du kündigst da jetzt hoffentlich!"
"daran denk ich die ganze zeit", gebe ich kleinlaut zu.
"mach das! das geht ja gar nicht! was denkt die denn, dass ihr besser arbeitet, wenn ihr nur weihnachten und mal kurz im herbst urlaub kriegt?!"
"hm", sage ich kleinlaut.
"und hör auf, dich so klein zu machen", poltert die lederjacke weiter. "stinksauer sollte dich das machen."
"ich bin eher resigniert."
"ja, das gibt den sklaventreibern in unseren land die macht... guck dir doch mal morgens die leute in der u-bahn an! wie unglücklich die alle sind! und dann lesen sie die gala oder so einen scheiß, wo das leben von den privilegierten nullkommazwei prozent breitgetreten wird und da rebellieren die nicht mal! die finden das auch noch interessant und unterhaltsam!"

wie immer, wenn es um politik geht, redet sich die lederjacke in rage, bremst dann aber:
"sorry, ich hab dich über den haufen geredet, was? aber es macht mich immer so wütend, wenn ich sowas höre und dann sehe, wie todunglücklich du bist."
ich gucke nur, bis die lederjacke heranrutscht und mich in den arm nimmt. dann gießt sie mir einen brandy ein und lässt die gläser klingen.
"auf dieses scheißleben... und darauf, dass wir wenigstens heute abend mal spaß haben!"

wir gehen rüber in den club.
"mein ekelhafter exlover ist auch da", sage ich, als ich das objektfahrrad vor der tür stehen sehe.
"soll ich dem eine einschenken?" fragt die lederjacke solidarisch.
ich muss kichern. ein objekt-lederjacke-duell wäre natürlich spannend bis erheiternd.
"nee, bleib du mal einfach an meiner seite."
ich hake mich bei der lederjacke ein und betrete die geheiligten hallen.

die musik ist mittelmäßig wie in letzter zeit so oft. außer dem objekt ist noch mr. shyguy mit neuer flamme anwesend. ich knuddle die beiden letzteren sehr herzlich. das objekt schaut kurz bedröppelt rüber und dann gleich wieder weg.
die lederjacke holt mir einen wodka energy von der bar und versorgt sich selbst gleich mit bier und schnaps.
"vielleicht solltest du mal zwischendurch ein wasser trinken", schlage ich vor.
"vielleicht solltest du zwischendurch mal deine sorgen vergessen und lachen?"
kontert die lederjacke.
dann schaut sie mich genau an.
"du hast da was weißes an der nase."
"hm", sage ich und rubble, "das sind bestimmt irgendwelche pollen, bin ja vorhin rad gefahren."
"schneeglöckchen, was?"
ich haue die lederjacke ein bisschen. die lederjacke kichert über ihren eigenen witz und meint dann:
"so betrachtet bekäme auch das wort heuschnupfen eine ganz neue bedeutung!"
ich muss jetzt doch lachen.
"na gottseidank", sagt die lederjacke.
"endlich taust du mal auf."

die lederjacke scheint es sich zur hauptaufgabe gemacht zu haben, mich zu erheitern. das gelingt ihr recht gut. zwischendurch gehe ich sogar tanzen und halte dabei sogar die objektnähe aus.
die lederjacke ist inzwischen sturzbetrunken, schwankt und lallt und lässt sich von zwei schwulen angraben, bevor sie sich wieder zu mir flüchtet.

dann ist es kurz nach vier. wir sind beide alkoholbeeinträchtigt, müde und ziemlich gelangweilt.
"willst du gehen?" fragt die lederjacke und ich übersetze die frage richtig in "ich würde gerne nach hause."
als echter gentleman würde mich die lederjacke nämlich niemals nach hause drängen.

bei der lederjacke falle ich direkt ins bett, während die lederjacke noch ein bisschen wach ist und musik hört. dann endlich kriecht sie zu mir unter die decke.
"du?" sage ich.
"hm" sagt die lederjacke.
"kannst du mich bitte ganz fest in den arm nehmen?"
die lederjacke schmunzelt, legt meinen kopf in ihre armbeuge und umschlingt mich.
"gut so? oder ist dir das zu schwer?"
"super."
"ehrlich? du kannst doch so nicht schlafen."
"ich kann so wunderbar schlafen."
und bevor die lederjacke noch lange vetos einlegen kann, bin ich schon im land der träume.

ich träume, dass ich mit der lederjacken-familie strandurlaub mache und die lederjacken-mama eine kettenrauchende heidi klum ist. als ich wach werde, ist die lederjacke auch wach, wie immer eigentlich, denn die lederjacke leidet unter schlafstörungen.
"du! ich hab was lustiges geträumt!"
"ich habs gemerkt", erwidert die lederjacke.
"wie das denn?"
"du hast mich getreten!"
"oh."
"ja! das machst du jedesmal! immer strampelst du im schlaf."
"sorry."
"ja, toll, sorry, und jetzt pennst du gleich weiter und machst es dann wieder!"
"dafür hast du besoffen geschnarcht!"
"hab ich gar nicht!"
"hast du doch."

dann müssen wir beide lachen.
"los, komm", sagt die lederjacke und löffelt mich. dann schlafen wir ganz friedlich, bis es 16 uhr ist und die lederjacken-mitbewohnerin uns unsanft weckt, weil wir chaos in der küche gemacht haben und zu viel lärm obendrein. die lederjacke rafft sich auf, spült ab und entsorgt eine halbe tonne asche sowie leere flaschen, während ich mich anziehe und mein rad beim club abhole.
wieder zurück hat die lederjacke gekocht. wir essen tortelloni mit nix, weil beide zu faul sind, zur tanke zu fahren. danach mache ich mich auf den nachhauseweg. schließlich fängt morgen wieder unser nicht-gala-leben an.

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Mittwoch, 1. Mai 2013
mut
manchmal bin ich ja mutig. meist dann, wenn ich sehe, wie menschen leiden, die mir untan sind und ich an deren leidenbedingungen selbst direkt nichts ändern kann. heute - nach dem willkürlichen feuern einer sehr wertvollen kollegin, dem nichteinhalten von gehaltsversprechungen und zwei vollkommen misorganisierten events - habe ich der gf einen brandbrief geschrieben. über verbindlichkeit, ehrlichkeit und loyalität. und die erodierende wirkung leerer versprechen auf das vertrauen von mit-führungskräften und anderen kollegen.

immer geradlinig sein, wissen sie ja, sonst bekommt man rückgratverkrümmung.

ich dachte, entweder sie feuert mich jetzt oder sie startet einen ausreden-marathon. doch nichts von beiden traf ein. stattdessen bekam ich einen beschwerdebrief wegen des unangemessenen tons.

nunja. dann wissen wir also auch: die gf wird die schöne sache mit den werten werten in diesem leben nicht mehr lernen.

mut kostet mich auch die neue diagnose, die meine neu ausgebrochene schmerzsymptomatik betrifft. irgendwann mal fit werden in diesem leben ist jetzt quasi ausgeschlossen. körperlicher UND seelischer siechtum, so fuck it. ich habs ja schon mal gesagt: alt werde ich nicht. meine mutter hat am telefon rotz und wasser geheult, während ich selbst noch immer unberührt bin. denn ich bin der meinung, dass nichts schlimmes dran ist, wenn das kind jetzt einen neuen namen hat. ist ja immer noch dasselbe kind. ungeliebt eben.

manchmal fühle ich mich wie der prophet, der das joch trug. aber solange ich die stimme höre, meine innere stimme, und ihr folge, wird mir nichts schlimmes geschehen. hoffe ich.

vielleicht bleibt irgendetwas übrig. dieses blog möglicherweise.

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