Freitag, 28. Februar 2014
muschialarm
vor einer stunde kamen die beiden puschis an. der lütte sitzt noch immer im körbchen, in die äußerste ecke gequetscht. er ist der angsthase von den beiden, so der besitzer. der große (12 kilo-oschi) ist sofort in den ungefähr 10 zentimeter hohen spalt unter dem küchenregal gekrabbelt. ein bisschen schwarz-weißes fell ist noch sichtbar und das rosa herzförmige näschen, das bebt, wenn ich den kühlschrank öffne.

wie sie sehen, sehen sie noch gar nix.
aber wir sind guter dinge. zumindest wurde ich diesmal auch nicht zur begrüßung angefaucht.

edit: zwei stunden später hat sich die szene gründlich geändert: der dicke ist der größte schmuser auf dieser erde. dem lütten fehlt noch das vertrauen. sein zufluchtsort: die dusche. dort sitzt er und weint, bis ich komme, ihn auf den arm nehme und ein wenig hätschle. sobald ich ihn ins wohnzimmer trage, will er runter. zwei minuten später sitzt er dann wieder in der dusche. wahlweise auf der klospülung.



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Mittwoch, 26. Februar 2014
übermorgen
... bin ich wieder katzen-mama. juchee!
riesige, dicke, schwarze maine coons. i´m so excited!

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Sonntag, 23. Februar 2014
spaßfrei
die lederjacke meldet sich bei mir. offenbar hat sich die fickgeschichte wieder erledigt. ich freue mich, also beschließe ich, nicht darauf herumzusticheln.

"kommst du rüber?", will die lederjacke wissen.
"kann ich machen", sage ich.
"das klingt aber nicht besonders enthusiastisch."
"es ist wochenende, an wochenenden schlägt die depri derzeit wieder voll zu."
"och nee!"
"ich kann auch zuhause bleiben", sage ich, "mir ist auch nicht nach fröhlichen leuten, die besoffen und kotzend über den kiez stolpern."
"jetzt kommste erstmal her", beschließt die lederjacke.
"ich will dir aber den abend nicht verderben."
"das WIRST du nicht. versprochen. ich freu mich auf dich."

die bahn ist voller samstagabend-menschen, sie gröhlen und lachen. ich fühle mich wie vom mars. jetzt reiß dich mal zusammen, alte, sage ich mir. doch es hilft nicht. die lärmkulisse scheint immer lauter zu werden, die menschen immer näher zu rücken, die lichter immer gleisender zu werden. als ich endlich aussteigen kann, rast und stolpert mein herz, ich bin schweißgebadet und zittere. ich renne durch die hochhausschluchten so schnell ich kann und presse dann den daumen auf die klingel der lederjackenwohnung.

die lederjacke öffnet die tür und nimmt mich in die arme.
"was ist denn passiert, du bist ja totenblass", sagt sie zur begrüßung.
"in der bahn waren so komische leute. kann ich heute irgendwie nicht ab."
"hat dir jemand was getan? hat dich wer bedroht?"
"nee, war nur so... komisch. im kopf."
die lederjacke tätschelt mir die schulter und schiebt mich dann in die küche.
"jetzt trinken wir erst mal was."

während ich mich an einem glas cola-rum festhalte, leert die lederjacke zwei bier, ein glas rotwein und mehrere flachmänner. die lederjacke redet. ich werde immer stiller und merke, wie mich etwas aus dem hier und jetzt abkoppelt. nichts bleibt außer meinem mechanischem lächeln. das gefühl innerer einsamkeit wird gigantisch und übermächtig wie ein expandierendes vakuum.
"hey", sagt die lederjacke irgendwann, "quatsch ich zu viel? langeweilst du dich?"
"überhaupt nicht", sage ich und fühle mich furchtbar schuldig, weil ich gar nicht wirklich da bin und die lederjacke das nicht verdient hat.

die lederjacke betrachtet mich prüfend. als sich unsere blicke treffen, steigen mir die tränen in die augen.
"mann morphine", sagt die lederjacke erschrocken, "du weinst ja."
ich schweige und versuche krampfhaft, nicht loszuheulen. die lederjacke ist nicht das objekt. ihre stärke liegt auf der sachebene, nicht auf der emotionsebene. meine verzweiflung verunsichert sie. verzweifung aber ist wie ein raubtier: sie kann deine unsicherheit riechen. das gibt ihr macht. sie lacht über deine mit hilfloser logik vorgetragenen argumente.

natürlich will die lederjacke wissen, warum es mir wieder so schlecht geht. ich berichte, was in den letzten wochen vorgefallen ist.
"scheiße", findet die lederjacke. "dass es bei dir aber auch nie mal länger gerade läuft. nach dem ganzen aufriss, den du gemacht hast."
ich sage nichts.
"mach doch was anderes", drängt die lederjacke.
"will ich ja. bloß im moment verlassen mich die kräfte. es überfordern mich gerade schon wieder so einfachste dinge wie u-bahn-fahren."
"nimm dir das nicht so zu herzen", findet die lederjacke. "du bist doch so ne kluge frau."
"mein komplettes selbstwertgefühl hängt davon ab, ob ich etwas möglichst überdurchschnittliches leiste oder nicht."
"das ist doch quatsch."
"weiß ich alles! aber ich kann es nicht empfinden. alles, was ich anfasse, endet im chaos: jobs, beziehungen, freundschaften. mein misstrauen wird mit jeder schlechten erfahrung größer. das ist ein ganz schlimmer automatismus und ich weiß nicht, wie ich den stoppen kann."
"ach komm. das was du erlebst, ist auch einfach nur gigantisches pech. ich kenne niemanden sonst, dem so viel mist passiert wie dir."
"ich glaube, ich bewirke das. der mist findet mich. etwas ist an mir, was das alles auf mich fallen lässt. und ich kann den fehler nicht finden. das macht mich echt fertig."
"da ist doch kein fehler an dir, mensch."
"ich glaube schon. ich bin inzwischen sogar ziemlich überzeugt davon."
die lederjacke schüttelt den kopf.
"haste mal 'matchball' gesehen?" frage ich.
"da geht es genau um diese frage. der moment, in dem der ball beim tennis das netz berührt und es vom glück abhängig ist, ob er auf die eine oder andere seite fällt. der film handelt davon, dass einige menschen privilegiert sind und andere einfach kein glück haben und sich immer tiefer in ihrem schicksal verstricken. und wenn sie ein stück vom glück erhaschen, reißt es sie nachher um so tiefer ins unglück. sie können es sich nicht zu eigen machen, sie beginnen schwerwiegende fehler machen und fallen tief."
"schau dir doch nicht so einen scheiß an."

ich verstumme. es macht keinen sinn, weiter zu diskutieren. das gespräch strengt mich an, ich werde körperlich müde. vom hinterkopf her nähert sich bedrohlich die wohlbekannte schwarze wand, die mich hin und wieder auch unvermittelt in ohnmacht fallen lässt.
"ich muss nach hause, ich muss schlafen", sage ich mit letzter kraft.
"trink doch noch was", sagt die lederjacke verzweifelt. "ich würde so gerne mit dir tanzen gehen."
"ich kann nicht", sage ich.
die lederjacke steht auf und kommt zu mir herüber, nimmt mich in den arm. die tränen beginnen zu laufen.
"das tut mir alles so leid für dich", sagt die lederjacke.
"ich muss gehen", flüstere ich.

die lederjacke beobachtet schweigend, wie ich in meine schuhe und die jacke schlüpfe.
"ich bring dich zur bahn", sagt sie, und ich bin ihr unendlich dankbar dafür.
"schreib mir einen sms, wenn du zuhause bist", schärft mir die lederjacke ein.
ich nicke.
"tut mir leid."
"hör doch auf."
"ich hab dir den ganzen abend kaputt gemacht."
"hast du nicht."
"hab ich doch."
"also wenn du das bedürfnis hast, etwas gut machen zu müssen, dann will ich, dass wir uns demnächst mal wieder so richtig zusammen besaufen", scherzt die lederjacke.
ich kriege ein kleines lächeln zustande.
"okay."

irgendwie komme ich nach hause, während die schwarze wand langsam das bewusstsein verdunkelt. als ich im flur stehe und die schuhe ausziehe, ist sie ganz da. ich falle angezogen auf mein bett und bin weg.

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Donnerstag, 20. Februar 2014
andächtigkeiten
ich bin in einem workshop mit vielen achsowichtigen und achsoschlauen menschen, als ich spüre, wie mein handy vibriert. eine halbe stunde später ist die veranstaltung zu ende, und nachdem ich noch schnell ein paar visitenkarten ausgeteilt habe, sehe ich nach. das objekt hat mir eine sms geschrieben, von der üblichen lyrisch-objektiven länge. titel der sms lautet "angedacht". ich muss ein wenig grinsen, befinde ich mich doch in einem industriekomplex, der gefühlt luftlinie nur wenige hundert meter vom objektzuhause entfernt ist. also schreibe ich zurück: "gut gedacht, bin fast nebenan."

keine zwei minuten später ruft das objekt an. ich drängle mich an den ganzen anzugträgern vorbei, um eine stille ecke zu erwischen.
"wie viel sind ein paar hundert meter?" will das objekt wissen.
"ich hab nicht genau nachgemessen", sage ich lachend.
"naja...", das objekt räuspert sich, "ich meinte, wie lange würdest du bis zu mir brauchen?"
ich halte die luft an. ich stecke seit dem frühen morgen in denselben klamotten, ich fühle mich alles andere als frisch und vögelbar.
"naja, so... 20 minuten", stottere ich. "also wenn ich laufe. aber hier fährt auch nix."
"dann komm doch vorbei. ich geh noch schnell rüber zu penny und hole kaffee für dich. und ein bisschen schokolade, was meinst du?"
"ich weiß nicht", sage ich. "ich bin durch, ich bin verschwitzt, ich brauche erstmal eine dusche."
"wir trinken einfach nur kaffee und rauchen eine zigarette", beschwichtigt mich das objekt.
"haben wir das schon mal geschafft? in letzter zeit?"
"dann nimm es halt als herausforderung."
"meinetwegen."
"dann bis gleich."

ich gehe auf toilette. in meiner tasche befinden sich wie durch ein wunder parfum und ein abgebrochener kajalstift. einen augenblick später rieche ich zumindest oberflächlich gut und habe wieder mehr ausdruck im blick. dann suche ich die objektadresse mit gpunktmaps. 19 minuten fußweg, da sieh mal einer an, wie präzise ich geschätzt hatte.

draußen regnet es. ich halte mir meine wertvollen unterlagen über den kopf und jogge hochhackig die straße entlang. an der ecke komme ich beim objekt-penny vorbei. aus einem unbestimmten bauchgefühl bleibe ich stehen und luge durch die beklebten scheiben. da steht das objekt an der kasse und kramt konzentriert in seinem geldbeutel. ich grinse in mich hinein und stelle mich etwas abseits neben den ausgang. kurz darauf kommt das objekt heraus und steuert auf sein fahrrad zu, ohne mich zu bemerken. doch dann hält es beim aufschließen inne, dreht sich um und entdeckt mich. und lächelt.

ich fliege ihm in die arme. wir drücken uns und küssen uns.
"was für ein zufall", seufzt das objekt strahlend.
"das hat das schicksal so gewollt", widerspreche ich ihm.
"seit wann glaubst du an schicksal?" verwundert sich das objekt, das mich als eifrige verfechterin der ratio kennt.
"du machst mir meine konstruierte realität zunichte", beschwere ich mich scherzhaft.
dann müssen wir erstmal wieder gucken und lächeln und gucken und lächeln. die ampel wird zwischenzeitlich zweimal grün und wieder rot.

durchnässt stehen wir schließlich im flur der objektwohnung.
"haste sturmfrei", flüstere ich.
"ja", grinst das objekt unverfroren.
dann schält es mich aus meinem mantel.
"wow, business-kluft", sagt es. "sogar mit schildchen, frau doktor morphine."
dann sitzen wir im objektzimmer auf dem bett und reden, rauchen und trinken kaffee mit schuss.
"ich werde echt breit", sage ich irgendwann.
"dann streck dich doch aus", ermuntert mich das objekt. "mi casa es tu casa."
während ich mich in die kissen kuschle, wechselt das objekt ans fußende und lehnt sich gegen die wand. es umfasst meine füße und wärmt sie.

wie immer dauert es nicht lange, bis die nähe unerträglich wird. die objekthände wandern aufwärts und beginnen, an meiner strumpfhose zu ziehen.
"ich will erst duschen", sage ich und halte dagegen.
"und ich will deine monalisa sehen", beharrt das objekt.
"nein!"
"doch!"
was ich an argumenten habe, macht das objekt durch den einfachen einsatz körperlicher übermacht wett. irgendwann gebe ich mich wonnevoll geschlagen und den objektiven berührungen hin. das objekt selbst hält sich zurück, beobachtet nur und betrachtet meine reaktionen.

danach liegen wir aneinandergekuschelt unter der decke.
"kaffee?" fragt das objekt und reicht mir meine tasse.
"ohja."
"aber verbrenn dir nicht deine lippen. keine von allen", grinst es.
ich boxe es leicht ins gemächt und küsse es.
dann stellen wir wie immer fest, dass es spät ist, fast zu spät schon und die gespielin in zehn minuten nach hause kommt. ich ziehe mich flugs an.
"ich bring dich noch runter", sagt das objekt und springt in die schuhe.

unter der haustür küsst mich das objekt lange und tief.
"sehen wir uns montag? ich hätte den ganzen tag zeit."
ich nicke begeistert.
"dann komm ich gleich morgens zu dir und dann frühstücken wir, was meinst du?"
holla die waldfee. das objekt überrascht mich derzeit ständig von neuem.
"was ist morgens für dich?" frage ich vorsichtig.
"so um neun, halb zehn?"
"da krieg ich noch keinen bissen runter."
"du musst ja keine feste nahrung zu dir nehmen, wenn du nicht willst", grinst das objekt vielsagend.
ich schubse es.
"tschüß. viel spaß heute noch mit deiner vermieterin."
dann renne ich zur bahn.

montag.
ich bin gespannt.

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Montag, 10. Februar 2014
nightshift
gegen 22 uhr am gestrigen sonntag ruft das objekt an.
"du schon wieder", sage ich.
"jo, ich schon wieder. ist grad so schön ruhig hier, mein sohn ist nicht da, die gespielin ist gerade zur arbeit los, und ich sitz so da und rauch einen."
ich kann mir die szene lebhaft vorstellen und muss kichern.
"erzähl mir was", verlangt das objekt. "wie es dir geht oder sonst was."
"erzähl du mir doch was."
"ich hab gerade so ein schönes kribbeln", sagt das objekt.
"filzläuse", frage ich frech.
"du böses fräulein. gleich gibts die rote karte."
"wir können ja da weitermachen, wo wir das letzte mal aufgehört haben. so zur entspannung."
"du meinst..."
"legen sie hand an, monsieur."
das objekt atmet tief.
"warte mal, ich schmeiß mir dazu einen porno rein."

das objekt beginnt zu wühlen, wird aber nicht fündig.
"scheiß drauf", sagt es irgendwann. "eigentlich reicht mir deine stimme am ohr. sag mal, was du anhast. trägst du einen bh?"
"nein, ich habe gerade geduscht."
"das heißt, du hast noch nicht so viel an?"
"wenn du glück hast, findest du sogar noch feuchte stellen", sage ich zweideutig.
das objekt hält den atem an und seufzt dann tief:
"ich wünschte, deine lippen wären jetzt hier."
"okay... dann stell dir mal vor, ich komme jetzt in dieser einsamen nacht vorbei... um dir einen zu blasen. so ganz ohne anlauf... ich komme rein, du sitzt schon nackt in deinem sessel..."
"moment mal", unterbricht mich das objekt.
"ja was denn?"
schweigen.
dann sagt das objekt:
"komm vorbei. bitte komm vorbei und mach es genau so, wie du es erzählen wolltest."

unverhofft kommt oft.
"na gut", sage ich ein bisschen so, als würde ich dem objekt damit einen reinen gefallen tun.
"aber unter einer bedingung."
"ja?"
"du wirst dir jetzt keinen runterholen."
"okay."
"du wirst auf mich warten. du wirst eine ganze weile warten."
"du willst mich mit meiner vorfreude quälen?"
"yes."
"oh, du biest... dafür lieb ich dich ja schon wieder."
bevor das objekt umständlich erklären kann, wie sehr es sich freut, obwohl es das ja eigentlich gar nicht darf, habe ich schon aufgelegt. dann nehme ich mir alle zeit der welt, wasche haare, schaue einen film zu ende und mache mich dann langsam auf in die nacht.

um halb eins komme ich bei objekt an. ein kurzer blick aufs handy zeigt, dass das objekt zwischendurch angerufen hat und zwei smsen geschickt hat, ob ich denn schon unterwegs sei. ich grinse mir einen und spüre mal wieder: macht ist sexy.
oben im haus steht das objekt an der tür und zieht mich hinein in den flur.
"du hast ja noch alles an", stelle ich fest.
"komm erst mal an. ich hab dir einen tee gemacht."
ich stutze:
"ich dachte, du wolltest ficken?"
da blickt das objekt schüchtern auf und meint:
"ich kann das so nicht, ich will, dass es dir gut geht, ich kann nicht mit dem gefühl, dass ich dich hier einfach nur für eine nummer antanzen lasse... es kostet mich die totale überwindung... weil du mir was bedeutest."

wir setzen uns erstmal auf das bett und schauen uns eine weile einfach nur an.
"hübsch siehst du aus", findet das objekt.
ich lächle und strecke die hand nach seinem hosenbund aus.
"langsamer", bittet das objekt.
ich halte inne. das objekt zieht mich in seinen schoß und küsst mich. die objekterektion drückt gegen meinen schenkel, während das objekt meine bluse aufknöpft und dann den reißverschluss an meinem rock aufzieht.
"du sau", sagt es, als es meine strapse entdeckt.
mit einem satz ist es aus den hosen und drückt mich in die kissen.
"du legst es drauf an", flüstert es mir ins ohr.

wir ficken so hemmungslos und berauscht wie beim letzten mal. hinterher habe ich das gefühl, dass wir sämtliche grenzen gesprengt haben. dem objekt scheint es ähnlich zu gehen:
"du hast den schlüssel."
"was meinst du?"
"den schlüssel zu mir."
ich grinse stolz und glücklich und das objekt streichelt mein gesicht.
"und du bist die erste frau, die mich in den arsch fickt."
"du bist der einzige mann, der das im moment bei mir darf."
"und du löst so zwiespältige emotionen in mir aus", grübelt das objekt weiter.
"was meinst du?"
"einerseits will man einfach nur über dich herfallen, weil du so derbest provozieren kannst... und andererseits bleibt du immer so... verletzlich. ich habe immer das bedürfnis, dich zu beschützen."
"du bist mein lover, nicht mein psychotherapeut."
"ich bin dein freund."
"ja, auch das, und das macht mich sehr froh", sage ich und küsse das objekt.

dann steht das objekt auf und geht in die küche, um etwas zu kochen. kurze zeit später wir sitzen am tisch und essen.
"es ist erst kurz nach drei", sagt das objekt. "wir haben noch ganze zweieinhalb stunden, ist das nicht schön?"
"ja."
"das war die beste idee ever, dass du heute noch vorbeigekommen bist."
"find ich auch."
"und ich bin immer noch geil."
ich stehe auf und setze mich beim objekt auf den schoß.
"dann lass uns doch gleich in die nächste runde gehen."

nach runde zwei sind wir ziemlich ausgepowert und kuscheln uns einander. das objekt zeigt mir alte urlaubsfotos von sich und dem sohnemann.
"wir fahren da fast jedes jahr hin", berichtet das objekt, "da kann man herrlich klettern. und ringsum ist alles wie urwald."
"wie im märchen", finde ich, "da erwartet man jeden moment, dass irgendwelche trolle oder hobbits auftauchen."
"damit liegst du gar nicht so falsch. die chroniken von narnia wurden hier gedreht."
"und da schlaft ihr dann draußen?"
"ja, hier so auf den felsen."
"hast du keine angst um den kleinen?"
das objekt schüttelt den kopf und schaut mich dann lange an.
"du solltest nächstes mal mitkommen. das wäre schön."
"du meinst so für ein wochenende?"
das objekt schüttelt abermals den kopf.
"wir sind da mindestens zehn tage."
zehn tage mit dem objekt und seinem lütten durch grüne wälder hüpfen, in flüssen schwimmen und geheimnisvolle orte erkunden scheint mir wie die verheißung fürs paradies. mein herz beginnt wild zu klopfen.
"ich kann aber nicht klettern."
"das bring ich dir bei, so schwer ist das nicht."

als ich gegen fünf langsam in meine klamotten schlüpfe, fühle ich mich wie im traum. beim abschied halten wir uns noch lange in den armen. so nah waren wir uns kaum in unseren besten zeiten, denke ich, schweige aber, weil ich das objekt nicht verunsichern will. als ich seinen blick erhasche, weiß ich jedoch, dass es ihm ähnlich geht.

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Samstag, 8. Februar 2014
holding on
das objekt meldet sich zum abendlichen seelsorge-telefonat.
"was machst du gerade?"
"mit dir telefonieren und um meine innere mitte schwingen."
das objekt erkennt seine eigenen worte und lacht.
"sei doch froh, nicht jede patientin nimmt deine pflegerischen ratschläge so ernst", beschwere ich mich.
"dir gehts gut, was?" will das objekt wissen.
"war schon mal dramatischer. obwohl ich ja jammern könnte, weil ich krank bin."
"erkältung gibt maximal einen halben mitleidspunkt. das hat gerade jeder."

ich muss lächeln. jeden abend freue ich mich auf diesen anruf und hoffe, dass das objekt ihn tut, dass es ihm nicht selber mies geht oder es drogenbedingt in wolkenkuckucksheim hängt.
"wie hast du letzte nacht geschlafen?"
"ganz okay. sechs stunden."
"du schläfst aber normal mehr?"
"acht bis zehn."
"das kommt wieder. wie viel nimmst du gerade?"
"sieben milligramm."
"und du kommst damit klar?"
"ich habe den eindruck, es wirkt weniger gut als am anfang."
"bei diesem medikament hast du eine schnelle toleranzbildung. heißt, es macht auch abhängig."
"was glaubst du, warum ich das zeug erst jetzt bekommen habe. es war die ultima ratio."
"ich habe auch kein gutes gefühl dabei, wenn du das noch viel länger nimmst. wie wär´s, wenn du einfach was rauchst stattdessen?"
"in letzter zeit hat mich das nur umso wuschiger gemacht."
"okay, das ist nicht gut."

wir schweigen eine weile und ich genieße die zuneigung, die auch mit der stille zu mir herüberschwappt.
"gehst du am wochenende aus?" frage ich das objekt.
"weiß noch nicht. t. kommt vorbei, den kann man ja leider so schwer zu was motivieren."
"ich würde vielleicht weggehen. aber nur, wenn jemand mitkommt."
"dann gebe ich dir bescheid, falls wir doch losziehen."
"das wäre klasse."
"wie kommst du eigentlich mit t. klar?"
"ganz gut, warum?"
"ich frag ja nur."
"hat er irgendwas gesagt?"
"nein."
"du weißt, dass du mir das sagen solltest, wenn es so ist."
"morphine, er hat nichts gesagt! ich frage nur, weil ich dich nicht aus versehen mit menschen konfrontieren will, mit denen du im clinch liegst. ich will, dass du dich wohlfühlst. wenn, dann soll das ein schöner abend werden."
"bis auf deine mitbewohnerin gibt es keine menschen, mit denen ich probleme habe."
das objekt schweigt kurz.
"das war unnötig, morphine. ich habe neulich sogar deine postkarte in der küche aufgehängt."
"wie, echt, so offiziell? und was hat sie gesagt?"
"sie hat gar nichts gesagt. alles, was sie nachfragt, sind unsere langen telefonate."
"dann sag doch, ich bin irgendein kumpel."
"nein. ich will ehrlich sein."
"hoho!"
"mann! ich will, dass du ganz normal bei mir ein und aus gehen kannst. dass ich dich einladen kann und dass wir dann in der küche sitzen können, ohne dass sie sich aufregt."
"das wär ja mal schön."
"sie wird irgendwann akzeptieren, dass es dich gibt."
"nicht, wenn du ihr die volle wahrheit zumutest."
das objekt schweigt wieder. ich merke, wie schwierig das thema ist.

meine gedanken schweifen ab zu unserem letzten sex, zu den tiefen küssen, zu der fast gewaltsamen leidenschaftlichkeit, mit der ich geliebt worden war. ich bekomme eine gänsehaut.
"an was denkst du", will das objekt wissen.
"das ist eine scheißfrage", gebe ich meine standard-antwort.
"es interessiert mich aber."
"ich musste an unsere letzte begegnung denken und jetzt bin ich geil", sage ich offen.
"dann machs dir doch."
"verlockender vorschlag. heißt das, du möchtest, dass ich mir jetzt die finger in die muschi stecke?"
schweigen am andere ende der leitung.
"verdammt, jetzt hast du mich angefixt", sagt das objekt dann zögerlich und atmet tief.
"ich fände es schön, wenn du dabei an mich denkst", sage ich und bin dann peinlich berührt.
"ich denke oft und gerne an dich", erwidert das objekt zärtlich.
ich spüre, wie mein herz und zugleich der puls im unterleib wummern.

dann poltert etwas im hintergrund.
"oh", sagt das objekt betreten, um dann in den raum zu rufen:
"du sollst doch ins bett gehen, schnuffi."
ich muss lachen. vaterfreuden.
"okay, der erotische moment ist hiermit gekillt."
"tut mir leid", sagt das objekt. "du kannst ja gleich weitermachen, ich muss mal sehen, was der kleine gerade treibt."
"dann bis morgen."
"bis dann."

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Freitag, 31. Januar 2014
mein roter schutzgeist
nachdem die wenigen restlichen möglichkeiten zur rettung meiner existenz nach und nach wie seifenblasen platzen, bewege ich mich in einem merkwürdigen schwebezustand, ähnlich wie damals nach der krebsdiagnose. ich renne nach wie vor wie besessen in meine arbeit, wo ich derzeit vorwiegend buchhaltungsinventur mache, ein arschlochjob, aber er hält die gedanken beisammen und erlaubt keine fehler. danach beeile mich, nach hause ins bett zu kommen. da ich nachts nicht mehr schlafen kann, muss ich ein wenig schlaf tagsüber nachholen. ich flüchte mich in den schlaf. nicht denken müssen, die gedanken sind ohnehin nicht produktiv.

das klappt nicht immer. heute erwischt mich das objekt mitten im down.
"ach verdammt", sagt das objekt, als es die lage gepeilt hat, "kannst dus mir erzählen?"
wie immer wenn ich exzessiv heule, bekomme ich schluckauf und kopfschmerzen und kein vernünftiges wort raus. ich setze ein paar mal an, komme aber mit meinen sätzen nicht zum ende.
"weißt du was", sagt das objekt irgendwann, "du hast jetzt 20 minuten, dich zu beruhigen. zwischenzeitlich komm ich kurz rum, ich hab eine stunde, dann muss ich meinen sohn vom sport abholen."
"okay", flüstere ich.

ich taumle ins bad, um kurz meine heulfresse zu begutachten. nix zu machen, finde ich, also bleiben wir heute eben hässlich.
dann klingelt auch schon das objekt an der tür. ich stehe im flur, das gesicht verquollen, trage nur slip und t-shirt und meine bettdecke, die ich um mich schlinge.
das objekt guckt ein bisschen betreten, versucht aber die fassung zu wahren.
"möchtest du dich umarmen lassen?" fragt es vorsichtig.
"ich schäme mich so", sage ich.
"wofür?"
"für alles, was ich bin."
das objekt nimmt mich vorsichtig bei den schultern und zieht mich dann langsam, ganz langsam zu sich heran.
"lass einfach los, wenn du kannst", sagt es. ich lehne die stirn an seine schulter und stecke die nase in die warme achselhöhle. meine tränen tropfen still in den objektiven pullover. das objekt hält meinen kopf, streichelt meinen nacken und wiegt mich beruhigend.

wir setzen uns auf mein bett. ich rolle mich im schoß des objekts ein und das objekt breitet die decke über mich.
"was ist es, was dich im augenblick so runterzieht? die existenzielle situation?"
"ich weiß nicht mehr, was ich machen soll."
"wie ist das mit deiner arbeit? ist das ein guter ort oder kostet dich das gerade kraft, die du nicht hast?"
"das ist ein guter ort, aber es ist im moment schon auch anstrengend. ich kann nicht wirklich klar denken."
"ich würde mich an deiner stelle überlegen, ob du dich nicht krankschreiben lässt und die zeit nutzt, um einen plan zu fassen."
"wenn ich jetzt allein zuhause sitze, komme ich nur auf dumme gedanken."
das objekt schaut skeptisch.
"was meinst du damit konkret?"
ein blick genügt und das objekt hat verstanden.
"dann lass dir halt und struktur geben von deinem job, aber du musst die grenze wahrnehmen, an dem das in verzweifelte routine und kraftraub ausartet."
ich nicke.
"wann ist dein nächster freier tag?"
"samstag."
"und dann?"
"sonntag."
"weißt du, was du da machst? ist da jemand bei dir?"
ich schüttle den kopf.

das objekt überlegt.
"wenn ich sonntag von der arbeit komme, könnten wir uns treffen."
"ich will aber nicht, dass du aus mitleid mit mir rumhängst."
das objekt schaut betroffen.
"morphine, ich will, dass du weißt, dass ich dich sehr gerne habe, und das sage ich nicht in nur wegen der situation. ich finde, du bist eine faszinierende persönlichkeit, und zu dieser persönlichkeit gehört auch deine ganze geschichte. ich mag deine geschichte kennen, mit all ihren dunklen flecken, und ich mag dich auf deinen höhenflügen genauso wie jetzt in deiner verzweiflung."
"es tut mir leid", weine ich, "aber ich kann gerade nichts mehr an mir erkennen, was irgendwie... mit freude verbunden sein könnte, auch für andere."
"ich weiß ja... ich weiß ja...", beschwichtigt mich das objekt und schaut dann etwas ratlos zur wand.

"die lage ist so, wie sie ist, einfach neu für mich", erkläre ich. "ich hab mich bislang immer selber aus der scheiße geholt. oft nur ganz knapp, aber es hat immer funktioniert. inzwischen fehlen mir die ideen zum überleben. es ist alles ausgereizt."
"ich vermute, du musst dich komplett neu orientieren", sagt das objekt vorsichtig. "auch wenn du deinen job magst und ihn gut machst, aber das ist so ein haifischbecken... denk ruhig mal quer und vielleicht magst du tatsächlich was ganz anderes machen. nicht unbedingt schule, weil das wäre meines erachtens der weg vom regen in die traufe. aber so... du hast studiert, du hast fünf jahre gearbeitet, teils sogar in einer leitungsfunktion... da muss doch was gehen."
"ich hab fast ein jahr gesucht, bis ich meinen jetzigen kleinen job hatte. das war der totale horror, das will ich nicht noch mal erleben müssen."
das objekt schmunzelt und schaut mich offen an:
"liebe morphine, ich fürchte, menschen wie du und ich werden es immer schwer haben, weil wir keine arschlöcher sind. und es wird auch nicht leichter mit der zeit, weil die zeiten immer härter werden."
"und wie schaffst du es, davor keine angst zu haben?"
"ich sag ja nicht, dass ich keine angst habe. aber ich weiß, dass ich mich auch mit 80 noch in den spiegel schauen und mir sagen kann, ich habs es gut gemacht. so gut es eben ging, aber mit dem herzen. ich werde nie reich oder glücklich sein, aber ich muss es deswegen noch lange nicht schlecht haben."

ganz unbemerkt habe ich mich gesammelt und aufgehört zu weinen.
"kann ich dich jetzt allein lassen", will das objekt wissen.
ich nicke.
"und mach dir mal gedanken. wenn dus nicht für dich tun willst, dann für mich. mach mich stolz, kleine große morphine."
ich muss grinsen.
"dich hätt ich gern zum vater gehabt. ehrlich."
das objekt lächelt zurück:
"das ist ein schönes kompliment, aber ich hab es lieber so. dann kann ich dir auch mal den schwanz in den mund schieben, damit du die klappe hälst."
ich kichere und schubse das objekt zur tür.

"denk dran, sonntag will ich ergebnisse hören", sagt das objek zum abschied.
ich nicke.
"und wenn dir danach ist, schick ruhig zwischendurch mal eine brieftaube."
ich umarme das objekt.
"danke für alles."
"schnauze, süße", erwidert das objekt und küsst mich einmal tief. dann springt es flink die treppe hinunter und verschwindet wie ein guter geist, der mir ein päckchen zuversicht vorbeigebracht hat.

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Montag, 20. Januar 2014
have a break, have a pussy
"hey! was machst du gerade", fragt mich das objekt heute nachmittag.
"ich hänge im bett und heule."
"hm... die geschichte musste mir gleich erzählen. aber ich wollte dich eigentlich fragen, ob wir nicht gemeinsam feierabend machen wollen? ich hab zeit und die gespielin kommt erst nach 21 uhr von der arbeit."
"öh..." ich bin perplex, merke aber, wie sich beim begreifen der frage ein zarter flimmer von vorfreude über die depression legt.
"also ich versteh das natürlich, wenn dir gerade nicht danach ist", räumt das objekt ein. "aber, naja, die gelegenheit... ist günstig, sozusagen. mein sohn ist auch nicht da."
ich atme tief durch und sage dann nur:
"ich bin in einer stunde bei dir."
das objekt freut sich nen keks.
"wie viel willst du vorher rauchen?"
"mindestens zwei."
"ich bereite was vor."
"brav. bis dann", lege ich auf, bevor das objekt ins quatschen kommt und wir wertvolle zeit verschwenden.

duschen, die beste unterwäsche aus dem schrank holen, dann ab durch die mitte. arbeit bleibt liegen. die fertige wäsche bleibt in der trommel. mir egal. ich will raus, ich will weg, ich will zum objekt.
als ich vor dem heruntergekommenen haus stehe, klingle ich sturm, dann renne ich die treppen hoch. oben steht das objekt und breitet die arme aus, fängt mich auf, drückt mich und lässt mich nicht mehr los.
"es ist so schön, dass du da bist", sagt es.
"es ist so schön, dass deine alte nicht da ist", sage ich und das objekt grinst und knufft mich.
"wollen wir was essen", fragt es und zeigt richtung küche. "ich könnte was ko..."
da habe ich es schon am hosenbund gepackt und ins schlafzimmer gezogen.
"ist dir nach körperkontakt", fragt das objekt hocherfreut.
"nein, aber du bist barfuß, ich mache mir nur sorgen, dass du dir eine erkältung holst, wenn du nicht gleich ins bett kommst."

das objekt lässt sich bereitwillig neben mich sinken und wendet mir dann das gesicht zu. wir küssen uns. und küssen uns. und küssen uns. die kussintensität und -länge ist ganz objektuntypisch, da küsse zwischen uns nicht zwangsweise zum akt gehören. ein objektiver kuss ist ein verführungsmanöver, ganz im biologischen sinne der lockstoffübertragung, aber oft einfach auch nur eine geste, die zuwendung, zuneigung und die botschaft "du bist attraktiv" beinhaltet. auch ich küsse beim sex eher wenig, kann sogar gut und gerne vollkommen darauf verzichten. heute aber ist etwas anders.
"was ist los", frage ich verzaubert.
"ich hab mich so auf dich gefreut", sagt das objekt.
ich muss debil grinsen. dann stellt sich das objekt breitbeinig über mich und öffnet die hose. es weiß, dass mich diese geste anmacht. als es die hüllen fallen gelassen hat, kniet es sich herunter, drückt mir die handgelenke ins kissen und sagt: "keine bewegung", während es beginnt, mir die kleidung vom leib zu zerren. ich harre vor spannung zitternd aus, dann bin ich nackt und unsere blicke treffen sich. wir atmen uns laut mit offenen mündern an, bis das objekt mit einem kräftigen stoß in mich eindringt.
verhütung, denke ich noch kurz, dann setzt das denken aus und unsere körper übernehmen die regie.

wir ficken wie die wilden tiere. es ist ein brutaler akt, getrieben von einem wollen, wie ich es nur beim objekt kenne. als das objekt kommt, beißt es mich zart in die haut unterhalb meines kehlkopfs, "rrrrrraaaawwww", macht es dabei, dann sinkt keuchend es über mich.
"was für ein ritt, madame", sagt es und haut mir auf den po.
"du hättest deinen schwanz vorher wenigstens rausziehen können, ich bin nicht so scharf auf ein kind von dir", beschwere ich mich.
"ich hatte keine chance", erwidert das objekt lächelnd. "deine süße hat mich verschlungen."
"naja", sage ich, "eine schwangerschaft wäre auch nur noch der gipfel der ganzen katastrophe."

das objekt stützt sich auf und schaut mich aufmerksam an.
"möchtest du was loswerden? willst du mir was anvertrauen? da war doch was?"
ich lasse meinen kopf auf die breite objektbrust sinken und erzähle die ganze kacke.
"ich meine, es ist ja klar, dass nicht immer alles eitel sonnenschein ist. aber ich nehme das persönlich. und ich bin dann nicht gut zu mir."
"wie warst du denn nicht gut zu dir?"
"ich habe böse sachen über mich gedacht, obwohl ich keine schuld an der geschichte hab."
"und hast du auch was gemacht?"
automatisch greift das objekt nach meinen armen, dreht sie und begutachtet sie ausführlich. dann sagt es erleichtert:
"aber wenigstens keine frischen schnitte."
"ich hab nix gemacht. ich hatte zwei gläser whiskey und hab mies geschlafen und gealpträumt, dass ich lehrerin werden muss."
"wenn du das wirklich tust, hab ich angst um dich. du wirst da zerrieben. zumindest im moment. du musst noch stabiler werden."
"ich hab auch angst davor. aber was bleibt mir denn übrig?"
"ich hab schon überlegt, ob du nicht irgendwas bei uns arbeiten kannst."
ich horche auf. da sieh mal einer an! dass das objekt mir mal eine berufliche chance eröffnen könnte, daran hatte ich noch nie gedacht.
"habt ihr was frei in der öffentlichkeitsarbeit? das würde ich ja sofort machen."
"das weiß ich nicht, aber auf unserer station gibt es ein paar halbe stellen zu besetzen. und in zeiten der pflegenot... du kannst zwar noch nichts medizinisches machen, aber du würdest alle voraussetzungen mitbringen: einen pädagogischen hintergrund, viel empathie, geduld und diese fähigkeit, um die ich dich so beneide, allem auf den grund zu gehen."
ich überlege:
"kann man bei euch ein praktikum machen?"
"klar", sagt das objekt.
"ich denk mal drüber nach."
"du könntest das natürlich auch neben deinem jetzigen job machen."
"wenn dann nur so."

wir liegen schweigend eine weile nebeneinander und rauchen. ich streichle die weiche objekthaut, die auch jetzt im winter zarte sommersprossen hat.
"wollen wir einen film gucken", schlägt das objekt vor.
"hmhm."
das objekt schmeißt irgendeinen streifen rein, dann kuschelt es sich wieder an und klemmt mein knie zwischen seine beine. ich kann spüren, dass sich etwas tut.
"hast du nen gummi da?" frage ich diesmal, als würde das noch viel retten.
das objekt nickt und fummelt eine lümmeltüte aus der verpackung.

das zweite mal sind wir zärtlicher, bewusster, mehr beim anderen. das objekt küsst mich wieder und wieder.
"ich wusste gar nicht mehr, wie gut du küssen kannst", sagt es.
es wird ein langer akt, leidenschaftlich und genussvoll bis zur letzten sekunde.
"wahnsinn", stöhnt das objekt beim orgasmus, dann sinkt es völlig erschöpft neben mich. ich merke, wie verschwitzt wir sind.
"sportficken", sage ich, und zeichne die spur eines schweißtropfens auf der objektbrust nach.
"wie geht´s deiner süßen?"
"warm. und feucht."
das objekt grinst sich einen.
"und bei dir?"
"könnt nicht besser sein."

ein blick auf die uhr zeigt, dass es allerdings doch besser hätte sein können, nämlich wenn wir mal auf die zeit geachtet hätten.
"bist du mir böse, wenn ich dich bitte, dass du dir was anziehst", fragt das objekt schüchtern.
"solange dus nicht damit begründest, dass ich so hässlich bin", lache ich.
das objekt küsst meine brustwarze und meint:
"bei dir ist alles super in schuss, mach dir keine sorgen. da können dich 25jährige beneiden."
"dito", sage ich stolz, und das objekt strahlt.

tatsächlich ist es zehn vor neun. ich springe in meine klamotten und das objekt räumt hektisch gummis, taschentücher, zweite gläser und andere verräterische gegenstände weg. als schon alles gut aussieht, fällt mir auf, dass mir ein ohrring fehlt. ein klassiker.
das objekt krabbelt durch das bett und sucht jede ritze ab. dann endlich findet es meinen ohrring in einem kissen.
"hier", sagt es erleichtert.

zum abschied setzen wir uns vor das objektive bücherregal, das zu meiner freude wächst, wozu auch ich beigetragen habe.
"ich will dir so gerne ein bisschen lektüre mitgeben", sagt das objekt, "so zum weiteren heilen und damit du nicht nichts tust, wenn es dir schlecht geht."
das gestaltet sich schwierig, da ich sämtliche objektive lieblingsbücher schon gelesen habe oder selber besitze. endlich findet es mit tolkien einen autor, den ich zwar schätze, aber nicht wirklich mag.
"komm", sagt das objekt und drückt mir den kleinen hobbit in die hände. "leichte kost. versuchs wenigstens, du kannst es mir ja wiedergeben, wenn du es nicht magst."

dann müssen wir uns trennen. wir halten uns umschlungen wie kinder.
"das war sehr schön mit dir", wage ich zu sagen.
"das fand ich auch."
dann drehe ich mich schnell um und gehe, damit ich der gespielin nicht in die arme renne.
"sag bescheid, wenn du zuhause bist, damit ich weiß, du bist gut angekommen", ruft mir das objekt hinterher.
dann fällt die tür ins schloss und ich bin wieder alleine. durchgewärmt. frisch gevögelt. und happy unter der temporären käseglocke von objektglückseligkeit.

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Sonntag, 12. Januar 2014
the dream is over?
ein grund, warum ich mich nicht mehr verliebe, ist unter anderem, dass sich schon nach kürzester zeit, bevor sich ein zartes rosarot vor den realitätsfixierten blick schieben kann, die schwachstellen eines menschen kennenlerne. sie springen mich an und ich kann nicht mehr wegschauen und mich selbst belügen.

der therapeut ist noch immer stark in sachen männerschnupfen beschäftigt. auf vorschläge für die ausgesprochen nahe zukunft in vermutlich vollständiger gesundheit reagiert er mit schmollen und destruktivität, bis mir die lust vergeht, noch irgendein wort zu sagen. die selbstmitleidige, latent aggressive art kenne ich schon von anderen älteren männern, fällt also unter "hatte ich schon, brauche ich nicht mehr".

abwarten und tee trinken oder den tee gleich in den ausguss kippen? ich fackle bekanntlich nicht lange. diesmal fällt mir auf, wie gerne ich mich selbst noch eine weile an unschuldiger träumerei geweidet hätte.

ich heule ein wenig bei frau okavanga rum, die eigentlich schlafen wollte, aber sich dann doch noch zu einem anderthalbstündigen telefonat breitschlagen lässt.

statt deeskalationsstrategien mit dem lieblingsnachbarn gekifft und wein getrunken. hier beim nachbarn ist alles schwul, das heißt, ich kann mich endlich mal entspannt zurücklehnen und den k(r)ampf der geschlechter sein lassen. ich erzähle ein wenig vom objekt und vom therapeuten, und der nachbarn meint, ich müsse ihm das objekt unbedingt mal vorstellen. ich lache und warne: macht süchtig. der nachbarn lacht ebenfalls und berichtet dann, wie er mal koks in eine geschlossene anstalt hineingeschmuggelt hatte. auch so ein wahnsinniger, das finde ich herrlich.

so vergeht ein wochenende in innerer unabhängigkeit und guter laune, allen sturmwarnungen zu trotz.

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Sonntag, 5. Januar 2014
fickflittchen und die sieben zwerge
gestern den ganzen tag müde. schmerzen. zum einkaufen humpeln und wieder in die wohnung kriechen. trotzdem beinahe ein gefühl von lebensfreude in mir. muss am guten wetter liegen. der winter ist bislang ganz nach meinem geschmack. mild und sonnig. die klimakatastophe kann auch vorteile haben.

obwohl ich diese woche schon zweimal tanzen war, beschließe ich, später noch im club vorbeizuschauen. mein innerer kompass sagt, dass auch das objekt sich heute in feierlaune befindet. teleempathie, oder wie man das nennen mag. in teleempathie bin ich objekttechnisch inzwischen ganz gut und habe eine hohe trefferquote. theoretisch könnte man natürlich auch einfach den betreffenden anrufen, aber das wäre nicht halb so spannend.

tatsächlich ist der objekt-arsch das erste, was mir ins auge fällt, als ich den club betrete. das objekt lehnt über dem tresen und unterhält sich mit romeo, einem aufriss von anno dazumal. obwohl romeo ganz smart scheint, ist es mir noch nie gelungen, mich mit ihm zu unterhalten. also beschränke ich mich darauf, dem objekt kräftig auf den arsch zu hauen und dann schnell in der menge zu verschwinden. ich hole mir bei meinem lieblingsbarkeeper eine whiskey-cola und lümmle mich auf die couch, wo schon bekannte sitzen. ein bisschen small talk, ja, an guten tagen kann ich das, ohne mich dann anschließend leer zu fühlen, ohne die kreischende frage im kopf, wars das, ist das alles, wo ist denn da die tiefe, die wahrhaftigkeit und schönheit der echten verbindung?! an guten tagen halten die gedanken inzwischen einfach die klappe und der tapfer etablierte stumpfsinn findet das dann alles ganz nett soweit, auch wenn wir wissen, dass nett die kleine schwester von scheiße ist.

als ich so sitze, fällt mir ein, dass ich ja den therapeuten anfunken könnte, der sich luftlinie nicht mal 100 meter entfernt auf der heimischen couch befinden müsste. im anbetracht der objektanwesenheit verwerfe ich den gedanken allerdings wieder. keine welten verschränken, sagt auch das objekt, das gibt nur probleme. inzwischen halten wir unsere welten so sauber, dass wir nur unter bedacht über anderweitige affairchen im detail sprechen. auch ereignisse aus der wohngemeinschaft mit der vermietergespielin verschweigt das objekt diskret, was mir sehr entgegen kommt.

das objekt ist an diesem abend stark belagert. neben drei frauen zähle ich mindestens zwei männer, an deren blick ich deuten kann, da ist was oder da war mal was. ich halte mich im hintergrund, will die gespräche nicht stören, besonders nicht an tagen wie heute, an denen das objekt offenbar sozial kompatibel und redefreudig ist. erst gegen vier uhr begegnen wir uns ein zweites mal an der tanzfläche, wo das objekt gerade eine kleine dicke blonde frau an der backe hat. ich stelle mich hinter die frau und schaue fragend, soll ich eingreifen und das objekt schickt mir einen hilfesuchenden blick zurück. also schiebe ich mich dazwischen, umarme und küsse das objekt herzlich und schiele dann über meine schulter.
"und weg isse", sage ich.
"du, ich dank dir", sagt das objekt, "das ist heute ganz schlimm. hier sind heute insgesamt sieben frauen und typen, mit denen ich mal was hatte. vorhin hab ich gedacht, ich muss im erdboden versinken, weil die meisten von denen wahrscheinlich denken, oh gott, der arsch ist ja heute auch da."
ich muss lachen.
"das sieht aber nicht so aus", finde ich.
"ich hab mich dann heute mal so mitreißen lassen und mich mit all denen noch mal unterhalten."
"traumabewältigung oder was?"
"so in der art."
das objekt fummelt an meiner tasche.
"was machst dun da?"
"mach mal die tasche da weg."
ich hebe die tasche an und das objekt haut mir seinerseits auf den hintern.
"so, jetzt sind wir quitt."

wir gehen rauchen. es folgen uns die blicke der objektverflossenen, was das objekt nur anspornt, mich in den arm zu nehmen und mich fest an sich zu ziehen.
dann sitzen wir an der bar.
"weißte, an was mich das mit deinen exen hier erinnert? an schneewittchen und die sieben zwerge", sage ich.
das objekt kichert.
"hast du was genommen?"
"ich bin so klar wie nie zuvor. aber denk doch mal drüber nach... fickflittchen und die sieben zwerge..."
"und ich bin das fickflittchen oder was?"
"na wer denn sonst. also das märchen muss halt umgeschrieben werden. aber in zeiten der emanziption kann fickflittchen doch auch männlich sein."
das objekt lacht.
"genau... und ich muss mich dann fragen: wer hat von meinem tellerchen gegessen... wer hat in meinem bettchen geschlafen... wer hat an meinem schwanz gelutscht..."
ich merke, dass ich tränen lache.
"gut, dann musst du ja nur noch meine rolle definieren."
das objekt grübelt nach.
"dann bist du dornröschen."
"hä? also ich meine, besser als die böse königin, aber das ist doch ein anderes märchen."
"das war aber immer mein lieblingsmärchen."
ich grinse geschmeichelt, bis das objekt fortfährt:
"... und ich hab mir immer so gedacht, ich würde das dornröschen gar nicht wachküssen. ich würde das einfach ausnutzen, sie da in ihrem hundertjährigen schlaf packen und mal ordentlich durchficken. so hart und so lange und so oft ich will."
ich packe das objekt an den gürtelschlaufen und ziehe es zu mir heran. da stehen wir unterleib an unterleib und spüren, wie die sexuelle spannung steigt.
"kannst du nicht nachher einfach mitkommen?", flüstere ich dem objekt ins ohr.
"ich würde ja gern, aber ich muss in zwei stunden auf arbeit sein."
"och nö."

als ich die finger aus den gürtelschlaufen ziehe, fällt mit erst auf, dass das objekt auch schon seine dienstmarke an der hose trägt.
"such dir mal nen anderen job, ich finde, das geht gar nicht. austern essen gehen wollten wir ja auch noch, dafür hattest du auch noch keine zeit."
"ja, manchmal wünsche ich mir mein leben so von vor vier jahren zurück. aber ich muss jetzt auch alimente zahlen."
"warum das denn? der kleine wohnt doch eh quasi bei dir?"
"nicht offiziell."
"das ist ja ne ganz linke nummer."
"ja, hat der neue stecher der kindsmutter eingefädelt. der wichser hat sich auch gleich ne neue playstation gekauft, als das durch war... und ich hab genauso wenig geld wie zuvor, als ich noch auf 30 stunden gearbeitet habe."
"das ist ja krass. kann man da nichts machen? da kommt ja nachweislich dann nicht dem kind zugute."
"ich wüsste nicht was. zu weihnachten wollten die kindsmutter und ich dem lütten ein kleines notebook schenken. weil alle in seiner klasse irgendwie sowas haben. wir haben eins gekauft und was ist passiert? der typ hat sich das gekrallt und mein sohn hat sein altes notebook dafür bekommen."
"du steckst echt in der scheiße. nimm dir da mal einen anwalt und frag, was du tun kannst."
"ich will da nicht schon wieder unfrieden stiften, das muss ja alles mein sohn ausbaden."
"so muss er es auch ausbaden."
"naja, hast ja recht, aber weißte, meine kraft reicht immer nicht für alles."
ich nehme das objekt in die arme und wiege es ein bisschen hin und her, so, wie es das immer mit mir macht, wenn es mir nicht gut geht.
"ich denk mal drüber nach, vielleicht fällt mir was ein. ich kenne ja auch ein paar leute, wenn auch leider keine anwälte."
das objekt küsst meine wange:
"danke, aber du, morphine, du hast genug eigene probleme. ich freu mich, wenn dir was einfällt, aber das ist kein muss. echt nicht."
"ich weiß. sonst würde ich das nicht anbieten."

wir stehen noch eine weile beisammen, dann wird das objekt immer unruhiger.
"ich glaube, ich sollte los, ich wollte ich noch schnell umziehen. wie bist du da?"
"mit dem rad."
"tja, dumm gelaufen, sonst hätte ich dich ein stück mit dem taxi mitnehmen können."
"verschwender."
ich küsse das objekt auf die stirn.
"dann viel spaß nachher auf arbeit."
"ja, wird ruhig, weihnachten ist ja nun vorbei."

ich bleibe noch eine halbe stunde und beschließe dann, ebenfalls den heimweg anzustreben. ich fahre ein kleine schleife über die straße, in der der therapeut wohnt, bedenke ihn mit einem warmen gefühl und nehme dann den ring weiter richtung norden. der morgen ist schwarz, sternklar und ruhig, kaum noch menschen unterwegs. ich stelle mir vor, der himmel ist ein dach und die häuser ein zauberwald, und träume mein eigenes kleines märchen, bis ich endlich zuhause bin.

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