Donnerstag, 3. April 2014
und wieder ein jahr geschafft
mit viel kampf und noch mehr krampf.
ohne überzeugende ergebnisse, aber dafür mit noch mehr herausforderungen.

gewonnen?

die merkwürdige kraft, die aus einer krebsdiagnose entstand.
kleine inseln mit dem objekt.
einsichten, jede menge.
menschen, hier und da, die freunde werden könnten.
wunderbare zeit mit zwei super-puschis.

verloren?

die existenzgrundlage.
knorpelmasse im knie.
ein paar dioptrien auf dem linken auge.
meinen onkel, der am wochenende verstarb.
freunde, die keine waren.
das vertrauen in die menschheit. das aber schon länger.

heute gibt´s die doppelte dosis antidepressiva. zur feier des tages.

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Montag, 31. März 2014
nightshift II
seit vergangener woche befinde ich mich in innerlicher objektdistanz. dieses gefühl zeichnet sich dadurch aus, dass ich schlecht vom objekt denke. arschloch. wichser. feiger opportunist. gleichzeitig bin ich bis zum anschlag geladen. meine gedanken malen objekt-schwänze in mein bewusstsein. drehen szenen zärtlicher und brutaler akte. lassen objektduft in meiner nase aufsteigen, obwohl da nichts ist, was nach objekt riecht.

gestern fühle ich mich deswegen innerlich zum zerreißen gespannt. gerade als ich dasitze und schwanke, ob ich zum wiederholten male masturbieren oder lieber ein paar benzos einschmeißen soll, ruft das objekt an.
"kannst du gerade zuhören?" fragt es.
"ja", sage ich.
"ich habe ein wahnsinnswochenende hinter mir! ich habe mich geprügelt!"
objektive prügelstorys sind immer spannend. das kommt daher, dass das objekt nach außen eher den thc-gechillten halbverrückten markiert, weshalb man ihm auf den ersten blick nicht zutraut, dass er menschen unter umständen mit einem schlag ins k.o. befördern kann. darüber hinaus bleibt das objekt, das sich seiner kraft durchaus bewusst ist, immer sehr lange ruhig und friedfertig, und verhandelt oder scherzt mit seinen angreifern. das kann entweder entwaffnend wirken oder den konflikt erst recht zuspitzen. dem objekt ist das egal, hauptsache, es wird unterhaltsam.

diesmal hatte sich das objekt auf einer party mit einem macker seines kalibers geprügelt und dabei selber auch einiges eingesteckt. der kampf war angeblich so beeindruckend, dass sich die security kaum eingreifen traute.
"aber jetzt gehts mir wieder gut", schließt das objekt seine heldenstory, "ich bin zwar seit über 24 stunden wach, weil ich nach der party noch arbeiten war, aber ich fühle mich ganz entspannt. alles, was mir jetzt fehlt, ist deine süße."
"ist das eine einladung?"
"wenn du so willst. ich würde mich freuen."
ich überlege kurz, denke an den banker, fackle dann aber nicht lang und sage:
"okay."
"nur okay?"
"was haste denn erwartet?"
das objekt hält inne und sagt dann:
"dass dich das geil macht."
ich lache.
"das kommt auf deine performance an."
"ich hab schon ein drehbuch im kopf."
ich spüre ein wildes pochen im unterleib.
"ich bin gespannt", sage ich mit verhaltener erregung.
"dann sage ich dir jetzt, was du anziehen darfst."

eine stunde später schlage ich beim objekt auf. als es mich in den arm nimmt, riecht es frisch gebadet.
"hmmmmmm", schnuppere ich.
das objekt strahlt, dann hebt es mich hoch und trägt mich in sein schlafzimmer.
"stop", sagt es, als ich mich ausziehen will.
"ich will das machen."
es zieht mir jacke, schuhe, strümpfe und rock aus, dann kniet es mit geschlossenen augen vor mir und atmet tief.
"alleine die vorstellung, dass ich dir jetzt gleich den slip ausziehe, bringt mich schon fast zum explodieren."
das objekt postiert mich vor seinem spiegel und gibt noch ein paar regieanweisungen. ich bleibe äußerlich vollkommen ruhig und unbeteiligt. als es mir langsam den slip herunterzieht und dabei über die innenseite meiner schenkel streicht, verrät mich allerdings ein leises zittern. das objekt bemerkt es und lächelt siegessicher. dann berührt es ganz leicht meine klitoris und ich zucke wie vom blitz getroffen.

"also doch", raunt das objekt, "ich habe mir ja schon fast sorgen gemacht, dass ich dich heute vielleicht doch nicht kriege."
es knöpft mein oberteil auf, liebkost meine brüste und meinen bauch und küsst meine muschi.
"war da gestern oder heute ein anderer mann dran?" schaut es mich streng an.
ich grinse.
"sag schon", insistiert das objekt.
"nein."
"nein was?"
"nein, kein anderer mann."
"gut."
ich betrachte das objekt.
"hätte dich das angemacht?"
das objekt schaut mich an.
"nein."
"sondern?"
"du weißt doch, es ist mir lieber, wenn da kein anderer war."

dann reicht es mir eine zierliche tasse tee.
"trink", sagt es.
als ich die tasse ansetze, dringt es mit einem finger in mich ein und ich zucke wieder zusammen.
"du hast was verschüttet", sagt das objekt und deutet auf einige tropfen tee auf dem boden.
ich will ein taschentuch holen, aber das objekt verbietet es mir.
"bleib genau so stehen, ich mach das."

es geht ein handtuch holen. als es das zimmer wieder betritt, ist es nackt. an der schulter und der linken flanke zeichnen sich die blessuren der prügelei ab. ich atme tief ein, ein schöner mann vom scheitel bis zu sohle, und ein krieger noch dazu.
der krieger kniet sich wieder vor mich und wischt den boden. dann reicht er mir erneut die tasse.
"trink", sagt das objekt. "trink wie eine dame. sei du selbst, sei elegant. konzentriere dich."
dann macht es dort weiter, wo es aufgehört hat. als ich kurz vor dem orgasmus stehe, fällt mir die tasse aus der hand und zerbricht.
"scheiß drauf", sagt das objekt nur.

es hebt mich wieder hoch, trägt mich über die scherben und legt mich aufs bett. dort drückt es mich tief in die kissen und hält meine handgelenke fest.
"was willst du?" fragt es mich.
"fick mich", sage ich bebend.
"sag bitte."
"bitte, du arschloch."
mit einem kraftvollen stoß dringt es heftig in mich ein, sodass ich instinktiv versuche, zurückzuweichen.
"das war für das arschloch", sagt das objekt und hält mich noch eiserner fest. "hat das wehgetan?"
"ein bisschen."
"hat es nur wehgetan oder hat es dich auch angemacht?"
"beides", flüstere ich.
das objekt küsst mich sehr zart, dann gibt es kein halten und offenbar auch kein drehbuch mehr. wir fallen übereinander her und lieben uns wild und hart.

"du bist wunderbar", flüstert das objekt in mein ohr, als wir später erschöpft und verschwitzt nebeneinander liegen. "du bist so süß und schön und warm und sexy, mit keiner frau ist es so wie mit dir."
ich sage nichts.
das objekt richtet sich auf:
"du sagst ja gar nichts?! da knie ich heute vor dir und dann sage ich dir sowas und du bist so cool. oder bist du sauer, weil ich dir wehgetan habe?"
"das war ja nicht wehtun."
"es war auch nicht so gemeint. ich meine, ich war so voller adrenalin... du hast mich so angemacht..."
"komm mal wieder runter. alles ist gut. es war fantastisch, wie immer."

endlich entspannt sich das objekt.
"ich möchte so gern, dass du in meinen arm kommst und wir einschlafen", wünscht es sich.
"dann stell ich lieber den wecker."
"ach komm. so tief schlafe ich nicht."
"ganz sicher?"
"nur ein bisschen chillen."
"na gut. es ist halb drei, wir haben noch etwa zwei stunden."

ich kuschle mich in die objektive achselhöhle und inhaliere die pheromone. das objekt küsst meine schläfe und streichelt meine haare.
"du riechst so gut", murmelt es, dann spüre ich, wie seine muskeln sich lösen und die glieder schwerer werden. als es sich auf die seite dreht und mich wie früher mit armen und beinen umschlingt, tritt auch bei mir entspannung ein und ich döse weg.

als ich wieder erwache, ist es 4:17 uhr. das objekt schläft wie ein stein und schnorchelt leise. ich rüttle an seiner schulter und rufe seinen namen. erst als ich ihm leicht ins gesicht schlage, wacht es auf.
"wir sind eingeschlafen", alarmiere ich es.
"oh gott", sagt das objekt verschlafen.
"ich muss sofort gehen."
"nimm dir geld für ein taxi", bietet das objekt an.
"ich bin mit dem rad da."
"du bist so tapfer", murmelt das objekt.
als ich in schuhen und jacke stecke, ist das objekt schon wieder eingedöst. ich sitze auf der bettkante und betrachtet das vertraute gesicht, das im schlaf so kindlich wirken kann, wenn sich die weichen lippen sanft bewegen und die augenlider im traum leicht flattern.
"tschüß", flüstere ich und küsse die kupferrote mähne.
dann flüchte ich aus der wohnung.

draußen schließe ich das fahrrad auf. als ich meine handschuhe anziehen will, fällt mir auf, dass mir einer meiner ringe fehlt.
verdammt.
in die wohnung komme ich nicht mehr, da jeden moment die gespielin nach hause kommt. das objekt schläft tief und fest und hört auch kein telefon mehr. in letzter not schicke ich eine sms und hoffe, dass das objekt sie liest, bevor die gespielin fündig wird.

dann fahre ich nach hause und verbiete mir jeden weiteren gedanken an potenzielle eventualitäten.

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Sonntag, 30. März 2014
tageslicht
am dienstag ruft der banker an und bittet um ein treffen. da der mann ebenso naturverrückt ist wie ich, verlegen wir das erste date an meinen lieblingsplatz: das moor.

perfekt zum kennenlernen hat eine weitere erkältung meine stimme in kehliges krächzen verwandelt und den hauptteil der kommunikation auf nicken, kopfschütteln und gestikulieren verlagert. trotzdem erzähle ich dem banker kaum zwei stunden später schon fleißig aus meinem verkorksten leben, inklusive der eskapaden in die psychiatrie und meiner unter dauermedikamentenbeschuss stehenden seele. der banker, der eigentlich gar kein banker ist, sondern tatsächlich hauptberuflich künstler, schaut mich interessiert, aber keineswegs schockiert von der seite an.
"wo bist du denn in behandlung?"
ich verrate es ihm.
"krass, da war ich auch mal. also was heißt mal, ist erst ein paar wochen her."

glasklar, dass ein interessanter mensch wie der banker auch eine klatsche hat. sein leiden ist noch weniger klar als das meinige zu fassen. er nimmt allerdings keine medikamente, sondern verarbeitet seine krisen in seinen bildern. sehr löblich und proaktiv-produktiv soweit.
wir erzählen einander ein wenig von unseren eltern. der banker beweist dabei eine messerscharfe wahrnehmung und wagt ein paar thesen über meine geknickte wenigkeit, die für die kürze des kennenlernens enorm sind. ich merke, wie ich innerlich ruhiger werde, obwohl der banker ähnlich wie ich ständig am wahrnehmen und zeigen und erzählen ist, also nicht wie das objekt den ruhepol bildet, auf dem ich mein gedankenschweres haupt ablegen darf. der banker versteht mich. er ist mir ähnlich. ein lebensmutiger mensch, der ebenfalls gerne und lange in die abgründe der menschlichen seele schaut.

wir gehen essen und beschließen dann nachher, noch einen wein bei mir zu trinken.
"ich hoffe, du magst katzen", sage ich, als ich die tür aufschließe.
ich gehe auf toilette und ziehe meine jacke aus. unterdessen begrüßen die superpuschis den banker. besonders der große hat ihn gleich ins herz geschlossen und wälzt sich begeistert auf dem teppich vor ihm.
später, als der banker kurz auf toilette ist, frage ich den großen leise:
"und, was meinste, kann man dem vertrauen?"
der kater schaut mich aus großen klugen augen und mauzt sanft, wie er es immer tut, wenn er sich wohlfühlt.

ich bin glücklich, dass mich der banker weder küsst noch anfasst. denn im selben maße, wie meine zuneigung wächst, wabern auch ängste und abwehr empor. was ist gut für mich? will ich das? und was wird das überhaupt? was um himmels willen hab ich da angerichtet?

es wird spät. eigentlich will ich den banker loswerden, um noch in den club zu ziehen. nachgucken, ob das objekt da ist. die bereitschaft, mich ficken zu lassen, ist hoch. doch dann nippe ich an meinem wein und fühle noch mal nach. bleibe sitzen. entlocke meinen entzündeten stimmbändern noch ein paar laute. lasse mich unter die lupe nehmen von diesem wachen blick. versuche, die ruhe in mir zu spüren und zu würdigen. das ist wertvoller als party mit potenziellem objektkontakt, sage ich mir. und ein teil in mir glaubt mir. also werfe ich den banker erst raus, als ich wirklich müde bin und die halsschmerzen zu stark werden, um weiterzureden.

ich bekomme zum abschied eine lange umarmung. ein moment panik, dass der banker mich jetzt küssen wollen könnte. doch dann wendet er sich der treppe zu.

wir werden uns wiedersehen, das steht fest.

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Mittwoch, 26. März 2014
ich bin ein alpha-tier, holt mich hier raus!
irgendwie kann ich mit geschäftsführern schlecht. das ist ganz merkwürdig, komme ich doch auch in teams prima klar, in denen ich nicht die erste geige spiele.

aber mit cheffe knallt es. eigentlich permanent. ich habe den rat meines therapeuten befolgt, cheffe nicht mehr jede kleinigkeit um die ohren zu hauen beziehungsweise immer hübsch abzuwägen, ob die sache wirklich ein elefant oder eben doch nur eine mücke ist und es sich somit nicht lohnt, kopf und kragen dafür zu riskieren.

also ärgere ich mich jetzt stumm. mit der folge, dass ich schon pickel kriege, wenn ich nur sehe, dass er mir eine e-mail geschickt hat. was er übrigens nur selten tut, weil marketing in seinen augen unwichtig ist und ich damit ebenfalls. gleichzeitig erwartet er natürlich, dass ich hübsch männchen bzw. frauchen mache, wenn er pfeift. neuerdings lasse ich mir damit eher zeit, was wiederum ihn reizt. aber ich vergelte respektlosigkeit mit respektlosigkeit, wenn ich schon nicht mehr maulen darf.

ich finde diese entwicklung schade. immerhin ist cheffe der zweite chef in meinem leben, vor dessen fachkompetenz ich achtung habe. was natürlich nicht viel nutzt, da er nicht viel vor meiner hat.

da mein job zwar spaß macht, aber gering bezahlt und ohne jegliche perspektive ist, habe ich mich nun entschlossen, doch wieder weiterzuschauen. immerhin hat mir neulich mein asiamann, bei dem ich gerne essen bestelle, "eine gluck" zu meinem curry mit hereingereicht. in meiner "gluck" stand, ich sei ein guter chef. vermutlich stimmt das.

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Sonntag, 23. März 2014
hochspannungsclubbing
nachdem ich den freitag so gut überstanden hatte, war ich gestern noch mutiger und beschloss, alleine auszugehen. zunächst ein abstecher in den stammclub, der fast leer war. keine bekannten gesichter, interessante neue schon gar nicht. ich erinnerte mich, dass einige straßen weiter eine konkurrenz-veranstaltung lief. also schwang ich mich aufs rad und fuhr weiter.

auf der konkurrenzveranstaltung war es dann angenehm voll. ich entdeckte zunächst t., danach einen weiteren bekannten, der mir einen drink ausgab. dann drehte ich mich um und sichtete die objektgespielin und das objekt. offenbar hatte das objekt heute ausgeh-erlaubnis in begleitung von mutti bekommen.

mit genugtuung betrachtete ich den arsch der gespielin, der schon wieder breiter geworden war. da sie über ein nahezu grenzenlos großes selbstbewusstsein verfügte, hatte sie sich in enge röhrenjeans gequetscht und dazu auch noch flache schuhe gewählt. im profil sah sie aus wie schwanger.

das objekt registrierte mich und kam zu mir herüber. es nahm mich sehr kurz in den arm und wartete dann, bis einige leute der gespielin die sicht versperrten, um mir auf den hintern zu hauen.
"na, wo kommst du her?"
"aus dem club."
"hast du dich nicht amüsiert?"
"nee, da ist heute keiner."
das objekt betrachtete mich prüfend, aber ich hatte ja so gute laune und innerlich genau die richtige objektdistanz. also beschloss ich, ein wenig zu sticheln. ich machte ein ernstes gesicht und fragte liebreizend:
"sag mal, du... hand aufs herz: kann das sein, dass du noch mal vater wirst?"
das objekt starrte mich schockiert an.
"nein, wieso?"
ich lenkte den blick durch die massen und fixierte die gespielin.
"also ich hätte schwören können..."
die miene des objekts versteinerte.
"nein, die gespielin will keine kinder. und ich ja auch nicht, der eine reicht mir."
ich lächelte hinterlistig.
"ach das weiß ich doch... trotzdem wäre ich mir sicher, wenn es einfach passieren würde... das wäre ja ein kind von dem mann, den sie über alles liebt... und glaub mir, das überlegt sich eine frau sehr gut. und ihr passt ja auch so wunderbar zusammen! ich sähe da kein hindernis, wenn es so wäre."
das objekt trat von einem fuß auf den anderen.
"morphine, die gespielin ist nicht schwanger."
ich tätschelte die objektwange.
"verzeih, das war dann wohl eine optische täuschung."

wir standen noch ein wenig stumm nebeneinander, dann bemerkten wir, dass uns die gespielin säuerlich anstarrte. das objekt lächelte verzweifelt und zuckte die schultern:
"ich muss dann mal wieder..."
als es sich umdrehte, stand die gespielin schon hinter ihm und war ihm begriff, ihn am arm zu packen und wegzuzerren.
"ich komm ja schon", sagte das objekt.
die gespielin schnatterte etwas beleidigtes. ihr doppelkinn wackelte dabei. das objekt rollte genervt die augen. ich grinste, winkte nonchalant und flötete in gespielinnen-hörweite:
"bye-bye, bis bald!"

obwohl ich mein karma mit dieser fiesen aktion sicherlich empfindlich angeditscht hatte, landete ich minuten später einen volltreffer. schon kurz nach meiner ankunft war mir ein typ aufgefallen. weißes hemd, stoffhose, blitzeblanke lederschuhe, strenge banker-frisur. er strahlte allerdings nicht das selbstbewusstsein eines managers aus, sondern eine sehr sympathische unsicherheit.
ich stellte mich nebendran und wagte einen blick. ganz vorsichtig, schließlich war ich letzte woche abgeblitzt bei einem typen, der wesentlich weniger hübsch war.

der banker verzog zunächst keine miene. verklemmt, schüchtern oder desinteresiert? da ich ja so gut drauf war, beugte ich mich irgendwann todesmutig zu ihm rüber und sagte:
"du bist der einzige interessante mensch hier in dem ganzen laden."
und wow, da ging ein lächeln über sein gesicht, so wie auch ich lächle, wenn ich mich für meinen geschmack ein wenig zu sehr freue, es aber nicht verbergen kann.
"ähm, oh, danke... ich glaube, ich falle heute aber auch ein bisschen auf", sagte er und deutete auf sein outfit.
wir lächelten uns an.
mir fiel auf, dass er nichts zu trinken hatte.
"du sitzt ja auf dem trockenen."
"ja, ich wollte eigentlich gerade gehen."
"aber es ist doch erst vier!"
"das ist ja auch schon spät."
"achwas. was willst du trinken?" fragte ich und hoffte, dass er keine teueren sachen mochte, denn ich hatte nur noch fünf euro im portemonnaie.
"ein bier", sagte er zu meiner erleichterung.
ich lehnte mich über den tresen und bestellte.

dann stießen wir an.
"was trinkst du denn da eigentlich?"
"whiskey-cola."
"so ein rocker-getränk."
"naja, besser als tussen-schampus, oder?"
der banker lachte und nickte.
"was steht da denn auf deinem t-shirt?"
ich posierte mich vor ihm.
"kitty thinks you are an asshole... das ist ja mal eine harte ansage. ich werde mir mühe geben, dass sie das nicht von mir denkt."
doch das musste er gar nicht, denn wir verstanden uns sehr gut. auch das objekt registrierte, dass ich mich prächtig mit einem anderen mann amüsierte und guckte mehrmals finster zu mir. ich ignorierte es einfach.

gegen fünf drängte der banker zum aufbruch.
"ich bekomme morgen besuch und muss dann den ganzen tourischeiß mit denen machen."
"ja dann mal tschüß", sagte ich spröde.
der banker hielt inne.
"nächste woche ist ein konzert...", er drückte mir einen flyer in die hand, "vielleicht möchtest du mitkommen?"
ich nahm den flyer und betrachtete ihn.
"hui, das ist ja knallharte elektromucke. find ich aber gut. ich überlegs mir."
"ich würde mich freuen."
wir grinsten einander an.
"dann sollten wir vielleicht die telefonnummern...?" fragte der banker schüchtern.
"ja klar."
ich nahm ihm sein handy aus der hand und tippte meine nummer ein.
"bitte sehr."
"ja dann..."
"dann bis bald."
der banker streckte mir die hand entgegen. keine umarmung, das fand ich ja mal interessant. wo andere frisch erworbene bekanntschaften doch sonst keine gelegenheit ausließen, mich anzugrabbeln.
dann nahm der banker seinen biederen blouson und wandte sich richtung ausgang. und weg war er.
ob er mich anrufen würde? ich war mir merkwürdig sicher.

ich blieb noch, bis sich die veranstaltung gegen sechs auflöste, und weidete mich an den ereignissen des abends.
dann ging ich hinaus in die kälte und radelte der aufgehenden sonne entgegen.

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Samstag, 22. März 2014
beziehungsgeschichten
freitag. ich bin müde, aber ich traue mich: ein saufabend auf dem kiez. ein freund wird da sein, mich an der bahn abholen und dafür sorgen, dass ich nicht zu viele berührungen mit fremden habe und nicht ausraste, sondern mich langsam, aber stetig in richtung seligen vollrausch bewege.

eine leere kneipe an einem freitag zu finden ist leider ein ding der unmöglichkeit, also gehen wir irgendwann in eine volle. nachdem ich die erste panik weggeatmet habe und mich an einem glas festkrallen kann, finde ich es ganz schön da. der freund kennt die barbesitzerin und wir dürfen exklusive mischungen testen. zwei drinks später bin ich gelockert und fühle mich fast gesellschaftsfähig. am fenster sitzt ein hübscher typ, der die ganze zeit zu mir rüberschaut.

"geh doch mal hin", ermuntert mich der freund.
"nee", sage ich. "egal, was es wird - freundschaft, beziehung oder affaire - ich machs doch sowieso wieder kaputt."
"quatsch", sagt der freund, "wir sind doch auch befreundet."
"du weißt ja nicht, was hier in den letzten wochen schon wieder gelaufen ist."
ich gebe den kurzüberblick über die beängstigende real existierende misere inklusive meiner auf diesem boden frisch erblühenden verrücktheit.
"au backe", findet der freund. "da musst du was machen."
"ich lass mich jetzt zum sommer einweisen", sage ich.
"meinste, das ist das richtige?", wägt der freund ab. "ich meine, du bist so intelligent, eine gruppentherapie mit irgendwelchen mitinsassen wird dir nicht viel bringen. die sind mit hoher wahrscheinlichkeit alle dümmer als du. und auch was den therapeuten betrifft, der muss schon richtig fit sein, sonst steckst du den in die tasche."
"keine ahnung", sage ich. "ich habe keinen blassen schimmer, wo ich hingehöre. was man mit sowas wie mit mir macht."
"ich finde das so schade, dass menschen wie du keinen platz in dieser welt finden."

ich zucke die schultern.
"hat ja seine gründe, dass ich seit fünfeinhalb jahren alleine bin."
"vielleicht ist das ja einfach dein modell. während andere kinder kriegen und heiraten oder umgekehrt, genießt du deine zeit mit dir. da ist doch nicht falsch dran."
"ich hab durchaus einen beziehungswunsch, so ist das nicht. nur immer, wenn ich wen kennen lerne, langweile ich mich ganz schnell und fange an, irgendwo anders ficken zu gehen, bevor ich den typ schließlich ganz absäge."
"hast du noch kontakt zu diesem objekt?"
ich nicke.
"vielleicht solltest dus mit dem mal versuchen."
"nein."
"oh doch."
"für den bin ich viel zu viel. der genießt das mit seiner aktuellen."
"was will er denn von der?"
"er sagt, es ist einfach mit ihr. sie ist ihm weder intellektuell noch kommunikativ gewachsen. er mag diese naivität. das findet er warmherzig und darauf kann er bauen."
"das klingt doch total bescheuert."
"weißte, das ist so eine, wenn das objekt sagt, die und die figur in der und der fernsehserie findet er gut, dann guckt sie sich alle staffeln an und eifert dieser figur dann nach, um ihm zu gefallen."
"wie alt ist die denn, 14?"
"nee, die schon so mitte ende 20. aber das macht die echt. neulich hat sie sich die haare geschnitten und gefärbt, damit sie so aussieht wie irgendeine ische in ichweißnichtinwasfüreiner serie."
"das fände ich total abturnend. und gruselig."
"er findet das geil. das gibt ihm das gefühl von macht, schätze ich. der hat ja auch kein gutes selbstbewusstsein. sowas schmeichelt, wenn eine alles für dich tut."
"das fände ich nicht schmeichelhaft, sondern einfach nur langweilig."
"tja. ich auch. aber wir sind nicht er."

"bei meinen eltern war das seinerzeit nicht anders", denke ich nach. "meine mutter war mal eine weltoffene, in vielerlei hinsicht geradezu revolutionäre frau. obwohl sie nicht gebildet war, hat sie mit anfang 20 in den 70ern die welt bereist, war mit anwälten und lehrern und sogar nem richter zusammen. dann kam mein vater, einer kleiner neurotischer beamte, der noch bei mutti wohnte. ich weiß nicht, was die beiden zusammengebracht hat. meine mutter hat ein ausgeprägtes sicherheitsdenken, vielleicht war es, weil alle sagten, beamten haben ihren job aufs lebenszeit. sie haben geheiratet und mich gekriegt und ein haus gebaut, so wie totale spießer das halt so machen. und dann haben sie sich immer weiter assimiliert. ich erinnere mich an meine eltern als eine geradezu angsteinflößende einheit, in der jeder die neurosen und marotten des anderen mitgetragen und wahrscheinlich auch verschlimmert hat. heute beispielsweise traut sich meine mutter nicht mehr ins ausland fahren, weil sie kein englisch spricht. vor 35 jahren hat sie das kein bisschen gestört."
"das wundert mich nicht, dass deren modell dann nicht dein modell geworden ist."
"es gibt zeiten, da bewundere und beneide ich meine eltern. ich meine, die haben sich. ich bin kein scheidungskind geworden. trotzdem bin ich durch meine ganz eigene hölle der idylle gegangen."

der freund leert sein glas und ordert dann eine weitere runde.
"ich will jetzt auch mal ne analyse machen."
"du? warum das denn?" ich reiße erstaunt die augen auf.
"na, ich hab auch so meine blockaden. guck mal, ich bin jetzt fast 40 und auch schon ewig single. und ich kenne das, was du mit der langeweile beschreibst, nur zu gut. ich will dem mal auf den grund gehen."
"sag mir unbedingt bescheid, was rauskommt, ja?"
der freund lächelt.
"na klar. vielleicht muss ich ja auch in die klapse. können wir dann zusammen machen, dann haben wir dort wenigstens intelligente gesprächspartner."

nach dem dritten drink habe ich sodbrennen und watte im kopf. trotzdem fühle ich mich wohl. in der brust, wo sonst eiskalte beklemmung sitzt, ist es ganz warm. ich mag den freund, stelle ich fest.
"du musst nach hause", sagt der freund dennoch irgendwann. "du bist müde."
"ist grad so nett."
"aber du weißt doch, das tut deinem serotoninhaushalt nicht gut, wenn du nicht schläfst."
"hast ja recht. lass uns zahlen."

wir haben fast 50 euro versoffen. der freund übernimmt die kosten bis auf 10 euro.
"das meiste hab ich ja ich getrunken."
"aber ich hab das teurere getrunken."
der freund winkt ab. er hat genug geld.
dann bringt er mich zu bahn.
"uha, jetzt mit alle den besoffenen bahn fahren..."
"denk dir nichts, du bist doch selber besoffen, die könnten deswegen ja auch angst vor dir haben."

mit diesem erheiternden gedanken im kopf schaffe ich es tatsächlich angstfrei bis nach hause. trinke vernünftigerweise noch ein wasser. nehme mein schlafmedikament. und penne 13 stunden.

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Mittwoch, 19. März 2014
grauphase
das objekt und ich sitzen in einer bushaltestelle. wir haben uns kurz spontan getroffen, weil ich mein rad von einer s-bahn-station in der nähe holen wollte. leider war die gespielin zuhause, weshalb ein betreten der wohnung meinerseits unmöglich war. also kam das objekt runter.

der regen pladdert gegen die scheibe. autos rasen vorbei. menschen. wir schauen uns um, schauen uns an und wieder weg. schweigen. lächeln.

ich zünde die x-te zigarette an. meine hand zittert. das objekt bemerkt es, nimmt sie, fühlt meinen puls.
"ich muss mal was trinken", sage ich, "ich habe seit heute mittag nichts mehr getrunken."
das objekt steht auf und geht über die straße zu einem döner. kommt dann wieder mit einer cola für mich. außerdem hat es börek mit spinat gekauft, weil es weiß, dass ich das manchmal mag.
"danke", sage ich, exe die halbe cola und beginne dann, an meinem börek zu zupfen.
"wie viele jahre brauchst du schätzungsweise, um das zu ende zu essen?" zieht mich das objekt auf.
ich zeige ihm den stinkefinger.

"gehts dir gut", will das objekt wissen und beobachtet mich beim zerlegen des börek.
ich nicke.
"schon in ordnung."
das objekt betrachtet mich aufmerksam.
"für mich sieht das alles aus wie gedeckelte anspannung. du zittert... und dein blick... der ist ganz unstet."
"ich hab heute noch keine medikamente genommen", erkläre ich.
"warum nicht?"
"ich war nicht arbeiten."
"was soll das denn?"
"ich hab mich nicht gefühlt."
das objekt fixiert mich streng.
"du meinst, du hast heute also keine struktur gefunden? weder zum arbeiten, noch für medikamente, noch um etwas zu trinken?"
"ich wollte mein rad holen. das hab ich ja wohl auch gemacht."

das objekt legt seinen kopf auf meine schulter und schnuppert an meinem halstuch.
"sehr angenehmer duft."
"kennste doch."
"trotzdem. das bist du."
ich lege meine hand an die objektwange und streichle sie. das objekt summt leise vor sich hin. ich kann spüren, wie es lächelt.
"weißte, wann sommerferien sind", fragt es mich dann.
"nee", sage ich. "irgendwann im juli?"
"ja, so in der richtung. da hab ich jedenfalls urlaub genommen."
"weil du mit deinem sohn wegfahren willst."
"ja. und ich wollte es dir sagen, damit du mal schauen kannst, wie du urlaub kriegst."
"du glaubst, dass ich schon mal urlaub nehme, für den fall, dass die gespielin sagt, ach, kein problem, fahr mal mit der morphine weg, ich bleibe gern zuhause?"
das objekt schaut mich verletzt an.
"ich dachte, du freust dich."
"so nicht. das ist doch quatsch."
"ist es nicht. ich werde es der gespielin erst kurzfristig sagen. dann kriegt sie vielleicht keinen urlaub und kann gar nicht mit."
"und dann sagste ihr, och schade, schatzi, ich nehm dann die morphine?"
das objekt schaut zu boden.
"ich werd ihr gar nichts sagen, wenn du dabei bist."
"und der kleine?"
"der hält dicht. dazu mag er die gespielin zu wenig und dich zu gern. das verklicker ihm schon."

ich starre auf die regentropfen, die über die scheiben rinnen.
"es wär ja zu schön, um wahr zu sein. was ist jetzt mit ostern und berlin?"
"das geht nicht. mein vater hat mich abkommandiert, die renovieren das haus und ich muss ihm helfen, das dach neu zu decken."
"na super."
"hast du nicht gesagt, deine eltern wollen auch, dass du kommst?"
"ja, aber ich hab keine lust. bzw. gehts mir immer noch zu mies, als dass ich denen das gutelaune-kind vorspielen könnte."
"dann lass das doch."
"du hast keine ahnung. du kennst die nicht."

ich betrachte das objekt von der seite und fühle mich sehr weit weg. keine liebe. keine geilheit. nur ruhige nüchternheit.
das objekt spürt das.
"du bist heute total... undurchdringbar."
"ich bin gar nicht da."
"wie fühlt sich das genau an für dich?"
"wie unter einer käseglocke. nichts dringt durch, nichts hat eine bedeutung. ich kann dann auch keine verbindung zu anderen menschen aufbauen."

das objekt hat den arm um mich geschlungen und wiegt mich ein wenig und summt mir ins ohr, wie es es gerne macht, wenn ich angst habe oder aufgeregt bin.
"ich werde jetzt gehen", sage ich.
das objekt richtet sich auf, schnappt sich mein halb aufgegessenes börek und schlingt es in zwei happs hinunter.

als es mich umarmen will, sitze ich schon auf dem rad.
"tschüß", sage ich und winke nonchalant.
dann fahre ich nach hause, während der regen wie eine graue nasse wand über mir hängt.

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Sonntag, 16. März 2014
back
nach über drei monaten mal wieder auf party gewesen. 50 minuten durch sturm und regen gerannt, anstrengend. aber ich hatte mich vier wochen auf diesen abend gefreut. da zeigt man einsatz.

drinnen proppenvoll. ein paar bekannte gesichter, die mich fragen, wie es geht. vage antworten gegeben und sicher gewesen, dass mich keiner vermisst hat. angespannt trotz drei drinks. einen typen angeflirtet und abgeblitzt. eine extrem magersüchtige hausbesetzerin kennengelernt. mit durchgeknallten halbtoten leuten verstehe ich mich ja immer bombe. is so.

nach zwei stunden nach hause gegangen. wieder 50 minuten durch sturm und regen, noch anstrengender als auf dem hinweg. das kaputte knie zickt, aber nicht allzu sehr, weiß es doch, wie eisern ich mit ihm bin. seelisch innere leere, aber noch kein richtiges schwarzes loch. die medikamente fangen inzwischen offenbar wieder einiges ab, bravo.

zuhause haben die katzen küche und bad vollgekotzt. großzügig verteilte pfützen mit bröckchen drin. netterweise ist nichts auf den teppich oder im vorhang gelandet. morgens um fünf also katzenkotze weggemacht und den boden geschrubbt. dabei auch kacke entdeckt. der große passt einfach nicht ins klo, da hängt immer der arsch drüber. mir ist schlecht, aber für den großputz mit sagrotan bin ich zu müde.

zähneputzen, die nassen haare trocknen, bett.

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Montag, 10. März 2014
träumen
ich beschließe am nachmittag, einen spaziergag zu machen. nach 200 metern merke ich allerdings: das ist es gar nicht. mir ist gar nicht nach sonne und frühling. mir ist nach mehr. ich fühle mich, als denke das objekt gerade an mich, und checke das handy. nein, keine sms. also schreibe ich eine. eine hübsch versaute.

eine minute später ruft das objekt an.
"boah, krass, das war ja voll ins zentrum", sagt es.
"was meinst du denn?" frage ich unschuldig.
"ich hab gerade so an dich gedacht und da flattert deine sms rein. und wow, ich hab den eindruck, etwas in mir hat da heute schon den halben tag drauf gewartet."
lag meine intuition also doch nicht ganz falsch.
"ich träume heute so vor mich hin", sage ich leichthin.
"was steht im drehbuch?" will das objekt wissen.
"viel, sehr viele möglichkeiten. und irgendwie haben die alle was mit dir zu tun."
der stumme objektive stolz tropft durch den hörer und ich weiß, wie es da sitzt und in sich hineinlächelt.
"was willst du mir damit sagen?" fragt es.
"naja, alles hier vögelt wild rum... die bienen, die hummeln, die vögel natürlich... wenn du ne stunde zeit hast, würde ich das zum anlass nehmen."
"ich weiß nicht, ob ich heute so ein guter gesprächspartner bin", zögert das objekt.
"bei dem, was ich mit dir vorhabe, kannst du ruhig die klappe halten", sage ich frech.
das objekt lacht.
"dir gehts gut, hm?"
"heute isses sehr okay."
"dann komm rum. in drei stunden kommt die gespielin von der arbeit, das sollte reichen."

als ich beim objekt ankomme, öffnet erst niemand auf mein klingeln. dann endlich geht der summer. oben steht das objekt splitterfasernackt im flur.
"ich hab gerade gebadet."
"extra für mich?"
"ich glaub, das war schon wieder tage her, dass ich mal wasser an mir hatte."
"hör auf, meine erotische stimmung zu killen."
da küsst mich das objekt. erst ganz sachte wie ein schmetterling, dann fest und stürmisch.
"möchtest du einen kaffee", fragt es, als wir luft holen.
"nein. ich will dich."
da hebt es mich hoch und drapiert mich auf sein bett wie etwas sehr kostbares und legt sich zu mir.

wir küssen uns weiter. dann packt mich das objekt und versenkt seinen schwanz in mir.
"ich bin so geladen, du machst mich so an", stöhnt es.
"fick mich", sage ich.
wir versinken in unserer extase, unserem rhythmus, fixieren einander aus halb geschlossenen augen. ich habe das gefühl, in zeitlupe zu erleben: die objektlippen, die sich öffnen und schließen, der atem, der durch seine kehle streicht, das zucken seiner lider, das beben der halsschlagader. alles schreit mich an, dass es richtig und schön ist. die erkenntnis wiederum sagt mir, dass es liebe ist.

danach rauchen wir einen und das objekt meint:
"irgendwie hast du etwas... sehr französisches an dir."
"wie meinstn das?"
"du hast so eine total schöne art, dich zu kleiden. elegant, aber auch extravagant und verspielt. neulich hab ich dich in der stadt gesehen, so von weitem... das war spannend. wenn wir uns nicht kennen würden, hätte ich dich angesprochen."
ich kichere geschmeichelt.
"weißt du, was ich spannend finde? dass wir uns jetzt fast vier jahre kennen und immer noch diese immense anziehungskraft da ist. das hatte ich bislang sehr, sehr selten."
das objekt schaut mich hellwach an:
"du knüpfst das ja auch an den menschen, in meinem fall."
eiskalt erwischt.

das objekt hat sich entspannt ausgestreckt, mich im arm und sinniert mit geschlossenen augen:
"weißt du, was ich mir total gern vorstelle?"
"was denn? du und ich im swingerclub?"
"nee. dass wir zusammen wegfahren... so in nem auto über die autobahn düsen... die sonne scheint... wir fahren so mit den armen ins offene fenster gelehnt... ich rauch beim fahren einen joint..."
"und ich blas dir einen beim fahren, was?"
das objekt schmunzelt:
"ich könnte dir nicht sagen, ob ich dann noch die spur halten könnte."
"hast du noch nie nen blowjob auf der autobahn gekriegt?"
"nein."
"ach gott wie süß."
das objekt knufft mich.

"lass uns das doch machen. lass uns zusammen wegfahren", schlage ich todesmutig vor.
das objekt schweigt, dann sagt es:
"und was mach ich, wenn die gespielin mitwill?"
"naja, die musst du schon fragen. wenn sie nein sagt, hast du wenigestens einen guten offiziellen grund, dir einen anderen reisegefährten zu suchen."
das objekt denkt nach.
"ich hätte sonst alternativ auch so ostern rum ein paar tage frei..."
"auch ne gute gelegenheit."
das objekt schaut mich frech an:
"würdest du eigentlich blau machen, wenn ich sagen würde, ich kann nur ganz spontan da und da?"
"ja. klar."
"warum würdest du das machen?"
"na wir haben doch spaß zusammen."
wir schauen einander an und ich weiß, dass das objekt weiß, wie viel mehr als nur spaß ich meine.

wir rauchen stumm noch eine zigarette, dann ziehe ich mich an.
"scheiße, deine alte kann hier in fünf minuten reinkommen", fluche ich.
das objekt räumt indes hektisch kondome und andere utensilien weg.
dann stehen wir an der tür. wir umarmen und küssen uns.
"es ist mir ja irgendwie unangenehm", sage ich.
"was denn?"
"dass ich so rumspinne und träume."
"warum das denn? das ist doch nicht peinlich."
"aber ich bin doch nicht deine freundin."
das objekt drückt mich noch mal.
"morphine, wenn die gespielin nein sagt, fahren wir zusammen in urlaub. bis dahin träumen wir halt davon."
"ja."
das objekt schaut mich prüfend an.
"geht es dir gut dabei? ich meine, es ist mir wichtig, dass ich dir nicht wehtue."
"ich bins ja gewohnt, inzwischen."
das objekt tritt verlegen von einen fuß auf den anderen, und ich weiß, dass es sich schämt und sich gedanken macht.
ich küsse es ein letztes mal auf die nase.
"tschüß."

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Mittwoch, 5. März 2014
oberwasser
seit 48 stunden oberwasser. kaum zu fassen.
gut gelaunt arbeiten, gut gelaunt nach hause kommen. die super-puschis bekuscheln. weiterarbeiten, während der kleine in meinem schoß schläft. sport machen. abwaschen. haare färben.

am abend bin ich fix und alle vor lauter normalität. und falle in tiefen schlaf. mit einer kurzen unterbrechung gegen fünf uhr morgens.

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