Samstag, 3. Mai 2014
i fucking promise
nach zwei wodka red bull und einem langen telefonat mit der heimat bin ich heute derart positiv gestimmt, dass ich beschließe, dass noch etwas exorbitant tolles passieren muss. ich schreibe zunächst das objekt an und frage, ob es bock auf einen blowjob hat. keine antwort. ich ärgere mich, beschließe aber, mir die gute laune nicht verderben zu lassen, sondern noch auszugehen. bevor ich losfahre, schreibe ich dem objekt noch mal eine nachricht, eingedenk seiner eifersuchtsfähigkeit: schade, aber dann suche ich mir jetzt jemand anderes für den blowjob!

ich fahre auf eine party, wo es leider schrecklich öde ist und lauter sehr hässliche menschen rumspringen. ich treffe einen bekannten, wenigstens jemand zum ratschen, aber das ist auch schon alles. also gehe ich nach einer stunde zur garderobe und lasse mir meine sachen geben. als ich in die jacke schlüpfen will, hilft mir jemand in den rechten ärmel.

ich drehe mich um, und hinter mir steht der erste gutaussehende typ des abends. groß, schlank, astrein in schale, hemd, jeans, blitzeblanke herrenbusinessschuhe. bwler, tippe ich sofort, und bekomme nach der kennenlernzeremonie wie-heißt-du-was-machst-du-woher-kommst-du prompt recht. vertriebler, typisch, immer dasselbe.

der typ ist dominant und küsst mich quasi sofort. danach gehen wir raus, eiern einmal um den block, stockendes gespräch, viele komplimente. dann lasse ich mich in einer dunklen ecke ficken.

als ich mit einem grinsen im gesicht nach hause radle, fällt mir ein, dass ich mein versprechen an das objekt tatsächlich gehalten habe - bis ins detail.

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Donnerstag, 1. Mai 2014
shut down
schlafstörungen sind immer ein alarmzeichen, dass meine hypophyse wieder scheiß baut und der serotoninstoffwechsel verrückt spielt. nach drei nahezu euphorischen tagen mit lustigem schlafmangel empfängt mich heute nach dem aufwachen wieder das bekannte gefühl abgrundtiefer traurigkeit, gepaart mit unerträglicher unruhe. kacke, erst viertel nach zwölf. ich muss noch schlafen, der tag ist sonst zu lang. ein scheißfeiertag noch dazu. da kann man nicht mal rüber zu penny und sich frischen wodka holen. nein, da muss man zuhause sitzen, kann nicht raus, weil die ganze welt voller verfickter feiertagsmenschen ist - krakeelende kinder, die um omma und oppa rumspringen, während mutti und vaddi im unisex-look asexuell nebeneinander herspazieren. lüge, will man da brüllen, fette lüge, schaut euch doch mal an, so könnt ihr euch gleich begraben lassen.

weil die katzen es doof finden, wenn ich mehr als 12 stunden im off bin, stehe ich dann aber doch auf, lümmle am schreibtisch rum, löffle erdbeermarmelade aus dem glas und zünde mir die gestern abend noch angerauchte zigarette an. ich könnte ja mal jemanden anrufen, finde ich. soziale kontakte und so. ich scrolle durch meine anrufliste. seit einem monat wiederholen sich dort neben einigen kunden die nummern von exakt zwei menschen. ha! niemand würde dich vermissen, wenn du jetzt sterben würdest, triumphiert mein alter ego. NIEMAND. denn wenn der eine nicht so auf deine deep throats stünde, wäre da nur eine nummer in deinem display. eine ist so gut wie keine. DU BIST EIN NICHTS. face the fact.

hör auf, sage ich zu meinem alter ego. da ist doch alles nicht wahr. der kleine kater krabbelt auf meinen schoß und gibt unaufgeforderte zuneigungsbekundungen. DA SIEHST DU. jemand hat mich lieb. jemand, den ich sogar ertragen kann. der kater rollt sich in meinem schoß zusammen und schnurrt. ich rolle mich drum herum, so klein ich mich machen kann. der kater strahlt wärme ab wie ein kleiner ofen. erst jetzt fällt mir auf, wie kalt es im zimmer ist. auch ich bin kalt, hände, füße, aber das spüre ich kaum. alles, was zählt, ist der heiße fellball in meiner körpermitte. gut so. schnurr weiter, kleiner kater. defibrillator.

die unruhe pocht richtung schädeldecke. so viel ungenutzte lebendigkeit. grenzenlose energieverschwendung. energie, die ausgebremst werden muss, weil ich nicht weiß, wohin damit. damit ich sie nicht gegen mich richte.

das handy klingelt. es ist ein kunde, der mir seine unausgegorenen ideen an den kopf drückt. ich sage mehrmals "hm" und verweise dann auf die von ihm gebuchten leistungen und dass diese keine konzeption umfassen, da ihm dafür das budget fehlt und ich ohne geld nicht für ihn denke. der kunde labert trotzdem weiter, bis ich auf den feiertag hinweise und sage, dass ich heute sowieso nicht arbeite. nach dem telefonat habe ich mindestens drei ideen, wie man das kundenproblem lösen könnte, aber ich habe gelernt, dass ich strategien nicht kostenlos raushauen darf.

das man immer alles zurückhalten muss. intelligenz. emotionen. aggressionen. das ist wie pipi müssen, wenn kein klo in der nähe ist. ich muss an die folterstrafe denken, bei der man einst gefangenen die harnröhre abband und sie zum trinken zwang, bis die blase platzte. vieleicht platze ich auch irgendwie, wie rumpelstilzchen.

die daily dose medikamente beginnt zu wirken. es fällt mir leichter, gleichgültig zu sein. den kunden ausblenden. das alter ego ausblenden. in die emotionsfreie grauzone sacken.

einatmen. ausatmen. bis morgen.

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Sonntag, 27. April 2014
längste nacht meines lebens
'nur ein klitzekleines stündchen', denke ich mir, als ich gestern mal kurz den kopf aus dem berg arbeit, den ich derzeit habe, hebe. 'du warst seit ewigkeiten nicht mehr aus.' 'nein', sagt mein alter ego, 'das wäre unklug, dann schläfst du wieder so lange und kommst sonntag nicht in die puschen.' doch als ich gegen mitternacht im bett liege, nehmen mir meine muslimischen nachbarn die letzte entscheidung ab, indem sie mal wieder sehr ausdauernd ihre schallamallach-gesänge abspulen. wutentbrannt, aber auch ein bisschen froh springe ich aus dem bett und fahre in den club.

'eine stunde', sagt mein alter ego noch mal streng, als ich den eingang passiere, aber dann kommen schon das objekt und t. auf mich zugesprungen und geben einen aus. sie haben einen langhaarigen bombenleger-typen bei sich, der, wie sich herausstellt, einer der objekt-dealer ist. entsprechend sind alle auf kiffe, koks oder mdma. das objekt stellt uns vor, und wir verstehen uns auf anhieb spitzenmäßig. der dealer steht auf b52, also trinken wir alle b52, bis sich der raum dreht und wir die couch aufsuchen müssen. dort sitzen wir dann, ich im arm des objekts, während das objekt seine hand in mein dekollete wandern lässt und mich in aller öffentlichkeit küsst. t. guckt frappiert, da er auch mit der gespielin befreundet ist, sagt aber nichts. er hält sich grundsätzlich aus allem raus.

als ich irgendwann aufs klo gehe, folgt mir das objekt unbemerkt. als ich die tür abschließen will, steht es plötzlich da, die hände in den rahmen gestemmt. nach einer schrecksekunde ziehe ich es an den gürtelschlaufen in die kabine und verriegle die tür. das objekt sucht meine lippen und verschlingt mich.
"hey! mann! ich muss aber mal", wehre ich mich irgendwann.
"dann mach doch", sagt das objekt grinsend, beugt sich hinunter und zieht mir strumpfhose und slip nach unten.
"so, und jetzt hälst du schön den rock hoch, damit man hier auch was sieht."
ich muss kichern.
"ich kann so nicht."
"gib dir mühe. los."
ich warte ein weilchen, versuche mich zu entspannen. aber neben der ungewohnten situation bin ich auch schon schrecklich erregt. loslassen sowohl geistig als auch körperlich unmöglich.
"okay, baby, ich bin ja gleich weg", sagt das objekt sanft.
"aber zeig dich doch mal noch ganz kurz."
es zieht mich hoch, lüpft den rock und küsst meine muschi.
"mein dealer ist ein schicker mann, was?" fragt es dann.
"ja, nicht ganz unattraktiv", sage ich.
"der eindruck beruht auf gegenseitigkeit", grinst das objekt.
"willste nen dreier machen?" kichere ich.
"ja klar", sagt das objekt ernst.
"ehrlich?!"
"ja, gleich hier aufm klo. der steht schon draußen und wartet. t. auch. und der barkeeper. und die türsteher. und noch ein paar andere, die so ausgehungert geguckt haben."
das objekt verarscht mich. ich hole aus und platziere einen kräftigen schlag in seinem schritt. das objekt sackt zusammen und lacht.
"okay, madame, das war der rauswurf. ich gehe jetzt. aber wenn die tür zu ist, will ich was hören."
dann verdrückt es sich an einer reihe erstaunter, wartender pipi-müssender mädels vorbei.

am ende der party sind wir die letzten gäste.
"lasst uns noch was machen", sagt das objekt zu t., dem dealer und mir. "gehen wir an die elbe runter und rauchen noch einen. oder in den park."
t., der dealer und ich sind einstimmig für park, der etwas näher liegt.
weil ich diesmal ohne rad bin, nimmt mich das objekt auf seine fahrradstange.
"wehe", sage ich, "wehe du baust einen unfall. ich bin schon mal mit nem besoffenen radgefahren, wir sind beide in ner pfütze gelandet."
das objekt zerstreut meine bedenken und zieht mich an sich. t. und der dealer beobachten das manöver.
"viel glück, morphine", sagt t., "ich hoffe, du endest nicht als knautschzone."
das objekt reckt t. den ausgestreckten mittelfinger entgegen. dann geht es los.

nach zehn minuten fahrt kommen wir alle heil im park an. wir finden ein idyllisches plätzchen zwischen rhododendron-hecken und alten grabsteinen.
"schick hier", sage ich. "kenn ich gar nicht."
"früher war ich ganz oft hier", sagt das objekt. "hier ist gleich der kindergarten von meinem kleinen. da bin morgens nach dem bringen oft noch hier in den park gefahren. das ist hier ein super umschlagplatz." es grinst und deutet an, wie es kifft.
dann packt es papers und tabak aus, der dealer gibt ein tütchen gras rüber, und das objekt dreht einen riesigen joint.

wir lehnen uns entspannt zurück und rauchen. ich beobachte t., der unruhig hin und her guckt.
"alles gut?"
"jaja. alles gut. schöne blumen. und vögel. vögel zwitschern so schön. alles ganz schön und so friedlich", meditiert t.
das objekt grinst sich einen.
"t., wir sind alle bei dir."
der dealer hat sich im gras langgestreckt und pennt.
ein parkwächter oder ordnungsmensch kommt vorbei, grüßt freundlich mit "moinmoin" und verdrückt sich dann.
"hab ich eigentlich schon die story erzählt, als ich zur arbeit gefahren bin und so schrecklich durst hatte?" fragt das objekt in die runde.
t. grinst und nickt, ich schüttle den kopf.
"dann für dich, morphine. also pass auf. ich hatte frühschicht, bin so ganz knapp aufgestanden, schnell was angezogen, nicht mal mehr zeit gehabt zähne zu putzen... rein in die klamotten vom vorabend und zum bus gerannt. im bus merk ich, verdammt, ich hab einen brand. da fällt mir auf, wow, da ist was in meiner tasche. ich zieh so raus und siehe da, eine 1,5-liter-flasche energy, noch dreiviertel voll. setz so an, hab einen mega-zug drauf, weil ich total ausgetrocknet bin... und dann, als ich die flasche bis auf einen kleinen rest geleert hab, merk ich, wies mir komisch wird. und mir fällt ein, verdammt, das war die wodka-mische vom vorabend."
t. und ich lachen.
"erzähl mal, wie du dann durch den tag gekommen bist", feixt t., der ein kollege des objekts ist.
"ich hab mir dann gesagt, wenn ich einfach immer ernst bleibe, wo ich lachen muss, dann kann nichts passieren."
"du hast nur scheiß gelabert an dem tag", sagt t.
"ich war total korrekt", widerspricht das objekt.
"die blutabnahmen hab allerdings ich dann mal lieber gemacht", sagt t. grinsend zu mir gewandt.

gegen acht beschließen wir aufzubrechen.
"boah, ich muss schon wieder pinkeln", sage ich.
"dann geh doch", deutet t. auf die hecke.
"lässt du uns zugucken", fragt das objekt.
"bitte was?" reiße ich die augen auf.
"na, du gehst da in die hecke und lässt dir zugucken."
"und was kriege ich dafür?"
das objekt überlegt.
"frühstück. in form eines blowjobs."
"abgelehnt."
"na gut. zehn euro."
ich denke nach.
"aber von jedem!"
das objekt und t. geben ohne zu zögern ihren anteil, und das objekt zieht dem schlafenden dealer die brieftasche aus der hose und entnimmt ihr einen zehner.
"das kannste nicht machen."
"wieso? er kann doch gucken. selber schuld, wenn ers verpennt. außerdem weiß er nachher eh nicht mehr, wie viel geld da noch in seinem portemonnaie war."
zum glück bin ich so breit, dass mir nichts peinlich ist. ich gehe also pinkeln, die jungs gucken zu, feixen und staunen.
"respekt", sagt das objekt nachher. "ich weiß nicht, ob ich mich das getraut hätte."

aufbruch. wir wecken den dealer, der auch erstmal in die büsche muss. t. guckt blass und deutlich stoned.
"wie groß ist denn dieser park?"
"nicht groß", sagt das objekt. "wir müssen nur einmal so und dann da um die ecke... es gibt auch ganz viele ausgänge."
"hm", sagt t.
"wo bleibt denn der dealer?" fragt das objekt und ruft seinen namen.
keine antwort. wir warten noch zehn minuten.
"sollen wir ihn suchen?" fragt t.
wir drehen eine runde durch den park. keine spur vom dealer.
"der ist bestimmt noch aufn kiez gegangen", mutmaßt das objekt.
"meinste", t. ist beunruhigt.
"macht der sowas öfter", frage ich.
das objekt wiegt den kopf.
"solang kenn ich den auch nun wieder nicht."
wir rauchen noch eine zigarette.
"wir gehen", beschließt das objekt rigoros.
"das kannste nicht machen. du musst wenigstens jemandem bescheid sagen." findet t.
"dann ruf ich jetzt seine freundin an."
das objekt kramt sein handy raus und ruft eine nummer an.
"alles klar", sagt es dann. "die weiß nun, was los ist und ruft mich zurück, wenn er auftaucht."

das objekt packt mich wieder auf seine stange und wir fahren den ring nach norden hoch.
"da an der bushaltestelle kannste mich runterlassen", sage ich.
"nie im leben", sagt das objekt.
ich gucke groß.
"ich dachte, wir fahren jetzt zu mir und treiben es noch ein bisschen?" fragt das objekt.
ich küsse es tief und verheißungsvoll.
"dann leg dich mal ins zeug."

in der wohnung reißt mir das objekt die klamotten vom leib und liebkost mich von kopf bis fuß, wie es es in seinen zärtlichen momenten gerne macht.
"ich mag deine hände so gern", sagt es. "die sind noch weißer als meine. und es sieht einfach unheimlich geil aus, wenn deine hand meinen schwanz hält, isolde weißhand."
dann dockt das objekt an.
"ich will so gern ohne gummi", wünscht es sich. "ich will dich ganz. ich will dich richtig spüren."
ich rechne kurz nach.
"dürfte nix passieren im moment. aber garantien geb ich keine."
"das risiko nehme ich jetzt in kauf."

hinterher liegen wir nebeneinander und halten uns im arm und hören musik. dann schmeißt mich das objekt raus, weil es mittag ist und wir in die kritische zeit kommen.
"es tut mir so leid, ich wünschte, du könntest bleiben", sagt es. "dann würden wir jetzt zusammen einschlafen."
"schon gut, ich muss sowieso arbeiten."
das objekt zieht mir seinen kapuzenpulli über.
"damit du nicht frierst."
"ich glaub, es ist nicht kalt."
"trotzdem. dann hast du ein teil von mir bei dir."
ich küsse es ein letztes mal.
"auf wiederficken."

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Donnerstag, 24. April 2014
rettungsdienst mal anders
es ist kurz nach zehn, ich komme gerade aus den flussauen, wo ich mein knie auf seine schmerzgrenze getestet habe. als ich unter die dusche hüpfen will, sehe ich: objektanruf in abwesenheit. just als ich nach dem handy greife, klingelt das objekt erneut an. ich habe ein komisches gefühl.
"was ist denn?" sage ich statt hallo.
"kannst du kommen?" fragt das objekt.
"jetzt?!"
"bitte. mit mir ist was, mir gehts nicht gut. es ist gerade niemand da und ich habe den eindruck, dass ich gleich ohnmächtig werde."
"soll ich dann nicht besser den krankenwagen rufen?" frage ich beunruhigt.
"nein, keinen arzt."
männer!
"dann kanns ja nicht so schlimm sein."
"ich hab echt schiss", sagt das objekt. "ich hätte so gern, dass du da bist."
ich schwanke und werde dann weich.
"na gut. ich bin so in einer guten halben stunde bei dir."

ich dusche, schwinge mich aufs rad und rase durch die stadt. dann klingle ich sturm. es dauert eine ewigkeit, bis jemand öffnet. drinnen steht das objekt und hält sich an einer kommode fest.
"meine güte, was ist denn passiert?" frage ich und nehme es in die arme.
"ich muss mich hinlegen", sagt das objekt zittrig.
"du kannst ja kaum gehen."
das objekt stützt sich schwer auf mich. dann liegt es endlich im bett.
"du bist kreidebleich, was ist denn bloß los?"
"ich seh lauter sternchen, irgendwas ist mit meinem kreislauf nicht okay. mir ist total schwindelig. vorhin musste ich mich sogar übergeben."
"hast du was getrunken?"
"bleibt nichts drin gerade."
"aber du musst was trinken, wegen dem kreislauf!"

ich gehe in die küche und sehe mich um. ich finde eine packung magnesium-tabletten und löse eine davon in wasser auf. dann mache ich tee und bringe alles in schlafzimmer.
"hier, trink das, aber langsam."
"was ist das?"
"magnesium."
"die dinger sind doch bestimmt schon abgelaufen."
"selbst wenn, vielleicht hilft es ja noch."
ich beobachte das objekt, wie es kleine schlucke zu sich nimmt.
"deine augen sind ganz glasig. hast du was gezogen?"
das objekt lässt sich zurücksinken und schließt die augen.
"du hast doch was genommen."
"ich wollte eigentlich nur sport machen..."
"und davon wird dir neuerdings schwindlig?"
"ich hab mir was gezogen, so als trigger", gibt das objekt dann doch zu.
"du bist aber auch doof, manchmal."
"ja, ich weiß", schmunzelt das objekt.

ich krabble zum objekt ins bett und kuschle mich an.
"das rechne ich dir hoch an, dass du da bist", flüstert das objekt.
"das kannst du auch, du pascha."
"ich bin kein pascha."
das objekt zieht mich heran und legt meinen kopf auf seine brust. ich lausche dem viel zu schnellen herzschlag.
"ist die gespielin arbeiten?"
"ja. die kommt nicht vor halb fünf."
"ich bleibe nicht, ich muss morgen früh raus."
"schon okay. trotzdem danke, dass du so spontan gekommen bist."
"ich bleibe jetzt noch eine stunde. wenns dir dann besser geht, fahre ich."

langsam wird das objekt ruhiger. irgendwann richtet es sich in den kissen auf und greift nach seiner drogenkiste.
"du willst jetzt aber nicht etwa nachlegen?"
"nee, aber ich will was rauchen, damit ich endlich mal pennen kann."
wir rauchen einen joint, danach kuschle ich mich wieder an das objekt und schwupp, schlafe ich tief und fest.

als ich wieder wach werde, ist es drei uhr nachts und das objekt guckt ein video. es wirkt entspannt und hat wieder ansatzweise farbe im gesicht.
"oh", sagt es, "war ich zu laut?"
"warum haste mich denn nicht geweckt?"
ich setze mich auf.
"es ist urspät. in vier stunden muss ich wieder raus und auf arbeit."
"du lagst da so warm und duftend... das war schön."
dann gibt mir das objekt sein handy.
"ruf dir ein taxi, ich bezahl das."
das lasse ich mir nicht zweimal sagen.

"ich lass das handy an", sage ich, als ich das objekt zum abschied vorsichtig drücke.
"mach keinen scheiß, ja?"
"nein. und danke, du meine sanitäterin."
"ich habe zu danken."
"wofür?"
"war nett, in deinem arm einzuschlafen."
das objek grinst wie ein stolzer löwe. dann schubst es mich ins treppenhaus.
"tschüß."
"nacht. und sag mir bitte morgen mal bescheid, wie es dir geht."
"mach ich."
"bis dann."

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Dienstag, 22. April 2014
heimat(flug)hafen
am airport. nach drei tagen in der alten heimat im süden geht es wieder retour. hinter der sicherheitskontrolle fängt mein inneres kreiseln an: und jetzt? ich entscheide mich just für das sicherste: nicht alleine sein. also funke ich das objekt an, ob ein kleiner willkommensfick drin sei.

als ich gelandet bin und am gepäckband warte, werfe ich einen blick auf mein handy. sieh an. ein anruf und eine sms. ich rufe zurück.
"hi, ich bin gerade gelandet. wie siehts aus?" frage ich.
"äh, also hallo erstmal", stammelt das objekt. "herzlich willkommen zurück."
schweigen.
"warum rufst du an", fragt mich das objekt dann so unsicher wie banane.
"na hör mal, DU hast MICH angerufen. da war ich halt grad über den wolken."
"jaja, du hast ja recht", räuspert sich das objekt. dann atmet es tief ein und fängt sich:
"also, pass auf. ich hab heute meinen freien abend, den ich eigentlich nur für mich haben wollte. ich wollte schwimmen gehen. dann kam deine nachricht. und jetzt bin ich so... ich weiß auch nicht. das hat was mit mir gemacht."
"dann hab einen schönen abend mit dir selbst und lass dich nicht von mir abhalten", sage ich bestimmt.
"nein, nein. ich hab vielmehr daran gedacht, ob wir nicht gemeinsam in die sauna gehen, stattdessen."
keine schlechte idee. ich sehe das objekt und mich schon nackt im whirlpool in der anregenden atmosphäre zwischen knutschenden pärchen.
"gerne", sage ich.
"also wenn dir das nicht zu viel wird", sagt das objekt.
"ich habe drei tage in der sonne abgehangen, ich bin entspannt und ausgeruht. und so ein kurzstreckenflug bringt einen auch nicht um."
"fein", freut sich das objekt. "dann beeil dich.

zuhause lasse ich den koffer fallen, greife schnell handtücher, badezeug und duschgel und rase wieder los. eine halbe stunde später schlage ich beim objekt auf.
"herzlich willkommen in hamburg", sagt das objekt und breitet die arme aus.
ich lasse mich hineinfallen, der duft, das lange wirre haar, der weiche kapuzenpulli, alles warm und vertraut.
"komm, wir haben noch 20 minuten, bevor die gespielin kommt... möchtest du was haben?" fragt das objekt.
"einen tee", sage ich.
ich bekomme tee. das objekt schubst mich in sein schlafzimmer. ich setze mich auf das bett. das objekt kommt hinterher mit einem wurstbrot in der hand.
"bäh", sage ich und schubse es weg.
das objekt packt mich. es schiebt mir die hand zwischen die beine und bewegt die finger auf und ab, bis ich zu zittern beginne. dann klopft es mir leicht auf die muschi und meint lakonisch:
"los, aufbruch."
"das mache ich das nächste mal auch, wenn du einen blowjob willst!" empöre ich mich.
das objekt küsst mich.
"vielleicht finden wir nachher in der sauna einen einsamen ort. da ist heute bestimmt nicht viel los."

wir schwingen uns auf die räder. als wir allerdings die eingangshalle betreten, schiebt schon die putzfrau durch. das objekt ignoriert das, stellt sich an den schalter und sagt:
"zweimal sauna."
"sauna ist schon geschlossen", sagt der mann am empfang.
wir gucken betreten.
"ach nö", sage ich.
"wollen wir trotzdem das schwimmbad nehmen", fragt mich das objekt.
"wenn das nicht auch schon zu hat."
der mann am schalter verneint, und weil wir so traurig gucken wegen der sauna-misere, drückt er ein auge zu und schickt uns mit kinderkarten los.

wir schwimmen nach draußen ins openair-becken und ziehen eine weile schweigend unsere bahnen. das objekt gleitet wie immer elegant durch die blauen fluten und braucht gefühlte fünf sekunden für eine bahn. als wir nach einer halben stunde pause machen und das wetterleuten am horizont beobachten, frage ich:
"wie machst du das bloß?"
das objekt zuckt die schultern.
"jahrzehntelanges training."
dann fordert es mich auf:
"los, schwimm mal für mich."
während ich schwimme, bleibt es hinter mir, taucht einige mal unter mir durch und empfängt mich dann am beckenrand.
"du hast eine verdammt gute beinarbeit", sagt es. "du musst nur mal drauf achten, die beine auch zu schließen."
"wenn du hinter mir bist, hab ich die beine halt lieber offen", frotzle ich.
das objekt ist allerdings nicht in sexy laune, sondern geht gerade in seinem sportlichen eifer auf. es zeigt mir ein paar schwimmstile und leistet mir hilfestellung, als ich sie nachmache.
"lass uns um die wette schwimmen", sagt es schließlich.
ich lache mich tot.
"was erwartest du dir davon?"
"ich würde dich nicht fragen, wenn ichs dir nicht zutraue. pass auf, du schwimmst so, wie du am schnellsten bist. und ich so, wie ich am langsamsten bin. los. bitte. nur eine bahn."

ich lasse mich breitschlagen, obwohl es mir wie nonsens vorkommt. doch dann schlage ich das objekt um mindestens drei meter.
"gut gemacht", sagt das objekt. "und jetzt zurück."
nun fehlt mir allerdings die kraft.
"macht nix", sagt das objekt und küsst mich. "das hätte ja sonst mein ego auch gar nicht verkraftet."
ich komme näher und berühre seine schulter. da zieht es mich an sich.
"na komm, kuschel dich mal an."
so hängen wir eine weile am beckenrand. das objekt zieht meine arme um sich und streichelt schweigend die narben auf meiner haut.

danach ist uns kalt und wir wechseln wieder nach drinnen. während ich mich im rückenschwimmen versuche, taucht das objekt. als es wieder an die luft kommt, sagt es prustend:
"das macht richtig spaß mit dir."
ich grinse stolz.
"ich hatte schon angst, du langweilst dich mit mir."
"nein, überhaupt nicht. das ist richtig toll."
wir grinsen uns an und eine warme welle schwappt über mein herz. bevor ich mich zu irgendwelchen leichtsinnigen äußerungen hinreißen lassen kann, kommt der bademeister auf uns zu und schmeißt uns raus. beckenschluss, und außerdem sei springen vom beckenrand auch nicht erlaubt, heißt es mit strengem blick auf das objekt.

duschen, anziehen. kurze momente zweisamer nacktheit in einer umkleidekabine. küsse, frivolitäten. aber das schwimmbad schließt, für mehr ist keine zeit.
draußen auf den rädern schaut mich das objekt verstohlen an.
"sauna holen wir nach. versprochen. wie sieht denn deine woche jetzt aus?"
"wie immer. nachmittags hab ich zeit."
"ich muss mal sehen. ich muss morgen erstmal mit meinen eltern telefonieren."
ich schaue dumm.
"was haben denn deine eltern damit zu tun?"
"ach, ich überlege gerade, wieder zurückzugehen. ich hab neulich so das fenster aufgemacht... es war mitten in der nacht und trotzdem war da diese typische stadtluft... stickig und dreckig. also denke ich gerade darüber nach, in den osten zurückzuziehen. aufs land. nicht gleich, aber so die nächsten jahre. und das muss ich mal mit meinen eltern durchdiskutieren."
ich atme tief ein.
"und was ist mit der gespielin? nimmst du die mit?"
das objekt schüttelt den kopf.
"das wäre nichts für sie. trotzdem würde ich nicht gerne alleine gehen. ich hätte da gerne ein haus oder so. mit einem grundstück, das ich selber bewirtschafte. aber ich denke, dafür braucht man geselligkeit."
mein herz macht einen vorschnellen hüpfer und springt auf meine zunge.
"ich würde mitkommen", sagt mein mund.
ich schließe die augen und bete, dass der asphalt sich auftun und mich verschlucken möge.

ich schaue vorsichtig auf. das objekt hat scharf abgebremst und starrt mich an. dann kommt es auf mich zu und umarmt mich.
"ach morphine... wer weiß, wie es kommt", sagt es vage und unsicher.
ich nicht, will ich sagen, ich weiß nicht, wo du stehst, ich weiß ja nicht mal, wo ich genau stehe. aber dann schweige ich eisern, wende mich ab und fahre weiter nach hause.

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Dienstag, 15. April 2014
talking about suicide
da mir das objekt dazu geraten hatte, weihe ich meinen therapeuten in meine gedankengänge ein. wie immer fällt es mir irre schwer, über suizid zu sprechen, ohne mich kitschig und theatralisch zu fühlen. schließlich bin ich kein verhungertes afrikanisches kind oder jemand, dem es objektiv so schlecht geht, dass er grund zum sterben hätte. wenigstens muss ich bei meiner beichte nicht heulen, das ist schon mal was. wer bei selbstmordankündigungen heult, gibt damit zu, dass er eigentlich nur gerne gerettet werden würde, finde ich. das würde ich vor meinem therapeuten niemals zugeben.

"ich habe einen aussichtslosen job und einen ekelhaften chef, ich habe keinen partner, keine familie, ich verliere meine freunde, ich habe null freude mehr am leben, mal abgesehen von gelegentlich ficks. das ist doch eine recht überzeugende negativbilanz", analysiere ich vor mich hin.
mein therapeut schaut latent betroffen.
"ich fände das sehr schade. sie sind doch eine so vielversprechende persönlichkeit."
"ich habe aber keinen platz im leben. ich stoße alles ab wie ein falsch gepolter magnet. ich habe x-fache versuche unternommen, fuß zu fassen. ich habe mich letztes jahr elf monate lang beworben und beworben, um weg aus der agentur in einen popeligen unternehmensjob zu kommen. und was ist? ich habe so wenig geld, dass ich nur ganz knapp über die runden komme. ich lebe mit dauernden schmerzen, die sich in den nächsten jahren voraussichtlich noch verschlimmern werden. ich habe so viele menschen kennen gelernt, aber niemand hält es mit mir aus, außer wenn es ums ficken geht... ich fühle mich total einsam und habe in allen für mich relevanten belangen versagt, aller vielversprechender anläufe zum trotz."
"sie hatten halt viel pech", meint mein therapeut. "das sollten sie nicht persönlich nehmen."
"ich nehme das aber inzwischen persönlich. ich hatte die letzten jahre fast nur pech. und jeder minierfolg hat immense ressourcen gekostet und sich letztlich nicht gelohnt. ich bin müde. da ist nichts mehr, an was ich noch glauben könnte."

"was machen sie denn, wenn es ihnen so geht?" will mein therpeut wissen.
ich zucke die achseln.
"ich heule. ich starre auf meiner 100er-packung painkiller und sage mir, jetzt, los, alle in ein glas und runter damit."
"was hat sie bislang abgehalten?"
"der gedanke, dass das alles nicht wahr sein kann. dass das alles vielleicht nur ein sehr lang anhaltender alptraum ist. dass irgendwann der wecker klingelt. es ist eine komplett surreale situation."
mein therapeut schaut mich lange an.
"versprechen sie mir was?"
aha, denke ich, jetzt kommt die nummer mit dem antiselbstmordabkommen, das ich schon vom objekt kenne.
"was? dass ichs nicht tue?"
"dass sie jemanden anrufen. das objekt zum beispiel."
ich lache hart.
"sie meinen, das objekt sitzt den ganzen tag neben seinem handy und wartet, ob es mir eventuell schlecht geht? das ist nicht ihr ernst. das kann man von keinem menschen verlangen, wenn auch sicher vom objekt noch am ehesten."
"zumindest hätten sie da jemanden, der sich mit hoher wahrscheinlichkeit richtig verhält."
"vergessen sies."
"dann wenigstens den notruf."
der therapeut guckt wie ein welpe, den man getreten hat. herrje.
"meinetwegen. ich will ihnen ja die patientenstatistik nicht versauen."
das objekt hätte mir für diese zynische bemerkung jetzt den arsch versohlt. ich merke, wie mich der gedanke schon wieder anturnt, also verdränge ich ihn. schließlich sitze ich hier mit meinem alt-68er-therapeuten, der heute exakt denselben rentierpulli wie in bridget jones trägt.

abschlussgespräch zum thema mir-guttun.
"was tun sie, um es sich schön zu machen und sich zu entspannen?"
ich denke nach.
"ich trage objekt-klamotten."
"wiebitte?"
"ich habe ein paar sachen vom objekt. die hat es mir mitgegeben, zum einschlafen oder wenn ich mal zu kalt angezogen war. manchmal zieh ich die dann an. die riechen nach ihm."
das macht mich geil, hätte ich fast gesagt.
"das beruhigt mich dann."
der therapeut nickt zufrieden. an seiner stelle hätte ich mich aufgefordert, objektklamotten niemals zu tragen, sondern sie zu verbrennen und mich nach einer eventuellen berührung mit dem pheromonkontaminierten stoff sofort stundenlang zu duschen. aber mein therapeut ist ja ziemlich luschig.
"und sonst? wann fühlen sie sich am meisten geborgen?"
"beim ficken."
ich vermute, dass drei oder vier finger in der muschi oder ein schwanz im mund nicht als sinn des lebens durchgehen und somit kein adäquates mittel zur depressionsbewältigung sind, aber ich ernte keine widerworte.
"was mich manchmal wundert, ist, dass das noch geht", sinniere ich. "depressive sind doch an sich asexuell."
grinsen, schulterzucken. vermutlich sind psychotherapeuten auch asexuell, bei all den storys, die sie sich den ganzen tag lang anhören müssen.

beim abschied hält der therapeut meine hand ein wenig länger als sonst.
"ich wünsche ihnen kraft", sagt er, was er noch nie gesagt hat. fast bin ich gerührt.
erst draußen fällt mir auf, dass er mir keinen neuen termin gegeben hat, so, als hätte er mein ableben bereits eingeplant.

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Sonntag, 13. April 2014
harter tobak
das objekt und ich wollen auf eine party gehen. als das objekt allerdings gegen abend anruft und fragt, ob ich vorglühen kommen mag, da die gespielin nicht da sei, weiß ich schon, was sache ist.

denke ich.

doch dann, wir trinken gerade einen, packt das objekt wie beiläufig die geschichte seiner kindheit und jugend aus. es versucht zunächst, eine unterhaltsame story daraus zu machen. ich höre zu und bin erschüttert. das objekt erzählt weiter, eine schonungslose geschichte, die wahr sein muss, denn die größten schrecklichkeiten kann es nicht aussprechen. nach zwei stunden ist es durch, und ich bin es auch, denn ich habe schon viel erlebt und auch gehört, doch diese story toppt alles bisherige.

"danke für dein vertrauen", sage ich am ende bewegt.
"ja nu", sagt das objekt bloß, blass und erschöpft ist es vom langen reden. "jetzt verstehst du vielleicht auch besser, warum ich so bin wie ich manchmal eben bin."
"klar", sage ich. "das schließt für mich einen kreis, der vier jahre lang nur fragezeichen war."

ich habe das bedüfnis, das objekt in die arme zu nehmen, aber bei schlimmen dingen kann es nähe nicht ertragen. also beschränke ich mich darauf, noch einen korn einzuschenken, den vierten inzwischen, und wir sind beide angetüddert.

nach einem joint verwandelt sich das objekt wieder in die person, die ich kenne, und pellt mich aus meinen ausgehklamotten. wir ficken bis es hell wird, aber meine gedanken sind diesmal ganz woanders.

später schlafen wir ein. das objekt murmelt und zuckt im schlaf, und als ich es deshalb wecke, kriecht es zittrig in meine arme.
"manchmal wache ich so auf und erschrecke mich, weil ich denke, die letzten jahre waren nur ein schöner traum und ich bin immer noch dort."
ich streichle es beruhigend und drücke mein gesicht in sein duftendes haar.

man kann die dinge ja nicht ungeschehen machen.

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Mittwoch, 9. April 2014
wie im himmel
wochenenden tun mir nicht gut. nicht diese wochenenden, an denen ich 13 oder 14 stunden schlafe, innerlich wie gelähmt erwache und mich permanent frage, warum ich eigentlich noch lebe - zumal man mit dem inhalt meiner hausapotheke komfortabel eine großfamilie auslöschen könnte.

gestern nacht, nach vier tagen suizidalem kreiseln, ziehe ich die notbremse und funke das objekt an, ob wir telefonieren können. dann warte ich und merke, ich kann es kaum mehr aushalten, der druck ist bereits bedrohlich hoch. so hoch, dass ich dem gedanken verfalle, dass das objekt doch nur ein ficker sein könnte und ich ihm nicht vertrauen darf. also schicke ich kurze zeit später noch eine weitere nachricht: willst du ficken? es ist ein test, ob das objekt darauf anspringt. unfair, aber ich kann nicht anders.

als mein handy endlich klingelt, bin ich schon ein bisschen eingeschlafen.
"oh, du klingt verschlafen", sagt das objekt, "willst du weiterschlummern oder möchtest du reden?"
ich sage nichts.
"ich spüre gerade, dass es ernst ist, und dass es dir überhaupt nicht gut geht", sagt das objekt und trifft intuitiv ins schwarze.
als antwort fange ich wie ein kleinkind an zu heulen.

das objekt lässt mich eine weile schniefen und weinen und beschränkt sich in dieser zeit auf beruhigendes gebrabbel und allgemeinplätze wie "ist ja gut", "lass es einfach raus", "ich bin ja da" und ähnliches. dann merke ich, wie ich mich entspanne und ruhiger werde.
"na siehst du", sagt das objekt. "geht doch schon wieder ein bisschen."
"nein, geht gar nicht", finde ich.
"was denn los?"
"ich will nicht mehr."
"was meinst du?"
"ich kann so nicht mehr weiterleben."
das objekt überlegt einen moment.
"vielleicht ist das nur... so eine ganz tiefe melancholie, was meinst du?"
ich schluchze:
"ich war heute so draußen... und die welt war ganz weit weg... ich war schon nicht mehr teil davon, ich meine, irgendwie hab ich so... abschied genommen."
das objekt atmet scharf ein:
"wie, abschied genommen?"
"so wie ichs sage."

das objekthirn rattert im hintergrund. auf einmal fällt mir ein, dass es mich jetzt vielleicht einweist.
"also im moment denke ich gerade nicht direkt an selbstmord", schiebe ich nach.
"das sagst du jetzt nur, weil du schiss hast, dass ich nen krankenwagen rufe", durchschaut mich das objekt. "dabei wäre klinik jetzt genau das richtige. kann ich dich dazu bewegen, freiwillig in die notaufnahme zu gehen?"
"nein. die testen mich wie ein versuchskaninchen. meine ärztin verschreibt mir dauernd tetrazyklika, obwohl ich die nicht vertrage, ständig, immer wieder, die macht so ne studie, ich trau der nicht mehr, das ist eine ganz verlogene alte fotze."
das objekt seufzt schwer beherrscht.
"morphine, das ist total paranoid."
"du glaubst mir nicht, du bist genauso, ich hätte dir das gar nicht erzählen dürfen", blubbere ich aufgebracht.
das objekt seufzt ein zweites mal.
"also, morphine, entweder du kommst jetzt soweit runter, dass wir hier eine kooperative basis kriegen oder du gehst in die klinik."

ich atme ein paar mal tief durch, was gar nicht so einfach ist, wenn der puls auf 180 wummert und das herz gegen den brustkorb schlägt wie ein wuchtiger pflasterstein.
"okay, was soll ich machen?"
das objekt denkt einen moment nach:
"also wenn ich das vorhin richtig mitbekommen habe, warst du am schlafen und ich finde, das solltest du jetzt auch tun, weil dein körper danach verlangt. gehst du morgen arbeiten?"
ich überlege:
"wenn ich nicht arbeiten gehe, falle ich komplett aus dem rahmen."
"gut, dann gehst du arbeiten. dafür solltest du ausgeschlafen sein, also wirst du jetzt schlafen."
"ich weiß nicht, ob ich das kann."
"warte. was machst du morgen nach der arbeit?"
"weiß nich."
"dann komm doch rum. mein sohn ist da, aber ich hab ein bisschen zeit. ich schieb dem nen film rein, dann können wir reden. ich habe das gefühl, du brauchst auch mal ne umarmung."
warme erleichterung durchströmt mich, als hätte mir das objekt morphium injiziert.
"okay", wispere ich.
"dann schlaf jetzt. komm gut durch die nacht. ich lass das handy an, falls du dir doch die pulsadern aufschneiden willst, ja?"
"danke."
"dafür nicht. und morgen bist du erstmal bei mir. schlaf jetzt."
und schwupp, hat das objekt aufgelegt.

am nächsten tag schlage ich nach der arbeit in der objekt-gespielinnen-wg auf. als ich im flur stehe, kommt schon der objektsohnemann angeschossen.
"hallo morphine", kräht er fröhlich.
"hallo morphine", sagt eine tiefe stimme aus der küche.
ich luge hinein und da steht das objekt mit schaufel und besen bewaffnet und macht jagd auf wollmäuse. ich bekomme eine bärenumarmung.
"möchtest du was essen?" will das objekt wissen.
ich schüttle den kopf.
"keinen appetit?"
ich schüttle abermals den kopf.
"du siehst aber blass aus, ich finde, du brauchst zucker."

ich setze mich wortlos auf den küchenstuhl und versinke in schweigen, während das objekt ein paar pfannkuchen macht. dann setzt es sich zu mir, beobachtet mich, versucht, meinen blick zu fangen und grinst mich dabei an. "hallo", sagt es und zieht mir die hände weg, mit denen ich mein gesicht schützen will. dann steht es auf und umarmt mich abermals, hält mich fest und wiegt mich eine weile. ich lehne mich an, lasse mich fallen, verdrücke zwei tränchen. die objektive wärme brennt sich durch meinen pulli. ich beginne mich wohlzufühlen.

dann lässt mich das objekt abrupt los und setzt sich wieder mir gegenüber. es fixiert mich streng:
"was ich übrigens richtig scheiße fand, war dein fickangebot. stell dir mal vor, ich hätte mal keinen so hellen moment gehabt und hätte dich antanzen lassen und dir meinen schwanz in den mund geschoben. kannst du dir vorstellen, wie du dich dabei gefühlt hättest? und kannst du dir vorstellen, wie ich mich gefühlt hätte, wenn ich hinterher erfahren hätte, wie es dir wirklich geht?! oder wenn du dann vielleicht auch noch einen suizidversuch gemacht hättest?"
"entschuldigung", sage ich unter tränen. "ich konnte dir nicht vertrauen."
das objekt knirscht wütend mit den zähnen, spielt angespannt mit dem docht der brennenden kerze und beginnt schließlich, einen joint zu drehen.

nach ein paar zügen entspannt es sich, grinst wieder friedlich und hält mir dann den filter an die lippen.
"erzähl mir mal, was du im juli machst."
ich zucke mit den achseln.
"ab dem siebten hab ich urlaub."
"ich ab dem zehnten. und dann mach ich ferien mit meinem sohn."
ich rolle mit den augen.
"weiß ich alles."
"ich hab mir ein paar gedanken gemacht. ich muss ja erstmal ein auto besorgen. ich werd wohl das von meinen eltern holen. also fahr ich erst mit dem kleinen zu meinen eltern. danach würde ich dich dann gerne auf dem weg in den süden treffen. ostberlin oder so."
ich schaue an die wand.
"klär erstmal die situation."
das objekt sucht meinen blick.
"aktuell ist das als reiner vater-sohn-urlaub verbucht."
es dauert einen moment, bis ich realisiere, was das bedeutet.
"daran hätte ich ja im leben nicht geglaubt."
das objekt zuckt zusammen.
"wenn du weiterhin so misstrauisch bist, überlege ich mir das allerdings noch mal."
da muss ich endlich lächeln und das objekt lächelt mit mir.
"ich hab ja ein bisschen angst, dass du dich mit uns langweilst", hat das objekt bedenken.
"das glaub ich nicht. die natur... der kleine... und dann du... und ich..."

ich umarme das objekt und atme seinen duft. die chemie kickt mein krankes hirn wie ein elektroschock und ich merke, wie ich trotz aller misere angesext bin. dem objekt geht es offenbar ähnlich, denn seine hände wandern über mein dekolleté und berühren meine brüste.
"dein herz schlägt ganz schwer", flüstert es.
ich nicke.
"sag stop, wenn du das nicht willst", sagt das objekt und atmet schneller, "ich will, dass es dir gut geht. bitte. du bist das wichtigste. sag mir, wenn ich aufhören soll."
ich schmiege mich in den objektiven griff.
"hör nicht auf."
das objekt zieht mich hoch und beugt mich über den küchentisch. es greift unter meinen rock und schiebt seine hand in meinen slip. mit der anderen öffnet es seine hose. ich kann seine warme erektion hinter mir spüren.

in diesem moment platzt der objektsohnemann in die küche. wir haben ihn nicht kommen hören. das objekt zieht schnell die hose hinauf und meinen rock wieder hinunter. der sohnemann starrt uns mit großen augen an. während ich am liebsten im erdboden versinken möchte, stellt das objekt mal wieder sein improvisationstalent unter beweis.
"wie siehts aus mit mathe-hausaufgaben?" fragt es arschcool und schafft so die thematische 180-grad-wendung.

einige minuten später sitzen wir über bruchrechnungen und lassen die köpfe qualmen. unter den tisch stecken meine füße zwischen denen des objekts, während es mich mit einer hand zart streichelt. mit der anderen stopft es meine kalt gewordenen pfannkuchen in sich hinein. der lütte grübelt, flucht, heult und lacht und schafft dann doch ganz locker die aufgaben. so sitzen wir, bis die objektgespielin im anflug ist und ich nach hause muss.

"ach, fast hätte ichs vergessen", sagt das objekt bei der abschiedsumarmung.
es reicht mir ein kleines päckchen.
"noch was schönes zum geburtstag."
"für mich?" piepse ich erstaunt.
"aber erst zuhause aufmachen. ich hab angst, dass du das schon kennst. das war mal meines und es hat mir in der krise viel bedeutet. vielleicht kannst du ja auch was draus ziehen."
"danke. ich bin gespannt."
ich gebe dem objekt einen letzten kuss, dann schiebt es mich aus der tür.

in der bahn lasse ich die begegnung und die wahrscheinlich gewordene perspektive für den sommer auf mich wirken. für einen moment fühlt es sich an wie im himmel.

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Montag, 7. April 2014
sonntag
don´t disturb.

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Freitag, 4. April 2014
was dein herz begehrt
der große kater schnurrt und purrt und schlingt sich um meine beine. schubbert sich und schaut mich mit großen augen an. als ich die hand ausstrecke, um ihm über den verwuschelten kopf zu streicheln, weicht er ein wenig zurück, um an meinen fingern zu schnuppern. dann dreht er sich wie wild im kreis und mauzt lauter, stellt sich auf die hinterpfoten und streckt sich richtung tischplatte. da begreife ich, dass es nicht um streicheleinheiten geht. denn auf dem tisch liegt ein angebissenes käsebrötchen. frischkäse zählt zu den most-wanted objekten der begierde des herrn kater und wird nur noch durch thunfisch übertroffen.

männer eben.

meine eltern haben mir zum geburtstag eine karte geschickt. außen steht: "natürlich muss man männer so nehmen wie sie sind" und innen "aber man sollte sie nicht so lassen". die karte hat mein vater ausgesucht. drunter hat er geschrieben, dass er mir wünscht, "dass sich der glücksbaum endlich mal wieder ein wenig in meine richtung neigt". das ist für meinen stoischen, mich an meiner leistung messenden vater eine wahrhaft poetische aussage.

überhaupt fällt mir neuerdings das eine oder andere zu meinem vater ein. wie wir früher oft gemeinsam in die sterne geguckt haben. venus, jupiter, mars. der wechsel der sternbilder im rhythmus der jahreszeiten. oder die erste phase meiner lang anhaltenden schlaflosigkeit, die in der grundschule begann. mindestens einmal pro woche gingen wir deshalb spätabends spazieren, um mich müde zu machen. unser ziel war das brachland, das die bahngleise entlang führte. dort standen wir dann und warteten auf vorbeifahrende züge. mein vater, der fernweh nie kannte, ist ein großer fan von zügen. vielleicht träumt er sich ja in die ferne, so wie auch ich immer etwas zum träumen brauche, um die welt ertragen zu können.

manchmal erzählte mein vater bei unseren spaziergängen aus seiner kindheit, manchmal sagten wir einfach nichts. von meinem vater habe ich das schweigen gelernt. mein vater ist die große stille in mir, das stumme auge im sturm der einprasselnden details.

die erkenntnis, dass es diese ruhigen, schönen momente meiner durcheinandergerührten kindheit hin und wieder gab, lässt einen schwarm zärtlicher gefühle in meiner brust explodieren, den auch 40 milligramm ssri nicht verdrängen können. ich vermisse diese momente. sie haben nie lange genug gedauert, um meine sehnsucht zu stillen.

auch für das objekt hege ich neben erotischen eine menge kindlicher gefühle, während es selbst bei bedarf die vaterrolle gegenüber mir einnimmt. ich frage mich oft, ob das gesund ist, aber ich rechtfertige es damit, dass es sich gut anfühlt. es ist ein vereinzeltes nachhausekommen, dass mich dann durch die kommenden tage trägt wie eine kleine, kugelsichere wolke.

mir selbst ein zuhause geben ist eine aufgabe, die mich jeden tag bis ans äußerste fordert. nur selten gelingt es mir. die katzen helfen mir. wenn die super-puschis auf mir schlafen, der kleine in meinem schoß, der große auf meinen füßen, dann ist da ein großer friede.

es ist ein kleiner anfang. sich zu erinnern. an sich zu arbeiten. und ein langer weg, der noch vor mir liegt.

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