Sonntag, 1. Juni 2014
spaßbremsen
freitag, 23:30 uhr, ich bin todmüde und falle ins bett. kurz vorm einschlafen plingt das handy, sms vom objekt:
"hey, ich gehe jetzt mit t. ins xyz feiern, könnte passieren, dass man sich also begegnet... in diesem kontext ein wunschgedanke: später mehr?"

ungünstig. ich überlege einen moment und schreibe dann zurück, dass ich müde und partyunaffin bin, aber mal sehe, wie ich mich in einer stunde fühle. das objekt schreibt noch eine stark legastenische motivations-sms - ganz untypisches engagement, was vermutlich heißt, dass ihm die eier kurz vorm platzen stehen.

doch auch die motivations-nachricht wirkt keine wunder mehr - als ich gegen halb zwei kurz aufwache, fühle ich mich, als hätte mich ein lkw überfahren. ich schreibe dem objekt also eine weitere nachricht, dass ich nicht kommen werde, aber mich über eine terminliche alternative freuen würde.
"morgen vielleicht, mylady", schreibt das objekt und geht dann off zum weiterfeiern.

heute befinde ich mich ausgeschlafenerweise in stabiler stimmung und freue mich auf die abendliche option vor. am nachmittag schreibe ich dem objekt, dass ich bereit stünde und mich freuen würde.
keine antwort.
also anrufen. das objekt geht nicht ran.
ich wundere mich, dann fällt mir ein, dass es spätschicht haben könnte. ich warte bis zum regulären spätschicht-ende, dann schreibe ich noch mal, "was ist denn nun?".

endlich meldet sich das objekt zurück. es hat den halben tag verschlafen und befindet sich depressiver stimmungslage. trotz konsequenten stundenlangen zuknallens mit allem, was die objektive apotheke zu bieten hat, sei leider nichts zu machen, sagt es, und einen hoch kriegt es so zugedröhnt jetzt sowieso nicht mehr.

ich habe zunächst mitleid, merke dann aber, wie sauer ich bin und meckere es an, dass ich diese information auch schon heute nachmittag interessant gefunden hätte. dann setze ich noch einen drauf und verkünde, dass ich mir in dieser konsequenz für heute was anderes zum ficken suchen würde. danach ist polen offen, denn das objekt mag weder den vorwurf schlucken noch sich gerne austauschbar fühlen und schnappt seinerseits ein.

wunderbare aussichten. wenn das im urlaub auch so wird, dann gute nacht.

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edit

gegen mitternacht meldet sich das objekt erneut. es hat sich offenbar berappelt und will noch in den club. das ist günstig und ungünstig zugleich, weil ich spontan den typ von neulich bei mir habe.
letzten endes dirigiere ich den typ unsanft hinaus und schlage eine stunde später beim objekt auf, weil das objekt auf dem weg zum club liegt, obwohl ich eigentlich gar keine lust auf den club habe und noch weniger lust, mit dem objekt dort hin zu gehen. aber irgendetwas in mir hat eine entscheidung getroffen.

"ich fand das krass, so mitzukriegen, du hast da jetzt tatsächlich einen anderen kerl..." sagt das objekt unsicher, nachdem wir uns sehr verhalten begrüßt haben.
"tja", sage ich kurz und geheimnisvoll und hülle mich dann in schweigen.
"wie geht das denn so, wenn du sowas machst?" will das objekt wissen.
"naja, anrufen, ausziehen, ficken, anziehen."
das objekt sitzt auf dem bett und schaut an mir vorbei.
"ich war echt so... wow. spannend. und dann hab ich gemerkt, wie ich eifersüchtig bin."
ha! da siehe du nur zu.
"also eifersüchtig jetzt nicht so... so strenggenommen eifersüchtig. sondern wegen dem typen", will das objekt dann relativieren.
egal wie, meine fickpolitik hat ihre nebenwirkung nicht verfehlt.
ich schweige immer noch eisig und angefressen.
"ich habe die letzten beiden tage so in reminiszenzen geschwelgt", spricht das objekt weiter. "dabei sind mir ein paar dinge aufgefallen. die kann ich dir aber jetzt so nicht sagen."
"geheimnisvoll" spotte ich böse. "rumfaken und rumposen kannste ja wirklich gut."
"wie meinste nun das?!" ist das objekt empört.
ich winke ab.
"schon gut, ich denke, wir sollten das hier jetzt nicht ausdiskutieren. sonst haben wir beide einen miesen abend, reicht schon, wenn meiner scheiße wird."
das objekt schaut mich irritiert an, traut sich aber offenbar nicht mehr nachfragen.

wir rauchen noch eine zigarette zusammen, dann drängt das objekt zum aufbruch.
"hübsch siehst du aus", sagt es schüchtern, als ich in die schuhe schlüpfe, und ich will nicht sagen, du auch.

wir schließen die räder auf und radeln dann schon gut angeschickert die breite straße hinunter.
"komm", sagt das objekt, "gib mir mal deine hand."
"wozu das denn", frage ich.
"jetzt zier dich nicht, mach schon."
"dann fallen wir beide auf die fresse."
"quatsch."
das objekt greift einfach nach meiner hand, so, dass ich den lenker loslassen muss. wir schwanken heftig, ich protestiere, doch dann kriegen wir die kurve und grooven uns ein.
"da, rechts", dirigiert mich das objekt.
hand in hand radeln wir durch den lunapark.
"romantisch", findet das objekt.
"ich bin jetzt aber nicht romantisch", entziehe ich ihm flugs meine hand. prompt springt dem objekt die kette ab. fluchend kniet es im dunkeln und friemelt das ding wieder rein.
"wirds denn gehen", frage ich.
"jaja."
"ich wollte dir jetzt nicht meine hilfe anbieten."
"besser so", sagt das objekt, und es klingt so viel mit in diesen beiden worten, sarkasmus, wut, kälte, dass mir ganz schlecht wird.

wir steigen wieder auf. mein herz wummert wild und schwer. mach was, sagt mir der bauch, bloß nicht, sagt der kopf. der bauch gewinnt. als wir wieder fest im sattel sitzen, strecke ich schüchtern meine hand dem objekt hin. ich spüre sein erstaunen und seine verwirrung mit dem fahrtwind, doch dann nimmt es meine hand, ganz sachte, so, dass wir beide jederzeit beiläufig loslassen könnten.

als wir ankommen, zahlt das objekt für zwei.
"ich geh tanzen", sagt es und verschwindet.
ich unterhalte mich mit einigen bekannten, tanze eine runde, sehe das objekt hin und wieder flüchtig, wie es an einer blonden dürren herumbaggert. dann hole ich meine jacke und gehe.

auf dem fahrrad kommen die tränen, so viele, bis ich nichts mehr sehen kann, ich überfahre ein paar rote ampeln, autos hupen, dann sitze ich auf einer bank, starre in den sonnenaufgang und denke, was für eine scheiße, was für eine bruchlandung von gemeinsamer abendgestaltung, nie wieder will ich mit dem objekt ficken und überhaupt soll es sich gehackt legen mit seiner romantik, die es doch genauso wenig halten kann wie ich.

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Sonntag, 25. Mai 2014
wochenende deluxe
wie es der schöne zufall so will, treffe ich die bekannte, deren ffm-bereitschaft ich angefragt hatte, im club.
"hey!"
"hallo! schön dich zu sehen!"
ich drücke die bekannte. dann schauen wir uns verlegen an und stehen dumm und stumm herum, trippeln von einem fuß auf den anderen und grinsen dämlich-schüchtern. ich merke, dass meine frage fett und dreist zwischen uns steht und die konversation lähmt. da ich weiß, dass man durch offenheit entstandene verlegenheit nur durch noch mehr offenheit katalysieren kann, sage ich:
"ich finde es ja bombe, dass du so aufgeschlossen bist und dir das mit uns vorstellen kannst."
die bekannte grinst nicht mehr verlegen, sondern sexy und meint:
"jo. obwohl ich sagen muss, dass ich beim objekt ein bisschen angst habe."
"warum?"
"der steckte doch schon überall drin."
ich lache:
"da mach dir mal keine sorgen. wenn der was hätte, hätte ich auch was und ich hab mich eben erst durchchecken lassen. außerdem ist das objekt neuerdings ein ganz großer anhänger von gummis, nachdem ihm aufgegangen ist, dass ich möglicherweise ein kind von ihm wollen könnte."
die bekannte lacht ebenfalls und guckt wieder so, dass ich mich ganz merkwürdig fühle.
"wollen wir was trinken?" versuche ich die situation zu retten.

die bekannte nickt. wir holen uns wodka enery, anschließend gin tonic und dann noch whiskey cola. dann stehen wir breit rum und kichern. ein typ gesellt sich zu uns.
"ihr seid aber zwei schöne frauen."
wir brechen wie teenis in gelächter aus.
"du bissss ja n schräger vogel", sagt meine bekannte zu dem typ.
der typ schaut verunsichert.
"boah, und du bisssssja voll gepierct", säuselt die bekannte. "du hassss... doch bestimmt auchn penispiercing, du?"
ich verschlucke mich an meiner whiskey cola und kann nur noch husten statt lachen.
der typ schaut frappiert:
"das ist ja mal ne kennenlern-frage!"
"nee", sage ich besoffen, "nix kennnnn...lenn, wir sinnich... zum kennlern."
"ah, lesbisch", sagt der typ.
ich kichere wieder, und meine bekannte schaut ganz cool.
"klaa. wir sinnn... zusamm."
sie legt den arm um mich. und küsst mich.

meine welt dreht sich einmal um 360 grad und kommt dann wieder zum stillstand. aber hallo, da kann ja jemand küssen!
"noch fragn", sagt die bekannte tough zu dem typ.
"ihr seid zwei süße schlampen", sagt der und schaut uns geierig an.
meine bekannte flüstert mir ins ohr:
"ey, lasssssnsss... bloß abhauen, der ist ja voll schräg."

sie nimmt meine hand und geht los.
"wo willlsssn hin", rufe ich, da zieht sie mich schon richtung klo.
"welche kabine willssu?"
"ganssss. hintn. da warich neulch mitm objekt."
die bekannte lehnt sich gegen die fliesen und schaut mich genervt an.
"geh mir dochma weg mitn männan."
"warum? iswas mit deim typ?"
die bekannte hat einen sehr anstrengenden eifersüchtigen freund.
die bekannte schaut frustriert:
"isssnichma. is schlussss."

und sie fängt aus heiterem himmel an zu weinen. ich nehme sie in den arm. sie schnieft ein bisschen und fängt sich dann wieder. ich reiche ihr klopapier und sie schnäuzt sich:
"dabei is das son wichser. under hat voll kleinnn schwanz."
ich muss schon wieder kichern. warum war mir nie aufgefallen, wie cool die bekannte eigentlich ist?
"hassdu einglich n foto vom objekt da?" fragt sie mich dann.
"warumn das?"
"weilch ma sehnwill, wie der aussieht."
"kennssssu doch."
"nee! nackich!"
ich schaue perplex.
"ichab doch keine nacktfoddos von dem!"
"wie? warum dennich?"
ich lache.
"na ich kann dem dochnich sagn, hey, zieh dichma aus, ich will foddos machn."
"abba bevorich dem sein schwanz blase, willich doch wissn, obsich das lohn!"
ich kann mich vor lachen kaum mehr auf den beinen halten.

wir stehen uns gegenüber und grinsen besoffen-angesext. dann sinkt mir die bekannte wieder in die arme und kuschelt sich an.
"du riechsooo gut."
ich schnuppere ebenfalls.
"duauch."
wir stehen eine weile rum und knutschen ein bisschen.
"is echt schön mit dir", sage ich irgendwann warm.
"unnn du hass voll die krassn augn", sagt die bekannte.
"is mir nie so aufgefalln."
"dasiehssema."

als wir wieder rausgehen, habe ich magenflattern vom küssen und vom alkohol und von den neuen entwicklungen. schade, dass das objekt heute nicht da ist, denke ich mir und schreibe ihm eine sms: du verpasst wieder mal das beste.

um halb sieben ist die party aus. wir gehen noch mit zu einem anderen bekannten, der im wohnwagen lebt. der bekannte macht kaffee, dazu gibt es chips und schoki.
"krass gesundes frühstück", sagt die bekannte und lässt sich die chips aus der tüte in den mund rutschen.
"endlich kann ich das wieder machen. bei meinem scheißtyp war ich ja die ganze zeit auf nulldiät, weil der nur ganz dünne frauen mag."
"das objekt mag vollblutweiber. es macht sich sogar immer sorgen, wenn ich in meinen trauerphasen abnehme."
"der hat ja auch so ne fetti uschi als freundin."
"ich habe aber nicht so ne wampe wie die!"
ich haue die bekannte ein bisschen.
"aua", kreischt sie, "wenn du mir wehtust, musste das nachher wieder wegmassieren."
"ohoh", sagt unser bekannter und zieht die augenbrauen hoch. "werdet ihr etwa lesbisch?"
"neee", sage ich.
"nee", sagt die bekannte. "ich war mal eine ganze zeitlang mit ner frau zusammen, aber so auf die dauer... fehlt mir da der schwanz."
ich nicke.
"für mich wär das auch nix für immer."

gegen halb zehn watscheln wir zu s-bahn.
"jetzt noch ne stunde nach hause", jammert die bekannte.
"wo musst du eigentlich hin?"
"maschen."
"wow! warum wohnste denn da?"
"naja, ist billiger, so mit kind."
"stimmt, du hast ja ein kind. hab ich gar nicht mehr dran gedacht."
"ja, der wartet bestimmt schon auf mich. tut mir ja immer leid, dass ich so ne rabenmutti bin."
"sonst hätte ich gesagt, ich beherberge dich", sage ich leichthin.
die bekannte schaut mich an.
"du bist echt süß. richtig richtig ne süße."
wir nehmen uns noch mal in die arme und küssen.
"bis bald, du."
"komm mir gut nach hause."

als ich die letzten meter richtung haustür schlappe, klingelt mein handy. das objekt.
"morgen morphine", sagt es, "bist du schon wach oder immer noch wach?"
"letzteres."
"mensch. das scheint ja ein schöner abend gewesen zu sein."
"ich bin ein bisschen verzaubert. aber ich weiß nicht, ob das mit dem dreier klappt. die ist grad frisch getrennt und hat bedenken wegen deiner vielweiberei."
das objekt lacht geschmeichelt.
"wer ist denn eigentlich die holde?"
ich sage es ihm.
"hm, bei der hätte ich auch bedenken. die ist zwar äußerlich cool, aber bei der trügt glaub ich der schein. innerlich ist das ne ganz ganz liebe, die hängt sich dann vielleicht an uns und sowas wird meist schwierig."
"na hör mal, ich bin auch lieb!"
"ja, aber weißt du, du bist abgeklärt. du siehst die dinge, wie sie sind und weißt, worauf du dich einlässt."
"dass du mich da mal nicht überschätzt."
"niemals. aber sag mal..."
"ja?"
"die gespielin ist ausgeflogen und kommt erst morgen wieder. willste nicht nachher rumkommen? dann hätten wir die ganze nacht gemeinsam und könnten sogar zusammen schlafen."

das wochenende entpuppt sich soeben als super-wochenende. irgendwas scheint mit meinem schicksal nicht zu stimmen, oder mr. murphy ist besoffen.
"ja, klar!" sage ich hocherfreut. "ich muss aber erstmal ne runde schlafen."
"mach das. ich will sowieso noch mit meinem lütten basketball spielen."
"aber verausgabe dich nicht, vaddi."
das objekt lacht.
"ich ess nachher ein steak, dann hab ich wieder genug eiweiß für dich."
"na gut."
"dann klingel doch mal an, wenn du wach bist. und dann kommste rum. in aller ruhe."
"fein, bis später."

gegen 21 uhr schlage beim objekt auf. es kommt gerade aus der dusche, als ich die wohnung betrete.
"legen sie ab, madame."
es heißt mich aus schuhen und jacke schlüpfen, dann kniet es vor mich und zieht mir jeans und slip aus.
"es gibt für die nächsten 15 stunden ein neues gesetz: die total nacktheit", grinst es.
"das ist ja löblich, dass der gesetzesgeber das gleich so anschaulich vorlebt!"
"immer. apropos, warst du wählen?"
"klar. das herz schlägt links."
"braves frauchen. was möchtest du essen?"
"was gibts denn?"

das objekt macht eine reihe von menüvorschlägen und stellt sich dann an den herd. ich sitze daneben und beobachte das nacktkochen.
"du hast den schönsten arsch, den ich je bei einem mann gesehen habe."
das objekt dreht sich um und grinst geschmeichelt.
"und das, wo ich mich heute so dabei ertappt habe, dass ich dir gerne gefallen würde."
"du hast dir sogar den bart gestutzt."
"ja."
"ich vermerke es mit einem fleißsternchen."

als das essen vor sich hinköchelt, findet das objekt, dass es zeit für die vorspeise sei.
"auster", fordert es mit glänzenden augen.
es hebt mich hoch, setzt mich auf die anrichte neben dem herd, drückt mir die beine auseinander und geht dann auf tauchstation. kurze zeit später explodiere ich in wonnevollen zuckungen.
"geil", findet das objekt, "und mach dich schon mal drauf gefasst, dass ich dich heute noch in den arsch ficke."

dann essen wir.
"wie findest dus?"
"lecker."
"du stocherst aber rum."
ich halte inne und lausche in mich hinein. mit schrecken bemerke ich, dass der appetit eher höflichkeit gegenüber meinem gastgeber ist und dahinter nach wochen der fröhlichkeit wieder die altbekannte schwarze front lauert. aber ich will die nicht, denn ich will hier sein, glücklich sein und mit dem objekt in die vollen gehen.
das objekt hat aufgehört zu essen und betrachtet mich kritisch.
"da ist doch was? du bist doch ganz befangen."
ich merke, wie mir die tränen in die augen steigen, nicht wegen der traurigkeit, sondern weil das objekt immer so viel an mir sieht und dann so lieb fragt, sodass ich mich zuhause fühle.

das objekt ist aufgesprungen, nimmt mich in den arm und streichelt mich sanft.
"ich heule nicht, weil ich traurig bin", sage ich.
"sondern?"
"wegen dir."
das objekt ist perplex.
"also nicht weil du was falsch machst", sage ich. "sondern weil du mit mir so viel richtig machst."
das objekt muss stolz lächeln.
"gestern", schniefe ich, "gestern hat mir jemand gesagt, dass ich ja so nett und lustig und angenehm bin. aber nur, wenn ich besoffen bin, weil sonst bin ich eiskalt und distanziert."
das objekt schaut mich prüfend an.
"wer sagt denn sowas?"
"das ist doch egal."
"dann muss es jemand gewesen sein, der dich ganz schlecht kennt."
"aber es stimmt, ich bin distanziert."
das objekt schüttelt den kopf:
"man muss nur wissen, wo man dich abholen muss. das ist bei dir vielleicht etwas kniffliger herauszufinden, weil du sehr gute masken hast und schnell umschwenkst, aber im grunde genommen reicht dafür eine ganz normale durchschnittliche portion emotionale intelligenz."
ich schaue das objekt an:
"also denkst du, dass ich nicht distanziert bin?"
das objekt schüttelt den kopf und küsst mich dann tief. dann greift es nach meiner gabel, spießt eine tortelloni auf und hält sie mir hin:
"los. einen happs für papa."
ich muss lachen. dann schaffe ich es doch, den teller leerzuessen.

anschließend zieht mich das objekt ins schlafzimmer.
"komm", sagt es, "leg dich ab, machs dir gemütlich."
es legt sich zu mir, nimmt mich wieder in den arm und streichelt mich.
"ich will, dass es dir gut geht, hörst du? auch wenn du mich total anmachst, ich kann mich zurückhalten."
ich nicke dankbar, kuschle mich an und versuche, mich zu entspannen. ich merke, wie die schwarze front langsam wieder ins nichtfühlbare versinkt.

ich stecke meine nase in die objektive achselhöhle und inhaliere.
"was machst dun da?" willst das objekt belustigt wissen.
"pheromone inhalieren", sage ich und lasse meine finger über die breite objektbrust wandern. das objekt lächelt mich an, greift nach meiner hand und drückt sie zart. die geste ist so liebevoll, dass ich plötzlich das ganze zutrauen spüre, das ich für das objekt hege. ich ziehe sein gesicht zu mir heran und küsse es tief. beim küssen fühle ich, wie dem objekt das blut in den schwanz schießt. das ist so sexy, dass ich meine hemmungen endlich über bord werfe.
"ficken?" frage ich, und das objekt zieht mich begeistert in seinen schoß.

später richten wir uns zur nacht.
"wie lange ist das wohl her, dass wir miteinander eingeschlafen sind?" fragt das objekt.
ich denke kurz nach.
"17. märz 2013."
das objekt lacht:
"wahnsinn. dass du dir das merken kannst."
"tja, ich bin eben ein weibchen."
"ein vollweibchen."
"ein weibchen mit vollmeise?"
das objekt lacht.
"komm her und halt die klappe. ich bin noch total im hormonrausch, ich fühle mich ganz zittrig und muss dringend schlafen."
ich krabble auf das objekt und lege mich in seine arme. dann schlummern wir ein.

wie auch früher, wenn ich beim objekt war, wache ich als erste auf. der objektwecker klingelt um 9:30 uhr - ungehört. ich rüttle am objektarm. keine reaktion. erst, als ich den schwanz in die hand nehme, schlägt es die augen auf.
"oh", sagt es.
"frühstück, bitte", sage ich.

das objekt steht auf und macht tee.
"möchtest du auch einen shake?"
"was für einen?"
"ich hab pfirsiche... und bananen."
"banane."
es gibt vollkornbrot und leinsamenmüsli und alles, was das bio-herz begehrt.
"sag mal, haste nen naturkostladen leergekauft?"
"ich entdecke das gerade so für mich."
"ich fühle mich schon fast vergiftet, so gesund schmeckt das alles."
das objekt steht auf, holt einen wodka aus dem eisfach und kippt ihn in meinen shake. dann dreht es einen joint und reicht ihn mir.
"besser?" grinst es.

eine stunde später sind wir schon etwas breit. leider ist aufbruch angesagt, denn das objekt muss noch arbeiten.
vor der tür küssen uns wir zum letzten mal. dann zieht ein jeder seine wege. wege, die sich hoffentlich bald wieder kreuzen werden.

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Samstag, 24. Mai 2014
ffm mit hindernissen
wie es der zufall manchmal so will, hat kurz nach der objektiven anfrage wegen eines vierers eine meiner bekannten durchblicken lassen, dass sie gerne etwas mehr als meine bekannte wäre. hammwaja im prinzip nix gegen, zumal sie nicht nur nett, sondern auch ein hingucker ist. um nicht zu sagen: die frau ist ein porno. leider war ich nicht schlau genug, erstmal den selbsttest zu machen, sondern habe gleich gefragt, was sie denn von einem ffm-dreier hält. da sie genauso eine sau wie ich ist, hat sie ja gesagt. sie kennt das objekt auch vom sehen und findet es wohl nicht unattraktiv.

nach der ersten begeisterungswelle meinerseits, auf der ich dem objekt sofort eine nachricht tippen wollte, dass am wochenende sexzess zu dritt angesagt sei, kam mir der gedanke, dass ich ja eigentlich ganz schön dämlich bin. denn die bekannte fällt ins objektive beuteschema. will ich dem objekt wirklich ein weibchen liefern und daraus vielleicht einen nachteil ziehen? nicht zuletzt in hinblik auf den gemeinsamen urlaub vielleicht nicht nur ein falsches signal, sondern auch eine aktion, mit der ich mich selbst ausbooten könnte. dann hätte das objekt, wenn es blöd läuft, neben seiner gespielin zwei affairen. was das für die einzelne (länger bestehende und damit aufgrund mangelnden neuwerts definitiv uninteressantere) affaire bedeutet, können sie sich ja sicherlich ausmalen.

ich hoffe also, dass das objekt heute schön brav zuhause bleibt, während ich mit der bekannten-plus abstürze. und ich werde so lange wie möglich meine dumme fresse halten und das thema ffm umschiffen. wenigstens bis nach dem urlaub, in dem sich ja einiges entscheiden dürfte. zumindest, ob ich das objekt wirklich so alltagstauglich finde wie ich mir immer eifrig einrede.

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Mittwoch, 21. Mai 2014
märchenlektionen
"du sag mal", löchere ich das objekt, "wenn wir da so draußen auf felsen schlafen, ist das nicht furchtbar unbequem? ich mach mir sorgen um meinen kaputten rücken..."
das objekt schmunzelt.
"ach schneewittchen, ich bau dir ein bett... so aus moosen und allem, was die natur hergibt. das wird wunderbar, ich versprech dir das."
mein herz macht kleine hüpfer.
"ich hab ein bisschen angst und zugleich freu ich mich so."
"so muss das sein", sagt das objekt warm.
wir schweigen beide und ich kann das objekt atmen hören.

"weißt du was", sagt es dann.
"was?"
"was hälst du davon, wenn wir dich mal ein bisschen entgiften?"
"wie meinst du das?"
"du nimmst alles mit, was du brauchst... und dann versuchen wir, dass du ohne auskommst. weißt du, wenigstens von den benzos solltest du mal runterkommen."
"und wenn es mir dann schlecht geht?"
"ich pass auf dich auf", verspricht das objekt. "es gibt kein besseres set, um zu sich zu kommen."
ich atme tief ein.
"ich vertrau dir, du."
"das darft du auch, schneewittchen."
"das hat ein ex immer zu mir gesagt."
"dann sag ichs nicht. oder? nein, ich sag es, weil es passt zu dir. hat er gut gesagt, dein ex."

wir schweigen wieder.
"ich muss ins bett", sage ich.
"dann schlaf gut. und träum was von den sieben zwergen."
"na toll. und was ist mit dem prinzen?!"
"den gibts doch gar nicht. nimm lieber einen von den zwergen. so nen fleißigen kleinen arbeiter, der gut im wald klarkommt. haste viel mehr von. außerdem sind die zu siebt, das kommt doch deinem verschleiß entgegen."
"das war mal wieder unschlagbare objektive logik."
"gern geschehen. und jetzt heia."
"bis dann."
"schlaf schön."

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Montag, 19. Mai 2014
akt in zwei halbzeiten
nach dem clubabend bin ich gegen sieben uhr morgens im bett und beschließe auszuschlafen. doch daraus wird nichts. denn kurz vor 14 uhr klingelt das handy und das objekt ist dran.

"hab ich dich geweckt", fragt es bestürzt, als ich mich mit einem verschlafenen "jawasisdenn" melde.
"nee, überhaupt nicht, ich warte schon seit stunden auf deinen anruf", sage ich sarkastisch.
"tut mir leid", sagt das objekt.
"tut dir gar nicht leid", sage ich. "lass mich raten... es ist kurz vor 14 uhr, die gespielin hat spätschicht und vor einer viertelstunde das haus verlassen und dir ist langweilig."
"nee! gar nicht! ich will nachher fußball gucken", entrüstet sich das objekt.
"und du rufst an, um mir das mitzuteilen?!"
"hast ja recht", schmunzelt das objekt. "ich bin gerade total uninspiriert und nachdem wir uns gestern gesehen hatten... und du so hübsch ausgesehen hast... und deine worte so in mir nachgeklungen haben..."
"tut mir leid, wenn ich derzeit etwa euphorisch bin."
"nein, nein, ich fand das total liebenswert! so offen bist du ja nicht immer."
ich denke kurz nach.
"okay, pass auf, ich steh jetzt auf, trink nen kaffee und bin dann so in einer bis anderthalb stunden bei dir."
das objekt freut sich.
"das ist toll", sagt es, hält dann inne, überlegt und beginnt zu stammeln:
"aber eine frage noch... würde es dich stören, wenn ich ein bisschen fußball gucken würde? beziehungsweise magst du mitgucken? also wenn du nicht willst, muss ich das auch nicht haben..."
ich hole tief luft:
"wer spielt denn?"
"fürth gegen den hsv."
"krass! alte heimat gegen neue heimat!"
"und es geht um den abstieg für den hsv!"
"spannend."
"heißt das, du würdest mitgucken?"
"was weißt du über mich und fußball?"
das objekt kramt in seinem gedächtnis und gibt dann meine worte wieder:
"du bist ein fußballaffines wesen."
"exakt."
"dann freu ich mich noch viel mehr jetzt."
"fein. und bitte mach mir schon mal einen cappucchino, ich seh gerade, mein kaffee ist alle."
"ich koch uns was, was hälst du davon?"
"auch gut."
"bis gleich!"

ich ziehe mich an, schwinge mich aufs rad und fahre rüber zum objekt.
an der tür empfängt mich mein sexy gastgeber zerwuschelt und in schlafklamotten:
"sorry, ich bin noch nicht mal zum baden gekommen, ich war die ganze zeit am kochen und aufräumen."
"alles für mich?"
"du, ich häng das tatsächlich immer sehr hoch auf, wenn du zu mir kommst", sagt das objekt sehr ernst.
"das ehrt mich ja."
weil das objekt in stimmung ist, nimmt es mich mit ins bad.
"ich finde das total sexy, dass du hier bist", sagt es, steigt aus den klamotten und pellt mich dann aus meinen.

wir sitzen in der wanne und rauchen und unterhalten uns. das objekt packt seinen rasierer aus:
"willst du übernehmen?"
das objekt ist der erste mann, der mir seine intimrasur anvertraut.
"das ist so schön, ich kenn ja recht viele typen, die sich gar nicht rasieren", sage ich beiläufig.
"dann haste ja haare im mund, wenn du denen die eier leckst."
der objektschwanz wächst mir in die hand.
"weißt du, an was ich gerade denke?" fragt das objekt. "ich möchte so gern mal einen vierer machen. du und ich und ein anderes paar. fällt dir da eines ein?"
"ich bin nicht so pärchenaffin, bislang. also ich könnte dir sowohl männer als auch frauen nennen, die da wohl mitmachen würden, aber ein paar... schwierig."
"schade. aber sag bescheid, wenn sich was auftut."
"klar, gerne."
das objekt erhebt sich, um sich abzubrausen. dann steigen wir aus der wanne.

das objekt rennt splitterfasernackt in die küche, um das kaltgewordene essen noch mal zu erwärmen. ich krabble derweil ins bett, schmeiße den fernseher an, suche die fußballübertragung und drehe einen neuen joint. dann kommt das objekt dazu, dampfende nudelteller in der einen, wodka in der anderen hand.
"oh! es hat ja schon angefangen."
"jupp. und für wen bist du?"
"hamburg. auch, wenn ich als st.-pauli-fan den hsv eigentlich scheiße finde."
"ich bin für fürth", sage ich patriotisch.
"wetten wir?"
"okay. was krieg ich, wenn der hsv verliert?"
das objekt überlegt:
"eine massage?"
"auja. und du?"
"ich will einen blowjob. bis zum süßen ende."
wir schlagen ein, dann schießt der hsv sein erstes tor.
"sieht schlecht aus für dich", sagt das objekt mit genugtuung und zieht meine hand in seinen schoß.

als die pause eingeläutet wird, fällt das objekt über mich her. nach einigen minuten wilden fickens schaltet es jedoch einen gang runter. ich liege an das objekt gepresst, schwanz in muschi, und das objekt streichelt mich ganz zart über rücken und po. ich fühle mich plötzlich ultra gechillt.
"das hat was meditatives", sage ich.
"der dritte würde jetzt sagen: ich will nicht, dass es geil ist, ich will, dass es schön ist", bringt es das objekt auf den punkt.

zweite halbzeit. revanche für mich.
"das hätte ich ja nicht gedacht", sagt das objekt.
ich haue es auf den sack.
"wie redest du von meiner heimat?! außerdem spielen die saugut."
"hast ja recht. die spielen wie erstligisten."
"na also. und wenn die den dämlichen hsv wegputzen, tanze ich singend durch die straßen."
das objekt starrt mich belustigt an:
"du bist ja richtig emotional, das muss ich mir merken. wenn du mal wieder verschlossen in deinem tief hängst, gucken wir fußball. das lockt dich aus der reserve."
ich küsse es auf die nase.

das spiel endet unentschieden, der heimvorteil wird zu heimnachteil und die fürther weinen.
"so eine scheiße", fluche ich.
"hm, wenn der hsv abgestiegen wäre, hätten die die komplette mannschaft mal ausgetauscht, das hätte denen vielleicht gut getan", grübelt das objekt. "jetzt ruhen sie sich wieder auf einem sieg aus, der reines glück war."
"dein glück", sage ich grinsend. das objekt grinst zurück und positioniert sich dann blowjobtechnisch günstig.

anschließend steht es auf und geht ins bad. als es das zimmer wieder betritt, hat es massageöl in der hand.
"auch wenn du verloren hast, ich bin grad so schön in berührungslaune."
das objekt arrangiert mich auf dem bett und beginnt, schultern, rücken und po zu massieren.
"herrje, sag mal, hast du keine schmerzen?" fragt es.
"doch, immer, aber ich bin dran gewöhnt."
"unglaublich", findet das objekt. "weißt du, wie verspannt du um die brustwirbelsäule bist?"
da das objekt einige semester studiert und sehr gute anatomische kenntnisse hat, ist es in sachen massagen und muskuläre probleme äußerst qualifiziert. nach der massage bin ich gelöst und schläfrig und mag gar nicht aufstehen. doch es ist zeit, da die gespielin in einer dreiviertelstunde nachhause kommt.

"ich hau ab", sage ich zum objekt, das nackt quer über das bett gebeugt eine weitere tüte baut.
"ach maus", sagt das objekt, dreht sich um und breitet die arme aus. ich lasse mich hineinfallen, kuschle mich an, sauge den duft in mich auf und flüstere:
"ich hab dich lieb."
das objekt grinst schüchtern, kann mich nicht anschauen und drückt mich dann umso fester an sich.
"achja, bevor ichs vergesse", sagt es dann. "du warst doch mal in prag."
"ja und?"
"ich dachte mir, wenn du lust hast, könnten wir da im urlaub mal an einem tag hinfahren. ich war nur mal ein paar stunden da auf durchreise."
"unbedingt!"
"also wir müssen mal schauen wie die zeit ist... aber grundsätzlich... vielleicht bleiben wir sogar eine nacht und gehen schön in einen swingerclub oder so?"
"das können wir auch in berlin."
"ja, schauen wir mal. müssen nur sehen, wie wir das mit dem kleinen machen."
ich küsse das objekt ein letztes mal.
"bis bald."
"war sehr schön", betont das objekt.
"ciao", sage ich und nehme die treppe.

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i´m not there
clubbing.
ich komme sehr spät in einen proppenvollen club, aber es sind nur komische leute anwesend. zwei flüchtige bekannte, dann stolpert mir die gespielin vor die füße. ich bin völlig perplex, da die gespielin nicht mehr ausgeht, seit sie das objekt okkupiert. ich sage schnell hallo, ich will nicht unhöflich sein, und die gespielin lächelt mich gequält an.

dann stehe ich im raucherraum, und plötzlich taucht das objekt auf.
"mensch, ich hab dich gar nicht gesehen", sage ich und drücke es, nachdem ich mich vergewissert habe, dass die gespielin außer sichtweite ist.
"hm, ich war aufm klo", sagt das objekt. "ich wollte dir von da ne sms schreiben. aber nun biste ja doch da."
"ja, ich kam ganz spät. was haste denn solange auf klo gemacht?"
"die gespielin wollte unbedingt hierher und dass ich mitkomme. aber ich... ich bin heute eigentlich gar nicht da."

ich verstehe sofort und das objekt weiß, dass es verstanden ist. es kommt ganz nah, so nah es unverfänglich kommen kann. im grunde kriechen wir ineinander.
"hast den kopf voll, hm", sage ich.
das objekt nickt.
"aber ich habe heute auch an dich gedacht."
ich grinse stolz und spüre die wärme, die das objekt auf mich abstrahlt.
"ich will auch gleich wieder gehen", sagt das objekt.
"ja, die musik ist kacke."
"nee, nicht deswegen, aber weißte, so bringt mir das nichts."

ich verstehe. meist ist das objekt ohne gespielin unterwegs, heute kann es sich so wieder nicht frei bewegen.
ich nehme es in die arme und atme seinen duft.
"ich freue mich so, wenn wir uns mal wieder haben", sage ich.
das objekt lächelt und strahlt und sagt:
"ich auch."

dann ruft es ein taxi und die gespielin und geht.

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Samstag, 17. Mai 2014
die sache mit den inneren und äußeren werten
ich behaupte gerne von mir, dass mich äußerlichkeiten nicht beeindrucken. tatsächlich gehen mir markenklamotten, schicke smartphones oder dicke autos am allerwertesten vorbei. auch habe ich nicht das leiseste bedürfnis, mich als künstler oder ähnliches auszugeben. im gegenteil, ich würde mich manchmal freuen, als etwas weniger extravagant und exzentrisch wahrgenommen zu werden.

dennoch können mich äußerlichkeiten manchmal ganz schön aus der bahn werfen - positiv wie negativ. wenn es zum beispiel um die partnerwahl geht, wo doch eigentlich genauso die inneren werte zählen sollten.

diese woche hatte ich ein blind date mit einem buchhalter. ich war zunächst skeptisch, denn buchhalter waren bei mir bis dato mit einem extrem langweiligen image verknüpft. dann telefonierten wir und es stellte sich heraus, dass der gute gerne metropolen bereist, drei sprachen fließend beherrscht, über 1,90 m groß ist, krafttraining macht und auf weiße hemden zum anzug steht. er habe dunkle haare und trage einen bart, sagte er mir, woraufhin ich an den wallenden objektbart dachte, das ganze in dunkel, und schon präventiv unterleibskontraktionen bekam.

wir verabredeten uns zum essen in einem schicken restaurant in harvestehude. ich wählte mit bedacht meine kleidung und versuchte stundenlang, die haare zu bändigen und eine hübsche stino-frisur hinzukriegen - erwartete ich doch einen großen anzugtragenden, muckibuden-gestählten testosteronbrocken mit ausgeprägter gesichtsbehaarung. wer so aussah, hatte bestimmt auch hohe ansprüche und gab sich nicht mit jeder zufrieden. das hatte er auch beim telefonat durchblicken lassen, als er von früheren blinddates berichtete, die er allesamt als uninteressant beschrieb. ich zweifelte zwar stark, dass ich sein interesse wecken könnte, beschloss aber, versuchsweise mein bestes zu geben.

punkt 20 uhr wartete ich vor dem restaurant, nervös, aber auch vorfreudig. zwei nach acht tauchte ein typ auf, der in die beschreibung passte, allerdings hatte er keinen bart. aber halt, da auf der straßenseite gegenüber eilte ein gutaussender anzugträger heran. ach nein, er stieg zu einer blonden ische in den porsche.

fünf nach acht tippte mir jemand auf die schulter. ich drehte mich um. da stand ein langer, dünner typ mit sehr schütterem haar und ebenso spärlichem bartwuchs, der mich durch eine brille für sehr kurzsichtige menschen aufmerksam betrachtete und mich freundlich mit hasenzähnchen angrinste. er trug einen grünen anzug, dem ihm vermutlich seine mutter ausgesucht hatte und der ihm deutlich zu kurz war.
"hallo", sagte der mann.
"hallo", sagte ich und hoffte auf eine verwechslung.
"du bist bestimmt morphine", zerschmetterte mir mr. hasenzahn meine illusion.
"äh, ja", stammelte ich und hätte mich gleich darauf ohrfeigen können, aber der optische schock hatte mein rationales denken gelähmt.

mr. hasenzahn hielt mir die tür auf, half mir aus der jacke und rückte meinen stuhl zurecht. eins-a-manieren, das gab einen dicken pluspunkt. dann setzten wir uns und die unterhaltung begann zu fließen. mr. hasenzahn entpuppte sich als äußerst angenehmer gesprächpartner mit einem wunderbaren sinn für humor. dafür, dass er vollkommen unbefleckt wirkte und so, als wohne er noch bei mutti, hatte er bereits erstaunlich viel von der welt gesehen und sich eine sehr eigene meinung zu allem gebildet. ich meine eine erzählte ein wenig von mir, meinem anstrengenden brotlosen job, meinem fiesen chef und was ich sonst so machte und mochte. mr. hasenzahn hörte mir sehr aufmerksam zu. auch das fand ich toll, wann hat man schon mal gesprächspartner, die wirklich interessiert waren. ich begann, mich vom optischen schock ein wenig zu erholen und den abend zu genießen.

ich betrachtete mein gegenüber noch mal näher. wenn man nur das gesicht für sich nahm, war er eigentlich gar nicht mal so übel. er strahlte etwas warmherziges und intelligentes aus. der spärliche haar- und bartwuchs verlieh ihm etwas linkisches. er lächelte viel und manchmal auch so, dass man seine hasenzähne gar nicht sah. und die brille, nunja, es gab ja auch kontaktlinsen oder wenigstens schönere brillen.

dann wanderte mein blick wieder weiter und ich registrierte die dürren ärmchen, die sich unter den für seine statur viel zu üppigen schulterpolstern abzeichneten. trainiert sah anders aus. ich fragte also ganz unverbindlich nach, ob er außer krafttraining gerne noch anderen sport mache. er gab daraufhin zu, dass er schon sehr lange nicht mehr trainiert hatte. andere sportarten mache er nicht so gerne, allerdings ginge er manchmal in die therme zwecks wellness.
"ohja, schwimmen ist toll", sagte ich und dachte an meine letztes lustiges wettschwimmen mit dem objekt.
nein, meinte mr. hasenzahn, schwimmen sei nicht so seins.
ich nickte. alle andere hätte mich überrascht. ich schätzte den kerl bei 1,90 m auf maximal 65 kg. trotz seiner hagerkeit hatte er einen bauchansatz. keine guten voraussetzungen für kraftvollen wasserwiderstand.

dann begannen die dinge kompliziert zu werden. nach dem hauptgang servierte der kellner, den ich unter anderen umständen vermutlich angeflirtet hätte, frischen wein. als ich nach meinem glas greifen wollte, nahm mr. hasenzahn unvermittelt meine hand und versuchte, sie zu küssen - und ich erlitt den zweiten schock des abends. die möglichkeit, dass mich mr. hasenzahn interessant finden könnte, hatte ich vollkommen ausgeblendet. jetzt musste ich mir etwas einfallen lassen. das tat mir mächtig leid, weil ich merkte, dass hinter dieser wenig attraktiven fassade ein wundervoller mensch steckte.

bei der frage "gehst du gerne mal aus?" wittere ich meine chance. ich begann, von meinen nächtlichen exkursionen durch düstere tanztempel zu berichten und dass so etwas ein unbedingtes muss für mich war, mindestens zweimal pro wochenende, nicht zuletzt, um freunde zu treffen, sich zu besaufen und sich mal auch mal eine nase zu ziehen. leider wirkte mr. hasenzahn kein bisschen schockiert, sondern fragte sogar interessiert nach der musikrichtung und zeigte sich grundsätzlich bereit, mich auch mal zu begleiten.

gut, wir mussten eine nummer härter werden. also signalisierte ich freude ob seines begleitangebots und erwähnte dann einen stadtbekannten s/m-club. dorthin, log ich, ginge ich regelmäßig auf die extra harten parties, um mich in großer runde auspeitschen und anwichsen zu lassen. es funktionierte. mr. hasenzahn klappte die kinnlade herunter und er betrachtete mich mit offensichtlicher fassungslosigkeit. ich setzte also noch einen drauf und gestand ihm, dass mich auch natursektspiele unheimlich anmachten. all das, fasste ich zusammen, würde ich mir natürlich auch von meinem partner wünschen.

mr. hasenzahn saß noch immer mit offenem mund da. erleichterung auf meiner seite, egal für wie abartig er mich nun halten mochte.
"ich bin gerade ein wenig sprachlos", gestand mir mr. hasenzahn.
"ja, sorry, ist mir schon klar, dass ich ziemlich extrem bin. aber eine funktionierende sexualität ist mir sehr wichtig."
und jetzt kam es.
"nein, nein", sagte mr. hasenzahn, "ich hätte es niemals für möglich gehalten, dass ich über eine ganz normale partnerbörse eine so tolle frau treffe, die genauso tickt wie ich. und ja, ich will das alles mit dir erleben!"
der dritte schock des abend.
mr. hasenzahn sah mich erwartungsvoll-begeistert an.
"schön", würgte ich kraftlos aus meiner kehle und musste dann erstmal auf toilette, um zu hyperventilieren.

nach einer weiteren halben stunde, in der mir mr. hasenzahn seine spanking- und fesselspielchen-fantasien erzählte, signalisierte ich große müdigkeit und den wunsch, den abend abzubrechen. mr. hasenzahn zahlte, dann standen wir draußen.
"tschüß", sagte ich und wollte eine vorsichtige umarmung wagen. mr. hasenzahn hingegen zog mich an sich und versuchte, mich zu küssen. ich drehte das gesicht weg und strampelte mich frei.
"aber..." sagte mr. hasenzahn.
"ich steh nicht so auf küssen", log ich.
"ach."
"ja dann machs mal gut", sagte ich.
mr. hasenzahn sah mich an:
"wollen wir nicht noch ein wenig zu mir?"
brechreiz setzte ein.
"ähm, ich muss morgen früh raus", brachte ich den klassiker.
"ja... dann..." schenkte ir mr. hasenzahn einen weitere langen blick.
"bis dann", sagte ich unverbindlich und eilte vondannnen.

zuhause telefonierte ich mit meinem vater, der mal wieder ein pc-problem hatte. ich erzählte ihm die geschichte in der kurzfassung, als er wissen wollte, was es bei mir neues in der männerwelt gab.
"man kann auch mal jemanden liebgewinnen", meinte er, als ich fertig war.
"es gibt aber auch minimalstkriterien, die einer erfüllen muss."
"du bist halt verwöhnt", fand mein vater. "das muss dir mal klar werden, dass nicht jeder aussehen kann wie ein ddr-olympia-sieger."
ein böser seitenhieb aufs objekt.
"das muss er ja auch gar nicht. aber ich muss doch irgendwas an dem finden können! sonst kann ich mit dem keinen sex haben."
bei dem thema stieg mein vater aus und ich legte auf.

sagen sie mal. haben sie es schon mal geschafft, jemanden scharf zu finden, der zwar menschlich, aber optisch so gar nicht ihr fall war?

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Mittwoch, 14. Mai 2014
vorgeschmack
wenn ich mich sehr auf etwas freue, habe ich alpträume. ängste, dass etwas passiert, was mir das schöne, herbeigesehnte vermasselt.

letzte nacht stand ich auf einem parkplatz mitten im walde und wartete auf objekt und objektsohnemann, damit wir gemeinsam in den urlaub fahren konnten. trotz immenser beidseitiger bemühungen haben wir uns auf geheimnisvolle weise verpasst.

in der zweiten traumsequenz klappte zwar das abholen, allerdings musste ich im auto feststellen, dass ich kein gepäck dabei hatte.

tja. mein unbewusstes kennt uns gut. sowohl das objekt als auch ich nehmen wahr, wenn 50 meter enfernt ein marienkäfer durch die luft schwirrt. dafür bekommen wir nicht mit, was direkt vor unserer nase passiert, so sehr wir uns auch zu konzentrieren versuchen.

ebenso tief sitzt meine angst, gepäck zu vergessen. einst fuhr ich mit einem exfreund ohne unterwäsche in den urlaub. sie mögen sagen, das erscheint nicht weiter schrecklich. doch für meinen mitreisenden war es sehr wohl schlimm, da ich drei minuten vor abfahrt unseres zuges noch in die bahnhofsdrogerie stürmte, um slips zu kaufen. wie sie sehen können: last minute bekommt mit reisenden wie mir eine ganz neue, intensive bedeutung.

ein andermal war ich auf geschäftsreise wegen eines filmdrehs und stellte im flieger fest, dass ich meine zahnbürste vergessen hatte. ich fand das nicht weiter tragisch und beschloss, einfach eine zahnbürste vor ort zu kaufen. was ich nicht wusste: mein reiseziel war derart provinziell, dass bei meiner ankunft bereits alle läden geschlossen hatten. nur ein getränkemarkt war noch geöffnet. dort besorgte ich mir eine flasche hochprozentiges, die mir letztlich die zahnhygiene retten sollte: denn verzweifelt, aber schon reichlich angeheitert ging ich spätabends noch zur bar, wo ich unter anderem einen moderator kennen lernte. aus der seinerseits erhofften gemeinsamen leidenschaftlichen nacht im bett wurde dann lediglich ein fünfminütiger gemeinsamer morgen im bad, da ich mir seine zahnbürste leihen musste. ich muss nicht hinzufügen, dass wir uns nie wiedersahen.

wie auch immer, ich bin gespannt auf meine sommerexkusion (nur noch sieben wochen!! nur noch sieben wochen!!), so sie denn wirklich-wirklich stattfinden sollte. es wird auf jeden fall eine ungeheuer aufregende geschichte dazu geben.

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Samstag, 10. Mai 2014
wie ein schöner traum
ein nachmittag mit objekt bei mir, endlich mal wieder.
es gibt kuchen und kakao mit frischen gewürzen. das objekt kommt direkt aus der arbeit, steht noch total unter feuer und gibt erstmal die neusten geschichten von station zum besten. unter anderem hatte es der neuen praktikantin im scherz körperliche gewalt angedroht, was die praktikantin aber offenbar sehr ernst genommen hatte. dies führte zu einer beschwerde bei der stationsleitung und einem peinlichen sechs-augen-gespräch.
"das ist so eine blöde kuh, null belastbar, zeitweise völlig desinteressiert, hält vorschriften nicht ein, und dann rennt sie wegen so einer pillepalle-geschichte zur stationsleitung, anstatt zu mir zu kommen und zu sagen, hey, hab ich das richtig verstanden, du willst mir in die fresse hauen, was soll das denn?!"

das objekt redet sich in rage, kommt dann aber langsam runter und schlürft bedächtig seinen kakao. ich versuche die sache noch ein wenig zu relativieren, weise das objekt unter anderem auf sein erscheinungsbild - wildgewordener krieger - hin und erkläre, dass das einem körperlich unterlegenen menschen, der in der hierarchie deutlich drunter steht, schon mal angst machen kann.
am ende knirscht das objekt mit den zähnen, gibt zu, dass die aktion nicht so furchtbar schlau war und kuschelt sich dann entspannt in den sessel.

"was machen deine auswanderungspläne?" frage ich, "haste mal mit deinen eltern geredet?"
"hm", sagt das objekt und guckt traurig. "die können mir nicht so wirklich helfen."
"inwiefern, als geldgeber?"
"ja."
"haben die nicht ein grundstück?"
"jaja, aber das ist ja nichts wert. das brauchste nicht verkaufen, das musste nutzen. da müsste auch einiges gemacht werden, bevor man da wieder was bewohnbares drauf stellen kann."
wir schweigen beide.
"also zu zweit..." grübelt das objekt. "zu zweit könnte man da vielleicht was draus machen."
ich halte den atem an und frage dann:
"was sagt denn die gespielin dazu? haste sie mal gefragt?"
"ja. die ist aber im moment eher skeptisch."
"naja, sie ist halt ein bisschen jung."
"ja, aber verstehst du, ich muss mir da schon heute gedanken drum machen."
"klar, unbedingt."

stille.
ich drehe eine zigarette, das objekt schaut in seine tasse.
"ich finde das ja einen sehr schönen gedanken", sage ich. "autark leben mit tieren, das hat was."
"ja, aber so richtig. wasser aus dem brunnen, eigene bio-kläranlage, vielleicht auch selber strom erzeugen."
"und während in 20 jahren in den städten der bürgerkrieg zwischen arm und reich tobt, haste da deine safe place."
"ja, aber es ist nur ein traum", sagt das objekt. "vermutlich wird das sowieso nix und ich sollte mal langsam von der idee abschied nehmen."
ich nehme allen mut zusammen.
"und mit mir? könntest du dir das nicht mit mir vorstellen?"
das objekt schaut mich erstaunt an.
"das ist also wirklich dein ernst?"
ich nicke kaum sichtbar.
schweigen.
"doch", sagt das objekt dann langsam und nachdenklich, "ich könnte mir das mit dir vorstellen."
ich schaue es prüfend an, irgendwelche anzeichen, dass es nur so dahingesagt sein könnte?
"wirklich?" hake ich nach. "also so rein zwischenmenschlich meine ich jetzt, unabhängig vom ficken?"
"ja", sagt das objekt. "sexualität verändert sich sowieso."

ich muss wieder an die theorie denken, dass liebe nichts anderes ist als selbstverwirklichung auf kosten eines anderen. wie viel würde es mich kosten? reichte die gemeinsame idee, weg aus der großstadt zu gehen, als fundament? und würde ich jemals gegen die gespielin anstinken können? leider war die gespielin nicht dumm und ich traute es ihr zu, dass sie es auf irgendeine weise zu verhindern wüsste, dass das objekt sein ding durchzieht - notfalls mit einer schwangerschaft oder ähnlichem, wohl wissend, dass sich die objektiven menschenfreundlichen prinzipien immer durchsetzen würden.

ich spüre, wie mir im sitzen die beine zittern. es ist mir mehr als bewusst, dass das momentane objektverhältnis mindestens so fragil wie schön ist und dass es dies unter anderem deshalb ist, weil wir es weder definieren noch infrage noch in konkurrenz zur objekt-gespielinnen-beziehung stellen. ich kann nicht einschätzen, wie das objekt nun reagieren wird. ich befürchte, dass es gleich aufstehen und gehen wird.
doch dann fragt es:
"darf ich mal dein internet benutzen?"
es darf. es zeigt mir ein paar grundstücke und grundrisse und malt mir seine ideen auf, wohnzimmer, küche, schlafzimmer, begehbarer kleiderschrank, badewanne, veranda.
"jau", sagt es am ende. "so will ich das."
"kannst du sowas bauen?"
"nicht komplett. aber vieles davon könnte ich selber machen."
"ich kann sowas aber nicht."
"das ist ja egal, reicht, wenn ich das kann."
ich schüttle den kopf.
"du bringst mir was bei, wenn."
das objekt schmunzelt.
"wenn ich dich so anschaue... wenn ich dir hier 20 liegestütze abverlangen würde, könnest du doch eine woche lang keine zahnbürste mehr halten."
ich schaue empört drein:
"das kann man trainieren! außerdem bin ich die bessere läuferin von uns beiden, trotz kaputtem knie!"
das objekt streichelt mir übers haar.
"mir reicht es, wenn du mir abends dann einen bläst."
"chauvinisten-drecksau."
das objekt zieht mich am hosenbund zu sich heran:
"übernimm dich nicht. du weißt, ich verprügle auch kleine praktikantinnen."

dann ruft der objektsohnemann an und das objekt muss los. wir umärmeln uns fest.
"wie sieht deine woche aus?" will ich wissen.
"ich arbeite jetzt den sechsten tag und hab noch vier vor mir, dann ist wieder frei."
"wir können ja mal wieder schwimmen gehen, wenn du zeit hast."
"wir können auch mal wieder ficken."
"theoretisch."
"praktisch auch."
"bis bald."
"bis dann!"

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Dienstag, 6. Mai 2014
psychoschockerin
der fick vom wochenende hat angerufen. zwei stunden später steht er schon vor meiner haustür. anzug, krawatte, in der hand einen riesigen blumenstrauß, den er mir mit einer kleinen verbeugung überreicht. ein echter gentleman, wow.

schwupp, ist er aus dem anzug gestiegen, pellt mich meinerseits aus den klamotten und besteigt mich in seiner dominanten art.
"ich kann nur hart", sagt er. hammwa ja im prinzip nix gegen. der schwanz ist okay, der fick auch, alles halbwegs kreativ. der körper gut in schuss, nicht jeder 46-jährige verfügt über einen waschbrettbauch und so wohlgeformte, kräftige oberschenkel. die chemie jedoch matcht weniger gut, das war mir schon beim open-air-fick verdächtig gewesen. davon abgesehen erinnert mich sein aftershave an eine bestimmte sorte hustenbonbons, die meine mutter mir als kind immer aus der apotheke mitbrachte und die ich nicht mochte.

später liegen wir nebeneinander. der typ macht sich ziemlich breit, nimmt mich aber nicht in den arm. mich überrollt das bedürfnis, alleine zu sein, will ihn aber nicht so direkt rausschmeißen. wie stellen wir das am geschicktesten an? so, dass sich jegliche
diskussionen erübrigen? am besten ein bisschen fies sein, beschließe ich, und crazy, denn so ein stino kommt bestimmt nicht auf crazy klar. sich unbeliebt machen. dann hat der typ das gefühl, dass er freiwillig geht.

"du bist verheiratet, stimmts" stelle ich ziemlich unvermittelt fest.
der typ ist perplex.
"woher weißt du das", fragt er erstaunt und checkt unaufällig seine hände, aber nein, er hat durchaus dran gedacht, den ehering abzunehmen.
"hm, ich könnte jetzt sagen, so ein attraktiver, erfolgreicher mann in deinem alter..."
der typ grinst geschmeichelt.
"aber in wirklichkeit hab ichs daran gemerkt, wie du mich anfasst oder vielmehr, wie du mich nicht anfasst."
jetzt schaut er schockiert.
"wars nicht gut für dich?"
ich grinse in mich hinein, typisch bwler, immer alles in positiv- oder negativbilanzen zu denken, und immer diese angst, schlecht wegzukommen.
"darum gehts doch gar nicht. aber du fasst mich nicht an wie jemanden, den du kennenlernen möchtest. du konsumierst."

der typ weiß nicht, ob er gekränkt oder fasziniert sein soll.
"du bist anscheinend ganz schön clever", sagt er irgendwann, noch immer verunsichert.
"auf jeden fall bin ich nicht ganz dicht", sage ich leichthin.
schweigen.
"erzähl mir mal was von deiner frau", lege ich nach, "fickt ihr noch?"
der typ windet sich.
"hey, keine sorge", beschwichtige ich, "ich renn nicht zu ihr und murkse sie ab. ich will ja nichts von dir."

der typ lacht unentspannt. dann drehe ich meine arme ein wenig in sein blickfeld und das lachen vergeht ihm.
"wie... wie ist das denn passiert?" will er wissen.
ich schweige und grinse.
"das warst du nicht selber, oder?"
"doch, das war ich selber."
dem typ quellen die augen aus dem kopf.
"das glaube ich jetzt nicht. wie... wie... wie hast du das denn gemacht?"
"mit nem küchenmesser. wahlweise rasierklingen."
der typ ist blass um die nase geworden.
"aber das tut doch weh!"
"das tut nicht weh. das schärft die sinne und kanalisiert aggressionen."

ich zähle innerlich runter von zehn auf null und wette mit mir, dass der typ gleich in seine hosen steigt.
fehlanzeige.
"hast du auch schon mal versucht, dich umzubringen? oder denkst du dran?" will er stattdessen wissen.
jetzt ist es an mir, mich zu winden.
"also du musst es natürlich nicht erzählen."
"danke."
plötzlich habe ich seine hand auf meiner schulter und er streichelt mich zart. ach du kacke, jetzt hatte ich mich unfreiwillig interessant gemacht.
"ich versuche immer, dass ich, wenn ich abends ins bett gehe, das gefühl habe, dass es ein guter tag war", sagt der typ.
"und wie schaffst du das?" frage ich widerwillig fasziniert zurück.
"ich weiß nicht. bevor ich nicht mit mir im reinen bin, gehe ich einfach nicht schlafen."
ich lache.
"dann hätte ich seit rund zwei jahren kein auge mehr zugetan."
der typ ist ganz ernst geworden.
"was fehlt dir denn am meisten?"
"ich brauch endlich mal einen guten job."
ich fasse die misere kurz zusammen.
"hm", sagt der typ, "ich kann mir ja mal deinen lebenslauf anschauen."

langsam wird mir der typ immer sympathischer. er gibt mir seine e-mail-adresse für die dokumente.
"okay", sage ich hocherfreut.
dann muss der typ los.
"meine frau wartet mit dem essen auf mich."
"ach wie wunderbar."
"du bist verdammt sarkastisch, weißt du das?"
"ja."
"gefällt mir aber."

ich werde noch mal geknutscht, dann verschwindet der typ.
zwei minuten später erhalte ich eine sms: du bist so schön und so smart, du tust mir wirklich gut!
das klingt zum ersten mal ehrlich und nicht nach den dahingesülzten standart-komplimenten, die er mir zu anfang machte.
ich muss grinsen.
noch so eine sinnfreie geschichte ohne perspektive. aber vielleicht ist ja wenigstens ein job drin.

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