Montag, 22. September 2014
doppel am sonntag
langsam wird es turbulent. wie kürzlich erwähnt, ist da der nette junge mann, mit dem ich seit zwei wochen unfassbarerweise etwas beziehungsartiges durchexerziere. heute nachmittag war ich bei ihm, später sind wir noch mit seinen freunden was trinken gegangen. ich fühle mich immer noch wohl. geborgen. er ist ein klasse mensch. die vorstellung von sex mit ihm ist nicht mehr ganz so abwegig wie noch vor einer woche.

nichtsdestoweniger bin ich zurückhaltend. er ist sehr verliebt in mich, und das macht mir angst. ich habe versucht, ihm zu erklären, wie ich ticke. dass ich ihn nicht verletzen möchte, dass es aber passieren kann. dass ich noch nicht mal die wahrscheinlichkeit kleinreden möchte.

dennoch ist eine große eintracht zwischen uns. ganz viel entspanntheit von seiner seite, obwohl er auch angst hat vor dieser dunkeln seite in mir. er ist kein akademiker, der das in jedem zweiten satz heraushängen lassen muss. er ist ein einfacher handwerker, aber voller empathie, genauso tierverrückt wie ich, und er kann fantastisch gut malen.

ich möchte das, was es kaputt machen kann, gerne aufhalten. ich meide weiterhin den kontakt mit dem objekt und bleibe sogar samstagabend brav zuhause. stattdessen habe ich mir ein anderes ventil für meine umtriebigkeit gesucht: einen ficker, der mir nicht gefährlich werden kann. ein finanzhai, unausgelastet in seiner beziehung, der laut eigener angaben auf schicke kleidung und teure autos steht. also einer mit einer weltanschauung, die ich eher unsexy finde, und einer, der im gegenzug meinen lebensentwurf ebenfalls ziemlich indiskutabel finden muss.

nachdem wir ewigkeiten an einem treffen gebastelt hatten, das wir hundertmal verschieben mussten, weil er jedesmal den deal des jahrhunderts abwickeln sollte, haben wir uns heute getroffen. zwei stunden, bevor ich bei dem neuen herzensmanns sein wollte. der finanzhai kam direkt aus dem büro, brachte schampus mit. als er unter der tür stand, bekam ich den schock meines lebens. auf einem foto hatte ich ihn ganz attraktiv gefunden, aber der mann, der mich da anstrahlte, war wirklich enorm anziehend.

da wir nur zwei stunden hatten, begann ich stante pede, seine krawatte zu lockern und ihn aus seinem anzug zu pellen. ich entschuldigte mich dafür, keine sektgläser zu haben, aber da grinste er und erkärte sich einverstanden, aus der flasche zu trinken.

dann saßen wir ein wenig verlegen verlegen auf meinem bett, bis ich zum blowjob überging. was da zunächst unscheinbar in seiner hülle hing, entpuppte sich dabei als prachtschwanz. selten, dass mich eine schwanzmetamorphose noch geil macht, aber in diesem fall tat sie es. wir fickten, bis das bett zu krachen begann, aber das tat es bei ansatzweise zweimeter-männern von kräftiger statur gerne mal. der mann, der anfangs bedenken gehabt hatte, aufgrund seines dauerstresses und der heimlichkeitensituation vielleicht gar keinen hochzukriegen, spritzte zweimal ab.

"das war... intensiv", sagte er verwirrt und außer puste, als er mich danach in den arm nahm. "ich meine, und das, wo wir uns gar nicht kennen. sowas habe ich noch nie erlebt."
"tja", sagte ich trocken. "und das, wo du deine frau doch bestimmt nicht zum ersten mal betrügst."
der finanzhai lächelte:
"du scheinst mir aber auch kein kind von traurigkeit zu sein."
wir schauten uns verlegen an, weil jetzt eigentlich der moment gekommen war, an dem es hieß, rin in die plünnen und ciao.

"fickst du immer ohne musik", wollte der finanzhai dann wissen.
"ähm, ja, also nur mit einem bestimmten mann hab ich dabei musik gehört", sagte ich verlegen und versuchte dann, das objekt schnell wieder aus dem kopf zu drängen.
"aber ich höre nur schlimmen krach, das muss man drauf stehen", fügte ich hinzu.
"ich auch", sagte der finanzhai. "wenn meine freundin nicht da ist, bin ich so wie früher, trag meine alten kapuzenpullis und hör iron maiden."
ich kicherte.

der finanzhai streichelte mein gesicht.
"du bist eine sehr besondere und sehr schöne frau", sagte er.
ich bekam gänsehaut und rappelte mich auf.
"ich muss gleich los."
"ich ja auch, ich muss wieder ins büro."
"du spinnst ja schon, an einem sonntag im büro rumzuhocken, wozu tust du das?!"
"für viel geld?"
"und wenn du morgen sterben müsstest, was nützt dir das dann?"
der finanzhai guckte mich an:
"mensch, du stößt einen ja echt auf die elementaren fragen des lebens!"
"denk mal drüber nach. vielleicht lebst du ja so ein stino-leben und könntest es ganz anders haben. intensität scheint dir ja sehr zu fehlen."
"du bist herrlich verrückt. und du triffst sowas von ins schwarze..."

ich drückte dem finanzhai sein jackett in die arme.
"jetzt aber raus mit dir."
der finanzhai küsste mich zum abschied, ganz fickdate-untypisch.
"von mir aus können wir uns gerne wiedersehen."
"dito. aber jetzt huschhusch, ich muss duschen, ich kann ja schlecht mit deinem saft an mir zu meinem freund fahren."

endlich zog der finanzhai leine und ich stand unter dem warmen rauschenden wasser.

uff.
im dinge-verkomplizieren war ich ja schon immer ganz große klasse.

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Montag, 15. September 2014
zarte anbahnung
es gibt mal wieder jemanden. mit meinem untrüglichen instinkt für schwierige außenseiter hab ich ihn mir aus der menge herauspickt.

heute sind wir zum ersten mal arm in arm im regen spazieren gegangen. ich hab mich sehr wohlgefühlt. stino-wohl. geborgen. satt. ansatzweise glücklich.

was mir nach wie vor fehlt, ist der sex. den hat das objekt eingesackt und mitgenommen.

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Montag, 8. September 2014
ice bucket-challenge mal anders
auf wunsch einer einzelnen dame begaben sich der werte herr gibson und madame morphine heute an den strand, um schwimmen zu gehen. nachdem in der nacht ein unwetter die küste entlang gezogen war, waren die temperaturen eher spätherbstlich denn spätsommerlich, und es tröpfelte ein wenig auf uns herab. trotzdem stiegen wir unerschrocken in die fluten, die laut auskunft eines herrn mit inoffiziellem insider-wissen nur zwölf grad hatten. da mussten wir nun durch, schließlich hatte ich das maul weit aufgerissen und lauthals auf schwimmen bestanden, und herr gibson behauptete fortwährend, dass ihm schrecklich heiß sei.

wir hatten die gesamte bucht für uns, da alle anderen touris in windjacken gepackt am deich standen und glotzten. ich fürchtete mich zunächst vor ohrenquallen und einer in seegras verschlungenen feuerqualle, aber der tapfere herr gibson hatte sein imaginäres quallenschredder-heldenschwert mit und schlug eine ideelle schneise, bis ich mich schwimmend den möven nähern konnte, die weiter draußen umherpaddelten und sich offenbar (zu früh) gefreut hatten, dass heute mal keine dämlichen touris im meer herumplantschten.

später saßen wir in einer der butzen und herr gibson verspeiste einen backfisch, von dem locker eine großfamilie hätte satt werden können. anschließend brauchte er ein nickerchen, zu dem es jedoch nicht kam, denn obwohl herr gibson bereits matratzenerschütternde schnarchgeräusche von sich gab - die ich zur begründung meiner nächtlichen bettflucht sowie zur aufklärung von erdbeben in südostasien gerne aufgezeichnet hätte - befand er sich laut eigener angaben noch im wachzustand, als das handy klingelte und die nachmittagsruhe somit komplett im arsch war.

auf diese weise nahm ein schönes wochenende sein ende, nicht ohne mein obligatorisches wannenbad und meinem steten von raucher-zu-raucher-reminder "du rauchst zu viel". neben der ice bucket-challenge in der ostsee habe ich auch ein wenig neue allgemein- und spezialbildung erworben: unter anderem machte mich herr gibson mit der mir bis dato unbekannten, aber dennoch ungeheuer weit verbreiteten vogelart des "tschipi" bekannt und erklärte mir zudem, wie man als mensch den dachs macht. ich wiederum überraschte meinen gastgeber mit wissensimpulsen zu themen rund um schnapsbrennerei und alkoholgrundstoffe, was nun vermutlich ein zwielichtiges licht, sprich einen schatten, auf mich wirft.

however, ich freue mich auf einen baldigen ice bucket-challenge-reload. am besten auf der zugefrorenen ostsee und mit sehr viel gin im tonic.

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Samstag, 6. September 2014
faules ei
ich bin auf klassenfahrt. wir sitzen morgens beim frühstück. das objekt ist auch dabei. es sieht ganz anders aus als sonst, klein und schmächtig und auch nicht so hübsch, nur die haare sind genauso wie im richtigen leben.

"ich hab dir ja gesagt, dass ich ab 9:30 uhr den ganzen tag für dich zeit habe", sagt es zu mir, "aber ich habe mich jetzt schon mit einer anderen verabredet."

da packt mich die wut und ich beginne, mit den frühstückseiern nach dem objekt zu werfen. natürlich wirft es sich mit gekochten eiern eher schlecht, aber ich habe irgendwann ordentlich schmackes drauf und die eier platzen doch und entpuppen sich dabei als roh.

das objekt steht da, eiersuppe auf hemd und hose und auch ein bisschen in den langen haaren, und alle mitschüler applaudieren mir.

ausgesprochen fröhlich aufgewacht.

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Freitag, 5. September 2014
(being) patient
wenn ich nicht nachdenke, komme ich mit dem leben halbwegs klar. ich schotte mich ab von politischen und wirtschaftlichen news, von katastrophen und vom leid anderer. das widerspricht meinem lebenskonzept, führt aber dazu, dass sich ein hauch von frieden einstellt, der wiederum zur folge hat, dass suizidale gedankengänge und das überwältigende gefühl eigener ohnmacht angesichts der ungeheuerlichen ungerechtigkeiten überall temporär in den hintergrund treten.

so und ähnlich habe ich das heute beim kontrolltermin in der psychiatrie erklärt.
"wie ist das genau mit den suizidgedanken", will der vertretungsarzt wissen.
"ich hab mir ein ultimatum gesetzt", sage ich. "wenn ich bis dahin nichts lebensveränderndes auf die reihe kriege, will ich mich der welt entziehen."
der arzt guckt mich ernst an.
"das ist nur eine deadline, da steht noch kein plan dahinter", füge ich hinzu.
"auch ohne plan schrillen da bei mir alle alarmglocken", antwortet der doc.
"sie können mich zu nichts zwingen", sage ich. "selbst wenn sie mich jetzt wieder in die klapse stecken, irgendwann komme ich raus und dann tu ich es halt dann, wenn ich der meinung bin, jetzt aber."
"aber in einer einrichtung würden sie lernen, dass das keine lösung ist."
"ich weiß, dass das keine lösung ist. es ist die absage an alle lösungen. aber ich habe in der einrichtung auch gelernt, dass mir die einrichtung keine lösungsansätze bieten kann."
"es muss ja nicht diese klinik sein. was machen sie derzeit für eine ambulante therapie?"
"keine. ich therapiere mich selbst. ich bin jetzt zwei jahre zu meinem therapeuten gerannt, da kommen keine neuen erkenntnisse. nicht auf die art und weise, wie er die therapie führt."

der arzt wippt auf seinem stuhl und legt den zeigefinger auf die lippen.
"was machen wir denn dann mit ihnen?"
ich muss angesichts der frage, wegen der ich ja eigentlich da bin, schmunzeln. dann zucke ich lapidar mit den achseln und schlage vor:
"verschreiben sie mir einfach die nächste packung medikamente. das ist das einzige, was sie für mich tun können."
der arzt guckt fast erleichtert, kramt dann stift und zettel heraus und stellt ein rezept aus, damit ich die kommenden drei monate nicht amok laufe und morgens brav zur arbeit erscheinen kann.

ein händedruck, das wars.
ich muss mich weiter in geduld üben.
das glück gibts eben nicht auf rezept.

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Sonntag, 31. August 2014
fortschreitende heilung
sonntag, 14 uhr. das objekt klingelt mich aus dem bett:
"hey morphinchen! hast du lust, mit mir schwimmen zu gehen?"
schlafschwere betäubung in meinem kopf.
"hmhmhm..." murmle ich, ohne recht zu begreifen.
"oh, ich hab dich aufgeweckt... ich geb dir mal ein paar minuten zum wachwerden, ja?"
schwupps, hat das objekt aufgelegt. und ich bin mit der ersten schweren frage des tages konfrontiert:
schwimmen oder nicht schwimmen?

bis vor wenigen wochen wäre dies keine frage gewesen, sondern ein kraftvoller impuls, über das serotonin-morgenloch hinweg sofort aus dem bett zu springen, jubilierend den tag zu begrüßen, dann schwimmsachen, kondome und spielzeug einzupacken und zum objekt zu rasen. inzwischen ist jedoch eine bemerkenswerte veränderung im denken eingetreten. der kopf schreit nicht mehr, hurra, hauptsache objekt, sondern hakt kritisch nach: habe ich wirklich lust, heute ins schwimmbad zu gehen? jetzt, an einem kater-sonntag, so mit kreischenden kindern und millionen anderer hässlicher menschen?

ich putze erstmal zähne. dann klingelt das handy erneut.
"wo willste denn überhaupt schwimmen gehen?" will ich vom objekt wissen. "st. pauli?"
"nee, ich würde heute rausfahren, richtung kellinghusen."
auch noch weit fahren, hm. ich werfe einen blick aus dem fenster. es regnet bindfäden. und ich merke, wie mir das wetter die letzte entscheidung abnimmt.
"nee, ich glaub, ich hab kein bock", sage ich den für mich unvorstellbaren satz, den ich gegenüber dem objekt meines wissens noch nie ausgesprochen habe.

das objekt verstummt betroffen. ganz offenbar hat es mit dieser reaktion nicht gerechnet.
"schade", sagt es irgendwann und es klingt tatsächlich nach "schade", nicht nach "na gut, ich hab trotzdem spaß".
dann legen wir auf.

zwei minuten später dreht meine biochemie durch. wohlige erinnerungen durchzucken mein bewusstsein: heiße küsse in der gemeinschaftsumkleide, unterwasserfummeln, nacktschwimmen im whirlpool. du musst sofort das objekt anrufen und ihm sagen, dass du doch mitkommen willst, befiehlt mir der objektverseuchte teil meines hirns.
nein, du hälst das jetzt mal aus, sagt ein anderer und sendet abschreckende vorahnungen vor mein geistiges auge: unrasierte muttis unter der dusche, kleinkinder mit vollen windeln, jugendliche, die ins wasser pullern, lüsternde typen, die mir auf den arsch glotzen.

und dann geschieht das wunder: ein stückchen gelassenheit und das vage gefühl, trotz allem die richtige entscheidung getroffen zu haben, machen sich in mir breit.
tschakka!

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Donnerstag, 28. August 2014
arschlecken
der mitinsasse hat den kontakt abgebrochen. hamburger-typisch ohne ankündigung oder angabe von gründen. war ja auszurechnen, wär ja mal wer vernünftiges gewesen. also sind wir jetzt unvernünftig und gehen heute mal wieder einen familiendaddy ficken. das objekt würde jetzt wieder schreien, dass das selbstverletztendes verhalten sei. aber das objekt kann mich mal. kürzlich schickte es mir eine anfrage, ob ich es nicht am wochenende in den swingerclub begleiten möchte. ich schrieb ihm zurück, dass ich bezweifle, dass es mich dafür angemessen bezahlen könne. seither herrscht humorbefreite funkstille.

die lederjacke ruft mich plötzlich nach monaten doch wieder an und tut, als wäre nichts gewesen. nach zwei minuten fragt sie, ob ich eine wohnung für ihren kriminellen bruder wüsste, der dringend die stadt wechseln muss. so schnell ist man also wieder en vogue. ich nutze die situation eiskalt aus und verpflichte die lederjacke als packesel beim schwedischen möbelgiganten. ich entwickle meine kernkompetenz "berechnendes arschloch" also doch noch.

apropos kernkompetenz, ich habe mal wieder ein vorstellungsgespräch. bei einem kirchlich getragenen unternehmen. ich musste ein wenig grinsen, als ich telefonierte, konnte aber nicht laut lachen, denn die kollegen hörten mit. also tat ich, als handle es sich um einen kunden und vereinbarte fix einen termin. man wird sehen.

die egalitätsgrenze verschiebt sich derzeit stark nach oben. vielleicht kiffe ich auch nur zu viel.

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Sonntag, 24. August 2014
kollisionskurs
das objekt schickt eine nachricht, die sich liest wie eine einladung zum prä-clubbingmäßigen vorglühen. doch als ich um 23 uhr klingle, öffnet mir ein erstauntes objekt die tür:
"du kannst doch nicht einfach so hierher kommen!"
"na hör mal, du hast mir doch geschrieben..."
"aber das doch nur so allgemein! was wäre denn, wenn die gespielin jetzt da gewesen wäre?!"
"dann kommuniziere halt klarer!"

zunächst ist es mir peinlich, das objekt so überrumpelt zu haben. dann denke ich, na und, soll es sich mal nicht so anstellen. die gespielin weiß, dass wir uns kennen und dass wir beide in den club gehen, also warum sollte ich das objekt nicht mal zum ausgehen abholen? außerdem hat die gespielin nachtschicht, und da sie inzwischen in derselben klinik arbeit wie das objekt, kann sie nicht nur das objekt noch besser kontrollieren, sondern weiß das objekt auch ganz genau über schichtanfang und -ende bescheid. überraschungen ausgeschlossen.

das objekt beruhigt sich nach wenigen minuten wieder und scheint sich dann doch zu freuen, dass ich da bin. wir setzen uns an den küchentisch und rauchen noch eine. es beginnt ein stockendes gespräch.
"ich habe gestern drei bewerbungen abgeschickt", sage ich.
"klasse. wo haste dich denn beworben?"
"überall."
"aha."
ich zucke die schultern.
"du hast ja damals auch gesagt, dass du es gut fändest, wenn ich hier endlich weg bin."
das objekt reißt die augen auf:
"DAS soll ich gesagt haben?!"
"ja."
"niemals habe ich SOWAS zu dir gesagt."
"doch, an dem abend, als wir uns auf der straße begegnet sind, weißt du nicht mehr?"
"das hab ich bestimmt nicht so gemeint."
"ich hab dir von einem bewerbungsgespräch in berlin erzählt, und dann hast du das gesagt."
"das kann ich mir nicht vorstellen, das hab ich bestimmt in einem anderen kontext gemeint."
"hör mal, ich weiß sehr genau, dass du das genau so gesagt hast, und an den kontext erinnere ich mich ausgezeichnet, weil solche sätze gehen bei mir sehr, sehr tief und da denke ich sehr lange darüber nach."
das objekt schweigt betreten, dann machen wir uns auf den weg.

im club betrinke ich mich bis zum umfallen. es graben mich zwei typen an, ein unternehmensberater mit einer hässlichen hysterischen lache und ein anderer, der aber schnell wieder aufgibt. als der unternehmensberater mich in eine ecke zieht und die hände unter mein oberteil schiebt, greift das objekt ein. der unternehmensberater lässt daraufhin von mir ab:
"ey, ist das dein freund?!"
"exx..lover."
"dafür ist der aber ziemlich unentspannt!"
"der mussich gaaa nich so habn... der hat selba... ne freunnnndnn", sage ich provokant in objekthörweite.
das nimmt der unternehmensberater als aufforderung, mir an die titten zu gehen.

das objekt registriert das aus den augenwinkeln, dreht sich noch einmal um, packt den typen unsanft und schubst ihn beiseite. dann zieht es mich an die bar und schiebt mir einen hocker unter den arsch.
"ey, wassss solln das...", wehre ich mich.
"du bist total breit, du schnallst doch gar nicht mehr, was du willst! und du willst mir doch nicht ernsthaft erzählen, dass du von diesem idioten befummelt werden willst!"
"na unnnn... er hatmia aba wassu trinkn ausgegemmm."
"wenn der auch nur baumschulen-iq gehabt hätte, hätte er dir ein wasser gekauft."
ich muss kichern wegen dem baumschulen-iq, merke aber auch, dass das objekt jetzt sauer wird.
"jezzz... enspann dichma... willzu noch was suuu trinkn?"
das objekt schüttelt den kopf. ich winke dem barkeeper mit meinem glas:
"machsssu mia nochso ein?"
das objekt gestikuliert:
"sie braucht ein wasser."
der barkeeper schmunzelt und versteht und schiebt mir ein wasser hin.
ich schaue das objekt beleidigt an:
"spiel dich nich so aufff...du machs mia den gannzn ammmd kaputt!"
jetzt platzt dem objekt der kragen:
"nee! du machst mir meinen kaputt!"
dann stürmt es richtung tanzfläche.

ich suche mir einen platz auf der couch und lasse mich in die polster sinken. ich bleibe sitzen, bis ich mich wieder klarer fühle. dann gehe ich tanzen, bis das knie schmerzt und die kleidung schweißnass an mir klebt.
als ich von toilette komme, treffe ich das objekt noch einmal.
"tut mir leid wegen vorhin", sage ich.
"gehts dir wieder besser", will das objekt wissen.
"ja. ich werde gleich nach hause."
das objekt nimmt mich in den arm.
"hab ich das damals wirklich so gesagt, dass ich es gut finde, wenn du weg bist?"
ich nicke.
"aber ist schon in ordnung, du hast ja recht damit. hier gibts keinen platz für mich. und du hast auch keinen platz für jemanden wie mich in deinem leben. ich weiß ja noch nicht mal, ob ich überhaupt so für das leben gemacht bin. ich pass hier nicht rein. nirgends."
das objekt starrt mich wortlos ab.
"ich starte jetzt so meinen letzten versuch, weißte, mit diesem ganzen bewerbungsmarathon. aber wenn sich so in den nächsten monaten nichts ergibt... also noch ein weihnachten mach ich so nicht mit."
"du meinst...", stammelt das objekt schockiert.
ich nehme es in den arm.
"hör mal, wenn es passiert, mach dir bitte keine vorwürfe. es ist meine entscheidung. was willst du denn mit mir, du hast dich für die gespielin entschieden. und ich will nicht deine patientin sein. das ist eine ganz doofe rolle."
"du bist doch nicht meine patientin."
ich löse meine umarmung.
"aber eben auch sonst nichts anderes. schau mal, wir haben so unseren kleinen gemeinsamen nenner. da driftet ab und an ein wenig warmherzigkeit zu mir rüber. das ist schön und hilft mir, so durch die nächsten tage zu kommen. dafür bin ich dankbar, aber ich weiß auch, mehr ist da nicht. wir werden auch nie zusammen irgendwo leben. weil du das gar nicht willst."
das objekt starrt mich nur an und weiß nicht, was es sagen soll.
ich schlüpfe in meinen mantel und gebe ihm einen kuss auf die wange:
"tschüß."

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Donnerstag, 21. August 2014
crazy
gestern abend ruft das objekt an und fragt ganz direkt: "kann ich vorbeikommen?"
das klingt ernst und ein wenig dringlich. ich bin irritiert und denke, vielleicht weil ich am samstag so abweisend war. möglicherweise fällt der groschen ja pfennigweise und es hat über sein verhalten in den letzten wochen nachgedacht.
"von mir aus", sage ich.
"super, ich freu mich", antwortet es.
ich schweige.
pause.
"soll ich... was mitbringen... brauchst du was?" stottert es dann.
ich überlege. warum eigentlich nicht? außerdem ist der wodka gerade alle.
"eine flasche wodka."
"okay, madame. ich bin dann in einer halben stunde da, wenn dir das recht ist."
"ist mir recht."

als das objekt ankommt, hat es zwei dicke einkaufstüten dabei. ich staune bauklötze.
"ich koch uns was, was meinst du? großer hunger oder kleiner hunger?"
"äh, ich hab schon gegessen", antworte ich wahrheitsgemäß.
"dann was für den kleinen hunger. und guck mal, ich stand gerade so beim wodka, dann ist mir der da ins auge gefallen, und ich dachte, wir gönnen wir uns mal was richtig feines!"
es hält mir eine flasche upper-class-whiskey unter die nase.
"na, ist das was, das ist doch mal was, nicht immer nur dein billigfusel!" dreht es auf und strahlt mich an.
ich atme tief durch.
"kannst du dich bitte hinsetzen und einfach mal die klappe halten?"

"entschuldige, ich bin aufgeregt", sagt es, als es endlich sessel unter dem arsch hast.
"ich merks", sage ich.
"du... du bringst mich immer so aus der fassung."
"na herzlichen glückwunsch, dir gelingt das aber auch ganz gut", sage ich sarkastisch.
das zieht ungehört am objekt vorbei, denn es ist schon dabei, die neusten news zu erzählen. unter anderem will das bafögamt endlich sein bafög zurück, wodurch das objekt nun schon wieder auf mehreren tausend euro schulden sitzt. das tut mir leid, aber nur ein bisschen und bestätigt meinen glauben an karmische vergeltung.

"ich hoffe, du erzählst mir das jetzt nicht, weil du denkst, ich leih dir geld", sage ich.
"nein, nein... gar nicht. ich habe vielmehr daran gedacht, meine mutter anzuhauen. das kostet mich zwar stolz... weil ich das studium ja nie zu ende gebracht habe... aber besser als das jetzt noch unnötig rauszuzögern, oder?"
"warum fragst du nicht deinen freund n.? der ist doch so reich."
"ähm, also, wir sind... nicht mehr befreundet. so richtig."
"warum das denn?" bin ich irritiert, denn n. ist der älteste und beste objektfreund.
"ich hab mir sein auto geliehen."
"na und? durftest du das nicht?"
"doch, doch. also so um in der gegend rumzufahren."
"aber?"
"naja, ich bin damit in urlaub gefahren."
ich schlage mich mit der hand auf die stirn:
"und da wunderst du dich."
"das war doch gar nicht das problem. sondern dass er das auto dann selber brauchte, wegen irgendwas beruflichem, und ich... wollte doch urlaub machen. und dann bin ich erst zwei tage später zurückgefahren."
"okay, ich fasse zusammen, du nimmst dir ein auto, fährst damit heimlich in urlaub, und es war dir egal, als der besitzer das auto dann selber wieder brauchte?"
"aber seine frau hat doch auch ein auto."
"vielleicht hatte seine frau ja keinen bock, ihm das auto zu geben, weil die unzuverlässigen freunde ihres mannes nicht ihr problem sind?" sage ich spitz.
das objekt seufzt tief.
"ja, ich weiß, ich hätts nicht machen sollen, aber ich... ich weiß auch nicht, ich hatte total den aussetzer."
"einen egozentrischen aussetzer, soso."
das objekt macht große unschuldige kulleraugen:
"morphinchen, du kennst mich! du weißt, wie ich bin!"
ich schaue ihm fest in die augen:
"ja. leider."

"wie gehts denn deinen eltern? und deiner oma?" wechsle ich schließlich das thema.
"gut. meine oma wird jetzt 98."
"dann macht sies wahrscheinlich nicht mehr lange."
"nein. und ich muss überlegen, wie ich das mit dem haus mache. ich habe nochmal mit der gespielin gesprochen, aber die denkt ja noch gar nicht an die zukunft. da ist sie einfach noch nicht weit genug."
"vielleicht ist ihre zukunft ja nicht deine zukunft?"
das objekt wippt in seinem sessel.
"weißt du, ich will das nicht allein machen. und ich könnte mir das total toll vorstellen... so mit dir zusammen!"

ich verschlucke mich am whiskey und muss husten. was in aller welt geht da bloß im objekthirn ab?
ich höre mir den folgenden monolog an, der sich darum dreht, dass das objekt auf dem grundstück eine art trailerpark aufbauen will. es faselt von energiekosten und wassersparen und bio und totaler autarkie, bis ich sage:
"du glaubst nicht ernsthaft, dass ich mein leben hier für nen trailerpark aufgebe?"
das objekt sieht mich an:
"du würdest da gesund werden, da glaube ich ganz fest dran."
ich atme langsam aus.
"lass uns darüber sprechen, wenn es relevant wird, ja? und wenn die gespielin doch mitzieht, brauchst du mich ja gar nicht."

das objekt betrachtet mich angestrengt, versucht offensichtlich den zynismusanteil meiner aussage abzuschätzen, und beschließt dann, sich einen kommentar zu sparen. es steht auf und geht in die küche. dort kocht es uns griesbrei mit apfelkompott und vanillezucker.
"ein essen aus meiner kindheit", seufze ich, nun doch ein wenig angetan. "und du hast sogar an die laktosefreie milch gedacht."
"klar."
wir lümmeln wieder im sessel und lassen uns von meineröhre berieseln. das objekt wird ruhiger, kifft kette, erzählt keine durchgeknallten stories mehr und wird mir wieder ein wenig vertrauter.

"warum bist du am samstag eigentlich so früh abgehauen", will es dann doch wissen.
"ich wollte halt lieber auf einer brücke stehen und heulen."
das objekt lächelt angestrengt.
"ich hatte so ein komisches gefühl... ich stand dann da später auf diesem aussichtsturm und da fiel mir ein, ob du dir nicht überlegt hast, in die elbe zu springen."
"du kennst mich halt doch ganz gut."
da stellt das objekt den teller beiseite, kniet sich vor mich und zieht mich an sich, so fest, dass ich kaum noch luft bekomme. dann nimmt es meinen kopf in beide hände und sagt eindringlich:
"das darfst du nie, nie, niemals tun."
prompt bekomme ich meinen schwachen moment und tränen schießen in meine augen. ich komme mit der objektgegenwart nicht klar, es ist mir nah und fern, vertraut und fremd, und dann küsst es mich einfach ganz tief und ganz lange.

"ich will so gerne bei dir sein", flüstert es in mein ohr.
ich zögere und zögere, dann mache ich mich gerade, räuspere mich ein wenig und stammle dann:
"aber... aber ich morgen früh raus. also mein chef... ich muss mit dem reden."
das objekt schaut verunsichert, dann fängt es sich und schlägt vor:
"was hälst du davon: wir bauen uns jetzt ein bett und dann schlafen wir einfach... und dann bin ich da, wenn du morgen früh los musst?"
ich schaue zweifelnd:
"musst du nicht zurück zu deiner ollen?"
"das hat zeit", behauptet das objekt.
ich beschließe, keine fragen zu stellen. stattdessen horche ich ganz tief mich hinein, was mein bauch zur objektiven idee meint. dann sage ich:
"du kannst noch ein bisschen bleiben, so bis ich eingeschlafen bin, aber in einer stunde verschwindest du bitte."
"wir machen es so, wie du es kannst und willst", verspricht das objekt.

das objekt bringt mich also ins bett. es legt sich neben mich und nimmt mich in den arm. es fühlt sich an wie früher, das warme rauschen der geborgenheit, gepaart mit dem sanften flackern latenter geilheit.
wir liegen wach und belauern uns. ich versuche, ruhig und gleichmäßig zu atmen und die atmung zu verlangsamen, damit das objekt denkt, dass ich schlafe. das gelingt mir so gut, dass ich tatsächlich kurz wegknacke und minuten später panisch hochschrecke.
"was ist los", will das objekt wissen.
"hab geträumt", lüge ich.
das objekt streichelt mich sachte und vorsichtig mit einer seltsamen mischung aus verlegenheit und sehnsucht im blick. ich kuschle mich in seine achselhöhle und schnuppere und schnuppere, bis ich tatsächlich ruhig werde und wieder einschlafe.

gegen halb fünf werde ich erneut wach. das objekt schläft tief und fest neben mir. ich wecke es auf und werfe ich es aus der wohnung.
"ich bin zu angespannt, ich muss alleine sein", argumentiere ich.
"das ist in ordnung", findet das objekt. "geht mir auch manchmal so."
es packt sein sachen, schlüpft in jacke und schuhe und kommt dann noch einmal für eine letzte umarmung.
"es ist übrigens noch griesbrei da. kannste später frühstücken."
"ja."
"soll ich dir auch das kompott dalassen?"
"von mir aus."
"ich stells dir kalt."
"danke mutti."

als sich das objekt aus der tür drückt, überfällt mich eine seltsame mischung aus heimweh und erleichterung. weiterschlafen unmöglich. also liege ich wach bis zum weckerklingeln und denke über dieses mehr als merkwürdige intermezzo nach.

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Mittwoch, 20. August 2014
arbeitsverweigerung
da mein chef ein arschloch und ausbeuter ist, schiebe ich ein ihm wichtiges projekt bis zum sanktnimmersleinstag. das erlaube ich mich insofern, da es ein umfangreiches projekt ist, das sich weit außerhalb meines arbeitsvertrags bewegt. da ich ohnehin ständig gezwungen bin, außervertragliches neben den regulären tätigkeiten zu erledigen, setze ich in diesem fall auf widerstand, nicht zuletzt in der hoffnung, dass ich doch noch schneller als gedacht einen anderweitigen job finde.

am freitag kommt cheffe mal wieder, um seine befehle zu verteilen und um uns zu sagen, dass ihm das alles zu langsam geht.

ich hab ein bisschen die hosen voll. soll ich frech sein? ihm einfach sagen, mach ich nicht? soll ich die kündigung riskieren? ihm, wenn er frech wird (höchstwahrscheinlich), vielleicht selbst mit kündigung drohen?

auf jeden fall wird es knallen. und ich darf nicht weinen. ich darf gottverflucht nicht rumheulen!

sagen sie doch mal. ich brauche rat.

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