Mittwoch, 19. November 2014
pool-billard ohne einlochen
in den fluten der badeanstalt. ich will einfach nur durchschwimmen und adrenalin abbauen. aber wie immer in phasen, in denen die männer plötzlich reihenweise an mir kletten, dauert es keine zehn minuten, bis mich einer anmacht. auf die ganz klassisch-unkreative. er macht mir komplimente für meine beine und meine augen. ich brauche zwei sekunden, dann weiß ich, das ist ein verheirateter familienpapi.

ich beschließe, mich unbeeindruckt zu zeigen und mein schwimmpensum konsequent und ohne den typ eines weiteren blickes zu würdigen abzureißen. der typ verpisst sich erstmal. nach einer halben stunde allerdings habe ich schrumpelfinger und genug vom rumpaddeln. was nun? ich versuche, mich ins dampfbad zu schleichen, aber der typ hat alle sensoren auf mich ausgerichtet und sitzt fünf sekunden später an meiner seite.
"darf ich dich küssen?"
ich schüttle den kopf.
schwupp, habe ich seine hand am busen.
"hey!" sage ich und die anderen badegäste glotzen.
"entschuldigung", sagt der typ. "aber du bist so sexy, du bist irgendwie... wie heidi klum... nicht so n hungergestell und trotzdem..."
"hör auf", sage ich. "ich weiß, was du willst."
der typ ist baff:
"was will ich denn?"
"du bist verheiratet, hast zwei kinder und bist gelangweilt."
dem typ bleibt der mund offenstehen.
"woher weißt du das? kennen wir uns?"
"nee", sage ich, "erfahrungswerte."
"naja", gibt der typ zu, "ich bin ein bisschen ausgehungert."
"das merkt man. und ich bin satt", sage ich.
der typ macht hundeaugen und beginnt zu sabbern:
"ich würde dich so gerne jetzt nackt haben... dich spüren..."
"wünschen ist ja erlaubt", sage ich böse lächelnd.

irgendwann stehe ich auf und tappe nach draußen. der typ folgt mir wie ein schatten.
"hör mal, ich werde jetzt nach hause gehen", sage ich.
"gehen wir noch in ein hotel?"
ich breche in gelächter aus.
"nein. wirklich nicht."
"wir könnten aber doch auch hier auf dem klo sex haben", schlägt der typ kackendreist vor.
"ey, pass mal auf, das ist echt nicht mein style", schwindle ich und muss an das objekt denken, wie es mir damals im club auf toilette gefolgt war, meine muschi geküsst und mich aufgefordert hatte, in seiner anwesenheit zu pinkeln. ein schauer der geilheit durchzuckt mich. allerdings ist der typ null und nada mein fall.

"sehen wir uns wieder", will der typ wissen, als ich mich in richtung umkleide aufmache.
"ich bin nicht von hier", lüge ich.
"ach! woher kommt du denn?"
"aus n."
"und wie lange bist du noch hier?"
"morgen früh fahre ich nach hause."
"das ist ja doof."
"tja, so spielt das leben."
"kann ich dich anrufen?"
"nein. mein freund ist sehr eifersüchtig und hat sich nicht besonders gut im griff."
"achso."

das ende der langen leitung scheint erreicht. endlich, endlich trollt sich der schleimer. als ich fünf minuten später aus der dusche komme, sitzt er im whirlpool und gräbt zwei andere mädels an.
"tschüß, schatz", rufe ich, dann mache ich, dass ich wegkomme.

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Montag, 10. November 2014
objektiv bleiben
kliniktermin, der x-te, heute: beziehungsdiskussionen.

"seit meiner letzten längeren beziehung bin ich emotional behindert", berichte ich. "jetzt habe ich wieder jemanden kennen gelernt, den ich zunächst an sich supertoll fand. nun vergehen zwei wochen und ich bin total desillusioniert. und denke stattdessen an meinen ex-lover und daran, ihn erneut abzuschleppen und endlich wieder richtig guten sex zu haben."
"das sollten sie lieber nicht tun", sagt meine psychiaterin. "das wäre selbstverletztendes verhalten. weil sie von dem doch nicht das bekommen, was sie wollen."
"wann bekommt man das schon mal?" frage ich zurück. "und um zu merken, was man nicht bekommt, dafür müsste man doch erst mal wissen, was man überhaupt will."
"wissen sie das denn nicht?"
ich grüble.
"seit meiner letzten beziehung bin ich mir sicherer denn je zuvor, dass ich keine klassische beziehung will. also so mit treue und dauernd aufeinander hängen und dann vielleicht noch gemeinsam fernsehen oder so was geisttötendes."
"sie möchten eine beziehung ohne alltag."
"jein. also eine beziehung, in der man den alltag für sich allein hat. ich möchte nicht mitkriegen, welche frequenz der stuhlgang des anderen hat. ich möchte auch nicht jede nacht in die arme des anderen eingeklemmt liegen und mir sein geschnarche anhören. vielleicht ein, zweimal im monat, aber nicht öfter."

jetzt muss meine psychiaterin schmunzeln.
"ich habe nichts dagegen, etwas mit jemandem zu unternehmen. ich liebe inspiration. kunst, kultur, kino. schwimmen gehen. oder in den swingerclub."
"warum möchten sie in den swingerclub gehen?"
"weil ich sexy finde, wenn mein mann jemand anderes vögelt. und ich mich dabei auch sexy fühle. ich mag auch frauen."
meine psychiaterin schluckt.
"das sind natürlich sehr liberale vorstellungen."
"ja, und verdammt, das sind dinge, die ich JETZT tun möchte. nicht in fünf oder zehn jahren, wenn ich fett und faltig bin."

meine psychiaterin seufzt. unsere halbe stunde ist gleich um.
"vielleicht sollten sie sich doch noch mal in therapie begeben."
"ich halte das für zeitverschwendung."
"sie brauchen nur den richtigen therapeuten, da bin ich sicher."
"in den ich mich dann wahrscheinlich verliebe", kichere ich.
"dann suchen sie sich eine therapeutin."
"ich ficke auch frauen."
"dann eben einen, der alt und hässlich ist", lacht meine therapeutin.

nach der therapie bleibe ich noch in der klinik. blut- und routineuntersuchungen. zwischen den einzelnen untersuchungen gehe ich einmal um den block, rauche eine und komme dann an dem gebäude vorbei, in dem das objekt arbeitet. sein fahrrad steht nicht vor der tür, also hat es wahrscheinlich frei oder spätschicht.

ich nehme es als wink des schicksals, mache kehrt und melde mich wieder bei der schwester zum ekg. die schwester kennt mich schon, ich mag sie. meine werte sind unauffällig, also kann ich nach hause gehen.

später fahre ich durch den regen nachhause und fühle mich gleichzeitig deprimiert und erleichtert. manchmal hat es ja doch was, wenn man mit jemand vernünftiges quatschen kann. also sollte ich mir möglicherweise doch noch mal einen therapeuten suchen.

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Montag, 3. November 2014
mit angehaltenem atem
das erste date war ein volltreffer. es begann genauso, wie ich es unbewusst am liebsten mag: ich war pünktlich und der mann mit hund kam lässig zu spät. die folge davon ist, dass ich mich nicht fühle, als hätte ich schon gewonnen, sondern mich noch mal ins zeug lege.

den abend bei sehr angenehmer konversation verbracht. der mann mit hund ist genauso linksradikal wie ich und war lange zeit sogar parteimitglied. das imponiert mir, bin ich ja schon längst am überlegen, mich ebenfalls parteipolitisch zu engagieren. später stehen wir auf der terrasse des restaurants, rauchen und starren uns an, bis ich in einem anfall von mut die arme ausbreite und der mann hineinkriecht, mich fest an sich zieht und küsst.
"schüchtern bist du gar nicht", findet der mann mit hund.
"ich bin sogar sehr schüchtern", erwidere ich. "aber ich überwinde meine schüchternheit."
"ich finde das faszinierend. du hast mich ja quasi aufgerissen und auch jetzt hast den ersten schritt gemacht."
"man braucht immer ein herausforderndes projekt im leben", sage ich. dass es mir danach meist immer ebenso rasch wieder langweilig wird, verschweige ich.

gegen eins kehrt uns die restaurantbesitzerin sanft, aber bestimmt aus dem laden. ich überlege für einen moment, ob ich lust zu ficken habe, doch in sechs stunden klingelt der wecker wieder, und außerdem soll man es ja nicht überstürzen.
"wollen wir am wochenende was zusammen machen?" fragt mich der mann mit hund zum abschied.
ja, ich will. sehr sogar.

am freitag werde ich im büro mit breitem grinsen empfangen. ich hülle mich zunächst in interessesteigerndes schweigen, bis mein vorgesetzter herausplatzt: "und? jetzt sag schon!"
"bingo", sage ich.
großes hallo und applaus.

am abend bin ich mit dem dritten und der drittenfreundin verabredet, halloweenparty. eigentlich habe ich keine lust, schleppe mich dann aber trotzdem hin, denn versprochen ist versprochen.
am ort des geschehens ist zunächst keiner da. ich ärgere mich maßlos. als ich schon schlechtgelaunt wieder abziehen will, kommen dritter, drittefreundin, objekt und gespielin plötzlich die treppe runter. ich bin restlos begeistert. ich muss zu allen hallo sagen, auch zum objekt, dass mich betrunken an sich zieht und mir frecherweise "dich fick als letztes" ins ohr sagt. ich entwinde mich seinem griff, dann kralle ich mir die drittefreundin.
"warum kommt ihr so spät und was soll das überhaupt, seit wann hast du was mit der gespielin zu tun?"
"das objekt hatte uns zum vorglühen eingeladen", erklärt mir die drittefreundin, "und der dritte war natürlich nicht zu halten.
"und jetzt redest du mit der?" bin ich verwundert, da die drittefreundin bislang eiserne gespielinnenfeindin war.
"naja, wir saßen halt zusammen, was hätte ich denn machen sollen?"
"zu mir kommen vielleicht?"
der drittefreundin ist die sache total unangenehm. sie faselt was von nächstes mal und dass sie ganz bestimmt nicht die neue freundin der gespielin wird.
"hör mal, wenn du die nett findest, halte ich dich nicht auf. aber weißte, erst so einen aufriss starten und sich mit mir verabreden und dann nicht auftauchen... und sich auch nicht melden... und hinterher erfahre ich sowas, das ist einfach nicht schön."

den rest des abends verbringe ich mit möglichst großem abstand zu den vier menschen und fühle mich ganz schrecklich, bis ich beschließe, nach hause zu gehen. morgen, sage ich mir, hast du was besseres vor.

samstag erwache ich, weil der mann mit hund anruft. um zehn uhr morgens.
"ich schlafe noch", sage ich medikamentenbenommen.
"aber es ist doch so schönes wetter", sagt der mann mit hund. "entchen hat mich ganz früh geweckt und jetzt waren wir schon draußen und einkaufen."
"wo wohnst du nochmal?"
der mann mit hund sagt mir eine adresse, und weil es mr. murphy so will, ist sie nur zwei straßen vom objekt entfernt. fuck. das heißt, ich darf nun jedesmal am objekthaus vorbeifahren, wenn ich den mann mit hund besuchen will.

wir verabreden uns für später in der schanze. der mann mit hund kommt ohne hund, aber wieder zu spät. scheint so eine marotte zu sein. da ich selber auch meist später dran bin, finde ich das aber ganz entspannt.

der mann mit hund trägt einen eleganten mantel, und ich bin hocherfreut. ältere, bärtige männer in mänteln finde ich super.
dann knutschen wir und reden und knutschen, ab und an beäugen uns ein paar teenager misstrauisch. vermutlich wären wir ihnen peinlich, wenn wir ihre eltern wären.
irgendwann ist es halb eins. in mir latente unruhe, weil partytime. aber den mann mit hund kann ich nicht in eine düsterlocation mitnehmen. zum einen, weil er sich zu alt zum ausgehen fühlt, zum anderen, weil er meine musik ziemlich schrecklich findet.

"wir könnten ja noch zu dir gehen", sage ich todesmutig. "das wäre wenigstens nicht so weit."
"das ist mir jetzt aber unangenehm", sagt der mann mit hund, "bei mir ist gerade nicht aufgeräumt."
"du, ich hab schon viel gesehen in meinem leben, und grundsätzlich mag es ich es lieber gemütlich als steril", sage ich und denke an die lederjacke, die immer alles mit sagrotan desinfizieren muss, damit sie sich wohlfühlen kann.
"na gut", sagt der mann mit hund. "so rein wegtechnisch bietet sich das ja nun auch an."

wir laufen los.
"guck mal, das ist mein penny, da geh ich meistens einkaufen", sagt der mann mit hund und zeigt auf den objekt-penny. mir dreht sich der magen um.
"und hier, die tanke, da kaufe ich manchmal zigaretten."
es ist die objekttanke, wo ich - gewissermaßen interkoital - schon gefühlte hundertmal wodka und papers geholt habe, um dann weiterzuficken.
wir kommen dann tatsächlich am objekt-haus vorbei. nicht gucken, sage ich mir, aber dann schaue ich doch kurz hinauf zum schlafzimmer des objekts. es brennt licht und die roten gardinen sind vorgezogen. entweder bekifft es sich restlos, oder aber es zieht sich gerade für party um, überlege ich. dann ärgere ich mich tödlich, weil ich mir immer noch solche gedanken mache. aber die begegnung an abend zuvor hatte mich wieder traurig gestimmt.

der mann mit hund wohnt luftlinie 50 meter vom objekt entfernt. mir ist schlecht, als wir die treppen hinaufgehen. in der wohnung springt mir zum glück gleich entchen entgegen, was mir die befangenheit nimmt und mich ablenkt.
"du darfst dich hier echt nicht so genau umschauen", sagt der mann mit hund. "es ist mir auch echt peinlich, dass das jetzt hier so aussieht."
die wohnung entpuppt sich als winzige hardcore-männerbutze. obwohl die räume schön geschnitten sind, stehen sie voller viel zu wuchtiger, geschmackloser möbel, die einem die luft zu atmen nehmen. dazwischen müll, hundespielzeug und ein merkwürdiger geruch. ich schnuppere genauer nach, dann frage ich direkt:
"kiffst du?"
der mann mit hund guckt ertappt:
"findest du das schlimm?"
"nee, überhaupt nicht. ich rauche selber ab und zu mal was."
"cool", findet der mann mit hund, "bislang hatte ich nur freundinnen, die da radikal dagegen waren."
"wenn mans nicht übertreibt, sind drogen okay", sage ich. "ich hatte mal was mit jemanden, der raucht zehn joints am tag, da ist das nicht mehr lustig."
"ich hatte früher ein echtes koksproblem", gesteht mir der mann mit hund.
"und jetzt?"
"nehm ich nur noch selten was."
mich befällt ein mulmiges gefühl.
"dann ist ja gut", sage ich vage.

als ich mich aufs bett setzen will, falle ich in den rahmen.
"was ist denn das?!"
"das ist nur noch ein halbes bett. von meiner letzten trennung übriggeblieben."
ich rette mich auf die verbliebene klumpige matratze.
"da musst du aber mal was machen! die matratze hier ist auch ganz durchgelegen, da kannst du doch auf dauer nicht drauf schlafen."
"ja, ich weiß, aber ich konnte mich bislang noch nicht motivieren."
"du kriegst gesundheitliche probleme von so was!"
"ich weiß. aber jetzt bist du da, das ist doch mal ein guter grund, sich ein neues bett zu kaufen."

ich bekomme angst. was ist das für eine haltung, wenn einer nicht aus eigenem antrieb dafür sorgt, dass er ein anständiges bett hat? und überhaupt, wenn er sich jetzt wegen mir ein bett kauft, dann kann er nie wieder drin schlafen, falls ich demnächst schluss mache.

ich muss auf toilette. der mann mit hund zeigt mir, wohin ich muss. und dann trifft mich beinahe der schlag. denn das kleine bad ist völlig verdreckt.
"sorry, wenns hier so aussieht, aber ich habe entchen heute geduscht", entschuldigt sich der mann mit hund.
ich pinkle, wasche mir dann die hände. es gibt keine seife und die handtücher sind auch schmutzig. das kenne ich nicht einmal vom objekt in seinen schlimmsten zeiten.

als ich wieder ins wohn- und schlafzimmer zurückkehre, bin ich noch immer fassungslos. wie kann so eine elegante erscheinung wie der mann mit hund bloß in so einer butze hausen? an geld sollte es ihm doch eigentlich nicht mangeln.

wir kuscheln uns in das halbe bett, das glück glück gut und sauber riecht. der mann mit hund hat einen joint gedreht, der mit den schädel weghaut.
"wasn das fürn zeug", fasle ich.
"da vorne in dem hochhaus kriegst du echt gutes zeug. da kaufe ich auch manchmal mein koks."
"ich dachte, du nimmst das nicht mehr."
"ab und zu mal."
"kauf dir lieber ein bett, du."
"jaja. ist nur alles teuer. wenn du so lebst wie ich, geht ja viel geld drauf."
für koks und kiffe wahrscheinlich, mutmaße ich still.

gegen morgen breche ich auf, weil das bett so furchtbar unbequem ist und der mann mit hund schnarcht. er nimmt meine entscheidung mit gelassenheit, was ich unheimlich entspannt finde.

als ich auf der straße stehe, bin ich mir mit allem schon wieder schrecklich unsicher. wohnungen sind mir wichtig, denn die wohnung ist der spiegel der seele. spontan schätze ich die selbstachtung des mann mit hund noch geringer ein als meine.

anderseits hält mich das gefühl. die chemie ist wesentlich stimmiger als bei vielen vorangegangenen beziehungsversuchen.

einfach mal bleiben, beschließe ich. die sache genau anschauen und vertrauen üben. gehen kann ich immer noch.

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Donnerstag, 30. Oktober 2014
infusions of happiness
mr. murphy hat urlaub, wie es scheint. gerade passieren lauter tolle sachen.

als ich heute in der büroküche kaffee mache und die tür offensteht, schleicht sich der mann mit hund herein, grinst mich schüchtern an und fragt:
"und? wie siehts aus? willst du noch?"
wenn du wüsstest, dass ich dir gedanklich dieselbe frage seit gestern abend tausendfach gestellt habe. schließlich bin ich gewappnet, meine angst vor unverbindlichkeit ist inzwischen so groß, dass ich auch bei zig-fach bestätigten terminen immer noch einen alternativ-event aus dem zylinder zaubern kann, um meine enttäuschung vor ihrer bodenlosigkeit zu bewahren.

"ja klar", sage ich und strahle. "weißt du schon, wann?"
"ich hab hier gleich einen kundentermin... und dann muss ich mit entchen zum tierarzt. aber ich ruf dich an."
kundentermin. das erklärt auch, warum der mann mit hund heute feinsten zwirn trägt und nicht wie sonst fleecepulli und schlabberhose.
"ja, schau einfach mal", sage ich. "alles entspannt, keine hektik wegen mir bitte."
der mann mit hund strahlt, verabschiedet sich und geht wieder in sein zimmer. als seine tür ins schloss fällt, mache ich ein paar kindische luftsprünge und lasse die schmetterlinge einmal frei fliegen.

als ich wieder an meinen platz zurückkehre, schauen die kollegen neugierig.
"er ruft mich an", sage ich hibbelig, "wir treffen uns heute und gehen essen!"
"das wird bestimmt schön", sagt die projektleiterin, die meine aufregung bemerkt.
"hoffentlich mag mich entchen", hyperventiliere ich.
"du kannst doch so super mit tieren", zerstreut mein vorgesetzter meine bedenken.

dann bekomme ich post von einem superwichtigen klatsch- und tratschblatt. die redakteurin will gerne einen beitrag über unser unternehmen bringen. glückwünsche von allen seiten, sogar mein chef meldet sich: "das ist super!"
sieh mal einer an. geht doch. irgendwann beknie ich ihn noch mal wegen eines zuschusses zur fahrkarte.

später habe ich feierabend und radle nach hause. kaum habe ich die tür hinter mir geschlossen, klingelt das handy. bestimmt der mann mit hund, denke ich aufgeregt, und bin dann verwundert, als sich die besitzerin meiner beiden flauschigen feliden gäste vom frühjahr meldet.
"könntest du die beiden eventuell noch mal für vier wochen nehmen? ich bin gerade im krankenhaus und mein mann hat sich von mir getrennt.... es ist das pure chaos. und meine beiden jungs sind im moment ganz allein zuhause!"
"ja aber sicher", sage ich. "ich bin zwar ein paar tage im november unterwegs, aber das müsste schon gehen."
erst als ich auflege, beginne ich mich zu freuen: meine beiden superpuschis werden noch einmal zu mir kommen!"

zwei minuten später klingelt das telefon erneut und der mann mit hund ist dran.
"ich kriege wieder katzen!" quieke ich entzückt in den hörer.
"cool", sagt der mann mit hund. "hoffentlich bleibt die tapete dran!"
"nee, die kratzen leider", sage ich. "aber die sind so sweet, ein bisschen verwüstung dürfen die."
dann fixen wir die verabredung.
in zwei stunden ist es soweit.
und meine zirbeldrüse will schier platzen vor lauter lebendigkeit.

nachbericht folgt.

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Mittwoch, 29. Oktober 2014
come around
heute auf arbeit klopft es gegen elf an der bürotür. es ist der mann mit hund von gegenüber, der fragen will, ob ich mit ihm rauchen gehe. ich grinse ein wenig peinlich berührt, da ich sonst während der arbeitszeiten so gut wie nie rauche, komme dann aber doch mit, als mein vorgesetzter mir das zeichen zu verschwinden gibt.

meine kollegen haben die sache mit dem büroübergreifendem flirt inzwischen durchschaut und sind sehr neugierig.
"ich habe ein bisschen angst", sagt die projektleiterin heute.
"warum", will ich wissen.
"du hast doch mal erzählst, dass du in der regel schluss machst. und ich will nicht, dass du ihm das herz brichst und der dann hier tagelang vor der tür lungert und weint", schmunzelt sie.
"und ich will keine post-its mit herzchen und ich-liebe-dich hier irgendwo kleben sehen", fügt mein vorgesetzter mit gespielt strenger miene hinzu.
ich lache. ich habe so lustige und liebe kollegen, das mag ich an meinem job am meisten.

"wie alt ist der überhaupt", will die projektleiterin dann neugierig wissen.
"keine ahnung."
"anfang-mitte vierzig?" schätzt sie.
"er könnte auch ende vierzig sein", mutmaße ich.
"dann ist der doch viel zu alt für dich!"
"aber er hat noch sehr volles und schönes haar", wirft mein vorgesetzter ein.
"auf glatze stehe ich auch nicht", sage ich.

"wann trefft ihr euch denn nun?" fragt die projektleiterin.
"morgen", sage ich und kann ein breites grinsen nicht verbergen.
"und was macht ihr?"
"also eigentlich wollten wir ein bier trinken gehen. aber er meinte vorhin, wir könnten doch auch essen gehen."
"ooooohhhh", seufzt die projektleiterin, "das ist doch eine gute idee. das ist viel romantischer als bier trinken."

als ich arbeit aus habe, treffe ich den mann mit hund noch einmal, als er gerade von den toiletten kommt. wir bleiben kurz stehen und lächeln uns an wie die bekloppten. die schmetterlinge in meiner magengrube flattern aufgeregt umher.

hoffentlich stürzen sie morgen nicht gleich wieder ab. drücken sie mir die daumen.

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Samstag, 25. Oktober 2014
mann mit hund
seit ich im vergangenen jahr meinen aktuellen job angenommen habe, arbeite ich in einem riesigen bürokomplex, der ein wenig ähnlichkeit mit einem alten krankenhaus hat: endlos verzweigte flure, grüner 70er-jahre-linoleum-fußboden, wände in vergilbtem weiß und ein merkwürdiger geruch, den man nie ganz aus den räumen kriegt.
man kann sich in diesem gebäude regelrecht verirren. auf jedem flur befinden sich zwischen drei und zwölf büros unterschiedlicher firmen, dazwischen verlaufen gänge, die in den komplex nebenan führen.

schräg gegenüber von unserem büro befindet sich ein kleines unternehmen, das auf datentransfer spezialisiert ist. der geschäftsführer dort ist der mann mit hund. der mann mit hund ist ein bär, groß, bärtig und kräftig.

wir begegneten uns des öfteren im flur, wenn er vom rauchen oder gassigehen kam und ich auf toilette ging oder auf dem weg zur post war. sein hund flippte jedesmal aus und kläffte mich an, während der mann grinste, grüßte, und dann "komm entchen" zu seinem hund sagte, worauf der hund das bellen einstellte und sich zusammen mit herrchen ins zimmer trollte.

heute, nach über einem jahr des grüßens, geschah das kleine wunder. ich war alleine im büro, die kollegin im urlaub, mein vorgesetzter auf dienstreise, alle anderen im seminar, als es klopfte. draußen stand der mann mit hund ohne hund mit kippe im mundwinkel und fragte nach feuer. da ich sozusagen sturmfrei hatte, stellten wir uns einfach ans fenster und schmökten, statt nach unten in den hof zu gehen, wo es sogar extra einen aschenbecher und eine ungemütliche raucher-sitzecke gibt.

"warum heißt dein hund eigentlich entchen", wollte ich wissen.
"weil sie so watschelt", sagte der mann mit hund.
ich kicherte.
der mann mit hund erzählte ein wenig von seinen aktuellen projekten und dies und das.
dann waren unsere zigaretten weggeraucht und wir schauten einander verlegen an.

"wir können ja auch mal was zusammen machen", rutschte mir da heraus.
gleich darauf war mir das furchtbar peinlich.
"also nur wenn du magst... und falls du zeit hast", stotterte ich.
der mann mit hund sah mich an und lächelte:
"ich würde mich sogar sehr freuen."
mir fiel eine tonne steine vom herzen.
"dann überleg dir mal, wann."
"nächste woche?"
"gerne."

der mann mit hund schrieb mir seine nummer auf und dazu seinen namen.
"jetzt weißt du auch endlich mal, wie ich heiße."
er grinste wieder und sein gesicht legte sich in wunderbar markante falten. keine schönheit, dachte ich mir, wirklich keine klassische schönheit, und auch schon verdammt alt. aber interessant. beileibe sehr interessant.

und plötzlich kann es für mich gar nicht schnell genug wieder montag werden.

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Mittwoch, 15. Oktober 2014
vibrationsalarm
mein bekannter und ich sitzen beim zweiten cocktail, er reichlich gelockert, ich deutlich angetrunken.
"guck mal, da drüber... die vier blonden ischen und der nerd. wer fickt da wohl wen?" fragt er mich.
"keiner fickt da irgendwen", sage ich nach einem kurzen blick. "der typ hat oberarme wie ich unterarme, sowas geht gar nicht."
"ach, findest du arme sexy?" schaut mich mein bekannter an und fängt dann an, die ärmel seines hemdes hochzurollen und seine kräftigen, volltätowierten arme zu entblößen.
"was wird das, striptease?"
"lass dich nicht ablenken", sagt mein bekannter. "wir waren bei dem haufen da drüben."

ich beobachte die szenerie eine weile und bemerke, dass alle vier ischen dem nerd an den lippen hängen und aufgeregt auf ihren sizen herumrutschen.
"okay, das sind alles bwl-studenten, und der typ ist der einzige, der den stoff blickt. deswegen sind die alle auf seine mitschriften scharf und setzen jetzt die waffen der frauen, pardon, der hühner, ein."
"interessant", sagt mein bekannter.
"was würdest du denn sagen?" frage ich zurück.
"ich würde sagen, die weiber haben alle vibro-eier im arsch und der typ hat die fernbedienung dazu. und immer, wenn er die drückt, rutschen sie geil rum."
ich kichere gläsern und haltlos.

"aber jetzt sitzen sie ganz still", werfe ich nach einer weile ein.
"die batterien sind leer", erklärt mein bekannter.
just in diesem moment erhebt sich der nerd und geht auf toilette.
"siehst du, er geht mal kurz die batterien austauschen!"

kurz darauf stehen auch zwei der ischen auf und gehen aufs klo.
"jetzt tauschen sie!" stupst mich mein bekannter an.
"du meinst, der typ hat die fernbedienung weitergegeben? und hat dafür jetzt auch ein vibro-ei im arsch?"
"genau. vielleicht sammelt er sie auch alle."
"vier vibro-eier im arsch, das drückt bestimmt schön auf die prostata."

mein bekannter sieht mich an:
"also über das, worüber man mit dir so reden kann... das kann ich so mit keiner anderen."
"siehste mal."
"ich hätte ja mal lust, mit dir nen abend auf mdma zu verbringen. einfach nur so zuhause hocken und mist labern."
"na dann machen wir das doch."
"es gibt aber ein problem."
"du hast kein mdma?"
"nein, aber ich werde dann manchmal echt horny."
"du kannst dann ja ne prostatamassage haben. ich kann dir auch ein marmeladenglas oder so reinschieben. oder meinen 25-cm-dildo. oder ein staubsaugerrohr."
"25 cm?! oder ein staubsaugerrohr?!" mein bekannter schaut schockiert.
"achwas, das geht. du bist doch groß."
"hast du das schon mal gemacht?"
"nicht mit nem staubsaugerrohr."
"aber mit deinem 25-cm-dildo?!"
"auch nicht. nee, einfach so, ohne hilfsmittel."
"bei dir selber oder bei wem anders?"
"hab ich ne prostata?!"
"und wie ist das so?"
"interessant. sexy. der betreffende hatte nen schönen arsch. und ging ab wie nachbars lumpi."

der bekannten guckt mich nachdenklich an.
"du bist schon ein bisschen verrückt."
"mindestens ein bisschen."
wir sitzen und gucken und ich merke, dass mir die wangen vom lachen wehtun.
"wir könnten doch silvester was zusammen machen", schlage ich vor.
"ich weiß was besseres", sagt mein bekannter. "wir fahren nächsten sommer auf ein festival und knallen und so richtig die birne zu. koks, mdma, pilze... alles was du willst."
"pilze nehm ich nicht, ich mag keine hallus. und bei koks muss ich echt aufpassen, wegen meiner depri. sonst kannste mich gleich wieder einliefern."
"ist ja kein zwang. du musst keine drogen nehmen, und ich muss nicht mit deinem staubsauger im arsch abhotten."
"deal!"

gegen mitternacht torkeln wir aus der kneipe und umärmeln uns fest. dann trottet jeder seiner wege. und als ich auf dem rad sitze und schlangenlinien fahre, ist mir herrlich warm und wohl.

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Donnerstag, 9. Oktober 2014
karlchen vom dach
mein gast für eine woche:



sein lieblingsplatz: mein bett. wenn ich drin schlafe, wohlgemerkt. heute morgen beim aufwachen zu tode erschrocken, weil karlchen direkt neben mir auf dem kopfkissen saß. und mich ansah aus seinen großen honigfarbenen augen.
schock durch entzücken, sozusagen.

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Montag, 6. Oktober 2014
rausgeputzt
heute habe ich die objektsachen in die post geworfen. eigentlich wollte ich dies vollkommen kommentarlos tun, konnte mir dann aber einen kleinen zettel nicht verkneifen anzufügen, auf den ich wütend gekrakelt hatte: "du verarschst mich nie wieder."

als die gelbe klappe hinter dem paket zufällt, muss ich an die gute k. denken, die gerade im ösiland sitzt, kiffend, vögelnd und wein trinkend und die mir so liebe und kluge sachen geschrieben hat. solche menschen brauche ich an meiner seite. solche menschen machen mich von innen warm. (du liest das bestimmt und ich meine das so, danke, dass es dich gibt!)

so wie meine exkollegin e., die ich am sonntag nach langer zeit wiedertraf. ich erzählte ihr die sommer-objekt-katastrophe, meine exkursion in die klapse und die ganze aussichtslose jobsituation, und sie fragte:
"morphine, wann warst du das letzte mal glücklich?"
ich musste überlegen, weil es schon so ewig her ist, ich meine, hey, glücklich, länger als für zwei stunden nach einem objektfick, das war ich schon jahrelang nicht mehr.
"so mit 25 vielleicht", sagte ich.
"oh morphine, das sind so viele jahre, das ist nicht gut", fand e. und nahm meine hand, weil mir die tränen in die augen schossen.
"ich finde, du musst weg hier."

kapitulieren, aber mit würde. gehen, aber nicht ohne perspektive.
das bin ich mir schuldig.

und überhaupt schuldig, das bin ich noch eine ganze menge. eine klinikrechnung und ein halbes jahr gez.

es ist mir gerade egal. heute kaufe ich mir trotzdem eine flasche wodka. und trinke darauf, dass dieses gefühl des ständigen wartens und hoffens in sämtlichen objektbelangen immer leiser wird. ich trinke darauf, dass mir vielleicht eines tages endlich jemand begegnet, der meine andersartigkeit teilt. der den mut hat, sich auf mein spezielles freisein einzulassen. und dass, wenn das alles nicht funktioniert, ich alleine glücklich werden kann, als seltsame alte katzenlady oder whoever.

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Samstag, 4. Oktober 2014
abschussrampe
ich treffe mich mit dem neuen mann. wir sind zum shopping beziehungweise window-shopping verabredet. das mache ich hin und wieder ganz gerne, vor allem mit anderen konsumgegnern, weil man sich dann so schön lustig machen kann über all die menschen, die wie ferngesteuert in die läden rennen, schuhe anprobieren, auf elektronik-vorführgeräten rumdrücken oder sich an der kasse drängeln, als hinge ihr leben davon ab - oder wahrscheinlich tut es das auch, mangels herz, verstand und tieferem sinn.

mit der lederjacke, die das treiben vorwitzig, klug und ziemlich lautstark kommentiert, geht das beispielsweise sehr gut, da fühle ich mich stark und stolz im anderssein bestätigt und zugleich sicher, denn da ist jemand an meiner seite, der konfrontation und eventuelle handgreiflichkeiten nicht scheut und dabei auch noch gut aussieht.

der neue mann hingegen gehört eher zu der stilleren sorte. zur sehr stillen sorte. das finde ich bisweilen ganz angenehm, aber bei gemeinsamen unternehmungen fehlt es mir dann doch, dass jemand impulse setzt, zeigt, lacht, witzig ist, kommentiert, kurzum, der sache die zweisamkeitsspezifische lebendigkeit einhaucht. denn sonst kann ich theoretisch auch allein durch die straßen wieseln.

wie immer geht der neue mann zwei schritte hinter mir und ist wortkarg. also mache ich den anfang, zeige auf zwei botoxfressen und einen wichtigtuer, der seine fette karre nicht in die parklücke kriegt. der neue mann schweigt dazu. da er hinter mir geht, kann ich nicht sehen, ob ein lächeln seine gesichtszüge erhellt, sprich, ob er mein geseiber amüsant oder eher total daneben findet. ein paar mal drehe ich mich um, doch irgendwann nervt mich die kommunikation nach rückwärts und ich schweige auch.

dass wir dennoch nicht gänzlich stumm durch die straßen gehen, ist dem neuen mann geschuldet, der zwei meter hinter meinem linken ohr an jeder weggabelung murmelnd fragt:
"links? rechts?"
nach der zehnten kreuzung etwa werde ich sauer und torpediere das system, indem ich antworte:
"wie du willst."
"mir ist das egal", sagt der neue mann und zuckt die achseln. "wie du möchtest."
ich mache mich gerade und sage:
"du musst doch auch mal was wollen, mensch!"
da zeigt der neue mann schnell nach rechts.

nach einer stunde bin ich müde, gelangweilt und wütend wie rumpelstilzchen. ich dirigiere den neuen mann zu einer bank, damit ich mich setzen kann.
dann sitzen wir und schweigen uns an. der neue mann bemerkt irgendwann meinen missmut und fragt:
"hab ich was falsches gesagt?"
ich schnaube.
"nein, wie könntest du."
der neue mann schaut mich ängstlich an.
"ich weiß, ich bin halt eigen."
"das würde ich so nicht sagen", entgegne ich.
"wie würdest du denn sagen?"
scheißlangweilig, konturlos und ansatzweise humorbefreit, schießt es mir durch den kopf, aber das kann ich dem neuen mann ja so nicht entgegenschmettern, denn er ist schließlich kein arschloch, ganz im gegenteil.
"wir sind eben sehr unterschiedlich", fasse ich meinen eindruck euphemisierend zusammen.

der neue mann guckt mich flehend an. das ist seine stumme standardaufforderung zu einem kuss. da mir gerade nicht nach einer harmonisierenden geste ist, sehe ich darüber hinweg. außerdem sind die küsse des neuen mannes genauso wie seine konversation: trocken, schmallippig und flach. nichts, was lust auf mehr macht, schon gar nicht, wenn frau stürmische, drängende zungenspiele gewohnt ist, deren elektrisierende wirkung bis in den unterleib reicht.

was sex betrifft, weiß ich nicht viel vom neuen mann, außer, dass er findet, dass feigen wie eine muschi aussehen und er gerne muschis leckt. vielleicht leckt er auch gerne an feigen, who knows. ich selber bin keine große freundin des muschileckens mehr, zumindest nicht bei männern, die, von wenigen fachkundigen und forschen forschernaturen einmal abgesehen, meist keine ahnung haben, wie vielfältig geil man eine zunge in einer muschi einsetzen kann. auch den neuen mann rechne ich eher zu den beharrlichen klitoris-schlabberern, die einfach solange an ein und derselben stelle weitermachen, bis frau einen orgasmus simuliert, um dem trauerspiel ein ende zu setzen.

als ich neben dem neuen mann so in der sonne sitze, fällt mir wieder auf, dass er nach nichts riecht. weder nach parfum noch nach einem eigengeruch. alles, was in meine nase steigt, ist das raue, saubere aroma von waschpulver.

just als mir die unerträglichkeit und unhaltbarkeit der situation bewusst wird und ich nach worten suche, um diese auszudrücken, sagt der neue mann schüchtern zu mir:
"ich bin froh, dass ich dich kennen gelernt habe."
ich reiße erstaunt die augen auf.
der neue mann nimmt meine hand:
"und ich würde gerne noch viel mehr zeit mit dir verbringen."
hilfe!
mein schockierter blick nimmt dem neuen mann das quäntchen mut und er stammelt:
"also... ich meine... nur wenn du willst. also... wenn du zeit dafür einplanen möchtest."

wie kann man(n) nur so devot sein. ich atme tief ein und wieder aus, dann raffe ich mich auf:
"ich glaube nicht, dass wir zusammenpassen. ich denke, ich möchte keine beziehung mit dir."
der neue mann ist geschockt. dann ein wenig trotz:
"ich hab dir ja gesagt, dass ich eigen bin. du wusstest doch, worauf du dich einlässt!"
"und inzwischen weiß ich, dass ich mich nicht weiter darauf einlassen möchte."

der neue mann steht auf und geht. mitleid durchzuckt mich, der erste impuls sagt mir, lauf ihm nach und sag ihm wenigstens noch was nettes. doch die vernunft grätscht dazwischen und meint, nö, warum denn, erstens nützt ihm das nichts, und zweitens hast du doch erreicht, was du wolltest. warum noch energie investieren.

ich stehe auf und nehme eine seitenstraße, ohne dass mich jemand fragt, links oder rechts. ich nehme sie einfach und das tiefe glück der freiheit durchströmt mich.

an der nächsten ecke treffe ich den wichtigtuer wieder, der seine nobelkarre nicht in die parklücke bekommen hat. jetzt versucht er sich im ausparken, stellt sich dabei aber auch nicht viel geschickter an. ich grinse, schwinge mich auf mein rad und spucke im vorbeifahren mein kaugummi auf seine heckscheibe - genauso, wie ich mit der lederjacke immer gemacht habe.

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