Dienstag, 23. Dezember 2014
seit ich beim fernsehen arbeite
meine nachbarn schleppen tüten, christbäume und allerlei kladderadatsch ins haus. alles sehen abgehetzt und genervt aus. die nachbarskinder streiten sich, der kleinere fängt irgendwann zu heulen an.
ich lehne am fenster, rauche eine und trinke tee.
"na, schon alles fertig für morgen?" ruft die blockwartin, die ihren milchsemmeligen mann hinter sich herschleift, im offizierston.
"nö, ich mach nix", sage ich salopp. "ich arbeite durch."

meine nachbarn sind der meinung, ich arbeite für das fernsehen. ich weiß nicht, wann sie sich das zurechtgesponnen haben, aber das gerücht hält sich hartnäckig. so findet man mich zwar seltsam und einzelgängerisch, verzeiht mir diese absonderlichkeit aber, weil ich ja beim fernsehen und damit vermutlich irgendwie wichtig bin. deshalb werde ich - anders als mein lieblingsnachbar - auch nicht mehr drauf angesprochen, wenn ich das licht in der nacht brennen habe (arbeitet vermutlich an einer eiligen reportage).

auch meine häufige abwesenheit und meine rückkehr in frühen morgenstunden wird zwar registriert, aber nur noch gelegentlich kommentiert. leute, die fürs fernsehen arbeiten, sind in den augen meiner nachbarn wahrscheinlich ständig irgendwo undercover unterwegs, um brandheiße storys aufzudecken. ich sag nur: is, pegida und udo jürgens. deshalb kann ich auch schamlos sonntagnachmittags augenberingt und bleichgesichtig durchs treppenhaus schlunzen und jetlagig statt verkatert tun.

manchmal frage ich mich, was meine nachbarn denken, wenn so viele männer bei mir ein- und ausgehen, die auch häufig kein zweites mal wiederkommen. sollte ich eines tages mal gefragt werden, werde ich vielleicht antworten, das sind alles castingkandidaten für dsds und bauer-sucht-frau. möglicherweise werden das einige von denen ja sogar mal.

ich arbeite solange mal weiter an meinem eigenen format "pornografisches quartett". sendungen, die deutschland dringend braucht.

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Montag, 22. Dezember 2014
more wilderness & beauty
zu meinen guten vorsätzen für das neue jahr gehört der plan, nach estland zu reisen. mit einem kumpel im kleinbus, gemütlich mit zwischenstopp in kaliningrad, die küste abfahren, wälder und seen bestaunen, tallin besichtigen und vor allem eins: polarlichter gucken.

ich weiß noch nicht, wie ich es anstellen werde, aber ich bin zum ersten mal seit langem überzeugt, dass das genau mein ding wäre.

(falls jemand estland-tipps hat... immer her damit.)

auch sonst habe ich tatsächlich mal konkrete ziele:

- an oberster stelle steht der neue job, am liebsten in verbindung mit einem ortswechsel
- vollkommene gleichgültigkeit dem objekt gegenüber entwickeln oder noch besser: das objekt nie mehr sehen müssen (ortswechsel)
- in eine partei eintreten (welche weiß ich schon)und gucken, ob das wirklich alles nur leeres gequatasche da ist oder ob die dankbar sind, wenn jemand mal frischen wind reinbringt
- die nächste katze ins haus holen
- meinem chef so richtig die meinung geigen (spätestens, wenn ich die kündigung auf den tisch lege)
- mir einen bestimmten mantel kaufen (fährt jemand von ihnen zufällig in nächster zeit nach london und hat noch platz im koffer?)

ich blicke nicht zuversichtlich ins neue jahr. ich werde einfach mal weitermachen. und vielleicht schaffe ich es ja, mir mit meinen ganz kleinen mitteln doch den ein oder anderen traum zu erfüllen. das wäre ein wenig selbstliebe, die ich endlich mal zulassen lernen muss.

und bitte bitte liebes 2015, notiere dir bevor du kommst, dass ich mal KEINE neuen krankheiten bekommen möchte. echt nicht. weder seelische noch körperliche. was ich heute habe, reicht für die nächsten 30 jahre. vor allem das knie darf nicht schlimmer werden, sonst kann ich nicht durch die wälder in estland springen.

danke.

und sie so?

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Sonntag, 21. Dezember 2014
kollision ohne kollateralschäden
clubbing mit objekt.
als mir mein bekannter am eingang erzählt, dass das objekt heute nach ganz langer zeit auch mal wieder da sei, wird mir zunächst richtig schlecht. meine knie zittern und ich habe das bedürfnis, mich zu verstecken, um eventuellen ausrastern zu entkommen. also kralle ich mir den bekannten, schleppe ihn zur bar und verziehe mich mit ihm in den hintersten winkel.

irgendwann kommt das objekt in den raum, mit einer blonden frau an der seite, sieht mich - und schaut weg. es unterhält sich weiter mit der blonden, als wäre nichts.
'vielleicht hat es ja vor, dich wieder zu ignorieren', denke ich hoffnungsvoll, 'mutig ist es ja nicht gerade.'

trotzdem achte ich in den nächsten stunden darauf, nie alleine rumzustehen. mein bekannter wundert sich über die enorme zuwendung, die ihm zuteil wird, und fragt mich irgendwann, ob was ist. ich fasse die objektgeschichte in drei sätzen zusammen, und mein bekannter zuckt lediglich die achseln, sagt "weiberkram" und dass das objekt halt schon ein spezieller fall sei. dann schickt er mich tanzen, damit ich mein prinzip "niemals das revier räumen" mit leben fülle.

auf der tanzfläche mit einem abstand von weniger als fünf metern fühlt es sich zunächst sehr merkwürdig an. doch dann entspanne ich mich. ich merke, wie meine muskeln warm werden und die anspannung sich legt.

der rest des abends wird ganz gut. die musik ist vielseitig und tanzbar, ich bekomme ein paar kurze vom barkeeper spendiert und mein bekannter hält mir loyal die stange, obwohl die story ja nur weiberkram in seinen augen ist.

als ich am ende des abends an der garderobe stehe, fällt mir auf, wie cool ich bin. welche reaktion hätte ich mir denn nun eigentlich gewünscht, frage ich mich. auf jeden fall hatte ich angst vor handgreiflichkeiten und anfeindungen, das steht schon mal fest. aber was wäre gewesen, wenn mich das objekt einfach zur rede gestellt hätte oder sonst irgendwie das gespräch gesucht hätte? ich fühle in mir nach und komme dann langsam aber sicher zu dem schluss, dass ich kein gespräch gewollt hätte.

es ist gut so, wie es ist.
und wieder ist ein schritt in sachen "abschied vom objekt" genommen.

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Donnerstag, 18. Dezember 2014
männliches kreissaaltrauma, part II
treue leser erinnern sich vielleicht noch - über dieses thema hatte ich vor sechs jahren bereits mutmaßungen angestellt: http://c17h19no3.blogger.de/stories/1264744/

jetzt, mit einem vater von fünf kindern in meinem bett, muss ich die problematik natürlich auch erörtern.
"duhu, sag mal... deine frau hat ja fünf kinder geboren..."
"ja", sagt er.
"merkt man das nicht beim ficken? ich meine, es gibt ja das klischee... das ist dann so wie wenn man ein würstchen in ne turnhalle wirft..."
"na, so dramatisch ist das nicht", sagt der typ mit seiner tiefen papa-stimme. "aber so ne geile kleine saftfotze wie du hat sie natürlich nicht."
ich muss geschmeichelt kichern.

"habt ihr denn noch sex?" will ich weiter wissen.
"sie würde schon wollen", bekomme ich zu hören. "aber ich bin da zurückhaltend geworden."
"warum?"
"ich war bei den geburten meiner vier jungs nicht dabei, aber bei meiner tochter schon. seitdem ist das nicht mehr so, wie es mal war. immer, wenn ich ihn meiner frau reinstecken will, sehe ich wieder, wie sich das so weitet und wie da die nachgeburt rausflutscht. dann kann ich nicht mehr. nix zu machen."
"hm."
"sie ahnt natürlich, dass ich sie betrüge."
"findest du das schlimm?"
"nö. alle meine freunde machen das genauso."
"das habe ich befürchtet."

mein besucher dreht sich zu mir:
"kannst du jetzt mal die klappe halten und mir noch mal einen blasen?"
"wenn du hübsch bitte sagst."
"bitte, du kleine schlampe."
also gehe ich auf tauchstation und lasse mein französisch sprechen, bis der mann lustvoll zu ächzen beginnt.
"alles sauber", sage ich grinsend, als ich wieder hochkomme.
"brav", sagt der mann und tätschelt meinen hintern.

eine halbe stunde später bricht er auf. ich liege noch eine weile im bett, stehe dann aber auf und google bilder von nachgeburten. kann man ja mal machen. man muss sich schließlich bilden.

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Sonntag, 14. Dezember 2014
begegnung
er ist weit über die 50, kräftig und gedrungen, trägt eine runde dicke brille und den schädel kahlrasiert. er hat die aura eines intellektuellen kriminellen, wirkt auf den ersten blick furchteinflößend, fast brutal. dabei ist er handwerker, verheiratet und vater von fünf kindern im alter zwischen sechs und 26.

kennengelernt haben wir uns über eine datingplattform. beide rollig wie die katzen trafen wir uns nach wenigen nachrichten zum weintrinken und fummeln. kein sex, das war die einzige auflage. was mir schwerfällt, da er einen riesigen prachtschwanz hat, der dazu einlädt, sich draufzusetzen und zu reiten. aber er ist verheiratet, deshalb darf er seine frau nicht betrügen, nur so indirekt.

also gehen wir bis zum vorletzten. das zahlt sich aus, denn trotz seines fortgeschrittenen alters kriegt er drei- bis viermal hintereinander einen hoch. es macht spaß, die grenzen zu testen, bis er jammert, dass ihm die eier vom abspritzen wehtun und er mich nur noch im arm halten will. da fühle ich mich geborgen und für einige momente warm, satt und zufrieden wie ein gefüttertes baby, ohne den selbstmörderischen druck im nacken.

manchmal erzählt er mir von seinen kindern und ich ihm aus meinen verpfuschten leben. detaillierte einzelheiten, niemals das große ganze. wir fragen einander nichts, obschon wir viel sehen. er streichelt die hundert narben an meinen armen, lässt sie aber unkommentiert. es ist keine scham zwischen uns, nur die diskretion zweier fremder.

wenn er geht, bin ich manchmal glücklich. glücklich, dass er da war und glücklich, dass er wieder gegangen ist.

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Sonntag, 7. Dezember 2014
den stein ins rollen bringen
den stein ins rollen bringt meine freundin b.

als wir gestern in den club kommen, sind t. und gespielin da. ich bekomme zunächst eine latente panikattacke, da ich innerlich nicht auf das objekt vorbereitet bin. dann stellt sich heraus, dass das objekt offensichtlich gar nicht mitgekommen ist.

nach einem drink mit b. gehe ich tanzen. dann komme ich an die bar zurück und erleide den herzinfarkt des abends, dann b. unterhält sich mit der gespielin, die wir immer einhellig als feindbild und no-go behandelt hatten. beinahe bin ich angefressen, dann aber werde ich neugierig, denn b. und die gespielin stecken für ganze zwei stunden die köpfe zusammen. ich bleibe auf tuchfühlung und betrinke mich derweil ganz fürchterlich mit der barfrau und ihrem mann. die barfrau wird mir immer sympathischer, obwohl ich ja mal mit ihrem mann geknutscht habe, aber wer sagt denn, das aus fehlern nicht auch mal was fruchtbares resultiert.

gegen ende des abends, als der rausschmeißer gespielt wird, begegnet mir die gespielin noch einmal. sie stürmt, bereits in ihre jacke gehüllt, richtung ausgang, während ich noch mal das klo aufsuche. ich sage tschüß, sie sagt tschüß und rauscht dann vorbei. nunja. von einer freundschaft sind wir schließlich meilenweit entfernt.

an der bar steht b. und winkt mir. es gibt einen letzten absacker, dann gehen auch wir nach draußen.
"was hast du denn heute so ewig mit der konkurrenz bekakelt", will ich wissen.
"mein ex hat die wohl mal angegraben und ich wollte jetzt mal gerne wissen, ob das stimmt."
"und?"
"ja, sie hat gesagt, der hat sie mal angesprochen."
"hätte ich gar nicht gedacht, dass die seine gewichtsklasse ist", stichle ich böse.

b. schaut mich komisch an und ich hebe die hände:
"entschuldige! entschuldige! haste ne neue freundin gefunden, hm?!"
"nee, aber die ist schon okay. ich muss dir was sagen..."
ich gucke besoffen und doof, dann sagt b.:
"wir haben heute auch über das objekt gesprochen."
jetzt fängt mein herz an, sich ins kammerflimmern zu klopfen.
"und?"
"die weiß das mit dir."
"WIEBITTE?!"
"ich hab ihr aber gesagt, da läuft schon lange nichts mehr."
"du hast WAS?!"
"jetzt reg dich nicht auf! sie meinte, sie wünsche sich eigentlich eine offene beziehung, aber er mauert da."

ich muss mich erstmal auf eine bank setzen, information overload. mir wird schwindlig, alle synapsen glühen und weigern sich, die informationen ordnungsgemäß zu verarbeiten.
"ich hab ihr nur deutlich gemacht, dass das objekt lügt und ein arsch ist, genau wie mein ex",kommt wie aus wolken bei mir an. "und da hab ich ihr eben erzählt, dass du ihm auch so lange auf den leim gegangen bist."
b. setzt sich neben mich und nimmt meine hand:
"bist du mir sehr böse? ich hab ihr auch gesagt, dass sie nicht sauer auf dich sein soll, weil er dich auch so übel manipuliert hat. sie wird ihn ganz neutral drauf ansprechen."
ich schaue b. an und spüre plötzlich erleichterung:
"nein, ich bin dir überhaupt nicht böse. das war das beste, was du hattest machen können."
dann lade ich die ganze scheiße bei b. ab: wie ich wochenlang überlegt hatte, die gespielin anzusprechen und das objekt zu verpetzen. und immer wieder gehadert hatte, ob ich ihr gegenüber genügend glaubwürdigkeit besitze und ob es so geschickt sei, die wahrheit auf den tisch zu bringen, während ich noch mit dem objekt in derselben stadt wohne.

dann fällt mir etwas fürchterliches ein:
"wenn die ihn zur rede stellt, dann sagt die bestimmt auch, von wem sies weiß. und von dir auf mich zu kommen, ist für das objekt keine große gedankenleistung."
"ich hab ihr gesagt, sie darf es nicht sagen, von wem sie es weiß."
"dann denkt das objekt wahrscheinlich, dass sie direkt mit mir gesprochen hat."
"ich hab ihr auch gesagt, dass sie dich da nicht mit reinziehen soll."
"aber der kreis der möglichen informanten ist ja gering. außer dir und mir weiß höchstens noch die drittefreundin mehr. der wird denken, dass ich es war und dann erzählt er ihr, dass ich eine manipulative, rachsüchtige borderlinerin bin, die sich in ihn verknallt hat und sie beide auseinander bringen will."
b. schweigt betreten.

"dann muss ich jetzt in die offensive gehen", beschließe ich. "wenn schon, dann trete ich ihm jetzt richtig in die eier."
"was willst du tun?"
"naja, vollabern kann ich sie nicht. das wäre unglaubwürdig, wenn ich sie jetzt mit irgendwelchen geschichten volltexten würde. aber ich muss ihr ein gespräch anbieten. ihr antworten geben."
b. findet das mutig und eine gute idee:
"vor allem, weil du ja schon so lange darüber nachdenkst, reinen tisch zu machen. das würde dir auch gut tun."
"ich machs", sage ich. "oh gott, ich machs."
"hast du denn ne nummer von ihr? oder willst du sie irgendwo abpassen?"
"nee. aber ich weiß, wer sie auf facebook ist. ich schreib ihr einfach. schreiben kann ich eh besser als reden."

zuhause kann ich lange nicht einschlafen. dann stehe ich noch einmal auf, gehe an den rechner und suche das profil der gespielin. ich tippe eine kurze, freundliche nachricht und schicke sie ab.

nun dürfen sie mir die daumen drücken.

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Samstag, 6. Dezember 2014
[katzenfreunde help!]
die cat-kack-attack hat sich zum dauerdesaster ausgeweitet und ich bin verzweifelt. heute morgen war jedes möbel, jeder vorhang und weite teile der böden voller kackespuren. dabei hat der kleine kater noch nicht mal richtig durchfall. der kackt ganz normal einmal am tag, noch nicht mal superweich, aber der letzte frische blupp ist jedesmal breiig und bleibt demnach fast vollständig in den langen arschhaaren hängen. (ich bin gerade sehr glücklich, dass ich das nicht über einen menschen schreiben muss.)

das problem besteht seit dem futterwechsel. katzenexperten aufgepasst: würdet ihr auf gut glück noch mal das futter wechseln oder würde eine erneute veränderung die verdauung des kleinen katers noch mehr durcheinander bringen? mir fehlen hier erfahrungswerte.

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Dienstag, 2. Dezember 2014
morphines law
der wecker klingelt um halb sieben, schließlich soll ich heute in die röhre. anziehen, zähne putzen, katzen versorgen. dann trete ich in etwas weiches, warmes. katzenkacke.

in windeseile die stümpfe ausgezogen, füße gewaschen, frische strümpfe angezogen, die braune bescherung weggeschrubbt. mist, jetzt bin ich zu spät. muss ich das rad zur bahn nehmen, und das, wo an der station doch ständig die räder geklaut werden.

egal. ich hole das rad aus dem keller, schwinge mich in den sattel und lasse mich den berg runterrauschen. am ende des berges kommt eine kurve, da muss man bremsen. das tue ich natürlich auch, allerdings blockiert die rückbremse. ehe ich mich versehe, fliegt mir der bautenzug um die ohren.

ich fluche laut, aber nutzt ja nüscht. also kette ich das rad an den nächsten baum und renne los, so schnell es das kaputte knie und der tumor im fuß zulassen.

wahnsinn, ich kriege die bahn noch. zum glück ist die radiologie nicht weit, drei stationen, dann bin ich dort.

an der anmeldung in der radiologie sage ich mein sprüchlein auf und schiebe die krankenkassekarte und den überweisungsschein über den tresen.
"ich hab hier keinen termin im kalender", sagt die dicke blonde empfangsische.
"das kann schon sein, ich wurde eingeschoben. gestern abend rief mich ihre kollegin an, weil jemand abgesagt hatte und ich sollte seinen termin bekommen, also heute, genau genommen jetzt."
die blonde wackelt mit ihrem doppelkinn und weigert sich, mich aufzunehmen.
"wo ist denn ihre kollegin von gestern abend?" insistiere ich.
"die hat heute keinen dienst."
na toll.
"und was mache ich jetzt?"
"sie können ja im januar wiederkommen."
ich bekomme einen termin in sechs wochen. yeah. falls der tumor doch bösartig ist, bin ich bis dahin vielleicht schon tot.

ich renne wieder zur bahn und fahre auf maloche. weil ich noch zeit habe, kaufe ich beim bäcker on the way einen kaffee. als ich mir zucker in den kaffee machen will, löst sich der deckel des zuckerstreuers und der gesamte zucker leert sich in meinen becher.
hinter mit kichert eine frau. ich strafe sie mit einem bösen blick, wende mich an den verkäufer und bitte um einen neuen kaffee. den muss ich aber bezahlen. nix mit kulanz.

dann stehe ich draußen auf der brücke beim ibm gebäude, trinke kaffee und rauche eine. es kommt mir ein typ entgegen, bestimmt zwei meter groß, markante züge, tiefblaue augen, klassischer dreiecksoberkörper. da klappern dir die eierstöcke. ich jedenfalls gucke wie eine kuh wenns donnert. und ohgottohgott, er guckt zurück und erwischt mich kalt beim dumm glubschen. dann aber lächelt er ein schönes lächeln und strahlt mich aus seinen unglaublich blauen augen an. er geht zunächst an mir vorbei, dreht sich dann aber noch mal um und bleibt stehen. ich fasse mir ein herz und lächle ihn an.
da stehen wir nun dumm grinsend herum. er zuckt charmant mit den schultern, wortlos, aber ohne sich abzuwenden.
"sie sind bestimmt verheiratet, was", platze ich da heraus.
"sie sind aber direkt", entgegnet der typ.
"und, sind sies?"
der typ nickt.
"macht nichts", sage ich. "ich finde, das war jetzt trotzdem eine schöne begegnung."
"auf jeden fall", findet der typ.
dann trollt er sich.
verheiratet. wie solls auch anders sein. heute sowieso.

ich komme im büro an. die tür ist verschlossen. ich krame nach meinem schlüssel und natürlich habe ich ihn vergessen. verdammt. ich überlege, wo meine kollegen sein könnten. haben wir heute irgendwelche veranstaltungen? mir fällt nichts ein. ich mache mich auf die suche nach dem hausmeister, lasse ihn aufschließen. eine minute später trudeln meine kollegen ein. sie waren direkt nebenan im seminarraum. ich hätte dort nur einfach mal nachsehen müssen. gut, das war dummheit.

wieder zuhause checke ich mails. der neukunde verhandelt zum vierten mal den vertrag, obwohl ich ihm schon um fast 50 prozent entgegengekommen bin. ich brauche echt mal jemanden, der mir das mit dem hart verhandeln beibringt. ich überlege zwei stunden, entscheide mich dann für eine kurze und freundliche mail, dass ich unter den umständen leider nicht für ihn arbeiten könne. hinterher ärgere ich mich, brauche ich doch jeden cent. naja, wenigstens ein stückchen würde behalten.

zwecks stressabbau lüfte ich mal durch. überhaupt stinkt es in meiner wohnung ganz komisch, fällt mir auf. als ich mich genauer umsehe, wird mir klar: der kleine kater hat durchfall bekommen und alles eingesaut, wo er seinen langhaarigen kack-popo drangehalten hat. maximaler ekel. obwohl ich schon alles geputzt habe, meine ich, immer noch irgendwo scheiße zu riechen.

am ende des murphy-tages bin ich völlig erschöpft. ich knalle mir eine doppelte dosis antidepressiva rein und einen wodka drauf. dann heia.

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Mittwoch, 26. November 2014
mann in liebevolle hände abzugeben
neben dem mann mit hund und dem geschäftsführer zählt seit meiner kleinen reise nun auch der sitznachbar aus dem flieger zu meinen begeisterten verehrern. der sitznachbar ist riesengroß, typ geschäftsdaddy, geschieden und hat drei töchter im pubertierenden alter. er ist regelmäßig beruflich in hh und droht mit besuchen. man sollte also meinen, mein hirn habe ausreichend subjekte und objekte, um sich zu beschäftigen.

wie immer ist die sache mit der quantität nicht gleich der sache mit der qualität.
"ich will keinen von allen. noch nicht mal als fick", sage ich gestern zu meinem bekannten, der mich langsam, aber konsequent alkoholisiert. der bekannte ist ebenfalls seit zwei jahren depressiv und leidet zudem unter massiven schlafstörungen, die ihn aktuell fast um den verstand bringen. deshalb auch die alkoholisierungsaktion.
"ich hoffe so, dass ich heute mal mehr als zwei stunden pennen kann", stöhnt der bekannte und ordert nach zwei bier und einem cocktail noch ein paar kurze.
"wenn ich später noch einen rauche, könnte es klappen."
"wie kannst du denn da morgen arbeiten?"
"das funktioniert merkwürdigerweise immer. spätestens um halb sechs bin ich schlagartig hellwach."

die bedienung schiebt zwei wodka über den tresen.
"und was mach ich jetzt mit meinem lieblosen liebesleben?" frage ich den bekannten, nachdem wir die kurzen geext haben.
"gib doch ne anzeige auf: drei männer in liebevolle hände abzugeben. so wie die das immer mit katzen machen", sagt der bekannte. "mal ehrlich, morphine, du machst da ein problem draus, wo keines ist."
"naja, so ein geschäftsführer kann halt vielleicht auch mal nützlich sein", werfe ich ein.
"willste den heiraten und so eine versorgungsehe draus machen?!"
"nee, aber vielleicht kann der ja beruflich was für mich tun."
"wollte schon sagen. dann heirate lieber mich, ich hab auch zu viel kohle", grinst der bekannte.
"deshalb gehe ich ja so gerne mit dir trinken", sage ich frech. "dann muss ich nicht den ganzen abend an einem drink nippen."

"aber du verstehst mich, oder?" frage ich dann noch mal.
"klar. das ist deine art von hochschlafen."
ich haue meinen bekannten ein bisschen.
"ist aber ja legitim in deiner lage."
"danke. prostitution ist also in meiner lage in ordnung."
"solange du deinen spaß dabei hast..."
"es macht aber keinen spaß! ich will nicht meine zeit mit alten typen mit mundgeruch verbringen."
"ich nehme mal an, dass du schon auch was draus ziehst, neben dem beruflichen."
"naja, es nimmt einen halt so auch mal wer in den arm. und sagt einem, wie toll man ist. obwohl, das glaub ich denen sowieso nicht. die haben diesen testosteronverklärten blick dabei und grabbeln mir am arsch."
mein bekannter seufzt.
"was willst du eigentlich wirklich?"
"ich will mit dem objekt ficken und ansonsten einen guten job. einen typen brauch ich nicht. will ich nicht."
"na also. dann ist doch eigentlich alles klar bei dir."
"aber ich habe weder das objekt noch den geilen job."
"dann kämpf doch drum."
"was das objekt betrifft, muss ich mir gerade abgewöhnen, drum zu kämpfen. obwohl ich vor lauter unausgelebter sexueller energie schon sabbere."
"hatte ich auch mal. war über beide ohren verknallt in eine frau, mit der ich den wunderbarsten sex meines lebens hatte. nach vier wochen hat die schluss gemacht. total ehrlich, so mit, ich will einfach nicht."
"scheiße."
"naja, ist ja okay. hauptsache ehrlich."
ich schaue über mein leeres glas besoffen in den raum.
"dass das mit der wahren, echten liebe so schwierig ist."
"ich bin da skeptisch geworden."
"ich auch. aber weißte, wenigstens geil ficken will ich noch ein bisschen. ein paar jahre hab ich noch."
"du siehst nicht aus wie jemand, der das nicht bekommen könnte."
"du hast keine ahnung, wie wählerisch ich inzwischen bin."

der bekannte lacht.
"als ich dich das erste mal gesehen habe, dachte ich mir, du bist total arrogant und überheblich."
"bin ich ja vielleicht auch. leute mit schlechtem selbstwertgefühl leiden immer an selbstüberschätzung. das ist sozusagen eine kognitive überkompensation."
"es hat mich überrascht, wie verletzlich du bist. du bist in manchen dingen noch ganz... kind."
"als du mich das erste mal angeprochen habe, dachte ich, och nö, so n scheißtürke, der schleimt bestimmt gleich rum."
mein bekannter lacht:
"ja, das denken viele. dass ich türke bin oder italiener."
"auf den dritten blick hast du eher was nordafrikanisches. ägypther oder so."
"kaum zu glauben, dass ich ostfriese bin, was?"

nach ein paar schlechten ostfriesenwitzen müssen wir los, ich, weil ich die letzte bahn zu verpassen drohe, mein bekannter, weil er vor dem schlafversuch noch einen rauchen muss.

"bist du am samstag im club?" frage ich beim abschied.
"nein, leider nicht, ich hab bereitschaft. haben wir alle paar wochen mal."
"schade."
"und du?"
"ich schau mal. je nach sexueller energie."
"das heißt?"
"wenn die niedrig ist oder ich sie totmasturbieren kann, könnte ich tanzen gehen, auf die gefahr hin, dem objekt zu begegnen."
der bekannte lacht und drückt mich zum abschied.

dann gehen wir unserer wege, zwei irre, jeder für sich.

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Sonntag, 23. November 2014
urlaub as usual
tag eins: kunden bombardieren mich mit aufträgen. ich reagiere erstmal nicht. stattdessen besäufnis mit mama und papa. später im bett denke ich an das objekt. masturbation, schlaf.

tag zwei: der mann mit hund schreibt eine nachricht, ob ich mich nicht mal melden mag. mag ich nicht. mini-twittertreffen mit alkohol, katzen und weiteren erheiternden substanzen. wunderbar. viele stunden später breit im bus sitzend ein anruf vom geschäftsführertyppi, ich gehe nicht ran. im bett masturbation mit objekt-porno im kopf.

tag drei: kunden nörgeln rum, wann ich denn endlich liefern würde. schreibe zurück, ich sei noch einen tag im urlaub. maaaann. geschäftsführertyppi ruft zum zweiten mal an, ich gehe zum zweiten mal nicht ran. spiele stattdessen mit meinen eltern karten. danach masturbation unter der dusche.

morgen der letzte tag. an dem ich weder arbeiten noch mit typen, die ich sowieso nicht will, telefonieren werde. ich werde dafür eiserne nerven brauchen.

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