Sonntag, 20. September 2015
auf der reeperbahn nachts um halb sechs
um nach 36-stündiger, nur von einem rewe-besuch unterbrochener isolation noch ein wenig sozialen kontakt zu haben, begebe ich mich gestern nacht in richtung st. pauli, um mir in der spelunke einen anzusaufen. ich versuche zuvor noch, v. zum mitkommen zu überreden, aber v. schreibt mir, er fliege in vier stunden in den urlaub und müsse noch die komplette taucherausrüstung zusammenpacken.

also setze ich mich erstmal alleine an den tresen, aber es sind auch zwei bekannte da. wir diskutieren über dieses und jenes, der spelunkenbesitzer knuddelt mich, und langsam, langsam wärmt der alkohol mein herz, das sich vorhin schon wieder ganz merkwürdig kalt von innen raus angefühlt hatte, gerade so, als wolle es den ganzen scheiß gleich nicht mehr mitmachen.

gegen halb sechs will ich die holstenstraße entlang zum bus laufen, als ich merke, dass mir zwei große, sehr dunkelhäutige typen folgen.
"fotze", schreit der eine, und ich kriege magenflattern. soll ich schneller laufen oder lieber nicht? angst zeigen oder mich blind, taub und stumm stellen? außer mir und den beiden idioten ist im näheren umkreis niemand zu sehen, und selbst wenn, würde ich niemals drauf vertrauen, dass jemand im ernstfall eingreift, denn dazu kannte ich schon zu viele geschichten von bekannten, die zusammengeschlagen oder halb abgestochen im rinnstein einer seitenstraße der reeperbahn wieder zu sich kamen, ohne dass auch nur wer einen krankenwagen gerufen hätte.

also ruhig bleiben, tief durchatmen. ich versuche, ganz normal weiterzulaufen, aber jetzt holen die typen auf und dann packt mich einer.
"ey fotze", sagt er wieder und seine weißen zähne leuchten im schwarzen gesicht.
"bitch, du fickificki."
jetzt habe ich todesangst oder zumindest vergewaltigungsangst.
der andere typ kommt nun auch ganz nah. er ist genauso ultradunkel wie sein kumpane, aber sehr fett. er fasst mir an den arsch und lacht mich mit einer gewaltigen alkoholfahne an.
ich schaue mich vorsichtig um, aber ich bin tatsächlich alleine auf der straße. schreien hilft sicher nicht, auf st. pauli wird ausschließlich rumgegröhlt, das juckt keine sau.

gerade als ich überlege, mich vor ein vorbeifahrendes auto zu werfen, in der hoffnung, dass das dann noch rechtzeitig bremst, sehe ich in der ferne ein taxi mit leuchtendem schild auftauchen. ich reiße mich los und renne und winke wie eine irre. ich bete, dass es anhält, doch ich habe glück: es bremst ab und fährt dann rechts ran.

ich öffne die beifahrertür, ein blick über die schulter zeigt, dass die typen mir nicht gefolgt sind. dann lasse ich mich außer atem auf den sitz fallen.
"ich wurde verfolgt von zwei typen" sage ich, "die wollten mich überfallen."
"uuaa", sagt der taxifahrer, ein kleines schrumpeliges männlein. "nix gut."
dann will er wissen, wohin.
gute frage. ich zähle mein geld, es sind knapp zehn euro.
"lassen sie mich einfach an der nächsten u-bahn raus", sage ich.
"aber frau", sagt der taxifahrer, "das geht doch nix, wenn da böse mensch!"
"ich hab aber nur zehn euro und keine ec-karte dabei, ich kann ihnen noch nicht mal anbieten, an einer sparkasse zu halten."
"wo wohn", will der taxifahrer wissen.
"das geht nicht, das kostet mindestens 25 euro", sage ich.
"wo wohn", beharrt der taxifahrer.
ich sage es ihm.
"gut", sagt der taxifahrer. "zehn euro."
und macht das taxameter aus.
"boah danke"; sage ich total gerührt.
"schöne junge frau nix gut allein auf nachts straße mit böse mensch", sagt der taxifahrer. "ich auch tochter, drei. und tochter auch schon tochter."

mir geht das herz auf.
"woher kommen sie denn?"
"pakistan", sagt der taxifahrer. "aber schon 25 jahre deutschland."
"und sie fahren schon seit 25 jahren taxi in hamburg?"
der taxifahrer nickt.
"aber ich nix wohn hamburg, zu teuer. familie wohn kiel."
"das heißt, sie fahren jeden tag von kiel nach hamburg, um in hamburg taxi zu fahren?"
der taxifahrer zuckt die achseln.
"große wohnung billig kiel, und mehr kundschaft hamburg wochenende, und kinder sagen, papa nix hamburg, mein freund wohn auch kiel."
"und wie finden sie deutschland so?"
der taxifahrer lächelt:
"gute land, gutes leut!"

als ich schließlich vor der haustür aussteige, bin ich ziemlich froh, dass jemand diesem menschen seinen aufenthalt in deutschland genehmigt hat.

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Samstag, 19. September 2015
bewerbung absurd
personaler sind in der regel meine feinde, weil sie sich zumeist dagegen entscheiden, mir irgendwelche spannenden vakanzen anzubieten. nur perspektivlose dumpinglohn-jobs werden mir gern hinterhergeworfen, doch möglicherweise gibt es in meiner branche einfach nur noch perspektivlose dumpinglohn-jobs.

hin und wieder passieren aber auch ganz absurde dinge. gestern klingelte das telefon. dran war eine dame, die ich nicht kannte.
"sie haben sich als redakteurin beim großundschlecht-verlag beworben", behauptete sie. "ich würde sie gern zur vorrunde unserer bewerbungsgespräche einladen."
ich konnte mich beim besten willen nicht daran erinnern, mich bei einem großundschlecht-verlag beworben zu haben, aber sie hatte ja nicht "putzfrau" oder "hausmeister" gesagt, sondern "redakteurin", das schien mir irgendwie passend und im bereich des mir möglichen.
"super", sagte ich also, und hoffte, der forcierte enthusiasmus würde die verwirrung in meiner stimme kaschieren.
die dame ratterte ein paar daten runter, ort, uhrzeit, datum, ich sagte zu allem pro forma mal ja und amen, und dann war das gespräch eigentlich schon beendet.
"sagen sie mir bitte noch mal ihren namen", bat ich die dame, denn ich hoffte immer noch, dass mir dann ein lichtlein aufgehen würde.
sie tat dies und fügte hinzu:
"ich arbeite für die jammertal-personalberatung."

und da machte es klick. ich hatte mich tatsächlich vor urzeiten bei der jammertal-personalberatung beworben, allerdings direkt dort und nicht für einen derer klienten, weshalb ich in meinem anschreiben auch lange und ausführlich meine breite erfahrung in der pressearbeit für personaldienstleistungsunternehmen und employer branding erwähnt hatte. das musste doch aufgefallen sein, dass das überhaupt nicht zum großundschlecht-verlag und deren vakanzen passen konnte, dachte ich.

offenbar war also mein anschreiben nur überflogen oder vielleicht auch gar nicht gelesen worden. wahrscheinlich machen es personaler inzwischen ähnlich wie chefinnen von pr-agenturen: sie klicken kurz in den lebenslauf, gucken auf das foto, und wenn sie das gesicht mögen und die proportionen die schlussfolgerung zulassen, dass die person nicht übergewichtig ist ("fette sind immer faul", standard-these in allen weiber-geführten pr-agenturen), und wenn dann auch noch "ledig" (= kein privatleben) und "keine kinder" (= kann gezwungen werden, nie krank zu sein) irgendwo stand, war die kandidatin oder der kandidat eine runde weiter.

wie auch immer, ich bin sehr gespannt auf das bewerbungsgespräch. ich bin noch am überlegen, ob ich zum ende hin das missverständnis aufkläre und mich dabei totlache, oder ob ich einfach nur scheinheilig frage, aufgrund welcher kriterien ich nun genau in die engere auswahl gekommen sei.

irgendwelche vorschläge ihrerseits?

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Dienstag, 15. September 2015
underdogs im mittelstandspomp
all diese gutaussehenden menschen, die in zdf-20:15-filmen in diesen sterilen häusern sitzen, aus jeder pore gutsituiertheit atmen und vortäuschen, dass das alles so leicht und selbstverständlich ist, dass wir alle in blankenese wohnen oder am wannsee oder in irgendeinem geilen schloss mit kamin im wohnzimmer, dass wir alle so superharmonische einheiten bilden, mamapapakind, friedefreudeeierkuchen, und einen gutbezahlten, gediegenen 9-5-job haben, markenklamotten tragen und schicke autos fahren.

die lassen mich kotzen. die lassen mich so sehr kotzen. weil es in der realität inzwischen viel zu viele menschen gibt, mit zwei, drei jobs, die nicht wissen, wo sie einkaufen sollen, damit es am ende noch für stromgaswasserscheiße reicht und die nächste miete, die mutterseelenallein ihre kinder großziehen, die sie im nachhinein lieber nicht bekommen hätten, und deren größter kampf der mit dem sozialamt um ein bisschen wohngeld ist.

aber wahrscheinlich braucht der ultrakapitalismus solch betäubende bilder und geschichten, damit die underdogs glauben, dass sie sich nur noch ein kleines bisschen mehr anstrengen, sich nur noch klein bisschen jünger, schlanker, schöner, besser machen müssen, und nur noch ein paar mal öfter die parolen der brave new world nachplappern müssen, bis sie es schließlich auch geschafft haben.

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Dienstag, 8. September 2015
auf gute zusammenarbeit!
ich mache theoretisch gern networking, zumindest sporadisch, wenn ich nicht unter meiner seelischen panzerglasglocke sitze und die welt scheiße finde. dabei passieren dann manchmal ganz irre sachen.

heute geriet ich über mehrere zufälle in kontakt mit dem geschäftsführer einer richtig großen und renommierten agentur, das heißt so einer person, wo man als kleine tagelöhnerin schon mal ins hyperventilieren kommen kann, weil man dieses gesicht sonst eher aus zeitungen und fachzeitschriften kennt. nachdem wir beim networken schnell feststellten, dass wir beide aus derselben heimatregion stammen, obwohl wir nun in hh sitzen, hatte ich zwei stunden später einen telefontermin mit dem herrn.

während des telefonats stellte sich dann heraus, dass wir nicht nur aus derselben region kommen, sondern auch an der gleichen uni dasselbe studiert hatten, wenn auch mit 20 jahren zeitversetzung. und nicht nur das: der große agentur-mann hatte einst mit meiner ersten großen liebe, die im selben kaff wie seine familie wohnte, zusammen fußball gespielt.

nach dem halbstündigen telefonat, bei dem wir sehr viel lachten, vereinbarten wir nun einen kaffeetrinken-termin, um potenzielle synergien mal tiefgreifender zu eruieren. natürlich ist der herr unglaublich vielbeschäftigt, aber vier wochen wartezeit habe ich sonst auch, wenn ich einen termin bei meinem orthopäden wahrnehmen möchte.

wish me luck.

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Samstag, 29. August 2015
jungspunde
sich als ü-30-frau im nachtleben rumzutreiben, muss bedeuten, dass man seine ruhe hat, dachte ich mal. aber nein.

gestern war ich erst im düsterschuppen feiern, wechelte dann aber gegen vier noch auf eine rock-party. da spielten sie so uralte abgedroschene schinken wie "wonderwall" von oasis und das publikum hatte einen altersdurchschnitt von ü40. ich identifizierte ein paar geschäftsdaddys, die mit gelockerter krawatte herumsaßen, weil sie wahrscheinlich dachten, nachts in hamburg müsse was unheimlich tolles passieren, ein paar alt-rocker, die garantiert draußen irgendwo ihre harley stehen hatten, sowie ein paar versprengte studenten. die stimmung war nicht allzu pralle, aber es war auch schon spät.

ich stand keine minute da, als sich einer von den jungspunden näherte. mitte 20, schätzte ich, eine hübsche stino-milchfresse, aber nicht besonders intelligent.
"hey, ich hab gerade meine gruppe verloren", sagte er zur begrüßung.
"das ist ja traurig", sagte ich sarkastisch.
der stino-milchbubi guckte mich an und fragte dann: "mit wem bist du denn hier?"
hm, was sollte ich sagen? mit meinem pit bull terrier? mit meinem zuhälter? aber ich wollte auch nicht gemeiner sein als nötig, als sagte ich:
"mit mir."
"mit mir?" fragte die milchfresse so entsetzt zurück, als hätte ich gesagt, mit prinz charles.
"also nicht mir DIR", lachte ich.
"GANZ ALLEINE?!"
die milchfresse war noch immer konsterniert.
"ja."

ich wurde eine weile interessiert beglotzt wie ein chamäleon, das gerade die farbe gewechselt hatte, dann fragte der typ weiter:
"und was suchst du?"
"gar nichts", sagte ich. "was soll man hier schon finden? das ein oder andere nette lied, ein getränk, ein bisschen entspannung."
die milchfresse hatte verständnisprobleme.
"suchst du denn keinen mann?"
"wozu das denn? soll ich heiraten, ein nest bauen und kinder kriegen?"
milchfresse glotzte wieder:
"also suchst du hier jemanden, der dir ein kind macht!"
ich musste laut lachen:
"siehst du hier jemanden, von dem du dir ein kind ein machen lassen würdest?!"

jetzt hatte ich ihn vollends verwirrt. eine alte, die ganz alleine in der disco rumstand, nichts suchte und auch nicht wollte, dass ihr jemand mit 3,0 promille und einem nicht allzu attraktivem gen-pool beim reproduzieren half, mit der konnte doch was nicht stimmen!
"willst du denn keine kinder?" fragte er vorsichtig weiter.
"ich hasse kinder", sagte ich.
"oh", meinte er nur noch und stand dann wieder hilflos rum.

"hier ist ja irgendwie nichts los", maulte er dann.
"dann geh doch woanders hin", sagte ich.
die milchfresse guckte mich an und legte mir die hand auf den arsch.
"finger weg", sagte ich.
"tschuldigung."
"was suchst du denn?" fragte ich zurück.
"hm, eigentlich auch nichts."
"nichts" meinte vermutlich einen unverbindlichen fick mit einer tussi, die verzweifelt genug war oder eben unbedingt ein kind wollte.

ich seufzte und schlüpfte in meine jacke.
"gehst du?" fragte mich milchfresse entsetzt.
"ja", sagte ich.
"kann ich mitkommen?"
"wohin willst du denn?" lachte ich.
"naja... vielleicht zu dir?"
"sorry, da krieg ich muttergefühle", sagte ich. "außerdem wolltest du doch deine gruppe suchen."
"äh... ja."

dann stapfte ich hinaus und ließ die milchfresse stehen.

mannmannmann.

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Montag, 24. August 2015
wahrheiten
samstagabend - zwischen zwei messetagen - bin ich kurz auf party. ich treffe t. und die objektgespielin, außerdem mr. shyguy und seine freundin.

ich frage t. scheinheilig nach dem verbleib des objekts. das sei bei seinen eltern, erfahre ich. also hat es seinen dreiwöchigen urlaub ohne die gespielin verbracht. ich erfahre weiterhin, dass die objekteltern nun ihren hof verkauft haben und umgezogen sind. also aus der traum für das objekt und seinen alterswohnsitz fernab der großstadt.

die gespielin feiert das brandenburg-aus ganz ungeniert. "wir ziehen dann einfach in ein haus am stadtrand von hamburg", posaunt sie durch die gegend. "so ganz in ruhe, zu zweit, und endlich ohne den objektsohnemann!"

ich muss an die aufbruchspläne des objekts denken "noch fünf jahre, dann breche ich meine zelte hier ab", und denke, so hat jeder seine wahrheit. welche letztlich tragfähig ist, wird sich noch erweisen.

ich habe ein bisschen angst um das objekt. die gespielin ist mental wie körperlich wie eine dampfwalze. alles wird unter ihrem willen geplättet. "die gespielin und diese gemeinsame wohnung sind mir passiert wie mein sohn", hat das objekt gesagt. so, wie ich diese person heute erlebe, glaube ich ihm das. die gespielin ist so unausblendbar wie eine ungewollte schwangerschaft. für eine abtreibung braucht man(n) mut und mittel. die jemand wie das objekt nicht hat, nicht mit seiner abhängigkeit von der wohnsituation.

fast bin ich froh, dass ich wenige stunden später schon wieder arbeiten muss. zu schwer wiegt die erkenntnis, dass die trampelige gespielin das objekt viel zu gut im griff hat. ich werfe mir tramal ein und bewege mich wie im nebel. dann schlafe ich 14 stunden.

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Samstag, 15. August 2015
it´s been a long hot summer
die luftfeuchtigkeit ist so hoch, dass man beim transpirieren im eigenen schweiß ersaufen muss.

ich will mich nie wieder bewegen, außer um zu tanzen.

der sommer war dennoch fruchtbar. die geklärte objektsituation, und dann die neue frau - meine seele schwingt ruhiger, auf einem level, das nicht mehr so sehr vom bedrohlichen dunkel beherrscht wird.

wie abhängig man doch vom außen ist - ist das nicht charakterschwach?

auf arbeit bietet mir mein chef eine fortbildung an. er will sich um fördergelder dafür bemühen, weil unsere finanzierungsform so etwas nicht vorsieht. ich bin perplex.
"ich weiß doch, wie schwierig die situation für sie ist, und ich möchte nicht, dass sie uns verlassen."

auch wenn mich meine armut ankotzt, hat mein job einen entscheidenden vorteil. wie viele menschen kenne ich, die morgens nicht gerne zur arbeit gehen, weil ihre kollegen konkurrenzbewusst, bossy und falsch sind? oder weil sie sich vor ihren vorgesetzten fürchten oder sich zumindest dauernd über sie ärgern, so wie ich früher in den agenturen? meine situation ist in dieser hinsicht mehr als glücklich. ich fühle mich, was die zusammenarbeit betrifft, rundherum wohl.

vielleicht bekomme ich gerade deshalb keine neue stelle. weil mein schicksal das nicht will. weil ich erkennen muss, dass ich meiner seelischen gesundheit zuliebe vielleicht auf finanzielle sicherheit verzichten muss. möglicherweise sollte ich die zeit nutzen und einfach schreiben.

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Donnerstag, 13. August 2015
drei
um acht stehe ich vor ihrer tür.
"scht", sagt sie zur begrüßung, "ich hab gerade meine tochter zu bett gebracht."
sie nimmt mich an der hand und zieht mich durch den langen flur ihrer großen und eleganten wohnung, bis wir in der küche sind.

dann stehen wir einander gegenüber und schauen uns verlegen lächelnd an, bis ich sie an mich ziehe und wir uns küssen.

sie hat häppchen gemacht. gläser auf den tisch gestellt. wein in eine karaffe gegossen. es wird also ein drumherum-programm geben und kein schnelles finger-und-zungen-in-die-muschis-schieben. das hat was vom objekt. überhaupt, die ganze wärme und freundlichkeit, die sie hier verströmt, gibt mir etwas von dem zurück, was ich mit dem objekt verloren habe.

dann sitzen wir und unterhalten uns. sie hält meine hand dabei und strahlt mich an.
zwischendurch plingt ihr handy.
"das ist s.", sagt sie. s. ist ihr stecher, der auch mit in der spelunke war. "der ist ganz neidisch. hab ihm schon die ganze zeit von dir vorgeschwärmt."

als die häppchen alle sind, wechseln wir auf die couch. knutschen, lassen die hände wandern. die klamotten fallen, die erregung steigt. wieder plingt ihr handy.
"was will der denn die ganze zeit, wird das hier ne konferenz?" frage ich.
"der würde gern vorbeikommen und mitmachen, schreibt er", lacht sie.
ich versuche mich an s. zu erinnern, es gelingt mir nur dunkel. aber als ich mir vorstelle, wie er sie fickt und ich sie dabei lecke, wird mir noch heißer als mir ohnehin schon ist.
"dann lass ihn doch kommen", sage ich. "unter vorbehalt. ich weiß nicht, ob er mein fall ist."
"das ist echt kein muss", sagt sie. "das ist nur ne idee von ihm."
"nee, mach mal. ich bin da ganz offen."
"du bist echt der hammer", findet sie und tippt dann eine nachricht.

eine halbe stunde später klingelt es an der tür und s. steht da. er hat eine flasche wein dabei und trägt ein breites grinsen im gesicht. er ist hübscher als ich ihn in erinnerung habe, und ich bin positiv überrascht.

s. scheint schon ein ganz bestimmtes drehbuch im kopf zu haben. mit ihm gewinnt der abend an fahrt. wir lümmeln im bett, küssen, berühren, erkunden unsere körper. ich fühle mich erstaunlich wohl. ansatzweise geborgen. ich schließe die augen, lehne mich zurück, genieße. bald weiß ich nicht mehr, wessen finger in mir sind, wer mich gerade wo streichelt. tausendfach wandern wonnige schauer meinen rücken entlang.

"darf ich dich auch mal haben", fragt s. irgendwann ganz vorsichtig.
ich nicke.
also schiebt s. mir seinen schwanz bis zum anschlag rein und beginnt, mich tief zu ficken, während sie mich streichelt und an meinen nippeln saugt. und ich komme nach gefühlten drei sekunden.

plötzlich jedoch öffnet sich die tür und ein kleines mädchen in einem rosa nachthemd steht im zimmer und sieht uns entrüstet an:
"mama, ich kann so nicht schlafen!"
wir versuchen, uns den schreck nicht anmerken zu lassen.
"warum denn nicht?" fragt sie und legt den arm um ihr kind, "hast du schlecht geträumt?"
"nee, aber ihr seid so laut!"
"entschuldige, schatz, dann sind wir jetzt ganz leise, ja?"
sie nimmt die kleine an der hand und bringt sie wieder zu bett.

s. und ich sehen uns an und prusten dann los, leise selbstverständlich.
"scheiße", sagt s. lachend, "wir haben gerade ein kind verdorben!"
"das überlebt sie schon", antworte ich. "mein exlover hat auch einen sohn, der kam auch schon mal unvermittelt reingeschneit. wichtig ist glaub ich nur, wie du reagierst, dass du ganz locker bleibst und dem kind nicht das gefühl gibst, es hätte gestört oder dich bei was verbotenem erwischt. der sohn meines ex ist dann manchmal sogar einfach mit ins bett gekrabbelt."
"krass. aber gut", findet s. und fragt dann: "wie spät ist das eigentlich?"
ich angle nach einem wecker, der auf der kommode steht.
"gleich mitternacht."
"fuck, ich muss langsam mal los."

s. sucht seine klamotten und schlüpft in seine hosen.
"gehst du schon", fragt sie, als sie wieder ins zimmer kommt.
"ja, ich muss morgen früh nach berlin, und ich will euch ja auch nicht die ganze nacht klauen."
sie und ich grinsen uns nur an.

nachdem s. sich auf die socken gemacht hat, kuscheln wir uns wieder ins bett.
"wann musst du morgen aufstehen?" will sie wissen.
"sieben."
"ich um sechs."
"oh."
"ich muss doch die kleine fertigmachen."
"schon klar. dann sollten wir jetzt aber mal schnell schlafen."

und so krieche ich in ihre arme und schnuppere mich ins traumland...

p.s. was hatte meine mutter prophezeit?

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Dienstag, 11. August 2015
mütterliche intuition
"na, was haste am wochenende gemacht", will meine mutter wissen.
"och, ich war ein bisschen aus."
"und, wen kennen gelernt?"
"och... nur n nettes pärchen", relativiere ich.
"dann könnt ihr doch aber mal was zusammen machen!"
"ja, ich treff mich sogar schon am mittwoch mit dem mädel."
"vielleicht macht ihr ja dann einen dreier", lacht meine mutter.

haarscharf dran. wie so oft. und ich bin ein bisschen sprachlos.

wenn mir meine mutter mal prophzeit, dass ich nächste woche den jackpot gewinne, ich würde lotto spielen.

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Sonntag, 9. August 2015
pussies
sie fällt mir ins auge, als ich über meinen drink hinweg nach rechts schaue. sie hat etwas, was mich sofort fasziniert, ohne dass ich sagen könnte, was genau. vielleicht ist es diese beinahe-glatze, wie
sinead o´connor in ihren süßesten jahren.

sie ist mit einem typen da, mit dem sie ab und an herumknutscht. es macht spaß, den beiden zuzusehen.

der typ kommt angeschlichen und will feuer. soll er haben. er macht mir ein paar komplimente, was mir peinlich ist, denn sie steht direkt daneben. doch sie lächelt ganz entspannt.
"ihr seid ein süßes paar", sage ich, damit sie weiß, dass ich die zusammengehörigkeit erkannt habe und mich nicht dazwischendrängen werde.
"wir sind nicht zusammen", sagt sie und setzt sich dann neben mich.

sie schaut mich mit großen grünen augen an.
reizvoll. ungeheuer reizvoll.

plötzlich habe ich ihre hand auf der schulter. ihre finger wandern sachte abwärts bis zu meinem handgelenk. und wieder zurück, über meinen hals und meine wange. zart und tröstlich und erregend in einem.

wir grinsen uns an wie zwei bekloppte. ich bin verlegen, nicht ganz da an diesem abend, menschenscheu. sie hingegen ist ganz mutig.
"ich will dich küssen", sagt sie forsch.
dann nähern sich unsere lippen und zungen.

zwei stunden später haben wir die welt um uns herum vergessen. der lieblingsbarkeeper schiebt uns ab und an einen schnaps herüber und macht anzügliche bemerkungen. ich habe ihre hand unter meinem rock, ihre finger wandern auf meinem slip auf und ab.

"wo wohnstn du", sage ich zwischen zwei küssen.
"nicht weit", sagt sie.
"wollen wir gehen", flüstere ich.
"das geht nicht, zuhause warten der babysitter und meine tochter."
"wirf sie raus", sage ich.
sie lacht.
"du kannst am mittwoch zu mir kommen, da ist papa-tag für die kleine."
"ernsthaft?"

sie gibt mir tatsächlich ihre adresse und telefonnummer.
"willst du dir das noch mal überlegen", frage ich, als wir draußen stehen. "ich wollte dich nicht überfallen."
"ich hab schon immer von sowas geträumt", sagt sie. "aber ich hab noch nie einfach so eine frau getroffen, die mir gefallen hat. das ist premiere."
ich lächle nur und küsse sie wieder.

gegen acht uhr morgens komme ich nachhause. die sonne scheint ins zimmer. in mir vibriert und prickelt es.

das leben hält manchmal schon spannende momente bereit.

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