Donnerstag, 11. Februar 2016
klausur
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klausur

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Freitag, 5. Februar 2016
pattexkatze
lady lilly ist auf den ersten blick unkompliziert. 24 stunden nach ihrer ankunft bewegt sie sich neugierig durch die wohnung. zwischendurch haut sie mir mit nachdruck ihren dicken plüschkopp ans schienbein. harte liebe, aber da stehenwa ja drauf.

sie ist the cat that never sleeps. zumindest nicht in meiner anwesenheit. jeder lidschlag, jedes zucken wird aufmerksamst mit weit aufgerissenen augen gescannt. bewege ich mich zwei zentimeter, tut sie es auch. sitze ich, sitzt sie auch. pinkle ich, kommt sie mit mir und wühlt in meiner unnerbüx, die mir zwischen den knöcheln hängt. die erste katze ohne eigenen willen, denke ich, und ahne nicht, wie falsch ich liege.

der appetit schaltet nach vier tagen von krüsch auf "radikaler allesfresser". angeblich könne man sie mit menschenessen kein bisschen locken, behauptete der vorbesitzer. hier frisst sie alles, hauptsache, ich hatte es in der hand - putenbrust, ziegenkäse, hüttenkäse, gegrillte paprika. danach übermannt sie manchmal die erschöpfung und sie liegt drei minuten lang laut schnarchend wie ein mops in der ecke.

nachts will sie im bett schlafen. und zwar auf dem kopfkissen. bei 90cm bettbreite ein gewagtes unterfangen. für sie, weil ich sie regelmäßig unabsichtlich rausschubse. für mich, weil ich schon zweimal mit dem gesicht im katzenarsch aufgewacht bin. zwischendurch ist sie ständig wach und hüpft mindestens 23 mal rein und raus, was mich pro nacht ungefähr 85% meines schlafs kostet. am vierten tag kapituliere ich, nachdem es mir nicht mehr gelingt, auf arbeit die augenlider auch nur zur hälfte zu öffnen, und lady lilly fliegt aus dem schlafzimmer.

tag fünf wird ungemütlich. die tonlage wechselt von zartem mauzen nach lautes, herzzerreißendes heulen. wie kann ich es wagen, einen teil meiner wohnung einfach so für mich zu beanspruchen?! ich bleibe eisern, vor allem, als ich am nächsten morgen eine kackewurst auf dem küchenboden finde. die hätte schließlich auch auf meinem kopfkissen liegen können.

das geschrei ist allerdings nicht nur eine reaktion auf die verschlossene schlafzimmertür, sondern plötzlich auch auf alles, was ich mir in den mund schiebe. lautstarker futterneid. du hat glück, dass du so hübsch bist, denke ich, wärst du wie die fette olle fauchkatze, hätte ich dich schon bei ebay ausgeschrieben. abgesehen vom geschrei hängt lilly nach wie vor verlässlich zwischen meinen füßen und folgt mir wie ein schatten. da schlechte stimmung herrscht, macht mich das wahnsinnig.

tag sieben wird ruhiger. nachdem ich die wohnung auf gefühlte 35 grad hochgeheizt habe, überkommt lilly nun öfter der schlaf, der auch länger als drei minuten andauert. das ist höchst angenehm, weil sie schlummernd nicht schreit und auch nach dem erwachen offenbar noch mehrere minuten nicht an die verschlossene schlafzimmertür oder menschenessen denkt. der nachteil ist, dass auch ich eher im sauna-modus lebe, also irgendwo zwischen verschwitzt und entspannt-schläfrig. momente tiefen friedens verzeichnen wir dann, wenn lilly selig auf meinem schoß pennt und ich apathisch der stille lausche.

heute schreiben wir tag acht. wir harren der dinge und hoffen auf weitere entspannung sowie ein wenig mehr unabhängigkeit. friedensstiftend wirken auf jeden fall lange jagden mit dem laserpointer und das gnadenlose zerrupfen kleiner stofftiere.

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Donnerstag, 21. Januar 2016
protokoll einer leidenschaft
7.01.2016

er: hi, bist du devot?
ich: jupp. beschreib dich mal.
(...)
er: geil, du bist voll die traumfrau. ich will dich unbedingt in deine hungrigen löcher ficken. sag mal wann.
ich: nächstes wochenende?
er: samstag? 16.?
ich: okay.

15.01.2016

16 uhr
er: oh sorry, können wir ne woche verschieben, mir ist was dazwischen gekommen!
ich: kein thema. eine woche später, same place, same time?
er: prima, du bist so unkompliziert.

21 uhr. (ich bin offline.)

er: kannst du auch gleich jetzt?

21:30 uhr:
er: krieg ich mal ne antwort?!

21:40 uhr
er: schlampe!
er: SCHLAMPE!!

21.42 uhr
er: los du hure, red mit mir.

22 uhr
er: sorry. ich dachte, du stehst auf dominant. ich komm gleich vorbei und fick dich. wie wärs?

16.01.2016

13 uhr
ich: hey, so läuft das nicht. du bist disqualifiziert. eindeutig.

13:05 uhr
er: warum?

13:06 uhr
er: was bistn du für ne bitch?! wie redest du mit mir?!

14 uhr
er: ich komm jetzt vorbei und fick dich und wehe, du machst nicht auf, ich tret dir die tür ein.

15 uhr
leichte panik meinerseits.
ich: wenn du das machst, haut dir mein freund in die fresse.

17.01.2016

schweigen.
juhu. prügel androhen zieht offensichtlich doch immer.

18.01.2016

15 uhr (ich bin offline und nicht zuhause)
er: hab jetzt zeit, könnte vorbei kommen und dir deine feuchte fotze stopfen.

16 uhr
er: boah, ich bin voll bockig, ich nehm dich durch, bis du schreist.

16.30 uhr
er: warum redest du nicht mit mir?!

16:31 uhr
er: bitch, dann fick dich doch selber!

17:30 uhr
er: ich steh vor deiner tür, los mach auf!

17:40 uhr
er: FICK DICH!

17:42 uhr
er: mit dem nächsten, der das haus betritt, komm ich hoch und tret dir die tür ein!!!

18 uhr
er: du bist tot, mann! lässt mich hier im regen stehen, ich fick dich bis du tot bist!

19.1.2016

ich: ich habe alle deine mails gespeichert, ich erstatte jetzt anzeige.

22 uhr
er: ja sorry, aber du provozierst mich die ganze zeit. was ist mit jetzt gleich?

22:30 uhr
er: gute nacht und träum was süßes von mir!

23 uhr
er: hast du jetzt zeit?????? bin voll scharf auf dich.

20.01.2106

6:45 uhr
er: du hast keine klasse und nichts. schade.

16 uhr
ich: und du hast offenbar zu viel zeit. viel spaß mit den bullen.

16:15 uhr
er: bevor die bullen kommen, bist du tot.

19 uhr
ich: das ist nicht meine erste morddrohung, honey. wird die bullen aber dringend interessieren. du reitest dich hier immer weiter in die scheiße.

19:30 uhr
er: lass uns doch einfach endlich ficken, du bereust das nicht, ehrlich. 24 cm rasierter prügel, steht wie ne eins, spritzt viermal ab.

20 uhr
ich: das reicht nicht, ich machs erst ab 25 cm.

22.30 uhr
er: SCHLAMPE!

23 uhr
ich: du wiederholst dich.

21.01.2016

anzeige erstattet.
mal gucken, was passiert.

p.s.: der betreffende ist übrigens kein hartzender schulabbrecher von 22 jahren, sondern 45, software-entwickler in leitender funktion bei einem namhaften unternehmen, verheiratet, zwei kinder.

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Dienstag, 19. Januar 2016
stimmen im kopp
als ich heute zu meinem kontrolltermin in der psychiatrie erscheine, ist dort die hölle los. polizei und security strömen durcheinander, telefonieren hektisch und positionieren sich dann am emfang.

ich folge ihnen, denn ich muss ja auch zu den tanten im glaskabuff, um mich anzumelden. als ich die versichertenkarte über den tresen schiebe, überlege ich, ob ich nach dem grund des auflaufs fragen soll, aber dieser erschließt sich dann in kürze.

drei security-männer und ein arzt eskortieren eine familie aus den gängen der psychiatrie in den empfangsbereich. der vater sieht aus wie ein anatolischer ziegenhirte und ruft aufgeregt etwas auf arabisch. die mutter, anscheinend deutsche und auch des deutschen mächtig, redet auf den arzt ein. ihr sohn brauche dringend medikamente. der arzt fuchtelt mit den händen und beteuert, sie müssten dazu in die notaufnahme. die sich aber nicht in der psychiatrie befindet.

der sohn ist ein etwa sechzehnjähriger bursche, der sich der szene entzieht, zu den stuhlreihen rennt und sich auf einem sessel zusammenkauert. er hält sich die ohren zu und ruft immer wieder:
"wenn ich nicht rede, reden alle anderen! wenn ich nicht rede, reden immer alle anderen!"
psychose, denke ich spontan, der ist voll auf dem film. wahrscheinlich stimmen im kopf.

voll auf dem film trifft aber auch auf die eltern zu. der anatolische ziegenvaddi wird von zwei securitymännern festgehalten, weil er immer noch schreit und fortwährend den arzt attackiert. die mutti versucht sich inzwischen noch mal bei den tanten im glaskabuff zuspruch zu holen. aber auch die weisen daraufhin, dass der sohn in die notaufnahme müsse.

"komm", schreit die mutter schließlich den sohn an, der noch immer die hände auf den ohren hat. der vater zerrt an seiner jacke, er solle aufstehen.
"alles was ihr wollt, alles was ihr wollt", murmelt der sohn nun apathisch vor sich hin, während er sich hinausschieben lässt.

erst als die schwere tür ins schloss fällt und plötzlich wieder die gewohnte stille herrscht, wird mir klar, dass der sohn vielleicht gar keine stimmen hört. sondern wahrscheinlich einfach nur das gekeife seiner entsetzlichen eltern nicht mehr aushält. mit solchen eltern wird vermutlich jeder verrückt.

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Dienstag, 29. Dezember 2015
herzlichkeiten
weihnachtsessen mit der verwandtschaft.
meine mutter deckt den tisch, meine tante sitzt schon und zieht in weihnachtlicher fröhlichkeit genau wie immer und genau auf die gleiche weise wie meine mutter die mundwinkel herab. mein vater steht zwei millimeter hinter meiner mutter und kommentiert das tischdecken.
"warum machst du das mit den servietten so? stell doch mal das glas da weiter links! und der teller, für wen ist der denn, wir brauchen doch nicht so viele teller!"
solange, bis meine mutter explodiert und ruft:
"dann machs doch selber!"
mein cousin kommt herein, setzt sich rechts zu meiner seite, grinst mich an und schenkt mir schnell einen wein ein. durchhalten lautet die parole für die nächsten stunden.

dann wird das traditionelle gansessen aufgefahren. solange alle essen, herrscht gefräßige stille. meine emotionalen mauern, die heute extra hoch und mit stacheldraht gespickt sind, kommen mir in diesem moment fast unnütz vor. doch dann fängt meine tante an, von ihrem letzten ausflug mit ihrem witwenkreis zu erzählen.
"... und dann hab ich bis zum schluss gewartet und hab mir das geschmarre von der blöden berta angehört, weißt, deren mann letztes jahr gestorben ist, na der wird auch froh gewesen sein, dass er endlich seine ruhe von der hat... jedenfalls bin ich dann mit der gundula nachhause gefahren, und unterwegs hat sie sich dann verfahren, auf einem weg, den sie jetzt schon seit 40 jahren fährt, da hab ich mir gedacht, die ist doch vielleicht schon dement."
meine mutter wirft ein:
"die ist nicht dement, die war doch schon immer so spinnert."
"ich glaub, das kommt durch deren mann, der ist ja auch so idiot. und der sohn, ach, der wohnt jetzt mit einer zusammen, die hat drei kinder, verstehst, DREI, und die sind alle von unterschiedlichen männern!"
"die hats nötig", sagt meine mutter. "muss sich wahrscheinlich was dazuverdienen mit ihren männern."
"die nutzt den doch bloß aus!"

mein cousin und ich wechseln einen blick. die story mit den drei kindern war ein seitenhieb auf seine aktuelle freundin, die auch schon ein kind hat und deshalb von meiner tante nicht akzeptiert wird.
"was das betrifft, muss ich mir wenigstens keine sorgen machen", sagt meine mutter jetzt, und ich bin ganz ohr und schaue dumm.
"meine tochter bringst ja nie jemanden mit!"
was ja nur richtig ist, denke ich mir, das würde ich höchstens machen, wäre der typ ein arsch und hätte ich lust, dass er im liebevollen verwandtschaftlichen kreise zerfleischt würde.
"aber ein enkelkind wird ja wohl hoffentlich noch irgendwann drin sein", meint meine mutter.

die kartoffel in meinem mund verwandelt sich in widerlichen brei und mir wird schlecht. ich muss messer und gabel beiseite legen.
"isst du gar nichts mehr!" jetzt habe ich auch noch die volle aufmerksamkeit meines vaters.
"bin satt."
"du bist viel zu dünn, du musst doch mal anständig essen!"
"bei den themen wird mir übel. sorry."
jetzt lachen alle blöde.
"isst du immer noch kein fleisch", will meine tante wissen.
"ich habe doch gerade gans gegessen, das ist doch auch fleisch, oder?"
"ja, aber sonst so!"
ich erwidere nichts und hoffe, dass ihnen bald ein krankheitsthema einfällt, das mich aus dem fokus schiebt. tod und siechtum sind eigentlich sehr beliebt, besonders beim essen, und ich wundere mich, dass wir uns bislang nur auf das schlechtmachen fremder leute beschränkt haben.

mein cousin eilt mir zur hilfe, indem er das thema urlaub anschneidet. er war kürzlich in kroatien und versucht, von der reise zu berichten. er beginnt mit dem langen stau, in den er zunächst geraten war, als meine tante ihm schon ins wort fällt:
"so blöd muss man erst mal sein, mit dem auto da runter zu fahren!"
"die klauen da doch auch alle wie die raben", sagt mein vater, der zeit seines lebens noch nicht wirklich aus deutschland rausgekommen ist und von kroatien und kroaten ungefähr so viel ahnung hat wie ich von kernphysik.
"mir hat das ja nichts gegeben, ist alles nichts besonderes da", sagt meine mutter, die 1969 oder so mal in kroatien war.
"ja, und erst die ganzen flüchtlinge, ich bin immer froh, wenn da welche im meer ertrinken", sagt meine tante, "dann sind das endlich mal ein paar weniger!"
"so ein geschwaddel braucht hier keiner", bekräftigt meine mutter.

ich trinke schnell meinen wein leer, um die worte runterzuspülen, die mir auf der zunge liegen. mein cousin, der längst aufgegeben hat, seine urlaubsgeschichte zu erzählen, schenkt mir nach.
"hast du eigentlich gerade eine katze?" fragt er mich.
"nee, erst nächstes jahr wieder, wenn alles klappt", sage ich.
"irgendwann infizierst du dich mal mit irgendwas, mit diesem katzenschnupfen oder so", sorgt sich mein vater.
"genau, und immer wenn ich dann niese, wird irgendwo auf der welt ein rudel kätzchen geboren", sage ich sarkastisch.
"mir wäre das ja zu viel arbeit", sagt meine mutter.
"wenn man etwas gern macht, ist es keine arbeit", antworte ich. "und man bekommt ja unglaublich viel zurück."
"naja", sagt sie und zieht die mundwinkel noch ein stückchen weiter nach unten.

der uhrzeiger bewegt sich auf halb zwei zu. mein vater wird nervös. um halb zwei wird bei uns obligatorisch gelüftet.
"räumen wir doch schon mal ab", drängt mein vater, während meine tante und mein cousin noch salat in sich reinschaufeln. meine mutter straft ihn mit scharfen blicken, und mein vater bleibt noch ein paar minuten sitzen. um viertel vor zwei allerdings gibt es kein halten mehr, und er steht auf, um die terrassentür aufzureißen.
"es zieht!" schreit meine mutter und springt zur tür, um diese zu schließen und stattdessen ein fenster zu kippen.
"so lüftet das aber nicht richtig", wirft mein vater ein. "man soll immer stoßlüften, wegen der energie!"
"es ist kalt!" ruft meine mutter.
"...und wegen der schimmelbildung!" krakeelt mein vater.
"wie wärs, wenn wir nun erstmal abräumen, dann in ein anderes zimmer gehen, wo es nicht zieht, und dann hier lüften, und zwar stoßlüften", schlage ich vor.

doch die heilige ordnung ist bereits vollkommen außer kontrolle.
"ist denn die heizung dann schon aus", will meine mutter wissen.
"nein, die ist noch an, wir essen ja quasi noch", sagt mein cousin.
"macht doch mal die heizung aus! wir heizen doch nicht für die straße!"
widerwillig drehe ich die heizung ab.
"lüften wir jetzt oder nicht?" will ich wissen.
"es hat ja schon gelüftet", beharrt meine mutter und zeigt auf das kippfenster.
"aber nicht richtig!" widerspricht mein vater, und dann zu mir: "jetzt mach doch mal die heizung aus!"
"die heizung IST AUS", rufe ich angestrengt.
meine tante beginnt indes, die teller abzuräumen und zu stapeln.
"lass, ich mach das", will ihr meine in ihrer hausfrauen-ehre gekränkte mutter hektisch die teller aus der hand nehmen. dabei reißt sie das sektglas meines cousins um. sekt ergießt sich über die platte, auf der die gans serviert worden war. danach ist das stoßlüften-kippfenster-heizungs-problem zunächst vergessen, weil mein vater scherben aus der verbliebenen gans pflücken und meine mutter die gesamte chose einfach in den müll kippen will.

"früher war mehr lametta", sage ich und proste meinem cousin zu.

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Dienstag, 15. Dezember 2015
skurriles schlussmachen
gestern habe ich mich nun durchgerungen, offiziell mit dem mann schluss zu machen. da schon wieder frivole nachrichten und sogar urlaubspläne (spanien! wer mich ein bisschen kennt, sollte das nicht mal in 100 jahren vorschlagen!) eingetrudelt waren, hielt ich das ganze für unabdingbar und zeitnah notwendig. jemanden an seinen hoffnungen zerschellen lassen, das geht schließlich nicht.
das schussmachen selbst hielt ich kurz, freundlich und direkt:
"ich bin einfach nicht ausreichend in dich verliebt und ich möchte daher unseren beziehungsversuch beenden."

stille am anderen ende der leitung. mir war klar, ich hatte den mann mit seine urlaubsplänen überrumpelt. dann kam leicht pampig zurück:
"aber darum gings doch gar nicht."
nun war es an mir, perplex zu sein:
"wie meinst du das?"
der mann sagte unsicher:
"es ging doch nie um eine beziehung!"

sieh mal einer an. da stellte sich jemand dümmer als er war, um aus der opferrolle zu entkommen. das gab abzug in der b-note wegen unsportlichkeit. also sagte ich sarkastisch:
"sieh es mir nach, wenn ich irrte, aber da du immer von 'unserer beziehung' sprichst, mich ständig anstrahlst wie ein leckes atomkraftwerk und mir die ganze zeit erzählst, wie toll und wie geil du mich findest, und mich dauernd knutschst und befummelst, wenn wir uns sehen, und jetzt auch noch mit mir wegfahren willst, bin ich tatsächlich dem eindruck erlegen, es ginge dir um mehr als gemeinsame kulturelle unternehmungen und kaffeetrinken."
schweigen im walde. dann:
"das hab ich doch nicht so gemeint."
"wie hast du es dann gemeint?"
"dass du immer alles so sexualisieren musst!"
"wer schickt mir denn die ganze zeit obszöne nachrichten?! wer hat denn die ganze zeit die finger in meinem höschen?"
"das misinterpretierst du jetzt."

da hielt sich jemand für oberschlau. fehlte nur noch der hinweis auf meine erkrankung. trotzdem zügelte ich meine aufkeimende wut:
"hör mal, ich gebe es ganz offiziell zu: ich hatte große hoffnung bei dir, ich finde, bei uns passte ganz viel, und ich hätte mich sehr gefreut, wenn ich gefühle für dich entwickeln hätte können. ich verstehe es, wenn du jetzt verletzt bist, aber so ist das halt und ich wollte dich nicht länger im unklaren lassen."

jetzt wurde es skurril:
"dann lass und doch weiter treffen!"
"wie meinst du das, freunde bleiben? also ehrlich gesagt, das halte ich für..."
"nein, das meine ich nicht! gefühle können sich doch auch noch entwickeln. du sagst doch, du hast hoffnung..."
"hatte. HATTE! außerdem möchte ich eine beziehung und du sagtest ja gerade, du möchtest keine. also warum sollte ich dann darauf warten, dass sich gefühle entwickeln?"
"man sollte doch nichts so pauschal ausschließen!"
"ich habe sieben wochen auf gefühle gewartet. das wenige, was da war, ist immer mehr geschrumpft. weil es einfach nicht passt für mich."
"bei einer affaire würde das keine rolle spielen."
"ich will aber keine affaire, davon hab ich genug, und das weißt du, seit wir uns schreiben. davon abgesehen finde ich dich einfach sexuell unattraktiv. und genau daran scheitert auch der beziehungsversuch!"
stille. dann:
"du, ich schick dir mal einen trailer von einem film.... vielleicht schauen wir den mal zusammen?"

an dieser stelle fiel mir nichts mehr ein. und ich legte einfach auf.
gestorben, begraben.

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Dienstag, 8. Dezember 2015
schwitzehändchen und andere unappetitlichkeiten
am wochenende ist kino mit dem mann angesagt. 96 minuten ernsthaftes kulturkino, doch zum glück ist der mann für so etwas aufgeschlossen. wir holen uns noch einen wein, dann lassen wir uns in die plüschigen sessel fallen. film ab.

kaum sitze ich bequem, nimmt der mann meine hand. ich hab nichts gegen händchenhalten, zumindest nicht für mal eben kurz. allerdings hält sie der mann so ausdauernd fest, dass mir irgendwann das handgelenk wehtut. also entziehe ich dem mann die hand. meine handfläche ist ganz schweißig und ich muss neurotisch nachdenken, wessen schweiß da jetzt wohl klebt, ob ich unverhältnismäßig stark an den händen schwitze oder der mann, oder ob es ganz normal ist, wenn man eine viertelstunde oder so die finger zusammenpappen hat. ich habe ekel, versuche diesen angestrengt kognitiv zu überwinden und verpasse so ein ganzes stück film. was mich ärgert.

der mann ist mir nicht böse. er beginnt, mit der freigewordenen hand meinen rock hochzuschieben und mein bein zu streicheln. dabei schaut er mich von der seite an. ich weiß, er möchte damit meinen blick einfangen und mir einen kuss geben. ich hingegen möchte den film sehen, küssen geht ja auch später noch, also schaue ich stur weg. der mann starrt noch ein paar augenblicke, dann wendet er sich wieder der leinwand zu.

die hand wandert immer höher. da mich der mann nicht anmacht, packe ich seine hand irgendwann und platziere sie auf seinem bein. dort bleibt sie zwei sekunden, bevor sie wieder auf mein bein zurückkehrt und dort weiterstreichelt. und zwar ohne unterbrechung. ich versuche mich zu entspannen. es funktioniert nicht. die pausenlose beinfummelei hat den effekt der chinesischen wasserfolter. ich bin kurz davor, wie rumpelstilzchen zu explodieren. aber wir sind im kino, das heißt, vermutlich am falschen ort für hitzige diskussionen über ein kompromisshaftes ausmaß an körperkontakt.

ich denke stattdessen weiter angestrengt nach. es ist mir klar, dass mich der mann wenig bis gar nicht anzieht. es gefällt mir, dass er verliebt in mich ist. es gefällt mir, dass er klug ist und wir uns gut bis sehr gut unterhalten können. am meisten gefällt mir, dass er bereit ist, eine offene beziehung zu führen. das bedeutet nach seiner definition: sex und ab und an fremdficken. das bedeutet nach meiner definition: ich hole mir den sex woanders, und zwar ausschließlich. hin und wieder fühle ich mich unfair. meistens aber denke ich, ich kann ja nichts dafür, dass er so unsexy ist.

ich denke an das objekt und ob unsere aktuellen begegnungen die sexyness des mannes weiter einschränken. ich überlege weiterhin, wie es sich anfühlen würde, wenn das objekt eine stunde lang mein bein streicheln würde, und komme zu dem schluss, dass ich das genauso unangenehm fände. ich überlege, was das objekt sagen würde, würde ich ihm eine stunde lang das bein streicheln. vermutlich würde es ausrasten und anschließend den rest seines lebens autistisch verbringen.

als der film zu ende ist, bin ich vor lauter geistiger abwehrarbeit gegen meinen zunehmenden ekel schweißgebadet. meine ohren klingeln, mein rücken ist total verspannt und vom film habe ich nichts mitgekriegt, außer das, was ich schon nach dem trailer wusste.

ich habe das dringende bedürfnis, sehr viel alkohol zu konsumieren, und da alkohol auch eine große schwäche des mannes ist, landen wir kurz daraufhin noch in einer bar. dort setzt nach zwei drinks der bekannte alkoholeffekt ein, nämlich dankbarkeit, dass mich überhaupt jemand liebt. die dankbarkeit zieht sich wie rotz um mein aufgeregtes herz und verschleimt mir die sinne. dann torkeln wir zur bahn, sagen uns tschüß und ichrufdichan.

auf dem nachhauseweg machen sich erste löcher der nüchternheit bemerkbar, und ich fühle mich schuldig und beschmutzt. dann habe ich plötzlich einen lichten moment und denke, wie egoistisch von dem mann, mich so als streicheltier zu benutzen, um seine geilheit zu befriedigen, und auf einmal tue ich mir so leid, dass ich zu weinen beginne.

zuhause im bett schwöre ich mir, keine typen mehr, jetzt aber wirklich nicht mehr, weder für sex noch für irgendwas anderes, und dass ich nun einfach nicht mehr ans telefon gehen werde, wenn der mann oder sonstwer anruft.

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Samstag, 5. Dezember 2015
besser betten
ab sofort mit neuer alter bettwäsche von oma okavanga.
vielen, vielen lieben dank! das fühlt sich nach weihnachten an...

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Samstag, 28. November 2015
harm and boon
deine betont breitbeinige haltung, meine verschränkten arme. mein tasten und wägen, worte zu erhaschen. dein lächelndes eingeständnis, keine zu finden. es sprechen allein die blicke. eine uneindeutige sprache.

das wissen, dass uns keine zauberformel mehr zusammenschweißt. die gewissheit, dass uns dennoch nichts wirklich trennen kann. in einem unvergessenen paralleluniversum trifft deine liebe die meine. doch in dieser welt gibt es keinen platz für uns.

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Mittwoch, 25. November 2015
sich betten
hat irgendjemand zufällig schlichte weiße bettwäsche in standardgröße übrig, die er nicht mehr haben mag und die er gern für einen kleinen obolus loswerden möchte? gern antikes zeugs aus großmutters zeiten. muss auch nicht mehr top sein.

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