Samstag, 19. Juli 2008
nicht mehr geil auf geiz
es heißt ja, dass hungern fressattacken bewirkt. jetzt wird wird klar, wo die nettolohn-entwicklung hinführt: konsumflaute und ihre merkwürdigen auswüchse.

heute schon bei mediamarkt gewesen und sabbernde, stieräugige hartzIV-ler, unterschichtler und praktikanten wie mich beobachtet?

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Montag, 14. Juli 2008
subtürk
es gibt ja so einige deutsche bürger, also so vollkommen deutsche, geistig und körperlich blond, blauäugig, weißhäutig mit einem astreinen stammbaum, ja, vor 65 jahren hätte man gesagt, ähem, "arisch" - ja, also die meine ich - die trauen unseren türkischen mitbürgern, also auch denen mit deutschem pass, einfach alles zu. deren allah sei, so hört man, sowas wie satan, klingt auch ähnlich vom namen her, meinen die schlaumeiers von nebenan und nesteln indigniert am mäschendroodzeaun. und die türkischen u-bahn-schläger - ja, auch griechen werden dann türken - seien das beste beispiel dafür.
terror, wohin das auge blickt. und dann unsere politiker, die in spektakulären aktionismus verfallen, spektakulärer jedenfalls als jeglicher tatbestand. wo die npd misstrauisch beäugt wird, ist jetzt auch der kleine orientalische diktator e. mitsamt konsorten, die deutschland gerne kulturell an die türkei annektieren würden, ins wachsame holzauge genommen. sprich, von innen und von außen droht den braven deutschen bürgern gefahr unterm halbmond, der wie ein damoklesschwert vom götterleeren himmel baumelt.

davon kann man halten, was man mag. ich jedenfalls kann so ein bisschen terrorismus verstehen. konkurrenz belebt das geschäft, sagt man ja so schön, also muss man im innenministerium nicht nur gelangweilt sesselpupsen, sondern darf in die öffentlichkeit treten und dieser glauben machen, dass man tatsächlich was für die steuern täte, die man anderen aus der tasche zieht.
jemand, der sich in deutschland nicht ernst genommen und plattassimiliert glaubt, bin ich obendrein. denn auch ganz ohne muslimischen hintergrund und sonstige wenig gefragte kulturen wie die der pilze im genitalbereich fühlt man sich von diesem system reichlich verkackeiert. jung, vollzeit arbeitend und akademisch gebildet - und von weniger als einem drittel von hartz IV lebend, unterstützung gesetzlich nicht vorgesehen, das reicht völlig aus, um beweisen zu können, dass es in diesem land nicht um intelligenz, fleiß und schlüsselqualifikationen geht, sondern dass es das irre spiel einer geistig-sozialen vollentgleisung ist. schafe im ice-tunnel eben.
egal. die türkischen terroristen und auch napoleon reloaded dürfen jedenfalls gerne bleiben. es gibt nur eine gruppierung, die ich dringend des landes verweisen möchte: türkische musiker. leider werden die nicht straffällig. muss ich mir also weiterhin mit ohrenstöpsel aushelfen und mit punkmusik dagegenhalten.

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Dienstag, 8. Juli 2008
verschmutzungsgebühren
jetzt zahlen fluggesellschaften fortan verschmutzungsgebühren. denn nun, nach jahrzehnten des ungehemmten und sorglosen flugverkehrs, sind flugzeuge ganz plötzlich klimaverschmutzer. och. deshalb werden flugtickets teuerer.

fickt euch doch! elende geldschneiderei unter dem scheinheiligen deckmantel des "klimaschutzes" - klimaschutz verkommt zur einer riesigen werbetrommel für neue ideen der kapitalistendiktatur. terrorismus ist ein kleiner feuchter scheißdreck gegen solch üblen umwelt-ablasshandel. ist der durch den menschen allein verursachte klimawandel eigentlich überhaupt ein empirisch nachgewiesenes phänomen?
ihr lügner.
ihr elenden lügner.
ihr dreckigen, fetten schweine.
nicht mal die erfinder mittelalterlicher folterstrafen waren so niederträchtig.

und wieder werden alle brav schweigen. und zahlen. allen voran: die kleinen. die sind nämlich schwach genug, um ausgebeutet zu werden.

wann gibt´s endlich mal wieder richtig bürgerkrieg?!

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Montag, 30. Juni 2008
es lebe: spanien!
ja, was machen die denn.
mehrmals hatte ich das bedürfnis, da auf den platz rennen, um für die deutsche mannschaft ein paar schilder aufzustellen mit "da drüben steht das tor!" drauf.
nach den ersten 20 minuten war mir schon klar: das ist nicht zu gewinnen ohne einen 180-grad-turn-round.
schlüsselfigur der versagenskonstellation: ballack, die kuhäugig glotzende, konturlose milchsemmel. dass sowas wie ballack eine mannschaft führen darf, kommt auch nur in einem land vor, in dem jemand wie angela merkel bundeskanzlerin werden kann.
in sachen totalausfall folgte dicht darauf die peinliche leistung eines kuh-raki, der mal besser auf seiner bank geblieben wäre und nur durch ungeschickt-auffälliges foulen auf sich aufmerksam machen konnte.
und mertesacker, ein kleiner tipp: wenn man nichts mehr blickt, liegt das unter umständen daran, dass einem der bart in die augen wächst.
glanzfigur des abends war einzig und allein marcel jansen, der wirklichen einsatz zeigte, aber sich gegen die 10-mann-lethargie nicht durchsetzen konnte. auch die altbewährten wie schweinsteiger, klose und lahm blieben weit unter ihren möglichkeiten.
lehmann und eine portion riesenglück wendeten schließlich ab, dass wir eigentlich mit 5:0 verloren hätten.

geht nach hause, jungs.

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Samstag, 28. Juni 2008
vom roten und vom grünen lämpchen
die sonne scheint, und weil wir heute mal keine rückenschmerzen haben, haben wir eben erkältung, so die vorstufe der totalen verschnodderung: komisches grippegefühl im körper und einen schädel wie nach einem wettsaufen. draußen vorm fenster leben die kinder und die kinder den vatis der kinder auf, weil blockfest ist und alle schön kreischen und mit fußbällen um sich schießen. irgendwie kann ich mir nicht recht vorstellen, dass da noch jemand richtig versauten, dreckigen sex hat. "was meinst du, hase?" frage ich den kater. der kater hängt auf der couch, hört weg und guckt der laufente oskar im fernsehen zu, der von herrchen zu zwei anderen enten in einen käfig gesetzt wird.

alles sieht ganz harmlos und harmonisch aus da vor unseren fenstern. dabei habe ich heute gelesen, dass zwei bis vier prozent aller menschen im laufe ihres lebens opfer von inzest werden. also nicht die feuchtfröhliche verbotene-liebe-variante, sondern die dicke-kampusch-medienmaid- oder auch die fritzl-monster-version. da versuchen richter fast neurotisch die zusammenarbeit mit hirnforschern, die über kernspintomografien die hirnaktivität der verbrecher verfolgen und dann versuchsweise die einordnung in "armes schwein" oder "richtiges schwein" vornehmen. ganz am ende des artikels standen dann die entscheidenden fragen, welche mich schon bei den ersten sätzen des textes umtrieben: werden wir dann bald alle gescreent und kriegen ein babberl auf die stirn? oder blinkt irgendwo immer ein lämpchen auf, wenn man die u-bahn betritt oder ein bekleidungsgeschäft: vorsicht, gefährliche/harmlose persönlichkeit?
forscher können inzwischen durch beobachtung der hirnaktivität zehn sekunden vor dem tatsächlichen ausführenden beschluss einer person voraussagen, was diese wollen wird. stell man sich mal vor, sowas würde am arbeitsplatz eingeführt. du sagst, "ich geh dann mal zur toilette" und der cheffe sagt, "nee, sie haben ja gar kein pinkelbedürfnis, sie wollen sich nur wieder ein wenig die beine vertreten, bleiben sie mal gefälligst sitzen!" gefundendes fressen für das 1984-lidl-imperium: erwägt frau schmidt, die sich für 4,90€/stunde an der kasse abrackert, den griff in das zehn-euro-schein-bündel?
die interessanteste frage, die der artikel eigentlich stellte, war die folgende: wenn das böse erkannt werden kann, muss es dann auch ausgemerzt werden? ist kaltblütigkeit therapierbar? ein jugendlicher probant erfuhr nach dem test das ergebnis, dass er die veranlagung zum inzest-täter habe. er war völlig schockiert, hatte aber selbst schon vermutet, dass mit ihm etwas nicht stimmt, dass er womöglich unter einem hirntumor leide.
alles ganz einfach? hirn-op?

ich finde das gruselig. dann lieber doch krieg und verbrechen. vielleicht. oder? oder doch nicht?

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Sonntag, 22. Juni 2008
z-/f-ickenterror
die ungefickten ischen lassen ihren frust meistens an mir aus. penisneid also auch unter frauen. und man kann euch noch nicht mal raten, fickt euch ins knie.

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Donnerstag, 19. Juni 2008
schlaglicht
gerade rechtzeitig nach hause zu kommen, um einen blick auf joachim löw beim popeln zu erhaschen.

und jetzt hätte ich gerne den kater da. siege sind doof, wenn man nachher niemandem in die arme fallen kann.

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Samstag, 14. Juni 2008
die andere
es war einmal eine junge frau, so mitte zwanzig, sagen wir mal, die lebte in einer kleinen, mittelhübschen stadt, und litt ganz furchtbar, weil ihr leben sehr langweilig und gleichförmig verlief. jeden morgen stand sie auf und hatte nicht wirklich was zu tun. also rein praktisch gesehen schon, nur theoretisch war es - irgendwie nichts von bedeutung.
die frau war trotzdem lebenslustig und voller hoffnung, dass sich dieser zustand irgendwann ändern würde. spätestens, wenn sie einmal an einen anderen ort käme. wenn sie dann auch genug geld hätte. und schicke freunde. und ein haus mit garten an einem kleinen see. sie träumte von der zukunft und schwebte deshalb oft ganz zufrieden durch ihre mittelprächtige gegenwart.
und eines abends passierte es dann. es klingelte an der tür. die frau öffnete. draußen stand die frau. genau diesselbe frau. also so etwas wie ein zwilling dieser frau. nur war die schick gekleidet und klimperte mit dem autoschlüssel, die zu dem roten porsche da vorne am straßenrand gehörte.
"komm mit", sagte die frau zur frau.
"wer bist du denn?" fragte die frau zurück.
"ich bin das leben, das du dir immer wünschst. mit mir wirst du nun neu anfangen, denn wenn du ehrlich bist, überstehst du die zeit hier mit dir nur, weil du dich zu mir träumst."
die frau fand das einleuchtend, packte ihren alten braunen koffer mit ein paar stücken nicht ganz so h-und-m-mäßiger kleidung - für die sie sich nämlich insgeheim immer ein wenig schämte - und stieg mit der frau in den roten porsche.

zwei tage später - sie waren vermutlich gen süden gefahren, so genau wurde der frau das nicht klar - stiegen sie vor einem mondänen kleinen landhaus aus. vor dem haus fegte eine kleines dunkelhaariges mädchen die treppe.
die frau, also ihr zwilling oder wie auch immer, drückte ihr die schlüssel zum haus in die hand.
"ich muss weiter. du brauchst mich ab heute ja auch nicht mehr."
die frau kam sich vor wie im märchen. plötzlich burgherrin oder so. die treppenreinigungsfrau ging höflich zur seite und ließ sie vorbei ins haus.
das haus war ein traum, eingerichtet von einem architekten im mediterranen design. die glastür auf der anderen seite führte auf eine terrasse, die terrasse über einen holzsteg direkt ins meer. 'gott wie schön', fand die frau.
nachdem sie mehrmals durch die zimmer gestreift war, setzte sie sich in den sessel. der war tief und roch noch teuerem leder. gar kein vergleich zu ihrem alten holzschemel zuhause.
apropos zuhause, das war ja nun ihr zuhause. sie blickte sich um. es fühlte sich fremd an.

die tage drauf ging sie auf entdeckungstour. sie erkundete den angrenzenden ort mit den vielen schönen menschen. die menschen schienen sie nicht wahrzunehmen, aber sie waren sehr hübsch anzusehen. das meer war klar und blau, aber leider zu kalt zum baden.
die frau verbrachte ihre zeit damit, durch die boutiquen zu streifen, menschen zu betrachten und sich zu fragen, womit sie soviel glück verdient hatte. sie machte sich keine sorgen mehr. alles war genau wie ihr traum.
bis zu jenem tage, als sie morgens in ihr badezimmer kam. denn dort stand eine andere frau. die sah genauso aus wie die zwillingsfrau, war aber offenbar nicht diesselbe. sie roch streng und sah sehr ungepflegt aus. sie stellte sich nicht vor, also fragte die frau:
"was machen sie in meinem badezimmer?"
"ich? du vernachlässigst mich."
"wer sind sie denn?"
"ich bin dein altes leben. du glaubst, mich vergessen zu können."
"ich habe dich nicht vergessen, ich denke jeden tag darüber nach, wie schrecklich du warst."
"dann kann ich ja gehen."
die schäbig aussehende frau packte ihr bündel - ein blauer weicher müllsack - und verschwand aus dem haus.
die frau beruhigte sich, richtete ihr haar und ging dann wieder nach unten auf die terrasse. dort setzt sich sich in den schönen weichen gartenstuhl. und fühlte sich mit einem mal sehr merkwürdig.
sie schaute sich um. 'das ist alles meins' dachte sie, 'aber irgendwie... doch nicht.' eine unruhe packte sie. sie strampelte sich aus ihrem wunderschönen stuhl frei und fühlte sich plötzlich den tränen nahe. denn, wenn sie ehrlich war, musste sich sich eingestehen, dass sich mit diesem haus, den schönen menschen und dem meer vor ihrer terrasse nichts anfangen konnte. es war toll. aber es hatte nichts mit ihr zu tun.
'ich muss die frau aus dem badezimmer wiederfinden', dachte sie aufgeregt. sie rannte auf die straße. doch da waren nur die schönen menschen, mit denen sie nichts gemeinsam hatte. sie fühlte sie sehr einsam, sank auf die stufen und weinte. bis ihr jemand auf die schulter klopfte. es war das dunkelhaarige mädchen, das die treppen fegte. es drückte ihr den besen in die hand.
"sie müssen arbeiten, dann wird es besser."
"aber dafür habe ich dich doch!"
das mädchen lachte.
"glaub mir, auch mir hat einmal all das hier gehört. aber ich habe nicht hierher gehört. also musste ich mir etwas suchen, damit ich mir ähnlicher wurde. nun bin ich putzfrau in dem haus, das eigentlich meines ist."
"du meinst, ich soll putzen?"
"wenn du es hier aushalten willst, musst du es sogar tun."
die frau nahm den mädchen besen und feudel aus der hand.
"du brauchst mich ja jetzt nicht mehr", sagte das mädchen. es dreht sich um und ging zum gartentor hinaus.

die frau wurde nun putzfrau in ihrem eigenen haus. sie wurde nicht glücklicher, aber sie konnte es nun aushalten.
eine neue eigentümerin stand eines tages am tor. die frau lächelte. sie kannte deren schicksal bereits. und ihr eigenes auch. jeden tag ein bisschen besser.

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Mittwoch, 4. Juni 2008
wer sich´s leisten kann
moral ist was für die, die sie sich leisten können.
selbst der penner, der mich mit meinen zwei sachen bei penny vorlässt, kann sich diese moral und sein bier offenbar leisten. heißt das nicht etwa schon mal, dass es ihm besser gehen muss als mir? naja.
nicht mehr leisten kann man sich also bald die milch. und unseren kindern werden die zähne ausfallen, vor lauter kalziummangel. wir werden steine lutschen gehen und an muscheln knabbern müssen. ja, an muscheln, wegen des kalks, also nicht an muschis.
die milchbauern sind auch unmoralisch und genauso ausschließlich auf ihren vorteil bedacht wie die fetten herren und damen politiker, die heimlich jubelnd die benzinpreise nach oben schießen sehen. geil, die mineralölsteuer.
die milchbauern wollen uns also erpressen. das ist ja terroristenmanier. und hört mir auf mit den armen bauern aus dem mittelalter in ihren zerlumpten kleidern. das stimmt doch alles nicht mehr. heute fährt der bauer seinen mercedes - falls er sich das benzin leisten kann - und geht levis jeans kaufen, wenn er mal in die stadt kommt. und abends sitzt er mit frau und kindern nicht beim karpfen- sondern beim sushi-essen. ist doch wahr.
jedenfalls ist der moderne bauer kapitalist und nun auch noch terrorist. ganze landstriche verkommen zu schurkendörfern. das muss man doch boykottierieren! wer wird denn auf terroristische forderungen eingehen! sollen die doch auf ihrer milch sitzenbleiben, bis ihren kühen die euter platzen!
wäre ich meine mutter, würde ich sagen, ist sowieso egal, ich kaufe lieber jogurth.
ich kaufe dagegen langsam gar nichts mehr. macht wenigstens ne schlanke linie.

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Sonntag, 25. Mai 2008
gothic-nachwuchs 2008
als ich vor etwa 12 jahren anfing, anne clark und depeche mode zu hören und auf meine ersten schwarzen parties ging, fand ich frauen in langen mittelalterkleidern und männer in schwarzen mänteln und stiefeln sehr toll. es dauerte auch nicht allzu lange und ich hatte auf ein kleid gespart, welches ich mir in einem bekannten bekleidungsladen für schwarzvolk kaufte. 280 deutsche mark, das tat weh und war genug für ein ganzes gothic-dasein. ich stutzte das kleid im laufe seines tragelebens um seine engels-tüllflügel und sämtliche schleifchen und bänder, weil ich mir mit jedem anziehen alberner und verkleideter vorkam. etwa zwei jahre später fuhr ich die reduzierte variante - schwarz und gut, ohne extrarüschchen und klimperkram, einfach nur von hasi und mausi oder aus omas klamottenkiste. einzige wirkliche investition wurden strümpfe, stiefel und hochhackige schuhe, immer mit allzweck-charakter.
mit meinem irgendwann ab 2001 etablierten freundeskreis unterhielt ich mich über gott und die welt. die beziehungen zwischen den einzelnen waren eng, es gab liebeleien, aber die freundschaften waren meist stabiler. wir waren allesamt sehr naturverbunden, liebten darüber hinaus musik, bücher und theater und suchten im begrenzten kulturellen angebot dieser stadt möglichst vielfalt.
das waren die jahre 2001-2007.

an einem maiabend 2008 vor einer gothic-diskothek: ich gehe in jeans und t-shirt bis zum eingang, wo sich die rauchenden massen tümmeln, und es ist mir fast ein bisschen peinlich: tatsächlich die einzige frau in blue jeans. ich sehe jungs in lackkostümen, gespickt mit stacheln und schnallen, die gesichter angemalter als die mädchen. die mädchen, ob dünn oder fett, tragen fast alle dasselbe: möglichst kurze röcke, strümpfe über netzstrumpfhosen und die unvermeidliche korsage. pink ist das neue schwarz, zusammen mit converse-schluppen. da werden kurze dicke stummelbeinchen nicht unbedingt vorteilhaft gestreckt. dieses problem erkannt hat eine junge frau, die auf ca. 30 zentimeter schwarzem plateau an mir vorbeischwankt. im wahren leben maximal 1,60m, werden ihre schätzungsweise 90 kilo so kräftig in die höhe gestemmt und die volle wucht ihres hinterteils entlädt sich erst da, wo normalerweise ihr enormer busen schwebt. und zwar unter einem falten-lackminirock, der beim besten willen keine falten mehr werfen kann.
und wie es so ist, wenn man inzwischen alternder außenseiter unter dem gothic-nachwuchs ist, lauscht man so dem ein oder anderen gespräch. und wundert sich. ungelogen, jedes gespräch hat dasselbe thema: klamotten. ein mädchen, ich schätze sie auf anfang zwanzig, zählt all ihre nietengürtel auf und berichtet stolz, dass sie neulich einen gürtel für 55 euro gekauft habe.
eine unterart des themas kleidung ist das thema schuhe, ebenfalls bis um erbrechen bekakelt.
ein bekannter, auch ein altes eisen mit seinen 33, gesellt sich kurz zu mir.
"ich war auf dem wgt", erzählt er mir, als ich vom kleidungsfetisch der neuen generation berichte, "und da war ein mädchen, das trug eine korsage, aber total verkehrt. also dort, wo normalerweise der arsch ist, das trug sie vorne oben am busen. ich war zunächst unsicher, bin ich doch ein mann und habe nicht soviel ahnung, aber als ich meine freundin fragte, bestätigte die mir meinen verdacht. die kaufen sich arschteueres zeug und könnens noch nicht mal richtig anziehen."
seine freundin kommt dazu und bestätigt die aussage: "wir haben ja so gelacht. und noch besser fand ich all die typen mit ihren netzhemden. die sind entweder total spargelig und sehen aus wie tote hühner im elektrozaun, oder sie haben teils riesige titten und bierbauch und hängen die fleischmassen dann in diese komplett durchsichtigen oberteile. hauptsache, sie haben eines an."
"und die labern alle drüber, als gäbs nicht anderes, was die welt bewegt. das ist tibet, da ist die nahrungsmittelkrise, aber niemand scheint sich hier dafür zu interessieren", schließt mein bekannter die beobachtungen.
"waren wir damals auch so oberflächlich?" fragt seine freundin.
wir finden: nein.
"ich geh dann mal besser wieder nach hause", sage ich, "ich merke schon, das thema kleidung und co ist irgendwie ansteckend. man redet automatisch mit, wenn auch auf dem anderen standpunkt."
und weg bin ich.

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