Mittwoch, 11. März 2015
ungeschützter verkehr
ich verkehre ungeschützt, ohne musik im ohr, ohne chemie im blut. lass mich aus-märzen von ichweißnichtwieviel lux. einfangen von stimmengewirr und straßenlärm. lasse mich treiben, lasse es mit mir treiben, und das sehr bunt.

später zurücklehnen, entspannt, auch wenn man immer mit dem rücken zur wand steht. in vielerlei hinsicht will ich GRATITUDE heute groß schreiben, der ego-sthenie zum trotz.


Woodkid ft. Lykke Li - Never Let You Down

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Dienstag, 10. März 2015
richtungswechsel

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die geschichte von legolas "klofinger" und koka-h.
(inspiriert von frau mottentanz eine story aus meiner wilden jugend.)

ich muss etwa 15 oder 16 gewesen sein, ganz discoqueen, als ich legolas kennenlernte. er war ein dürres bürschchen und gar nicht mehr so jung, so um die ende 30 oder anfang 40. er schwirrte gerne um mich herum und machte mir das ein oder andere dezente kompliment. mehr nicht, denn ich war damals in festen händen.

nachdem sich das mit den festen händen zweieinhalb jahre später erledigt hatte, ich meine erste eigene wohnung bezog und im größeren stil mit drogen herumzuexperimentieren begann, lernte ich über eine damalige freundin koka-h. kennen. koka-h. hatte sein eigenes labor und versorgte sich und andere mit speed und mdma (nein, nicht koks, wie der name vermuten ließ). meine eine tauschte regelmäßig - damals noch legales - ephedrin gegen die weiterverarbeiteten substanzen.

zu koka-h. zählte eine ganze clique von goa- und techno-jüngern. recht gut kannte ich irgendwann auch hofmannstaler-s., der seinen namen ebenfalls nicht von ungefähr hatte. hofmannstaler-s. war weniger von der speed- oder mdma-fraktion, sondern stand neben den von albert hofmann erfundenen dingen sehr auf chrystal, was damals noch ein novum war. er war ansonsten ein sehr angenehmer zeitgenosse, höchst intelligent und nicht nicht so abgestumpft wie koka-h. wäre er einen kopf größer gewesen, hätte ich mich garantiert um ihn bemüht und wäre genauso unglücklich geworden wie drei meiner freundinnen, die damals etwa zeitgleich versuchten, bei ihm zu landen.

ich weiß nicht mehr wann es genau passierte, aber irgendwann gehörte auch legolas plötzlich zur koka-h.-clique. ich hatte mich gerade mit koka-h. nach dessen training (er benutzte die upper auch gerne als trainingsbooster) in der innenstadt verabredet, als koka-h. mit seiner damaligen wunderschönen freundin k. und legolas auftauchte. die beiden männer wollten noch schnell zu norma, ich begleitet k. indes zum schuhe-shoppen. eine halbe stunde später trafen wir uns wieder. legolas erzählte, dass er gerade aus der arbeit käme. er war it-ler. mir war das relativ egal, ich wollte nur, dass er verschwand, damit koka-h. und ich unser kleines geschäft abwickeln konnten. legolas verschwand jedoch keineswegs, sondern verlud koka-h., k. und mich in sein auto. er brachte zunächst k. zum kindergarten, wo sie ihre kleine tochter abholte, dann fuhren wir alle zusammen weiter in ein dorf nahe der stadt, wo koka-h. nun offenbar neuerdings wohnte.

"warum bist du denn in DIESES kaff gezogen", flüsterte ich koka-h. auf der rückbank zu.
"legolas wohnt da. er hat meine mutter geheiratet, und nun wohnen wir alle zusammen da", erklärte mir koka-h.
mir blieb der mund offenstehen.
"ist aber ganz in ordnung", sagte koka-h. "der ist gut drauf."
was nichts anderes hieß, als dass legolas koka-h.s geschäfte fröhlich förderte und sicherlich selbst davon auch profitierte.

wenige monate später kam ich wieder einmal zu koka-h. ins haus, auch auf ausdrückliche einladung von legolas. koka-h. hatte gerade eine schwere krise mit k. und wurde mir gegenüber sehr zutraulich. wir kuschelten ein wenig, dann kam legolas dazu und setzte sich zu uns. wir rauchten einen, dann begann legolas mit koka-h. zu knutschen.

ich erlitt den schock meines lebens und wäre ich nicht viel zu stoned gewesen, wäre ich aufgesprungen und weggelaufen, so absurd erschien mir die situation. da knutschen also gewissenmaßen vater und sohn, altertechnisch nicht mehr als 15 jahre auseinander, aber immerhin! ich war jedoch viel zu sehr außer gefecht, bekam daher auch den ein oder anderen kuss ab und merkte irgendwann legolas arm schwer auf meinen schultern ruhen und seine spinnenfinger richtung brüste wandern. ich schaffte es, kurz aufzustehen und das klo zu suchen. dort saß ich dann auf der schüssel, zu stoned zum pinkeln, und überlegte angestrengt, wie ich nach hause käme.

ich kann mich an nicht mehr viel erinnern, nur daran, dass legolas mich irgendwann wieder ins auto verlud und zurück in die stadt brachte.

legolas schien ab diesem zeitpunkt mehr auf mich als auf seine frisch angetraute ehefrau zu stehen. nachdem er nun leider wusste, wo ich wohnte, pflegte er hin und wieder nach der arbeit aufzutauchen, mich vollzulabern und um eine massage zu bitten. keine medizinische massage, wie sie sich vorstellen können. ich wand mich und bat ihn zu gehen, machte ihm klar, dass da nichts laufen würde. irgendwann gab er gottseidank auf.

mein verhältnis zu koka-h. hatte in dieser phase ein wenig gelitten, da ich, um legolas aus dem weg zu gehen, auch ihn mied. die versorgungssituation war nur noch teils gewährleistet, also sagte ich einem damaligen freund, der auch so etwas wie mein freund wurde, zu, nach amsterdam zu fahren. in amsterdam hatten wir jedoch keine tragfähigen connections, daher blieben wir mehr oder minder im hotel, vögelten uns die köpfe weg und machten so abgefahrene pärchen-like-dinge wie das anne-frank-haus besichtigen oder zwischen den grachten spazierenzugehen.

irgendwann eines schönen nachmittags kamen wir dann auf legolas zu sprechen.
"du bist doch mal ewig mit diesem ekligen typen rumgehangen", sagte mein freund.
"legolas?"
"legolas, wie auch immer, bei uns heißt der nur klofinger."
"hä?"
"weil der sich nach dem klo nie die hände wäscht!"
"iiiiiiiiiihhhhhhhh..."

ab sofort hatte ich also noch einen grund mehr, legolas klofinger zu meiden. ich erzählte meinen freund nach und nach meine sehr absurden erlebnisse mit legolas und machte ihm klar, dass die zuneigung eher sehr einseitig war. zum glück hatte ich mit meinem neuen freund einen mutigen gentleman an meiner seite, der sich daraufhin bereit erklärte, mich bei bedarf unter einsatz seiner fäuste gegen legolas klofinger zu verteidigen.

das war die geschichte über legolas klofinger und wie sie denn nun auch endete. es kam zu keinen weiteren annäherungen mehr und irgendwann hörte ich noch, dass die mutter von koka-h. die scheidung eingereicht hatte. mit sicherheit ein guter entschluss.

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Montag, 9. März 2015
monday, monday
kliniktermin, der x.te. laberrhabarber, dann bekomme ich ein neues rezept, blutwerte sind auf den ersten blick auch okay, alles normal.

draußen steige ich schnell auf mein rad, nix wie weg, damit ich dem objekt nicht begegne. da merke ich: der reifen ist platt. also laufe ich zum nächsten mir bekannten fahrradladen.
"du liebe güte, was haben sie denn gemacht", ist der fahrradfuzzi schockiert.
"warum denn?"
"das wird ihnen jetzt nicht gefallen... aber da ist nicht nur der reifen, der gemacht werden mus... ihre bremsen sind verschlissen und die kette ist kurz vorm abreißen."
"ich fahre mit dem rad nur in die arbeit, ich mache keine tour de france damit."
"wie viel fahren sie denn pro woche?"
ich muss nachrechnen.
"so 120 kilometer? wenn ich abends unterwegs bin, vielleicht noch ein bisschen mehr."
"das ist nicht wenig. das sind weit über 5.000 kilometer pro jahr. das macht keine kette länger als ein jahr mit."

als ich wieder rauskomme, habe ich einen kostenvoranschlag über 200 euro in meiner tasche. und keinen plan, wie ich so viel kohle wieder zusammenkratzen soll, weil in einer woche auch noch die einkommenssteuervorauszahlung ansteht.

juhu.

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Sonntag, 8. März 2015
hurt
wenn meine eltern zu besuch sind, kommt mein gesamtes inneres system durcheinander.

zum einen, weil sie mir teils tierisch auf die nerven fallen. sie mögen hamburg nicht, sind mit der stadt völlig überfordert und wissen nicht wohin mit sich, dennoch kommen ideen und inspiration meinerseits nicht an, weil sie so ihren stiefel durchziehen und grundsätzlich nur schwer für irgendetwas zu begeistern sind. darüber hinaus haben wir einen unterschiedlichen tagesrhythmus - während ich am wochenende endlich mal schlafen möchte, sind meine eltern spätestens um neun am frühstücken.

zum anderen, weil ich sie sehr lieb habe und auch merke, dass sie mich liebhaben. dabei sind unsere arten zu lieben defizitär und inkompatibel, was oft an einer stelle missstimmung erzeugt, an der eigentlich ein großes, warmherziges lächeln stehen sollte.

wie sehr mich ein besuch meiner eltern anstrengt, merke ich an der körperlichen müdigkeit, die mich dann überkommt. fast überfallsartig. heute musste ich nach zweieinhalb stunden abbrechen, weil ich nicht mehr klar zwischen wahrnehmung und gedanken trennen konnte und wieder anfing, ihr verhalten zu bewerten und auf mich zu beziehen. nun bin ich zuhause, alleine, in der kehle sitzt das große heulen, weil ich sie jetzt schon wieder vermisse und weil alles immer so kompliziert ist.

ich wünsche mir so sehr eine schwester oder einen bruder, den ich nach einem solchen tag anrufen könnte. und die oder der mir dann sagen würde: "du weißt doch, sie sind halt so, aber wir haben uns doch lieb."

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Donnerstag, 5. März 2015
nach dem fressen
der dr.-ing. hat sich vergangene woche überraschend zurückgezogen. wegen gewissensbissen seiner frau gegenüber. doch gestern steht er weder auf der matte, prinzipien hin oder her.

"hach, muss liebe schön sein", sage ich sarkastisch am telefon, als er mir gesteht, dass es doch ein bisschen zu toll war, um die sache aufzugeben.
"dir macht das spaß, in wunden zu bohren, was", will er wissen.
"nö. ich freue mich nur, wenn ich recht behalte."
"du hast ein furchtbar schlechtes männerbild."
"es ist aber realistisch."
der dr.-ing. seufzt:
"da mag ich dir jetzt noch nicht mal widersprechen."
"glaub bloß nicht, dass ich dir wegen dieses satzes jetzt die absolution erteile."
der dr.-ing. lacht. ein bisschen gequält. dann will er wissen, wann er vorbeikommen darf.
"um acht?"
"gut."
"und bring was mit, ja. nen wein oder so."
"ey, ich muss noch autofahren!"
"ey, ich trink den auch alleine!"
der dr.-ing. ist nicht eingeschnappt, sondern kichert. er mag offentsichtlich meinen humor.
"dann bis später."
"bis später."
"halt warte mal! ich hab noch eine idee..."
"was denn?"
"könntest du mich bitte nackt empfangen?"

kann ich.
"wahnsinn, du bist echt verrückt", strahlt der dr.-ing., als er mich zur begrüßung umarmt.
"was ist verrückt daran, einen wunsch zu erfüllen?"
"nein, du hast recht. es ist cool. und du bist so schön", sagt der dr.-ing. und spielt mit meiner linken brustwarze.
dann zieht er sich hastig aus, beugt mich über den schreibtisch und beginnt, mich von hinten zu ficken. wie beim letzten mal kommt er so schnell wie ein überhitzter teenager.
"orrrrrr... was machst du mich auch so an", stöhnt der dr.-ing.
"wir können ja noch mal", sage ich. "allerdings würde ich diesmal das bett bevorzugen, ich hab nämlich total kalte füße."

wir krabbeln in mein bett und der dr.-ing. schlingt meine decken um mich. fürsorglich. und ich muss kurz ans objekt denken. männer unter oxytocin-einfluss scheinen ähnliche verhaltensweisen an den tag zu legen.

unter der decke angle ich nach seinem schwanz. ganz klein hängt er in seiner hülle, aber erigiert erreicht er eine beachtliche größe. eine angenehme größe.
der dr.-ing. beginnt, schnell zu atmen und dann anzudocken. missionarsstellung, klassisch. zärtlich, langsam. wir kommen ziemlich zeitgleich.

der dr.-ing. zieht mich in den arm.
"weißt du, was mal ein typ zu mir sagte", erzähle ich. "der sagte, als ich nach dem sex die hand ausstreckte, um ihn zu streicheln, doch tatsächlich: du willst doch nicht etwa kuscheln?! total entsetzt."
der dr.-ing. lacht sich schlapp.
"du kennst ja komische leute."
"manchmal frage ich mich auch... da ist man offiziell gestört, aber die richtig kranken sachen ziehen eigentlich andere ab."
"warum offiziell gestört?"
schwupp, so verplappert man sich. der dr.-ing. weiß ja noch gar nichts von seinem glück, mit einer irren zu vögeln.
"ach, ich nehm tabletten, weißt du, mir gehts manchmal nicht so gut."
der dr.-ing. schaut mich aufmerksam an.
"hat das was damit zu tun", fragt er und streicht über die narben an meinen armen.
"ähm", sage ich und muss dann erstmal wegschauen. das ganze wird mir jetzt etwas zu intim.
"musste nicht erzählen", sagt der dr.-ing. "es würde mich nur freuen, wenn du gerade keine so schlimmen sorgen hast."
das klingt lieb und warmherzig, aber ich mag nicht antworten. offenbarungen führen immer nur dazu, dass die leute abhauen. im menschen verscheuchen bin ich weltmeister.
also sage ich nichts, sondern kuschle mich nur ein, lächle und genieße die wärme, die feuchtigkeit zwischen meinen schenkeln und die zarten berührungen an meinen brüsten.

irgendwann steht der dr.-ing. auf und schlüpft in seine sachen.
"komisch ist es ja schon", sagt er.
"was denn?"
"jetzt zu gehen."
"es wäre komisch zu bleiben, du hast doch ne frau."
"ja eben. irgendwie hab ich schon wieder ein schlechtes gewissen."
"das ist normal. nach dem fressen kommt die moral."
der dr.-ing. lacht.
"du bist ne knallharte, gelle? und auch wieder nicht... deine samtaugen sagen jedenfalls was anderes."
"schon möglich."

eine letzte umarmung, dann steht der dr.-ing. im treppenhaus.
"bis bald."
"aber nur, wenn du aufhörst, mir mit deinem schlechten gewissen in den ohren zu liegen."
"ich geb mir mühe."
"na dann."

wieder winke ich zum abschied. eine geste, die mir hilft, größtmöglichen abstand in die sache zu bringen.

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