Mittwoch, 7. Januar 2015
musikalisches zum mittwoch
noch zwei tage bis freitag! wobei ich derzeit nicht weiß, was mich mehr stresst: arbeiten und den kopf beschäftigen oder frei haben und der kopf beschäftigt sich selbst.

draußen alles grau in grau. dazu passt dieser song:

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Sonntag, 4. Januar 2015
closed
immer, wenn ich das objekt im club sehe, bricht sich der liebeskummer früher oder später seine bahn. das letzte mal ging es ganz gut. gestern hingegen dauerte es nur zwei minuten bis its-my-party-and-i-cry-when-i-have-to. mein ebenfalls psychisch kranker bekannter v. vermutete sofort einen depressiven anfall und bot mir emotionale hilfestellung an.

"is nur wegen dem arsch", schnaufte ich und deutete mit dem kinn in richtung objekthintern.
"wie wärs mit was zu trinken?" frage v. und schob mich richtung bar.
"alkohol hilft doch immer."

an der bar knuddelte mich erstmal der barkeeper.
"was wollt ihr trinken? ich geb euch heute alles aus, ist ausverkauf, der laden schließt."
wir schauten erstmal dumm.
"ach, ihr zieht um, ne?" fragte ich, mich an alte gerüchte erinnernd.
"nee, der laden ist verkauft", erklärte der barkeeper. "wir waren ja fast pleite. genießt, was ihr noch kriegen könnt."
v. und ich sahen uns schockiert an.
"das kann doch nicht sein."
der barkeeper schob uns zwei tequila und zwei wodka hin.
"trinkt, alkohol hält welt und seele zusammen!"

ich drehte eine runde durch die vertrauten räume und kam dann wieder zu v. zurück, der sich weiter mit dem barkeeper betrank.
"es ist, als wenns das schicksal so wollte", faselte ich.
"was meinst du?" fragte v.
"wenn der club schließt, dann kann ich dem objekt kaum mehr begegnen. woanders sind wir beide ja nur selten."
"wer ist denn das objekt?" wollte der barkeeper wissen.
"der da." ich zeigte auf das objekt, das mir den rücken zudreht.
"wir haben viereinhalb jahre lang gefickt und das ist so ein arsch, und ich komm da nur ganz schwer drüber weg, weil ich den hier ständig sehe. ich will am liebsten die stadt verlassen."
der barkeeper nahm meine beiden hände in seine und meinte:
"das wäre aber schade, wenn wir dich nie mehr sehen würden. ich will mal versuchen, zusammen mit noch zwei leuten einen laden zu finden, wo wir unseren club wieder aufmachen können. was kleines, feines, gemütliches."
"echt, wo denn?"
"wir haben noch nichts. kann noch so ein jahr dauern."
"das ist aber vage."
"das ist das leben!" lachte der barkeeper und drückte mich noch einmal.

gegen vier wurde ich immer müder. die müdigkeit bewirkte, dass sich die traurigkeit immer schwerer im schach halten ließ. ich merkte, wie ich unbewusst immer wieder nach dem objekt ausschau hielt und dass auch das objekt mich sehr wohl im blick hatte. das war nicht auszuhalten. also holte ich meine sachen, um zu verschwinden.

draußen fiel mir auf, dass ich viel zu dünn angezogen war. in der kalten, feuchten nachtluft fror ich wie ein schneider. an der bushaltestelle angekommen war ich völlig fertig und so kalt, das ich den eindruck hatte, gleich ohnmächtig werden zu müssen. da hielt plötzlich ein auto neben mir, in dem zwei andere clubgänger saßen, die ich vom sehen kannte.
"hey, du musst doch auch richtung norden?"
ich nickte.
"sollen wir dich mitnehmen?"
unverhofft kommt oft.
dankbar ließ ich mich in die polster sinken.

nach solchen abenden glaube ich wieder ein bisschen an schutzengel. solche, die zur richtigen zeit eine mitfahrgelegenheit vorbeischicken. und solche, die den club pleite gehen lassen, um zu verhindern, dass mir das objekt weiter vor der nase herumtanzt.

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Samstag, 3. Januar 2015
[fickt euch doch]
für so einige meiner "freunde" bedeutet freundschaft, über fratzenbuch verbunden zu sein und ab und an einmal "gefällt mir" zu klicken. nunja. wo man früher stundenlang telefonierte oder in einer kneipe zusammensaß, herrscht heute eben virtuelle ignoranz unverbindlichkeit.

kann man vielleicht nicht ändern. immerhin ermöglicht diese höchst oberflächliche form einer zwischenmenschlichen beziehung, dass es meist sterbenslangweilig harmonisch zugeht, einfach, weil kein echter austausch mehr stattfindet. kann ich inzwischen ein bisschen mit leben, zumindest an sehr toleranten tagen.

problematischer ist es allerdings bei denjenigen, die auch auch mein blog kennen. da kein persönlicher kontakt mehr stattfindet, bedienen sich meine "freunde" dann gerne potenzieller zwischenzeiliger und nichtzwischenzeiliger hinweise aus meinen stories, um daraus abzuleiten, wie es mir gerade geht und was ich so treibe. ist ja auch viel praktischer, als persönlich nachzufragen. so vermeidet man auch unangenehme gegenfragen oder langweilige monologe über suizidale absichten meinerseits. in diesem zuge werden dann fleißig morphine-stories mit meiner realen person vermixt, in völliger unkenntnis der größe des autobiografischen anteils der jeweiligen geschichte. und schwupp, ist man das monster, die schlampe, die persona non grata. nicht mal mehr eines gefällt-mir-klicks bei facebook würdig. entfollowed, entfriended, ganz hinten, ganz unten, am arsch.

nachdem mir das nun schon zum dritten mal passiert, möchte ich folgendes loswerden: wer zu blöd ist, zwischen der autorin und der protagonistin meines blogs zu unterscheiden, insbesondere, wenn man mich schon seit 10 jahren kennt, und wer zu faul ist, im zweifelsfall mal den telefonhörer in die hand zu nehmen, der kann mich gerne gepflegt am arsch lecken. das sage ich hier, im blog, damit ihr hier mal endlich euren scheiß autobiografischen anteil habt.

kleiner rant zum jahresanfang.
nix für ungut.

weitermachen.

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Freitag, 2. Januar 2015
sky and sand
silvester war beschaulich und partyfrei. sieben menschen, sechs davon fremd, zwei katzen, fünf tischraketen, eine packung wunderkerzen. jahreswechsel auf einem balkon am rande von lübeck, in die ferne starren, die melancholie mit einer zigarette verdrängen, die jacke enger um sich schlingen. verlegene umarmungen, nach den katzen sehen, noch ein kleiner whiskey.

um halb zwei sitze ich leicht angetüddert neben dem werten herrn gibson auf dem beifahrersitz von dessen brandneuem firmenwagen, in dem nicht geraucht werden darf. das letzte, was ich bewusst wahrnehme, ist ein auto vor uns, es trägt das kennzeichen oh-rk und ich muss kichern, hihi, ein ork. dann wache ich erst in kiel wieder auf.
"die haben alle nix getrunken", beschwere ich mich beim herrn gibson.
"der eine komische typ schon", antwortet mir herr gibson. "den fand ich aber unsympathisch."
"aber sonst wars echt ganz nett. jedenfalls besser als alleine irgendwo auf einer party rumhühnern."

zuhause beim herrn gibson bin ich kurzzeitig unangenehm wach, döse dann aber noch mal gut weg bis mittags um zwölf. nach einem kaffee machen wir uns auf zum strand, ein bisschen spazierengehen. es ist stürmisch und kalt.
"verdammt, ich hätte mal noch eine jacke unter den mantel ziehen sollen", flucht herr gibson, dem normalerweise immer heiß ist, woraufhin ich beschließe, heute mal nicht zu frieren und den herrn gibson ein bisschen zu quälen.

dann gehen wir den weg zum strand hinunter.
"haha, guck mal, das straßenschild, die straße hat aber einen witzigen namen!" rufe ich.
herr gibson schüttelt leicht den kopf und schaut mich schräg an.
"guck mal, da ist eine uhr, die sieht aus wie bei mir zuhause!" fällt mir wenige meter weiter auf.
herr gibson verdreht leicht die augen und zeigt dann aufs meer hinaus:
"guck mal, robben."
"wo?" frage ich.
"da", deutet herr gibson noch mal auf die zwei typen in taucheranzügen.
"haha", sage ich, und herr gibson grinst sich einen.

nach einer weile machen wir kehrt, weil es einfach zu kalt wird.
"guck mal, wie komisch der mann da drüben grinst", stupse ich herrn gibson an.
"der freut sich halt des lebens", sagt herr gibson lakonisch. "du brauchst dafür uhren, die aussehen wie bei dir zuhause."

ich lächle, atme tief die würzige meeresluft ein und merke, wie entspannt ich bin. ich stapfe weiter über getrockneten seetang, kleine muscheln und steine und beuge mich dem wind entgegen. meine sorgen und ängste bleiben dabei relativ, in ihrer echten dimension, tragbar. ein bisschen gespannt bin ich ja schon, was 2015 passieren wird. heute jedoch bleibt alles unaufgeregt, begleitet von kleinen highlights wie unserem spaziergang mit taucher-robben, vertrauten uhren und komischen grinsern, einem köstlichem abendessen und einem warmen schaumbad später.

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Dienstag, 30. Dezember 2014
süddeutsche exkursionen
eigentlich wollte ich in der fränkischen heimat ja einen druff machen. ging dann nicht, weil das mädchen in mir heulen gehen musste und minderwertigkeitskomplexe kriegte. schnüffschnüff, eine runde mitleid. oder eine backpfeife, wahlweise, man soll ja nicht rumflennen, wenn man wie die made im speck sitzt.

wurde aber dann doch noch ganz schön. zum beispiel beim kaffeetrinken mit der ersten großen liebe. wie gut ich mich immer noch mit diesem mann verstehe. den man mir zwar auf den bauch binden könnte, so ganz ohne konsequenzen für das feuchtmilieu meiner vagina.(und dabei hat der den größten und schönsten schwanz, den ich bis dato gesehen habe.) wir saßen einträchtig nebeneinander im café in der fürther gustavstraße, die immer so aussieht wie früher, ein bisschen renoviert hie und da, aber so urig und heimatlich, wie ich es in erinnerung hatte. wir unterhielten uns über meine reisepläne und seine tochter, über die männer- und frauenwelt und ab und an über unsere exbeziehung. die war ja sehr schön und trotz turbulenzen letztlich recht harmonisch gewesen. irgendwas musste ich mit 16 kapiert haben, was mir mit der zeit offenbar verloren ging.

zweiter schöner abend war mit einer freundin und deren freund und deren beider miezekatzen. da hat sich twitter mal gelohnt, denn mit frauen verstehe ich mich nur selten. und schon gar nicht so gut. als ich stunden später sehr blau nach hause schwebte, war mir wunderbar warm vom lachen und der herzlichkeit und ein paar zügen vom gemeinschaftsjoint. nachdem ich mich so sehr mit meiner ehemals besten nürnberger freundin verkracht hatte, fehlte mir seit dem sommer immer ein grund, mal wieder runterzufahren. jetzt hab ich wieder einen. (ich sag danke, weil ich weiß, dass du hier mitliest! <3)

ein bisschen exzess musste trotzdem sein, obwohl der ganz unbeabsichtigt war. am samstag war nämlich große-runde-treffen. alle alten gesichter aus meinem ehemaligen sehr schönen und großen freundeskreis versammelten sich zu einer art stammtisch in einer kneipe. das war aufregend. menschen, mit denen ich früher mal jedes wochenende rocken gegangen war, brachten partner und kinder mit. viele waren richtig richtig alt und spießig geworden, schleppten krankheiten und extrapfunde mit sich rum, hatten weniger haare und mehr falten.

einer der menschen in dieser runde war ein früherer stiller verehrer, heute verheiratet, vater, auf einem posten ziemlich weit oben in der regierung. wir gingen nach dem treffen noch weitertrinken und nachdem wir die oberflächen-fakten von familie und job durchhatten, erzählte ich ihm von meiner erkrankung und meinem psychiatrieaufenthalt. mein früherer verehrer war erst schockiert, packte dann aber aus, dass er ebenfalls wegen burnout in behandlung sei. etliche getränke später saßen wir an einer straßenbahnhaltestelle, und er bat mich um eine zigarette, obwohl er, seit die kinder da sein, nicht mehr raucht. dann hatte ich erst seine hand auf meinem schenkel, danach seine lippen auf meinen.

"du bist eine tolle frau", sagte er sehr besoffen, "warum haben wir das nicht schon früher gemacht?"
"du warst ständig in beziehungen und damals war es halt noch nicht so, dass ich nur famlienpapis gefickt habe."
"wie du redest... bin doch auch ein familienpapi."
"jaja, vaddi. aber du willst doch auch nur ficken. oder möchtest du mir etwa weißmachen, dass du jetzt wegen mir dein leben aufgibst? deine sicherheit, dein nest, die gewissheit, dass dir jemand deine hemden aufbügelt?"
da schwieg er dann verlegen. als wir aus der bahn stiegen, bat er um einen letzten kuss.
dann verabschiedete er sich kopfschüttelnd.
"acht jahre zu spät. acht jahre zu spät!"
"achwas. ich bin eine schlampe, du wärst weder damals noch heute mit mir glücklich geworden."
"du warst damals immer mit diesem paul zusammen."
"quatsch. mit so einem chauvinisten-schwein fang ich doch nichts an. das war nur was festes fürs bett."
"das sah aber anders aus."
"ach komm! der wollte eine akademikerin, die scharf aussieht, willig ist und sich dann in die küche stellt und die kinder großzieht. das ist sowas von 1950."
"der wird übrigens jetzt auch vater."
ich riss die augen auf:
"ach du liebes lieschen. das arme kind. und die arme frau!"
"ja, bei dem frag ich mich auch so, wie das werden soll..."

"da kommt dein bus", sagte mein verehrer irgendwann.
"ja. dann sag ich mal tschüß."
"ich würde dich ja gern wiedersehen."
"kannst du doch. mir ist das total egal, was du machst. deine family ist nicht mein shit."
"nein, nein, ich bin ja brav."
"besser so."
"hm... vielleicht auch nicht?"
"kannst ja in ruhe drüber nachdenken. dauert so ein halbes jahr, bis ich wieder in greifbarer nähe bin."
dann ging er durch den tiefschnee davon, mit einem seligen lächeln, und ich ging, nicht weniger lächelnd. ein liebenswerter spinner.

nun hat mich - nach vielen vielen stunden bahnchaos - der norden wieder. morgen gehts aber schon weiter, ans meer, zum werten herrn gibson. das jahr ertränken, nicht mich, wenn es irgendwie geht. vielleicht noch ein möve draufkacken lassen. so als glücksbringer.
ich wünsch ihnen was. lassen sies krachen. wir lesen uns.

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