Montag, 22. Dezember 2014
more wilderness & beauty
zu meinen guten vorsätzen für das neue jahr gehört der plan, nach estland zu reisen. mit einem kumpel im kleinbus, gemütlich mit zwischenstopp in kaliningrad, die küste abfahren, wälder und seen bestaunen, tallin besichtigen und vor allem eins: polarlichter gucken.

ich weiß noch nicht, wie ich es anstellen werde, aber ich bin zum ersten mal seit langem überzeugt, dass das genau mein ding wäre.

(falls jemand estland-tipps hat... immer her damit.)

auch sonst habe ich tatsächlich mal konkrete ziele:

- an oberster stelle steht der neue job, am liebsten in verbindung mit einem ortswechsel
- vollkommene gleichgültigkeit dem objekt gegenüber entwickeln oder noch besser: das objekt nie mehr sehen müssen (ortswechsel)
- in eine partei eintreten (welche weiß ich schon)und gucken, ob das wirklich alles nur leeres gequatasche da ist oder ob die dankbar sind, wenn jemand mal frischen wind reinbringt
- die nächste katze ins haus holen
- meinem chef so richtig die meinung geigen (spätestens, wenn ich die kündigung auf den tisch lege)
- mir einen bestimmten mantel kaufen (fährt jemand von ihnen zufällig in nächster zeit nach london und hat noch platz im koffer?)

ich blicke nicht zuversichtlich ins neue jahr. ich werde einfach mal weitermachen. und vielleicht schaffe ich es ja, mir mit meinen ganz kleinen mitteln doch den ein oder anderen traum zu erfüllen. das wäre ein wenig selbstliebe, die ich endlich mal zulassen lernen muss.

und bitte bitte liebes 2015, notiere dir bevor du kommst, dass ich mal KEINE neuen krankheiten bekommen möchte. echt nicht. weder seelische noch körperliche. was ich heute habe, reicht für die nächsten 30 jahre. vor allem das knie darf nicht schlimmer werden, sonst kann ich nicht durch die wälder in estland springen.

danke.

und sie so?

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Sonntag, 21. Dezember 2014
kollision ohne kollateralschäden
clubbing mit objekt.
als mir mein bekannter am eingang erzählt, dass das objekt heute nach ganz langer zeit auch mal wieder da sei, wird mir zunächst richtig schlecht. meine knie zittern und ich habe das bedürfnis, mich zu verstecken, um eventuellen ausrastern zu entkommen. also kralle ich mir den bekannten, schleppe ihn zur bar und verziehe mich mit ihm in den hintersten winkel.

irgendwann kommt das objekt in den raum, mit einer blonden frau an der seite, sieht mich - und schaut weg. es unterhält sich weiter mit der blonden, als wäre nichts.
'vielleicht hat es ja vor, dich wieder zu ignorieren', denke ich hoffnungsvoll, 'mutig ist es ja nicht gerade.'

trotzdem achte ich in den nächsten stunden darauf, nie alleine rumzustehen. mein bekannter wundert sich über die enorme zuwendung, die ihm zuteil wird, und fragt mich irgendwann, ob was ist. ich fasse die objektgeschichte in drei sätzen zusammen, und mein bekannter zuckt lediglich die achseln, sagt "weiberkram" und dass das objekt halt schon ein spezieller fall sei. dann schickt er mich tanzen, damit ich mein prinzip "niemals das revier räumen" mit leben fülle.

auf der tanzfläche mit einem abstand von weniger als fünf metern fühlt es sich zunächst sehr merkwürdig an. doch dann entspanne ich mich. ich merke, wie meine muskeln warm werden und die anspannung sich legt.

der rest des abends wird ganz gut. die musik ist vielseitig und tanzbar, ich bekomme ein paar kurze vom barkeeper spendiert und mein bekannter hält mir loyal die stange, obwohl die story ja nur weiberkram in seinen augen ist.

als ich am ende des abends an der garderobe stehe, fällt mir auf, wie cool ich bin. welche reaktion hätte ich mir denn nun eigentlich gewünscht, frage ich mich. auf jeden fall hatte ich angst vor handgreiflichkeiten und anfeindungen, das steht schon mal fest. aber was wäre gewesen, wenn mich das objekt einfach zur rede gestellt hätte oder sonst irgendwie das gespräch gesucht hätte? ich fühle in mir nach und komme dann langsam aber sicher zu dem schluss, dass ich kein gespräch gewollt hätte.

es ist gut so, wie es ist.
und wieder ist ein schritt in sachen "abschied vom objekt" genommen.

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Samstag, 20. Dezember 2014
wie mich vor eurer liebe gruselt
ich komme aus einer sogenannten intakten familie. das heißt, mami und papi leben einträchtig nebeneinander her und streiten sich so begrenzt, dass keiner von beiden jemals ernsthaft das verlangen nach einer scheidung verspürte. für mich war es daher selbstverständlich, später ebenfalls einmal teil eines paares zu werden. denn nur so hat das leben einen sinn, nur so erreicht man vollkommenheit. dachte ich.

bullshit.
den kopf kann man, vor allem in zeiten von proklamiertem liebesscheiß und hollywoodrosarotem konsum- und medienkitsch, eine gewisse zeitlang recht erfolgreich benebeln. ein bestimmtes gefühl in mir war jedoch immer dagegen. wenn ich dieses gefühl beschreiben sollte, träfe es wohl "grusel" am besten. ich erinnere mich an meine letzte lange beziehung und wie ich dem mann gerne morgens noch ein brot schmierte, bevor er zur arbeit aufbrach. ich tat, was mir meine mutter in der beziehung zu meinem vater vorgelebt hatte und ja, da war ein gefühl von nützlichkeit und dem-anderen-gefallen dabei, zumal die aktion durch meinen damaligen lebensabschnittsgefährten positiv bewertet wurde. aber ich erinnere mich sehr wohl, wie jedesmal eine stimme in mir sagte: "WAS ZUM TEUFEL MACHST DU DA EIGENTLICH? FUCKING HELL, IST DAS DEIN ERNST?"

handelte es sich um "liebe" oder wie man den gefühlswühltisch im hirn bezeichnen mag? es handelte sich auf alle fälle um gesellschaftliche konditionierung und die sehnsucht nach einem bestätigenden reiz, der für eine erfolgreiche rückkoppelung des gelernten sorgte. das traf, im nachhinein ganz kühl und nüchtern betrachtet, auf recht viele momente dieser und anderer beziehungen zu.

(ich habe nie wieder einem mann ein wurstbrot geschmiert, schon aus prinzip.)

die große "romantische liebe" in bislang ungekannter form überfraute mich beim objekt. die chemie setzte jahrelang erfolgreich mein denken außer kraft, oder zumindest entmachtete sie es bis zu dem punkt, an dem wollust und emotionen jedesmal siegen konnten. handelte es sich vielleicht hier um "liebe"? es handelte sich auf jeden fall um die rauschhaften folgen großer ausschüttungen von oxytocin und prolaktin. vermutlich hätte ich mir auch heroin spritzen können - mit denselben effekten von totaler hingabe und bitterer (sehn)sucht. dazu kam, dass ich mit dem objekt einen höchst cleveren verführer gewählt hatte, der wie auf knopfdruck empathie ein- und ausschalten und mich auf diese weise zwischen dem gefühl vollkommenen angenommenseins und kalter ablehnung hin- und herwerfen konnte. ich halte es sogar für wahrscheinlich, dass mein im rahmen der wechselhaften objektbeziehung stark schwankender hirnchemie-spiegel meine depression phasenweise enorm verstärkt und selbstzerstörendes verhalten getriggert hat.

abgekoppelt vom effekt des rausches überlege ich derzeit, was ich von "liebe" zu halten und zu erwarten habe. warum sollte ich mir einen partner suchen? weil ich alleine keine dübel in die wand bekomme? weil mit zwei einkommen das leben leichter zu bestreiten ist? weil ich angst davor habe, allein zu sterben?

ich bin alleine. es geht mir den umständen entsprechend gut. ich habe kein bedürfnis, neben jemandem einzuschlafen und aufzuwachen. mit jemanden hand in hand auf der straße zu gehen. den alltag zu teilen. es ist schön, so ab und an, immer mal wieder, so für ein paar wochen. aber dann ist es langweilig und beengened. es raubt mir die zeit, die ich lieber mit mir selbst verbringe. der sex, der schwanz ist immer dasselbe, und ich werde kribbelig und umtriebig.

der mann mit hund hat inzwischen auch verstanden, dass wir nicht heiraten werden. die begegnungen sind kühl, die anrufe bleiben aus. ich bin erleichtert, obwohl ich noch nicht das finale good-bye ausgesprochen habe. vielleicht ist es auch gar nicht mehr nötig.

ein weniger persönliches, aber doch sehr kluges licht auf das thema "liebe als (überbewertete) ersatzreligion" wirft übrigens markus günther hier: http://bit.ly/Zdz7Ms

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Donnerstag, 18. Dezember 2014
männliches kreissaaltrauma, part II
treue leser erinnern sich vielleicht noch - über dieses thema hatte ich vor sechs jahren bereits mutmaßungen angestellt: http://c17h19no3.blogger.de/stories/1264744/

jetzt, mit einem vater von fünf kindern in meinem bett, muss ich die problematik natürlich auch erörtern.
"duhu, sag mal... deine frau hat ja fünf kinder geboren..."
"ja", sagt er.
"merkt man das nicht beim ficken? ich meine, es gibt ja das klischee... das ist dann so wie wenn man ein würstchen in ne turnhalle wirft..."
"na, so dramatisch ist das nicht", sagt der typ mit seiner tiefen papa-stimme. "aber so ne geile kleine saftfotze wie du hat sie natürlich nicht."
ich muss geschmeichelt kichern.

"habt ihr denn noch sex?" will ich weiter wissen.
"sie würde schon wollen", bekomme ich zu hören. "aber ich bin da zurückhaltend geworden."
"warum?"
"ich war bei den geburten meiner vier jungs nicht dabei, aber bei meiner tochter schon. seitdem ist das nicht mehr so, wie es mal war. immer, wenn ich ihn meiner frau reinstecken will, sehe ich wieder, wie sich das so weitet und wie da die nachgeburt rausflutscht. dann kann ich nicht mehr. nix zu machen."
"hm."
"sie ahnt natürlich, dass ich sie betrüge."
"findest du das schlimm?"
"nö. alle meine freunde machen das genauso."
"das habe ich befürchtet."

mein besucher dreht sich zu mir:
"kannst du jetzt mal die klappe halten und mir noch mal einen blasen?"
"wenn du hübsch bitte sagst."
"bitte, du kleine schlampe."
also gehe ich auf tauchstation und lasse mein französisch sprechen, bis der mann lustvoll zu ächzen beginnt.
"alles sauber", sage ich grinsend, als ich wieder hochkomme.
"brav", sagt der mann und tätschelt meinen hintern.

eine halbe stunde später bricht er auf. ich liege noch eine weile im bett, stehe dann aber auf und google bilder von nachgeburten. kann man ja mal machen. man muss sich schließlich bilden.

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Sonntag, 14. Dezember 2014
begegnung
er ist weit über die 50, kräftig und gedrungen, trägt eine runde dicke brille und den schädel kahlrasiert. er hat die aura eines intellektuellen kriminellen, wirkt auf den ersten blick furchteinflößend, fast brutal. dabei ist er handwerker, verheiratet und vater von fünf kindern im alter zwischen sechs und 26.

kennengelernt haben wir uns über eine datingplattform. beide rollig wie die katzen trafen wir uns nach wenigen nachrichten zum weintrinken und fummeln. kein sex, das war die einzige auflage. was mir schwerfällt, da er einen riesigen prachtschwanz hat, der dazu einlädt, sich draufzusetzen und zu reiten. aber er ist verheiratet, deshalb darf er seine frau nicht betrügen, nur so indirekt.

also gehen wir bis zum vorletzten. das zahlt sich aus, denn trotz seines fortgeschrittenen alters kriegt er drei- bis viermal hintereinander einen hoch. es macht spaß, die grenzen zu testen, bis er jammert, dass ihm die eier vom abspritzen wehtun und er mich nur noch im arm halten will. da fühle ich mich geborgen und für einige momente warm, satt und zufrieden wie ein gefüttertes baby, ohne den selbstmörderischen druck im nacken.

manchmal erzählt er mir von seinen kindern und ich ihm aus meinen verpfuschten leben. detaillierte einzelheiten, niemals das große ganze. wir fragen einander nichts, obschon wir viel sehen. er streichelt die hundert narben an meinen armen, lässt sie aber unkommentiert. es ist keine scham zwischen uns, nur die diskretion zweier fremder.

wenn er geht, bin ich manchmal glücklich. glücklich, dass er da war und glücklich, dass er wieder gegangen ist.

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