Donnerstag, 11. Dezember 2014
winterwunderwelt
scheiß auf schnee. wer braucht den schon?
scheiß auf christbaum-kladderadatsch und lichter.
scheiß auf glühwein und kuschelpuschelei.

im moment ist es nur wichtig, von a nach b zu kommen. die stadt hamburg hat mich für ein mega-projekt engagiert. ich bin geschmeichelt. ich bin berühmt, fast, theoretisch, haha. und frage mich, wo bleibt die angst? aber beruflich scheint mein selbstvertrauen okay. der kopf spielt mit. der kopf ist mein freund. er hat ideen, er hat einen plan und kennt die notwendigen freundlichkeitsfloskeln.

schuften bis zum exzess, 70 oder 80 wochenstunden. natürlich kommt alles auf einmal. zwei wochen urlaub werden nur zwei wochen, um besonders intensiv arbeiten zu können, ohne vom hauptjob gestört zu werden. aber im moment ist das okay. es wird geld geben. und der kopf will arbeiten. nicht an objekte und gespielinnen denken. nur der körper verknotet sich, schmerzt und will nicht mehr schlafen.

ich sag nur: jesus. hättest du nicht wannanders geboren werden können?

... link


Sonntag, 7. Dezember 2014
den stein ins rollen bringen
den stein ins rollen bringt meine freundin b.

als wir gestern in den club kommen, sind t. und gespielin da. ich bekomme zunächst eine latente panikattacke, da ich innerlich nicht auf das objekt vorbereitet bin. dann stellt sich heraus, dass das objekt offensichtlich gar nicht mitgekommen ist.

nach einem drink mit b. gehe ich tanzen. dann komme ich an die bar zurück und erleide den herzinfarkt des abends, dann b. unterhält sich mit der gespielin, die wir immer einhellig als feindbild und no-go behandelt hatten. beinahe bin ich angefressen, dann aber werde ich neugierig, denn b. und die gespielin stecken für ganze zwei stunden die köpfe zusammen. ich bleibe auf tuchfühlung und betrinke mich derweil ganz fürchterlich mit der barfrau und ihrem mann. die barfrau wird mir immer sympathischer, obwohl ich ja mal mit ihrem mann geknutscht habe, aber wer sagt denn, das aus fehlern nicht auch mal was fruchtbares resultiert.

gegen ende des abends, als der rausschmeißer gespielt wird, begegnet mir die gespielin noch einmal. sie stürmt, bereits in ihre jacke gehüllt, richtung ausgang, während ich noch mal das klo aufsuche. ich sage tschüß, sie sagt tschüß und rauscht dann vorbei. nunja. von einer freundschaft sind wir schließlich meilenweit entfernt.

an der bar steht b. und winkt mir. es gibt einen letzten absacker, dann gehen auch wir nach draußen.
"was hast du denn heute so ewig mit der konkurrenz bekakelt", will ich wissen.
"mein ex hat die wohl mal angegraben und ich wollte jetzt mal gerne wissen, ob das stimmt."
"und?"
"ja, sie hat gesagt, der hat sie mal angesprochen."
"hätte ich gar nicht gedacht, dass die seine gewichtsklasse ist", stichle ich böse.

b. schaut mich komisch an und ich hebe die hände:
"entschuldige! entschuldige! haste ne neue freundin gefunden, hm?!"
"nee, aber die ist schon okay. ich muss dir was sagen..."
ich gucke besoffen und doof, dann sagt b.:
"wir haben heute auch über das objekt gesprochen."
jetzt fängt mein herz an, sich ins kammerflimmern zu klopfen.
"und?"
"die weiß das mit dir."
"WIEBITTE?!"
"ich hab ihr aber gesagt, da läuft schon lange nichts mehr."
"du hast WAS?!"
"jetzt reg dich nicht auf! sie meinte, sie wünsche sich eigentlich eine offene beziehung, aber er mauert da."

ich muss mich erstmal auf eine bank setzen, information overload. mir wird schwindlig, alle synapsen glühen und weigern sich, die informationen ordnungsgemäß zu verarbeiten.
"ich hab ihr nur deutlich gemacht, dass das objekt lügt und ein arsch ist, genau wie mein ex",kommt wie aus wolken bei mir an. "und da hab ich ihr eben erzählt, dass du ihm auch so lange auf den leim gegangen bist."
b. setzt sich neben mich und nimmt meine hand:
"bist du mir sehr böse? ich hab ihr auch gesagt, dass sie nicht sauer auf dich sein soll, weil er dich auch so übel manipuliert hat. sie wird ihn ganz neutral drauf ansprechen."
ich schaue b. an und spüre plötzlich erleichterung:
"nein, ich bin dir überhaupt nicht böse. das war das beste, was du hattest machen können."
dann lade ich die ganze scheiße bei b. ab: wie ich wochenlang überlegt hatte, die gespielin anzusprechen und das objekt zu verpetzen. und immer wieder gehadert hatte, ob ich ihr gegenüber genügend glaubwürdigkeit besitze und ob es so geschickt sei, die wahrheit auf den tisch zu bringen, während ich noch mit dem objekt in derselben stadt wohne.

dann fällt mir etwas fürchterliches ein:
"wenn die ihn zur rede stellt, dann sagt die bestimmt auch, von wem sies weiß. und von dir auf mich zu kommen, ist für das objekt keine große gedankenleistung."
"ich hab ihr gesagt, sie darf es nicht sagen, von wem sie es weiß."
"dann denkt das objekt wahrscheinlich, dass sie direkt mit mir gesprochen hat."
"ich hab ihr auch gesagt, dass sie dich da nicht mit reinziehen soll."
"aber der kreis der möglichen informanten ist ja gering. außer dir und mir weiß höchstens noch die drittefreundin mehr. der wird denken, dass ich es war und dann erzählt er ihr, dass ich eine manipulative, rachsüchtige borderlinerin bin, die sich in ihn verknallt hat und sie beide auseinander bringen will."
b. schweigt betreten.

"dann muss ich jetzt in die offensive gehen", beschließe ich. "wenn schon, dann trete ich ihm jetzt richtig in die eier."
"was willst du tun?"
"naja, vollabern kann ich sie nicht. das wäre unglaubwürdig, wenn ich sie jetzt mit irgendwelchen geschichten volltexten würde. aber ich muss ihr ein gespräch anbieten. ihr antworten geben."
b. findet das mutig und eine gute idee:
"vor allem, weil du ja schon so lange darüber nachdenkst, reinen tisch zu machen. das würde dir auch gut tun."
"ich machs", sage ich. "oh gott, ich machs."
"hast du denn ne nummer von ihr? oder willst du sie irgendwo abpassen?"
"nee. aber ich weiß, wer sie auf facebook ist. ich schreib ihr einfach. schreiben kann ich eh besser als reden."

zuhause kann ich lange nicht einschlafen. dann stehe ich noch einmal auf, gehe an den rechner und suche das profil der gespielin. ich tippe eine kurze, freundliche nachricht und schicke sie ab.

nun dürfen sie mir die daumen drücken.

... link


Samstag, 6. Dezember 2014
[katzenfreunde help!]
die cat-kack-attack hat sich zum dauerdesaster ausgeweitet und ich bin verzweifelt. heute morgen war jedes möbel, jeder vorhang und weite teile der böden voller kackespuren. dabei hat der kleine kater noch nicht mal richtig durchfall. der kackt ganz normal einmal am tag, noch nicht mal superweich, aber der letzte frische blupp ist jedesmal breiig und bleibt demnach fast vollständig in den langen arschhaaren hängen. (ich bin gerade sehr glücklich, dass ich das nicht über einen menschen schreiben muss.)

das problem besteht seit dem futterwechsel. katzenexperten aufgepasst: würdet ihr auf gut glück noch mal das futter wechseln oder würde eine erneute veränderung die verdauung des kleinen katers noch mehr durcheinander bringen? mir fehlen hier erfahrungswerte.

... link


Dienstag, 2. Dezember 2014
morphines law
der wecker klingelt um halb sieben, schließlich soll ich heute in die röhre. anziehen, zähne putzen, katzen versorgen. dann trete ich in etwas weiches, warmes. katzenkacke.

in windeseile die stümpfe ausgezogen, füße gewaschen, frische strümpfe angezogen, die braune bescherung weggeschrubbt. mist, jetzt bin ich zu spät. muss ich das rad zur bahn nehmen, und das, wo an der station doch ständig die räder geklaut werden.

egal. ich hole das rad aus dem keller, schwinge mich in den sattel und lasse mich den berg runterrauschen. am ende des berges kommt eine kurve, da muss man bremsen. das tue ich natürlich auch, allerdings blockiert die rückbremse. ehe ich mich versehe, fliegt mir der bautenzug um die ohren.

ich fluche laut, aber nutzt ja nüscht. also kette ich das rad an den nächsten baum und renne los, so schnell es das kaputte knie und der tumor im fuß zulassen.

wahnsinn, ich kriege die bahn noch. zum glück ist die radiologie nicht weit, drei stationen, dann bin ich dort.

an der anmeldung in der radiologie sage ich mein sprüchlein auf und schiebe die krankenkassekarte und den überweisungsschein über den tresen.
"ich hab hier keinen termin im kalender", sagt die dicke blonde empfangsische.
"das kann schon sein, ich wurde eingeschoben. gestern abend rief mich ihre kollegin an, weil jemand abgesagt hatte und ich sollte seinen termin bekommen, also heute, genau genommen jetzt."
die blonde wackelt mit ihrem doppelkinn und weigert sich, mich aufzunehmen.
"wo ist denn ihre kollegin von gestern abend?" insistiere ich.
"die hat heute keinen dienst."
na toll.
"und was mache ich jetzt?"
"sie können ja im januar wiederkommen."
ich bekomme einen termin in sechs wochen. yeah. falls der tumor doch bösartig ist, bin ich bis dahin vielleicht schon tot.

ich renne wieder zur bahn und fahre auf maloche. weil ich noch zeit habe, kaufe ich beim bäcker on the way einen kaffee. als ich mir zucker in den kaffee machen will, löst sich der deckel des zuckerstreuers und der gesamte zucker leert sich in meinen becher.
hinter mit kichert eine frau. ich strafe sie mit einem bösen blick, wende mich an den verkäufer und bitte um einen neuen kaffee. den muss ich aber bezahlen. nix mit kulanz.

dann stehe ich draußen auf der brücke beim ibm gebäude, trinke kaffee und rauche eine. es kommt mir ein typ entgegen, bestimmt zwei meter groß, markante züge, tiefblaue augen, klassischer dreiecksoberkörper. da klappern dir die eierstöcke. ich jedenfalls gucke wie eine kuh wenns donnert. und ohgottohgott, er guckt zurück und erwischt mich kalt beim dumm glubschen. dann aber lächelt er ein schönes lächeln und strahlt mich aus seinen unglaublich blauen augen an. er geht zunächst an mir vorbei, dreht sich dann aber noch mal um und bleibt stehen. ich fasse mir ein herz und lächle ihn an.
da stehen wir nun dumm grinsend herum. er zuckt charmant mit den schultern, wortlos, aber ohne sich abzuwenden.
"sie sind bestimmt verheiratet, was", platze ich da heraus.
"sie sind aber direkt", entgegnet der typ.
"und, sind sies?"
der typ nickt.
"macht nichts", sage ich. "ich finde, das war jetzt trotzdem eine schöne begegnung."
"auf jeden fall", findet der typ.
dann trollt er sich.
verheiratet. wie solls auch anders sein. heute sowieso.

ich komme im büro an. die tür ist verschlossen. ich krame nach meinem schlüssel und natürlich habe ich ihn vergessen. verdammt. ich überlege, wo meine kollegen sein könnten. haben wir heute irgendwelche veranstaltungen? mir fällt nichts ein. ich mache mich auf die suche nach dem hausmeister, lasse ihn aufschließen. eine minute später trudeln meine kollegen ein. sie waren direkt nebenan im seminarraum. ich hätte dort nur einfach mal nachsehen müssen. gut, das war dummheit.

wieder zuhause checke ich mails. der neukunde verhandelt zum vierten mal den vertrag, obwohl ich ihm schon um fast 50 prozent entgegengekommen bin. ich brauche echt mal jemanden, der mir das mit dem hart verhandeln beibringt. ich überlege zwei stunden, entscheide mich dann für eine kurze und freundliche mail, dass ich unter den umständen leider nicht für ihn arbeiten könne. hinterher ärgere ich mich, brauche ich doch jeden cent. naja, wenigstens ein stückchen würde behalten.

zwecks stressabbau lüfte ich mal durch. überhaupt stinkt es in meiner wohnung ganz komisch, fällt mir auf. als ich mich genauer umsehe, wird mir klar: der kleine kater hat durchfall bekommen und alles eingesaut, wo er seinen langhaarigen kack-popo drangehalten hat. maximaler ekel. obwohl ich schon alles geputzt habe, meine ich, immer noch irgendwo scheiße zu riechen.

am ende des murphy-tages bin ich völlig erschöpft. ich knalle mir eine doppelte dosis antidepressiva rein und einen wodka drauf. dann heia.

... link


Montag, 1. Dezember 2014
tumor, klappe II.
alle-jahre-wieder: radiologie.
dass mit meinem fuß was nicht stimmt, habe ich ja schon seit dem sommer gespürt. beim abknicken fühlte der sich immer an, als ob man mir einen schocker dranhält. sehr elektrisch irgendwie. kein wunder, wenn man immer unter strom steht, haha.

meine chirurgin sagt, es sei ein nerventumor, wahrscheinlich gutartig. nach der knochenkrebs-hysterie im letzten jahr bin ich relativ chilled.

trotzdem morgen bitte mal daumendrücken.

... link