Mittwoch, 11. Dezember 2013
letzter orgasmus mit dem strick um den hals
und dann sagen sie dir, es ist knochenkrebs.

irgendwie hab ich ja immer gespürt, dass ich nicht alt werde.

eine seltsame ruhe in mir. obwohl über leben oder sterben noch nichts eindeutiges gesagt ist.

um mich herum wird hysterisch geheult. es ist mir zuwider.

ich bin allem enthoben.

der kleine roboter, der überweisungsscheine einholt und sich unter große maschinen legt.

wenn, dann will ich in frieden und würde sterben, mit allen gliedmaßen am leib. das ist schon mal sicher.

wünschen sie mir was.

und wer mich schon immer mal besuchen wollte, hurry up. es ist vielleicht nicht mehr viel zeit.

... link


Sonntag, 8. Dezember 2013
totale sonnenfinsternis
ich gehe und gehe durch den regen, der meniskus schreit, stopp, mach ich nicht mehr, kann ich nicht mehr, will ich nicht mehr, fast wie die seele in letzter zeit wieder. aber ich hab tramal, voltaren und whiskey im blut, bin der meinung, dass das reichen muss, um so einen meniskus und auch eine seele zum schweigen zu bringen, drohe beiden schließlich auch noch mit tanzen, na bitte, schon geht es wieder für ein paar meter.

im club bin ich brezelbreit entspannt und nicht in habacht-stellung wie sonst. ich grinse offenbar nett in die runde, bekomme gleich einen porno vom barkeeper und just drauf einen jägermeister von einem glatzköpfigen überundüber-tätowierten spendiert. der architekt ist das einzig bekannte gesicht weit und breit, auch so ein der zeit verloren gegangener, auch so ein überqualifizierter sondermüll auf der resterampe.

ich beschließe, mich weiter volllaufen zu lassen, so anstatt leichenschmaus, und hoffe, das ist im sinne des verstorbenen. ich muss an seine freundin denken, seine ganz große liebe, die er erst im herbst kennen gelernt hatte, was für ein schönes paar die beiden waren, und ich bin froh, dass ich niemanden habe, denn dann kann mir auch keiner einfach so wegsterben.

neben mir sitzt eine andere frau, die einen hübschen pullover trägt, einen häkelpulli mit ganz vielen großen löchern, mehr löcher als pulli. ich mag sie auf anhieb, als sie kurz den blick hebt und mich anlächelt, bevor sie den nächsten wodka ordert.

kurz darauf habe ich pech und ein langjähriger verehrer, so unangenehm wie hartnäckig, betritt den raum. mangels objektiver schutz-option und reaktionsschnelligkeit schaffe ich es nicht mehr, vom barhocker zu rutschen und mich in der menge zu verstecken. also muss ich hallo sagen und kann sogar ein bisschen alkoholisiert vor mich hingrinsen, was ich sonst dringend unterlasse, weil ich ihm gegenüber so unfreundlich und arrogant wie nur möglich sein will. der scheinbare erfolg spornt meinen verehrer natürlich an. wie fast immer versucht er, über unseren vermeintlich gemeinsamen musikgeschmack weitere vermeintliche gemeinsamkeiten aufzubauen. ich höre weg und lächle und nicke nur, das scheint eine weile zu reichen, bis der typ schließlich meint:
"konversation ist so deine stärke, was?"
"bin blau", nuschle ich.
"du bist ganz schön gestört", knallt mir der typ da an den kopf.
jetzt muss ich doch lachen und sage:
"richtig, du sprichst hier ja auch mit einer psychiatriepatientin."
dem typ fällt erstmal das gesicht runter, dann meint er allerdings ganz nüchtern:
"sowas hab ich mir schon gedacht."
als ich mit dem kopf auf den tresen sinke, weil ich unfassbar erschöpft bin, von den ereignissen, der anstrengenden arbeitswoche und den ständigen schmerzen, streckt er die hand aus und streichelt meinen nacken. ich formiere mit aller kraft den letzten widerstand und rutsche weg.
"nich anfassen" sage ich brüsk.
endlich trollt sich der typ.

mein widerstand gegen berührungen ist kein grundsätzlicher, aber ich werde viel berührt, von menschen, die mir nichts bedeuten, die ihr wort nicht halten, die mir nicht angenehm sind. früher habe ich berührungen gesammelt, mich daran hochgezogen, hurrah, wie begehrenswert ich bin, doch heute, wo ich in den spiegel sehe und warte, ob er zerspringt angesichts dieser ausgeburt von hässlichkeit, schäme ich mich meiner selbst zu sehr und zugleich verachte ich andere, auch schöne menschen, für ihre subjektive hässlichkeit, ihre bedürftigkeit, ihren hunger nach nähe, gerade so, als stünde ich darüber, ich, die ich butterweich werden und zerfließen kann in einer umarmung, einer richtigen, zur richtigen zeit, am richtigen ort, vom richtigen menschen.

zum ende des abends bekomme ich nicht mehr viel mit, ich sitze da zwischen der frau im schönen pulli und einem bekannten, der auch immer traurig ist, weil sich seine freundin vor ein paar jahren ebenfalls umgebracht und seine mutter ihn verstoßen hat, als er beschloss, sich als transe zu outen. ihm erzähle ich die geschichte, die ich an diesem abend im herzen herumtrage, und weil hinter meinen augen mal wieder die sahara herrscht, weint er stellvertretend ein paar tränchen, kajalstrich und wimperntusche verlaufen und ich muss nun doch lächeln, das erste mal an diesem abend so ein lächeln, bei dem es warm wird rings um diesen eisklumpen in der brust.

gegen halb fünf streiche ich die segel, sehr betrunken, umarme alle und auch die frau im schönen pulli, die mir angesichts meines zustands anbietet, dass sie mich mit zu sich nach hause nimmt, aber ich versichere ihr, es bis zum bus zu schaffen. trotzdem drückt sie mir ihre telefonnummer aufs auge, und noch einmal wird mir wärmer, wie schön, wie schön es doch manchmal ist, am leben zu sein. und vielleicht verbuche ich diesen abend als ein abschiedsgeschenk, weil er so war wie der verstorbene, sehr traurig, aber eben auch ein wenig heiter und herzenswarm, wie ein leises lachen aus einer anderen welt.

... link


Samstag, 7. Dezember 2013
advent, advent
kein lichtlein brennt.

für manche kommt so ein freitod überraschend.

ich kannte die betreffende person weder lange noch gut. wir haben uns manchmal geschrieben. aber ich kenne die coolness und souveränität, hinter der menschen wie wir ängste und gesellschaftlich unerwünschte eigenschaften und gedanken verstecken.

ich war nicht überrascht.
es war die letzte konsequenz.
die ich gedanklich selbst schon tausendfach durchgespielt habe.
und immer noch durchspiele.
tag für tag.

... link


Mittwoch, 4. Dezember 2013
fraktum
wir warten auf den großen sturm. und wenner kommt? dann laufen wir davon! oder schwimmen, wahlweise. gut, dass ich im dachgeschoss wohne.

***

aus kosten- und eitelkeitsgründen trage ich sommerschuhe auch winters. mit dicker sohle. lammfell, kuschlig. doch neulich fehlten morgens, als ich auf dem sprung zur arbeit war und in die schuhe steigen will, die dinger. unauffindbar. ich fror zwei tage lang, dann entdeckte ich die sohlen beim putzen. hinter dem vorhang. im katzenversteck.

tja. nachdem die katze auch gerne meine getragenen höschen klaut, hätte ich mir das eigentlich denken können.

***

mein job, das wäre so einer, in den ich mich gern reinstürzen würde. würde er geld bringen. mein vorgesetzter meinte heute, dass er es ungerecht findet, dass er das sechsfache verdient, weil ich im grunde dieselben hohen qualifikationen und denselben hohen arbeitsaufwand habe und total eigenständig arbeite. ist ja mal nett, wenn das einer sieht. auch wenn es nichts ändert.

***

dazu passend mein erster rentenbescheid. 387 euro, wenn ich die nächsten jahrzehnte bis zur rente im selben tempo weiterschufte.
ich habe ein bisschen geweint, obwohl ich von diesem staat nichts gutes, soziales oder menschliches erwarte.

***

keine objektnews. keine lederjackennews. manchmal fühle ich mich, als lebte ich in diversen paralleluniversen. you say god-by, i say hello. und täglich grüßt allein die püppirella.

***

rückenschmerzen, magenschmerzen, kopfweh und seelenpein. die großen konstanten in meinem leben.

... link


Sonntag, 1. Dezember 2013
come up and see me
im zuge der grundsätzlichen befriedung und der objektiv-perspektivlosen fick-situation denke ich in letzter zeit weniger an das objekt. es ist da, das ist nett, wir mögen uns, aus. ab und an denke ich stattdessen an meinen vorgesetzten, auch wenn der eigentlich unter meine definition von langweilig fällt. aber er hat was, irgendwie. dennoch, never fuck the company, also muss ich mich zurückhalten.

gestern bin ich eigentlich mit der lederjacke verabredet, wochenend-ausflug, aus dem dann doch nur eine kiez-sauftour werden soll. aber es befällt mich just meine menschenangst und kiezaversion. ich sag ab, igle mich ein. krieche unter die decke, lasse ein paar tränchen. es wird mitternacht. dann ein uhr. um halb zwei gebe ich mir schließlich einen ruck und fahre doch wenigstens in den club. vertraute umgebung, mäßige erwartungshaltung, keine überraschungen.

der architekt ist der erste, den ich begrüße.
"du lässt dir die haare wachsen, hm", frage ich angesichts der fast schulterlangen haarpracht des architekten.
"ähm, ja, ich find das nett, was am kopf zu haben, jetzt, wo es kalt wird", stottert der architekt verlegen.
"steht dir", sage ich großmütig, und es ist nicht gelogen. der architekt ist ein typ für langes haar und überhaupt, ich stehe ja drauf.

ich brauche dringend erst mal einen schnaps. die endorphinausschüttung ankurbeln. als ich an der bar stehe, habe ich plötzlich eine hand am arsch, die auch gleich unter meinen rock wandert. ich wirble herum, bereit, dem schuft eine zu langen, dann schaue ich in das grinsende gesicht des objekts.
das objekt sieht sehr wild aus, da es die haare offen trägt, was es sonst nicht macht, vor allem, seit es den bart hat.
"du siehst aus wie ein wikinger", sage ich geradeheraus.
das objekt sagt erstmal gar nichts, umschlingt mich nur und drückt mich herzlich. es landet einen feuchten kuss auf meinem hals, dann schiebt es mich richtung tresen.
"du wolltest doch gerade was bestellen", meint es.
"ja. was ist, trinkst du einen kurzen mit?"
da kann das objekt schlecht nein sagen.

während das objekt die orangenscheiben auf den tequilagläsern liebevoll mit einer dicken zimtschicht versieht, betrachte ich es von der seite. ich mag dieses profil, denke ich, dann erwischt mich das objekt beim anstarren und starrt zurück.
"was denn", rufe ich ihm unschuldig dreinschauend ins ohr.
das objekt lächelt und das, was von seinem gesicht noch haarfrei ist, verzieht sich zu sympathischen fältchen und grübchen. mein herz macht einen hüpfer. das objekt reicht mir das glas.
"auf dich", sagt es. "ich freu mich sehr, dich zu sehen."

wir kippen uns den schnaps in den hals und beißen in die orangenscheiben. dann nimmt mir das objekt meine ordentlich ausgegessene orangenschale weg und zieht mich auf seinen schoß.
"das nenn ich mal einen sauber gelutschten schwanz", sagt es und hält mir die schale vor die nase.
"na das kann ich gut, weißte doch."
wir sehen uns an und grinsen.
dann dreht das objekt seine eigene fransige orangenschale in den fingern und meint:
"hier so, da weiß ich nicht so recht..."
"ohne zähne, mein freund, das ist das geheimnis", sage ich und das objekt zeigt mir die zunge.

ich merke, wie wir schon wieder angesext aneinander kleben. das objekt hat mich zwischen seinen beine eingeklemmt und mir jegliche bewegungsfreiheit genommen. meine nase befindet sich direkt an seinem hals, ich kann sein parfum schnuppern.
"ich würde mich gerne da rüber setzen", wage ich den befreiungsschlag und deute auf die freie couch.
das objekt kommt einfach mit, pflanzt sich neben mich und beginnt, eine zigarette zu drehen.
"ich hab neulich mal wieder deine nachrichten gelesen", sagt es zusammenhangslos.
"welche nachrichten?"
"als wir uns das letzte mal verabredet haben und die smsen danach. ich saß gerade im bus, kam von der nachtschicht und hab die dann so fünf-, sechsmal gelesen. einfach so. weil man die so schön lesen kann. weil da so viel drin steckt, auch zwischen den zeilen."
ich gucke groß.
"ich hätte bisweilen meinen arsch drauf verwettet, dass du meine smsen nicht mal gesehen hast."
das objekt sieht mich entrüstet an.
"aber natürlich! ich bin mir nur oft nicht so sicher, wie ich sie verstehen soll. dann traue ich mich nicht, was zurückzuschreiben. du bist so... wechselhaft. und sarkastisch. und manchmal schreibst du so sachen... neulich erst hast du mir was geschickt, das klang so, als seist du schwimmen gegangen... und ich hatte noch eine stunde zu arbeiten und war schon am überlegen, schaff ich das noch, wo ist sie wohl schwimmen, komm ich da noch hin, bevor sie weg ist... und dann lese ich die nachricht noch mal und denk mir so, das ist ja gar keine frage. das ist eher so ein... ausrufezeichen: ich hab grad spaß und denk an dich. wie ein gruß aus der ferne, verstehst du?"
ich nicke.
"genau so war das gemeint. ich rechne nicht mehr mit dir."
da schaut mich das objekt herzzerfetzend offen an und sagt:
"komm mal her."
es breitet die arme aus und zieht mich an sich.

und so sitzen wir da. zwei, drei minuten, vielleicht auch länger. ich merke, wie mir warm wird und meine anspannung von mir abfällt. als würde die umarmung einen leeren akku aufladen. magisch, immer wieder von neuem.
dann beginnt das objekt leise in mein ohr zu sprechen:
"ich will dich aber weiter kennen lernen. und ich frage mich gerade, wie das gehen soll. wir mögen uns, aber da ist ja noch mehr. die ganzen emotionen. ich weiß nicht, was passiert, wenn wir wieder sex haben und ob das gut ist. weil immer, wenn wir miteinander schlafen, passiert was, wir sprechen wochenlang nicht miteinander oder streiten uns."
"das liegt doch nicht am sex", erwidere ich. "weil das, was da ist, ist doch sowieso da. ich denke, im letzten jahr kam das eben auch im zuge meiner krankheit so richtig zum tragen."
das objekt lässt mich kurz los, um mir in die augen sehen zu können, dann zieht es mich wieder fester an sich.
"wie geht es dir denn gerade?"
"naja, das letzte wochenende war schrecklich, aber ich fange mich gerade wieder. immer noch minusbereich, aber mit tendenz zu plusminusnull. aber so alles in allem bin ich okay, der einbruch liegt vielleicht auch einfach an weihnachten und dem ganzen anstehenden familienmüll. ich bin im grunde eigentlich wieder gerne mit mir alleine. ich kann das richtig genießen."
"das ist schön. ich auch. also ich meine, ich bin zur zeit auch sehr gerne mal allein."

ich bin noch immer beim objekt eingekuschelt und überlege, wie ich die kleine offenbarung für mich werten soll. als interesse an mir, als interesse an sex oder als diffuse beschwichtigungsaktion, damit ich nicht wieder austicke und das objekt beschimpfe?
dann zuckt das objekt plötzlich zurück, beginnt sich aus der umarmung zu lösen und steht auf.
"ich muss mal tanzen."
und weg ist es.

ich trinke noch ein bier, dann spricht mich ein blonder typ an, ein heavy metal-fan, student, 25 jahre jung. sehr nett. astrein in der gehirnschale. nach anfänglicher zurückhaltung kommen wir richtig ins quatschen.
"und was willst du von so einer alten schachtel wie mir?" frage ich ihn irgendwann frech.
"ich mag keine jungen frauen", sagt er direkt. "also, eigentlich kommt es mir mehr so auf das geistige alter an."
"na, dann bin ich vielleicht doch einer so ende 20 und nicht anfang 30."
"du siehst aber gar nicht aus wie anfang 30."
"okay, wie ende 30, ich weiß."
"nein, gar nicht. ich hätte dich jetzt so auf 28 geschätzt."
also entweder habe ich heute einen fantastischen teint oder der gute ist extrem kurzsichtig, denke ich mir, fühle mich aber nichtsdestoweniger geschmeichelt.
wir unterhalten uns eine ganze weile, dann rücke ich sogar meine telefonnummer heraus, was ich bei anmachen der üblichen art nur noch selten tue. allerdings norde ich den tp gleich auf ein große-schwester-kleiner-bruder-verhältnis ein, sodass diese fronten schon mal geklärt sind.

anschließend mache ich mich auf, damit ich auch noch mal zum tanzen komme. dabei treffe ich das objekt wieder.
"neuer verehrer", will es von mir wissen.
"neenee. also das ist geregelt."
"hm. soll ich uns ein lied wünschen?"
"mach mal."
"was für eines denn?"
ich haue dem objekt auf den arsch.
"eines, das du auch für mich tanzen würdest."

ich drehe noch ein paar runden, trinke eine cola und merke, wie ich langsam müder werde. es ist halb sechs. ich lehne mich an einen pfeiler und beobachte den harten kern, der noch immer begeistert die beats wegschrubbt.
dann schubst mich jemand leicht von der seite. ich gucke. da steht ein kleiner, älterer typ mit anzug und bierbauch und grinst mich an. ich schaue schnell wieder weg und hoffe, das das als kein-interesse-signal reicht.
leider nein. der typ rempelt mich ein zweites mal an und quakt dann:
"hey! ich beobachte dich schon die ganze zeit!"
ich ziehe die augenbrauen hoch. spooky.
der typ fixiert mich weiter und grinst fies.
"magst du die musik hier?"
"sonst wäre ich ja wohl kaum hier", erwidere ich.
"ich finde die musik voll scheiße."
"kannst ja nach hause gehen", sage ich unfreundlich.
der typ ignoriert meinen vorschlag, geht weiter auf tuchfühlung und quakt mich mit seiner blechstimmme voll.

zum glück nähert sich das objekt aus der ferne, mit wallender mähne und bart wie der donnergott persönlich. ich sende ihm einen flehenden blick und es eilt heran.
"verzeihung", sagt es zu dem quaker, "ich finde, du hast dich jetzt lange genug mit meiner frau unterhalten."
es schiebt den typ einfach zur seite, legt den arm um mich und eskortiert mich in den nebenraum.
"puh, danke", sage ich, als wir in sicherer entfernung sind. "der war echt anstrengend."
das objekt tätschelt meinen arm.
"gern geschehen."
ich sehe mich unschlüssig um.
"ich werde dann wohl mal nach hause gehen, bevor mich noch einer vollquatscht."
das objekt nickt.
"ich auch."
wir sehen uns an. ich kann den blick des objekts nicht deuten.
"eigentlich wäre das ja eine schöne gelegenheit", sagt es verlegen.
"um was zu tun?"
da grinst es nur schüchtern und will nicht mit der sprache herausrücken.
nachtigall, ick hör dir trapsen.
"wie was jetzt?" hake ich nach.
das objekt schaut zur seite und traut sich nicht mehr. das ist ungewohnt. ich fühle eine wärme in mir aufsteigen, so sympathisch ist mir diese ungewohnte objektive unsicherheit.
"hey", sage ich und berühre seine wange. "lass uns einfach mal wieder was zusammen machen. einfach treffen."
das objekt strahlt mich an.
"ja, gerne, unbedingt."

dann umarme ich es schnell und eile nach draußen in den nieselregen, wo mein fahrrad auf mich wartet. ich habe schon das schloss geöffnet, als das objekt noch einmal herausstürmt.
"morphine, jetzt kommt das lied, das ich mir gewünscht hatte!"
ich lasse mich mitziehen, gespannt, was mich erwartet. und dann ist es "what else is there" von röyksopp, unser lied von vor drei jahren, als alles begann. ich bin so geflasht, dass ich kurz tränen in den augen habe. das objekt bewegt sich bereits am rande der tanzfläche und macht eine auffordernde geste. ich zögere und zögere, doch beim refrain bin ich dabei.

als ich gegen sieben uhr morgens endlich im bett bin, liege ich noch lange wach. ich fühle mich hochgradig verwirrt. fakt ist, das objekt will mich wieder daten. wie auch immer es das anstellen will. darauf hätte ich in meinen kühnsten träumen nicht zu hoffen gewagt. doch wie ich es kenne, werden wir bis zu realisierung mindestens bis nächstes jahr brauchen. das gibt mir zeit, mir meiner grenzen bewusst zu werden. vielleicht werden wir wild vögeln. vielleicht werden wir auch nur ganz unschuldig ins kino oder in ein museum gehen.

bis dahin kann frau ja erst mal masturbieren. oder studenten daten. oder dem wunderbaren blixa bargeld beim musizieren zuhören.

... link