Freitag, 29. November 2013
hearts for püppilotta
die püppilotta-püppirella ist nun über ein halbes jahr bei mir. das ist sehr ungewöhnlich, denn eigentlich hat man pflegekatzen nie länger als drei monate. sie hat sich prima gemacht inzwischen, vor allem an wochenenden, wenn ich da bin, ist sie sehr lieb. man merkt, dass sie unter der woche, wenn ich arbeite und gestresst bin, unausgeglichener ist. wahrscheinlich überträgt sich meine fragile laune auf sie.

kurzum, ich suche noch immer ein plätzchen forever für die dicke. sollte jemand lust auf die kleine zicke haben oder jemanden kennen, der sich eine mieze wünscht, sagen sie bitte bescheid. sehr gerne ein ruhiger haushalt ohne kleine kinder. die püppirella ist eine reine wohnungskatze und laut tierärztlichem befund vom mai 2013 kerngesund. stressresistenz in den ersten vier bis sechs wochen der eingewöhnung sind nötig, sie hat halt einen hau und ist eben schon eine ältere lady, die nicht so gerne umzieht und sich schwer einlebt.

wenn sie noch vor weihnachten ein liebes zuhause finden könnte, müsste ich sie über die feiertage auch nicht alleine lassen.

und nein, ich möchte die püppilotta nicht behalten. wir passen nicht so ganz zusammen, außerdem möchte ich weiter platz für andere katzen in not haben, die schnell mal unterkommen müssen.

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Mittwoch, 27. November 2013
gucken
und freuen.
dass ich in einer so schönen und lebendigen stadt mit so viel kultur wohne.

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Dienstag, 26. November 2013
winterjacke
nachdem mich die lederjacke gestern im tal der tränen erwischt hat, hat sie sich sofort für den heutigen abend auf einen kurzbesuch angekündigt. das finde ich so toll, dass ich gerührt ins telefon schnüffe, danke, und die lederjacke lacht nur und sagt, dass sie sich freut, was ich wieder nicht begreife, denn wie kann man sich auf so eine heulsuse freuen, aber ich vertraue der lederjacke, dass sie mich nicht belügt.

weil die lederjacke um die ecke fortbildung hat, holt sie mich gleich von der therapie ab.
"mann, siehst du scheiße aus", sagt sie zur begrüßung, und ich muss lächeln, weil ich recht hatte und mir um die ehrlichkeit der lederjacke keine sorgen machen muss.

die lederjacke ist allerdings selbst nicht auf der höhe. sie ist krank und fährt mit dem fahrrad im pullover rum.
"du bist ja komplett irrsinnig, wo hast du denn deine jacke?!"
"aufm kiez verloren", zuckt die lederjacke die schultern, die schon wieder breiter geworden sind.
"aber das macht nichts, ich hab drei kilo zugenommen, das schützt auch", erklärt die lederjacke.
"extra für den winter, soso", sage ich schmunzelnd, denn ich weiß, wie penibel die lederjacke auf ihr gewicht achtet.

wir fahren mit den rädern zu mir.
"wo ist das vieh?!" guckt sich die lederjacke panisch um, als sie meine wohnung betritt.
"du meinst die katze."
"ja, genau, deine fette katze, die mich immer anfaucht."
"musste schauen."

die püppirella sitzt wie immer auf der kommode und guckt, als die lederjacke die tür zu meinem wohnzimmer öffnet.
"na, dicki hoppenstedt", begrüßt die lederjacke die püppirella.
die katze glotzt groß.
dann komme ich mit tee und keksen hinterher und die katze macht anstalten, von der kommode zu springen. könnte ja ein krümel abfallen, muss man als katze ja bereit sein.
"oh gott, sie greift an!" ruft die lederjacke. "komm mir bloß nicht zu nahe!"

die püppilotta setzt sich genau gegenüber der lederjacke. im gegensatz zu sonst ist sie kein bisschen schüchtern. sie hat offenbar einen guten tag oder erkennt die lederjacke wieder. sie schaut sie auffordernd an und mauzt ein zartes mauzen.
"du sollst sie streicheln", sage ich.
"im leben nich", sagt die lederjacke. "die kratzt dann bestimmt."
die katze streckt sich vor der lederjacke auf dem boden aus und wälzt sich herum.
"glaub ich nicht", sage ich. "sie signalisiert dir gerade: nimm mich."
"hahaha", lacht die lederjacke.

dann kommen wir zu den ernsten themen und die lederjacke will wissen, warum es mir so scheiße geht.
"keine ahnung."
"das kann doch nicht sein, da muss es doch gründe geben. vielleicht sind das ja irgendwelche unbewussten gründe, also sachen, die dich anstrengen und belasten, ohne dass du direkt sagen kannst, das stresst mich jetzt total."
"naja, ich hatte nun die erste woche in der neuen arbeit..."
"na siehst du."
"aber das war gut."
"aber auch neu. alles, was neu ist, schlaucht."
"ich fand das nicht so schlimm. das ist nichts, was ich mir nicht zutraue. intellektuell pack ich das locker."
"naja, aber ist doch trotzdem eine umstellung", beharrt die lederjacke.

ich erzähle der lederjacke, wie allein ich mich wieder fühle. mit einem mal. und dass ich wieder anfange, böse absichten und unlauterkeiten zwischen jedem wort zu suchen. dass mich mein misstrauen krank macht.
die lederjacke, kopfmensch, rudert mit argumenten.
"naja, du musst mal deine lage sehen... im grunde ist die immer noch prekär... viel stress, keine sicherheiten, wenig dankbarkeit... wenig wertschätzung auch durch deine eltern... und klar bist du allein, so ohne partner oder familie. und da kommt ja auch keiner mal vorbei, hab ich so den eindruck."
"die hassen hamburg."
"aber du bist doch da und sie sollten dich lieben!"

"was sagt denn dein therapeut", will die lederjacke dann wissen.
"dem hab ich meinen traum erzählt. den krass schönen, mit dem typ und dem kind. aber ich hatte nicht das gefühl, dass er den so sieht wie ich."
"wie sieht er ihn denn?"
"naja, er meint, das mit dem kind und so steht für meine sehnsucht. weil ich liebe wahnsinnig suche, aber nie liebe erlebt habe, die ich annehmen konnte. sondern immer nur menschen begegnet bin, die mich erdrückt haben. er meinte heute, ich sei wohl deshalb emotional gestört."
die lederjacke ist empört.
"der spinnt ja wohl, das kann er doch so nicht sagen. ich finde, bei dir ist ganz viel total richtig."
"sagt der emotionslegastheniker."
und wir lachen beide.

nach zwei stunden muss die lederjacke schon wieder los. zum abschied nimmt sie mich ganz fest in den arm.
"lass mal in kontakt bleiben, wegen silvester und so."
"lass mich bloß nicht allein in dieser scheißstadt."
"warum bleibst du nicht bei deinen eltern? ich hab mir schon überlegt, ich setz mich einfach bei meiner oma auf die couch, trink nen portwein mit der und guck was mit didi hallervorden."
"nee. was soll ich denn da? da sind kaum mehr leute, die ich kenne."
"oder du bleibst im bett."
"oder ich schneide mir die pulsadern auf, wie wäre das?"
"wehe", sagt die lederjacke erschrocken.
ich winke ab:
"scherz."
"ich find das nicht witzig."
"schon gut. du musst jetzt los."
"boah, da raus in die kälte jetzt wieder."
"willste nen pulli von mir drunterziehen?"
"ich hab doch sowieso noch klamotten von dir. muss ich dir mal wiedergeben."
"kein stress, ja? und wenn du jetzt frierst, geb ich dir was."
aber die lederjacke will seine härte heldenhaft unter beweis stellen und der kälte trotzen.

die püppilotta und ich verabschieden die lederjacke. ich winke, die katze mauzt. die lederjacke lacht und verschwindet im treppenhaus.
in der wohnung kommt es mir wärmer vor. so, als wäre die temperatur mit der herzenswärme dieses menschen gestiegen. die katze schnüffelt da, wo die lederjacke gesessen hat.
"na, dicke", sage ich. "den würden wir gern behalten, hm?"

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Samstag, 23. November 2013
die summe meiner einzelnen teile
arbeiten, termin bei der bank, physiotherapie, später ein kundentelefonat, wohnung putzen, homeoffice. als ich gestern den laptop zuklappe, ist es mitternacht. eigentlich hatte ich mich gefreut, noch etwas zu machen. auf den kiez zu gehen oder so. jemanden anrufen. ich werfe alles über den haufen, schaffe es gerade noch zähne zu putzen, duschen schenke ich mir. ab ins bett.

ich träume einen der gefürchteten sehnsuchtsträume.
ich bin auf der flucht, keine ahnung wovor. ich glaube, ich soll abitur machen und habe keine lust. ich renne durch wälder, die sonne scheint, ich bin frei. an einem abhang treffe ich einen mann und ein kind. sie ziehen ebenfalls durch den wald.
ich fühle mich sofort verbunden. der kleine will mit mir an einem seil über einem abgrund schwingen. ich tue es, totales selbstvertrauen. ich spüre das raue, feste seil in meinen händen und die wärme des kleinen, der auf meinem schoß sitzt und sich an mich klammert. wir schweben und schaukeln, glück und ausgelassenheit kitzeln in meiner brust. dann ruft der vater zum aufbruch, wir müssen weiter.
wir fahren per anhalter mit einem auto durch eine stadt. sie ist riesig und fremd. ich will wissen, wo wir sind.
"na in köln", sagt die fremde frau am steuer. klar, denke ich mir, warum hab ich das nicht gleich gesehen. durch das fenster erkenne ich die stadt abwechselnd in farbe und schwarzweiß.
wir kommen an einem haus an und erfahren, dass die bewohner im urlaub sind. wir können dort bleiben, sagt die frau, nur aufpassen müssen wir, die nachbarin kommt immer mal vorbei zum blumengießen.
im wohnzimmer steht eine alte couch mit braunem cordsamt. ich streiche mit der hand über den stoff. sie erinnert mich an etwas vertrautes, was ich aber sofort wieder vergesse. dann kuscheln wir drei uns aneinander und schlafen.
als ich aufwache, ist noch ein mädchen im raum. "warum bist du hier", frage ich, und sie sagt, sie wisse es nicht. vielleicht wegen der schlechten noten und weil sie keinen bock mehr auf schule hat.
plötzlich ist die nachbarin im haus. wir müssen uns verstecken. ich krieche in den schlafzimmerschrank, der genau aussieht wie bei meinen eltern. der schrank ist sehr voll, aber ich schaffe es, hineinzukrabbeln und die schiebetür zu schließen, bevor die nachbarin das zimmer betritt.
im schrank hängen klamotten meiner mutter. ich erkenne das parfum. und noch mehr, ich erkenne in den kleidern einen früheren duft, aus einer zeit, als sie mich noch liebte, und einen späteren geruch, der scharf und schlecht nach abneigung riecht.
die nachbarin geht wieder, sie findet uns nicht.
wir wechseln wieder die stadt. diesmal berlin. ich treffe freunde wieder, die ich im traum kenne, aber nicht aus dem wirklichen leben. es ist gesellig und schön. als einziger bekannter tritt das objekt auf, das jetzt offenbar in berlin lebt. ich bin überrascht, erinnere mich dann aber. wir fallen uns in die arme, ich schnuppere den objektgeruch, der immer noch gleich ist, warm, beruhigend und sexy. ich nehme sein gesicht in meine hände, der bart ist noch wilder und länger und weicher, und wir küssen uns.

aufgewacht. hello again, fucking reality.
ich fühle mich am boden zerstört, der schädel dröhnt, der rücken schmerzt. das licht dringt grau durch die vorhänge. es fühlt sich an wie sechs uhr morgens. mein handy sagt allerdings, dass es 11:30 uhr ist.

ich denke zurück an den traum und an das traumkind. die zärtlichkeit, die ich empfunden hatte. und ich verstehe, dass ich das traumkind bin, und vielleicht auch ein stück der objektsohnemann, den ich vermisse, oder die konstellation oder die tatsache, dass dieses kind mir eine zuneigung entgegenbrachte, die jetzt auf meinem schmalen liebeskonto fehlt.

noch ein stunde stumpf im bett liegen. dann kämpfen und aufstehen. in den kaffee weinen. ein ibuprofen schlucken. mails checken, zu arbeiten beginnen.

möge dieser tag irgendwie vorüber gehen.

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Mittwoch, 20. November 2013
the inbetweens
"ich finde das so traurig, dass ich, wenn ich spätschicht habe, erst um acht rauskomme und die sonne schon weg ist", vertraut mir meine physiotherapeutin heute an.
ich muss schmunzeln und will nicht fragen, was würdest du davon halten, wenn du pr machen würdest, also quasi immer frühschicht hättest und trotzdem erst um 20 uhr nach hause gehst?

stattdessen gebe ich mich der massage hin. es ist 16 uhr, ich komme - halbtagsjob sei dank - gerade aus dem büro, bin schläfrig, habe meine tage und fühle mich dennoch ein bisschen angesext, als sie mir meinen slip über den po schiebt, um an muskeln rund um das steißbein zu kommen.

eigentlich ist physiotherapie ein geiler job, denke ich. ständig ist man dabei, leute anzufassen. man weiß also vorher, wie die nackt aussehen, während man selber noch nicht blank ziehen muss. und erst dieser lustige moment, wenn ein mann bittet, sich auf den bauch drehen zu dürfen. wäre ich ein mann, ich wäre heute auf jeden fall in die verlegenheit gekommen.

während ich in der moorpackung liege und ruhen soll, muss ich ein bisschen an mein saunaerlebnis mit dem objekt denken. das war auch wunderbar warm und sexy. sollte man mal wiederholen. ich hangle nach dem handy, stelle fest, ich habe es vergessen, und bin ganz froh darüber. lächerlichmachen erfolgreich verhindert.

dann fahre ich mit dem rad weiter nach hause. in mir ruhe und zufriedenheit. die ersten drei tage im neuen job waren gut. ich mag meine kollegen. zwischen mir und meinem vorgesetzten herrscht große sympathie, ein bisschen zu viel vielleicht sogar. er ist herrlich normal und doch sehr witzig. er kann sogar frivol werden und kichert auch über meine kiffer-witze, während die kollegin nur fragend schaut.

alles sehr fair soweit. keiner erwartet überstunden von mir. nicht für mein kleines gehalt. das finde ich so super, dass ich trotzdem ein bisschen länger bleibe. ich darf im büro sogar an mein handy gehen und eigene kunden betreuen. auch toll: kein dämliches zeitmanagement, das die hälfte der arbeitszeit wegfrisst.

dafür steckt das unternehmen anderweitig noch tief in den kinderschuhen. keiner hat auch nur den leisesten schimmer von pr. alles soll ohne den einsatz finanzieller mittel bewerkstelligt werden. ich lege mich deshalb am zweiten tag mit dem geschäftsführenden obermufti an, mache deutlich, dass so keine ergebnisse zu erwarten sind. ich beharre auf ein mindestbudget. die mauern der sparsamkeit wackeln, man will sich meine anregungen durch den kopf gehen lassen. wir werden sehen. ich habe mir einen langen atem angewöhnt.

die katze ist not amused, dass ich plötzlich wieder weniger zuhause bin. sie dreht morgens, wenn ich das haus verlasse, und abends, wenn ich zurückkomme, einmal völlig hohl: rennen, sachen umschmeißen, sich in den vorhang wickeln. erst, wenn das fressi dasteht, wird sie etwas ruhiger. ich hab sie lieb, aber es ist sehr anstrengend.

soeben verdrängt ruft das objekt an und will wissen, wie es mir geht. ich honoriere die eigeninitiative. das objekt findet, dass ich in letzter zeit wieder mehr in mir ruhe und einen gefassten eindruck mache. ich bin geschmeichelt. worte vom fachmann. dann verabschiede ich mich schnell, weil ich nicht fragen will, bitte bitte sehen wir uns mal wieder, und weil gleich ein hochschulleiter bei mir anrufen will, um weitere aufträge durchzugeben.

es ist alles im flow.
pack die schwimmflügel aus, baby, und paddle um dein leben.

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