Freitag, 24. Mai 2013
kittencontent
man meint ja, es könne ihn kein wässerchen trüben.




aber das täuscht. ganz gewaltig.

lieblingsbeschäftigungen dieser woche:

- auf der tastatur spazieren gehen, wenn ich gerade eine wichtige geschätliche e-mail tippe. so hat er heute eine mail mit "ffffföööööp" an einen vorstandswichtigwichser geschickt. zum glück gemerkt, fettes sorry hinterhergeschickt.

- im hinterhalt lauern und mich dann anspringen, weil man an strumpfhosen so schön laufmaschen mit den krallen ziehen kann.

- auf meine schulter klettern und meine haare anfressen

- dabei gerne auch fangen mit meinen ohrringen spielen (bis dass das blut fließt)

- hingebungsvoll meine flauschejacke lecken (potenzieller artgenosse). flauschejacke riecht jetzt nach katzenmundgeruch.

- mein telefonkabel durchnagen

tja. aber was soll man sagen außer: "hach, ist der süß!"?

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Mittwoch, 22. Mai 2013
dritter streich - against the shitstorm of life
nachdem ich den pfingstsonntag in mittellosigkeit verbracht habe, klingelt das telefon und die lederjacke ist dran. da ich deprimiert klinge, fragt sie nach, was sich seit samstagnacht so ereignet hat. ich erzähle zunächst die objektgeschichte in lederjackenfreundlichen auszügen und komme dann bei meiner finanzmisere an.
"wie viel brauchst du denn?" will die lederjacke wissen.
"naja... ich muss irgendwie durch die woche kommen..."
"sag einfach eine summe und ich leih sie dir."

die lederjacke hat mein loyalitätsprinzip verstanden: in der not sind freunde einander unbedingt verpflichtet.
"n fuffi?", frage ich zaghaft.
"das ist doch lächerlich", findet die lederjacke. "ich geb dir 100, okay?"
"hast du denn dann noch genug für den monat?"
"ich hab jetzt ziemlich genau noch... warte mal..." die lederjacke macht kassensturz, um dann bedröppelt zu sagen:
"öhem, 200 euro."
"dann kannst du mir unmöglich die hälfte davon leihen!"
"hör mal, du hast mir auch geholfen. sehr sogar."
"nee, nee. also wir machen das wenn dann jetzt so: du gibst mir jetzt deine kontoverbindung und ich überweise dir was, was du mir dann auszahlst."
die lederjacke lässt es sich nicht anmerken, aber ich kann die erleichterung spüren, die durch den hörer tropft.
"ja, das ist prima!"

wir machen rasch die transaktion, dann fragt die lederjacke:
"magst du gleich vorbeikommen?"
"klar. es regnet zwar, aber ich brauche ja meine kohle."
"ich mach nen tee, okay?"
"auja. hast du noch kippen?"
"tabak."
"magst du mir eine drehen, bis ich da bin?"
"klar doch", sagt der gentleman.
ich merke, dass ich mich wahnsinnig freue.
"bis gleich dann... und dank dir!"
"jetzt hör aber auf!" kontert die lederjacke.

ich radle durch den regen und komme klatschnass an. als ich unter der tür stehe, beäugt mich die lederjacke misstrauisch und guckt dann sehr erleichtert, weil ich schuhe und jacke schon im flur ausziehe. ich grinse verständnisvoll. in sachen sauberkeit sind die lederjacke und ich uns unglaublich ähnlich.
"du siehst lustig aus", findet die lederjacke.
"ich knutsch dich gleich, dann siehst du auch lustig aus", erwidere ich.

die lederjacke lacht und schubst mich dann mit tee und wolldecke in den händen in die gute stube.
ich setze mich und schaue der lederjacke ins gesicht.
"jetzt erzähl mal, wie war der umzug gestern?"
"umzug war okay. nur dann hab ich was getrunken und mich total mit meinem bruder gestritten."
"oha."
"ja, ich war total assig zu dem, und dabei hat der doch liebeskummer!"
"naja, aber der muss ja auch sehen, was du fürn stress hast. der anstrengende behördenjob, die schulden wegen deinem bafög und dem studienkredit und dann der umzug! du hast da auch ein päckchen zu tragen..."
"das sieht der nicht, der ist ja auch erst 24."
"naja, gut, er ist halt noch jung... aber ich finde, man merkt es dir total an, unter was für ner spannung du stehst."
"du schon. der nicht."
"aber du machst dir jetzt trotzdem vorwürfe, was? so als der älteste bruder vom ganzen clan?"
"klar."
"unklar. hast du mal drüber nachgedacht, was du dir damit für ne rolle auflastest?"
die lederjacke ist ganz still geworden.
"vielleicht hat das ja auch was mit deinen schlafproblemen zu tun."
"ich hab keine schlafprobleme! also nicht immer", wehrt die lederjacke ab.
"wenn du mal nicht besoffen bist, dann haste immer welche", analysiere ich messerscharf.
"naja, hast ja recht", gibt die lederjacke zu, um dann gleich einen plan zu machen:
"aber jetzt bist du ja da und dann trinken wir nur tee und sonst höchstens ein bier. du bist ne super suchtprävention."
"jaja, aber nur, weil du meine drogen nicht magst!" lache ich.

nachdem wir eine weile herumgesessen sind, steht die lederjacke auf, kramt in den kisten und holt dann drei antike bilder hervor.
"die wollte ich noch aufhängen, hilfst du mir?"
"klar doch. was soll ich machen?"
"halt die mal an die wand da! aber gerade!"
"aye-aye."

während ich mich mit bild an der wand langmache, steht die lederjacke unter der tür und guckt.
"bisschen runter... ja... nee, auch mit der linken kante... nee, jetzt biste rechts zu weit oben!" dirigiert sie mich, bis es dann endlich passt und die lederjacke sich mit hammer und nagel bewaffnet ans werk macht. dann hängen die drei bilder, die, wie ich erfahre, der lederjacken-großvater alle selbst gemacht hat, mit linolschnitt und anderem kladderadatsch.

"manchmal hätte ich gern damals gelebt", träumt die lederjacke vor sich hin.
"im krieg?"
"naja, weniger, aber so die zeit danach... wie geil muss das sein, wenn du in einer zeit großwirst, in der es immer nur bergauf geht!"
"hm."
die lederjacke schaut mich aufmerksam an:
"du magst dein leben doch auch nicht. das ist doch die totale kacke, in der wir leben!"
"hm", sage ich wieder.
"warum machen wir das dann?" fragt die lederjacke.
"weil wir uns schuldig fühlen?" mutmaße ich. "weil wir unsere eltern nicht enttäuschen wollen? weil uns jemand dieses haus-garten-kind-schema eingetrichtert hat?"
"na, wenigstens haben wir kein beschissenes haus und keine kinder!" schmunzelt die lederjacke und lehnt sich lächelnd gegen den fensterrahmen.
was für ein hübscher mann, denke ich, und dann sage ich es einfach, und die lederjacke grinst geschmeichelt.

danach fahren wir mit dem aufzug in den 13. stock und entern die dachterrasse. oben hängt alles voller nebel, aber wir schnappen uns dennoch zwei klappstühle, drehen zigaretten, rauchen kette und diskutieren bis spät, warum alles vielleicht doch nicht ganz so kacke ist wie es sich oftmals anfühlt.

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Sonntag, 19. Mai 2013
zweiter streich oder an evening with desaster
ich fahre noch mal zur lederjacke, weil wir die wohnung noch putzen wollen. als ich ankomme, ist auch einer der fünf brüder der lederjacke da. der lederjackenbruder ist klein und rund, hat weiche gesichtszüge und guckt sehr lieb. ich bin überrascht.
"krass, ihr habt null ähnlichkeit", sage ich und schaue immer wieder vom lederjackenbruder zur lederjacke.
"ach... wennde erst mal alle von uns kennst... da sind schon überschneidungen", sagt die lederjacke.

während die lederjacke alles desinfiziert, was jemals fremde hände erreicht haben könnten, feudle ich mit dem lederjackenbruder die wohnung. wir verstehen uns auf anhieb bombe und landen nach beendigung der wischaktion bei einem bier in der küche, wo die lederjacke zu uns stößt.
"pass auf, du aschst alles voll", weise ich die lederjacke hin.
"oh sorry", sagt die lederjacke, um dann zu fragen:
"was machstn heute noch?"
ich zucke die achseln:
"vielleicht clubbing."
"schade, dass ich morgen umziehe... sonst wären wir ja mitgekommen."
"ich seh schon, ich muss bald mal wiederkommen", sagt der lederjackenbruder.

gegen halb eins trennen wir uns an der u-bahn.
"ich muss in die richtung, ich muss noch mal nach hause, duschen und mich aufbrezeln", sage ich.
"ja dann... bis bald", sagt die lederjacke und drückt mich.
"ich ruf dich morgen mal an, okay?!"
"okay", rufe ich und steige in die einfahrende bahn.

zuhause spüre ich die müdigkeit, die mir in den knochen steckt. außerdem habe ich nur noch round about zehn euro und müsste dringend geld holen. draußen schifft es comme vache qui pisse. nach einer heißen dusche fühle mich jedoch wieder munterer und schmeiße mich in ausgehklamotten.
eigentlich will ich gleich noch zur spaßkasse, aber ich bin zu spät dran. als ich um die ecke radle, kommt schon mein bus um die kurve. also nix wie rein. in altona gibt es ja auch sparkassen.

trotz starkregens nehme ich am ziel den umweg zur bank meines misstrauens. dort dann die große überraschung: man lässt mich nicht ein. offenbar ist das kartenlesegerät am eingang defekt und meine karte wird nicht erkannt.
ich fluche, zähle mein geld, neun euro und 60 cent, das ist keine gute grundlage, aber es reicht für den eintritt und die fahrkarte zurück. getränketechnisch würde ich mich einfach frech durchschnorren.

vor dem club steht das arschlochfahrrad. sofort sinkt meine restgutelaune in den keller. verdammt, ich wollte mich ja gewitzt rächen und keine konfrontation mehr.

erstmal rein und aufs klo. dort treffe ich die neue flamme von mr. shyguy, die mich zum rauchen überredet. wir gehen noch mal kurz vor die tür und ziehen einen durch. da ich aufgeregt und schon wieder wütend bin, wirkt das dope nicht beruhigend wie sonst, sondern verursacht mir einen megaherzschlag, von dem mir schlecht wird.
"alles gut?" fragt mich die neue mrs. shyguy und guckt besorgt.
"jaja", sage ich, denn mrs. shyguy kennt die unselige objektstory ja nicht.

im club gibt es mal wieder mittelprächtige musik und mittelmäßige menschen. ich sage mr. shyguy und einem bekannten hallo. dann hänge ich mit dem bekannten an der bar. der bekannte guckt deprimiert, weil er ein laufendes gerichtsverfahren an der backe und ein gesperrtes konto hat.
"und dabei war ich mal unternehmer und hatte 20 angestellte", seufzt der bekannte frustriert. "manchmal möchte ich einfach nur hoch zur bahn gehen und den kopf auf die gleise legen." der bekannte hat sein unternehmen in die insolvenz gefahren, weil er sehr lange sehr krank war und vom krankenhaus aus zu wenig kontrolle über seinen betrieb hatte. als die auftraglage einbrach, hat er den schweren fehler begangen, seine angestellten fairerweise weiterzubezahlen und so ratzfatz schulden im sechsstelligen bereich angehäuft.
"du musst ein schwein sein in dieser welt..." intoniere ich und der bekannte lacht wieder ein bisschen.

dann betritt das arschloch den raum. es sieht mich und macht stante pede kehrt. in mir steigt ein 10000 grad heißer zorn auf.
"warte mal", sage ich zu meinem bekannten.
an der bar erwische ich das objekt. es kehrt mit den rücken zu wie ein kind, das nach dem motto "wenn ich dich nicht sehe, kannst du mich auch nicht sehen" handelt.
ich muss mich stark zusammenreißen, nicht gleich zuzuschlagen, sondern tippe ihm nur sehr energisch auf die schulter. es dreht sich um und glotzt.
"hallo", sage ich.
das arschloch guckt nur stumm.
"wir haben ein hühnchen zu rupfen, mein freund", grolle ich. "kommst du mal bitte mit."
"nicht jetzt", wehrt sich das objekt.
"es geht nicht immer nur um deine bedürfnisse!" werde ich laut.
da lässt sich objekt widerstandslos mitzerren.
"also", setze ich wieder an, als wir in einer ruhigen ecke stehen. "keine sorge, ich will nichts von dir. mit dir bin ich durch. ich will nur wissen, wann ich mit meinen sachen rechnen kann!"
offenbar hat sich das objekt doch die mühe gemacht, sich eine lösung zu überlegen.
"ich könnte sie dir schicken."
"ja, das ist gut", bin ich einverstanden. "schicken ist sehr gut. ansonsten bring sie mir vorbei, wenn ich nicht da bin. weißt ja, wann ich arbeite. kannst sie mir einfach vor die tür schmeißen, in meinem haus wird nicht geklaut."
"wenn du deswegen ausgaben hast, ersetz ich dir die natürlich", sagt das objekt zu meiner überraschung. sieh mal an, da schimmert ja ein rest anstand und charakter durch.
"nein", sage ich, "ich will kein geld von dir."
"ich will aber nicht diskutieren", fährt das objekt fort. "nicht heute. ich bin heute nicht konfliktfähig."
ich schnaube verachtungsvoll.
"wann warst du das je?!"
da dreht sich das objekt um und geht.

das wars, denke ich, und spüre die endgültigkeit als gewissheit vom herzen in richtung tränendrüsen steigen. ich reiße mich zusammen, hole meine sachen von der gardarobenfrau und sage mr. und mrs. shyguy tschüß.
mr. shyguy guckt traurig:
"es ist wirklich unfassbar, wie das mit dem objekt und dir so eskalieren konnte. ich dachte immer, er und du, das ist für die ewigkeit."
ich ringe mit den tränen.
"ist nicht alles seine schuld, glaub mir, auch wenn er in den letzten wochen einfach ein totaler arsch war. ich weiß nur, ich kann nicht mehr und ich will nicht mehr."

dann gehe ich nach draußen, schleppe mich zur haltestelle und heule ein bisschen, bis mir mein geldproblem wieder einfällt. zum glück ist da an der ecke eine haspa-filiale. doch als ich meine karte ins lesegerät halte, wiederholt sich das spiel von vorhin: karte ungültig. spitze. und das vor den beknackten feiertagen. ich kann mein pech nicht fassen, finde aber, dass die geschichte mit der karte super zum rest des beschissenen abends passt.

als ich zuhause endlich ins bett falle, fühle ich mich müde und ausgetrocknet vom weinen, todtraurig und dennoch ein kleines bisschen befreit. du bist auch nicht einsamer als zuvor, sage ich mir, bevor ich die augen schließe und einschlafe.

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Samstag, 18. Mai 2013
der erste streich
die lederjacke hat sich eine wohnung ergeiert. zum ersten mal im leben eine eigene, keine wg.
"hilfst du mir streichen?" bettelt die lederjacke, und da ich gerne rumschmiere, sage ich zu.

als ich gegen acht vor der hochhausfront stehe, bin ich zunächst enttäuscht. aber wie so oft: außen pfui, innen hui - die lederjacke hat eine wunderschön geschnittene, helle kleine wohnung und eine unfassbar geile dachterrasse.

"hier kannst du ja ferien machen", finde ich und lehne mich gegen die verglaste absperrung.
"wenn nicht gerade ein gewitter dazwischenkommt", erwidert die lederjacke und zeigt auf eine beachtliche dunkle wolkenfront, die vom hafen heraufzieht.
"wie viele stockwerke hat das haus denn?"
"wir sind jetzt über dem 13.", antwortet die lederjacke.
"hui, dann sollten wir jetzt machen, dass wir reinkommen, sonst trifft uns der blitz!"
"das ist hier schon gut möglich, hier kommt ganz schön was runter", zeigt die lederjacke auf die blitzableiter neben uns.

während draußen ein unwetter niedergeht, legen wir drinnen die folien aus, kleben die lichtschalter und steckdosen ab und fangen im großen zimmer an.
gegen mitternacht machen wir eine pause, rauchen eine und trinken ein bier.
"wir sind richtig weit gekommen", bin ich stolz.
"hast du noch kraft?"
"klar. ich will auf jeden fall weitermachen."
"hey, was meinst du, schaffen wir heute nacht die ganze wohnung?"
"gucken wir mal."

und während wir so auf dem fensterbrett sitzen, die beine baumeln lassen und uns verschwitzt anstrahlen, ertönt plötzlich ein lauter knall.
"was war das?!"
die lederjacke ist beunruhigt aufgesprungen:
"das kam aus der küche!"
zusammen rennen wir in die küche - und mitten in ein splitterfeld.
"was zum teufel ist das?!" ruft die lederjacke entsetzt.
"da, der ofen!"
ich zeige auf den ofen, dessen front fehlt.
"alles voller glas!"
die gesamte glasfront des ofens war herausgesprungen und in tausend stücke zerbrochen.
die lederjacke kniet sich ungläubig nieder und inspiziert den schaden.
"nicht anfassen!" mahne ich, "machen wir erst die sicherung raus, am ende war da spannung drauf."
die lederjacke tappt in den flur und hantiert am sicherungskasten.
"geh du bitte in den flur, du bist barfuß", ermahnt sie mich, dann holt sie schaufel und besen und beseitigt die scherben.
"kannst du dir das erklären", ruft die lederjacke in den flur.
"nicht wirklich", sage ich. "das ist echt ungewöhnlich. das glas ist ja auch total dick, das geht doch nicht mal kaputt, wenn man da dagegen rennt. also das einzige, was mir einfällt, ist, dass da irgendwie spannung drauf war."

die lederjacke kommt in den flur.
"also ich finde das unheimlich."
in diesem moment beginnt die deckenlampe zu flackern.
"ein poltergeist", lache ich. "du hast nen poltergeist. das ist die erklärung."
"du glaubst nicht ernsthaft an so nen scheiß", sagt die lederjacke.
"na, es liegt doch total nahe", kichere ich.
"hör auf mit so einem mist."
"ich hatte mal einen exfreund, der glaubte, wenn man dinge ausspricht, dann treten sie auch ein."
"du warst auch nur mit psychos zusammen, kein wunder, dass du depressiv geworden bist!" findet die lederjacke.

dann streichen wir weiter - ich im bad, die lederjacke im flur. plötzlich höre ich gesang.
ich hole die lederjacke ins bad.
"herzlichen glückwunsch, du hast auch singende nachbarn."
gemeinsam lauschen wir.
"aber wer singt denn bitte nachts um halb zwei?"
"wer streicht denn bitte nachts um halb zwei?"
"okay, eins zu null für dich", meint die lederjacke.
wir lauschen noch mal.
"klingt irgendwie so... religiös."
"wie bei meinen nachbarn."
die lederjacke beäugt mich misstrauisch:
"also erst schleppst du deinen poltergeist hier an, jetzt hab ich auch noch singende satanisten in der butze!"
"kannst ja wieder ausziehen."
die lederjacke schubst mich und knuddelt mich dann.
"machen wir weiter?" frage ich.
"wird dir das nicht zu viel?" hakt die lederjacke nach.
ich wische ihr als antwort mit dem pinsel durch gesicht und flüchte mich dann kichernd zurück ins bad.

um halb fünf uhr morgens haben wir es geschafft.
"wahnsinn", sagt die lederjacke. "das sieht echt professionell aus."
"tja. ich habe ja gesagt, vertrauen sie auf meine kompetenzen, mein herr."
"aber mein rücken ist jetzt ganz schön kaputt."
"bei mir isses gerade nur die schulter und der arm, aber du hast ja auch die decken gemacht."

dann sitzen wir noch ein bisschen auf der dachterrasse und schauen in den sonnenaufgang.
"da kommt die nächste front", sagt die lederjacke irgendwann.
"dann fahre ich mal schnell nach hause, bevor mich der regen erwischt."
"wie lange hast du?"
"ach, 20 minuten oder so."
"ich finde es ja schön, dass wir jetzt wieder näher bei einander wohnen."
ich schaue die lederjacke zärtlich an.
"ich auch."

die lederjacke bringt mich zum aufzug und gibt mir einen kuss.
"vielen dank für deine großartige hilfe."
"nichts zu danken. hat spaß gemacht."
"dann schlaf mal schön."
"grüß den poltergeist von mir!"
die lederjacke lacht und verschwindet in ihrer wohnung, während ich auf mein rad steige und durch den einsetzenden nieselregen fahre.

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Mittwoch, 15. Mai 2013
ein pfand, ein pfand in meiner hand
inzwischen hab ich dem objekt seine sachen in einer anonymen nacht-und-nebel-aktion zurückgegeben, aber meine nicht bekommen. seither stellt es sich blind, taub, stumm und unsichtbar. ich fand das erst lustig. dann fiel mir auf, dass ich die sachen, die es einbehalten hatte, eigentlich dringend brauche und dass ein neukauf ziemlich teuer würde.

tagelang habe ich darüber nachgedacht, was ihn dazu bewegen könnte, das zeug rauszurücken. mit freundlichkeit und geduld kam ich nicht weiter, merkte ich.

und dann kam die idee. die ist zwar ein bisschen sehr fies, aber da er jetzt auch nicht gerade den nobelpreis für fairness verdient hat, durchaus in ordnung.

jetzt muss ich nur noch die passende gelegenheit abwarten. bericht folgt.

nun aber erstmal wieder dröge dumpinglohnarbeit.

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