Sonntag, 12. Mai 2013
bis zum horizont
und kein stück weiter.



feat. falkensteiner strand

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Donnerstag, 9. Mai 2013
tiefenentspannt

er sowieso.

ich aber auch. spätestens, wenn er sich als nackenwärmer verdingt.

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Dienstag, 7. Mai 2013
im regen stehen
da steh ich im regen, ach was regen, wolkenbruch und überlege, weiterrennen und pitschnass werden oder stehenbleiben und pitschnass werden, und just als mir die unsinnigkeit meiner gedanken bewusst wird, stülpt jemand ein rotes regendach über mich.

jemand ist eine frau um die vierzig, die mich locker anstrahlt und dann fragt:
"möchten sie den schirm haben? ich hab mir vorhin einen neuen gekauft, ich brauche den nicht."
ich gucke belämmert, im kopf rattert sofort die zahlmaschine los, was gebe ich der jetzt, mist, ich hab kein bargeld mehr, also frage ich verzweifelt:
"was möchten sie denn dafür haben?"
"nichts", lächelt die frau entspannt.
"wohnen sie in der nähe, ich kann ihnen den schirm doch wiederbringen", hasple ich.
"nee, behalten sie den doch. ist ein geschenk", lacht die frau. "ich brauche den nicht mehr."
"danke..." stottere ich.

dann schauen wir uns verlegen an.
"sagen sie mal, sie klingen, als ob sie aus süddeutschland kommen?" frage ich vorsichtig.
"ja, aus münchen", sagt die frau.
"nein! ich komme aus nürnberg", erwidere ich.
"was für ein zufall", strahlt die frau. "ich wohne erst seit ein paar monaten hier."
"ich seit fünf jahren."
die frau beäugt mich neugierig.
"finden sie es auch so schwer, hier menschen kennenzulernen? also nicht das kennenlernen an sich..."
"... aber menschen, die bleiben", vollende ich den satz.
wir müssen wieder lachen.
"ich finde das schade", sage ich, "dass die großstadt so unverbindlich und oberflächlich ud äußerlichkeitengeil macht."
"ich auch, und münchen ist ja auch nicht gerade klein, aber doch anders."

dann stehen wir dumm herum, bis ich sage
"ja dann..."
"dann lassen sie uns doch mal einen kaffee trinken gehen", schlägt die frau vor.
"oh ja, unbedingt", finde ich.
wir tauschen handynummern und müssen dauerlächeln, bis sich die frau verabschiedet.
"ich hab jetzt nur noch zehn meter."
"ich hab noch zehn minuten", sage ich.

seltsam berührt und trocken gehe ich weiter mit dem knallroten schirm, bis ich zuhause bin.

man sollte doch öfter einfach mal im regen stehen.


p.s.: knaller des tages, referreranfrage:
"fette nackte frau schläft ein auf einen mann mann kann nicht aufstehen"

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Montag, 6. Mai 2013
gala-leben
ein abend mit der lederjacke.

als ich ankomme, sitzt die lederjacke schon sturzbetrunken am küchentisch und hat eine halbleere flasche brandy vor sich stehen.
"na, burned out und besoffen?" sage ich zur begrüßung, bevor ich mich sehr fest in die arme nehmen lasse.
"ich bin schon hellblau", gibt die lederjacke zu. "aber anders kann man den scheiß ja nicht aushalten."
"deine arbeit?"
"ey, das ist einfach nur scheißanstrengend. ich komme zu gar nichts mehr. feierabend bin ich fix und alle. ich liege um neun uhr abends im bett. zum training war ich auch schon ewig nicht mehr."
ich schaue die lederjacke genauer an und tatsächlich wirkt der sonst so scharf definierte körper weicher. ich finde das schön, vor allem im gesicht und sage das der lederjacke.
sie lächelt geschmeichelt und lehnt sich lässig mit der zigarette zwischen den fingern zurück.

"und bei dir? du siehst total krank aus", haut die lederjacke ehrlich wie immer raus.
"ist auch bei uns alles gerade anstrengend. wir haben jetzt alle bis herbst keinen urlaub mehr."
"wiebitte?!" empört sich die lederjacke. "na jetzt ist aber polen offen! du kündigst da jetzt hoffentlich!"
"daran denk ich die ganze zeit", gebe ich kleinlaut zu.
"mach das! das geht ja gar nicht! was denkt die denn, dass ihr besser arbeitet, wenn ihr nur weihnachten und mal kurz im herbst urlaub kriegt?!"
"hm", sage ich kleinlaut.
"und hör auf, dich so klein zu machen", poltert die lederjacke weiter. "stinksauer sollte dich das machen."
"ich bin eher resigniert."
"ja, das gibt den sklaventreibern in unseren land die macht... guck dir doch mal morgens die leute in der u-bahn an! wie unglücklich die alle sind! und dann lesen sie die gala oder so einen scheiß, wo das leben von den privilegierten nullkommazwei prozent breitgetreten wird und da rebellieren die nicht mal! die finden das auch noch interessant und unterhaltsam!"

wie immer, wenn es um politik geht, redet sich die lederjacke in rage, bremst dann aber:
"sorry, ich hab dich über den haufen geredet, was? aber es macht mich immer so wütend, wenn ich sowas höre und dann sehe, wie todunglücklich du bist."
ich gucke nur, bis die lederjacke heranrutscht und mich in den arm nimmt. dann gießt sie mir einen brandy ein und lässt die gläser klingen.
"auf dieses scheißleben... und darauf, dass wir wenigstens heute abend mal spaß haben!"

wir gehen rüber in den club.
"mein ekelhafter exlover ist auch da", sage ich, als ich das objektfahrrad vor der tür stehen sehe.
"soll ich dem eine einschenken?" fragt die lederjacke solidarisch.
ich muss kichern. ein objekt-lederjacke-duell wäre natürlich spannend bis erheiternd.
"nee, bleib du mal einfach an meiner seite."
ich hake mich bei der lederjacke ein und betrete die geheiligten hallen.

die musik ist mittelmäßig wie in letzter zeit so oft. außer dem objekt ist noch mr. shyguy mit neuer flamme anwesend. ich knuddle die beiden letzteren sehr herzlich. das objekt schaut kurz bedröppelt rüber und dann gleich wieder weg.
die lederjacke holt mir einen wodka energy von der bar und versorgt sich selbst gleich mit bier und schnaps.
"vielleicht solltest du mal zwischendurch ein wasser trinken", schlage ich vor.
"vielleicht solltest du zwischendurch mal deine sorgen vergessen und lachen?"
kontert die lederjacke.
dann schaut sie mich genau an.
"du hast da was weißes an der nase."
"hm", sage ich und rubble, "das sind bestimmt irgendwelche pollen, bin ja vorhin rad gefahren."
"schneeglöckchen, was?"
ich haue die lederjacke ein bisschen. die lederjacke kichert über ihren eigenen witz und meint dann:
"so betrachtet bekäme auch das wort heuschnupfen eine ganz neue bedeutung!"
ich muss jetzt doch lachen.
"na gottseidank", sagt die lederjacke.
"endlich taust du mal auf."

die lederjacke scheint es sich zur hauptaufgabe gemacht zu haben, mich zu erheitern. das gelingt ihr recht gut. zwischendurch gehe ich sogar tanzen und halte dabei sogar die objektnähe aus.
die lederjacke ist inzwischen sturzbetrunken, schwankt und lallt und lässt sich von zwei schwulen angraben, bevor sie sich wieder zu mir flüchtet.

dann ist es kurz nach vier. wir sind beide alkoholbeeinträchtigt, müde und ziemlich gelangweilt.
"willst du gehen?" fragt die lederjacke und ich übersetze die frage richtig in "ich würde gerne nach hause."
als echter gentleman würde mich die lederjacke nämlich niemals nach hause drängen.

bei der lederjacke falle ich direkt ins bett, während die lederjacke noch ein bisschen wach ist und musik hört. dann endlich kriecht sie zu mir unter die decke.
"du?" sage ich.
"hm" sagt die lederjacke.
"kannst du mich bitte ganz fest in den arm nehmen?"
die lederjacke schmunzelt, legt meinen kopf in ihre armbeuge und umschlingt mich.
"gut so? oder ist dir das zu schwer?"
"super."
"ehrlich? du kannst doch so nicht schlafen."
"ich kann so wunderbar schlafen."
und bevor die lederjacke noch lange vetos einlegen kann, bin ich schon im land der träume.

ich träume, dass ich mit der lederjacken-familie strandurlaub mache und die lederjacken-mama eine kettenrauchende heidi klum ist. als ich wach werde, ist die lederjacke auch wach, wie immer eigentlich, denn die lederjacke leidet unter schlafstörungen.
"du! ich hab was lustiges geträumt!"
"ich habs gemerkt", erwidert die lederjacke.
"wie das denn?"
"du hast mich getreten!"
"oh."
"ja! das machst du jedesmal! immer strampelst du im schlaf."
"sorry."
"ja, toll, sorry, und jetzt pennst du gleich weiter und machst es dann wieder!"
"dafür hast du besoffen geschnarcht!"
"hab ich gar nicht!"
"hast du doch."

dann müssen wir beide lachen.
"los, komm", sagt die lederjacke und löffelt mich. dann schlafen wir ganz friedlich, bis es 16 uhr ist und die lederjacken-mitbewohnerin uns unsanft weckt, weil wir chaos in der küche gemacht haben und zu viel lärm obendrein. die lederjacke rafft sich auf, spült ab und entsorgt eine halbe tonne asche sowie leere flaschen, während ich mich anziehe und mein rad beim club abhole.
wieder zurück hat die lederjacke gekocht. wir essen tortelloni mit nix, weil beide zu faul sind, zur tanke zu fahren. danach mache ich mich auf den nachhauseweg. schließlich fängt morgen wieder unser nicht-gala-leben an.

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Mittwoch, 1. Mai 2013
mut
manchmal bin ich ja mutig. meist dann, wenn ich sehe, wie menschen leiden, die mir untan sind und ich an deren leidenbedingungen selbst direkt nichts ändern kann. heute - nach dem willkürlichen feuern einer sehr wertvollen kollegin, dem nichteinhalten von gehaltsversprechungen und zwei vollkommen misorganisierten events - habe ich der gf einen brandbrief geschrieben. über verbindlichkeit, ehrlichkeit und loyalität. und die erodierende wirkung leerer versprechen auf das vertrauen von mit-führungskräften und anderen kollegen.

immer geradlinig sein, wissen sie ja, sonst bekommt man rückgratverkrümmung.

ich dachte, entweder sie feuert mich jetzt oder sie startet einen ausreden-marathon. doch nichts von beiden traf ein. stattdessen bekam ich einen beschwerdebrief wegen des unangemessenen tons.

nunja. dann wissen wir also auch: die gf wird die schöne sache mit den werten werten in diesem leben nicht mehr lernen.

mut kostet mich auch die neue diagnose, die meine neu ausgebrochene schmerzsymptomatik betrifft. irgendwann mal fit werden in diesem leben ist jetzt quasi ausgeschlossen. körperlicher UND seelischer siechtum, so fuck it. ich habs ja schon mal gesagt: alt werde ich nicht. meine mutter hat am telefon rotz und wasser geheult, während ich selbst noch immer unberührt bin. denn ich bin der meinung, dass nichts schlimmes dran ist, wenn das kind jetzt einen neuen namen hat. ist ja immer noch dasselbe kind. ungeliebt eben.

manchmal fühle ich mich wie der prophet, der das joch trug. aber solange ich die stimme höre, meine innere stimme, und ihr folge, wird mir nichts schlimmes geschehen. hoffe ich.

vielleicht bleibt irgendetwas übrig. dieses blog möglicherweise.

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