Freitag, 1. März 2013
freisein am freitag
bis mittag schlafen und von den sonnenstrahlen, die über die augenlider streicheln, erwachen.

kaffee und kippe am offenen fenster. sieben grad celsius, märzgeruch und mittagstille. nur ich mit mir.

auf der straße frühlingsmenschen, blinzelnd, irritiert. der kleine hund, der an mir schnuppert und sich freut und mich infiziert mit einem gefühl. mit dem ich weitergehe und merke, es ist ruhe, frieden und ein wunderbares glück.

und freiheit. die kribbelt in der zirbeldrüse und zwingt mich zum lächeln. dazu, mir selbst zuzulächeln und ein geheimnis mit mir zu teilen: eigentlich ist alles perfekt. so wie es ist. und so wie ich bin.

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Sonntag, 24. Februar 2013
sucker
"bitte bitte bitte, nur ein stündchen, ich mag dich so doll und zusammen haben wir immer so viel spaß und du musst da auch niemandem in die fresse hauen, weil ich nur lauter nette leute kenne", jaule ich ins telefon, als die lederjacke anruft, um mir mitzuteilen, dass sie eine mittelohrentzündung hat und deshalb nicht mit in den club gehen kann.
"ach du liebes, ich habe fieber und echt schmerzen... sonst... kennst mich ja, ein paar bier gehen immer", erwidert die lederjacke lachend, wenn auch geschmeichelt. "nur eben heute nicht."
"jetzt weiß ich gar nicht, ob ich heute losziehe, wenn du nicht mitkommst", schmolle ich.
"doch! wehe, wenn nicht!" entrüstet sich die lederjacke. "wenn du schon unglücklich bist, dann vergiss die scheiße wenigstens mal für ein paar stunden und geh tanzen."
"hm", sage ich, total begeistert.
"du kannst ja vorher zu mir kommen. dann musst du später nur noch einmal über die straße."
die idee ist clever, da mich in heftigen depriphasen vor allem öffentliche verkehrsmittel, in denen man fremden spacken nicht entkommen kann, schrecken. wenn ich eine verabredung habe, habe ich allerdings ein wesentlich konkreteres freudiges event vor augen als wenn ich nur in den club gehe und nicht weiß, ob es dort nicht vielleicht richtig scheiße wird. das motiviert mich dann, die gut zwanzigminütige bus- und bahnfahrt doch auf mich zu nehmen.
"okay", sage ich. "ich muss mich nur noch hübsch machen. so in einer stunde, ja?"
"alles klar, ich mach dir schon mal einen tee mit", stellt mir die lederjacke, die eine perverse vorliebe für kamillentee hegt, in aussicht.
"ja, aber bitte earl grey", sage ich.
"sollst du haben. bis gleich!"

als ich bei der lederjacke ankomme, öffnet sie mir in trainingsanzug und mit verwuschelten haaren die türe. so kenne ich die lederjacke, die sonst sehr eitel und etepetete ist sowie laut eigener aussage an einem duschzwang leidet, gar nicht.
"du siehst toll aus", sagt sie zu mir, als ich aus meiner jacke schlüpfe, und zupft an meiner weinroten neuen bluse.
"du nicht", sage ich ehrlich und lache.
die lederjacke zeigt mir den stinkefinger und droht mit einer runde kamillentee.

dann sitzen wir bei der lederjacke im bett, kuscheln und zappen durchs fernsehprogramm.
"was ist denn nun eigentlich los bei dir? du sagtest, du warst diese woche krank?" fragt mich die lederjacke.
"hm", sage ich.
"willst du drüber reden?"
"naja, gibt nicht viel zu sagen. das war so wie in der zeit kurz bevor die depression akut war: tagsüber traurig, nachts angst und schlafproleme. nur diesmal ohne echte schlaflosigkeit, weil die medikamente ja so viel energie schlauchen. trotzdem hab ich viel zu wenig schlaf abbekommen und habe entsprechend mein serotonindefizit noch mal verschlimmert. letzte nacht hab ich erstmals wieder gut geschlafen, 13 stunden lang."
"und sonst?"
"naja, zu viel getrunken hab ich und mir spannende tablettencocktails reingezogen."
"mann!" die lederjacke schlägt mit der faust auf die bettdecke und ich zucke zusammen.
"tschuldigung", sagt die lederjacke, "aber das macht mich so wütend... das ist so scheiße... aber ich weiß ja nicht, wie man das abstellt."
"reg dich ab. ich werde nicht alt so, das ist mir schon klar."
die lederjacke guckt betroffen, sagt nichts und nimmt mich in den arm. dann verkündet sie:
"so! nun aber zum hauptteil des abends... vergnügen und zerstreuung!"
die lederjacke lässt zigaretten, kekse, chips und gummibärchen auf mich niederregnen und schmeißt anschließend einen lustigen film in den dvd-player.

als ich gegen eins von der lederjacke in den club wechsle, ist mir durch und durch warm. das ändert sich schlagartig, als ich den eingang passiere und mit den menschenmengen konfrontiert bin. ich drücke mich eine weile an der garderobe herum und versuche mir einzureden, dass ich gut aussehe und niemand bemerken wird, dass ich in wirklichkeit ein alien bin. ich atme tief ein, dann geht es rein und richtung bar. erstmal ein mädchenbier, so anstatt schnuller. und eine zippe zum festhalten in der anderen hand. na bitte. geht doch.

ich drehe zwei runden und mir begegnen einige bekannte gesichter in der menge. ich lasse mich umarmen, merke, wie das gefühl von fremdartigkeit und anspannung etwas nachlässt. ganz hinten in einer ecke dann entdecke ich das objekt, das sehr in sich gekehrt wirkend eine zigarette dreht. es hat nur einen stehplatz, kann den tabak nirgends ablegen und dreht daher mit einer hand. das ergebnis ist entsprechend krüppelig. das objekt zupft eine weile am papier und versucht den filter noch gerade zu richten, entschließt sich dann aber, dass nicht mehr viel zu retten ist und sucht nach feuer in seinen hosentaschen.

ich schleiche mich an und haue ihm auf den hintern:
"die hätte ja sogar ich besser hingekriegt", sage ich.
"morphine", nuschelt das objekt und will mich umarmen, wobei ihm die krüppelkippe aus dem mund fällt und von vorbeilatschenden füßen zertreten wird.
das objekt guckt bedröppelt.
"das war doch eh nichts richtiges", sage ich.
"nee, hast recht, war nichts richtiges... also diese umarmung, mein ich", lächelt das objekt und nimmt mich noch mal in die arme, drückt mich, bis mir die luft wegbleibt und begrabbelt dann meinen po.
dann versucht es, noch mal eine zigarette zu drehen.
"wirds denn gehen", kommentiere ich das gefummel.
das objekt lässt sich nicht ablenken.
"ich helfe ihnen nachher auch gerne über die straße", biete ich an.
das objekt presst den tabak an seine brust, um eine hand frei zu haben für den stinkefinger, den es mir zeigt. das ist schon der zweite des abends, zähle ich mit, entsprechend muss ich heute doch ganz cool rüberkommen.
"ich erinnere dich an neulich, als du den reißverschluss nicht mehr aufbekommen hast und ich dich aus deiner jacke befreien musste", kontert das objekt. "da wollte ich dir schon anbieten, dass du auch mutti zu mir sagen kannst."
"okay, mutti", erwidere ich und gebe dem objekt einen kuss.

das objekt hat die zigarette endlich fertig, legt den arm um mich und fragt:
"und, wie ist der abend heute für dich?"
"hm, weiß noch nicht."
"doch, das weißt du. eigentlich ist es ein guter abend."
"warum?"
"na guck dir mal die leute an..." das objekt schielt in richtung einer aufgeregt umherwatschelnden frau, die kurzhaarschnitt, eine strenge brille und eine komische handtasche trägt.
"allein wegen der handtasche kann ich dir genau sagen: gebärmaschine."
"naja, das ist eben eine, die sonst nie da ist und für die das hier wahrscheinlich sowas wie der tempel der verheißung ist..."
"das ist so der typ frau, die sucht einfach nur einen, der ihr ein kind macht... heute ist sie hier, nippt an ihrem stillen wasser und tanzt in ihren biederen klamotten wie ein pinguin und morgen erzählt sie dann ihren kolleginnen, boah, am samstag, da hab ich so richtig einen drauf gemacht."
wir kichern beide.
"wir sind fies", sage ich.
"na und", grinst das objekt. "macht doch spaß. über uns tratschen die leute sicher auch. die sagen, da stehen der hippie und die psychotante, die haben sich gesucht und gefunden. da ist das nur fair."

wir stehen herum und nuckeln an den bierflaschen. das objekt hat noch immer den arm um mich gelegt.
"achtung, achtung", stupst mich es mich dann an. "samenspender auf halb acht!"
ich gucke in die beschriebene richtung und sehe einen noch recht jungen typ, format bubi in turnschuhen, der sich der handtaschentussi nähert.
"ooooh... komm", wispert das objekt. "nimm ihn, nimm ihn... der arbeitet bestimmt in ner sparkasse und fährt nen vw kombi und zuhause hat er nen bausparvertrag und ne briefmarkensammlung, die er seit seinem zwölften lebensjahr vergrößert."
ich muss kichern und beobachte, wie die handtaschentussi den bauspartyp ziemlich herablassend abblitzen lässt.
"au, junge, das war schlechte recherche", kommentiert das objekt das geschehen. "die frau ist ein haifisch, da musste anders ran. da musste früher mit dem bausparvertrag wedeln, damit die gleich weiß, das kinderzimmer ist sicher."
ich verschlucke mich vor lachen an meinem bier.
"verstehst du, was ich dir sagen will?" fragt das objekt. "im vergleich zu solchen menschen sind wir so unendlich frei."
"das schon", erwidere ich. "hat aber auch nachteile. wir werden nie wertvolle mitglieder dieser gesellschaft."
"wenn du mal ehrlich bist, willst du das doch gar nicht. und irgendwann wird dich das auch überhaupt nicht mehr interessieren", verspricht mir das objekt. "du bist ne coole frau, du hast unheimlich viel auf dem kasten. du wirst sie alle in die tasche stecken, wenn du dir nur treu bleibst."

das klingt so fest und herzlich und überzeugt, dass ich mich für einen moment vollkommen happy und merkwürdig zweisam fühle. ich habe das bedürfnis, mich richtig anzukuscheln, weiß aber nicht, wie ich das kommunizieren soll und ob das dem objekt dann nicht zu viel wird. also fummele ich unsicher an seinen haaren und kommentiere den schiefen pferdeschwanz, bis das objekt mich offen anschaut, lächelt und dann sagt:
"los, komm her, das willst du doch."
es zieht mich zu sich heran, legt meinen kopf an seiner brust ab, hält mich fest und streichelt sachte meine haare, wangen und nacken. der barkeeper kommt vorbei und macht einen spruch, aber das objekt ignoriert das einfach und streichelt mich weiter.
"schmusekatze", sagt es.
"du musst sagen, wenn dir das zu viel wird, ja?"
das objekt lächelt nur, schüttelt den kopf und wiegt mich beruhigend wie ein kind. ich kann sein herz schlagen fühlen und stelle mich vor, wie dieses herz mein eigenes defibrillieren könnte. liebe ist ein energiespender. man könnte umarmungen verkaufen wie isotonische getränke. interessant, dass es dafür noch keinen markt gibt.

nach einer unendlichkeit lockert das objekt den griff ein wenig, streicht mir die haare aus dem gesicht und fragt leise:
"wie fühlst du dich?"
"das war schön", flüstere ich.
"du bist wie ein trockener schwamm, du brauchst so viel liebe", findet das objekt.
"ich will dich nicht nerven", sage ich. "ich weiß, ich bin zu viel, kein mensch kann das aushalten."
"du siehst das falsch", korrigiert mich das objekt. "was meinst du denn, dass mir das gerade nicht auch etwas gegeben hat?"
ich gucke groß.
"das war doch wunderbar symbiotisch", fährt das objekt fort. "ich hab deinen herzschlag gespürt, das war großartig."
ich weiß nicht, wohin ich gucken soll, nehme den letzten schluck bier aus meiner flasche und flüchte erstmal auf die tanzfläche.
nach einer weile tanzt das objekt neben mir, macht faxen und berührt mich dann und wann, um den zauberfaden, den es gesponnen hat, nicht reißen zu lassen. gegen halb fünf beschließt es, dass ich genug vom abend hatte und besser nach hause sollte, um eine ordentliche mütze schlaf zu bekommen.

draußen stürmt und schneit es. ich werde auf der fahrradstange bis zur bushaltestelle gefahren. dort verabschiedet sich das objekt umständlich und radelt durch den schnee davon.

ich stehe an der haltestelle, spüre die schneeflocken auf meinem gesicht schmelzen und merke, dass ich wirklich da bin, dass ich lebe und dass meine seele nicht wie sonst ein expandierendes vakuum ist. ich denke an das objekt und die lederjacke und die wärme steigt wieder in mir auf, weil es schön ist, dass es diese menschen in meinem leben gibt. diese und noch zwei oder drei andere.

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Samstag, 23. Februar 2013
geliebtes duett
"...loving you is a world that´s strange
so much more than my heart can hold..."

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Dienstag, 19. Februar 2013
not at home
für alle, die wissen, was es bedeutet, außerhalb des selbst zu stehen und zeitweise sich selbst zu beobachten wie einen entseelten körper, der durchs leben taumelt, ohne daran teilzunehmen.

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Samstag, 16. Februar 2013
warum ich single bin
clubbing. ich bin mit dem dritten mann verabredet, der zoff mit der drittefreundin hat und seine neue heimat für ein wochenende verlässt, um in hh ordentlich einen draufzumachen. ich habe dem dritten obdach angeboten, und als wir grinsend voreinander stehen, weiß ich, dass es schwer wird, nein zu sagen.
"ich bin heute nicht dein frustfick, damit das klar ist", positioniere ich mich.
"ich freu mich, dich zu sehen", erwidert der dritte indifferent und drückt und küsst mich.

das objekt ist ebenfalls anwesend. es hat ein sehr junges mädchen im schlepptau. ich erfahre, dass es eine praktikantin ist, die das objekt aus der klinik kennt. ich zähle eins und eins zusammen und spätestens, als das objekt der kleinen gegenüber die frauenverstehermasche auspackt, weiß ich, es kann sich nur um stunden handeln, bis das objekt einlocht.

der dritte ist ein wenig enttäuscht und meint, er hätte schon davon geträumt, dass wir beide heute das objekt mit zu mir nehmen könnten. das klingt verlockend, aber ich weiß, dass die chancen gegen null gehen, wenn ein mädchen anwesend ist, das 10 oder 12 jahre jünger ist als ich. mädchen bis ungefähr 20 sind des objekts besondere vorliebe, weil sie so schön einfach zu knacken sind und das objekt ohne zu hinterfragen anhimmeln.

"bist du immer noch single", fragt mich der dritte.
"ja", sage ich, "und das wird sich auch nicht mehr ändern. ihr männer seid doch alle arschlöcher."
"naja", sagt der dritte. "so 30 bis 40 prozent sind arschlöcher... würde ich sagen..."
"und der rest?"
"der rest sind vollidioten."
"nicht zu vergessen der anteil, der beides ist!"
"du bist ganz schön bitter."
"ich bin realistin."
"es gibt auch nette!"
"so ne wie dich, oder was?"
da schmiegt sich der dritte an meine schulter, aber ich kenne ihn zu gut, um nicht zu wissen, warum er heute abend hier ist.

am ende des abends sitze ich betrunken mit k. auf der einen seite des raums, und auf der anderen sitzen objekt, die praktikanten-tusse und der dritte mann. die körpersprache der drei ist überdeutlich, aber nach der grundsatzdiskussion von vorhin will ich sichergehen und frage nach.
"willst du jetzt heute tatsächlich bei mir pennen?", zupfe ich den dritten am ärmel.
"ja klar", sagt der.
"das sieht aber gerade ganz anders aus", entgegne ich.
"nein, nein", beschwichtigt der dritte, "wenn du gehen willst, pack ich meine sachen und wir brechen auf."
"du musst nicht."
"was denkst du denn von mir?"
"dass du die auch gerne ficken würdest."
"neee... du... das mit meiner freundin ist noch ganz frisch... ich liebe die immer noch... das könnte ich nicht."
"na gut", sage ich, nicht ohne misstrauen.

eine viertelstunde später sitzt das objekt halb beim dritten auf dem schoß und hat den arm um ihn gelegt, den anderen um die praktikantin. k. und ich gucken einander mit hochgezogenen augenbrauen an und harren der dinge, die da kommen werden.
"der schleppt die heute beide ab, das ist eindeutig", sage ich zu k.
"aber der dritte meinte doch vorhin, er käme mit dir mit?"
"ich verwette meinen arsch drauf, dass er das nicht tut. eigentlich weiß er das auch schon, nur dachte er vorhin, er ist besser mal rücksichtsvoll. wäre ja doof, wenn der fick doch nicht klargeht und er noch irgendwo einen schlafplatz braucht."
"du bist ungaublich desillusioniert, weißt du das? du denkst so schlecht von anderen menschen."
"okay, pass auf, ich wette 10 euro mit dir, dass er mit dem objekt und der ische mit will."
"einverstanden." k. schlägt ein.

ein paar minuten später gehen die lichter an und ich hole meinen mantel. abmarschbereit positioniere ich mich vor dem dritten.
da endlich erhebt er sich zerknirscht und meint:
"ich schlafe heute doch beim objekt."
"und das fällt dir jetzt erst ein."
"naja...."
"vergiss es. ich hab das kommen sehen. ihr solltet euch mal sitzen sehen."
dem dritten ist die situation mordspeinlich.
ich winke und sage nur:
"dann fickt schön. und nicht vergessen, gummi benutzen. sonst bist du auch bald vater."
der dritte weiß nicht, wohin gucken, und meint dann nur:
"mann. du weißt immer alles. dir kann man echt nichts vormachen."
"verkauf mich nicht für dumm, mein lieber. ich hab es dir vorhin gesagt: die einen sind arschlöcher, die anderen vollidioten. und beide denken mit dem schwanz. da nehme ich dich nicht aus und das objekt schon dreimal nicht."

dann umarme ich das objekt und wünsche auch ihm fröhliches ficken.
"ich bin mir noch gar nicht sicher, ob da überhaupt was geht", sagt es.
"mir kommen die tränen. guck sie dir an, das ist ne reife pflaume. die ist so weichgespült von deinem gelaber, die musst du nicht mal mehr pflücken, die fällt von alleine."
das objekt guckt irritiert:
"wie du redest."
"ich nenne die dinge beim namen. ich mag es nicht, wenn mir jemand theater vorspielt. und du willst mir ja wohl kaum vormachen, dass du dich in die kleine verliebt hast und dass ihr heute ganz romantisch händehalten und euch allenfalls zart küssen werdet."
das objekt ist verstummt und glotzt mich sprachlos an.
ich klopfe ihm auf die schulter.
"guten schuss", sage ich und ziehe k. mit mir aus dem laden.

draußen auf der straße streckt mir k. einen zehner entgegen.
"hätt ich nicht gedacht, dass du recht behälst", sagt er.
"doch, das war glasklar. ich hätte auch um 50 euro gewettet."
"dann hab ich ja mal glück gehabt, hm?"
"ohja!"
k. bleibt stehen und blickt mich an:
"kann das sein, dass du heute extrem auf krawall gebürstet bist?"
ich halte erstaunt inne.
"du wirkst jedenfalls ultra genervt", sagt k., "gehts dir nicht gut?"
und schwuppdiwupp habe ich tränchen in den augen und fühle mich ertappt.
k. nimmt mich in den arm.
"willst du heute bei mir schlafen? einfach nur zusammen einschlafen und ein bisschen runterkommen?"

das angebot rührt mich und ich muss aufpassen, dass ich nicht losheule. ich verstehe plötzlich meine stimmung und dass die aggression eine komische art von sehnsucht ist, die ich argumentativ noch immer nicht ganz totgekloppt habe: der märchenprinz, der niemals kommen wird, weil die realität nunmal kein gottverdammtes märchen ist.

k., der manchmal ungeheuer hellsichtig ist, ärmelt mich unter, zieht mich über die straße und dann die treppe in seine wohnung hinauf. im bett bin ich immer noch entsetzlich traurig, weil meine beweisführung mal wieder so verdammt gut aufgegangen ist.
"ich hätte mir gewünscht, dass du recht behalten hättest", sage ich zu k., der mich fest umschlungen hält und meinen nacken vorsichtig streichelt.
"ich meine, wie soll ich denn jemals jemandem vertrauen?"
k. kennt die antwort auch nicht, vielleicht stellt er sich dann und wann dieselbe frage. er ist nicht der typ mann, der solche gespräche führt, aber er ist da, warm, groß und wohlriechend, und ich schmiege mich in den kräftigen arm mit der stacheldraht-tätowierung, als könne der die schrecklichen gefühle abwehren.

während k. irgendwann schnarcht, liege ich noch lange wach. ich beobachte, wie das fahle morgenlicht durch die vorhänge kriecht und fühle mich wie der erste mensch, der erkennen musste, dass gott tot ist.

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