Samstag, 9. März 2013
[kommentare off]
und das bleibt jetzt auch erstmal so.

bis alle begriffen haben, dass das hier kein kindergarten-chat ist. und dass man einer kunstfigur nicht mit scheißküchenpsychologie kommen sollte.

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Donnerstag, 7. März 2013
glücklich sterben
schlechte nachrichten für muffelmenschen: pessimisten leben rund 10 prozent länger, heißt es in einer studie aus meiner ehemaligen heimat. vermutet wird, dass negativ eingestellte menschen vorsichtiger sind, allen voran ältere frauen. was lernen wir daraus? gott oder werauchimmer hat humor. und zwar keinen besonders freundlichen.

"pessimisten sind näher an der realität", sagt meine therapeut, als ich ihm erzähle, dass man(n) mir einst vorwarf, mit meiner düsteren einstellung das unglück regelrecht anzuziehen. "sie haben das potenzial, langfristig gesehen wesentlich klüger zu handeln." und so leicht kann man mich mit meinem schicksal wieder versöhnen.

spannend ist die studie vor allem für psychisch kranke menschen wie mich, die laut einer anderen studie eine rund 10 bis 20 jahre geringere lebenserwartung haben (und nein, das liegt nicht daran, dass wir uns gerne gehen lassen, saufen, rauchen oder vor autos laufen, sondern weil wir einfach weniger lebenskraft haben). das fand ich zunächst erschreckend, da ich aufgrund meiner lebensumstände (relativ arm, medikamentenfreak, partygöre, stresshäschen) sowie keine 80 werden werde. inzwischen habe ich mich darauf eingestellt, maximal 50 bis 60 jahre alt zu werden. da ich aber krank UND pessimistisch bin, musste ich nun noch einmal alles neu berechnen - und stellte feste, dass ich mir mit etwas pech doch noch sorgen um meine rente machen muss.

wichtiger als mein alter zum todeszeitpunkt aber ist mir das gefühl dabei. nachdem vor einigen tagen dieter pfaff mit 65 an krebs verstorben ist - was mich sehr bewegte, das ich pfaff wahnsinnig schätzte - frage ich mich wieder, wie man es schafft, glücklich zu sterben, vor allem, wenn man schon nicht so glücklich gelebt hat. manchmal träume ich davon, wie ich todkrank und mutterseelenalleine durch die straßen irre, um einen platz zum sterben zu finden. doch überall ist es zu laut, zu kalt, zu ungemütlich und es sind millionen menschen um mich, die ich schrecklich finde. oft suche ich dann meine eltern, weil ich mir wünsche, dort in ruhe sterben zu dürfen. fehlanzeige. aber auch logisch, denn vermutlich werden die vor mir sterben, wenn mir nicht irgendeine besonders suizidale phase dazwischenfunkt. insofern hat der traum da schon recht, wenn er mir nicht irgendwelche illusionen vor die nase hält.

sterben macht mir angst. trotzdem bin ich bereit, irgendwo. der tod ist in meinem bewusstsein, ohne dass es mich belastet. wir haben eine merkwürdiges verhältnis, der tod und ich. ich, mein leben, mein sterben. man kann es vermutlich nicht trennen.

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Mittwoch, 6. März 2013
hoffnung, schwinde nicht!
ich habe eine woche (EINE GANZE!!! woche) urlaub beantragt und sie genehmigt bekommen.

ich bin verstört.

ich trau mich gar nicht zu buchen. normalerweise wurde stattgegebener urlaub immer noch mal kurzfristig mindestens einmal verschoben, weil die stellvertretende geschäftsleiterin mit dem assistentenpopelgehalt einfach nicht entbehrt werden konnte. da ich aufgrund des assistengehalts immer auf reiserücktrittsversicherungen verzichte, könnte eine buchung unabwägbare risiken mit sich bringen.

es stehen spannende wochen ins haus - nicht nur, was die derzeitigen überstunden betrifft. bleibt es bei zweien pro tag oder werden es noch mehr? der dax würde sich über eine analoge entwicklung zu meinen arbeitszeiten freuen.

der aktuelle plan ist, sich eine gute berufsunfähigkeitsversicherung zuzulegen und dann einen netten arzt zu finden, der mir zu multiplen bandscheibenvorfällen und psychischen erkrankungen noch irgendwas solides wie herzrhythmusstörungen bescheinigt. und dann hasta la vista, agenturen!

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Sonntag, 3. März 2013
prinzessinnen und so
nach dem kiez-freitag mit dem dritten und der drittenfreundin gestern noch mal clubbing. unter anderem hatte sich das objekt angekündigt und ich hatte große lust, noch ein paar turbo-pheromone zu inhalieren.

doch schon am clubeingang hatte ich dieses komisch leere gefühl im bauch, das mir prophezeite, dass das objekt heute nicht da sein würde. wie fast immer hatte das gefühl recht. dafür waren aber k. und meine freundin h. sowie der architekt anwesend. kurze zeit später tauchten auch noch mr. shyguy und t. auf. ich war happy.

ich ging zum dj und gab eine ganze liste an wunschliedern ab, die alle gespielt wurden. zusammen mit t. absolvierte ich einen tanzmarathon. dabei fiel mir auf, dass ich t. eigentlich sehr attraktiv finde. weiterhin fiel mir auf, dass ich t. nun schon ein ganzes jahr kannte, ohne dass wir uns je richtig ausgiebig unterhalten hätten. das musste ich sofort ändern.

ich hatte glück, t. hatte ebenfalls gute laune und ließ sich dazu überreden, ein paar kurze mit mir zu trinken. t. erzählte von seiner neuen wohnung, seiner neuen fickbekanntschaft und seiner arbeit. irgendwann kamen wir auf das objekt zu sprechen und die wg, die t. und das objekt einst zusammen hatten.
"das war schon echt cool, bloß der kleine ist ja so nervig", meinte t.
"aber du arbeitest doch viel mit kindern", erwiderte ich.
"jaaa... das ist aber was anderes. zuhause brauch ich die nicht."
"das objekt sagte mal sowas in die richtung, dass du mit dieser situation nicht happy warst."
"ich war einfach nicht bereit, jedesmal den babysitter zu spielen, wenn das objekt breit wie ein eimer war."
dann erfuhr ich noch zwei, drei unschöne geschichten aus der vergangenheit, in der sich das objekt drogenbedingt vollkommen daneben benommen hatte. unter anderem hatte es sich eines schönen weihnachten unmengen mdma eingeworfen und die ganze nacht lang die bude gerockt. danach war es mit dem motorrad durch die stadt gerast und hatte einen unfall gebaut.
"der kleine hat die halbe nacht geheult und ich durfte am nächsten tag erstmal die wohnung aufräumen und dann für das objekt die scheiße mit dem unfall regeln", berichtete t.
"uiuiui. das ist ja richtig assig."
"kannste laut sagen."

ich fasste mir ein herz:
"wir haben ja nun überlegt, zusammen zu ziehen."
t. glotzte mich groß an:
"wie? das objekt und du?"
ich nickte.
t. zog die augenbrauen hoch:
"also spaß wirst du haben und das objekt ist schon ein toller mensch. aber eben auch echt schwierig, zeitweise. und ich würde mir gut überlegen, ob du das mit dem lütten aushälst. der ist anstrengend."
"ich weiß. aber wir verstehen uns gut, der kleine und ich."
"naja, ich mein ja nur. nicht, dass du sagst, ich hätte dich nicht gewarnt."
t. lächelte.
"ich habe auch schon überlegt, ob ich dann nicht zur mutti mutiere und für das objekt der freifahrschein werde, es so richtig krachen zu lassen", gab ich zu.
"naja, es ist ja nun auch schon vier oder fünf jahre her, dass wir zusammengewohnt haben", beschwichtigte t., "ich geh mal davon aus, dass er heute ne ecke vernünftiger ist."

neben t. und mir stand meine freundin h. und unterhielt sich mit einer blonden frau, die ich immer die prinzessin nenne. die prinzessin und ich sind erzfeindinnen - ähnlich wie das objekt und der architekt. ich hatte der prinzessin einst unwissend das subjekt ausgespannt, und die prinzessin hatte vor langer zeit mal einen one-night-stand mit dem objekt. zwar hatte das objekt behauptet, da sei nichts gelaufen, weil es besoffen gewesen sei und keinen mehr hochgekriegt hatte, aber der gedanke, dass die prinzessin mit dem objekt die roten laken geteilt hatte, gefiel mir nicht.

leider verstand sich die prinzessin nicht nur mit h., sondern auch mit t. und k. ganz ausgezeichnet.
"was findet ihr nur alle an der, das ist voll die schreckliche frau", maulte ich.
t. sah mich erstaunt an:
"die ist total nett! du musst die nur mal kennen lernen. die ist am anfang einfach... total zurückhaltend. deshalb wirkt sie vielleicht arrogant."
"die hasst mich. die hat mir nie verziehen, dass ich mal mit dem subjekt rumgeknutscht habe."
t. guckte amüsiert:
"mit wem hier hattest du eigentlich noch nichts am laufen?"
ich grinste frech zurück:
"mit dir!"
t. lachte.

ich konnte das lachen nicht deuten und wechselte lieber das thema.
"und du meinst also, die prinzessin ist okay?"
"die ist ne ganz liebe und hats eben auch nicht leicht. alleinerziehende mutter, schwieriger fulltimejob, arschloch-kindsvater..."
"hm."
in diesem moment setzte sich die prinzessin in unsere nähe.
"na los", sagte t., "deine chance!"
"was?"
"na, sprich sie doch mal an!"
ich guckte groß:
"wie?"
"sag doch mal was nettes zu ihr!" ermunterte mich t.
ich überlegte.
"mir fällt nichts nettes ein", meinte ich dann.
"zicke", grinste t.
"bin ich gar nicht! ich bin auch nett!"
"weiß ich doch", beruhigte mich t. "trotzdem biste manchmal zickig."
"ich bin ja auch eine frau bis in die fingerspitzen!" erwiderte ich.

die prinzessin hatte sich inzwischen wieder entfernt und einen bekannten um feuer angeschnorrt.
"na gut", sagte ich.
"was?" fragte t. zurück.
"ich sag was zu ihr. was nettes. aber das muss sich ergeben. ich kann ja nicht einfach zu ihr rüberlaufen und sie anschleimen. am ende fühlt sie sich noch angemacht!"
"das klingt doch nach einem plan", fand t. "und wer weiß, vielleicht werdet ihr am ende freundinnen?"
"das glaube ich kaum."
"warum denn nicht?"
"weil wir denselben männergeschmack haben."
"das ist doch schon mal eine tolle gemeinsamkeit", lachte t.

die letzten stunden des abends beschränkten wir uns wieder aufs tanzen. als die lichter angingen, waren k., t., h., der architekt, die prinzessin und ich die letzten im club. wir holten die jacken und gingen nach draußen in den hof. es dämmerte bereits.
"wow", sagte ich, "leute, guckt euch mal den himmel an!"
der horizont war in ein tiefes türkis getaucht, in das sich das orange der aufgehenden sonne mischte. dazwischen zogen überall schwarze wolken.
"geil", fand sogar k.

zum abschied nahmen wir uns alle in die arme und wünschten einander eine gute nacht. als ich der prinzessin gegenüber stand, konnte ich mich noch immer nicht zu einer umarmung überwinden.
"tschüß", sagte ich schüchtern.
die prinzessin sagte gar nichts und guckte weg. ich ärgerte mich einen kurzen moment. schließlich war sie die ältere von uns beiden und könnte mir in sachen menschliche reife auch ein bisschen entgegenkommen. ich vermutete, dass es noch länger dauern könnte, bis wir möglicherweise freundinnen werden würden.

dann schwang ich mich in den sattel und fuhr der morgendämmerung entgegen. zuhause brannten meine muskeln vom laufen, radfahren und dem tanzmarathon, und mit dem köstlichen gefühl totaler körperlicher erschöpfung kroch ich in mein bett und befand mich zwei minuten später im tiefschlaf.

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Samstag, 2. März 2013
politisch einkaufen
einkauf mit dem objektsohnemann in einer bekannten hamburger drogeriekette.

zuerst stehen wir bei der kosmetik. ich lege das waschgel einer naturkosmetikmarke ins körbchen.

der lütte fragt mich:
"warum kaufst du das, das andere da wäre doch viel billiger? oder macht das nicht so gut sauber?"
"ich kaufe das, weil das ohne tierversuche hergestellt wird", antworte ich. "sauber machen die alle."
der kleine denkt nach und fragt dann weiter:
"ist das, weil du auch kein fleisch isst?"
"nee. fleisch mag ich einfach nicht. aber ich bin dagegen, dass tiere gequält werden, nur, weil ich mein gesicht waschen will."
der lütte nickt anerkennend.
"ja, das ist ja auch voll gemein!"

wir ziehen weiter.
"warum kaufen dann die anderen frauen sachen, die von tierquälern hergestellt werden?" sagt der kleine laut und eine alte schabracke dreht sich irritiert nach ihm um.
"die meisten menschen nehmen das leid anderer in kauf, wenn sie dafür ein paar cent sparen können."
"aber vielleicht sind die ja arm", wagt der lütte einzuwenden.
"die meisten sind nicht arm, sondern einfach nur geizig", entgegne ich.

dann stehen wir vor den bio-brotaufstrichen.
"das schmeckt gut", sagt der sohnemann und zeigt auf eins.
"sollen wir das kaufen?"
der objektsohnemann überlegt:
"wird das auch ohne tierversuche hergestellt?"
ich muss mir ein schmunzeln verkneifen.
"ja, denke schon. da gibts ja auch nichts auf unverträglichkeiten zu testen. entweder es schmeckt oder es schmeckt nicht. sowas testen die menschen selber."
der sohnemann nickt und stellt das glas in den korb. ich sehe, dass der speicher in seinem kleinen kopf auf hochtouren läuft und noch immer die sache mit den tierversuchen verarbeitet.

dann stehen wir an der kasse. neben der kasse befindet sich ein behälter mit blauen windrädern. jedes kind bekommt eines davon von der verkäuferin überreicht.
"warum verschenkt die die?" will der sohnemann wissen.
"das ist eine form von werbung", erkläre ich. "der chef der drogerie will damit zeigen, dass das unternehmen familienfreundlich ist. wenn die kinder was geschenkt bekommen, denken die eltern, ach wie nett, hier kaufen wir gerne wieder ein. und kommen wieder und lassen geld da. und darum geht es dem unternehmenschef in wirklichkeit auch: der will nämlich nicht nett sein, der will möglichst kunden im laden haben und dabei viel kohle machen."
der sohnemann verfolgt die lektion mit weit aufgerissenen augen.
"das nennt man übrigens marketing", schließe ich die erläuterung.

ich schiele angestrengt auf den lütten und hoffe, dass das nicht allzu verwirrend war. der steht in sich gekehrt mit dem grübel-gesichtsausdruck seines vaters neben mir und starrt gebannt auf das kleine mädchen vor uns, das sein windrad in empfang nimmt.

dann sind wir an der reihe. als die verkäuferin kassiert und ich ihr das geld hinüberreiche, fragt sie den objektsohnemann:
"na? möchtest du auch ein windrad oder ist das nichts für große jungs?"
der lütte zögert kurz, überlegt und sagt dann mit in der schwarzen st. pauli-lederjacke stolzgeschwellter brust:
"nein danke, das ist marketing, das brauchen wir nicht."

die verkäuferin starrt mich verblüfft an. ich zucke die achseln und lächle freundlich, schließlich war das statement des kleinen nicht persönlich gemeint. aber es ist ein statement, das ich weder relativieren noch erklären möchte.

dann gehen wir durch die tür nach draußen und ich kann die blicke der spießermuttis hinter uns im nacken fühlen, die jetzt sicherlich die köpfe zusammenstecken und über meine potenziellen erziehungsmethoden, unseren bekleidungsstil sowie meine vermeintliche politische einstellung diskutieren.

draußen gibt mir der kleine die hand. wir grinsen uns verschwörerisch an.
"das hast du eben fein gemacht", sage ich lobend und er strahlt.

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kiez und liebe
nach einer nacht auf dem kiez weiß ich mal wieder: sehr viele menschen scheinen einer vollkommen artfremden spezies anzugehören.

sie ist dumm.
sie ist aggressiv.
und sie hat mindestens zwei promille.

mit dem dritten und der drittefreundin an meiner seite geht das aber. vor allem der dritte strahlt eine ruhe aus, dass man sich einrollen und sämtliche selbstverpflichtungen abgeben möchte. dass die beiden wieder ein paar sind, ist auch ein wenig meine schuld. da bin ich stolz drauf. es macht mich glücklich, andere glücklich zu sehen.

die drittefreundin meinte übrigens, ich sei einfach nicht ausreichend "spackenresistent". wohl wahr. ab und an verliebe mich sogar in den ein oder anderen.

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