Mittwoch, 26. Dezember 2012
ticktack
die familie sitzt im wohnzimmer. meine mutter fragt in die runde:
"hat jemand ne uhr?"
ich zeige nach links: "da an eurer wand hängt eine."
meine mum: "ach!"
ich: "jaja, das alter ist aufregend. jeden tag neue entdeckungen, und das auch noch alles gratis.."

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Montag, 24. Dezember 2012
und dann kam mutti
als ich dem objekt die türe öffne, strahlt es mich an, obwohl alles wieder mal länger gedauert hat als gedacht, weil die schichtablösung 20 minuten zu spät dran war und überhaupt weihnachten in der klinik die hölle los ist.

das objekt pfeffert die motorradjacke in die ecke, steckt sich erstmal eine kippe an und wechselt dann die hosen. unter der arbeitsbekleidung hat es sich für objektverhältnisse richtig fein gemacht: schwarze stoffhose, weißes shirt, schwarzes hemd.
"wow", sage ich und das objekt kommt näher:
"ich hab mich sogar rasiert, fühl mal!"
ich kraule die objektwange, in die sich trotz des noch nicht dramatischen objektalters bitterkeit und frohsinn zu gleichen teilen in form von erschreckend tiefen falten verewigt haben.
"und du hast geduscht", stelle ich angenehm überrascht fest.
"naja, ich wollte nichts riskieren, falls du zum blowjob übergehen möchtest", grinst das objekt frech und zieht mein becken zu sich heran. dann schiebt es die hände in meinen hosenbund und stellt fest, dass ich dünner geworden bin.
"du musst echt dringend was essen", findet es.
"ich hab auch ganz feudal eingekauft", antworte ich.

das objekt steht am offenen kühlschrank und ist begeistert angesichts frischer teigwaren, landkäse, fisch und thailändischer mangos.
"sag mal, das hat doch ein vermögen gekostet!"
ich grinse nur und nicke.
das objekt küsst mich.
"du bist ein herz."
"nein, du. du weißt doch ganz genau, dass ich heute alleine gewesen wäre, und bist jetzt hier, obwohl du eine andere frau wo sitzen hast, die ständig auf deine anwesenheit verzichten muss."
"ich will ja bloß dein internet benutzen und musik recherchieren. naja, und natürlich den blowjob."
ich puffe das objekt in die seite und klammere mich dann an, bis mich das objekt wegschiebt:
"sorry, ich hab weihnachten echt immer eine ganz komische stimmung, ich kann da nur begrenzt zärtlichkeit annehmen. hat vermutlich was mit meiner kindheit zu tun."
ich lächle.
"siehst du, und ich kompensiere heute meine sehnsüchte. mit dir, mit essen und alkohol."
"also zum essen würde ich dringend raten."
"dann mach ich mal wasser heiß."
"jawohl, frau, ab in die küche. und vati dreht derweil einen schönen dicken, langen joint."

es gibt tortelloni und fisch mit einer experimentellen soße, die ich selbst gezaubert habe. das objekt ist ganz angetan.
"was ist denn das grüne da?" will es wissen.
"basilikum."
"ah. na ich bin jedenfalls beeindruckt. und du sagst immer, du kannst nicht kochen!"
"kann ich ja auch nicht. reiner zufall, dass das essbar ist."
"quatsch, du bist ein sinnlicher mensch, du zelebrierst dinge und schaffst dir rituale, warum solltest du beim kochen keinen geschmack an den tag legen?"
"wenn du meinst."
"ich meine nicht nur, sondern das hier ist ganz eindeutig einfach köstlich."

später sitzen wir bei musik rum und unterhalten uns.
"du siehst echt ein bisschen besser aus als am samstag", finde ich.
"ich hab leider wieder nicht mehr geschlafen als drei, vier stunden."
"hm."
"ich habe gestern sogar zwei stunden mit meiner mutter telefoniert und ihr gestanden, dass ich über eine therapie nachdenke."
"ach du grüne neune. und was hat sie gesagt?"
"sie hat sich sorgen gemacht, war aber eigentlich ganz cool."
"für mütter ist sowas immer ein harter brocken. da kommt bestimmt noch was nach."
"glaub ich nicht. die sitzen da in ihrem dorf und können sich das hier sowieso alles nicht vorstellen."
"hast du manchmal sehnsucht?"
"nach zuhause? nie. ich hab sehnsucht nach den guten zeiten, wenn dann. kennst du das?"
ich nicke.
"so mit 23 war ich echt glücklich. mein studium war toll, meine freunde waren toll, ich bin noch mal in eine neue wohnung gezogen, so mit badewanne und allem drum und dran... ich konnte mir die leisten, weil ich ne gute arbeitsstelle hatte und es gab irgendwie recht wenig probleme. gar keine, um genau zu sein. ich war sogar so happy, dass ich hoffte, dass ich mich nicht verliebe, weil ich dann weniger zeit für meine freunde hätte. wir waren die ganze zeit am feiern, und wenn wir nicht gefeiert haben, konnten wir super miteinander reden... so richtig, über gott und die welt."
"dann hast du heute natürlich auch entsprechend hohe erwartungen an dein soziales umfeld, hm?"
"naja, ich weiß, wie sich glück anfühlt. und glücklich war ich bis auf wenige sporadische momente nicht mehr, seitdem ich 25 bin."
"hast du das auch, dass dich das glück manchmal anwidert? dass du sagen möchtest, geh doch weg, glück, hau ab, du bist doch sowieso nur eine vorübergehende illusion?"
ich nicke.
das objekt betrachtet mich:
"wir sind uns echt ähnlich."
ich gucke nur, rauche kette und fühle mich vollgefressen.
ich mache ein bäuerchen und das objekt lobt mich:
"du hast richtig gut gegessen."
"wenn ich nicht allein vorm rechner esse, ist das auch was anderes."
"glaub ich dir."

wir reden irgendwann immer weniger, es macht sich ein schweigen breit, dieses berühmte schweigen wohligen einverständnisses, des wortlosen verstehens. wir legen für einander musik auf und weisen auf den text hin. andere sprechen lassen, darin sind wir beide gut. eine reihe kleiner liebeserklärungen und wertschätzungen und kultureller perlen, nur für uns beide.

bis plötzlich das objekthandy klingelt.
ich bin sofort angenervt und denke, es ist die objektgespielin, die mal wieder was will oder kontrolliert oder flunschig ist. doch am objektton merke ich sofort, dass es jemand anders ist.
"ja, ist gut. ich hole dich natürlich ab. ja, es kommt jetzt eben nur ein bisschen überraschend, und ich bin auch derzeit gar nicht zuhause..."
dann lässt das objekt das handy sinken und sagt fassungslos:
"meine mutter ist auf dem weg hierher."
ich bin irgendwie wenig überrascht:
"das hab ich kommen sehen. die macht sich sorgen."
"ich soll in einer stunde am bahnhof sein und die abholen."
"dann machst du das."
"ich will das hier aber nicht so abbrechen! ich will hier gar nicht weg."
"naja, wenn du deiner mutter das herz ausschüttest, ist das recht normal, dass sie irgendwie reagieren wird. unsere eltern sind rentner, die haben zeit. die machen auch mal was damit."

das objekt muss erstmal auf klo, stresspipi loswerden. dann kommt es wieder ins wohnzimmer.
"ich hab SO KEINEN BOCK auf meine ehemalige erziehungsberechtigte."
"ich finde das ja irgendwie süß. da setzt sich deine mutti an heilig abend spontan alleine in den zug und fährt stundenlang, weil sie weiß, ihrem sohn geht es gerade nicht gut."
"ja, sie meint es ja auch gut... nur..."
"wo bringst du sie unter? hat sie denn ein hotel?"
"nee. die will bei mir schlafen.
bei mir fällt der groschen:
"deine mama weiß nicht, dass du aus der wohnung rausgeflogen bist."
das objekt schüttelt den kopf.
"aua, dann wird das heute auch noch der tag der wahrheit."
das objekt guckt sehr verzweifelt. ich nehme es fest in die arme und es kuschelt sich an, und für einen moment fühle ich mich wie die mama.

eine halbe stunde später packt das objekt seine sachen zusammen.
"wie komm ich jetzt zum bahnhof?"
"mit der u-bahn."
"echt, hier ist ne u-bahn?"
"klar doch. es sieht zwar aus wie pampa hier, ist aber keine. du bist in 12 minuten im stadtzentrum."
"krass. ich hab hier immer das gefühl, als wäre ich schon raus aus hamburg."
ich lächle:
"naja, ist schon anders als da bei dir in der romantischen sozialhochhaussiedlung."

arm in arm wackeln wir zur u-bahn.
"was machst du nun mit dem angebrochenen abend?" fragt mich das objekt.
"ich such mir wen anders für den blowjob."
das objekt grinst gequält.
"hauptsache, es geht dir jetzt nicht schlecht."
"glaub bloß nicht, dass du mir irgendwie wichtig bist."

wir stehen an der u-bahn und halten uns fest umschlungen, so fest, dass wir nicht merken, dass schon ein bahn durchgefahren ist. dann muss das objekt eine fahrkarte kaufen, die es nicht bezahlen kann. ich lege die fahrkarte aus und das objekt schämt sich.
"da gibt es nichts zu schämen", finde ich.
"doch, ich bin über sechs jahre älter als du und vater und krieg nichts auf die reihe."
"tröste dich. mein vater hat mich erst gestern am telefon wieder merken lassen, dass er mich für eine totalversagerin hält und mir nicht mehr glaubt, dass ich irgendwann mal die füße auf den boden kriege."
"genau das richtige zu weihnachten", lacht das objekt bitter.
"ja klar. das kind ist dazu da, erfolgreich zu sein, kohle zu machen und den eltern gesprächsstoff zu liefern, damit sie vor bekannten und verwandten angeben können."
das objekt knuddelt mich ein letztes mal und sagt sehr ernsthaft:
"lass dich nicht runterziehen. du bist ein großartiger mensch. wer dich wirklich kennt, wird dich lieben."
ich kriege rührungstränen in den augen und schiebe das objekt unwirsch richtung rolltreppe.
"los, ab zu mutti, und lass dir auch mal die leviten lesen, weil du es in deinem leben zu nix gebracht hast."
das objekt winkt ein letztes mal, dann ist es auf dem bahnsteig, während ich langsam kehrt mache und traurigkeit und glück gleichermaßen in mir aufsteigen fühle.

das war mein weihnachen 2012. jetzt kommt nichts gutes mehr. nur sehr viel whiskey.
prost.

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Sonntag, 23. Dezember 2012
love, love, love
mit diesem beatles-hit im kopf aufgewacht. draußen schnee. schon wieder. ohgottohgott, denk ich mir und verbessere mich dann sogleich in gedanken: ohpetrusohpetrus.

dann fällt mir ein, dass das objekt ja später vorbeikommen wollte. schlagartig bessert sich die laune und ich beschließe, mal was schönes zu machen. schwimmen gehen.

um 14 uhr, einer zeit, um die ich mich sonst oftmals erst aus dem bett schäle, radle ich im eisregen in die schwimmhalle. zwischendurch wird es mir ein bisschen zu viel eisregen, die bremsen setzen aus, also nehme ich den bus.

im schwimmbad dann das große glück, dass bis auf ein paar dicke türkische männer und ein paar tätowierte russen niemand anwesend ist. ich ziehe eine weile meine bahnen, dann gibt es dampfbad und whirlpool. dort sitzt ein blonder junger mann, der mir bekannt vorkommt. er guckt, ich gucke, ich schwimme ans andere ende des beckens, er folgt mir.

"sorry, dass ich so starre", wage ich dann den ersten schritt. "aber ich kenn dich doch."
"wir haben uns anfang des jahres kennen gelernt, hier, im whirlpool."
"stimmt!" fällt es mir wie schuppen von den augen.
der junge typ lächelt.
"ich weiß aber nicht mehr, wie du heißt", sagt er dann.
"ich doch auch nicht", erwidere ich lachend.
wir gucken uns an und grinsen wie die osterhasen, dann nimmt der typ meine hand und zieht mich nach draußen.
"lust auf eine runde aufwärmen?"

wir gehen noch mal ins dampfbad, und da sind wir alleine. der typ küsst mich wie aus dem nichts. dann kommen drei alte tanten rein und starren uns an. also flüchten wir wieder in den whirlpool, den wir ganz für uns alleine haben. der typ rutscht nah an mich heran, und mein hirn beginnt zu rattern: gut? schlecht? wohin führt das und will ich das?

die küsse leisten überzeugungsarbeit, also vögeln wir in der umkleidekabine. der typ ist ziemlich laut und ich rechne jeden moment damit, dass jemand klopft und uns auffordert, subito das schwimmbad zu verlassen und nie wieder zu kommen. doch als wir fertig sind und vorsichtig aus der tür linsen, stehen da nur die drei dicken türken und grinsen sehr breit.

der typ will mich wiedersehen, oder vermutlich eher wieder ficken. also verabreden wir uns für nächste woche, same time, same place.

inzwischen ist es halb sieben uhr abends. meine hände sind vor lauter schwimmbad schon ganz schrumpelig und ich mache mich auf den nachhauseweg. im bus funke ich das objekt an und will wissen, wann es kommt. es ruft zurück und klingt komisch.
"was ist denn los mit dir?"
"ich hab geheult", sagt das objekt frank und frei.
"aber warum denn?"
"erzähl ich dir später. ich habe gerade den kleinen zu mama gebracht, ich komme gleich direkt zu dir."
"alles klar. dann so bis in einer stunde?"
"ja gut, ich freu mich."
"ich mich auch. und kopf hoch, wir reden gleich mal, ja?"

als das objekt dann bei mir im wohnzimmer sitzt, hat es rotgeweinte augen und sieht fix und alle aus. es ist mit dem rad von altona durch den eisregen gefahren und bibbert. ich packe es in eine decke und mache eine suppe.
dann setze ich mich dazu und wärme die kalten objektfüße.
"was ist los? warum hast du geweint?" hake ich nach.
ich erfahre, dass das objekt seit einer woche schuldenfrei ist. in der erwartung des 13. gehalts hat es anfang des monats den rest seiner schulden getilgt. doch dann hatte das schicksal wieder mal erbarmungslos zugeschlagen und das weihnachtsgeld war in diesem jahr bis auf einen winzigen bruchteil gestrichen worden.
"am montag hatte ich noch 16 euro auf dem konto, und ich hab ja keinen dispo mehr."

um dem kleinen was zu essen bieten zu können, hat das objekt geklaut. eine ganze woche lang.
"ich hab mich so scheiße gefühlt, aber weißt du, der kleine war immer so, oh papi, es ist doch weihnachten, kann ich das und das und oh guck mal, können wir nicht das kaufen? ich habs einfach nicht übers herz gebracht, ihm das zu verwehren."
"bist du erwischt worden."
"neeeeeeeeeein. aber trotzdem, weißt du, ich verlasse mich auf etwas, es trifft nicht ein, und dann all diese erwartungen. ich habe wieder nicht geschlafen. ich liege seit einer woche bis vier oder fünf wach und stehe ein, zwei stunden später wieder auf. arbeiten, und dann natürlich der kleine, und ständig diese ganze misere... ohne aussicht, dass es mal besser wird. ich kann einfach nicht mehr."
bei diesem worten hat das objekt schon wieder tränen in den augen.

"aber jetzt bist du erstmal hier", sage ich dann.
"ja. gottseidank."
"du bist hier immer willkommen und zuhause. ich will, dass du das weißt. auch, wenn du manchmal ein arschloch bist und ich dich hasse."
das objekt lächelt.
"ich hatte in dieser woche einen schönen tag. einen wirklich schönen tag. und das war dieser abend mit dir."
und ich spüre ein kribbeln wie schmelzwasser knapp unter dem herzen, kann nichts sagen, nur das lächeln halten und halten und halten, weil ich nicht sagen will, dito, bis das objekt irgendwann verlegen zur seite sieht.

dann essen wir und hören musik, gucken ein halbes interview und machen dies und das, bis das objekthandy klingelt und die objektgespielin dran ist.
"ich bin verabredet", sagt das objekt danach ganz offen.
"dann geh. jetzt."
das objekt starrt mich an.
"ich überlege derzeit, ob ich diese liaison nicht lösen sollte."
mein herzschlag setzt aus.
"was meinst du?"
"du fragst die falsche, ich bin absolut nicht unparteiisch", sage ich ebenso offen.
"ich will trotzdem wissen, was du denkst", bittet mich das objekt.
"ich denke, dass du so voll bist mit verpflichtungen, dass du inzwischen gar nicht mehr weißt, was du willst. und dieses wissen um den willen spielt durchaus eine rolle, man sollte immer in etwa wissen, was man will und in welche richtung es gehen soll, zumindest grob, und nur wenn der andere diese richtung mitgehen will, also nicht zu 100 prozent, aber zu sagen wir mal wenigstens 60 prozent, habt ihr eine chance."
"du siehst das genau richtig, ich weiß nicht, was ich will. ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr. ich brauche echt hilfe."
"dann hol dir hilfe."
"das will ich auch. ich denke, ich brauche auch eine therapie."
"nutzt nüscht viel. die erzählen dir bloß, was du schon weißt, und das bringt dich nicht weiter. deine idee mit der umschulung fand ich besser."
"meinst du?"
"ehrlich gesagt: therapeuten bringen dir nur bei, wie du es irgendwie gerade noch mal eben so mit dem status quo aushälst. der punkt ist aber doch, den status quo zu verändern."
"ja!"
"also lass uns das machen. wir hatten doch einen plan für januar."

das objekt löffelt still seine suppe und sagt dann:
"danke."
"dafür nicht. du hast mir 100 mal den verstand gerettet und vielleicht auch das leben. und dafür hab ich dich so lieb wie noch nie einen menschen."
wir nehmen uns sehr fest in die arme und das objekt drückt mich, bis mir die luft wegbleibt.

"hast du an heilig abend schon was vor", fragt das objekt, als es sich die frischen tränen aus den augen geblinzelt hat.
"nein. außer dumm gucken und überlegen, wie ich die zeit rumbringe."
"ich hab bis 13 uhr schicht und danach zeit..."
"das heißt, du würdest gern vorbeikommen?"
das objekt lächelt.
"wir könnten was kochen", sagt es.
"okay", erwidere ich.
"ich könnte ganz viel zeit mitbringen. wir könnten filme gucken. oder raus gehen."
mir wird warm ums herz.
"das wäre ja mal famos."

wir laufen zusammen zur u-bahn, weil wir keine kippen mehr haben, dann schwingt sich das objekt in den sattel, weil sich die gespielin zwischenzeitlich schon verwundert hat, wo es denn bleibt.
ich sehe der sich entfernenden rückansicht des objekts hinterher und kann nicht fassen, dass mein weihnachten vielleicht doch noch stattfinden soll.

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ich warte


"...ich warte auf meiner eisbergspitze
am ende der physik
auf novemberhitze
und auf dinge dies nicht gibt
ich warte warte immer weiter
letztendlich auf musik..."

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Freitag, 21. Dezember 2012
weltuntergang
und? spüren sie es schon?

draußen ist apokalypse now. meine nachbarn haben ein bunt blinkendes beleuchtungsgehänge im fenster, das abwechselnd in grün, blau und weiß funkelt.

mir ist übel, wenn ich hingucke.

übel ist wohl auch den mayas. die mexikanische regierung macht große weltuntergangsbambule, um touristen anzulocken. der wahnsinns-wirtschaftsaufschwung durch eine touristenschwemme ist allerdings ausgeblieben.

ein echter weltuntergang. die schamanen fühlen sich gelinde ausgedrückt verarscht, da der mayakalender eigentlich auch gar keinen weltuntergang ankündigt, sondern nur den beginn einer neuen zeitrechnung. irgendeine tageszeitung hat das heute verglichen mit unserem jahrtausendsilvester vor 13 jahren.

aber so ist das immer mit der pr. es wird gelogen, dass sich die balken biegen, um irgendwie an kohle zu kommen.

ich wünsche ihnen allen einen erfreulichen weltuntergang oder eine gute neue zeit. und wenn sie keinen bock haben, lassen sie den weltuntergang einfach ausfallen und gehen sie einen trinken. ich verspreche ihnen, es merkt sowieso keiner.

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Dienstag, 18. Dezember 2012
prä-weihnachten
mein weihnachten soll ausfallen, habe ich beschlossen. heilig abend werde ich allein bleiben, tief durchatmen und dabei einen rauchen. mein weihnachten soll so werden, wie ich mich fühle: leer und ohne stern am himmel. hier im blog gibt ohnehin schon zu viele davon.

ein wenig prä-weihnachten hatte ich dann gestern doch. das objekt schneite vorbei, weil es mein internet brauchte. da der objektsohnemann immer noch nicht wirklich lesen kann, das objekt jedoch der meinung ist, dass er nächstes jahr aufs gymnasium gehen soll, versuchen wir es eben mal mit hörbüchern. ziel des abends sollte sein, das angebot zu recherchieren und zugleich meine fähigkeiten als internetkriminelle zu nutzen, weil hörbücher teuer sind und das objekt schon viel geld für einen ordentlichen mp3-player ausgegeben hat.

das objekt kommt nach der spätschicht, als ich gerade einkaufen bin. es steht schon vor der tür und hibbelt hin und her, weil es dringend aufs klo muss.
"wo warst du denn?"
"bei re*we".
"und was hast du gekauft?"
ich halte ihm eine pizza vor die nase.
"deine lieblingspizza."
"och..." das objekt ist gerührt und drückt mich.
"ich wollte ja eigentlich kochen", merke ich an.
"oooohhh! und warum hast du das nicht gemacht, das hätte ich ja mal spannend gefunden!"
"ich wollte deiner gesundheit nicht schaden. ich hatte schon mal einen mann, der hat von meinem essen magen-darm bekommen."
das objekt kichert.
"ist das essen zu scharf, bist du zu schwach. komm, lass uns reingehen."

während das objekt pullern geht und sich dabei durch die tür mit mir unterhält, schmeiße ich den ofen an, öffne ein bier und suche meine bösen kräuter für später.
dann lümmelt sich das objekt in meinen sessel, raucht eine kippe und zieht mich zu sich heran.
"was für ein feierabend!"
ich bekommen zwei nasse küsse, die nach tabak schmecken, dann wandern die objekthände tittenwärts.
"sind die eigentlich echt?"
"bitte?!"
ich winde mich aus dem objektgriff, gehe ins schlafzimmer und komme mit einer silikontitte wieder, die ich mal auf arbeit geklaut habe, weil die dinger super als punchingbälle sind.
"da!"
ich werfe dem objekt die titte zu.
"jetzt fühl mal den unterschied!"

das objekt steckt sich kichernd wie ein schulmädchen die titte unter den pulli und beschwert sich dann:
"das ist aber nicht meine größe!"
"naja, bei deinem brustkorb brauchst du ein bisschen mehr, das ist schon klar. aber du sollst ja nur mal checken, was kunst und was natur ist."
das objekt legt eine hand auf seine neue titte und die andere auf meine brust.
"und?"
das objekt grinst:
"du hast auf jeden fall die besseren nippel."
ich grinse zurück:
"alles, was ich hören wollte."

dann gibt es pizza und mehrere joints, zwischendurch geht der rauchmelder an und ich muss ihn mit dem besen von den zimmerdecke schlagen. wir wechseln von der frustrierenden hörbuchsuche zu musik über und der objekt spielt mir seine ddr-best-of-hits vor.
schwuppsdiwupp ist es fünf uhr nachts.
"ich muss in zwei stunden aufstehen", sage ich.
"oh! das tut mir leid."
"ich geh mal ins bett."
das objekt betrachtet mich nachdenklich.
"wenn du dich jetzt hinlegst, stehst du nicht mehr auf."
"meinst du?"
"leg dich in einer stunde kurz hin, nur für den kreislauf und schlaf nicht ein."
"und du? bist du gar nicht müde?"
"nö, ich hab heute bis 12 uhr geschlafen, ich hatte ja spätschicht und morgen hab ich frei."
"schwein", sage ich und das objekt grinst.

"willst du vielleicht hier bleiben?" frage ich vorsichtig.
das objekt schweigt und überlegt.
dann gesteht es mir, dass die objektgespielin nachtschicht hatte und wahrscheinlich in kürze beim objekt zuhause auftauchen wird.
"die stellt bestimmt unangenehme fragen, wenn ich nicht da bin..."
"musst du wissen", sage ich etwas angefressen.
"anderseits würde ich gern noch ein bisschen bei dir bleiben. wenn ich das darf. ich fühle mich gerade wohl hier und es macht so viel spaß."
"du kannst hier bleiben, solange du willst, ich geb dir einen schlüssel, dann kannst du auch ausschlafen und gehen, wann du willst."
"ich mach nachher auch wieder alles ordentlich."
"machst du doch immer."
ich gebe dem objekt einen kuss, mache ihm ein schlaflager zurecht und überreiche ihm feierlich zahnbürste und handtuch.
"das ist ja wie im hotel", findet das objekt.
"betrachte es als dein zuhause", sage ich großmütig, und das objekt strahlt.

gegen halb sechs bin ich am wegdösen. das objekt hebt mich aus dem sessel und trägt mich ins bett wie ein kind, breitet die decke über mich und knipst das licht aus.
"nur schlummern, nicht einschlafen", schärft es mir ein.
"okay", sage ich noch, dann bin ich schon weg und im tiefschlaf.

eine stunde später weckt mich das objekt.
"scheiße, ich hab voll fest geschlafen... gott, ist mir schwindelig!"
"langsam", warnt das objekt, "warte mal auf den kreislauf."
es lässt mich eine weile auf der bettkante sitzen, holt mir ein großes glas wasser und einen energydrink und schiebt mich dann ins bad.
"du hast gar nicht geschlafen", bemerke ich.
"nee, ich fahr doch lieber zu mir."
"du stehst ganz schön unter dem pantoffel."
"das ist nicht wahr."
"doch ist das wahr."
das objekt guckt genervt und ich weiß, dass ich einen wunden punkt berührt habe. die objektgespielin ist ein heißes eisen zwischen uns geworden.

dann packt das objekt seine sachen, küsst mich ein letztes mal und schiebt sich aus der tür.
ich putze wie belämmert zähne und radle dann restbekifft in die arbeit.

kann man ja mal machen, würde ein anderer blogger dazu sagen.

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