Montag, 17. Dezember 2012
ihhh
und welche drecksbaddel machen die scheißwerbung in mein blog?

ich will kohle dafür oder dass das weg geht!

so sieht das aus:



okay, es war ein trojaner... getarnt als sweetim.exe. falls jemandem mal das gleiche passiert: antivirenprogramme und spybot killen das nicht. ich habs mit der systemwiederherstellung gemacht.

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jungfernfahrten
heute zum ersten mal als filmkritikerin unterwegs gewesen. war spannend.

heute zum ersten mal einen unglaublich coolen psychiater kennen gelernt. war erfreulich.

heute zum ersten mal für das objekt kochen, wenn es von der arbeit kommt. wird fantastisch.

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Montag, 10. Dezember 2012
niemandswasser


wie ich das hamburger konzert im vergangenen jahr verpassen konnte, weiß ich bis heute nicht recht.

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Sonntag, 9. Dezember 2012
[aufruf]
ich weiß, sie sind gerade alle sehr damit beschäftigt, weihnachtsplätzchen zu backen, besinnlich in den adventskranz zu glotzen, sich angestrengt zu überlegen, ob der weihnachtsbaum dieses jahr lieber nur 1,50m oder doch 1,70m hoch sein soll und ob sie ommas christbaumspitze aus dem keller hervorkramen sollen oder nicht.

trotzdem bitte ich darum, einen blick auf das untere ende diese seite zu werfen und eine petition zu unterzeichnen, die mir persönlich sehr am herzen liegt.

ich weiß, petitionen sind meist fürn arsch, aber der (teil)erfolg, den der druck der öffentlichkeit in sachen acta und kürzlich auch in sachen gema hatte, war nicht von schlechten eltern. also schauen wir einfach mal, denn was besseres als eine petition fällt mir gerade auch nicht ein.

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Samstag, 8. Dezember 2012
wichtigwichser vs. morphine
wenn man die komplette verantwortung für die mehrheit der kunden trägt, hat man zwar immer zu tun, aber es gibt einen vorteil, insbesondere, wenn die gf nicht die besten führungsqualitäten hat: man kann einfach machen. man kann vor allem auch mal fehler machen, ohne dass es auffliegt und man deshalb abgemahnt oder gefeuert wird. ich muss dazu sagen, ich habe sehr loyale untergebene. das findet man nicht alle tage, liegt aber auch sicherlich an meinem demokratischen teamleitungsstil. denunziationen gibt es bei uns daher nicht. nach oben sind wir wie pech und schwefel.

kürzlich beauftragte uns ein kunde, eine presseaussendung zu einem personalwechsel im vertrieb zu machen. dazu sollte ich mich direkt mit dem neuen typ in verbindung setzen.
gesagt, getan, ich rufe ihn an.

im ersten moment ist der typ nicht mal unnett. er hat eine angenehme stimme. allerdings kommt er sofort vom thema ab und beginnt, mir seine glorreiche autobiografie zu schildern. er war im vertrieb bei diversen kleinen und mittelständischen unternehmen tätig, die ich allesamt nicht kenne, obwohl ich mich auf branchentypischen messen rumtreibe. ich sage also in regelmäßigen abständen "aha" und "soso" und zwischendurch auch mal "das ist ja beeindruckend", während ich zwei e-mails tippe, den report der volontärin checke und eine liste schreibe, welche redaktionen und sender ich heute noch anrufen muss.

"was war das", fragt der azubi mit hochgezogenen augenbrauen, als ich den hörer aus der hand lege.
"ach, nur so ein wichtigwichser, arbeitet jetzt bei *** und meint, ohne ihn würde sich die welt aufhören zu drehen."
"was ist der denn?"
"vertriebsheini."
"was macht der dann da konkret?"
"naja, was vertriebler so machen: kunden bequatschen, schick essen gehen und nachher mit firmenkreditkarte in den puff und jammern, wie stressig und unterbezahlt das alles ist."
"wie viel verdient man denn da so?"
"kann ich nur schätzen. *** ist ja ein ziemlich großes, international agierendes unternehmen, also sechs bis acht mille, denk ich mal."
"boah! was muss man studieren, um das zu werden?"
"bwl oder so."
"wär das was für mich?"
ich betrachte den azubi liebevoll:
"wär schade um dich."
der azubi ist geschmeichelt:
"weil ich was anderes viel besser kann?"
ich grinse fies:
"nee, weil wir uns dann einen neuen suchen müssten, der für einen ungesetzlichen minilohn deinen job macht."

ich verfasse die meldung und schicke sie zur freigabe an den wichtigwichser.
die erste rückmeldung ist nicht ungewöhnlich, ein paar kleine anmerkungen, weil sich mr. wichtig stellenweise nicht genug beweihräuchert fühlt - und ein ergänzungswunsch, weil der wichtigwichser auch papa ist und unbedingt in der meldung stehen haben möchte, dass er eine zehnjährige tochter hat. potenznachweis.
ich mache die änderungen, schreibe dem kunden zurück und merke an, dass sich für seinen familienscheiß kein aas interessiert, weil er nicht für den bundestag kandidiert. natürlich politisch korrekt formuliert.

zwei stunden später erhalte ich einen empörten anruf. der wichtigwichser referiert ein zweites mal seine glorreiche laufbahn und weist mich darauf hin, dass er sehr viel erfahrung in pressearbeit habe und sehr viele unglaublich wichtige meinungsmacher persönlich kenne, weshalb er auf meine hinweise nicht angewiesen sei.

der azubi schaut wieder fragend, ich halte den finger auf den mund und stelle auf lautsprecher um. azubi, volontärin und die beiden praktikanten hören mit und kichern stumm.
ich hole mir das gespräch zurück, dann sage ich sehr freundlich, dass ich es total super finde, dass er so viele so wahnsinnig nützliche pressekontakte habe, er soll die gleich mal rüberschicken, denn selbstverständlich erhalten die dann die meldung exklusiv vorab.

der wichtigwichser ist für einen moment still, meint dann aber, er mache das. ich warte gespannt. es erreicht mich eine e-mail mit einer kontaktliste. an den e-mail-adressen sehe ich sofort, dass der wichtigwichser keinen einzigen persönlichen kontakt da hat. aber gut, es handelt sich um ein paar fachblätter, branchenspezifisch vielleicht nicht unbedeutend, warum sollte ich die nicht berücksichtigen. natürlich würde ich nichts vorab und exklusiv starten.

als ich die aussendung schon zur bearbeitung freigeben will, erhalte ich noch eine weitere e-mail von mr. wichtig. ob ich es denn gut fände, dass wir das datum so schreiben, man sollte das in einer RICHTIGEN pressemeldung doch so und so machen.

langsam beginne ich zu sieden. der typ fängt an, fehler zu suchen, die gar keine sind. typisch für menschen mit schweren minderwertigkeitskomplexen. ich denke an seine tochter, sie tut mir leid. bestimmt ist der wichtigwichser so ein sonntagnachmittagsvaddi, der seiner frau ständig in die erziehung reinquatscht und die kleine zu lauter scheiß zwingt, auf den sie gar keinen bock hat. sowas wie geige spielen oder im elite-turnverein rumeiern.

nachdem ich das datum geändert habe, fällt dem wichtigwichser dann noch ein, dass wir eine andere schrift nehmen sollten, nämlich seine hausschrift statt unserer, und als ich das geändert habe, möchte er eine andere schriftgröße und ein anderes foto. als ich das foto in unser formular eingefügt habe, beschwert er sich, dass ich das bild (ganzkörperfoto) zugeschnitten habe, weil es sonst nicht in den vorgesehenen rahmen passt. zuletzt echauffiert er sich noch einen doppelpunkt, statt dem er einen punkt wünscht.

ich schimpfe inzwischen zum amüsement meiner kollegen laut in bösester fäkalsprache vor mich hin, weil mich die aussendung den halben tag gekostet hat und sich die arbeit auf meinem tisch schon stapelt.

aber rache ist blutwurst. ich beauftrage die volontärin, sich einmal durch unseren presseverteiler und die kontaktliste von mr. wichtig zu arbeiten und sich die medien genau anzusehen. sie soll mir die auflagenzahlen recherchieren und sagen, welche medien personalmeldungen drucken und welche nicht, welche das groß mit bild machen und welche ohne.

dann sortiere ich die medien aus, die quasi jede meldung mit bild drucken, die wichtigen sowieso und lasse nur unbedeutende, auflagenschwache magazine sowie solche, die meldungen grundsätzlich ohne bild als notiz am rande drucken, im verteiler. das ist noch immer eine ganze menge, sodass ich keine angst haben muss, nicht ausreichend im sinne des kunden gehandelt zu haben.

eine woche später ernte ich die früchte der racheaktion: die meldung wurde mehrfach gedruckt, allerdings ohne bild und so unauffällig und in so unbedeutenden medien, dass sich mr. wichtig keinen drauf runterholen kann. der geschäftsführer des kundenunternehmens ist dennoch hochzufrieden, als ich ihm vermelde, dass wir fast 20 nennungen erzielt haben.

tja. kleine archlöcher bestrafe ich sofort. die großen müssen eine woche warten.

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Dienstag, 4. Dezember 2012
business as usual
montag, kurz vor 11 uhr, psychiatrie. mein ambulanter therapeut hat in meinen augen auf ganzer linie versagt, als er meinen zustand (dauerflennend) einfach auf angeblichen schlafmangel schob.
"aber ich hatte gottverdammte acht stunden schlaf!" heule ich.
"sie brauchen aber eher neun bis zehn" hält der therapeut dagegen.
"DAS NÜTZT MIR JETZT AUCH NICHTS", kreische ich zurück. "machen sie, dass das aufhört."
"dann gehen sie in die klinik. jetzt gleich."
na toll.

nach einer kleinen, selbstverabreichten extradosis notfallmittelchen, die mich artig in die psychiatrische notaufnahme spazieren lassen, stehe ich vor dem kleinen glaskabuff der anmeldung. dahinter sitzt eine blonde ältere frau, die mich schon kennt. sie lächelt freundlich und sagt dann mit ihrer beruhigenden singsangstimme, dass leider noch drei psychos vor mir dran sind.

das klingt für den ottonormalpatienten nicht weiter schlimm, aber psychiatrieerfahrene wissen sofort: rund drei stunden wartezeit. weil psycho-patienten nunmal mehr zeit brauchen. bis der arzt genau raushat, was ihnen fehlt. und bis die psychos die rasierklingen oder die 100 schlaftabletten oder drogen oder weißdergeierwas rausrücken.
ich hasse psychopatienten, das muss ich nicht sagen. aber ich bin ja selber eine, chemisch ruhiggestellt zudem, also bin ich höflich und artig, sage danke und bitte und setze mich dann erstmal auf meinen platz. ich erinnere mich, dass ich beim zweiten mal auch fünfeinhalb stunden wartezeit prima mit angsthaben und versuchen, nicht in tränen auszubrechen weil peinlich rumbekommen hab, und beschließe, mich zusammenzureißen.

ich höre leise musik. ab und an gehe ich nach draußen, um eine zu rauchen oder einmal in slowmotion um den block zu watscheln. arschkalt ist es, oder vielleicht ist mir auch nur so kalt, weil mich das weinen müde gemacht hat. dank slomotion-medis kann ich jetzt nur noch dröge starren, und das ist vielleicht ganz gut so.

gleich nebenan ist der komplex, in dem das objekt arbeitet. sein fahrrad steht davor, mit ikea-tüte auf dem gepäckträger, also weiß ich, das objekt war mal wieder heimlich in der klinik waschen, mangels eigener waschmaschine und weil es gottverdammmich zu stolz ist, mal den mund aufzumachen und zu fragen, ob es wäsche vorbeibringen darf.

13:30 uhr. es sind immer noch zwei patienten vor mir. ich stehe draußen mit den rauchern und zähle von 100 bis null meinen persönlichen countdown zum lungenkrebs. der vorteil an krebs ist, dass man weiß, das kriegt man in den griff oder eben nicht. es gibt eine begrenzte anzahl an möglichkeiten, und nach der letzten ist sense. bei psychogeschichten bleibt das offen, ein leben lang. es wird fein herumgedoktert, und eigentlich weiß keiner so recht, was er mit dir anstellen soll. der eine arzt gibt das zu und lässt dich irgendwann machen. der andere hat seinen fünf-punkte-plan und droht danach mit einweisung.

14:00 uhr. das objekt stürmt aus dem gebäude, holt schnell seine ikeatüte und kommt minuten später wieder schwer bepackt heraus. ich gehe ihm ein stückchen entgegen.
"morphine, was machst du denn hier?!" das objekt ist so verblüfft wie beunruhigt.
"wochenende war mies."
"du, ich muss schnell nach hause..."
"die wäsche."
"ja, und mein lütter hat schule aus, den muss ich gleich holen."
"dann mach."
"ich ruf dich nachher an, ja? ich wollte dich heute sowieso anrufen."
"jaja." ich winke ab und das objekt hetzt weiter. ich weiß, es ist seit fünf uhr morgens auf den beinen und saumüde, aber es hat noch viele stunden vor sich. als es mit dem rad an mir vorbeifährt, reckt es den daumen nach oben. hoffnung, heißt das. ich soll die hoffnung nicht verlieren.

14:30 uhr. ich frage höflich, wie lange es noch dauert.
die blonde frau von der anmeldung geht fragen, kommt dann wieder und guckt mitleidig.
"schwer zu sagen... die ärztin ist gerade weg, jetzt kommt noch ein durchgangsarzt..."
"komme ich dann heute noch dran?"
"jaja, das kriegen wir schon hin", ist die dame zuversichtlich. dann meint sie: "fahren sie doch noch nach hause, sie haben doch nicht weit. dann rufe ich sie nachher an und dann kommen sie wieder her, okay?"

ich bin dankbar, dass ich kurz nach hause darf und dann auch gleich wieder nicht mehr, denn zuhause lassen sich die ultraschwarzen gedanken gar nicht mehr abblocken. nach kurzer zeit bin ich wieder am heulen. dann bekomme ich den anruf, dass ich heute nur noch über die zentrale notaufnahme behandelt werden kann oder bis morgen warten soll. was die dame nicht weiß, ist, dass ich morgen wieder eine freundliche, kompetente und rundherum aufmerksame humane ressource sein muss, die nur deshalb am leben ist, um ihren job auszuführen. für mich gibt es kein morgen.

ich rufe beim objekt an, weil ich nicht weiß, was ich tun soll. andererseits weiß ich ziemlich genau: ich will nicht noch stunden in der zentralen rumsitzen und warten, ob mir noch jemand schnell fünf minuten schenkt, bis er zum nächsten unfallopfer gerufen wird. zentrale bringt nur etwas, wenn eine aufnahme stattfinden soll, und das kommt mir irgendwie nicht in den sinn.

das objekt ist offenbar beschäftigt, ruft erst um neun uhr abends zurück, während ich noch immer hemmungslos am heulen bin. als ich rangehe, habe ich schluckauf und kopfweh und kriege keinen vollständigen satz heraus, und ich spüre sofort, dass das objekt sich riesige sorgen macht, obwohl es sich um ruhe bemüht.
"lass dir zeit", sagt es ungefähr fünfmal, aber ich weiß, dass es die zeit gerade selber braucht, um nachzudenken, was es jetzt sagt und weil es weiß, dass mich der falsche satz zum fäkalsprachlichen ausrasten oder zur totalen selbstaufgabe bringen kann. also versucht es, mich erstmal erzählen zu lassen, sagt dann, dass es für mich da ist und mich lieb hat und dass ich ihm alles sagen kann und keine angst haben brauche.

ich habe das gefühl, nur unzusammenhängenden hochdramatischen scheiß zu blubbern, aber das objekt bekommt schnell ein gefühl für meine gesamtverfassung. dann ist ganz geradeheraus und meint, es gäbe zwei möglichkeiten. entweder es würde jetzt den notruf wählen und mich wegen suizidgefahr einweisen lassen oder ich könne hier und jetzt vor ihm eine art antiselbstmordabkommen für die nacht schließen und dann sehen, wie es mir bis zum nächsten morgen geht. ich bekomme eine halbe stunde bedenkzeit, dann muss ich mich zurückmelden.

"ich will nicht in die klinik", bin ich mir kurz darauf ganz sicher.
da plant das objekt mit mir minütiös die zeit, bis ich schlafen gehe und was ich machen soll, falls ich nicht schlafen kann oder schlecht träume. ich entschuldige mich währenddessen ungefähr 500 mal dafür, dass ich so schrecklich bin, aber das objekt sagt noch mal, dass es mich lieb hat und ich mir keine gedanken machen soll. es verspricht, das handy anzulassen und dass ich anrufen darf, wenn es nicht mehr geht, dann würde es mich holen.

als ich den hörer aus der hand lege, fühle ich mich gefasst. ich erledige brav die objektaufgaben - essen, duschen, zähneputzen, eine viertelstunde etwas lesen bei kerzenschein und musik - und falle schließlich ins bett. ich schlafe sofort ein und träume etwas wunderbares, sodass ich ganz verzaubert aufwache und denke, wow. dann fällt mir das objekt ein und ich denke noch mal: wow.

draußen regnet es wie schon sechs wochen zuvor. aber es ist ein neuer tag, immerhin. deutlich spürbar. ich tippe dem objekt eine sehr liebe sms und bedanke mich für den notfalleinsatz. ich weiß, dass es in dieser nacht sicherlich sehr viel weniger geschlafen hat als ich.

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