Montag, 23. April 2012
a love like kraut und rüben
am sonntagmorgen nach dem üblichen clubbesuch ging ich zusammen mit meinem neuen bekannten t. durch die straßen von bahrenfeld. bis auf das gepiepse der vögel und das entfernte brummen der autos war es totenstill.

die sonne schien, doch es war arschkalt. wir waren fast alleine unterwegs. hin und wieder begegneten uns menschen vom typ muddi und vaddi, die ihre wauzis und fiffis zum kacken ausführten. muddi und vaddi starrten uns durchgefeierte gestalten an und zerrten fiffi und wauzi energisch an der leine weiter. t. und ich starrten zurück und beneideten muddi und vaddi klammheimlich um ihre polartauglichen nanotech-funktionsjacken, denn wir waren beide durchgetanzt, erschöpft und schlotterten in den frischen morgendlichen temperaturen.

"scheiße, ist das kalt", wiederholte ich mehrfach und schlang meinen maximal atmungsaktiven da vollkommen ungefütterten stoffmantel enger um mich.
"wenigstens hast du stiefel an", erwiderte t., der mit den zähnen klapperte.
"lack hält echt null warm", versicherte ich t. "aber im gegensatz zu dir hab ich wenigstens noch ein bisschen unterhautfettgewebe!"

seit der trennung von seiner durchgeknallten freundin war t. nur noch ein schatten seiner selbst, psychisch wie physisch. selbst auf meiner geburtstagsparty hatten wir ihn nur mühsam zur nahrungsaufnahme überreden können. vor ein paar stunden im club gelang mir ein kleines wunder und ich konnte t. eine handvoll erdnüsse einflösen, nachdem ich sein zerebrales kummer-zentrum zuvor mit sechs oder sieben tequilas und zahlreichen bieren narkotisiert hatte. infolge der alkoholisierung wurde t. ein wenig zutraulicher und gab ein paar intime details über sein aktuelles leben preis. dieses gestaltete sich insofern schwierig, da t. vom schrecklichen liebeskummer einmal abgesehen dringend aus der ehemals gemeinsamen wohnung ausziehen musste, weil er sich die miete alleine nicht leisten konnte. t. war ein kollege des objekts und somit finanziell ähnlich schlecht aufgestellt, obwohl er fachkrankenpfleger und kinderlos war, in vollzeit arbeitete und kein kostspieliges drogenproblem finanzieren musste. das sowie die tatsache, dass er noch nie per haftbefehl gesucht worden war oder wochen hinter schwedischen gardinen verbracht hatte, machte t. in meinen augen vertrauenswürdig.
"also notfalls kannst du übergangsweise auch zu mir ziehen", schlug ich t. vor.
"danke", sagte t. "ich überlegs mir."

da t. nicht nur ein kollege des objekts, sondern wie dieser aus der nähe der polnischen grenze stammte und um drei ecken mit ihm verwandt war, nutzte ich die gelegenheit zur informationsbeschaffung.
"haste was gehört?"
"der hat wohl neulich mit den azubinen in der klinik wilde parties gefeiert. dieses wochenende hat er aber den sohnemann bei sich, deshalb war er auch nicht im club."
"und das mit dem lütten geht so, in diesem winzigen zimmer, in dem er jetzt haust?"
"naja, so klein ist das nicht. 20 quadrat oder so."
"aber er hat keine küche und kein bad."
"doch, bad hat er. da ist so eine kleine dusche drin - wie in einem etap-hotel. nur die küche ist eben eine gemeinschaftsküche."
ich dachte an die zahlreichen vergeblichen wohnungsbesichtigungen und daran, dass dem objekt die küche bei einer wohnung immer das wichtigste gewesen war, denn "da lebt die familie", so objekt-o-ton.

"ich hab ja auch mal so klein gewohnt, aber das war echt nicht schön", erinnerte ich mich.
"war das da, wo dieser typ bei dir durchs fenster eingestiegen ist? der mit den drei verschwundenen borderliner-exfrauen?"
"jaja, genau das."
t. kicherte.
"abgefahren."
"das war krank. insofern: wenn du zu mir ziehst, hab ich dann wenigstens einen psychopathen-rausschmeißer im haus."
t. lächelte und meinte:
"mal sehen."

am kaltenkirchener platz verabschiedete ich t.
"ich muss da lang."
"aha, zu deinem geheimnisvollen liebhaber", sagte t. und meinte damit den menschen.
"dann... wünsch ich dir viel spaß. und vielen dank noch mal für das angebot, du bist echt ne liebe."
ich umarmte t. und hielt ihn ein weilchen fest, bevor ich mir dann auf den weg zum menschen machte.

weil es so schrecklich kalt war, joggte ich das letzte stück und klingelte beim menschen sturm. zu meiner großen überraschung öffnete mir ein unbekannter junger mann, der mich verschlafen wie eine schleiereule anblinzelte. dann stellte er sich vor:
"hi, ich bin b., ich wohne jetzt im hinteren zimmer."
ich starrte b. perplex an, erinnerte mich, dass der mensch einmal etwas von einem zukünftigen mitbewohner erwähnt hatte und fragte b. dann nach dem menschen.
"der ist vorhin in die klinik gefahren, der hatte so arge kopfschmerzen."

im zuge des erblindens leidet der mensch hin und wieder unter extrem starken kopfschmerzen, gegen die es keine legalen gegengifte gibt. die ärzte sind in der regel ratlos. seit der mensch mich kennt, experimentiert er mit dem, was ich beschaffen kann. und siehe da, wir verzeichnen erfolge: so hatte sich thc als so ziemlich einziger zuverlässiger painkiller erwiesen. aber natürlich bekam der mensch das nicht auf rezept.

ich rief den menschen auf dem handy an. zum glück ging er gleich ran.
"wo bist du?"
"ich war eben beim augenarzt, jetzt warte ich noch auf den neurologen."
"wann kommst du raus?"
"keine ahnung, die nehmen erst die schweren fälle dran. außerdem werden die mir sowieso wieder nicht helfen können."
ich überlegte.
"dann geh doch nach hause und leg dich ins bett."
"süße, ich muss heute eigentlich arbeiten. ich muss bis morgen ein projekt fertig haben. ich muss den kopf klarkriegen."
das schicksal der selbstständigen. krank geht einfach nicht.
"und wenn ich dir was zu kiffen besorge?"
"ich kann doch nicht immer kiffen, um meine kopfschmerzen loszuwerden. du hast manchmal echt vorstellungen!"
"na dann eben nicht."
ich legte auf und war ein bisschen verletzt, aber insgeheim auch dankbar, weil ich ja nichts bei mir hatte.

zehn minuten später rief der mensch wieder an.
"sorry, ich war eben doof zu dir."
"naja...", versuchte ich mich in souveränität und hoffte, dass es nicht gequält klang.
doch der mensch besitzt ein gespür für meine untertöne:
"doch. war ich. und es tut mir leid."
"schon okay. und nun?"
"ich war eben beim neurologen und wie erwartet hatte der keine ahnung, was er mit mir machen soll. ich hab ihm den ganzen fall quasi von kindheit an geschildert, und er faselte was von migräne und ich solle ibuprofen nehmen."
"ibu hab ich in der tasche."
"ibuprofen wirkt bei mir so wie aspirin, also gar nicht."
"achso. naja, und was nun?"
der mensch atmete tief ein:
"ich würde auf dein angebot zurückkommen. schließlich muss ich bis morgen was abgeliefert haben."

ich hielt inne. es war halb acht uhr morgens. ich stand sehr erschöpft in der eiseskälte mitten auf der straße und hatte nichts. außer das warme gefühl für den menschen in der brust.
"okay", sagte ich. "ich muss aber erst fragen, ob ich wo was bekomme."
"wenn nicht dann nicht", sagte der mensch. "bring dich nicht in gefahr."
"neinnein", sagte ich sarkastisch. "glaub bloß nicht, dass du mir wichtig bist."
der mensch lachte ein bisschen.
"dann bis nachher. achja, und alles, was du ausgibst, bekommst du natürlich wieder. und es ist mir relativ egal, wie viel das ist."
"du bist gerade für alles zu haben, was?"
"du weißt doch, wie das bei starken schmerzen ist."
"klar. ist ja gut, ich mach mich auf den weg. kann aber dauern."
"tausend dank!"

ich rief bei quelle nummer eins an. die schlummerte wie erwartet leider tief und fest. also wählte ich quelle nummer zwei, die, wie ich zunächst dachte, mit recht hoher wahrscheinlichkeit entweder noch wach sein oder durch das klingeln aufwachen würde. doch ich hatte pech.

ich überlegte. das objekt fiel mir ein. das sicherlich ohnehin gegen acht oder halb neun aufstehen würde, weil der lütte spätestens dann bespaßt werden wollte. ich zögerte, doch irgendwie war es mir egal und ich wählte die ach so vertraute nummer. es klingelte sechs- oder siebenmal an, danach ging die mailbox ran.

verdammt. wen könnte ich noch fragen? k. vielleicht. der hatte einen kollegen, der regelmäßig rauchte. vielleicht k. fragen, ob er eben mal beim kollegen anklingeln konnte? hm. das war peinlich.
just als ich das handy wieder in die hand nahm, rief jemand an. das objekt.
"hey!"
"morphine..." nuschelte das objekt verschlafen in den hörer. "was denn los? depressionen? überdosis geballert? todesfall irgendwo?"
"ääähhh... nö. ich hab ein ganz freches anliegen."
"wasn?"
"kann ich mir was von deinen küchenkräutern schnorren? jetzt sofort?"
das objekt musste lachen:
"das ist nicht dein ernst, oder?"
"mein voller", sagte ich streng.

"ich hab nichts hier", sagte das objekt dann, was ich sofort anzweifelte.
"du schwindelst doch?"
"nein, echt nicht. ich hab nur noch was im depot."
das objektive depot war ein drogen-grab im park.
"wenn du mir sagst, wo das ist, hole ich das da raus."
das objekt war inzwischen hellwach und analysierte:
"sag mal, morphine... irgendwas stimmt doch nicht bei dir. warum hat du so nen geier auf rauchen? hast du was geschnupft und kannst nicht schlafen?"
"nein, es ist alles okay. ich brauche das als schmerzmittel für jemanden."
das objekt seufzte.
"okay, du chaos-prinzessin... ich hab noch eine gute halbe stunde, dann wacht der kleine auf. wenn du mir sagst, wo du bist, komm ich rum."

eine viertelstunde später tauchte das objekt tatsächlich auf. es hatte waschbärringe unter den augen und die langen roten haare flatterten ungekämmt im wind. es kaute hubbabubba-kaugummi mit kirschgeschmack und küsste mich, indem es eine kaugummiblase an meiner wange platzen ließ.
"komm, ich hab nicht viel zeit."
es bedeutete mir, auf die fahrradstange aufzusteigen.
"geht das auf der stange mit dem mantel?"
"zieh ihn besser aus, der hängt sich sonst in die speichen."
"oooh neee, weißt du, wie kalt mir ist?!"
da streifte mir das objekt den mantel einfach ab und klemmte ihn auf den gepäckträger. es packte mich auf die stange, öffnete seine motorradjacke und zog mich an sich.

eingehüllt in objektduft und -wärme fuhren wir eine kleine strecke zum park. das objekt stiefelte zielsicher durch tulpen und narzissen und begann dann in wurzelnähe eines baumes zu scharren.
ich kam mir vor wie im falschen film und musste ununterbrochen grinsen. doch das objekt war flink wie ein eichhörnchen und zog kurze zeit später ein päckchen aus dem boden. es öffnete die tüte und reichte mir ein beachtliches häufchen böse kräuter.
"nicht so viel", wehrte ich ab.
"also wenn, dann muss sich das jetzt lohnen", fand das objekt.
"danke", sagte ich und gab ihm einen kuss auf den mund. "was schulde ich dir?"
"das kannst du halten wie du magst", erwiderte das objekt, großzügig wie eh und je.
"danke", sagte ich noch mal.

"wo musst du denn jetzt hin?", fragte das objekt, als wir wieder auf der straße standen.
"so richtung kieler straße."
"dann bring ich dich."
das objekt schlang mir seinen schal um den hals, dann fuhren wir wieder in seine jacke gepackt den weg zurück.
als wir in der straße standen, in der der mensch wohnte, kämpfte ich alle gefühle in mir nieder, während das objekt meinen mantel um meine schultern drapierte, verspielt imaginären staub abklopfte und fragte:
"willst du den schal behalten?"
"nein", sagte ich und befreite mich von dem weichen ding, das intensiv nach objekt roch. im eisigen luftzug begann ich sofort zu schlottern.
"ja dann... ich muss zu meinem sohn", sagte das objekt.
"tschüß", sagte ich kühl und peilte die haustür an.
als ich schon geläutet hatte, drehte ich mich noch einmal um. das objekt stand noch immer auf der straße und starrte mich an. dann ging der summer und ich rannte die treppen hinauf.

oben stand der mensch in der tür. er strahlte und zog mich an sich.
drinnen war es warm und sicher. es roch nach zuhause. während ich gegen neun uhr morgens in die hellblauen kissen kroch, setzte sich der mensch an den schreibtisch und begann zu arbeiten. der würzige geruch von brennenden kräutern zog durch die wohnung und killte endlich den letzten objektgeruch an mir.

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Donnerstag, 19. April 2012
how to be alone


how to be alone, by tanya davis

if you are at first lonely, be patient. if you've not been alone much, or if when you were, you weren't okay with it, then just wait. you'll find it's fine to be alone once you're embracing it.

we could start with the acceptable places, the bathroom, the coffee shop, the library. where you can stall and read the paper, where you can get your caffeine fix and sit and stay there. where you can browse the stacks and smell the books. you're not supposed to talk much anyway so it's safe there.

there's also the gym. if you're shy you could hang out with yourself in mirrors, you could put headphones in.

and there's public transportation, because we all gotta go places.

and there's prayer and meditation. no one will think less if you're hanging with your breath seeking peace and salvation.

start simple. things you may have previously based on your avoid being alone principals.

the lunch counter. where you will be surrounded by chow-downers. employees who only have an hour and their spouses work across town and so they - like you - will be alone.

resist the urge to hang out with your cell phone.

when you are comfortable with eat lunch and run, take yourself out for dinner. a restaurant with linen and silverware. you're no less intriguing a person when you're eating solo dessert to cleaning the whipped cream from the dish with your finger. in fact some people at full tables will wish they were where you were.

go to the movies. where it is dark and soothing. alone in your seat amidst a fleeting community.
and then, take yourself out dancing to a club where no one knows you. stand on the outside of the floor till the lights convince you more and more and the music shows you. dance like no one's watching... because, they're probably not. and, if they are, assume it is with best of human intentions. the way bodies move genuinely to beats is, after all, gorgeous and affecting. dance until you're sweating, and beads of perspiration remind you of life's best things, down your back like a brook of blessings.

go to the woods alone, and the trees and squirrels will watch for you.
go to an unfamiliar city, roam the streets, there're always statues to talk to and benches made for sitting give strangers a shared existence if only for a minute and these moments can be so uplifting and the conversations you get in by sitting alone on benches might've never happened had you not been there by yourself

society is afraid of alonedom, like lonely hearts are wasting away in basements, like people must have problems if, after a while, nobody is dating them. but lonely is a freedom that breaths easy and weightless and lonely is healing if you make it.

you could stand, swathed by groups and mobs or hold hands with your partner, look both further and farther for the endless quest for company. but no one's in your head and by the time you translate your thoughts, some essence of them may be lost or perhaps it is just kept.

perhaps in the interest of loving oneself, perhaps all those sappy slogans from preschool over to high school's groaning were tokens for holding the lonely at bay. cuz if you're happy in your head than solitude is blessed and alone is okay.

it's okay if no one believes like you. all experience is unique, no one has the same synapses, can't think like you, for this be releived, keeps things interesting lifes magic things in reach.

and it doesn't mean you're not connected, that communitie's not present, just take the perspective you get from being one person in one head and feel the effects of it. take silence and respect it. if you have an art that needs a practice, stop neglecting it. if your family doesn't get you, or religious sect is not meant for you, don't obsess about it.

you could be in an instant surrounded if you needed it. if your heart is bleeding make the best of it.
there is heat in freezing, be a testament.

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Dienstag, 17. April 2012
don´t
was sie auf gar keinen fall beim feiern tun sollten:

rauchen.
durcheinander trinken.
schneemann bauen.

lachen, bis der alk im magen zu hüpfen beginnt.
ein taxi nach hause nehmen.
kotzen müssen.

die handtasche benutzen.

sie werden feststellen:
der haustürschlüssel ist immer GANZ UNTEN.

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Sonntag, 15. April 2012
hurt me, thrill me, bore me, kill me
unvergessene liebe klebt an dir wie der schweißgeruch in den lieblingsplastikschuhen, die du seit jahren eisern trägst, weil es keine besseren gibt. wenn pheromone der duft der liebe sind, ist die klebrige erinnerung der gestank. süßlich, bitter, modrig. verwesung eben. er geht dir nicht aus der nase.

während eine wohnungsleiche bei fliegenbefall und günstigen temperaturen in nicht einmal 14 tagen vollständig skelettiert und damit beinahe appetitlich restzuentsorgen sein kann, ist die liebe erinnerung ein koloss, der sich hefekuchenartig aufbläht, insbesondere dann, wenn langeweile herrscht.

langeweile lässt sich bisweilen herrlich wegficken, wegsaufen oder mit anderen bewusstseinsverändernden stimulanzien vorübergehend killen. auch existenzangst, gerichtliche mahnungen, entzweiungen im freundeskreis, partnerverlust oder krankheit können sehr unterhaltsam sein und ungeahnte dimensionen von kurzweil ermöglichen. doch irgendwo gibt es immer ein kleines loch, ein luftiger moment, in den sich unvergessene liebe hineinschleicht.

begegnungen mit dem gegenstand der unvergessenen liebe, auch genannt exfreund/expartner (scheiß auf gender, sie wissen schon), können trotz kurzweil diesen prozess noch einmal intensivieren. insbesondere, wenn der gegenstand sehr nahe kommt. gestern beispielsweise, als mir das objekt von hinten angreifend die hände unter den rockbund schob.

binnen kürzester zeit macht die erinnerung alles, was neu und frisch richtung herzgegend wachsen will, zum ground zero. so stand ich heute morgen vor dem haus des menschen, weil ich mich schon seit tagen nach seiner liebevollen umarmung sehnte. die erinnerung hatte mich jedoch kontaminiert wie die vögelgrippe, wie das objekt aids scherzhaft nennt. also fuhr ich nach hause und saß dann lange auf der bettkante, bevor ich mich zum epic fail entschloss und dem objekt eine sms schickte, die ich zunächst sehr schön fand, beim absenden dann schon etwas melodramatisch und drei minuten später enorm peinlich.

das ergebnis entsprach ungefähr dem worst case scenario, das eine sms auslösen kann: sie kommt an, der empfänger liest sie sofort, hat dabei miese laune und keinen bock auf den absender, ist außerdem betrunken und reagiert summasumarum ungebremst negativ.
"ich weiß echt nicht, was du eigentlich willst", bellte das objekt in den hörer. "den ganzen abend bist du total verschlossen und eisig, und jetzt wieder das gegenteil."
ich schwieg beschämt.
"ich weiß nicht mehr, was ich glauben soll", sagte das objekt in das schweigen hinein.
"lass uns mal in ruhe über alles sprechen, es ist einfach zu viel vorgefallen", bemühte ich mich um diplomatie.
"aber nicht nächste woche", wehrte das objekt ab. "die drauf vielleicht."
wusch, aufgelegt.

mit dem handy zwischen den fingern sank ich in die kissen, die sich schwer und klumpig anfühlten, genauso wie mein herz, das gegen schwarzen erinnerungsmoder ankämpfte. die luft in meinem stickigen schlafzimmer war heiß und trocken. es dauerte sehr lang, bis sich der sargdeckel des schlafes endlich teerartig über mein bewusstsein senkte und das denken ertränkte.

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Freitag, 13. April 2012
was sie schon immer über sex wissen wollten
was macht guten sex aus? was ist die formel von geilheit? zwei (und vielleicht auch noch mehr) leser wollen es wissen. et voilà.

1. partnerwahl

was macht den richtigen partner beim sex aus? die schwanzgröße? die beschaffenheit der vagina? die gleichen vorlieben? die nette persönlichkeit beckenaufwärts?

erfahrensgemäß entscheidet für mich a) der erste optische eindruck und b) der geruch.
was den optischen eindruck betrifft, gibt es mehrere muster, die sämtliche meiner sexualpartner bedienen. ich vermute, dass diese optischen muster mit uralten emotionalen und trieblichen aspekten in mir korrellieren und bewirken, dass ich mich von einem mann weder bedroht noch gelangweilt fühle, sondern dass er interessant, attraktiv und sexy auf mich wirkt. die wirkung des ersten optischen eindrucks ist sehr individuell und hat nur bedingt etwas mit objektiver schönheit, style oder sozialem status zu tun.

entgegen der meinung vieler anderer frauen ist intellekt oder unterhaltungswert für mich zweitrangig. zu dem zeitpunkt, als ich beispielsweise mit objekt und dritten im bett landete, fand ich das objekt weder besonders clever noch unterhaltsam. im gegenteil, wir verstanden uns überhaupt nicht. mag sein, dass auch dies einen reiz ausmachte. dazu aber mehr in einem anderen punkt.

der geruch, eine rein biologisch-immunologische komponente, legt dann zuletzt den entscheidenden hebel um. dabei kann ein mann beim sex anders riechen als zuvor. könnte mit der schweißproduktion zusammenhängen, aber auch mit der veränderten aussendung von lockstoffen. behaupte ich mal so.

2. vertraute fremde

ich brauche keine gefühle für den partner, um guten sex zu haben. ich muss nicht verliebt sein. was ich aber für vorteilhaft erachte, ist ein stück vertrauen. deshalb bin ich wiederholungstäterin. je besser ich mein gegenüber kenne, desto mehr kann ich mich gehen lassen. der output vergrößert sich.

es gibt menschen - insbesondere männer, die ich hatte - die mir das gegenteil bestätigen. sie können sich besser fallen lassen, wenn sie die frau überhaupt nicht kennen. das unbekannte eröffnet ihnen möglichkeiten, vorübergehend jemand zu werden, der sie sich sonst nicht zu sein trauen. dieser faktor spielt besonders bei fremdfickern eine rolle.

3. a reason to fuck

die innere motivation sozusagen.
an manchen tagen denke ich an absolut nichts anderes als sex. liegt wohl an den hormonen / der zyklusphase. angeblich sind frauen im eisprung besonders sexuell aktiv und für männer am attraktivsten. so genau konnte ich das allerdings noch nicht bei mir beobachten. vermutlich, weil ich nie weiß, wann genau mein eisprung ist. sollte man mal messen, vielleicht ist das ja ein schlüssel zur sexuellen glückseligkeit.

das ist ein möglicher, aber nicht der einzige grund, sex haben zu wollen. besonders frauen haben häufig sex, weil die begegnung zweier körper zärtlichkeit und zwischenmenschliche nähe bedeutet. ich halte diesen grund für das hauptmotiv bei frauen. deshalb verlieben sich viele auch beim sex. ging mir früher auch so, heute weniger. vielleicht hat sich auch meine körpereigene oxytocin- und prolaktinausschüttung verringert. who knows.

die männlichen gründe können ähnlich gelagert, aber auch vollkommen andere sein. einer meiner engsten freunde gestand mir, dass er manchmal sex habe, um wut und aggression abzureagieren. hier wird sex zum sport, zum zweikampf, und zugleich möglichkeit, sich zu verausgaben, leer zu werden, entspannung zu finden.

ein weiterer, enorm wichtiger grund ist die kommunikation der körper. begehren lässt sich in worten nur unzureichend ausdrücken. die natur zwingt die geschlechter nach dem schlüssel-schloss-prinzip zusammen. das kann vor allem dann, wenn die verbale kommunikation eher unbefriedigend ausfällt, ein wahrer segen sein. solange sex nicht zum streit-katalysator wird, ist alles gut.

während man über die ersten drei gründe die überschrift "ficken um des fickens willen" setzen könnte, ist beim letzteren grund der partner im fokus.

4. das setting

viele menschen stürzen besoffen zusammen ab, weil sie zu diesem zeitpunkt enthemmt sind. ein gutes setting würde demnach bedeuten, dass möglichst wenige hemmungen im spiel sind.

alkohol kann anregend sein, aber auch die potenz (zer)stören. sehr offenherziges flirten kann hemmungen wesentlich nebenwirkungsfreier unterbinden. geringe mengen anregender drogen wie mdma, koks oder speed sind ebenfalls ausgesprochen empfehlenswert. aber auch hier gilt: der grat zwischen obelisque und müder wurstpelle ist ein schmaler.

manchmal ist es auch anregend, anderen beim knutschen, fummeln oder vögeln zuzusehen. dabei sind live-erlebnisse selbstverständlich eine ganz andere hausnummer als pornos. die atmosphäre ist bei allem entscheidend.

5. zur sache, schätzchen

zögern ist der killer jeglicher erotik. offen gezeigte unsicherheit führt zum rapiden absinken der lustkurve. wenn ich mich frage, ob ich jetzt anweisungen geben muss, ist schon alles zu spät.

auch fragen wie "und was magst du so?" finde ich ganz fürchterlich. ich mag keine männer, die es mir recht machen wollen. ich mag männer, die ihren trieben folgen. das heißt nicht, dass man(n) beim sex die klappe halten und drauflosrammeln muss. freizügig geäußerte gedanken können bisweilen sehr aufregend sein.

6. das liebe-lieber-ungewöhnlich-prinzip

ich bin kein monogamer mensch. ich habe gerne sex mit mehr als einem partner. der muss nicht zwingend männlich sein. ich mag spielarten, die nicht jedem liegen. und ich mag sex auch woanders als im eigenen bett. das ist purer hedonismus, weniger philosophie.

das objekt beispielsweise ist besessen vom gedanken, dass männer dazu geschaffen sind, den eigenen samen möglichst weit zu verbreiten. aus dieser evolutionären pflicht heraus können sie auch nicht bei einer frau bleiben. ob es sich hierbei um philosophie handelt, sei dahingestellt. dem objekt traue ich auch zu, dass es eigennutz in edelmut verpackt.

erfahrungsgemäß gehen die meinungen in diesem punkt stark auseinander. es handelt sich also um eine weltanschauliche frage.

7. vorspiel

dass frauen ein stundenlanges vorspiel erwarten oder es benötigen, um zum höhepunkt zu gelangen, ist ein weit verbreiteter irrtum. manchmal ist vorspiel nett. spontan einen wegstecken geht aber genauso gut und ist nicht weniger anturnend - insbesondere an spannenden orten. denn vorspiel findet auch im eigenen kopf statt. kopfkino kann mich auf 180 bringen, den richtigen partner vorausgesetzt. dazu muss nicht jemand stundenlang an mir rumrubbeln.

was ich hingegen sehr schätze, ist küssen. im speichel des mannes befinden sich sexuallockstoffe, die die frau paarungsbereit machen sollen. das ist der biologische sinn eines kusses. ein kuss kann, insbesondere bei einem optimalen partner, wie wellen elektrischen stroms am ganzen körper spürbar werden und die erregung enorm steigern.

8. die performance

abwechslung beim vögeln finde ich toll. aus dem zeitalter, in denen die missionarsstellung vorschrift war, sind wir ja auch längst raus.

trotzdem sollte die performance nicht zum hochleistungssport avancieren. ich bin rückenpatientin und stehe auch nicht auf überdehnungen und muskelfaserrisse. wenn ich gymnastik machen will, melde ich mich im turnverein an. von sex hingegen erwarte ich mindestens so viel entspannung wie excitement.

any further questions?

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