Freitag, 11. November 2011
somebody´s calling
gestern rief ein exfreund von mir an. die erste große liebe. und fragte nach vielen vielen monaten der funkstille, ob er mal vorbeikommen und bei mir übernachten dürfe. und sagte dann, dass ich ja in sachen liebe immer noch seine rekordhalterin sei.
ich wollte ja nicht erwidern: damals war ich halt noch jung und dumm. (denn zumindest an einer der beiden tatsachen hat sich ja nicht so schrecklich viel geändert.) also blieb ich stumm und weidete mich an meiner verblüffung.
die übernachtungsanfrage fand ich allerdings so kurios witzig, dass ich zum ende des gesprächs meinte, na dann von mir aus, komm vorbei.

zwischendrin klingelte das handy. das objekt. ich rief zurück.
"ich will meine sachen holen", sagte ich kurz.
"warum das denn", fragte das objekt.
"weil ich dringend meine schnittpunkte mit dir reduzieren muss."
"muss ich das verstehen", fragte das objekt.
"das ist mir ehrlich gesagt ziemlich egal."
"ich hab aber jetzt keine zeit", meinte das objekt.
"schon klar. geht ja auch nur um meine bedürfnisse."
"morphine, ich hab das gefühl, du weißt gerade nicht, was du willst."
"ich weiß gerade sehr gut, was ich nicht will."
"sag mal, was soll das denn?"
"kein thema fürs telefon. wenn dus wissen willst, nimm dir eine halbe stunde zeit. sonst nicht."

als das objekt auflegte, merkte ich, dass mir nach ewigkeiten endlich mal wieder die tränen kamen.

just als ich schön am schniefen war, rief ein anderer mann an. kollege eines anderen exfreundes, verheiratet, zwei kinder. und gerade dabei, mich in zweideutigkeiten zu verwickeln.
"süße, bist du erkältet", fragte er.
"nein, ich heule", sagte ich gerade heraus, weil mir im grunde danach war, mich an seiner breiten väterlichen brust anzulehnen und ein paar streicheleinheiten abzugreifen.
der mann war bestürzt und wollte wissen, was los sei.
für einen moment war ich drauf und dran, mit der ganzen unsäglichen geschichte herauszuplatzen. aber erstens war die zu verwirrend für außenstehende. zweitens war ich noch nicht fertig mit der angelegenheit. und drittens war der mann selbst gerade eher in kummervoller stimmung, weil er probleme mit seiner frau hatte und ausgezogen war. und viertens war das sowieso das letzte, was ihn interessiere musste.
ich suchte nach einer ausrede.
"mein ex hat gerade angerufen."
"und deshalb weinst du?"
"das war meine erste große liebe, weißt du. und eigentlich hab ich mich auch gefreut."
das klang zwar nicht plausibel, aber vielleicht konnte ich hinzufügen, dass das ich gerade meine tage bekam und an pms litt? allerdings hatte ich meine tage schon eine weile nicht mehr gehabt und musste dringend einen schwangerschaftstest machen. aber, ach, das war ja noch viel besser!

"und außerdem hab ich meine tage nicht gekriegt", fügte ich zusammenhanglos hinzu.
stille in der leitung.
dann sagte der mann:
"weißt du was ich glaube? du bist doch nicht normal. du bist doch vollkommen durchgeknallt."
ich sagte nichts.
"aber weißt du was", meinte der mann dann noch mal. "das finde ich total sexy."
ich musste kichern. und spürte eine zarte wärme zur herzarktis hinkriechen.
"schön, wenn du lachst. kriegt man dich so leicht zum lachen?" fragte der mann.
"ich bin ein konglomerat ineinander stürzender emotionen. meine stimmung kann sich im sekundentakt um 180 grad verändern."
der mann lachte wieder.
"herrlich", fand er.
"das ist total anstrengend", gab ich zurück. "für mich und für andere auch."
"glaub ich nicht!" lachte der mann wieder.

was für ein warmes, tiefes lachen. der hatte keine herzarktis. der hatte einen brunnen dort, wie es klang. einen mit ganz klarem wasser darin, das gluckste, wenn man ein steinchen warf.
"ich muss jetzt schlafen", sagte ich der verwirrung wegen.
"ich muss schon gleich wieder aufstehen", sagte der mann.
"ich ja auch."
"wann denn?"
"um sieben."
"ich ums sechs."
"na dann. träum schön."
"du auch, süße."

und als nur noch stille aus dem hörer drang, rollte ich mich ein und träumte einen traum, in dem ich nicht alleine war.

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Mittwoch, 9. November 2011
und sonst so?
[ ] <- aktuelles seelenleben


menschen sind so leicht zu durchschauen. das ist so langweilig.

alles lässt sich auf eigeninteresse reduzieren. auf nützlichkeiten. kleine widerliche opportunistenschweine. überall. im job und privat genauso.

ich bin raus. lass mich durch die schallmauer fallen und bin weg.

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Sonntag, 6. November 2011
fightclub
ich hatte seit über einer woche nichts mehr vom architekten gehört und innerlich schon einen halben haken an die sache gesetzt. man will sich ja nicht zu lange mit unnützer hoffnung aufhalten. hope kills. ich hasse hoffnung. ich habe der hoffnung abgeschworen. klappt hervorragend, sofern sich die sehnsucht nicht dazwischen schiebt.

nach dem desaströsen freitag verbrachte ich den samstag in seelischer katatonie, sprich vor mich hinstarrend im bett. passiert mir ab und an. einmal stand ich auf und brachte wäsche zum waschsalon. ich saß 43 minuten lang neben einem papa mit kind auf der weißen bank und guckte in die routierende trommel. das kind hatte sich bei seinem papa im schoß zusammengerollt und guckte mich fragend an. kinder spüren, wenn man traurig ist. und ich war traurig und mental so schlaff und widerstandslos wie das bündel warmer feuchter wäsche, das ich irgendwann aus der maschine zog.

gegen abend versuchte ich meine stimmung noch einmal richtung vorfreude zu lenken. ich nahm mir zeit und wählte für den club eines meiner lieblingsoutfits, in dem ich, wie meine mama immer sagt, wie eine domina aussehe. streng, findet sie, elegant, sage ich.

im club war zunächst niemand meiner freunde. es war schon gleich zwei, die wahrscheinlichkeit, dass noch jemand nettes kommen würde, war gering.
ich traf einen meiner lästigsten verehrer, den ich schon grob unfreundlich behandle, der aber immer noch nicht locker lässt. im grunde tut er mir immer ein bisschen leid, aber die restliche zeit stehe ich immer kurz davor, meine zigarette in seinem gesicht auszudrücken.
auch diesmal pflanzte er sich ungefragt neben mich, stellte maximale körpernähe her und begann dann die musik zu kommentieren:
"oh, hör mal, geiles lied... was denkst du, wenn du so ne musik hörst? aaaaah, ich weiß schon, bestimmt hast du dabei wilde sexuelle fantasien... da wär ich ja gerne mal gast in deinem kopf!"
ich machte, dass ich wegkam.

auf der flucht nach vorne rannte ich dann auf einmal dem objekt in die arme. es war offenbar gerade angekommen und trug noch den dicken schwarzen mantel. es fing mich ab, zog mich an sich, hob mich hoch und bedeckte mein gesicht mit kleinen küssen.
"du bist aber gut drauf", wunderte ich mich.
das objekt strahlte mich an.
"komm", sagte es und dirigierte mich richtung sofa.
"du trägst ja die haare offen", bemerkte ich, als wir saßen.
"riech mal", sagte das objekt und hielt seine kupferrote mähne in mein gesicht.
es duftete nicht nach dem süßen apfelshampoo seines lütten wie sonst immer. vielmehr nach friseur.
"was ist das?"
ds objekt grinste:
"haarkur."
"du mädchen. warum nimmst du denn haarkur?"
"ich finde, das duftet enorm gut."
"du spinnst ja."
"findest du, dass das nicht gut riecht?"
das objekt schaute enttäuscht.
"jetzt sei nicht gleich muggsch. klar riecht das gut, aber halt anders als sonst. es unterdrückt so ein bisschen deine testosteronwolke, die dich sonst umgibt."
"heißt das, ich bin weniger männlich? weniger attraktiv für frauen?"
"ein bisschen."
das objekt puffte mich und sah mich aus zusammengekniffenen funkelnd grünen augen an. dann kuschelte es sich an meine schulter.

so saßen wir, bis ich auf einmal von weitem den architekten entdeckte.
"ich geh mal tanzen", floh ich vor dem objekt, bevor dieses die zusammenhänge begriff.
ich stolperte dem architekten hinterher, der mich nicht bemerkte, sondern eben freunde begrüßte. ich drehte zwei runden, dann positionierte ich mich in architektennähe, um in seinen aufmerksamkeitsradius zu geraten, ohne ihm auf die schulter tippen zu müssen.
irgendwann registierte er mich dann, freute sich offensichtlich und nahm mich in die arme.
"und?" fragte ich, wobei mit der frage alles gemeint war zwischen wie-geht-es-dir und was-macht-der-entscheidungsprozess-für-oder-wider-mich.
"darf ich offen sein?" fragte der architekt.
ich nickte und mir schwante übles.
der architekt hatte angst, stellte sich heraus, dass sich sein autismus nicht einer beziehung verträgt.
"ich mache komische dinge, ich ziehe mich immer mal wieder mehrere tage lang zurück, ich bin manchmal nicht gesellschaftsfähig, weil ich dann menschen nicht ertrage und wenn, dann nur mit viel alkohol... obwohl ich alkohol nicht mag..."
"ist mir schon klar", sagte ich. "ich bin auch sicherlich komisch, und leute sagen mir ständig eine borderline-störung nach, obwohl ich diese aus medizinischer sicht gesehen nicht habe... aber die frage lautet ja, bringen wir den mut auf, auf all das zu scheißen?"
"ich weiß nicht, was meinst du?"
himmel, schon wieder jemand, der einen piloten braucht, dachte ich.
"ich mag dich, ich will dich kennenlernen", versuchte ich stellung zu beziehen. "ich kann das aber nicht, indem wir uns zufällig hier über den weg laufen. ich will zeit mir dir verbringen, um zu sehen, ob es funktionieren könnte. und dann, denke ich, wird sich das alles finden. ich bin sprungbereit, aber ich springe nur, wenn du mitspringst."
so, klarer geht nicht, klopfte ich mir auf die schulter.
"wenn du noch mehr zeit brauchst zum nachdenken, dann nimm sie dir", schob ich hinterher. "ich bin selber total langsam mit meinen gefühlen, also don´t be shy."
der architekt fand das angebot großartig. er kam näher und lehnte seine wange an meine schulter - die schulter, auf der vorher das objekt seinen schweren kopf abgelegt hatte. kein wunder, dass ich verspannungen hatte.

die situation war nun nicht gerade geklärt, aber das eisen noch im feuer. gut so. doch während wir uns weiter über dies und jenes unterhielten, beschlich mich ein komisches gefühl. als ich kurz aufstand und zur bar ging, um ein neues bier zu holen, verstand ich warum: in der ecke saß das objekt und sah mir nach. als ich wieder saß, spürte ich seine blicke in meinem rücken. der architekt merkte nichts und redete weiter. ich beobachtete das objekt über die spiegelnde verkleidung an der bar. nach und nach schien mir immer deutlicher, dass das objekt stinkeeifersüchtig war.

schließlich kam es zu uns herüber und platzierte sich neben mich. da ich gerade dabei war, eine kleine runde zu schmeißen für den architekten und meinen bekannten, der geburtstag gehabt hatte, fragte ich das objekt, ob es einen tequila mittrinken wollte.
"nein", sagte es grimmig.
der architekt horchte auf, sagte hallo und streckte dem objekt die hand hin. das objekt ließ die rechte in der hosentasche zur faust geballt und sagte nur:
"wir kennen uns schon."
dann legte es seinen arm um mich.
"na, haste heute deine sensible phase", kommentierte ich die pose, bevor ich seine hand nahm und den arm von meinen schultern zerrte.
da verschwand das objekt auf die tanzfläche.

der architekt guckte irritiert.
"der findet dich gut, was."
der architekt war leider nicht blöde. ich rang um worte und gab dann ein entschiedenes "hm" zum besten.
"und findest du ihn auch gut?"
"naja, das ist so mein allerbester freund oder auch allerbeste freundin", versuchte ich die situation zu erklären. "deshalb ist das schon in ordnung, wenn er auch mal körperkontakt auf diese weise sucht."
"das ist der ex von meiner ex l., also seiner kindsmutter", sagte der architekt überflüssigerweise.
"ich weiß", erwiderte ich.
"die hat er ja damals grandios im stich gelassen."
ich sagte nichts.
"interessiert dich das nicht? wenn er dein bester freund ist?" hakte der architekt nach.
ich rückte ein stück ab.
"wenn es da was dazu sagen gibt, würde ich das wenn schon ganz gerne von ihm direkt erfahren und nicht über dritte."
autsch. jetzt guckte der architekt betroffen.
"also was ich meine, ist, dass dreckwäsche von jedem der beteiligten immer anders gewaschen wird und dass ich auf gerüchteküche keinen bock habe", setzte ich nach.
der architekt lächelte.
"du hast prinzipien, oder?"
"manchmal. ich will nicht behaupten, dass ich vor lästereien und anderen niederen instinkten gefeit wäre."
"find ich gut, deine weltanschauung."
"ich auch."

als ich aufstand und auf toilette ging, stand das objekt am ausgang und zog gerade den mantel an. ich haute ihm auf den arsch, und es fuhr herum.
"du wolltest gehen, ohne dich zu verabschieden."
"nein, niemals."
es nahm mich in die arme und drückte mich herzlich nach objektmanier.
"was quatscht du denn die ganze zeit mit dem architekten?"
"dies und jenes."
"auch über mich? gib zu, er hat das vorhin kommentiert."
"er hat nur kurz erwähnt, dass er mit deiner ex zusammen war."
das objekt schnaubte verächtlich.
"ha, zusammen, in seiner beschränkten weltsicht wahrscheinlich. l. hatte doch damals schon längst einen anderen stecher."
"das interessiert mich nicht. sowas kannst du dir bei mir echt sparen."
"tut mir leid."
"tut dir gar nicht leid."
"doch, wirklich, nun sei nicht sauer. ich sag nichts mehr."
es umarmte mich noch mal, dann ging ich zum architekten zurück.

es dauerte jedoch nicht lange, da stand das objekt wieder im raum und schaute sich suchend um.
"ich hab meinen geldbeutel verloren."
allzu viel wird da ja wohl nicht drin gewesen sein, wollte ich schon sagen, riss mich aber zusammen.
als dann die lichter angingen, saß das objekt in der ecke des raumes (wo es uns bestens im blick hatte) und rauchte.
"na, geldbeutel schon gefunden?" fragte ich.
"ja."
"mensch, und das ganz im dunklen", sagte ich. "hast du dein nachtsichtgerät dabei?"
"nein, aber mein handy." das objekt schaute säuerlich, da es meine ironie nicht überhört hatte.

da kam der barkeeper und kehrte uns aus dem club.
"ich bring dich nach hause", sagte der architekt.
"oh, du bist lieb", erwiderte ich.
da nahm der architekt meine hand und führte mich nach draußen. gefühlte zwei zentimeter hinter uns ging das objekt.
kurz bevor ich zum archtekten in den wagen steigen wollte, rief mich das objekt zurück.
"sehen wir uns nächste woche mal?"
nichts anderes hatte ich erwartet.
"du hast meine nummer, ruf mich einfach an", sagte ich.
dann ließ ich mich auf den beifahrersitz sinken und zog die tür zu.
der architekt guckte verwirrt, aber ich mochte nichts mehr erläutern und war froh, als wir endlich in meiner straße ankamen.

wenn das so weiter geht, kann ich nicht mehr in den club gehen.

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Samstag, 5. November 2011
wenn es bei vorfreude bleibt
alles wies zunächst darauf hin, dass der gestrige tag ein superangenehmer freitag werden würde.

auf arbeit gab es leichte freitgskost. einen flyer auf fehler überprüfen und mit einer gehässigen germanisten-klugscheißer-mail zurück an den absender schicken. ein interview mit einem geschäftsführer-typi führen, der mich scherzhaft mit einem mir bereits bekannten kosenamen betitulierte. last but not least die ehrenvolle aufgabe übertragen bekommen, ein neues tv-format für das unterschichtenfernsehen zu entwerfen. das freute mich, denn man wächst schließlich nur mit seinen herausforderungen (auch wenn das gehalt nicht mitwächst), und vielleicht konnte ich ja beiläufig ein wenig intellekt in die sendung einstreuen und so deutschland vor dem geistigen kollaps retten.

mittags machte ich meinen schreibtisch ordentlich, wischte den bildschirm meines macs sauber und stieg in den mantel. den unerledigten nervigen kleinscheiß delegierte ich fix an meine untergebenen (ich bin visionärin, ich kann nichts anders), dann winkte ich der chefin, die ich die nächsten wochen vertreten musste und wollte hinaushuschen. doch die chefin rief mich zurück. ich möge einen augenblick warten. gut, ich bin ja nicht so.

der augenblick begann sich hefekuchenartig auf eine halbe stunde aufzublähen. ich ärgerte mich. dann klopfte ich am zimmer meiner chefin, um darauf aufmerksam zu machen, dass ich noch da war. die chefin führte gerade unüberhörbar ein privatgespräch und verfluchte ihren gesprächparter mit deftigen kraftausdrücken. endlich wurde ich hereingerufen und hörte mir ein chaotisches briefing für eine angeblich superdringliche sache an, die ich am besten jetzt sofort beginnen sollte, obwohl ich nun eigentlich frei hatte.

"aber der ansprechpartner ist doch ohnehin erst am mittwoch da, wieso sollten wir jetzt so übereilt starten?" fragte ich zurück.
meine chefin sah mich perplex an:
"ja, da haste eigentlich recht. gut, dann gehste jetzt nach hause und hast ein schönes wochenende."
fast eine stunde lebenszeit verschwendet, toll.

die stimmung hatte leichte schieflage bekommen, aber zuhause kündigte ein paketschein an, dass mein neuer wollmantel angekommen war. ich hatte glück, die nachbarin, die das päckchen angenommen hatte, war zuhause. in der wohnung fetzte ich das paket auf und freute mich riesig: der mantel war wunderschön und passte von vorne betrachtet perfekt. bis ich mich dann seitlich drehte und feststellte, dass das gute stück so betrachtet absolut fürchterlich geschnitten war. ich sah aus wie im neunten monat schwanger.

es war inzwischen 17 uhr. also den mantel wieder fix eingepackt und ab zur post. je früher das ding zurück war, desto eher bekam ich mein geld wieder.

vor meiner postfiliale war gähnende leere. ich jubelte innerlich, denn normalerweise reichte die schlange um die uhrzeit bis zur tür. als sich die schiebetüren nicht öffnen wollte, schwante mir allerdings übles. ein schild bestätigte meine befürchtung: die filiale war wegen einer betriebsversammlung schon seit 13 uhr geschlossen. das schild wies mich freundlich darauf hin, dass ich eine andere filiale aufsuchen möge, gab allerdings nicht preis, wo sich die nächstgelegene befinden könnte.

ich fuhr nach hause, guckte im internet auf der seite der post nach einer filiale in der nähe und fuhr wieder los. als ich dann mein rad vor der alternativ-filiale parkte, sah ich, wie eine angestellte eben dabei war, die tür zu schließen.
ich sah auf die uhr. es war drei minuten vor 18 uhr. also fasste ich mir ein herz und klopfte. die angestellte machte eine handbewegung, als wolle sie eine lästige schmeißfliege vertreiben.
"hören sie, es ist noch nicht 18 uhr!" rief ich durch die scheibe. die angestellte hatte mich sicherlich gehört, zog aber nur rigide den vorhang vor. ich kochte vor wut und musste mich davon abhalten, nicht gegen die scheibe zu treten. doch es half alles nichts. ich musste unverrichteter dinge wieder nach hause fahren.

zuhause schrubbte ich miesgelaunt die wohnung. dann klingelte das telefon. ich hoffte, es möge eine freundin sein, die mich heute abend beim ausgehen begleiten wollte. doch es war ein kunde, der anmerkungen zu meiner arbeit hatte. fast eine stunde lang erklärte ich ihm mit einer affengeduld, warum dies und das so und nicht anders ginge. er war einsichtig, bat mich dann aber, ein "kleines unternehmensprofil" durchzusehen, das er eigentlich jetzt gleich verschicken wollte. so, wie es klang, rechnete ich mit einem zeitaufwand von zehn minuten und beschloss, dass ich die leistung nicht berechnen würde, da der klient ein recht guter und regelmäßiger kunde war. der kunde freute sich sehr über mein entgegenkommen und schrieb mir gleich eine e-mail.

fünf minuten später war das dokument in meinem postfach gelandet. als ich es öffnete, erwartete mich eine 36-seitige powerpoint-präsentation, in der es, wie ich sofort sah, vor fehlern nur so wimmelte. gut, vertrauen kann nicht hart genug bestraft werden. ich kalkulierte hart zwei minuten pro seite und schaffte es dann tatsächlich, die präsenation in einer guten stunde durchzukorrigieren.

inzwischen war es halb zehn. ich war hundemüde, hatte aber noch nicht eingekauft und nicht gegessen. also schnell noch zum supermarkt hetzen, convenience food ist so dankbar, dann wieder zurück, essen, abspülen aufräumen. anschließend war ich gefühlt tot.

also beschloss ich, mich für eine stunde aufs ohr zu hauen, bevor ich ins nachtleben startete. 'ich muss den wecker stellen', dachte ich noch, als mein kopf das kissen berührte, dann war ich bereits im land der träume. ich träumte wild von der objektgespielin, die mir böses wollte und wachte dann erschreckt auf. jetzt aber aufgestanden, dachte ich. schön duschen, anziehen, aufbrezeln und los.

ein blick auf die uhr belehrte mich jedoch eines besseren: es war bereits kurz nach drei. ich hatte schon fast vier stunden geschlafen. bis ich ausgehfertig sein konnte, würde es sicherlich vier sein. bis auf zwei, drei technoclus, die auf den drogenkonsum ihrer klientel zählten, machten die läden hier jedoch alle so gegen sechs dicht.

ich starrte angestrengt ins dunkel, spürte aufsteigende nackenschmerzen und beschloss dann, einfach weiterzuschlafen. wenigstens der nacken würde es mir danken.

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Donnerstag, 3. November 2011
aufgemerkelt
(vorsicht, politisch inkorrekter text, möglicherweise von mangelhafter qualität. klicken sie auf "ja", falls sie glauben, genügend humor respektive niedere instinkte zu besitzen.

ja

nein

bei "nein" verlassen sie bitte diese seite.)

da haben miss teflon und ihr französischer freund mit der singenden mutti aber ganz schön auf den putz gehauen. die fassade von papamännchen bröselt. nicht, dass ich ihm das gönnen würde. im gegenteil, ein teil in mir tippt energisch auf die linke herzkammer und gibt zu bedenken, dass politiker menschen sind, auf denen ein hoher druck lastet.
da geht es nicht um ein paar tausend oder millionen euro budgetverantwortung. da geht es um ein volk. um kinder. um die zukunft einer nation. um ganz europa!
also ganz schön uiuiui.

ich bewundere das. ich bewundere auch angie, seitdem sie ihr blaues jackett trägt und versucht, mit dem verschlafenen haufen der eu tacheles zu reden.

nix gegen die griechen. wirklich nicht. also prinzipiell so. mit einigen ausnahmen.

so eine hatte ich heute in form eines schlumpfigen südländisch aussehenden studenten vor mir. allerhöchstwahrscheinlich grieche. allerhöchstwahrscheinlich!
die internationale koexistenz währte eine mehrkilometrige fahrradstrecke lang. während des fahrens illustrierte der grieche (ich nenne ihn jetzt mal so, auch wenn er ebenso araber oder türke hätte sein können) die befindlichkeit des landes ausgesprochen lebendig und anschaulich durch schlingerndes trödeliges radeln ohne offensichtliches ziel. der drahtesel war schon ein älteres modell und schepperte wie ein altglascontainer, der gerade entleert wird. an der ampel dann stand er vor mir. die ampel wurde grün. das griechenhirn begann langsam mit der anstrengenden übersetzungsarbeit: grünes signal heißt noch mal was? achja. irgendwas mit los gehts. das hirn suchte über das rückenmark den fuß. die funkverbindung war schlecht, aber nach einer weile verstand der fuß, was da am anderen ende der nervenleitung gebrabbelt wurde. jetzt den fuß gaaaaaaanz vorsichtig auf die pedale platzieren. nicht abrutschen dabei, also langsam. dann noch einmal die fingernägel kontrollieren. kann man so über eine grüne ampel fahren? hm! man muss überlegen! und ein bisschen auf dem mitelfinger kauen. dann noch mal anschauen. gut so? juhu! es kann losgehen!
ich muss nicht sagen, dass die ampel inzwischen wieder rot war. aber das machte dem eifrigen studenten nichts. im gegenteil. kann man ja noch mal die fingernägel begutachten!

ehrlich: würden sie so jemandem die korrekte teilnahme an einer volksabstimmung zutrauen? naja, vielleicht. wir wollen ja keine vorurteile bilden, schließlich sind wir alle immer noch ein wenig 1945.

jaja, ich halte schon die klappe, bevor sich wieder jemand bemüßigt fühlt, sein verstecktes klugscheißer-gen an mir abzureagieren.

davon mal abgesehen: ich hätte da auch ein thema für eine volksabstimmung. und zwar zum thema radfahren und studieren. denn wer als student, sprich potenziell höher-iqiges wesen, so radfährt wie mein griechischer freund, gehört umgehend exmatrikuliert. die studiengebühren sollten solche heckenpenner besser an papamännchen spenden. der braucht das jetzt notwendiger. jeder ns-gauleiter hätte mir damals auf der stelle zugestimmt: lieber dem führer ein kind schenken!

nix für ungut.

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