Sonntag, 3. April 2011
drittel-life-crisis
30 und null tage fühlt sich dann doch schon fast wieder besser an als 29 und 364 tage.

der süden und die sonne geben sich größte mühe, mich aus der lethargie zu kitzeln. im moment bin ich kantianerin, die praktische vernunft honoriert auch die gute absicht.

früher habe ich immer geglaubt, mit 30 wird dann schon alles okay sein, guter job, ein mann, fester freundeskreis und einmal im jahr ein richtiger urlaub. aber geplatzten träumen sollte man nicht hinterherhängen. vielleicht hätten auch sie sich als totaler alptraum entpuppt.

also irgendwie wieder ein bisschen gück empfinden lernen. die kleinen dinge. langsamer gucken, sich nicht so vom vermeintlich großen hetzen lassen. vielleicht bin ich ja ein mensch, der lieber klein bleibt. man kann schließlich auch in seinen eigenen dimensionen wachsen.

dann feiern wir uns heute also selbst. mit melancholie, aber nicht ohne hoffnung.

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Samstag, 2. April 2011
bigger, better, bundesstraße
abendgestaltung des minikurzurlaubs in der heimat.

meine freundin t. und ich knüpften an good old times an und besuchten einen hiesigen dj auf seiner party. schließlich, meinte t., brauche ich abwechslung und vielleicht auch ein bier. die freude und das hallo waren zunächst groß, denn auch andere liebe menschen von früher waren da.

nachdem küsschen und umarmungen verteilt waren, standen wir zunächst noch eine weile beim dj herum, bevor wir dann die tanzfläche enterten.
"sag mal", meinte t., "also das hätte ich mich ja früher nicht getraut, so dermaßen unrhythmisch zur musik herumzuspacken!"
ich elektro-kind versuchte mich an meine letzten tanzversuche zu gitarren-schraddel-musik zu erinnern.
"keine ahnung, aber auf jeden fall bin ich nicht auf der tanzfläche HERUMGESTANDEN!" sagte ich und deutete mit den kinn auf eine gruppe menschen, deren füße stillstanden, während schultern und bierflaschen-haltende hände offbeat zuckten.
"und wir hatten nicht SOWAS dabei an", rügte t. den kleidungstil einer drallen 16-jährigen mit 80er-jahre-jeansminirock und einem oberteil, das aus ihrer beeindruckenden oberweite eine art presswurst mit zwei bergen machte.
"sind wir jetzt oberflächlich?" überlegte t.
"nein", sagte ich souverän. "wir haben geschmack."
ein oberstüfler beobachtete mich die ganze zeit mit dem ansatz eines schüchternen lächelns.
"was denkt der denn, dass ich pädophil bin oder was?!" fragte ich t.
"komm, lass uns abhauen", beschloss t.
"aber es ist doch erst zwei!" jammerte ich.
"ich hab ne idee" sagte t. und schob mich durch die überfüllten säle nach draußen.

zehn minuten später saßen wir im auto.
"lass uns zu burger king fahren", sagte t.
ich guckte doof.
"das haben wir früher immer gemacht", schwärmte t. und ich wusste, dass sie dabei an ihre eigenen wilden, chemisch ge-uplevelten zeiten dachte.
"ich war neulich mal mit s. unterwegs, der hat sich ja auch total verändert. da wollten wir auch zu burger king, aber er meinte dann, das wäre voll gesundheitsschädlich."
"nimmt der noch was?"
t. zuckte die schultern.
"irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass der nix mehr nimmt. ich kenn den aber auch nicht anders."
"aber wenn er sagte, dass burger krank machen, dann müsste er doch eine wahnsinnsangst vor allem, was nicht schrot und korn und handgepresster möhrensaft ist, haben?"
t. sah mich erstaunt an.
"der gedanke ist mir so noch gar nicht gekommen."
"naja, muss nicht sein, das objekt ist da auch ambivalent", nahm ich meine these zurück. "das kauft auch alles mögliche bio und studiert nährwertabellen und wertschöpfungsketten von lebensmitteln und schmeißt sich dann trotzdem jede menge scheiß rein, von dem es nicht weiß, was drin ist."
"na siehst du", sagt t. "so ist s. auch, denk ich."

irgendwo am ende der bundesstraße leuchtete uns das vertraute orangefarbene logo entgegen. t. fuhr einmal im kreis und parkte. dann stiegen wir aus.
"vorsicht", sagte ich und löste die schlaufe von t.s handtasche vom hebel der handbremse. "nicht, dass wir gleich davonrollen."
"das ist mir vor ein paar wochen erst passiert", seufzte t. genervt. "das war voll die scheiß geschichte."
"erzähl", sagte ich.
"naja, ich wollte ins büro, war spät dran, stell das auto ab, und naja, ähnliche szene, ich bleibe mit der tasche an der gangschaltung hängen. hab ich so aus versehen den gang rausgenommen, merk das aber nicht gleich. ich steige aus und nach ein paar meter rummst es hinter mir. ich dreh mich um, steht da ein auto schräg auf der straße und hängt so halb in einem anderen geparkten drin. guck ich noch mal, seh ich, scheiße, is mein auto."
ich lachte laut.
"das andere auto hatte dann so eine kleine schramme, also hab ich dem einen zettel drangehängt mit meiner nummer. dann bin ich in die arbeit gegangen, war ja eh spät."
"und kam ne dicke rechnung oder was?"
"nee. es war ja winter, also alles voller schneematsch, auch das auto, das ich angeschrammt hatte. und ich sitz so in der arbeit und überleg so und denk, eigentlich warste doof, die schramme sieht der eh erst, wenn der schnee schmilzt. also bin ich in der mittagspause noch mal runter und hab den zettel wieder weggemacht."
"boah, bist du fies", sagte ich.
"ja", kicherte t., "bin ich."

drinnen am tresen orderten wir gemüseburger, pommes, cola und kaffee. dann saßen wir da und ließen uns von mtv bedröhnen.
"ist fast wie inner disco", sagte ich zwischen zwei happen und t. nickte.
"nur müssen wir uns dabei nicht anschreien", sagte sie.
"ich glaub, wir sind richtig alt jetzt, oder?" fragte ich, aber t. zuckte stoisch die schultern.
als wir fertig waren, lehnte sich t. zurück und streckt sich.
"kopfschmerzen", murmelte sie.
"kenn ich", sagte ich.
"verspannt", sagte sie.
"energiestrom unterbrochen."
"wuuus?"
"naja, das hat was mit deinen chakren zu tun. da verlaufen die enegieströme im körper und wenn du verspannt bist, sind die unterbrochen und dann kriegst du probleme, körperliche und psychische. so ähnlich jedenfalls."
"so ein scheiß", fand t.
"doch, doch", sagte ich. "das ist traditionelle chinesische medizin. das objekt öffnet immer meine chakren, wenn ich down bin und dann geht es mir besser."
"du meinst, es stimuliert dein chakra da unten!" kicherte t. und deutete zwischen meine schenkel.
"du bist doof", musste ich lachen.
"das tut dir überhaupt nicht gut, mit so einem junkie rumzuhängen", fand t., "du kriegst da voll die meise."

der flatscreen tv über unseren köpfen zeigte ein video von rihanna.
"boah, guck dir mal die fiese friese an!" sagte t.
"guck dir mal künstlichen mörderfingernägel an!"
"igitt."
t. hielt inne und dachte nach, dann fragte sie:
"meinst du, meine kleine wird auch mal so? oder findet sowas gut?"
"nicht, wenn ihr sie weiterhin so konsequent im rockabilly-style erzieht", konnte ich t. beruhigen.
"dann ist ja gut", sagte t. "ich will nicht, dass die mal sowas als vorbild hat."
"naja, ein gutes hätte es ja", meinte ich. "stell sie auf die straße und sag den vorbeikommenden typen, 50 blasen, 100 ficken, und schluss is mit den finanziellen sorgen."
dann duckte ich mich, da mir papier und burgerreste entgegenflogen.

eine stunde später machten wir uns auf den heimweg. t. hatte rote augen.
"du bist müde", stellte ich fest.
"ich hab auch nicht viel geschlafen. das kind hält mich jede nacht wach und seit ich wieder arbeite... ich beneide meinen mann so, der ratzt einfach weiter, wenn die kleine wach ist und stundenlang brabbelt."
"fies", sagte ich. "mach dir doch ohrenstöpsel rein."
"geht nicht", erwiderte t., "dann hör ich die ganze zeit meinen scheiß-tinnitus."
"mannmann. aber das objekt lässt sich auch durch nichts aufwecken. wenn was ist, muss ich es immer heftigst schütteln und dabei ganz laut seinen namen rufen."
"wundert mich jetzt nicht, bei DEM konsum."
"dass es mich wundert, hab ich ja auch nicht gesagt."

vor der haustür meiner eltern umarmten wir uns.
"bis dann."
"bis bald."
"ja hoffentlich."
"das nächste mal dann bei mc doof?"

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Donnerstag, 31. März 2011
tragend, schreitend
and now for something completely different.

es fehlt allein ein kater, der jetzt mit schwerfälliger eleganz dickpfotig im tiefen teppich versinkt.

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Mittwoch, 30. März 2011
das hintertürchen ist ins schloss gefallen
erforderlicher notendurchschnitt für einen popeligen ref-platz: 1,1.

tschüß lehramt.

ich hab dann wohl leider im falschen bundesland studiert.

an manchen tagen frage ich mich, ob es einen gott gibt und wenn ja, warum er mich nicht einfach von einem auto überfahren lässt. ich bin ja ein typ, der direkte absagen dem mehr oder minder höflichen herumlavieren vorzieht. (entschuldigung, da bin ich ganz prinzessin.)

heute morgen sagte mein arzt, ich solle mich bloß nicht für "frauen am rande des nervenzusammenbruchs" bewerben. ich stecke ja schon mitten drin.
stelle erstaunt fest, dass so ein burnout in zyklen verläuft. tiefer scheint es aber jedenfalls immer zu gehen.

alles, worauf ich jetzt noch warte, ist irgendeine neue krankheit. irgendwas chronisches. komm, gib es mir. wird doch mal wieder zeit für sowas!

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Dienstag, 29. März 2011
there you are
es war einer dieser sonntage, einer dieser montage, einer dieser tage, die sich so unerträglich anfühlen, dass ich nicht weiß, wohin mit mir.

you were the one. du hast das s.o.s. zwischen den zeilen verstanden und mich aus dieser wohnung geholt, die immer noch halb uneingerichtet ist und mir das gefühl, ständig auf gepackten koffern zu sitzen, nicht nehmen kann. du sagtest, pack deine sachen und komm vorbei, ich koche was.

also habe ich meine tasche gepackt, zwei, drei sachen und bin in die s-bahn gestiegen mit dem eindruck, eine vollkommene zumutung zu sein, hab zwischendurch angerufen und dir gesagt, dass du nichts erwarten kannst, gar nichts, und dass ich umkehren möchte, ohne zu wissen wohin. du hast mich mit dem handy am ohr durch die stadt begleitet und mir dinge erzählt, um mich von meinem weg abzulenken und vom gedanken, dass ich unsagbar unzulänglich bin und lieber gleich in die alster springen sollte - solange, bis ich dann vor deiner tür stand.

dein kleiner stürmte mir schon im treppenhaus entgegen und zauberte das erste lächeln seit tagen auf mein gesicht. er nahm mich bei der hand und schleppte mich in die küche, wo du standest und hühnchen nach dem rezept deiner oma zubereitetest. ich hatte angst vor einer umarmung, denn dann hätte ich vermutlich geweint, was mir peinlich gewesen wäre vor den großen fragenden kinderaugen, die jede meiner bewegungen bewachten. danach saßen wir am tisch, spät, viel zu spät, und ich fragte den lütten, musst du nicht längst im bett sein, und du rolltest die augen und meintest, er wollte dich nicht verpassen und mit uns zusammen essen.

dann, als du den kleinen zum zähneputzen schicktest, fragtest du mich vorsichtig, ob ich mich umarmen lassen möchte. ich nickte und du strecktest die arme aus, fuhrst mit den händen über meine schultern und seufztest, du bist wahnsinnig angespannt und siehst gleichzeitig vollkommen fertig aus. ich sagte nichts und du verstandest wie immer und beruhigtest mich, du musst nichts sagen oder erklären, das ist schon okay.

dann hobst du mich hoch wie ein krankes kind, zogst mir die schuhe und die kleider aus und brachtest mich zu bett, kletterst dann selbst hinterher, sagtest, komm, komm an, komm nach hause, komm kuscheln. ich legte den kopf auf deiner breiten brust ab und du hieltest mich fest und begannst ganz vorsichtig, mein gesicht zu streicheln, nase, stirn, wangen, in lauter kleinen, zärtlichen kreisen, während meine tränen in deinen pullover sickerten und du so tatest, als bemerktest du es nicht, weil du spürtest, wie unangenehm es mir war, schwach, kindisch, trostlos zu sein.

irgendwann berührtest du meine schläfen und meintest sehr zufrieden, endlich schlägt dein herz langsamer, endlich entspannst du dich. dann fragtest du mich, ob es mich störe, wenn du noch einen film schaust, weil du noch nicht schlafen könntest. soviel rücksicht machte mich vollends verlegen, sodass ich mich aufraffte und mich bereit erklärte, einen film mit dir zu sehen. du brachtest daraufhin eine halbe videothek nach hause, damit ich wählen konnte, wonach mir war und so guckten wir eine schrille komödie, während du mich immer noch festhieltest und sanft streicheltest. wir kamen mit dem film fast zu ende, bevor ich deine erektion spürte, aber du sagtest nein, nicht heute, du wolltest mir nicht weh tun, niemals, ohne dabei das körperliche zu meinen.

und als wir uns schließlich schlafen legten und du mich mit armen und beinen umschlangst, wie du es gerne tust, musste ich wie wahnsinnig an mich halten, um dir nicht zu sagen, dass ich dich liebe.

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