Mittwoch, 26. Januar 2011
i wish this would be you colour
wie einem diese stadt mit ihren kahlen wassern nachtgrau zu füßen liegt.

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Montag, 24. Januar 2011
in gottes namen
zum großen schrecken meiner eltern wollte ich um das 16. oder 17. lebensjahr herum künstlerin werden. ich begann, unsummen von geld für großflächiges papier, pinsel, lösungsmittel und diverse farben auszugeben. dann kaufte ich mir 16 kunstbücher und begann zu malen. außerdem bediente ich nach der schule im café, das zu einem miesen kleinen stundenhotel in der südstadt gehörte, um mir den samstäglichen bildhauereikurs bei einer lokal semiprominenten künstlerin und privatdozentin zu finanzieren.

es war eine zeit, in der sich die mienen meiner eltern zusehens verfinsterten, während meine kunstlehrerin entzückt jauchzte, ich müsse UNBEDINGT kunst-abitur machen und das ganze danach auch möglichst studieren. leider brach ich mir wenige monate später bei einem fahrradunfall den mittelhandknochen, was schon mal der bildhauerei sowie auch der pianistinnenkarriere ein spontanes und dauerhaftes ende setzte. ich machte eine zeitlang mit ton weiter, aber das war keine herausforderung, außerdem wusste ich irgendwann nicht mehr wohin mit all den totenschädeln, penissen und torsi. ich machte noch eine kleine weile weiter, um meine mutter zu ärgern, indem ich mit meinen ton-schauerlichkeiten den backofen blockierte. dann stellte ich das ganze ein, da ich keinen platz mehr hatte für meine irdene dildo-sammlung.

in dieser zeit versuchte ich mich, die ich eigentlich eher zu modernerer kunst (19. jahrhundert bis kompostmoderne) tendierte, an einem theologischen werk: die schöpfung von meister bertram. sie kennen das bild vielleicht, es zeigt jesus checker-artig gestikulierend in einem langen mantel mit jeder menge viecher und macht insgesamt einen merkwürdigen eindruck zwischen locus amoenus und sodomistenparty.
ich gab mir reichlich mühe und war im nachhinein verdammt stolz, zeigte das gemälde jedoch niemandem.

vor einigen jahren, als ich mit meier besten, kunstbeflissenen freundin den keller neu sortierte, fiel mir besagtes werk wieder in die hände.
"dein jesus sieht verdammt schwul aus", meinte meinte freundin, nachdem sie das werk eine zeitlang kritisch beäugt hatte.
"das ist eben ein metrosexueller style", entgegnete ich.
"du spinnst ja, jesus war doch nicht david beckham."
"jetzt sei doch nicht so unaufgeschlossen. seit gadamer müssen wir fröhlich die horizonte verschränken. und das ist eben meine interpretation, aus dem hochmittelalter heraus in die kompostmoderne transferiert!"
"der sieht aber trotzdem schwul aus. und überhaupt nennt man typen in langen kleidern nicht metrosexuell, sondern transvestiten."
es war zwecklos, wir kamen auf keinen grünen zweig. irgendwann ließen wir die debatte sein.

ich schenkte das bild am ende meiner oma, die sich sehr freute, entweder weil sie auf metrosexuelle typen stand oder weil sie aufgrund ihres grauen stars nicht mehr so viel sah. so hatten alle völker ihren frieden und ich tauschte pinsel und farbe endgültig gegen tinte und tastatur.

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Sonntag, 23. Januar 2011
spontanitäten
trotz neuer endlos-wegstrecke, miesem nieselregen und knochenschwerer müdigkeit noch im club gewesen.

zunächst spontan den bus verpasst. fahrradfahren ist ja nicht mehr. zu weit. (also nicht zu weit, um es körperlich zu schaffen, aber weit genug, um nachher wie ein idiot auszusehen.) daher spontan den nächsten bus genommen, anstatt zu überlegen und wieder nach hause zu fahren.

bei vollständiger nüchternheit (wann hatte ich das zuletzt? im november irgendwann mal?) war die laune hervorragend. zwei stunden lang getanzt, bis der schweiß floss. objekt getroffen, rotzbesoffen. zwei kurze vom freundlichen barkeeper, der uns für ein pärchen hält, spendiert bekommen. angestoßen, auf meine formidable direktheit, die dem objekt heute mal wieder so gut gefallen hat.

wir tranken auf ex, stellten die leeren gläser ab, dann sank das objekt zu boden. als es zwischen den stühlen wieder auftauchte, lachte ich und sagte, ich hätte nie gedacht, dass ich dich mal mit einem einzigen schnaps unter den tisch trinken würde. das objekt musste ebenfalls albern kichern. doch die spontane fröhlichkeit verging uns gleich. denn plötzlich war die objekt-freundin aufgetaucht. sie zerrte das objekt zwischen den stühlen hervor und schirmte es vor mir mit beiden armen und blicken wie abc-waffen ab.
oops.

mit spontan einsetzender müdigkeit gegen halb fünf uhr zurück zum bus geschlurft. merkwürdiges ziehen in der brust bemerkt. gerätselt, dann festgestellt: spontaner herzschmerz. irgendwas reagiert wohl doch, aller vordergründiger souveränität zum trotz. versucht, ein paar tränchen aus den augen zu quetschen. funktioniert immer noch nicht.

mit dumpfen kloß in der magengegend in den bus gestiegen. spontan keine fahrkarte gekauft. spontan vom busfahrer durchgewinkt worden. musik lauter gedreht. nach hinten gelaufen. dann, auf einmal, wie aus dem nichts: ein bekanntes gesicht: die werte lady grey. spontan hallo gesagt und ein bisschen über wohnungen und wohngegenden in hh philosophiert.

gegen fünf endlich zuhause angekommen bei der spontan aufgenommen brandneuen mitbewohnerin (mitbewo). mitbewo schläft wie ein stein und ist zu keinen untugenden wie über blonde objektfreundinnen lästern bereit. mitbewo-vertrag spontan verlängert. wer steht denn schließlich schon auf läster-tussen?

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Freitag, 21. Januar 2011
katzeklo
da ich ja nun nicht mehr nur auf großem fuß, sondern auch auf großem raum lebe, habe ich mir ein neues selbstverwirklichungsprojekt ausgedacht: wir schaffen uns ab ein haustier an!

gestern, als ich mit dem werten herrn gibson einen zwitschern war, sprach ich das thema katze an, das der herr gibson allerdings sofort mit "kotze" assoziierte und mir dringend abriet, wenn mein bett nicht irgendwann aussehen soll wie das eines inkontinenzlers.
"wie wärs denn mit einem kaninchen", überlegte ich laut. "als kind wollte ich schon immer eins."
"kaninchen sind super, die kötel kriegt man auch voll leicht weg", dachte herr gibson gleich wieder ganz praktisch.

heute auf arbeit bestand ein hauptteil meiner hochverantwortungsvollen tätigkeit darin, den kacken gewesenen, wild durch den garten rasenden hund meiner chefin wieder einzufangen. der süße kleine köter ist absolut hyperkinetisch und hat eine ziemliche klatsche, womit er allerdings auch super zu unserem büro und natürlich auch zu mir passt. madame morphine joggte also in strümpfen, riemchenschuhen und dem guten rock dem kleinen scheißer durch gras und gestrüpp hinterher, bis er dann doch irgendwann langsamer wurde, während ich bereits aus dem letzten loch meiner raucherlunge pfiff. irgendwie schaffte ich es dann, das irrwischige fellknäul zu erhaschen und an die brust zu nehmen. da mich der wauzi heiß und innig liebt und meinen schoß zum bevorzugten schlafplatz auserkoren hat, bekam ich auch sofort eine warme zunge und feuchten, schlecht riechenden hundeatem ins gesicht.
später, also ganz spät, stunden nach feierabend jedenfalls, als ich immer noch im büro war und dringende projekte wegarbeitete, setzte sich meine chefin zu mir und stellte mir ein glas wein hin (da wir einige wein- und spirituosenkunden haben, sind wir ab 17 uhr meist ziemlich heiter). während ich das letzte mail verschickte, blubberte ich ein bisschen belanglosen privatkram und erzählte auch meiner chefin vom tierischen tierwunsch.
"hol dir doch auch so einen kleinen hund, dann bringst du den immer mit und die beiden könnten zusammen spielen", schlug meine chefin vor.
"hm", sagte ich, "aber wenn der dann auch so viel kackt wie deiner... das ist mir dann zu anstrengend." (der hund meiner chefin muss alle zwei stunden und saut auch gern das parkett unter meinem tisch ein.)
"also eigentlich bist du ja auch eher ein katzentyp", fand meine chefin dann.
"ich muss mal ein paar katzen testen", sagte ich. "eigentlich bin ich nämlich allergisch. uneigentlich sag ich mir allerdings, scheiß drauf, dann desensibilisiere ich mich eben selbst."
"hol dir doch eine birma katze", schlug meine chefin vor. "oder auch eine siam, so wie meine."
"mal sehen", sagte ich, "birma ist natürlich schon schick."
"ein bekannter von mir hat eine norwegische waldkatze, die sind auch toll, aber so ne riesen viecher. und du musst bedenken, je größer, desto öfter musst du das klo sauber machen."
"also eine minikatze! am besten eine vegetarierin!" bestimmte ich.
"mach das mal. ich wäre gespannt, wie die sich dann mit dem verrückten köter hier verträgt."

so, liebe leser. und jetzt sind sie mal wieder dran, der interaktivität halber und damit ihnen bei eis und schnee nicht die finger untätig auf der tastatur festfrieren: welches haustier soll ich mir zulegen? ich bin gegen alles außer fische und reptilien allergisch, aber wie gesagt, drauf geschissen. ich bin selten zuhause, darf aber alle viecher ins büro mitbringen. ein wichtiges kriterium ist auch, dass sie nicht so viel kacken. der hund meiner chefin ist schon grenzwertig, obwohl er sehr niedlich und crazy und unendlich kuschlig ist.

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Freitag, 14. Januar 2011
lieblosleben im pendeltakt
morgens von e. nach w. zur arbeit. in der u-bahn ruft das objekt an. wenn der sohnemann anwesend ist, stehe ich immer hoch im kurs. ist sohnemann-frei, hängt es lieber mit der blonden ab.

heute haben wir wieder mal einfühlungskurs. das objekt weiß, dass ich über die maßen erschöpft bin, aber nicht, dass ich in diesem zustand nicht sehr auf gefühle und diskussionen darüber stehe. die frage danach, wie es mir gerade so geht, reizt meinen zorn. das objekt erschrickt angehörs meiner pampigen tonlage und schweigt dann, bis ich "sorry" sage.

"du bist zur zeit so verschlossen."
ja, was soll ich auch offen sein? ich weiß nicht mehr, wer ich für das objekt bin und im moment interessiert es mich auch herzlich wenig. die arbeit, der umzug, die schlachten mit dem finanzamt, das gezoffe mit dem arbeitsamt und last but not least zwei riesenprojekte, von denen das eine ein buch wird... meine welt dreht sich auf vollgas, mir schwindelt und ab und an muss ich ein bisschen kotzen. vielleicht bin ich ja schwanger und das objekt wird zweifachvati, haha.

im w. treffe ich dann das subjekt, das um die ecke arbeitet. wir fahren zusammen ein stück u-bahn richtung a. das sujekt ist easy, wenn ich gestresst bin. es ist höflich, zuvorkommend, charming und emotional immer so unterkühlt, dass ich keine angriffsfläche finde. es schaut mir tief in die augen und für einen augen-blick fühle ich wieder ein wenig frau im mir.
später stehen wir dann an der haspa, ich rauche noch eine, bis ein tropfen die glimmende spitze zischend löscht. das subjekt lacht, meint, geschieht dir recht, und wir verabschieden uns.

ich empfinde nichts. gar nichts. die liebe in mir ist tot. auch mal angenehm, so wunschlos unglücklich zu sein.

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